Quelle: Blätter 1969 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       HOCHSCHULPOLITISCHE ZIELE DES BUNDES
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       DEMOKRATISCHER WISSENSCHAFTLER
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       Die folgenden Gedanken werden der Hochschulöffentlichkeit zur Er-
       örterung und Ergänzung unterbreitet:
       Unsere Hochschulen  und ihre Angehörigen unterliegen einem zuneh-
       menden Druck  von Staat und privaten Interessenten. Zeugnis hier-
       für sind  die fortgesetzte  Einengung der  Hochschulselbstverwal-
       tung, die  Installation von Universitätspräsidenten als unmittel-
       baren Dienstvorgesetzten  der öffentlich  Bediensteten, die  Ver-
       schärfung des  Ordnungsrechts für Studenten, das Drängen der Pri-
       vatwirtschaft auf erweiterte Einflußnahme an den Hochschulen, An-
       griffe auf  die Selbstbestimmung  der Wirtschaft, die fortschrei-
       tende Funktionalisierung  der akademischen Intelligenz. Gerade in
       ihrer bisherigen  gesellschaftlichen Isolierung  unterliegen  die
       Hochschulen - nicht ohne eigenes Verschulden - heute einer zuneh-
       menden Überfremdung durch außeruniversitäre Gewalten.
       Der Bund  Demokratischer Wissenschafter  wirkt für die Erneuerung
       von Forschung  und Lehre aus dem Geist einer wissenschaftlich be-
       stimmten Eigenverantwortung  der  Wissenschaftstätigen  gegenüber
       den Bedürfnissen der Gesellschaft. In diesem Sinne setzt sich der
       Bund Demokratischer Wissenschafter für folgende Ziele ein:
       1) Verbindung von  Forschung und  Lehre  mit  kritischer  Prüfung
       ihres Standortes und ihrer Rolle innerhalb der Gesellschaft. Ver-
       stärkte Einbeziehung drängender Gegenwartsfragen unserer Zeit und
       der Probleme  aller sozialen  Schichten in  den  Fragenkreis  der
       Hochschulen.
       2) Anerkennung des  Rechts der Gesamtkörperschaft Universität wie
       ihrer Gliedkörperschaften,  bei Verletzung  der  Verfassung,  der
       Grundrechte, des Völkerrechts sich öffentlich zu äußern.
       3) Zusammenarbeit aller  Gruppen der Hochschulangehörigen und ge-
       genseitiger Schutz  gegenüber Eingriffen von außen. Sicherung von
       Öffentlichkeit und  Kontrolle in  der Verwaltung  auf allen Hoch-
       schulebenen und im Prüfungswesen.
       4) Abwehr des  Einflusses von  Privatinteressen auf die Hochschu-
       len. Ablehnung von durch die Privatwirtschaft mitgetragenen Stif-
       tungsuniversitäten.
       5) Offenlegung aller Auftragsforschung an den Hochschulen und an-
       deren öffentlichen  Forschungseinrichtungen. Absage  an jede Form
       der Forschung,  die Zweifel  an der Vereinbarkeit mit den völker-
       rechtlichen Verpflichtungen der Bundesrepublik offenläßt.
       6) Überprüfung des  disziplinarischen Sonderstatus  von Studenten
       und öffentlich Bediensteten. Anerkennung des Streikrechts der Be-
       amten. Verbesserung der Rechtsstellung der akademischen Mitarbei-
       ter.
       7) Fortbildung  von   Berufstätigen  aus  den  nicht-akademischen
       Schichten.
       8) Zusammenfassung der bisherigen Westdeutschen Rektorenkonferenz
       und des bisherigen Wissenschaftsrates in einem Bundeshochschulrat
       unter Beteiligung  aller Hauptgruppen  der  Hochschulen.  Bildung
       entsprechender Hochschulbeiräte auf Länderebene, ausgestattet mit
       Konsultationsrecht und Gesetzesinitiative.
       
       Anmerkung
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       In einem  Rundfunkinterview hat der Vorsitzende des Bundes, Prof.
       Dr. Werner  Hofmann (Marburg),  besonders die prinzipielle Bedeu-
       tung des  Gedankens hervorgehoben,  an die  Stelle der bisherigen
       Westdeutschen Rektorenkonferenz  - die künftig eine Hochschulprä-
       sidentenkonferenz wäre  - sowie an die Stelle des großenteils von
       universitätsfremden Kräften  getragenen Wissenschaftsrates  einen
       Bundeshochschulrat treten  zu lassen  sowie auf Länderebene Hoch-
       schulbeiräte zu  schaffen, die konsultiert werden müssen und über
       Gesetzesinitiative verfügen.  So würde vermieden werden, daß etwa
       Hochschulgesetze, wie  jüngst in  Hamburg, gegen  den Widerspruch
       aller Universitätsgruppen verabschiedet werden.
       

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