Quelle: Blätter 1969 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG VON DR. EHRENFRIED PETRAS, EHEMALS LEITER DES LABORS
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       FÜR MIKROBIOLOGIE AM INSTITUT FÜR AEROBIOLOGIE IN GRAFSCHAFT /
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       SAUERLAND, VOR DER PRESSE AM 6. DEZEMBER 1968 IN BERLIN (DDR)
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       Die Enthüllungen  des aus  der BRD in die DDR übergesiedelten Mi-
       krobiologen Dr.  Petras über  die  unter  strenger  Geheimhaltung
       stattfindende Arbeit  des Instituts  für  Aerobiologie  in  Graf-
       schaft/Sauerland haben  im In-  und Ausland  Aufsehen erregt. Sie
       laufen darauf  hinaus, daß in diesem unter der Patronanz des Bun-
       desverteidigungsministeriums stehenden  Institut mit  den Geldern
       des bundesdeutschen  Steuerzahlers ohne dessen Wissen biologische
       und chemische  Forschungsarbeiten betrieben  werden, die nach Art
       und Umfang  nur dann  einen Sinn haben können, wenn ihre Produkte
       als potentionelle  Kampfmittel in  einer offenbar für möglich ge-
       haltenen überfallartigen Kriegshandlung gedacht sind. Die wissen-
       schaftliche Akribie,  mit der  Dr. Petras  seine Erfahrungen  und
       Kenntnisse vorgebracht  hat, weisen ihn ohne Zweifel als seriösen
       Fachmann aus. Demgegenüber fällt an den zwei Gegenerklärungen des
       Bundesministeriums der  Verteidigung vom  24. November und 3. De-
       zember 1968  auf, daß  sie merkwürdig  knapp gehalten  sind - als
       komme obrigkeitlicher  Kurzangebundenheit in  unserem Staate  von
       vornherein mehr  Gewicht und  Glaubwürdigkeit zu  als den noch so
       ausführlichen, noch so detaillierten Warnungen eines Überläufers.
       Das Bundesministerium  der Verteidigung  glaubt die  Enthüllungen
       des Dr.  Petras vor  allem mit  dem Hinweis  darauf entkräften zu
       können, daß  es an  die "noch  im Frühjahr  dieses Jahres"  (also
       1968) sowohl  von Dr.  Petras als auch von allen anderen Beschäf-
       tigten des Grafschafter Instituts unterschriebene "Verpflichtung"
       erinnert, "schon  dann Strafantrag  zu stellen,  wenn er den Ver-
       dacht habe,  daß Entwicklungen  zur Herstellung  von Kampfstoffen
       zur biologischen  und chemischen Kriegsführung angestellt würden.
       Ein solcher  Strafantrag ist weder von Dr. Petras noch von irgend
       einem anderen Angestellten dieses Instituts gestellt worden". Das
       mag stimmen.  Doch ist  damit nicht  geklärt, aus welchen Gründen
       solche Strafanträge  bisher nicht  gestellt worden  sind. Wäre es
       nicht denkbar,  daß der Großteil der Beschäftigten des Grafschaf-
       ter Instituts  sich über Sinn und Zweck ihrer Arbeit selbst nicht
       im klaren  ist? Diese  Möglichkeit ist nicht von der Hand zu wei-
       sen, seit  man weiß,  daß den  meisten  Professoren,  Ingenieuren
       usw., die  in den  40er Jahren in den USA an der Kernspaltung ar-
       beiteten, nicht  bekannt war,  daß sie  in Wirklichkeit die Atom-
       bombe herstellen  halfen. Ferner wies Dr. Petras in diesem Zusam-
       menhang im  "Neuen Deutschland" vom 28. Dezember 1968 darauf hin,
       daß die  Kontrollinstanz, an  die eine  solche Anzeige zu richten
       wäre, das  Bundesverteidigungsministerium selbst  sei, "der Brot-
       herr der Grafschafter Anstalt. Wer gegen den Teufel Klage zu füh-
       ren hat",  fährt Dr.  Petras fort,  "soll also,  bitte schön, bei
       Beelzebub Strafantrag  stellen". Wie  dem auch sei - man kann die
       von einem  Forscher offenbar aus Gewissensgründen ausgelösten Be-
       fürchtungen nicht  mit kühlen  amtlichen Dementis  aus  der  Welt
       schaffen. Vor  allem aber hat aus Bonn bis heute niemand Stellung
       genommen zu  dem vielleicht  entscheidenden Satz  des Dr. Petras:
       "Worin liegt",  so fragt  er in dem oben erwähnten Zeitungsinter-
       view, "der Verteidigungseffekt einer Substanz, die so giftig ist,
       daß ein  Gramm ausreichte, um eine Million Menschen zu töten? Wer
       sich damit  'verteidigen' wollte,  würde die  eigene  Bevölkerung
       ausrotten." Wir halten die von Dr. Petras in Berlin (DDR) abgege-
       bene Erklärung für so wichtig, daß wir sie im vollen Wortlaut ab-
       drucken. Sie  wird ergänzt  und in größere Zusammenhänge gestellt
       durch den  auf Seite 424 f. abgedruckten Bericht der Bernal-Frie-
       densbibliothek. D. Red.
