Quelle: Blätter 1967 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DES LANDESKURATORIUMS "NOTSTAND DER DEMOKRATIE"
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       NORDRHEIN-WESTFALEN VOM 21. OKTOBER 1967
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       Am  21.   Oktober  1967  wurde  in  Bochum  das  Landeskuratorium
       "Notstand der  Demokratie" Nordrhein-Westfalen  gegründet, das zu
       einer Großkundgebung  am 2.  Dezember 1967  in Essen aufruft. Der
       von den  Gründungsmitgliedern unterzeichnete Aufruf hat folgenden
       Wortlaut:
       
       Auch die  Regierung der  Großen Koalition  setzt  die  Bemühungen
       fort, das  Grundgesetz durch  eine Notstandsverfassung  zu verän-
       dern. Es  handelt sich heute um den vierten Versuch, nachdem alle
       früheren am Widerstand der Bevölkerung gescheitert sind.
       Auch die  neue Regierungsvorlage  ermöglicht eine umfassende Ein-
       schränkung der persönlichen Freiheiten. Bereits in Friedenszeiten
       kann das Parlament zugunsten des Gemeinsamen Ausschusses entmäch-
       tigt und  all seiner Rechte und Pflichten der demokratischen Kon-
       trolle enthoben werden. Die weitreichenden Bestimmungen des äuße-
       ren und inneren Notstandes erlauben bereits in Friedenszeiten die
       Ausübung von Kriegsrecht.
       In allen  europäischen Ländern  haben sich die Bemühungen um Ent-
       spannung verstärkt. Auch die Bundesregierung spricht von Entspan-
       nung und  einer europäischen Friedensordnung. Jegliche Notstands-
       planung in  der Bundesrepublik  widerspricht nicht nur diesem er-
       klärten Ziel,  sondern verschärft  die politischen  Spannungen in
       Mitteleuropa.
       Das beharrliche Festhalten an einer Regelung für den inneren Not-
       stand zeigt,  daß nach  wie vor die Absicht besteht, sich mit den
       Notstandsgesetzen ein  Machtinstrument für innenpolitische Krisen
       zu verschaffen.  Wie alle  bisherigen Entwürfe  richtet sich auch
       die neue  Regierungsvorlage in  erster Linie gegen die Arbeitneh-
       mer. Die  Möglichkeiten der  Dienstverpflichtung und Produktions-
       auflagen, die  jeden an  den Arbeitsplatz  zwingen,  brechen  das
       Streikrecht. Die  bereits durch  den Werkselbstschutz  in einigen
       Betrieben praktizierten  Notstandsübungen vermitteln ein Bild vom
       Wesen der Notstandsgesetze. Diese Gesetze ermöglichen die Zerstö-
       rung aller demokratischen Rechte zugunsten der dauerhaften Siche-
       rung und  Befestigung der  bestehenden Macht-  und Besitzverhält-
       nisse. Sie  tragen nicht dazu bei, dringende soziale Probleme de-
       mokratisch zu lösen, sondern ermöglichen im Gegenteil, die Lösung
       mit Gewalt zu verhindern. So probten Einheiten der Bundeswehr und
       des Bundesgrenzschutzes die Niederschlagung von Streiks.
       Gerade in  Nordrhein-Westfalen hat  die jüngste Zeit gezeigt, daß
       soziale Gegensätze  nicht der  Vergangenheit  angehören.  In  den
       Städten an  Rhein und  Ruhr herrscht  erstmals seit Jahren wieder
       Massenarbeitslosigkeit, eine  tiefgreifende Strukturkrise  besei-
       tigt im  Ruhrgebiet Tausende  traditioneller Arbeitsplätze,  ohne
       daß genügend  neue Industrien  angesiedelt werden. Kurzarbeit und
       Lohndruck tragen soziale Unsicherheit in viele Familien.
       Die Notstandsgesetzgebung  löst keines  dieser Probleme, sie ver-
       schärft sie nur. Während die sinnlose Notstandsplanung Milliarden
       kostet, fehlt das Geld zur Behebung der sozialen Notstände.
       Das Kuratorium  "Notstand der  Demokratie" des  Landes Nordrhein-
       Westfalen begrüßt,  daß der  Deutsche Gewerkschaftsbund seine Ab-
       lehnung jeglicher  Notstandsgesetzgebung erneut  bekräftigt  hat.
       Der wachsende  Widerstand in  allen Schichten der Bevölkerung hat
       auch Abgeordnete des Bundestages bewogen, Abänderungsanträge ein-
       zubringen, die aber nur teilweise die Argumente der Notstandsgeg-
       ner berücksichtigen. Es kommt deshalb jetzt darauf an, die außer-
       parlamentarische Opposition zu verstärken, um jegliche Notstands-
       gesetze zu verhindern. Nur so kann das Grundgesetz vor einer wei-
       teren Aushöhlung bewahrt und die Demokratie geschützt werden.
       Wir rufen  deshalb die Bevölkerung des Landes Nordrhein-Westfalen
       auf zur  Teilnahme an der Kundgebung "Für Demokratie - Gegen Not-
       standsgesetze -  Für soziale  Sicherheit" am  2. Dezember 1967 in
       Essen.
