Quelle: Blätter 1969 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF ZUR AKTION "STOPPT DEN US-KRIEG -
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       FRIEDEN FÜR VIETNAM JETZT!"
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       Noch immer  verwüsten amerikanische  Angriffe Vietnam.  Präsident
       Nixon ist  offensichtlich nicht  gewillt, den  Krieg zu  beenden.
       Nixon hofft  noch immer, das Saigoner Regime gegen den Willen der
       vietnamesischen Bevölkerung halten zu können. US-Verteidigungsmi-
       nister Laird  plant sogar  schon jetzt für eine zukünftige Regie-
       rung in  Saigon die Anwesenheit von 6000 bis 7000 Militärberatern
       ein. Alles weist darauf hin, daß die US-Administration noch immer
       nicht ihr  altes Ziel  aufgegeben hat, Südvietnam auch in Zukunft
       zu beherrschen und für alle Befreiungsbewegungen ein abschrecken-
       des Beispiel  zu statuieren.  Während Nixon  noch zögert, welcher
       neuen und  publikumswirksameren Strategie  und Taktik er sich zu-
       wenden soll,  bemühen sich  die Falken  im Pentagon  und die  Rü-
       stungsindustrie, den Krieg wieder anzuheizen, um die Entscheidung
       doch militärisch zu erzwingen.
       Die Hoffnungen  auf einen  schnellen Erfolg  der Pariser Vietnam-
       Verhandlungen und  auf eine  kurzfristige Beendigung  des Krieges
       durch die  USA haben  sich als  trügerisch erwiesen. Die Kampagne
       für Selbstbestimmung  und Frieden für das vietnamesische Volk ist
       deshalb in  der ganzen Welt wieder aufgenommen worden, um die USA
       zum sofortigen bedingungslosen Abzug ihrer Truppen aus Vietnam zu
       zwingen.
       Das "Vietnam-Moratorium"  in den  USA setzte  am 15. Oktober 1969
       mit Protest-  und Kampfaktionen von zuvor ungekanntem Ausmaß qua-
       litativ und  quantitativ neue Maßstäbe für eine offensive Massen-
       kampagne zur  Beendigung der US-Aggression in Vietnam. "Die Orga-
       nisatoren sagten  voraus, daß  15 bis  20 Millionen  Menschen  im
       Lande in  irgendeiner Form  daran teilnehmen würden, und ihre Er-
       wartungen trafen  ein", berichtete die "International Harold Tri-
       bune" am  16. Oktober. Aktionen fanden nicht nur in den USA, son-
       dern auch  in Europa  (Paris, London, Dublin, Wien, Rom, Kopenha-
       gen), sowie  u.a. in Saigon, Tokio, Sidney und Addis Abeba statt.
       Doch in der Bundesrepublik ereignete sich so gut wie nichts.
       Mitte November  1969 wird in den USA ein zweitägiges "Vietnam-Mo-
       ratorium" beginnen. Im Dezember wird es drei zusammenhängende Ak-
       tionstage geben, im Januar vier und so weiter. Zu diesen Aktionen
       wird eine  noch stärkere  Mobilisierung erwartet:  Zum ersten Mal
       stehen auf  der Seite der amerikanischen Vietnamkriegsgegner eine
       Reihe von großen Gewerkschaften. Studentenschaften und Hochschul-
       lehrer haben zu einem Proteststreik an allen Universitäten aufge-
       rufen. Der  Kardinal von Boston hat alle Katholiken zur Teilnahme
       an den  Demonstrationen aufgefordert,  ebenso der Nationalrat der
       Kirchen, die  Methodisten und  die Quäker. Viele tausend Soldaten
       haben angekündigt, an den Friedensdemonstrationen teilzunehmen.
       Am 15.  November 1969 wird die internationale Protestkampagne für
       die Beendigung  der US-Aggression  in Vietnam weitere Länder, die
       Metropolen aller  Erdteile und  ungezählte Millionen Menschen er-
       fassen. Die  politische Zielsetzung  dieser Kampagne wurde in dem
       Vietnam-Appell  vom  11./12.  Oktober  1969  der  Internationalen
       Stockholm-Konferenz für Vietnam formuliert: "Um die grundlegenden
       nationalen Rechte  des vietnamesischen  Volkes -  Unabhängigkeit,
       Souveränität, Einheit  und  territoriale  Integrität  -  und  das
       Selbstbestimmungsrecht des  südvietnamesischen Volkes  zu wahren,
       verlangen wir:  den totalen, sofortigen und bedingungslosen Abzug
       der Streitkräfte  der Vereinigten  Staaten und  ihrer Verbündeten
       aus Vietnam."
       Die Vietnamkriegs-Opposition  der Bundesrepublik  ist  in  dieser
       Stunde aufgerufen,  sich wieder  entschlossen in  die Aktion  der
       Vietnam-Kampagnen aller Länder einzureihen!
       Wir rufen auf:
       - Beginnt sofort  mit den Vorbereitungen von Aktionen zum 15. No-
       vember!
       - Organisiert Straßendiskussionen, Teach-ins, Demonstrationen!
       - Sammelt Geld  für die HILFSAKTION VIETNAM, 4 Düsseldorf, Kirch-
       feldstraße 149 a, Postscheckkonto Essen 300 40!