       
       Meine Damen und Herren!
       
       Aus meinem  Interview mit dem Deutschen Fernsehfunk ist Ihnen be-
       kannt, daß  ich durch meine neunjährige Tätigkeit im Institut für
       Aerobiologie in Grafschaft/Sauerland umfangreiche Kenntnisse über
       die Vorbereitung  der B-  und C-Kriegführung in der westdeutschen
       Bundesrepublik erhalten  habe. Alle  einschlägigen  Arbeiten  auf
       diesem Gebiet  in der  westdeutschen Bundesrepublik  werden durch
       das  Bundesverteidigungsministertum   für   militärisch-offensive
       Zwecke nutzbar gemacht.
       Das westdeutsche  militärische Forschungspotential auf dem B- und
       C-Waffen-Sektor umfaßt eine ganze Palette hochpathogener Mikroor-
       ganismen und  Virusaerosole, der  V-Stoffe, G-Gase,  Toxine, psy-
       choaktiven Kampfstoffe,  Algogene und  der phytotoxischen  Kampf-
       stoffe.
       Im Vordergrund der wissenschaftlichen Bearbeitung dieser Probleme
       in speziellen  Forschungseinrichtungen, in Universitätsinstituten
       und in  Labors der  chemischen Industrie  Westdeutschlands stehen
       dabei folgende Fragen:
       1) Weitere Erforschung und Neuentwicklung biologischer und chemi-
       scher Kampfstoffe und ihrer Einsatzmöglichkeiten als Aerosole;
       2) die Erforschung  optimaler Nachweis-  und Entgiftungsverfahren
       für diese  Giftstoffe, einschließlich der Entwicklung und Produk-
       tion von Gegenmitteln;
       3) Erforschung von  Kombinationsschäden, die  durch gleichzeitige
       Einwirkung verschiedener Arten von ABC-Waffen entstehen;
       4) Forschungen über alle Probleme des individuellen und kollekti-
       ven Schutzes  sowie der  medizinischen Versorgung vergifteter und
       strahlengeschädigter Personen.
       Diese Forschungskomplexe  bilden  innerhalb  der  Konzeption  des
       westdeutschen  Bundesverteidigungsministeriums   zur  allseitigen
       Vorbereitung der  ABC-Kriegführung eine  notwendige  Einheit  und
       können daher nicht isoliert voneinander betrachtet werden.
       Das gegenwärtige  westdeutsche Rüstungsprogramm auf dem B- und C-
       Waffen-Sektor wird  als ein  straff organisiertes System der For-
       schung, Testung und Produktionsvorbereitung unter der Leitung des
       Bundesverteidigungsministeriums durchgesetzt.  In  der  Abteilung
       Wehrtechnik des  Bundesverteidigungsministeriums liegt  die  zen-
       trale Leitung  der militärischen  Forschungs- und Entwicklungsar-
       beiten auf  diesem Gebiet. Das betrifft sowohl die Auftragsertei-
       lung, die  Koordinierung als  auch die Finanzierung der Arbeiten.
       Gleichzeitig übt  diese Abteilung  einen bestimmenden Einfluß auf
       die Auswahl  der zur Durchführung der geforderten Arbeiten heran-
       zuziehenden hochqualifizierten Wissenschaftler aus.
       Zur unmittelbaren Leitung der biologischen und chemischen Kriegs-
       vorbereitungen wurde  in jüngster Zeit auf Initiative des Bundes-
       verteidigungsministeriums eine  besondere "Studiengruppe ABC" ge-
       bildet, die  sich aus  Vertretern der damit befaßten Referate des
       Bundesverteidigungsministeriums zusammensetzt.
       Eine besondere  Rolle als  Beratungs- und Koordinierungsorgan des
       Bonner Bundesverteidigungsministeriums  auf dem ABC-Sektor spielt
       der "Wissenschaftliche  Beirat für das Sanitäts- und Gesundheits-
       wesen der  Bundeswehr" auch  als "Wehrmedizinischer  Beirat"  be-
       zeichnet.
       Neben diesen  Gremien verfügt  das Bundesverteidigungsministerium
       auch über  eigene Forschungseinrichtungen wie z.B. die ABC-Erpro-
       bungsstelle E 53  der Bundeswehr/Munsterlager  in der  Lüneburger
       Heide, die ABC-Abwehrschule Sonthofen sowie über das Institut für
       Aerobiologie in  Grafschaft; außerdem  schließt es Forschungsver-
       träge mit  Einzelpersonen bzw.  wissenschaftlichen Arbeitsgruppen
       direkt oder  zum Zwecke  der Tarnung  über die Fraunhofer-Gesell-
       schaft ab.
