Quelle: Blätter 1969 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER PAULUS-GESELLSCHAFT ZUR VERURTEILUNG
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       VON SPANISCHEN PRIESTERN
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       Bestürzt nimmt  die internationale  Paulus-Gesellschaft  Kenntnis
       von dem  Urteil, das  ein spanisches Gericht in Burgos über 5 ka-
       tholische Priester  verhängt hat:  10 bzw. 12 Jahre Gefängnis für
       einen Hungerstreik  aus Protest gegen die Mißhandlung politischer
       Häftlinge. Wenige  Monate zuvor: 300 katholische Priester in Bar-
       celona erhoben  bei Papst Paul VI. und bei der Menschenrechtskom-
       mission der  UNO Protest  gegen die  "physischen und  moralischen
       Vergewaltigungen jeder  Art", denen  politische Gefangene in Spa-
       nien ausgesetzt sind.
       Wir aber  erheben Protest  gegen eine  Kirche des Schweigens, die
       tatenlos zusieht,  wie seit Jahren Menschen ihrer Rechte beraubt,
       erniedrigt, geschlagen,  eingekerkert werden,  nur weil  sie Men-
       schen anderer  politischer Überzeugung, anderer sozialer Vorstel-
       lungen sind  - in  einem Land, in dem die Katholische Kirche nach
       der Verfassung  weltanschaulich die  Verantwortung trägt  für den
       Staat.
       Wir erheben  Protest gegen  ein Christentum, das seine universale
       Sendung, eine  Sendung an  alle Menschen, so den Interessen eines
       Staates, einer  Nation, einer  Partei ausliefert, daß die Politik
       dieses Staates, dieser Nation, dieser Partei gleichgesetzt werden
       kann mit Christentum.
       Wir erheben  Protest gegen Bischöfe und Kardinäle, die jene ihrer
       Priester im Stiche lassen und zu Ruhe und Ordnung auffordern, die
       es nicht  mehr ertragen, daß Verbrechen an Menschen verübt werden
       im Namen Christi.
       Wir richten  an den  Papst den  Appell, die  Glaubwürdigkeit  des
       christlichen Namens  in der Welt wiederherzustellen, seiner Enzy-
       klika über  den "Fortschritt  der Völker" Taten folgen zu lassen,
       in Spanien und Südamerika offen hinter jene Bischöfe und Priester
       zu treten, die Freiheit und Leben einsetzen, daß alle Gruppen des
       Volkes mitarbeiten  an einer  neuen Gesellschaft, einer menschli-
       cheren Gesellschaft, als das Bündnis von Staat und Kirche sie er-
       richtet hat:  500 Jahre sind Zeit genug, um die Wirksamkeit einer
       Politik zu  beurteilen, gleichgültig,  wie großangelegt  die Idee
       war.
       Wir rufen die Christen in aller Welt auf, sich mit den 5 katholi-
       schen Priestern  in Spanien zu solidarisieren, das Christentum zu
       erneuern als eine Religion universaler Menschlichkeit, nicht mehr
       zu dulden,  daß irgendwo in der Welt, wo Christen leben, Menschen
       leiden, nur  weil sie Menschen einer anderen Nation, Rasse, Reli-
       gion, Klasse oder Partei sind.
       

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