       Karlheinz Bräuer,  Bezirksleiter der  IG Metall,  Köln - Waldemar
       Ziemann, Bezirksleiter der IG Metall, Hagen - Willi Ahlmann, Mit-
       glied des  Vorstandes der  IG Metall; 1. Bevollmächtigter, Köln -
       Edith Franzmann,  Beiratsmitglied der  IG Metall,  Hagen  -  Hans
       Schönitz, Mitglied des Vorstandes der IG Metall; Betriebsratsvor-
       sitzender der  Firma HOAG,  Essen -  Kurt Vogelsang, Mitglied des
       Vorstandes der IG Metall; 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Bie-
       lefeld -  Ulrich Deckert, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Neuß
       - Herbert  Sandvoss, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Mülheim -
       Josef Höning,  1. Bevollmächtigter  der IG  Metall, Rheinhausen -
       Karl-Heinz Völker,  1. Bevollmächtigter  der IG  Metall, Essen  -
       Richard Vaupel,  1. Bevollmächtiger  der IG  Metall, Hattingen  -
       Hartwig Völker,  1. Bevollmächtigter  der IG  Metall, Eschweiler-
       Stolberg -  Kurt Rubröder,  1. Bevollmächtigter  der  IG  Metall,
       Siegburg -  K.H. Türbsch, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Min-
       den -  Heinz Ribbat, 1. Bevollmächtigter der lG Metall, Hohenlim-
       burg -  Georg Herz,  1. Bevollmächtigter  der IG Metall, Aachen -
       Hans Mombaur,  1. Bevollmächtigter  der IG  Metall, Oelde - Willi
       Wahl, 1.  Bevollmächtigter der  IG Metall,  Krefeld - Willi Chri-
       stoffer, 1.  Bevollmächtigter der  IG Metall,  Münster  -  Werner
       Schmidt, 1.  Bevollmächtigter  der  IG  Metall,  Hagen  -  Martin
       Kreutz, 1.  Bevollmächtigter der IG Metall, Mönchengladbach - Ge-
       org Ippers,  1. Bevollmächtigter der IG Metall, Düsseldorf - K.H.
       Troche, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Dortmund; Mitglied des
       Vorstandes der  IG Metall  - Prof.  Dr. Heinz  Kremers, Kettwig -
       Prof. Dr.  Fritz Bärmann, Wuppertal - Prof. Dr. Georg Rieder, Aa-
       chen -  Prof. Dr.  Walter Rest,  Münster -  Prof. Dr. Günther van
       Norden, Wuppertal  - Prof.  Dr. Richard  Alewyn, Bonn - Prof. Dr.
       Hans D.  Meyer, Aachen  - Prof. Dr. D. Claessens, Münster - Prof.
       Dr. K.H.  Volkmann-Schluck, Köln  - Prof.  Dr.  Eberhard  Hübner,
       Dortmund - Prof. Dr. E. Huster, Münster - Prof. Dr. Walter Vogel,
       Bonn -  Prof. Dr.  Jürgen Untermann,  Köln - Prof. Dr. Walter Fa-
       bian, Köln  - Heinz  Benne, 2. Vorsitzender der IG Bau-Steine-Er-
       den, Bielefeld  - Werner  Böwing,  Geschäftsführer  der  IG  Bau-
       Steine-Erden, Solingen  - Erwin  Wiechers, Bezirksleiter  der Ge-
       werkschaft Öffentliche  Dienste, Transport  und Verkehr, NRW II -
       Fritz Gent,  Landesbezirksvorsitzender IG  Druck u. Papier, NRW -
       Hans Georg  Grätz, DGB-Kreisvorsitzender,  Neuß -  Josef  Hockel,
       Kreisvorsitzender des  DGB, Kreis  Moers  -  Peter  Krohnen,  Ge-
       schäftsführer der Gewerkschaft Holz u. Kunststoff, Krefeld - Wal-
       ter Köster,  Geschäftsführer der Gewerkschaft Holz u. Kunststoff,
       Wuppertal -  Alfred Teichmann,  Geschäftsführer der  Gewerkschaft
       Holz u. Kunststoff, Düsseldorf - Gerhard Limpert, Geschäftsführer
       der Gewerkschaft  Holz u.  Kunststoff, Münster - Bernhard Berger,
       Geschäftsführer der Gewerkschaft Holz u. Kunststoff, Essen - Kurt
       Georgi, 2. Vorsitzender der Gewerkschaft Holz u. Kunststoff - Pe-
       ter Riemer,  Vorstandsmitglied der  Gewerkschaft Holz  u.  Kunst-
       stoff, Redakteur  der Holzarbeiterzeitung  -  Rudi  Jülich,  Mön-
       chengladbach -  K.H. Goebels,  Bundesjugendsekretär  der  Gewerk-
       schaft Textil u. Bekleidung - Oskar Kind, 1. Vorsitzender der Be-
       zirksverwaltung Handel, Banken und Versicherungen, Ostwestfalen -
       Günter Volkmar,  Mitglied des  Hauptvorstandes  der  Gewerkschaft
       Handel, Banken  und Versicherungen - Günther Knobloch, Vorsitzen-
       der der  Gewerkschaft Handel,  Banken und  Versicherungen,  Bonn;
       stellvertretender Fraktionsvorsitzender  der SPD der Stadt Bonn -
       Bert Hildebrandt,  Geschäftsführer der  IG Chemie-Papier-Keramik,
       Leverkusen -  Anton Wingenbach, Geschäftsführer der IG Chemie-Pa-
       pier-Keramik, Köln  - Peter Viehöver, Geschäftsführer der IG Che-
       mie-Papier-Keramik, Düren  - Artur  Ernst, Geschäftsführer der IG
       Chemie-Papier-Keramik, Essen  - Karl  Heinle, Geschäftsführer der
       IG Chemie-Papier-Keramik,  Mülheim - Walter Schroeter, Geschäfts-
       führer der  IG Chemie-Papier-Keramik,  Wuppertal - Albert Reuber,
       Dortmund -  Theo Eder, Geschäftsführer der IG Chemie-Papier-Kera-
       mik, Marl - Günter Lass, Geschäftsführer der IG Chemie-Papier-Ke-
       ramik, Hagen  - Albrecht Voigt, Rektor, Neuß - Siegfried Scheytt,
       Essen -  Gertrud Wolferts,  Oberstudienrätin, Velbert  - Dr. R.R.