       Aus den  verschiedensten politischen  und ökonomischen Erwägungen
       sowie zu  Zwecken der Geheimhaltung und Tarnung hat das westdeut-
       sche Bundesverteidigungsministerium von Anfang an bei der Wieder-
       aufrüstung Wert darauf gelegt, seine militärische Forschung weit-
       gehend in  den bestehenden  zivilen  Forschungseinrichtungen  der
       westdeutschen Chemiekonzerne,  Universitätsinstitute und  anderen
       Forschungseinrichtungen so  durchführen zu lassen, daß deren wah-
       rer Charakter  nicht sofort  sichtbar wird. Eine der Hauptvoraus-
       setzungen für  diese Methode  besteht darin, daß es unter den Be-
       dingungen einer  modernen Forschung und Industrie - diese sind in
       Westdeutschland vorhanden  - eine  weitgehende  Überlagerung  der
       Forschungsarbeiten für  militärische und zivile Zwecke gibt. Dar-
       aus ergeben sich für das westdeutsche Bundesverteidigungsministe-
       rium erhebliche  Vorteile, wie eine bessere Tarnung der unter zi-
       viler Forschung,  Entwicklung und  Produktion laufenden  Arbeiten
       für offensive  militärische Zwecke, der Einsparung von Zeit, Per-
       sonal und  Geldmitteln. Das westdeutsche Bundesverteidigungsmini-
       sterium hat  sich bereits  heute einen  dominierenden Einfluß auf
       das entsprechende  westdeutsche Potential der Forschung und Indu-
       strie gesichert,  so daß es viele Wissenschaftler gibt, die trotz
       persönlicher Vorbehalte  nicht wagen, Forschungsaufträge des Bun-
       desverteidigungsministeriums zurückzuweisen.
                                    *
       Im folgenden werde ich Sie mit einigen detaillierten Angaben über
       das Institut für Aerobiologie in Grafschaft/Sauerland der Fraunh-
       ofer-Gesellschaft München bekannt machen.
       Die Gründung  des Instituts erfolgte 1959 mit dem Ziel, Forschun-
       gen des  westdeutschen Bundesverteidigungsministeriums zur Vorbe-
       reitung der  B- und  C-Kriegführung durchzuführen.  Zunächst  war
       daran gedacht,  das Institut  für Aerobiologie  dem westdeutschen
       Bundesverteidigungsministerium unmittelbar  als Bundesanstalt  zu
       unterstellen. Von  diesem Gedanken wurde sehr bald Abstand genom-
       men, und  statt dessen  wurde das Institut zum Zwecke der Tarnung
       der militärischen  Forschung formal  der  Fraunhofer-Gesellschaft
       unterstellt.
       Die Aufgabenstellung  des Instituts  war also  von Anfang  an auf
       wehrtechnische Objekte offensiven Charakters festgelegt. Im Früh-
       jahr 1961 übernahm das Bundesministerium für Verteidigung bereits
       die unmittelbare  Anleitung und  direkte Aufgabenstellung für das
       Institut. Das besondere Interesse des Bundesverteidigungsministe-
       riums an  dem Institut  wird auch  dadurch unterstrichen, daß der
       damalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß schon für
       den 10. Januar 1961 zu einem Besuch angemeldet war.
       Die Auftragserteilung  durch  das  Bundesverteidigungsministerium
       erfolgt über  die Abteilung T (Wehrtechnik), Referat T II 2, frü-
       her Referat T II 4. Zuständiger Referent des Bundesverteidigungs-
       ministeriums war  bis zum  vorigen Jahr Ministerialrat Dr. Glupe.
       Seit 1967 untersteht das Grafschafter Institut in wissenschaftli-
       cher Hinsicht  unmittelbar den  Weisungen des Ministerialrates im
       Bundesverteidigungsministerium Dr.  Strathmann, wobei  Dr. Engel-
       hard (Sohn des Göttinger Professors Engelhard) als sein Stellver-
       treter fungiert.
       Entsprechend der  Satzung der  Fraunhofer-Gesellschaft wurde  dem
       Institutsleiter ein Kuratorium beigeordnet. Dieses Kuratorium hat
       die Aufgabe, in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesverteidigungs-
       ministerium die  fachliche Aufgabenstellung  zu präzisieren.  Dem
       Kuratorium gehören  namhafte Wissenschaftler an, die gleichzeitig
       die Verbindung  zu anderen  Instituten und  Einrichtungen sichern
       und damit  eine Erweiterung des wissenschaftlichen Potentials zur
       Realisierung der vom Bundesverteidigungsministerium fixierten ag-
       gressiven Zielstellung gewährleisten.
       Die wichtigsten  Vertreter waren  bis 1963/64:  Prof. Dr. Lendle,
       Institut für  Pharmakologie und  Toxikologie der Universität Göt-
       tingen; Prof.  Dr. Kliewe, damals Leiter des Institus für Hygiene
       und Mikrobiologie  der Universität  Mainz; Prof. Dr. Langendorff,
       Direktor des Radiologischen Instituts der Universität Freiburg.
