Quelle: Blätter 1969 Heft 10 (Oktober)


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       Aus Copyrightgründen kann DEA hier keine Volltextausgabe machen.
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       Das vollständige Dokument finden Sie entweder auf der "Blätter"-
       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Günter Wallraff
       
       "HÄNGT DEN D. AUF!"
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       Ein nicht gesendetes Fernsehspiel
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       ...
       Nachstehend bringen wir einen für die "Blätter" etwas ungewöhnli-
       chen Beitrag:  den -  leicht gekürzten  - Text eines Fernsehdreh-
       buchs von  Günter Wallraff.  Wir haben uns zu dieser Veröffentli-
       chung entschlossen,  weil sowohl der Inhalt des Drehbuchs wie die
       Tatsache, daß  der Film in letzter Miaute nicht produziert wurde,
       wie schließlich  die Hintergründe dieses Vorgangs uns Erhebliches
       beizutragen scheinen zu zwei nach wie vor zentralen Themen in der
       BRD: Einmal  zum Thema  NPD (Wer  unterstützt, wer  bekämpft  den
       Neonazismus?) und  zweitens zur Frage der Meinungsfreiheit in den
       westdeutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten.
       Der Text spricht für sich selbst; hier nur kurz einige Worte über
       die Zusammenhänge:
       "Hängt den  D. auf!"  sollte, als  Auftragsarbeit für das "Zweite
       Deutsche Fernsehen",  kurz vor der Wahl gesendet werden. Zugrunde
       liegt der  authentische Fall  des Arbeiters Günter Bauder, der in
       der mittleren Industriestadt Heidenheim bei Ulm keine Arbeit mehr
       fand, weil  er sich politisch zu weit links engagiert hatte. Gün-
       ter Wallraff  war diesem  Fall damals nachgegangen und hatte sich
       bei den  gleichen Firmen (u.a. bei den Zeiss-Werken, Schwäbischen
       Hüttenwerken GmbH.,  Hartmann-Watte, Zigarrenfabrik  Schäfer  und
       der Maschinenfabrik Voith KG u. GmbH) mit gleichem Berufsbild als
       "NPD-Angehöriger" beworben.
       Die ihm und Bauder entgegengebrachten Argumente bei dieser Bewer-
       bung waren seinerzeit unter Namensnennung der Firmen in verschie-
       denen Zeitschriften  veröffentlicht und  als Flugblätter  vor den
       Fabriktoren verteilt  worden. Vorausgegangen  war ein Boykott der
       vorgesehenen örtlichen Druckerei. Der Auftrag war von der Drucke-
       rei Ress in Heidenheim unterzeichnet, Preis und Auslieferungster-
       min waren vereinbart, die Setzer begannen mit der Arbeit, als die
       Druckerei den  Vertrag annullierte. "Wenn wir das in unserem Haus
       drucken, werden  die Leute,  die in dieser Reportage angesprochen
       werden, uns keinen Druckauftrag mehr geben. Sie müssen verstehen,
       daß wir unter diesen Umständen nicht drucken können."
       Das gleiche  Schema wiederholte  sich bei dem Fernsehauftrag: Das
       Drehbuch war von den verantwortlichen Redakteuren und Dramaturgen
       akzeptiert und angenommen, Regisseur und Schauspieler waren unter
       Vertrag, die  Produktion sollte  in zwei Tagen beginnen - als von
       höchster Stelle,  über den  Programmbeirat, der  das Projekt  ur-
       sprünglich genehmigt  hatte, ein Veto eingelegt wurde. Die Gründe
       für den  plötzlichen Rückzieher  wurden nie  schriftlich fixiert;
       man sprach  davon, daß  BDA- und Daimler-Benz-Funktionär Schleyer
       gegen die  Sendung Bedenken angemeldet habe. Offiziell nannte man
       zwei Gründe:
       Die Umfrageergebnisse, wie sie hier zur Darstellung gebracht wer-
       den sollten,  mögen für diese Gegend zwar zutreffend sein, jedoch
       fürs Ruhrgebiet zum Beispiel hätten sie keine Gültigkeit. Zum an-
       deren ein oft gehörtes Argument, das gegen die NPD vor allem dann
       zur Anwendung  gelangte, wenn die Struktur des Neofaschismus  a n
       s i c h   offengelegt zu  werden drohte: Durch das nachdrückliche
       Warnen und Aufzeigen würde man am Ende der NPD nur nützen.
       Obwohl sich  verantwortliche  Redakteure  und  Dramaturgen  gegen
       diese Auffassung  zu wehren versuchten und die Sendung durchbrin-
       gen wollten, blieb es bei der Absetzung. Damit das "demokratische
       Gefüge" der  Anstalt gewahrt  bleibe, wurde  bei der finanziellen
       Regelung großzügigst  verfahren: nicht nur der Autor, auch Regis-
       seur und  Schauspieler, deren  Arbeit nicht  in Anspruch genommen
       wurde, erhielten  volle Honorare.  Das ZDF ließ es sich etwas ko-
       sten: Mehr  als 20 000  Mark  für  unterdrückte  Meinungsfreiheit
       spielten keine Rolle.
       Die "Blätter"  unterbreiten hiermit  der Öffentlichkeit,  was das
       ZDF seinen Zuschauern vorenthielt. D. Red.
       ...
       

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