Quelle: Blätter 1968 Heft 07 (Juli)


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       Günther Anders
       
       NEUE VIETNAM-GLOSSEN (II)
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       Die Legende vom schönen Mißbrauch
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       In allen  nordvietnamesischen Provinzen haben sich trotz der pau-
       senlosen Bebombung  die lokalen Industrien von Maschinen, nament-
       lich von  landwirtschaftlichen Geräten, genau so enorm gesteigert
       wie die  von Seife,  Tee und Düngemitteln. Als sich ein Bekannter
       von mir, der japanische Soziologe Shingo Shibata, der Nordvietnam
       vier Wochen lang im Juli letzten Jahres besuchte, bei den Einwoh-
       nern danach erkundigte, von wo sie denn in so furchtbarer Zeit so
       viel erstklassiges  Rohmaterial für die Maschinerie hätten bezie-
       hen können,  da wiesen  die Befragten  dankbar  schmunzelnd  nach
       oben. Nein,  den Mannah  spendenden Gott meinten sie dabei nicht.
       Sondern ihre  Gegner, ihre  Tod säenden Gegner. Da diese Hundert-
       tausende von  Tonnen Granaten aus dem Himmel geworfen hatten, war
       es den  Vietnamesen möglich  gewesen, Zehntausende von Tonnen be-
       sten amerikanischen Metalls, ohne dieses erst suchen oder gar aus
       Bergwerken zum  Tageslicht fördern  zu müssen,  einzusammeln. Die
       Granatsplitter derer, die pausenlos den Tod ausstreuen, verbürgen
       die pausenlose Steigerung der Geräteerzeugung.
       Daß, wie  der Prophet  es erhofft hatte, ein Volk seine Schwerter
       in Pflugscharen  umschmiedet, das geschieht selten genug. Daß ein
       Volk aber  aus den  Schwertern seiner  Mörder  Pflugscharen  her-
       stellt, das  ist noch niemals dagewesen. Nicht nur gilt, daß jede
       vietnamesische Provinz,  um trotz der Bebombung der Transportwege
       überleben zu  können, dazu  gezwungen war,  sich  industriell  so
       autark wie möglich zu machen; sondern auch, daß jede gerade durch
       die Bebombung dazu in der Lage gewesen ist.
       Dies also  ist die wahrhaftige Legende von dem schönen Mißbrauch,
       den die  Vietnamesen mit den ihnen zugedachten Mordwaffen getrie-
       ben haben und auch heute noch treiben. Wenn es erlaubt wäre, eine
       Legende als Farce enden zu lassen, dann dürfte man von dem ameri-
       kanischen Bombenproduzenten  erzählen, der,  als  er  von  diesem
       skandalösen Mißbrauch  seiner Produkte  durch seine Gegner hörte,
       aus Gram  in die Grube fuhr; oder von dem vietnamesischen Geräte-
       schmied, der  sich, als  die Bebombung nachließ, Sorgen zu machen
       begann, von wo er das notwendige Rohmaterial beziehen sollte. 1)
       