       Das Bundesverteidigungsministerium  übte seinen  Einfluß über Re-
       gierungsrat Dr.  Bollinger und  die Fraunhofer-Gesellschaft durch
       ihren Generalsekretär  Herrn Epp  aus. 1964 wurde auf Weisung des
       Bundesverteidigungsministeriums ein  neues Kuratorium für das In-
       stitut berufen,  das aus folgenden Professoren besteht: Prof. Dr.
       Westphal, Direktor  des  Max-Planck-Instituts  für  Immunbiologie
       Freiburg; Prof.  Dr. Lüttringhaus,  Direktor des Organisch-chemi-
       schen Instituts  der Universität  Freiburg; Prof. Dr. Kimmig, Di-
       rektor der Haut- und Poliklinik der Universität Hamburg.
       Die Befugnisse  dieses Kuratoriums werden durch das Bundesvertei-
       digungsministerium sanktioniert. Seine Zusammensetzung garantiert
       ein hohes  Niveau der  wissenschaftlichen Arbeiten  im Rahmen der
       vom Bundesverteidigungsministerium konzipierten Forschung für die
       B- und C-Kriegführung.
       Diese militärischen  Forschungsarbeiten im  Grafschafter Institut
       werden in folgenden drei Abteilungen betrieben: 1) In der Medizi-
       nisch-biologischen Abteilung, zu der die Laboratorien B I-7 sowie
       die Heiße  Zelle gehören;  2) in der Chemischen Abteilung mit den
       Laboratorien 1-4;  3) in der Physikalischen Abteilung mit dem La-
       bor 1 und 2 sowie mit dem Labor für Teilchenbeschleuniger.
       Hinzu kam  das Labor  für Mikrobiologie, das unter meiner Leitung
       stand. Als  Laborleiter habe ich jahrelang Untersuchungen zu Pro-
       blemen der biologischen und chemischen Kriegführung durchgeführt.
       Ich hatte  Gelegenheit, das gesamte Programm des Instituts kennen
       zu lernen.  Darüber hinaus  ist mir  eine große  Zahl von Wissen-
       schaftlern bekannt  geworden, die  sich in der westdeutschen Bun-
       desrepublik gegenwärtig  mit Fragen der ABC-Kriegführung beschäf-
       tigen, wodurch  ich Einblick in den Mechanismus ihrer Zusammenar-
       beit bekam.  Ich muß  heute sagen, daß ich von der Vielfältigkeit
       und der Intensität der Kriegsvorbereitungen auf diesem Gebiet von
       Jahr zu  Jahr mehr beunruhigt worden bin. Als besonders erschrec-
       kend erschien mir die Tatsache, daß im Offizierskorps der Bundes-
       wehr offen und mit größter Selbstverständlichkeit von einem neuen
       Krieg, bei  dem auch bakteriologische und chemische Waffen einge-
       setzt werden sollen, gesprochen wird.
       Es ist  bedauerlich, daß  sich angesichts derartiger Gefahren für
       die Menschheit  wieder einmal  eine nicht unerhebliche Zahl deut-
       scher Wissenschaftler  von skrupellosen Militärs mißbrauchen läßt
       - wenn auch vielfach unter schweren Gewissenskonflikten.
       Dem Institut gehören zur Zeit etwa 70-80 Mitarbeiter an. Eine er-
       hebliche Erweiterung  des Personalbestandes  ist vorgesehen.  Die
       Bedingungen für  die Einstellung  von Mitarbeitern  für das Graf-
       schafter Institut  weisen allein schon auf die Bedeutung hin, die
       das Bundesverteidigungsministerium  diesem Institut  beimißt.  Es
       dürfen nur solche Mitarbeiter eingestellt werden, die dem Bundes-
       verteidigungsministerium genehm  sind. Im  Frühjahr dieses Jahres
       wurde neuerdings verlangt, daß Akademiker, die sich um Anstellung
       im Institut bewerben, zunächst persönlich im Bundesverteidigungs-
       ministerium, Abteilung T II 2, vorsprechen müssen. Alle Mitarbei-
       ter des  Instituts sind zur Geheimhaltung verpflichtet, wobei das
       System der  Geheimhaltungsstufen und die Bestimmungen der Bundes-
       wehr zur Anwendung kommen.
       So wie  versucht wird,  ein geschlossenes System der persönlichen
       sowie der inneren und äußeren Absicherung aufrechtzuerhalten, ist
       die Institutsleitung in Abstimmung mit dem Bundesverteidigungsmi-
       nisterium bemüht, den wahren Charakter der wissenschaftlichen Ar-
       beiten durch  die Verwendung von Tarnbezeichnungen, durch die de-
       zentralisierte  Bearbeitung  von  offensiven  militärischen  For-
       schungsthemen für den Uneingeweihten undurchschaubar zu machen.
