Quelle: Blätter 1968 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       BERICHT VON AMNESTY INTERNATIONAL ÜBER DIE LAGE
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       DER GEFANGENEN IN GRIECHENLAND
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       I. Amnesty International  (das den konsultativen Status Kategorie
       I beim  Europarat hat) schickte am 30. Dezember 1967 eine Delega-
       tion nach Griechenland, um
       a) das Ausmaß und die Erfüllung des am 22. Dezember 1967 angekün-
       digten Amnestieverfahrens  für politische  Gefangene zu  untersu-
       chen, und
       b) um Informationen  über die  wirtschaftlichen und sonstigen Le-
       bensbedingungen der  Familienangehörigen der nicht unter Amnestie
       entlassenen politischen Gefangenen zu erhalten.
       Mr. Anthony  Marreco, ein  Mitglied der  englischen Anwaltschaft,
       und Mr. James Becket, ein Mitglied der amerikanischen Anwaltskam-
       mer, blieben bis zum 26. Januar 1968 in Griechenland.
       II. Die Delegation  überreichte dem  Außenministerium  eine  Auf-
       tragsvollmacht und bat um folgende Erleichterungen:
       1) Eine Liste der in Haft befindlichen politischen Gefangenen mit
       kurzen Angaben  über die Anklagepunkte, die gegen sie vorgebracht
       werden sollten;
       2) Die Erlaubnis,  als Beobachter  teilzunehmen und über die Ver-
       handlungen des  Rechtskomitees zu berichten, die, wie vom Justiz-
       minister angekündigt,  die  Fälle  aller  politischen  Gefangenen
       überprüfen sollten;
       3) Die Erlaubnis, den Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes
       zu den  Gefängniseinrichtungen der  Inseln Leros und Jaros zu be-
       gleiten;
       4) das Zusammentreffen  mit offiziellen  Vertretern der  Ministe-
       rien, der  Justiz und  der öffentlichen  Ordnung, falls erforder-
       lich.
       Begegnungen fanden  am 2., 4., 10. und 24. Januar 1968 statt. Die
       Beamten im  Außenministerium waren  zwar höflich,  aber keine der
       genannten Erleichterungen wurde bisher gewährt.
       III. Die Delegation  verbrachte vier  Wochen damit,  Aussagen von
       Gefangenen zu  Protokoll zu  nehmen, die  entlassen worden waren,
       und von  Verwandten von  solchen Gefangenen, die noch in Haft wa-
       ren. Über  das Ergebnis  der vierwöchigen  Untersuchung berichtet
       die Delegation folgendes:
       a) Das Justizministerium  hat angekündigt, daß 284 Gefangene nach
       dem Artikel  Nr. 228  vom Dezember  1967  entlassen  worden  sind
       (Weihnachtsamnestie). Einige  von diesen  wurden in  Wirklichkeit
       nicht entlassen,  sondern einfach  nach Gesetz Nr. 509 zu den In-
       seln überführt.  Die erklärte  Amnestie bezog  sich sowieso nicht
       auf diejenigen,  gegen die noch keine Anklage wegen eines Verbre-
       chens erhoben  worden war.  Die ungefähren Zahlen der Gefangenen,
       die ohne  Gerichtsverhandlung von der griechischen Regierung Ende
       Januar in Haft gehalten werden, sind folgende:
       auf Leros Laki 1475 Gefangene
       auf Partheni    500 Gefangene
       auf Yaros       802 Gefangene (darunter 240 Frauen)
                      ----
                      2777 Gefangene
       Zusätzlich werden  zahlreiche Gefangene  ohne Gerichtsverhandlung
       in Gefängnissen  und  Polizeistationen  überall  in  Griechenland
       festgehalten. Man  nimmt an, daß von den Verhafteten über 500 ak-
       tive oder  potentiell aktive Kommunisten gewesen sein können. Der
       Rest kann  nicht als  "Kommunisten" in  dem üblichen europäischen
       Sinn des Wortes bezeichnet werden.
