Quelle: Blätter 1970 Heft 04 (April)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       DIE KAMPAGNE ZUR UNTERDRÜCKUNG DER BLACK PANTHERS
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       ...
       Von Martin Hall, Los Angeles
       ...
       ...
       "Dein Brief,  mit dem  du das Amt des Premierministers der Black-
       Panther-Partei niederlegst, kam nach meiner Meinung etwa ein Jahr
       zu spät...  Die Ereignisse  haben bewiesen,  daß du nicht aus dem
       erforderlichen Holz  geschnitzt bist, um die Arbeit an der Spitze
       zu machen. Schon damals war klar, daß deine Position in der Frage
       der Koalition  mit revolutionären  weißen Organisationen  sich in
       Konflikt mit  der Haltung  der Black-Panther-Partei  befand. Aber
       wir waren  der Meinung,  du würdest  die paranoide Angst des SNCC
       (Student Non-Violent Coordinating Committee, militante Studenten-
       organisation -  Anm. d.  Üb.) vor weißer Vorherrschaft überwinden
       und den  Aufbau des Typs von revolutionärem Apparat vorantreiben,
       den wir  in den  USA brauchen,  um alle revolutionären Kräfte des
       Landes vereinen  und das  System von  Kapitalismus, Imperialismus
       und Rassismus stürzen zu können..."
       ...
       ...
       "Du bist  nie imstande gewesen, die Geschichte der Black-Panther-
       Partei von  der Geschichte der Organisation zu unterscheiden, de-
       ren Vorsitzender du früher warst, des Student Non-Violent Coordi-
       nating Committee. Es ist verständlich, daß bei dir eine derartige
       Angst vor  einer Kontrolle  schwarzer Organisationen  durch Weiße
       aufkommen kann, da die meisten deiner SNCC-Jahre unter genau die-
       sen Bedingungen  standen. Aber  die Black-Panther-Partei ist nie-
       mals in dieser Situation gewesen... Deshalb sind wir in der Lage,
       uns mit  Weißen zusammenzusetzen und Lösungen unserer gemeinsamen
       Probleme auszuarbeiten, ohne daß uns gleich das große Zittern da-
       vor überkommt, wir könnten in der Folge überspielt werden. Es ist
       mir immer  so vorgekommen,  als hättest du die Intelligenz deiner
       schwarzen Brüder und Schwestern unterbewertet, als du sie ständig
       ermahntest, sich  vor den  Weißen in acht zu nehmen. Aber du bist
       nicht der  einzige Schwarze, ... der ein Opfer des weißen Rassis-
       mus geworden ist. Du erweckst jedoch den Eindruck, als hättest du
       Angst vor weißen Leuten, als liefest du noch immer vor Sklavenjä-
       gern davon,  die Hand  an deinen  Körper legen  und dich in einen
       Sack stecken wollen..."
       ...
       ...
       "Du sprichst  von einer  'unsterblichen Liebe  für schwarze  Men-
       schen'. Eine  unsterbliche Liebe  für schwarze  Menschen, die die
       Menschlichkeit anderer  Menschen bestreitet,  ist  zum  Untergang
       verurteilt. Es war unsterbliche Liebe weißer Menschen untereinan-
       der, die  sie dazu  brachte, den  Schwarzen die Menschlichkeit zu
       verweigern, und  die schließlich  auch die  Weißen selbst  um die
       Menschlichkeit brachte.  Ich bin der Meinung, wenn man unsterbli-
       che Liebe für unsere Leute empfindet, dann wird sie einen letzten
       Endes zu  einer Strategie  führen,  die  unserem  Befreiungskampf
       nützt, anstatt uns in eine Interessenkoalition mit dem McClellan-
       Ausschuß (Kongreßausschuß, der die angeblich subversive Tätigkeit
       der Black  Panthers untersuchte  - M.H.) zu manövrieren, der ver-
       sucht, die Black-Panther-Partei zu zerschlagen."
       ...
       ...
       "... Wenn  mir irgend  jemand erzählt hätte, ich würde mich eines
       Tages in  dieser Exilsituation  wiederfinden und  versuchen, eine
       Stellungnahme zum  Frühstück-für-Kinder-Programm der  Black  Pan-
       thers und zu den radikalen Weißen in Berkeley mit ihrem Volkspark
       abzugeben, dann  hätte ich das für außerordentlich abwegig gehal-
       ten. Aber  das alles  ist Wirklichkeit geworden, und ich bin noch
       dazu von diesen Entwicklungen sehr begeistert."