       Es wurden z.B. umfangreiche wissenschaftliche Forschungen zu fol-
       genden Problemen durchgeführt:
       1) Aerosolforschung. Hierbei  wurden Untersuchungen  zur Herstel-
       lung von  Aerosolen mit  langfristig wirksamen  B- bzw.  C-Kampf-
       stoffgehalt angestellt.  Diese Untersuchungen  erfolgten - soweit
       sie den B-Sektor betrafen - in dem von mir geleiteten Labor, wäh-
       rend die Untersuchungen mit chemischen Substanzen in enger Zusam-
       menarbeit der Abteilungen Chemie und Physik durchgeführt wurden.
       Die Herstellung  und Untersuchung  dieser Kampfmittel erfolgt nur
       unter dem Aspekt einer vorgesehenen schlagartigen und langfristi-
       gen Verseuchung  großer Landstriche,  die nur  im Falle eines An-
       griffskrieges von Interesse sein kann. Die Ergebnisse dieser For-
       schungen dienen  dem Bundesverteidigungsministerium zu Festlegun-
       gen für  den Großeinsatz  in einem  Kriegsfall. Die Einführung in
       die direkte  Anwendungstechnik erfolgt  dann unter anderem in der
       Erprobungsstelle E 53 in Munsterlager unter der Regie von Oberre-
       gierungsrat Dr.  Lockau. Auf  Grund dieser wissenschaftlichen Er-
       gebnisse, ergänzt durch die Erfahrungen anderer Institute und In-
       dustrielabors, ist  die moderne chemische Industrie der westdeut-
       schen Bundesrepublik  (z.B. die  IG  Farben  Nachfolgeunternehmen
       Farbenfabriken Bayer  AG, BASF und Hoechst) in der Lage, kurzfri-
       stig größere  Mengen des von der Bundeswehr benötigten Kampfstof-
       fes herzustellen und auszuliefern.
       Sowohl in  wissenschaftlicher als  auch in militärischer Hinsicht
       erhielt das  Grafschafter Institut Anleitung für die Arbeiten auf
       dem Gebiet  der B- und C-Aerosolforschung u.a. durch den deutsch-
       amerikanischen Professor  Alexander Goetz aus Pasadena (USA), der
       sich auf  Veranlassung des Bundesverteidigungsministeriums in den
       Jahren 1961  und 1962  zweimal für  je sechs Wochen in Grafschaft
       aufhielt. Prof.  Goetz hatte  vorher viele  Jahre im Auftrage des
       Pentagon auf  dem Gebiet der Aerosolforschung gearbeitet. Die Ko-
       pie eines  zehn Jahre  geheimgehaltenen  umfangreichen  Berichtes
       über einen  Teil seiner  diesbezüglichen Forschungsarbeiten liegt
       im Grafschafter Institut.
       2) Bestimmung von  Toxizitätswerten und  Vergiftungsbildern  nach
       Injektion und  bezeichnenderweise auch  nach Inhalation bekannter
       und neuentwickelter  phosphororganischer Verbindungen.  Diese Un-
       tersuchungen werden von den Abteilungen Medizin-Biologie und Che-
       mie gemeinsam durchgeführt, wobei im Bedarfsfalle Mitarbeiter der
       Abteilung Physik  herangezogen werden. Für diese Arbeit wurde we-
       gen ihrer Gefährlichkeit ein Speziallabor, der sogenannte Bunker,
       gebaut. In  diesem Speziallabor wird durch die Erzeugung von Gas-
       druckdifferenzen eine  gewisse Sicherheit für das mit den hochto-
       xischen Substanzen  arbeitende Bedienungspersonal  gewährleistet.
       Bei diesem Labor handelt es sich praktisch um eine kleine Gaskam-
       mer, die  nur den  Abteilungsleitern und dem Leiter des Instituts
       zur Untersuchung zur Verfügung steht. Diese Forschungen schließen
       sich logisch  an die  unter 1)  genannten Probleme  an  und  sind
       dementsprechend zu bewerten.
       3) Bestimmung des  Permeationsvermögens von neuentwickelten phos-
       phororganischen Verbindungen wie auch von VX-Substanzen, speziell
       im Tierversuch und bei Versuchen mit menschlicher Haut. In diesem
       Zusammenhang muß  gesagt werden,  daß VX-Stoffe wegen ihrer hohen
       Toxizität aus  keinem anderen  Grund als  dem eines militärischen
       Einsatzes getestet und für die Produktion vorbereitet werden.
       4) Arbeiten zur  Theorie der synthetischen Ultragifte und techni-
       sche Vorbereitungen für den Umgang mit Ultragiften.
       5) Bearbeitung von  Problemen der Anwendungstechnik von Aerosolen
       phosphororganischer Kampfstoffe  bei  Erprobung  im  Tierversuch.
       Diese Forschungen  werden durchgeführt,  um Erkenntnisse  für den
       militärischen Einsatz phosphororganischer Kampfstoffe abzuleiten.
       6) Vorbereitung von Experimenten mit hochpathogenen Mikroorganis-
       men- und  Virusstämmen sowie  mit bakteriellen Toxinen, insbeson-
       dere mit  Botulinus-Toxin, dem wirksamsten aller bekannten Gifte.
