Quelle: Blätter 1970 Heft 03 (März)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       GESAMTSCHULE: TECHNOKRATISCHE LEISTUNGSSCHULE ODER
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       CHANCE ZUR DEMOKRATISIERUNG DER GESELLSCHAFT?
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       ...
       Von Wulf Hopf und Ulf Preuss-Lausitz
       ...
       Was ist Gesamtschule?
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       Die Entstehung der Gesamtschule
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       Konservative Kritik an der Gesamtschule
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       Erfahrungen der Gesamtschüler
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       ...
       "Ich glaube,  die Lehrer  sind hier idealistischer als in anderen
       Schulen. Aber  sonst sind  sie genau gleich." "Es gibt allerdings
       auch Lehrer,  die von  Anfang an  hier waren  und auch freiwillig
       hierher gekommen  sind, und  die sind anders. (In welcher Weise?)
       Viel liberaler."
       ...
       ...
       "Ich glaube,  daß das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern an
       dieser Schule  im Grunde  genommen genauso  ist, wie  an  anderen
       Schulen, und daß bloß durch die neue Praxis, wie man hier den Un-
       terricht ausübt,  den Schülern  eine gewisse  Demokratie  gewährt
       werden soll.  Während sie  an anderen Schulen noch so rückständig
       ist, daß  das Verhältnis  sich zwischen  den Schülern und Lehrern
       immer mehr verschlechtert."
       ...
       ...
       "Wenn man  nicht so  viel im  Kernkurs zusammen ist, zerstört das
       die Kameradschaft,  wenn man  mehr im Fachleistungskurs ist, zer-
       stört das mit der Zeit die Klassengemeinschaft."
       ...
       ...
       "Da man in den Fachleistungskursen ist, kommt man mit mehr zusam-
       men, aber  man muß  immer so viel hin und her rennen, das ist der
       Nachteil."
       ...
       ...
       "Man hat  mehr Bekannte  als im gewöhnlichen Schulsystem. Und das
       finde ich einen Vorteil."
       ...
       Erfahrung der Gesamtschullehrer
       -------------------------------
       ...
       "Ich glaube nicht, daß das Verhältnis schlechter ist als an ande-
       ren Schulen,  dadurch daß in Gruppen innerhalb der Kerngruppe ge-
       arbeitet wird, und auch in den Fachleistungskursen hat man durch-
       aus die Möglichkeit, während des Unterrichts ein persönliches Ge-
       spräch anzuknüpfen."
       ...
       ...
       "Die Zusammenarbeit  ist ausgezeichnet. Es gibt keine Spannungen,
       aber Probleme.  Die PH-Absolventen  sagen mit  Recht, wir leisten
       die gleiche  Arbeit und werden erheblich schlechter bezahlt, wäh-
       rend sie  andererseits anerkennen,  daß die  Gymnasiallehrer eine
       weitaus längere und wohl auch schwierigere Ausbildung haben."
       ...
       ...
       "Ich möchte  das unterstützen, die Zusammenarbeit ist ausgezeich-
       net, ich  sehe Probleme  darin, daß einmal die Universitätsabsol-
       venten eine schwächere pädagogisch-psychologische Ausbildung mit-
       bringen und auch die Kollegen, die das Examen vor etlichen Jahren
       gemacht haben,  gegenüber den  jungen Kollegen in dieser Hinsicht
       sehr benachteiligt sind."
       ...
       ...
       "Welche Erwartungen  stellen sie  als  Gesamtschullehrer  an  die
       Schulverwaltung und die breitere Öffentlichkeit?"
       ...
       ...
       "Die erste  Erwartung ist,  daß endlich aufhört, daß wir mit her-
       kömmlichen Schulen  verglichen werden, was die finanzielle Ausrü-
       stung und  die Ausstattung mit Lehrern und Lehrmaterial betrifft.
       (Meinen Sie damit auch den Leistungsvergleich?) Den Leistungsver-
       gleich, und wir wollen auf der einen Seite neuartige Unterrichts-
       versuche durchführen,  und neuartige  Unterrichtsinhalte, die Ge-
       samtschule soll  andere Pläne  entwickeln, aber  das, was nachher
       raus kommt, soll das gleiche sein wie bisher an den anderen Schu-
       len, bloß ein bißchen mehr Ausstoß."
       ...
       ...
       "Ich möchte  noch einen Schritt zurückgehen, ich würde sagen, daß
       die Schulverwaltung  und die Öffentlichkeit radikal die Prämissen
       überprüfen soll,  die unser  Schulsystem, das  150 Jahre alt ist,
       setzt. (Ausgehend von den Gesamtschulversuchen?) Den Gesamtschul-
       versuchen eingeschlossen,  es ist  nichts prinzipiell Neues. Son-
       dern nur  in technizistischer,  methodischer Weise etwas moderni-
       siert."
       ...
       ...