       Warnung vor Falschem
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       Kein Mörder, erst recht kein langjähriger, regelmäßiger und viel-
       facher, wird  dadurch wieder unschuldig oder gar respektabel oder
       gar zu  einer großen  und bewundernswerten geschichtlichen Figur,
       daß er  in einem  Augenblicke, in dem er nicht mehr recht weiter-
       weiß, ankündigt,  in der nächsten Zukunft täglich nur fünfhundert
       statt täglich tausend zu ermorden, und nach neun Monaten sein Amt
       an den  Nagel zu  hängen. Nein, so billig läßt sich Unschuld oder
       gar Tugend  nicht wiedererwerben.  So einfach  ist es nicht, sich
       zum ebenbürtigen  Partner seiner  gestrigen Gegner  oder der  von
       heute früh  zu machen.  Denn diejenigen,  mit denen der nun nach-
       sichtiger gewordene  Mörder zu verhandeln bereit ist, die sind ja
       nicht nur seine gestrigen Gegner, bzw. die von heute früh, außer-
       dem sind  sie ja  auch die  Hinterbliebenen derer, die seiner Ge-
       walttätigkeit zum  Opfer gefallen  sind und sogar auch heute noch
       zum Opfer fallen.
       Und noch weniger darf ein solcher Mörder Anspruch darauf erheben,
       daß seine eventuelle Verhandlungsbereitschaft als Generosität an-
       erkannt oder als Gnade gar bewundert werde. Wie wahrscheinlich es
       leider auch sein mag, daß solch ein Mörder (unterstellt, er werde
       Anfang 1969  wirklich abtreten) dann als respektabler und respek-
       tierter Bürger  unter uns weiterleben wird und daß Millionen sich
       geschmeichelt fühlen werden, wenn sie ihm, dem großen Friedensma-
       cher, die Hand drücken dürfen - wie wahrscheinlich das alles auch
       sein mag,  moralisch gesehen  liegt die  Angelegenheit völlig an-
       ders: der  Mann verdient  zusammen mit  seinen  Komplizen  seinen
       Kriegsverbrecherprozeß.
       Und was  die Hinterbliebenen seiner Opfer betrifft: das vietname-
       sische Volk  in Nord  und Süd,  so verdienen diese nicht nur, daß
       sie endlich  in Frieden  gelassen werden  und ihr Schicksal so in
       die Hand nehmen dürfen, wie es ihnen 1954 in den Genfer Abmachun-
       gen zugesichert  worden war, sondern auch, daß sie durch den Mör-
       der und dessen Komplizen entschädigt werden, daß ihnen diejenigen
       Verluste, die rückerstattet werden können (leider sind das ja nur
       die geringeren), wirklich rückerstattet werden.
       Gewiß, wir  dürfen keinen  Schritt unterlassen,  der den Abschluß
       eines Waffenstillstands  erleichtern oder  gar den eines Friedens
       möglich machen könnte. Aber ebensowenig dürfen wir vergessen: Ein
       Angriffskrieg, nach  dessen Beendigung die des Angriffs schuldige
       Regierung noch  immer im Sattel sitzt und die ihren Weiterbestand
       als selbstverständlich  erachtet und der ihre Rechtmäßigkeit auch
       von anderen  keinen Augenblick  lang streitig  gemacht wird - ein
       solcher Angriffskrieg  kann nicht  als wirklich  beendet  gelten,
       sondern nur  als einer,  der, temporär  abgebrochen, an  gleicher
       oder anderer  Stelle bei  gegebener Gelegenheit wiederaufgenommen
       und weitergeführt werden wird.
       Ich wiederhole:  Eigentlich erfordert der Vietnamkrieg seinen Ab-
       schluß vor  einem "Nürnberger Kriegsverbrechertribunal". Die Tat-
       sache, daß  solch ein  Tribunal, also eines, das die Macht hätte,
       die Kriegsverbrecher  effektiv anzuklagen,  effektiv zu verhören,
       effektiv zu  verurteilen und  effektiv ihrer  Strafe  zuzuführen,
       heute nicht  durchgesetzt werden  kann; und  daß  die  Opfer  des
       Krieges: die  Vietnamesen, im  allerbesten Falle die Chance haben
       werden, von  den Kriegsverbrechern als gleichberechtigte Verhand-
       lungspartner anerkannt  zu werden  und  mit  diesen  den  Frieden
       auszuhandeln, diese  Tatsache beweist, wie schrecklich inkomplett
       und wie furchtbar unsicher der Friede sein wird, den wir erwarten
       dürfen; und  wie wenig  Recht wir  haben und  im Falle eines sog.
       Friedensschlusses haben  werden, unsere  Hände auch nur einen Au-
       genblick lang in den Schoß zu legen.
       
