Quelle: Blätter 1969 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE KOSTEN DES US-BOMBENKRIEGES GEGEN DAS VIETNAMESISCHE VOLK
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       Nachdem nun  die Bombardierung  Nordvietnams wenigstens vorläufig
       eingestellt worden  ist, baten wir das Pressebüro des Kriegsmini-
       steriums telefonisch  um einige  Angaben über  die Kosten  dieser
       Operation.
       Das Pentagon  versucht diese Zahlen immer zu verstecken, indem es
       Luftkriegsausgaben für  beide Vietnams zusammenrechnet. Die Zahl,
       die uns  am meisten überraschte, war die Total-Bombardierungston-
       nage, die  bis Ende Oktober auf Vietnam (Nord und Süd) abgeworfen
       worden ist.  Sie wurde  als 2 948 057  Tonnen angegeben.  Als wir
       nach Vergleichszahlen fragten, erhielten wir die Antwort, daß die
       Totaltonnage der  Bomben, die  im  Zweiten  Weltkrieg  abgeworfen
       wurde, 2 057 244  Tonnen betrug,  das heißt für alle Kriegsschau-
       plätze in  Europa und Asien. Also warfen wir fast 50 Prozent mehr
       Bomben auf  Vietnam ab  als auf  ganz Eurasien  und  den  Stillen
       Ozean. Die  Totaltonnage, die  auf Korea  (Nord und Süd) im Kore-
       akrieg abgeworfen  wurde, war  635 000 Tonnen.  Wir haben demnach
       fünfmal soviel  auf Vietnam abgeworfen. Wir fragten das Pentagon,
       wie die Kosten für die Bombenangriffe zu berechnen seien, und er-
       hielten die Antwort, sie beliefen sich auf rund einen halben Dol-
       lar pro  Pfund Bomben.  Das heißt,  daß die  Bomben allein etwa 3
       Milliarden Dollar kosteten.
       Als wir fragten, ob das meiste davon auf Nordvietnam fiel, erfuh-
       ren wir,  daß bloß  ein Fünftel auf Nordvietnam abgeworfen wurde.
       Das heißt also für 600 Millionen Dollar.
       Am 29. Oktober rechnete man mit dem Verlust von 914 Kampfflugzeu-
       gen (fixed wing) und 10 Helikoptern über Nordvietnam. (Die Kampf-
       verluste im  Süden im  gleichen Zeitraum  beliefen sich  auf  315
       Flugzeuge [fixed wing] und 906 Helikopter.) Ein Kampfflugzeug ko-
       stet rund 2 Millionen Dollar, ein Helikopter rund 250 000 Dollar.
       Man kann also noch 2 Milliarden Dollar für Flugzeuge und Helikop-
       ter dazurechnen, die über Nordvietnam verlorengingen. Dies ergibt
       eine Gesamtsumme  von 2,6  Milliarden Dollar für das Bombardieren
       des Nordens.
       Aber dies  ist noch  nicht alles. Es gibt noch eine Kategorie von
       Luftverlusten, die  nicht auf  das Abwehrfeuer vom Boden oder von
       Flugzeugen in  der Luft  herrühren. Sie  schließen Flugzeuge ein,
       die vom Mörserfeuer getroffen werden, in Unfällen beschädigt oder
       in Vietnam aus anderen Gründen verlorengingen. Die Totalzahl die-
       ser Verluste  für beide  Vietnam beträgt  1198  Flugzeuge  (fixed
       wing), 1214 Helikopter. Die letzteren könnten ungefähr 2 Milliar-
       den Dollar  für die  Flugzeuge und 300 Millionen Dollar für Heli-
       kopter ausmachen.  Wenn die  Hälfte davon für den Luftkrieg gegen
       den Norden  gerechnet wird,  erhöht dies  die Totalsumme  der An-
       griffe auf den Norden auf 3,75 Milliarden Dollar.
       Dazu kommen die Kosten der Pilotenverluste. Das Pentagon hat eine
       Verlustziffer von  "mehr als" 450 Piloten angegeben, die im Luft-
       krieg über  dem Norden  getötet oder  vermißt wurden.  Die Durch-
       schnittskosten der  Ausbildung eines modernen Kampfpiloten belau-
       fen sich auf 450 000 Dollar. Dies würde noch 202 Millionen Dollar
       zu den Kosten hinzufügen und die Gesamtsumme für die Luftangriffe
       gegen Nordvietnam  auf fast 4 Milliarden Dollar erhöhen. Noch nie
       wurde mehr Geld in die Luft gejagt für eine gottlosere Sache.
       
       I.F. Stone's  Weekly, 18.  November  1968  (Deutsch  nach:  "Neue
       Wege", Zürich, Heft 12/1968)
       

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