       Mein ehemaliger  Mitarbeiter Dr.  Salomon und  ich  hatten  unter
       strenger Klausur  eine Studie für das Bonner Bundesverteidigungs-
       ministerium anzufertigen,  in der herausgearbeitet werden sollte,
       auf welche  Weise kurzfristig militärische Objekte mittels biolo-
       gischer Waffen  lahmgelegt werden können. Bei dieser Arbeit wurde
       unterschieden zwischen  Krankheitserregern unterschiedlicher  Pa-
       thogenität und  Inkubationszeit sowie  zwischen den diversen Mög-
       lichkeiten ihrer  Anwendung. Um  unsere moralischen Bedenken, die
       bei der  Auftragserteilung bestanden,  zu zerstreuen, wurde diese
       Studie durch  die Institutsleitung  als Abwehrarbeit  zum Schutze
       der Bundeswehr  deklariert. Diese  Studie ist  heute noch "streng
       geheim". Alle  bei  ihrer  Anfertigung  vorhandenen  Materialien,
       selbst Schmierzettel, mußten jedesmal beim Verlassen des Arbeits-
       raumes beim  Sicherheitsbeauftragten des Instituts abgegeben wer-
       den. Die  fertiggestellte Arbeit wurde uns dann endgültig aus den
       Händen genommen.
       Auf Grund  dieser Studie  hatte ich  später ein  Programm für den
       Aufbau einer  umfangreichen Sammlung hochpathogener Mikroorganis-
       men-Stämme zu  erarbeiten. Außerdem sollte im Grafschafter Insti-
       tut eine  Salmonella-Zentrale für  den gesamten  NATO-Bereich Eu-
       ropa-Mitte installiert  werden, d.h.  für  experimentelle  Zwecke
       eine Sammlung  von Hunderten von Typhus-, Paratyphus- und Enteri-
       tis-Erregern.
       Obgleich ich  kein Mediziner, sondern naturwissenschaftlicher Mi-
       krobiologe bin,  wurde mir  eine Sondergenehmigung für den Umgang
       mit solchen hochpathogenen Mikroorganismen-Stämmen erteilt.
       Zur Realisierung  waren auch  entsprechende Sicherheitsvorkehrun-
       gen, z.B.  die Impfung der Mitarbeiter meines Labors, vorbereitet
       bzw. durchgeführt  worden. Die ersten hochpathogenen Stämme waren
       in meinem  Labor bereits  eingetroffen. Wegen  der Brisanz dieses
       Projektes übernahm dann allerdings die Bundeswehr selbst die Wei-
       terbearbeitung.
                                    *
       Soweit einige  Forschungsthemen aus der Arbeit des Instituts. Für
       besonders wichtige  und lohnend erscheinende Projekte war und ist
       vorgesehen, bestimmte  Versuchsresultate unter den Schutz von Ge-
       heimpatenten zu stellen. Zu diesem Zwecke verfügt die Fraunhofer-
       Gesellschaft in  München über  eine spezielle  Patentstelle. Bei-
       spielsweise war  für ein  von mir bearbeitetes Projekt die Ertei-
       lung eines Geheimpatentes auf die Namen Bisa, Zoch und Petras be-
       antragt worden.
       Ich möchte  nun noch einige Titel von Forschungsberichten nennen,
       die in den vergangenen Jahren in Grafschaft für das Bundesvertei-
       digungsministerium angefertigt worden sind.
       1) Die inhalative  Schädigung durch  Phosphorsäureester-Aerosole.
       Durch diese  Arbeiten wurden erstmalig einsatzfähige Methoden zur
       Erzeugung von  hochtoxischen Phosphorsäureester-Aerosolen entwic-
       kelt und  deren effektive Wirksamkeit im Tierversuch an Affen und
       Ratten studiert;
       2) Versuche mit  Phosphorsäureester TP 59 und die Wirkung von An-
       tidoten an Ratten sowie die Prüfung und Untersuchung von O-Secun-
       därbutyl-Methylfluorphosphorsäureester. Diese Arbeiten beinhalte-
       ten die  allseitige Testung neu entwickelter und bisher unbekann-
       ter organischer  Phosphorverbindungen unter dem Gesichtspunkt ei-
       ner militärischen  Nutzbarkeit und  Einsatzfähigkeit.  Bei  TP 59
       handelt es  sich um eine hochtoxische Verbindung, die strukturmä-
       ßig zwischen den chemischen Kampfstoffen Sarin und Soman steht;
       3) histo-pathologische Untersuchungen  an TP 60-geschädigten Rat-
       ten. Unter der Tarnbezeichnung TP 60 erfolgte hier die allseitige
       Testung des chemischen Kampfstoffes Soman zur Ermittlung der Wir-
       kungsweise und  Wirkungsbreite unter dem Gesichtspunkt eines Ein-
       satzes;
       4) Qualitative und  quantitative Erfassung  der biologischen Wir-
       kung schneller  Neutronen als  Grundlage für  Untersuchungen über
       Kombinationsschäden. Durch diese Arbeiten wurden Methoden entwic-
       kelt und  studiert, die  gleichzeitig Kernstrahlung und chemische
       Kampfstoffe in Kombination zur Anwendung bringen, um die Effekti-
       vität beim militärischen Einsatz zu erhöhen.