       Eine große  Anzahl von  ihnen ist alt und gebrechlich. Diese sind
       verhaftet worden  auf Grund  von schwarzen  Listen, die in vielen
       Fällen vor  20 Jahren  angelegt wurden.  Es scheint ein Grundsatz
       des gegenwärtigen  Regimes zu sein, daß die Regierung solche Per-
       sonen als entbehrliche Ausgestoßene behandelt, denen man alle po-
       litischen Rechte vorenthalten muß.
       Die Delegation  hat die  Namen, Adresse  und näheren  Angaben von
       etwa 800  dieser Verhafteten  auf Leros  und Yaros gesammelt. Die
       Gefangenen kommen  aus allen  Schichten und  umfassen Parlamenta-
       rier, Akademiker  und Künstler.  Viele bleiben nur deshalb im Ge-
       fängnis, weil  sie sich weigerten, die Loyalitätserklärung zu un-
       terzeichnen.
       b) Die Delegation  fand heraus, daß die Verwandten der Gefangenen
       der Verfolgung der Regierung ausgesetzt sind. Kinder von Gefange-
       nen werden von der Zulassung zum Universitätsstudium ausgeschlos-
       sen. Freunde  der Gefangenen  sind verhaftet worden, weil sie be-
       dürftigen Familien Geld gaben. Verwandte haben ihren Arbeitsplatz
       verloren. Die  Polizei macht den Familien der Gefangenen zu allen
       Stunden bei Tag und Nacht Besuche, die ständige Unruhen auslösen.
       IV. Die Delegation  untersuchte Aussagen,  nach denen  das Regime
       als Hilfe bei den Verhören die Zufügung von Schmerz praktizierte.
       Trotz der  Atmosphäre von Furcht, besonders unter denen, die ent-
       lassen wurden  und berichten  können, wie  sie  gefoltert  worden
       sind, und  trotz der  außerordentlichen Schwierigkeiten  und  der
       Zeit, die  notwendig war,  um Kontakte herzustellen, bezeugten 16
       Menschen der Delegation, daß sie gefoltert worden sind. Die Dele-
       gation prüfte  die Namen von 32 anderen Personen, die sich im Ge-
       fängnis befinden  und von denen behauptet wird, daß sie gefoltert
       wurden.
       Auf Grund  von Zeugenaussagen aus erster Hand und mündlichen Aus-
       sagen, auf  Grund von  Narben am  Körper der  Gefolterten und auf
       Grund des  Zeugnisses von  Akademikern und  ihren Verwandten kann
       die Delegation objektiv feststellen, daß Folterung bewußt und of-
       fiziell angewendet  wird. Sie ist davon überzeugt, daß die Anwen-
       dung der  Folter eine  weitverbreitete Praktik  gegen griechische
       Bürger ist,  die man  aktiver Opposition gegen die Regierung ver-
       dächtigt. Die  Delegation war während ihrer einen Monat dauernden
       Untersuchung nur  imstande, die  Lage in  der Gegend von Athen zu
       untersuchen. Für  einen Griechen ist außerhalb der Hauptstadt der
       Kontakt mit  einem Ausländer  ein zu  gefährliches Risiko. Obwohl
       die Delegation  Berichte über  Folterung und unwürdige Behandlung
       in den Provinzen hörte, waren diese doch Zeugenaussagen aus zwei-
       ter Hand.  Deshalb beruht nichts in diesem Bericht auf derartigen
       Aussagen. Es gibt jedoch keinen Zweifel, daß dann, wenn die grie-
       chische Regierung  die Sicherheit  der  Zeugen  garantiert,  vor-
       schriftsmäßige  (formgerechte)  Zeugenaussagen  beschafft  werden
       können.
       
       Folter
       ------
       
       Der folgende Rechenschaftsbericht bietet in summarischer Form das
       Beweismaterial, das  die Delegation von Amnesty International von
       16 Menschen,  mit denen  sie sprach,  bekam. Diese berichten, daß
       sie gefoltert  worden sind.  Außerdem erhielt  sie Beweismaterial
       von den  32 noch  im Gefängnis  befindlichen Menschen, über deren
       Fälle sie Aussagen aus privater Hand erhielt, die sie überzeugend
       fand, weil sie in vielen Fällen bestätigt wurden.