       ...
       ...
       "Wenn wir  das  Frühstück-für-Kinder-Programm  verstehen  können,
       können wir nicht auch Programme wie Mittagessen für Kinder, Aben-
       dessen für  Kinder und  ärztliche Betreuung für Kinder verstehen?
       Und wenn  wir all das verstehen, warum sollten wir dann nicht nur
       den Volkspark,  sondern auch Volkswohnungen, ein Volksverkehrswe-
       sen, eine  Volksindustrie und  Volksbanken verstehen  können? Und
       warum sollten  wir nicht  auch eine Volksregierung verstehen kön-
       nen?"
       ...
       ...
       "Amerikaner werden  zunehmend nach  rechts und links polarisiert;
       zwischen ihnen  verwirrt in  der Mitte  steht die große Masse des
       Volkes, das  seine Verwirrung manchmal mit heuchlerischer Gleich-
       gültigkeit maskiert.  'Extremismus der Rechten', 'Extremismus der
       Linken' - seit den dreißiger Jahren und der kriecherischen McCar-
       thy-Ära waren  diese Slogans  nicht mehr  von der Kraft zum Töten
       begleitet. Heute  sind 'rechts'  und 'links'  auf den Lippen sich
       artikulierender Leute verbale Rasiermesser, in einer Art, für die
       es in  der amerikanischen  Geschichte keine Parallelen gibt. 'Der
       Gestank des  Faschismus liegt  in der  Luft', lautete die unheil-
       schwangere Warnung des früheren kalifornischen Gouverneurs Brown.
       Der letzte  republikanische Präsidentschaftskandidat (vor Nixon),
       Goldwater,  wurde   als  Rechtsextremist  gebrandmarkt...  Beide,
       Rechte wie  Linke, geben  vor, ihr  Land zu lieben. Ku Klux Klan,
       John Birch  Society, American Nazi Party, konservative Republika-
       ner, Minutemen,  ... -  alle wickeln  sich in  die  amerikanische
       Fahne und nennen sich feierlich Patrioten."
       ...
       ...
       "... Die  Verbindung zwischen Amerikas geheimer Unterstützung des
       auswärtigen Kolonialismus und der Knechtung des Negers im eigenen
       Lande wird  zunehmend deutlicher. Diejenigen, die in erster Linie
       um die  Verbesserung der Situation der Neger besorgt sind, erken-
       nen ebenso  wie diejenigen, denen es um die Zerschlagung des ame-
       rikanischen neokolonialen Netzes geht, daß ihr Kampf ein und der-
       selbe ist.  Sie haben  den wesentlichen  Widerspruch unserer Zeit
       erkannt."
       ...
       ...
       "Sie wissen,  daß die Grundsituation des Negers ohne strukturelle
       Veränderungen in  Amerikas politischem  und  ökonomischem  System
       nicht wirklich verändert werden kann. Was der Neger jetzt braucht
       und bewußt  sucht, ist  politische  und  ökonomische  Macht.  Und
       schließlich werden  wir erleben,  daß die Revolution der Neger in
       einer breiteren Bewegung aufgeht, die Abrüstung und Umfunktionie-
       rung der Wirtschaft für friedliche Zwecke fordert. Die Konzeption
       eines Bündnisses  zwischen der  Revolution der  Neger, der  neuen
       Linken und  der Friedensbewegung  erfüllt die  Machtstruktur  mit
       Furcht: man denke an die wütende Reaktion, als Martin Luther King
       die Einstellung  der amerikanischen  Bombardierung  Nordvietnams,
       Verhandlungen mit der Nationalen Befreiungsfront und die Aufnahme
       Chinas in die UNO forderte."
       ...
       ...
       "Wir werden  die Dinge  hier von Grund auf ändern müssen, der An-
       sicht Clarks  (Mitchells Vorgänger)  genau  entgegengesetzt.  Ich
       lehne die  Theorie entschieden ab, die besagt, man könnte den Ar-
       men dadurch  weiterhelfen, daß  man ihnen  bessere Wohnungen  zur
       Verfügung stellt.  Diese liberale Idee ist ganz und gar ohne Sub-
       stanz... Ich  glaube nicht  an Bildung für die meisten Leute. Man
       soll ihnen  beibringen, wie man eine Drehbank bedient, und es da-
       bei bewenden lassen."
       ...
       

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