Quelle: Blätter 1967 Heft 07 (Juli)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Eberhard Czichon
       
       HERMANN JOSEF ABS, BANKIER UND POLITIKER (I)
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       Den Gepflogenheiten  seines  Bankinstitutes  entsprechend,  legte
       Hermann Josef  Abs einige  Monate nach  seinem 65. Geburtstag, am
       30. Mai  1967, den  Posten des  Vorstandssprechers der  Deutschen
       Bank nieder.  Zu seinen  Nachfolgern wurden als gleichberechtigte
       Vorstandssprecher Franz  Heinrich Ulrich  und Dr. Karl Klasen be-
       stellt, die  beide seit  1935 der  Deutschen Bank  angehören  und
       langjährige Vertraute  von Hermann  Josef Abs  sind. Abs übernahm
       den Vorsitz  des Aufsichtsrates  und wird von da aus die Fäden in
       der Hand behalten. Die Kontinuität in der Konzeption des mächtig-
       sten deutschen Bankhauses ist damit gewahrt.
       Hermann Josef  Abs, der  außerdem in  den Aufsichtsräten und Vor-
       ständen  nahezu  aller  entscheidenden  Konzerne  vertreten  ist,
       spielt in  Wirtschaft und  Politik der Bundesrepublik unverändert
       eine bedeutende Rolle. Noch am 28. Juni dieses Jahres hat er sich
       vor der  Auslandspresse in  Bonn für  eine Fortsetzung der Großen
       Koalition über  das Jahr 1969 hinaus ausgesprochen, falls bis da-
       hin nicht die "anstehenden wirtschaftlichen und finanzpolitischen
       Probleme gelöst"  sein sollten.  Und Bundespräsident Lübke schlug
       Hermann Josef  Abs noch während der Regierungskrise Ende des ver-
       gangenen Jahres in völliger Verkennung des für die deutsche Indu-
       strie bestehenden  ungeschriebenen Gesetzes,  nur in  Zeiten  der
       allergrößten Not selbst in die politische Verantwortung einzutre-
       ten, zum Bundeskanzler vor. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Abs
       zu den  Förderern von Franz Josef Strauß und Kurt Georg Kiesinger
       gehört und  einer der  eifrigsten Befürworter  der Regierung  der
       Großen Koalition  ist. Abs  hat als einflußreichster Sprecher der
       Großbanken und  der Großindustrie  von Anfang an die westdeutsche
       Nachkriegspolitik mitbestimmt.  Weniger bekannt  als sein Einfluß
       auf die  Regierungspolitik seit  1949 ist indessen die Rolle, die
       er bis  1945 gespielt hat. Obwohl Hermann Josef Abs auf einer vom
       US-Justice-Department publizierten  Kriegsverbrecherliste  (Liste
       der ökonomischen Kriegsverbrecher A 31/110, Washington März 1945)
       stand und ihn auch die amerikanische Militärregierung im November
       1946 als  einen schwer  belasteten Nazi  (vgl. Office of Military
       Government of  the USA  - OMGUS  - Bericht über die Tätigkeit der
       Deutschen Bank AG, November 1946) bezeichnete, entwarf eine wohl-
       wollende Publizistik sehr bald das bekannte harmlose Bild vom er-
       folgreichen, jenseits  der nationalsozialistischen Okkupationspo-
       litik stehenden  Geschäftsmann. (Vgl.  dazu u.a.  Simoneits  seit
       langem auf  der Bestsellerliste geführtes Buch "Die neuen Bosse",
       Düsseldorf-Wien 1966.)
       Nun hat  soeben der junge Historiker Eberhard Czichon die Auswer-
       tung der  Akten der Deutschen Bank abgeschlossen, die in den feu-
       ersicheren Panzerschränken  im Keller  der  Berliner  Mauerstraße
       Luftangriffe und  Stadtkämpfe überstanden  haben. Es handelt sich
       um die persönliche Handakte von Hermann Josef Abs, die Akten sei-
       nes Auslandssekretariats aus den Jahren 1938 bis 1945 und die Ak-
       ten des  Generalsekretariats und  der Kanzlei der Deutschen Bank.
       Czichon wird  aufgrund dieses  Quellenmaterials von  über  20 000
       Seiten ein Buch über Hermann Josef Abs herausbringen. Im nachfol-
       genden Beitrag,  dessen zweiter  und dritter Teil in den nächsten
       Heften der  "Blätter" erscheinen,  gibt Czichon  einen  Überblick
       über die  wesentlichen Ergebnisse  seiner Quellenauswertung, ohne
       daß die  Dokumente im  einzelnen ausgebreitet  werden können. Der
       erste Teil behandelt Aufstieg und Tätigkeit von Hermann Josef Abs
       bis zum  Kriegsausbruch 1939. Im zweiten Teil wird das Wirken von
       Abs während der Kriegsjahre dargestellt. Im dritten Teil versucht
       der Verfasser,  über die  mit dem Jahre 1945 abschließenden Akten
       hinaus die  Rolle von Hermann Josef Abs bis in die Gegenwart wei-
       ter zu  verfolgen. Die  Arbeit entstand  unter wissenschaftlicher
       Beratung von Dr. Walter Grab, Tel Aviv.
       Es versteht sich, daß eine auf einen Zeitschriftenaufsatz kompri-
       mierte Darstellung  nur Konturen  herausarbeiten kann und auf De-
       tails verzichten  muß. Wir meinen dennoch, daß diese Untersuchung
       ohne weiteren Kommentar auskommt. D. Red.
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