       
       Organisationen, Orte und Personen,
       ----------------------------------
       die an Folterungen beteiligt sind
       ---------------------------------
       
       Folterung als  bewußte Praktik  wird ausgeführt durch die Sicher-
       heitspolizei (Asphalia)  und die Militärpolizei (Ethniki Stratio-
       tiki Astinomia).  Die Delegation  hörte Zeugenaussagen aus erster
       Hand, daß auch die Armee und die Gendarmerie Folterungen ausführ-
       ten. Aber es war schwierig festzustellen, ob es sich hier um Ein-
       zelfälle oder um Routine handelte.
       Diejenigen, deren  Namen am  häufigsten im  Zusammenhang mit  der
       Leitung und  Ausführung von Folter erwähnt werden, sind Inspektor
       Lambrou, Direktor  des Hauptquartiers  der Sicherheitspolizei  in
       Athen in der Bouboulinas-Straße, und folgende Offiziere:
       Mallios, Babalis,  Karapanayotis, Kravaritis, Spanos, Yannicopou-
       los.
       Alle vom gleichen Büro.
       Major Theophiloyainnakos  von der  Militärpolizei, stationiert im
       Dionysos-Lager außerhalb von Athen.
       Andere, die  häufig erwähnt  wurden, waren  Zagouras in Dionysos,
       Lt. Kapoglou,  Direktor der Sicherheitspolizei in Aigeleo von der
       Sicherheitspolizei in Piräus.
       Die Orte  der schwersten  Folterungen sind  Berichten zufolge  im
       Athener Gebiet  die Sicherheitspolizei in der Bouboulinas-Straße,
       das Militärhospital 401 und das Dionysos-Lager.
       
       Techniken der Folter
       --------------------
       
       A Physische Folter
       1) Die anfängliche  Routinefolterung, die von jeder Asphalia-Sta-
       tion berichtet  wird, ist  die sogenannte  falanga. Der Gefangene
       wird an  eine Bank  gebunden und seine Fußsohlen werden mit einem
       Stock oder Rohr geschlagen. Zwischen den Schlägen wird der Gefan-
       gene gewöhnlich gezwungen, unter schwerem Schlaghagel um die Bank
       herumzulaufen.
       Wir sahen  uns die  Füße einer  Person an,  die vor  vier Monaten
       diese Behandlung ertragen hatte. Die Fußsohle war mit dickem Nar-
       bengewebe bedeckt.  Einem Gefangenen,  der sich jetzt im Averoff-
       Gefängnis befindet, wurde bei dieser Folter der Fuß gebrochen. Da
       er nicht  ärztlich behandelt  wurde, wuchsen  die  Knochen  nicht
       richtig an, und er ist verkrüppelt.
       Der nächste Schritt dieser Methode ist es, den Gefangenen auf das
       Brustbein zu  schlagen. Gefangene, die Blut aus den Lungen erbre-
       chen, haben im allgemeinen diese Behandlung erlitten.
       Neben der  falanga werden dem Gefangenen fast immer auch in ande-
       rer Weise Schmerzen zugefügt. Im allgemeinen sind fünf oder sechs
       Männer an der Folterung eines Gefangenen beteiligt.
       Übliche Methoden,  die die falanga begleiten, sind folgende: Was-
       ser wird  in den Mund und die Nase geschüttet. Während der Gefan-
       gene vor  Schmerz schreit,  "Tide" -  Seife wird  in Augen, Mund,
       Nase getan, der Kopf wird auf eine Bank oder auf den Fußboden ge-
       schlagen, andere Körperteile werden geschlagen usw.
       2) Über zahlreiche Foltern an den Geschlechtsteilen wurde berich-
       tet. Bei  Frauen führten die Folterer so viele Finger wie möglich
       oder einen Gegenstand in die Vagina ein und drehten und rissen in
       brutaler Weise.
       Das gleiche  wird auch  am After ausgeführt. Ein Schlauch wird in
       den After  geführt und  Wasser wird unter sehr hohem Druck in den
       Gefangenen gepreßt.  Im Fall  von Männern ist häufig von Schlägen
       mit langen dünnen Sandsäcken auf die Genitalien berichtet worden.