       Am 27.  März dieses  Jahres fand im Institut für Aerobiologie ein
       Colloquium statt,  an dem namhafte Wissenschaftler aus einer gan-
       zen Reihe  westdeutscher Universitäten  und Vertreter des Bundes-
       verteidigungsministeriums sowie Offiziere der Bundeswehr teilnah-
       men. Hierbei  berichteten die im Institut tätigen Akademiker über
       die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Zwei Vortragsthemen, die be-
       sonders bezeichnend  sind, will  ich hier nur nennen: "Die Soman-
       Intoxikation" und  "Mechanismen von  Hemmung und Reaktivierung an
       Esterasen".
       Einige Bemerkungen  zur Tätigkeit  der Physikalischen  Abteilung:
       Diese Abteilung  ist neben  ihrer spezifischen Arbeit auf dem Ge-
       biet der atomaren Kriegführung in die Gesamtarbeitskonzeption des
       Instituts für  die B-  und C-Kriegsvorbereitung  einbezogen. Seit
       Anfang 1968  beschäftigt sich  diese Abteilung im besonderen Maße
       mit der Problematik der Kombinationsschäden.
       Weitere Details zu den Arbeiten des Grafschafter Instituts sollen
       hier nicht  angeführt werden.  Sie sind übrigens in den Jahresbe-
       richten des Instituts enthalten, die regelmäßig dem Bundesvertei-
       digungsministerium zugestellt worden sind. Darüber könnten zu ei-
       nem späteren Zeitpunkt weitere Ausführungen gemacht werden.
       Aus dem von mir auszugsweise charakterisierten umfangreichen Pro-
       gramm der  wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts ist ersicht-
       lich, daß sie nur in enger Zusammenarbeit mit anderen Forschungs-
       institutionen der  westdeutschen Bundesrepublik schnell und exakt
       gelöst werden können. Deshalb unterhält das Grafschafter Institut
       solche Verbindungen zu anderen Forschungseinrichtungen, mit denen
       entweder direkt  zusammengearbeitet wird oder die im Auftrage des
       Bundesverteidigungsministeriums  Probleme  lösen,  deren  wissen-
       schaftliche Ergebnisse  dem Institut  zur weiteren Auswertung zur
       Verfügung gestellt werden.
       In einem  Protokoll über  ein Colloquium, das anläßlich einer Ar-
       beitstagung im Institut am 5. November 1965 stattfand, wird unter
       anderem die  enge Zusammenarbeit  zwischen dem Institut, dem Bun-
       desverteidigungsministerium, dem  Kuratorium sowie anderen Insti-
       tuten, so  z.B. mit  dem Institut  für Zellphysiologie  von Prof.
       Leiner (Finthen  bei Mainz),  bewiesen. In  Anwesenheit von Prof.
       Kimmig, Prof.  Lüttringhaus und  Prof. Westphal  wurde auf diesem
       Colloquium eine  ausführliche Diskussion über Versuche mit chemi-
       schen Kampfstoffen und deren Wirkung auf die menschliche Haut ge-
       führt.
       Eine ganze  Reihe weiterer Institute in der westdeutschen Bundes-
       republik arbeitet darüber hinaus direkt an Forschungsaufträgen zu
       den verschiedensten  Problemen der  Bund C-Kampfstoffe  und ihres
       Einsatzes, die  vom Bundesverteidigungsministerium  vergeben  und
       finanziert werden,  z.B. mit  dem Pharmakologischen  Institut der
       Universität Göttingen,  dessen Leiter  Prof. Erdmann  ist.  Prof.
       Erdmann gibt  dem Grafschafter  Institut nach  Abstimmung mit dem
       Bundesverteidigungsministerium laufend detaillierte Hinweise über
       künftige Versuchsanordnungen  und Fragestellungen,  die sich  aus
       seinen eigenen Arbeiten ergeben.
       Das  Grafschafter   Institut  unterstützt  seinerseits  die  For-
       schungstätigkeit von Prof. Erdmann. Durch Dr. Oldiges, den jetzi-
       gen wissenschaftlichen  Leiter des  Instituts  für  Aerobiologie,
       wurde z.B. anläßlich einer Arbeitstagung, die am 13. bzw. 14. Ja-
       nuar 1967  stattfand, im Auftrage des Bundesverteidigungsministe-
       riums an  Prof. Erdmann  500 mg Soman übergeben. Das Grafschafter
       Institut verfügt  praktisch ständig  über Somanbestände,  die vom
       Bundesverteidigungsministerium geliefert werden.
       Nach Auflösung des Instituts für Zellphysiologie von Prof. Leiner
       wurden die  dort vorhandenen  Kampfstoffvorräte auf Anweisung des
       Bundesverteidigungsministeriums dem Grafschafter Institut überge-
       ben.