       Die Ehrung
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       Nun hat  also die weiße Bevölkerung Amerikas dem von ihr ermorde-
       ten Martin  Luther King,  dem sie,  solange er  am Leben  geweilt
       hatte, kaum  das Geleite  gegeben hatte,  ein letztes Geleite von
       solchem Ausmaß  gegeben, wie  sie es  einem der Ihren, also einem
       Weißen, noch  niemals gegeben hatte. Ewig wird sie das den Farbi-
       gen verübeln,  viel Blut wird sie noch vergießen aus Rache dafür,
       daß sie,  nachdem sie  sein Blut vergossen hatte, dem von ihr Er-
       mordeten so  viel Respekt  gezollt hat. Die weniger Gewalttätigen
       aber, die "doves" sozusagen, die werden sich, nicht minder vulgär
       als ihre  rachsüchtigen Mitbürger,  auf dieses  Ehrenbegräbnis so
       berufen, als wenn dieses ihre Anständigkeit nun ein für alle Male
       beweise und als wenn es einen nunmehr vorausbezahlten Pauschalbe-
       trag darstellte,  mit dem  sie sich  für alle Zukunft freigekauft
       hätten und  nach dessen  Empfang kein  Empfänger, mindestens kein
       anständiger unter  der farbigen  Bevölkerung,  weitere  Ansprüche
       mehr würde  erheben können. Was die Weißen - gleich ob hawks oder
       doves, gleich  ob ausdrücklich  oder unausdrücklich  -  erhoffen,
       ist, daß sie sich nun durch die Ehrung von neuem das Recht darauf
       erkauft haben, alles beim alten zu lassen.
       Zu den  Regeln der herrschenden Klasse Molussiens gehörte es, daß
       diese, um die immer wieder aufflammende Befreiungsbewegung zu er-
       sticken, in  gewissen Abständen die Führer der von ihr entrechte-
       ten Minorität umbrachte oder durch gedungene Mitglieder der Mino-
       rität selbst  umbringen ließ. Aber das tat die herrschende Klasse
       Molussiens nicht nur, um die Minorität, wenn diese sich von neuem
       zu formieren  schien, von  neuem zu desorganisieren, zu desorien-
       tieren und  in ihrer alten Unfreiheit zu halten, sondern, wie wir
       ja wissen, auch deshalb, weil sie hoffte, durch die der Ermordung
       folgende, übertriebene und oft geradezu exhibitionistische Ehrung
       des jeweils  Ermordeten der  Minorität, der  das  Opfer  zugehört
       hatte, zu  beweisen, wie  unrecht diese habe, sich als entrechtet
       zu fühlen,  also auch,  wie wenig Anlaß vorliege, an Befreiung zu
       denken.
       
       Das Primitive ist das Wahre
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       Die Prätention  der Amerikaner,  namentlich der  hohen amerikani-
       schen Militärs,  Christen zu sein, diese Prätention zu verhöhnen,
       das war mir stets als etwas primitiv vorgekommen. Zu Unrecht. Das
       Primitive und  das Billige  sind das  Wahre. Die Erklärungen, die
       General Clark  am 23. Februar 1968 in Bloomington, Indiana, abgab
       2): "I  would go out, and one by one, eliminate the military tar-
       gets in North Vietnam. When he's hurt, he'll go to the conference
       table." ("Was  mich betrifft, so würde ich in Nordvietnam die mi-
       litärischen Ziele  eines nach dem anderen einfach ausräumen. Wenn
       er (der  Feind) angeschlagen  ist, dann wird er schon an den Ver-
       handlungstisch kommen.")  Und die  Erklärung: "If  there came the
       time when in order to save American lives and for the security of
       American forces  there it became necessary to use atomic weapons,
       I wouldn't  hesitate to use them. And I wouldn't pay too much at-
       tention to  world opinion." ("Wenn die Zeit kommen sollte, in der
       es, um  amerikanische Menschenleben zu retten und um die amerika-
       nischen Soldaten  sicherzustellen, erforderlich würde, Atomwaffen
       zu verwenden,  dann würde  ich nicht  zögern, diese zu verwenden.
       Und auf  die Weltmeinung  würde ich  nicht zu viel Rücksicht neh-
       men"), -  diese Erklärungen hat Clark nicht unmotiviert und nicht
       bei irgendeiner  zufälligen Gelegenheit abgegeben. Nach Blooming-
       ton war  er nämlich  ausschließlich deshalb gekommen, um eine Ge-
       dächtnisrede auf  den verstorbenen  Kardinal Spellman  zu halten.
       Das heißt: Für die Zerbombung "one by one" und für die Verwendung
       von Atomwaffen  hat er auf einer der Feier zu Ehren des Kardinals
       vorausgehenden Pressekonferenz  plädiert. "Die  Verteidigung  der
       Interessen der Südvietnamesen", fuhr er dann fort, "ist zweitran-
       gig." Und  die Ignorierung  der Weltmeinung  ist deshalb erlaubt,
       "weil diese  in Amerika nichts anderes ist als ein Produkt rassi-
       scher Minderheitengruppen", - was, wie jeder Kenner der Vereinig-
       ten Staaten einräumen wird, nichts anderes bedeuten kann, als daß
       sich in Amerika für so etwas wie "Weltmeinung" ja ohnehin nur Ju-
       den und Neger interessieren.
       Jetzt weiß man also ein für alle Male, was Christentum ist.
       