       Ein Gewerkschafter  wurde so  stark geschlagen,  daß eine Hode in
       seinen Leib hinaufgetrieben wurde.
       3) Von Techniken  der Knebelung  wird häufig berichtet. Die Kehle
       wird so  gefaßt, daß  die Luftröhre  abgeschnitten ist,  oder ein
       schmutziges Tuch  (oft naß  von Urin)  wird in die Kehle hinabge-
       preßt. Erstickung wird nur im letzten Augenblick verhindert.
       4) Schläge auf  den Kopf  mit Sandsäcken  oder Schläge des Kopfes
       gegen die Wand oder auf den Fußboden gehören zur Routineprozedur.
       Über viele Fälle von Gehirnerschütterung wird berichtet.
       5) Schlagen auf  das nackte Fleisch mit Draht, der zu einer Peit-
       sche zusammengeknotet ist.
       6) Gefangene werden über lange Zeit aufgehängt. Gewöhnlich werden
       die Handgelenke hinter dem Rücken zusammengebunden und der Gefan-
       gene wird an den Handgelenken aufgehängt.
       7) Herumspringen auf dem Bauch.
       8) Haarausreißen vom Kopf und aus der Schamgegend.
       9) Einreiben von Pfeffer an empfindlichen Körperteilen, wie Geni-
       talien, Unterarme, Augen, Nase usw.
       10) Ausreißen von Zehen- und Fingernägeln.
       11) Verschiedene Methoden,  Verbrennungen zuzufügen,  einschließ-
       lich dem Ausdrücken von Zigaretten auf Teilen des Körpers.
       12) Anwendung von  elektrischen Schocks.  Dies geschieht im Mili-
       tärhospital 401.  Unbestätigte Berichte  sprechen davon, daß dies
       auch in der Asphalia-Station in der Bouboulinas-Straße geschieht.
       Physisches Schlagen  durch Armee und Polizei als Methode der Ein-
       schüchterung und des Verhörs ist allgemein üblich.
       Das Schlagen kann als Folter klassifiziert werden, wenn es syste-
       matisch betrieben  wird. Ein Mann über 60, mit dem die Delegation
       Kontakt aufnahm,  wurde in  regelmäßigen Abständen  mehr  als  12
       Stunden lang  geschlagen. Er litt unter Rippenbrüchen, berichtete
       aber, daß  junge Leute bis zu 5 Tagen ohne Unterbrechung geschla-
       gen wurden.
       Gewöhnlich schlagen  vier bis sechs Mann einen Gefangenen mit den
       Fäusten, treten  ihn mit  den Füßen oder benutzen Instrumente wie
       Holzlatten, Rohre, Stöcke usw.
       Im Dionysos-Lager,  wo Griechenlands  Elitesoldaten untergebracht
       sind, müssen  die Gefangenen  Spießruten laufen. Ein verläßlicher
       Bericht aus  zweiter Hand aus diesem Lager besagt, daß einem Mann
       buchstäblich ein  Auge aus dem Kopf geschlagen wurde. Die Delega-
       tion von Amnesty International sprach mit anderen, die gebrochene
       Rippen, Nasen und zerrissenes Trommelfell hatten.
       B Nichtphysische Folter
       Viele Informanten,  die gefoltert  wurden, halten die nichtphysi-
       schen Foltermethoden für noch unerträglicher.
       1) Bestimmte Gefangene  wurden absichtlich  in Zellen in Hörweite
       von anderen Gefangenen verlegt, die unter Gewaltanwendung verhört
       werden. Dies  hat eine  Anzahl von  Nervenzusammenbrüchen  verur-
       sacht. Ein  Informant sagte,  es sei furchtbarer, die Schreie der
       anderen anhören zu müssen, als selbst gefoltert zu werden.
       Einer wollte  hineinlaufen und  lieber geschlagen werden, als das
       Leiden eines anderen mit anhören. Es wird berichtet, daß der Kom-
       ponist Mikis  Theodorakis, der  niemals physisch gefoltert wurde,
       durch diese Methode einen Nervenzusammenbruch erlitt.