       "Da wird  an der  Gesamtschule jetzt  ganz kraß  deutlich, was am
       Schulsystem bei  uns in   Deutschland mies  ist.   Das kann durch
       einzelne  Versuche  nicht   ausgeglichen werden. Die haben da nur
       Alibi."
       ...
       ...
       "Einmal, daß  wir für  die Planung  nicht genügend Zeit haben und
       auch nicht  genügend Vorkenntnisse. Und daß wir keine Möglichkeit
       haben, grundsätzliche psychologische, pädagogische und auch fach-
       bezogene Kenntnisse jetzt nebenher zu erwerben.
       Ein weiteres  Problem kommt hinzu. Eltern und Schulverwaltung er-
       warten von  der Gesamtschule  in erster  Linie bessere Leistungen
       und höhere  Quoten erfolgreicher  Schüler. Die pädagogisch kriti-
       schen und  reformfreudigen Lehrer selbst aber sehen gerade in der
       übertriebenen Leistungsorientierung  der Gesamtschule die Gefahr,
       daß damit der gleichzeitig vorgetragene Wunsch nach Demokratisie-
       rung der  Schule, nach kritisch-wissenschaftlicher Ausbildung und
       nach Schülern,  die angstfrei,  schöpferisch, offen  und kritisch
       sind, vernachlässigt  wird: "Ich  will vielleicht einen Gesichts-
       punkt noch  etwas ausweiten,  nämlich den,  daß das  Prinzip  des
       sanktionsfreien Lernens,  wie wir  es hier  praktizieren möchten,
       sich mit  einem auf die Spitze getriebenen Leistungsprinzip nicht
       vereinbart. Es  wird also Schwierigkeiten geben mit den Schülern.
       Wie sie  ja z.T. schon vorhanden sind. Diese Schwierigkeiten wer-
       den sich in der Weise steigern, daß die Schüler sich radikal ver-
       weigern. Weil  sanktionsfreies Lernen  und forciertes  Leistungs-
       prinzip sich nicht vereinbaren lassen."
       ...
       ...
       "Wenn wir  von der Curriculumforschung her und auch von der Moti-
       vationsforschung her  unseren Unterricht  ganz neu aufbauen könn-
       ten, wäre das keine Spannung. Wenn jemand wirklich echt motiviert
       ist, dann  ist er ohne weiteres auch bereit, intensiv zu arbeiten
       und in der Lage, wirklich Brauchbares zu leisten."
       ...
       ...
       "Ich glaube  nicht, daß im Rahmen des herkömmlichen Systems diese
       Forderungen, nämlich  schöpferische und politisch mündige Jugend-
       liche heranzuziehen,  geleistet werden  kann. Das müßte also eine
       andere Schule sein. Vielleicht sogar eine Gegenschule."
       ...
       Erfahrungen der Eltern von Gesamtschülern
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       "...weil hier  nach einem  ganz anderen Prinzip unterrichtet wird
       als bei einem Gymnasium. Die Arbeiten sind hier völlig anders. Es
       gibt nicht  mehr unter  einer Arbeit  eine zwei,  sondern es wird
       nach Punktsystem  bewertet, und  nach Platzziffer, und dann haben
       sie nicht  die Möglichkeiten  mit den Hausaufgaben, weil sie ganz
       andere Hefter  und Ordner - es ist eben völlig anders als auf ei-
       ner normalen Schule. Da muß man sich erst reinfinden."
       ...
       ...
       "Die Kinder  haben in der Grundschule ein bisher relativ strenges
       Schema gehabt. Sie haben Strafen gekannt, Strafarbeiten, Nachsit-
       zen, besondere Art von Hausaufgaben, während jetzt an der Gesamt-
       schule diese  Strafmaßnahmen nicht  gegeben sind.  Das heißt, der
       Schüler wird  sich selbst  überlassen, und  es ist eine Frage des
       Eifers und seiner Einstellung, auch des Elternhauses, wieweit der
       Schüler jetzt mitarbeitet."
       ...
       ...
       "Wenn es  grundsätzlich selbständiger  erzogen würde,  beispiels-
       weise schon  in den  Grundschulen, dann  wäre der Übergang zu den
       Gesamtschulen nicht so schwerwiegend."
       ...
       ...
       "Wir haben vorhin schon erwähnt, daß es den Lehrern nicht möglich
       ist, die Unterrichtseinheiten, das Material dafür zusammenzustel-
       len, weil  sie durch den Unterricht selbst voll ausgelastet sind.
       Und hier  ist meiner Meinung nach ein kleiner Fehler gemacht wor-
       den, den könnte man natürlich wieder gut machen, indem mehr Lehr-
       personal zur  Verfügung gestellt  wird, beziehungsweise dem Lehr-
       personal gleichzustellende Fachkräfte. Es wundert mich überhaupt,
       daß es  nicht eine  zentrale Institution  gibt, die  sich mit der
       Planung und  dem Aufbau  des Unterrichtsstoffes  für die  Gesamt-
       schule befaßt."
       ...
       Die Zwiespältigkeit der Gesamtschule
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