Quelle: Blätter 1968 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF ZUM GRÜNDUNGSKONGRESS EINES AKTIONS- UND WAHLBÜNDNISSES
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       FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL 1969 AM 2. NOVEMBER 1968 IN DORTMUND
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       Am 28.  September 1968 fand in Duisburg eine Konferenz zur Vorbe-
       reitung eines  demokratischen Aktionsbündnisses  für die  Bundes-
       tagswahl 1969 statt, an der 120 Personen aus Wissenschaft, Arbei-
       terschaft, Jugend,  Mittelstand und Landwirtschaft teilnahmen. Zu
       dieser Konferenz hatten Beauftragte des Gießener Kreises eingela-
       den, unter  ihnen die  Professoren Werner  Hofmann  und  Wolfgang
       Abendroth, Dr.  Hans Brender  und die Betriebsräte Rudi Berzbach,
       Karl Freitag,  Arthur Fritz und Werner Lippold. Nach einem Grund-
       satzreferat von  Professor Werner Hofmann und einer längeren Dis-
       kussion beschloß  die Veranstaltung  den nachfolgenden Aufruf zum
       Gründungskongreß eines  Aktions- und  Wahlbündnisses für die Bun-
       destagswahl 1969  am 2.  November 1968  in der  Westfalenhalle in
       Dortmund:
       
       Die herrschenden  Parteien, die sich in keinem wesentlichen Punkt
       mehr voneinander  unterscheiden, haben uns nichts mehr zu bieten.
       20 Jahre Herrschaft der CDU/CSU sind genug. Der Eintritt von SPD-
       Führern in  die Bonner  Regierung hat  keine Wendung zum Besseren
       gebracht. Im  Gegenteil. Die Position der CDU/CSU wurde gestärkt.
       Die Spannungen  in Europa sind verschärft worden. Der soziale Ab-
       bau geht  weiter. Demokratische Rechte werden eingeengt. Die Ent-
       wicklung führt immer weiter nach rechts.
       Wir brauchen einen grundlegenden Wandel.
       - Statt Notstandsgesetzen,  Rechtsradikalismus und Polizeistaats-
       praktiken - Demokratisierung aller Bereiche der Gesellschaft, der
       Betriebe, der  Hochschulen, des Staates, im Sinne umfassender Öf-
       fentlichkeit und Kontrolle.
       - Statt Aufrüstung, Gebietsforderungen und Nichtanerkennungspoli-
       tik -  endlich Stabilisierung  der Verhältnisse  in  Mitteleuropa
       durch Anerkennung  der DDR,  Abschluß eines Friedensvertrages und
       ein europäisches Sicherheitssystem.
       - Statt wachsenden  Einflusses des Großkapitals auf Staat und Ge-
       sellschaft -  Gegenangriff auf  die Konzernmacht  in  der  ganzen
       Breite, Mitbestimmung vom Arbeitsplatz bis in die Konzernspitzen,
       Herstellung von  Öffentlichkeit und  Kontrolle in Betrieb, Unter-
       nehmen und  Wirtschaftspolitik. Vergesellschaftung der Schlüssel-
       industrien.
       - Statt konzertierter  Aktion bei gleichzeitiger Preistreiberei -
       Kampf gegen Preiswucher und Inflation, systematische Stärkung der
       Massenkaufkraft.
       - Statt veralteter und autoritärer Ausbildungsmethoden in Schule,
       Betrieb und  Gesellschaft - Mitbestimmung und Mitspracherecht der
       jungen Generation in Fragen der Ausbildung, in Staat und Politik.
       - Statt  massenhafter   Vernichtung  bäuerlicher  Existenzen  bei
       gleichzeitigem Hunger auf ganzen Kontinenten - konstruktive Land-
       wirtschaftspolitik zum Nutzen von Erzeugern und Verbrauchern.
       - Statt wachsender Rüstungsausgaben - höhere Ausgaben für Wissen-
       schaft, Gesundheitswesen und soziale Sicherheit.
       All dies  erreichen wir nur, wenn wir unsere Sache in die eigenen
       Hände nehmen.  Wir können uns selber helfen. Das ist uns im Kampf
       gegen die  Notstandsgesetze endgültig  klar geworden. Schon haben
       sich in vielen Orten Initiativkreise von Vertretern der Arbeiter-
       schaft, der  Intelligenz, der  Bauern, des  Mittelstandes und der
       Jugend gebildet.
       Wir greifen  ihre Forderungen zur Bildung eines Aktionsbündnisses
       auf und  appellieren an  alle demokratischen  Kräfte, bei Wahrung
       ihrer  Selbständigkeit  zusammenzuarbeiten,  um  ihre  Initiative
       überall in unserem Lande zu entfalten. Nach gründlicher Vorberei-
       tung rufen  wir auf zur Teilnahme am Gründungskongreß eines Akti-
       onsbündnisses von  Demokraten und Sozialisten, der am 2. November
       1968 in  Dortmund/Westfalenhalle stattfindet.  Der Kampf  um eine
       fortschreitende Demokratisierung unseres gesamten gesellschaftli-
       chen und  öffentlichen Lebens  verlangt unsere  ganze Kraft.  Dem
       Bündnis der  herrschenden Parteien mit dem Großkapital werden wir
       zur Bundestagswahl  1969 eine Alternative entgegensetzen. Nur das
       Zusammenwirken aller  Kräfte einer  demokratischen Erneuerung  in
       unserem Lande kann in Gesellschaft und Staat etwas ändern.
       Bildet überall  Initiativausschüsse, bereitet den Dortmunder Kon-
       greß vor!
       
       Duisburg, den 28. September 1968
       

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