       2) Die  Haftbedingungen   sind  an   einigen  Stellen   besonders
       schlecht. Eine  Technik besteht darin, den Gefangenen einige Tage
       in einer kleinen dunklen Zelle zu lassen ohne Verpflegung, Wasser
       oder Decken.  Die Zellen  in Dionysos,  die seitlich  in den Berg
       Pendelli eingeschnitten  sind, haben  einen dauernden Wasserstand
       von 10 cm.
       Da die  festgehaltenen Gefangenen  die Zelle nicht verlassen dür-
       fen, füllt  sich das  Wasser mit  ihren eigenen  Exkrementen. Die
       Zellen im  Kellergeschoß in  der Bouboulinas-Straße,  die für die
       Einzelhaft benutzt werden, sind voll von Erbrochenem.
       3) Drohungen, zu  töten, zu verstümmeln, zu vergewaltigen. Perso-
       nen, die  gefoltert worden  waren, wurde  oft gesagt,  die Folter
       würde zu  einer bestimmten Stunde in der Nacht wiederholt werden.
       Sie wurden  in dauernder Angst gehalten durch Drohungen, sie wür-
       den wieder das mitmachen müssen, was sie gerade erlebt hatten.
       4) Die Gefangenen  nackt auszuziehen,  ist besonders wirkungsvoll
       in Griechenland,  wo die  Gedankenverbindung  von  Nacktheit  und
       Schamgefühl in der Kultur sehr stark ist.
       5) Von Scheinexekutionen  wurde häufig  berichtet. Der  Gefangene
       steht einem  Erschießungskommando gegenüber,  seine Augen  werden
       verbunden und  die Gewehre  werden abgeschossen. Einige Gefangene
       haben dies  mehr als einmal erlebt. Es geschieht oft in Kasernen,
       wo während des Krieges Exekutionen stattfanden.
       6) Die Unterzeichnung von Erklärungen wird von vielen als die un-
       menschlichste Technik des Regimes angesehen.
       Der Zwang,  etwas zu unterzeichnen, was die Eltern, die Frau oder
       politische Überzeugungen  verleugnet, übt  eine besondere Wirkung
       aus auf  einen Menschen,  der ein  hochentwickeltes Gewissen  und
       Ideale hat.
       Dies wird systematisch getan, um den Gefangenen innerlich zu zer-
       brechen. Der  Experte auf diesem Gebiet ist Herr Tournas, der von
       dem Regime  zum Direktor  der griechischen  Gefängnisse befördert
       wurde. Er beginnt damit, daß er den Gefangenen irgend etwas Harm-
       loses unterschreiben läßt, zerreißt dann das Papier und veranlaßt
       den Gefangenen,  immer mehr  Dinge, die  ihm heilig sind, zu ver-
       leugnen. Die  Delegation sprach  mit Menschen,  die unter  diesem
       Druck unterschrieben hatten - und alle waren irgendwie gebrochene
       Menschen. Ein besonders bewegender Fall war der eines Mannes, der
       unterschrieben hatte,  um frei  zu sein und seine im Sterben lie-
       gende krebskranke  Tochter zu besuchen. Sie starb vor seiner Ent-
       lassung - er erlitt einen Nervenzusammenbruch.
       Die Sicherheitspolizei und die Militärpolizei üben heute in Grie-
       chenland eine  unbeschränkte Herrschaft  aus. Da  nach den Worten
       von Pattakos  "die Gesetze  schlafen", kann  die Polizei jeden an
       jedem Ort  zu jeder  Zeit verhaften  ohne die Verpflichtung, eine
       Anklage gegen ihn erheben oder jemanden über seine Verhaftung in-
       formieren zu  müssen. Da  sie glauben, ihre eigene Position werde
       durch Opposition gefährdet, haben sie brutal denen gegenüber rea-
       giert, die  Opposition treiben.  Die, die besonders in den Händen
       der Sicherheitspolizei  gelitten haben,  sind die  jungen  Leute,
       diejenigen, die  im Ausland  nicht bekannt  sind, und diejenigen,
       von denen man annimmt, sie gehörten zur Linken.
       
       27.1.1968
       Amnesty International
       Turgain Lane, Farrington Street
       London, E. G. 4.
       

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