       Der Hinterhalt
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       Am 4.  März 1968  meldeten sämtliche Zeitungen und Radiostationen
       des Westens  aus Saigon, daß 48 GIs, die "in einen Viet Cong-Hin-
       terhalt geraten"  seien, getötet worden seien und daß diese Untat
       "nur 14 km  von Saigon entfernt" geschehen sei. Daß die 48 ameri-
       kanischen Soldaten  gefallen sind, bedauernswerte Jungen, vermut-
       lich zum  großen Teile Farbige, denen nichts dergleichen in ihrer
       Wiege, oder  wo immer  sie gelegen  haben mögen,  gesungen worden
       war, das  trifft gewiß zu. Wieder, wie so oft, besteht der Betrug
       hier statt  in der Präsentierung unwahrer Tatsachen - höchst hin-
       terhältig - in der Wortwahl, in der unwahren Präsentierung wahrer
       Tatsachen. Denn  was soll denn hier der Ausdruck "Hinterhalt" be-
       deuten? Erwartet  man vielleicht von Vietnamesen, die verzweifelt
       versuchen, ihr  Land endlich  von den Eindringlingen zu befreien,
       daß sie  sich in  einen "Vorderhalt"  legen, sich  also besonders
       sichtbar machen  um selbst  umgebracht zu  werden? Würde man denn
       behaupten, daß  der Eigentümer  eines Hauses,  der sich innerhalb
       seiner vier  Wände, und  selbst aus  dem Dunkel  seines  Kleider-
       schrankes heraus,  gegen die Mörder seiner Kinder oder seiner Ge-
       schwister verteidigt, "im Hinterhalt" kämpfe?
       
       Advocatus diaboli
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       Der  Amerikakorrespondent  einer  großen  deutschen  Tageszeitung
       schrieb im April 1968 aus Washington, der dem amerikanischen UNO-
       Chefdelegierten Arthur  Goldberg nunmehr nachfolgende George Ball
       habe seinerzeit,  da er  es als "führende Taube", also als Gegner
       der Bebombung  Nordvietnams, "müde"  geworden  sei,  "im  inneren
       Kreis der  Macht die Rolle des 'advocatus diaboli' zu spielen und
       dabei alle  politischen Schlachten  zu verlieren", seine Stellung
       als stellvertretender  Außenminister aufgegeben und sich ins Pri-
       vatleben zurückgezogen.
       An sich  mag die  Meldung, daß  Ball nun  Goldberg ersetzt, viel-
       leicht sogar erfreulich sein, da Ball ja gewissermaßen selbst als
       ein Opfer  des Angriffs  auf Nordvietnam auftreten kann. Aber das
       in dieser Meldung verwendete Vokabular ist einfach ungeheuerlich.
       Als "advocatus  diaboli" -  der Korrespondent bedient sich dieses
       Ausdrucks ohne Ironie - hat er also bis vor kurzem, bis es oppor-
       tun schien,  sich wieder  auf ihn  zu besinnen, in dem Kreise von
       Skrupellosen, in dem er zu arbeiten hatte, deshalb gegolten, weil
       er es versucht hatte, der Verwüstung eines Landes und der Ausrot-
       tung der Bevölkerung dieses Landes Einhalt zu gebieten.
       Nicht Krieg  und Töten  galten damals  also als  teuflisch, umge-
       kehrt, vom  Töten abzuraten.  Tat man das, wie Ball das tat, dann
       gehörte man  zu den  "Tauben". Die  Tauben, die  noch vor wenigen
       Jahren, das Ölblatt im Schnabel, als die Symboltiere des Friedens
       gegolten hatten, die waren nun, gerade weil friedlich, in teufli-
       sche Tiere verwandelt. Diese Inversion des religiösen Symbols ist
       ungleich teuflischer,  als es der Verzicht auf alle Religion sein
       könnte.
       Rührend, daß  man ihn  jetzt aus demselben Grunde zurückholt, aus
       dem man ihn damals zum Rücktritt gedrängt hatte: eben weil er da-
       mals die  Rolle des  "advocatus diaboli"  gespielt hatte und weil
       man nun erhofft, daß er auf Grund dieser seiner Vergangenheit vor
       dem Forum  der Vereinten  Nationen für  die  Vereinigten  Staaten
       nützlich werden  könnte. - Nicht gerade sehr würdig von Mr. Ball.
       sich so als Spiel-Ball verwenden zu lassen.
       