       Geis, Rabbiner,  Düsseldorf - W. Ziegenfuss, MdL, Mörmter - Hein-
       rich Werner,  Pfarrer, Köln  - Dr. Siegfried Middelhaufe, Düssel-
       dorf -  Karl Heinz  Hansen, Studienrat,  Düsseldorf -  Günter  R.
       Bröhl, Redakteur der Neuen Ruhrzeitung, Monheim - Dr. Heinz Klop-
       penburg, Oberkirchenrat,  Dortmund  -  Gerhard  Melzer,  Pfarrer,
       Rheinhausen -  Dr. Ursula  Jaeschke, Kettwig  - Dieter Süverkrüp,
       Düsseldorf -  Dr. Ilka Boll, Essen - Paul Schallück, Schriftstel-
       ler, Köln - Günther Heering, Städt. Oberrechtsrat, Moers - Gustav
       Reuter, Ortsvorsitzender  der SPD,  Homberg -  Dr.  Arno  Klönne,
       Bochum - Hermann Hagen, Betriebsratsvorsitzender der Fa. Interna-
       tional Harvester Company, Neuß - Rudolf Larisch, Betriebsratsvor-
       sitzender der  Fa. Rheinische Blattmetall AG., Grevenbroich - Ja-
       kob Hurtz,  Betriebsratsvorsitzender der  Fa. Gebr. Böhler & Co.,
       Büderich -  Albert Wiese, Betriebsratsvorsitzender der Fa. Buckau
       R. Wolf  AG, Grevenbroich - Franz Euler, Betriebsratsvorsitzender
       der Fa.  Phönix Rheinrohr,  Mülheim - Herbert Knapp, Betriebsvor-
       sitzender der  Fa. Mannesmann,  Duisburg -  Richard Hemmers,  Be-
       triebsratsvorsitzender der Fa. Deutsche Edelstahlwerke, Krefeld -
       Herbert Escher,  Betriebsratsvorsitzender der Fa. Duisburger Kup-
       ferhütte, Duisburg - Willi Bergmann, Betriebsratsvorsitzender der
       Fa. Concordia  Bergbau AG.,  Oberhausen - Heinz Uphaus, Betriebs-
       ratsvorsitzender der  Fa. Rheinstahl-Union Brückenbau, Dortmund -
       Heinz Lukrawka,  Betriebsratsvorsitzender, Dinslaken  - Heinz Vo-
       gelsang, Betriebsratsvorsitzender der Fa. Weserhütte AG., Gohfeld
       - Karl-Heinz Petersen, Vorsitzender des Vertrauenskörpers der We-
       serhütte AG,  Eidinghausen - Siegfried Falke, Betriebsratsvorsit-
       zender, Duisburg - Gustav Kölling, Betriebsratsvorsitzender, Vlo-
       tho -  Rainer Tandien, Betriebsratsvorsitzender der Fa. Girardet,
       Düsseldorf -  Erich Jäger,  stellv. Betriebsratsvorsitzender  der
       Farbenfabriken Bayer,  Leverkusen -  Rudi Rosinski, Betriebsrats-
       vorsitzender der  Fa. Peill & Putzle, Düren - Hermann Frisch, Be-
       triebsratsvorsitzender der Fa. Krupp, Essen - Günter Tolusch, Be-
       triebsratsvorsitzender der Fordwerke, Köln - Albert Pfeiffer, Be-
       triebsratsvorsitzenrier der  Fa. Westfalenhütte, Dortmund - Willi
       Arndt, Betriebsratsvorsitzender der Fa. Neußer Eisenbau Bleichert
       KG, Neuß - Karl Schröder, SPD-Ratsherr, Betriebsratsvorsitzender,
       Grevenbroich.
       

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