       Neben den  bereits genannten Beziehungen unterhält das Grafschaf-
       ter Institut  u.a. auch solche zu Universitätsinstituten in Bonn,
       Münster, Saarbrücken und Kiel.
       Vom Bundesverteidigungsministerium werden dem Institut aber nicht
       nur die  Arbeiten zur  Verfügung gestellt, die in seinem Auftrage
       von westdeutschen Instituten durchgeführt wurden, sondern gleich-
       zeitig wissenschaftliche  Ergebnisse solcher  Arbeiten, die west-
       deutsche Institute im Auftrage der US-Armee durchführen (z.B. das
       Institut für  Veterinärphysiologie der  Goethe-Universität Frank-
       furt/Main und das Chemische Institut der Universität Bonn).
       Neben der engen Zusammenarbeit mit Universitätsinstituten besteht
       eine solche  mit der  chemischen Industrie.  In einer  der ersten
       Versuchsreihen der  chemischen Abteilung des Instituts wurde z.B.
       das von den Farbenfabriken Bayer AG übernommene Präparat Zephirol
       auf seine Brauchbarkeit als allgemeines Felddesinfiziens geprüft.
       Seit einiger Zeit erfolgt die Zusammenarbeit mit den Farbenfabri-
       ken Bayer  AG zwecks  Tarnung über  Dr. Clarmann,  den Leiter der
       Entgiftungszentrale der  Bundesrepublik in  München,  Krankenhaus
       rechts der Isar.
       Mit der  ABC-Erprobungsstelle E 53 der Bundeswehr, die von großer
       Bedeutung für  die direkte  militärische  Nutzbarmachung  der  im
       Grafschafter Institut  geschaffenen  wissenschaftlichen  Erkennt-
       nisse ist,  besteht vor  allem seit den letzten zwei Jahren enger
       Kontakt. Die  Mitarbeiter der  Erprobungsstelle wie  auch die des
       Grafschafter Instituts  pflegen einen  engen Erfahrungsaustausch.
       Das war  nicht immer so. Seitdem jedoch die Sicherheitsbestimmun-
       gen im  Institut erhöht  worden sind, stimmte das Bundesverteidi-
       gungsministerium dieser engeren Zusammenarbeit zu.
       Das Bundesverteidigungsministerium  hat vor allem im letzten Jahr
       eine weitere  Forcierung der Entwicklung und Erprobung von biolo-
       gischen und  chemischen Kampfstoffen  sowohl in quantitativer als
       auch qualitativer Hinsicht durch das Grafschafter Institut gefor-
       dert und durchgesetzt. So werden jetzt Forschungsarbeiten mit den
       bereits genannten VX-Stoffen nicht nur gefordert, sondern es wur-
       den auch  bereits praktische  Versuche auf diesem Gebiet durchge-
       führt. Das  Ergebnis dieser  Versuche hat bei vielen Mitarbeitern
       des Instituts  einen Schock  ausgelöst. Stellte  Soman bisher die
       oberste Grenze des Forschungsbereiches des Grafschafter Instituts
       dar, so  wurde jetzt gefordert, Soman als unterste Stufe der wei-
       teren Arbeit  anzusehen. Damit  ist ein  qualitativ neues Stadium
       der Arbeiten  erreicht, in  dem sich  natürlich die Gewissenskon-
       flikte der  Institutsangehörigen verstärken.  In Kenntnis  dieser
       Tatsache begann das Bundesverteidigungsministerium, noch mehr als
       bisher direkt auf die personellen Fragen des Instituts Einfluß zu
       nehmen, um  sich von  solchen Mitarbeitern  zu trennen, die nicht
       bedenkenlos den  geforderten Kurs  der weiteren Forcierung der B-
       und C-Kriegsvorbereitungen nachkommen. Wie skrupellos vom Bundes-
       verteidigungsministerium vorgegangen  wird, beweist,  daß  selbst
       der langjährige Leiter des Instituts, Dr. Bisa, abgelöst wurde.
                                    *
       Ich glaube,  die von  mir dargestellten  Tatsachen über die west-
       deutschen Vorbereitungen  für die  B- und  C-Kriegführung und die
       damit verbundenen  Praktiken des  Bundesverteidigungsministeriums
       fordern eine  Entscheidung eines  jeden verantwortungsvollen Wis-
       senschaftlers, der  nicht an  einem erneuten ungeheuerlichen Ver-
       brechen am deutschen Volk und an der gesamten Menschheit schuldig
       werden will.  Wer Kenntnis  von der  Ungeheuerlichkeit der in der
       Bundesrepublik durchgeführten Kriegsvorbereitungen hat, kann sich
       nicht einfach  dadurch distanzieren,  daß er  lediglich seine Ar-
       beitsstelle verläßt  und über  seine Erfahrungen  und sein Wissen
       schweigt. Aus  diesem Grunde  hielt ich  es für  notwendig, meine
       Kenntnisse und Ansichten hier und in dieser Form darzulegen.
       

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