       Friede heute
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       "But let  it never  be forgotten",  hieß es in Johnsons epochaler
       Friedensrede vom  31. März 1968, "peace will come because America
       sent her sons to help secure it." 3)
       Nun wissen  wir also, wie Frieden heute "kommt": Dadurch, daß man
       einem nach  langen Kriegen nichts anderes als Frieden wünschenden
       Lande erst einmal eine Diktatur aufzwingt; daß man dann in dieses
       Land allmählich  eine halbe  Million "sons"  hineinpumpt; und daß
       man schließlich  - let  it never  be forgotten  - die Bevölkerung
       dieses Landes  durch diese  "sons" methodisch  ausrottet. Hat man
       diese drei  Aufgaben gewissenhaft  erfüllt, dann  darf man  gewiß
       sein, daß  der Friede,  jedenfalls der wahre, derjenige, den z.B.
       Johnson meint,  "secured" ist,  daß  der  dann  ganz  von  selbst
       "kommt". -  Die Tatsache,  daß vor  der Einsetzung  des Diktators
       Diem durch  die "sons of America" und vor der Ankunft der 500 000
       "sons"  und  vor  der  Ausrottung  der  Bevölkerung  durch  diese
       500 000,- daß  vor alledem  die Friedenschancen in Vietnam größer
       gewesen waren  als je  zuvor, das gilt offenbar nicht. In der Tat
       wäre der  Friede, der  ohne das Eingreifen dieser "sons" und ohne
       Hilfe der von diesen mitgebrachten und kompetent eingesetzten mo-
       dernsten Maschinen  hergestellt worden wäre, ein völlig obsoleter
       Friede gewesen,  ein Friede  im Natur- und Rohzustande, ein Exem-
       plar von  Frieden, das  kein echter  "son" unserer  Epoche  hätte
       ernstnehmen und als zeitgemäß anerkennen können.
       In anderen  Worten: Als  echt darf  heute allein derjenige Friede
       gelten, der  einen Krieg abschließt, den man selbst zuvor und zum
       Zwecke dieses  Friedensschlusses geführt  hat. An  die Stelle des
       gestrigen Sprichwortes:  "Wenn du  Frieden wünschst, dann bereite
       den Krieg  vor" ist nun heute die Maxime getreten: "Wenn du Frie-
       den wünschst,  dann führe  dort, wo  du ihn wünschst, erst einmal
       Krieg!"
       
       _____
       1) Weitere Beispiele  für den  schönen Mißbrauch s. Georg W. Als-
       heimer, Vietnam 1968, Merkur Nr. 240, S. 341/42
       2) Herald Tribune, 24./25. Februar 1968
       3) "Aber niemals  darf vergessen werden: Friede wird deshalb ein-
       treten, weil  Amerika seine  Söhne hinübergeschickt hat, um dabei
       zu helfen, ihn zu gewinnen."
       

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