       Die Stärke der Bewegung für Vietnam liegt in ihrer Vielfalt. Ent-
       falten wir die Aktivitäten in möglichst breiter Front! Unsere po-
       litische Losung  lautet: Bedingungsloser Abzug der amerikanischen
       Truppen und  ihrer Alliierten  aus Südvietnam! Einwirken der Bun-
       desrepublik auf  die USA, die Aggression in Vietnam einzustellen!
       Anerkennung der Demokratischen Republik Vietnam durch die Bundes-
       republik!
       Vorläufige Liste der Unterzeichner:
       Initiative für Vietnam - Christliche Friedenskonferenz, Regional-
       ausschuß in  der BRD,  Dortmund; Deutsche  Friedensgesellschaft -
       Internationale  der  Kriegsdienstgegner,  Bundesvorstand,  Essen;
       Evangelische Studentengemeinde  in der  Bundesrepublik und Berlin
       (West), i.A.  Der Arbeitsausschuß, Klaus-Dieter Mende, Vorsitzen-
       der, Stuttgart;  Hilfsaktion Vietnam e.V., Düsseldorf; Humanisti-
       sche Studenten-Union, Bundesvorstand, Frankfurt; Deutsche Jungde-
       mokraten, Bundesvorstand, Bonn; Kampagne für Demokratie und Abrü-
       stung, Zentraler  Ausschuß,  Offenbach;  Liberaler  Studentenbund
       Deutschlands, Bundesvorstand,  Bonn; Naturfreundejugend  Deutsch-
       lands, Bundesjugendleitung, Stuttgart; Sozialdemokratischer Hoch-
       schulbund, Bundeszentralrat, Bonn; Sozialistische Deutsche Arbei-
       terjugend, Bundesvorstand,  Essen; Sozialistische Jugend Deutsch-
       lands "Die  Falken", Bezirk Ostwestfalen/Lippe, Bielefeld; Verei-
       nigung der Verfolgten des Naziregimes, Präsidium, Frankfurt; Ver-
       band der Kriegsdienstverweigerer, Bundesvorstand, Stuttgart; Ver-
       söhnungsbund e.V.,  Dortmund; Weltfriedensbewegung  - Landesfrie-
       denskomitees in der BRD, Frankfurt; Westdeutsche Frauen-Friedens-
       bewegung, Essen;  Willi Baumann  (Bezirksleiter bei  IG Druck und
       Papier), München;  Dieter Hooge (Jugendbildungsreferent beim DGB-
       Landesbezirk Hessen),  Frankfurt;  Manfred  Kiesewetter  (Landes-
       jugendsekretär beim  DGB-Landesbezirk Hessen),  Darmstadt;  Horst
       Klaus (Sachbearbeiter  in der  Abteilung Jugend beim Vorstand der
       IG Metall),  Frankfurt; Eberhard  Kremer (Jugend-  und  Bildungs-
       sekretär der IG Druck und Papier, Hauptvorstand), Stuttgart; Hin-
       rich Oetjen  (Bundesjugendsekretär der  IG Chemie,  Papier, Kera-
       mik), Hannover;  Gert Lütgert  (Vorsitzender der  Jungsozialisten
       Bezirk Hessen-Süd), Frankfurt; Rudolf Scharping (Vorsitzender der
       Jungsozialisten Bezirk  Rheinland/Hessen/Nassau), Koblenz; Hilmar
       Schmitt  (Vorsitzender   der  Jungsozialisten   Bezirk  Franken),
       Aschaffenburg; Walter Zuber (Vorsitzender der Jungsozialisten Be-
       zirk Rheinhessen),  Mainz; Wolfgang F. Haug, Redakteur "Das Argu-
       ment", Berlin; Redaktion "Blätter für deutsche und internationale
       Politik", Köln; Karl-Heinz Schröder, Verleger des "elan", magazin
       für junge  leute, Offenbach;  Redaktion  "express-international",
       Frankfurt; Redaktion  "Junge  Kirche",  Zeitschrift  europäischer
       Christen, Dortmund; Redaktion "kritischer Katholizismus", Bochum;
       H.J. Frederichs,  Chefredakteur "Journal",  Oldenburg;  Redaktion
       "links", Zeitung  der Arbeitsgruppe  Sozialistisches Büro, Offen-
       bach; Redaktion  "Marxistische Blätter", Frankfurt; Wolf Schenke,
       Herausgeber "Neue  Politik", Hamburg;  Redaktion "Spontan",  Ham-
       burg; Gerd  Hirschauer für  die Redaktion  "werkhefte",  München;
       Prof. Wolfgang  Abendroth, Marburg;  Prof. Ernst Bloch, Tübingen;
       Prof. Walter Fabian, Köln; Prof. Iring Fetscher, Frankfurt; Prof.
       Ossip K.  Flechtheim, Berlin; Landrat Jürgen Girgensohn, MdL, Ka-
       men; Prof.  D. Helmut  Gollwitzer, Berlin;  Prof. Wilfried  Gott-
       schalch, Berlin;  Dr. Robert  Jungk, Berlin;  Dr. Erich  Kästner,
       München; Dr.  Arno Klönne, Paderborn: Dr. Martin Walser. Nußdorf;
       Gerhard Zwerenz, München.
       

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