Quelle: Blätter 1970 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PROGRAMM DES "WERKKREIS LITERATUR DER ARBEITSWELT",
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       VERÖFFENTLICHT AM 7. MÄRZ 1970 IN KÖLN
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       Am 7. März 1970 hat sich in Köln der "Werkkreis Literatur der Ar-
       beitswelt" konstituiert,  der sich "die Darstellung der Situation
       abhängig Arbeitender,  vornehmlich mit  sprachlichen Mitteln" zur
       Aufgabe macht.  In der  Praxis bedeutet  das, daß Arbeiter, Ange-
       stellte, Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler in ört-
       lichen "Werkstätten"  zusammenkommen, um  ihre Arbeits-  und All-
       tagserfahrungen in kritischen Berichten und Reportagen darzustel-
       len, die  berichteten Erfahrungen,  ihre Ursachen  und  möglichen
       Konsequenzen zu  diskutieren und - falls sinnvoll - zu veröffent-
       lichen. In  Verbindung mit  entsprechenden demokratischen Gruppen
       und  Organisationen,  vor  allem  den  Gewerkschaften,  will  der
       "Werkkreis" so  auf kulturell-politischem Gebiet "dazu beitragen,
       die gesellschaftlichen  Verhältnisse im Interesse der Arbeitenden
       zu verändern".
       Von Mitgliedern, Freunden und Kritikern der Dortmunder Gruppe 61,
       unter ihnen  Günter Wallraff, Erika Runge, Peter Schütt und Eras-
       mus Schöfer, initiiert, hat der "Werkkreis", als informelle Grup-
       pierung, bereits im vergangenen Jahr einen erfolgreichen Reporta-
       gewettbewerb über  den Arbeitsalltag ausgeschrieben, dem 1970 ein
       weiterer ("Der Arbeitsplatz - wie er ist und wie ich ihn mir wün-
       sche") folgen  soll. "Werkstätten" im Sinne des "Werkkreises" ar-
       beiten inzwischen  bereits in Hamburg, Westberlin, Gelsenkirchen,
       Essen, Wuppertal, Düsseldorf, Köln und München. D. Red.
       
       Der "Werkkreis  Literatur der  Arbeitswelt" ist  eine Vereinigung
       von Arbeitern  und Angestellten, die in örtlichen Werkstätten mit
       Schriftstellern, Journalisten und Wissenschaftlern zusammenarbei-
       ten. Seine Aufgabe ist die Darstellung der Situation abhängig Ar-
       beitender, vornehmlich  mit sprachlichen Mitteln. Auf diese Weise
       versucht der  "Werkkreis", die menschlichen und materiell-techni-
       schen Probleme  der Arbeitswelt  als gesellschaftliche  bewußt zu
       machen. Er  will dazu  beitragen, die gesellschaftlichen Verhält-
       nisse im  Interesse der Arbeitenden zu verändern. In dieser Ziel-
       setzung verbindet  der "Werkkreis" seine Arbeit mit dem Bestreben
       aller Gruppen  und Kräfte, die für eine demokratische Veränderung
       der gesellschaftlichen  Verhältnisse tätig  sind. Der "Werkkreis"
       hält eine  entsprechende Zusammenarbeit  mit den  Gewerkschaften,
       als den größten Organisationen der Arbeitenden, für notwendig.
       Die im "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt" hergestellten Arbei-
       ten wenden  sich vor  allem an die Werktätigen, aus deren Bewußt-
       werden über  ihre Klassenlage  sie entstehen.  Die kritischen und
       schöpferischen Kräfte  der Arbeitenden, deren Entfaltungsmöglich-
       keiten behindert werden, versucht der "Werkkreis" durch theoreti-
       sche Anleitung  und praktisches Beispiel wirksam zu unterstützen.
       Gesellschaftskritische, sozial verbindliche Literatur wird herge-
       stellt, diskutiert und veröffentlicht.
       Inhalt dieser  Informationen, Dokumentationen, beschreibenden und
       gestaltenden Arbeiten ist die kritische und schöpferische Ausein-
       andersetzung mit  den Arbeits- und Alltagsverhältnissen. Alle er-
       probten und neuen Formen realistischer Gestaltung werden benutzt.
       Der "Werkkreis  Literatur der  Arbeitswelt" nutzt die vorhandenen
       Möglichkeiten der  Verbreitung gesellschaftskritischer Literatur,
       vornehmlich die  den Arbeitenden  zugänglichen Publikationen;  er
       erstrebt eine  Änderung der Verbreitungs- und Aufnahmeweisen sol-
       cher Literatur  im Sinne  seiner Ziele; er paßt sich der Vermark-
       tung der  Literatur in  den Händen und im Interesse Weniger nicht
       an; er  arbeitet an  der Beseitigung  der Kultur-  und  Bildungs-
       privilegien.
       Interessenten wenden  sich bitte an: "Werkkreis Literatur der Ar-
       beitswelt", Postfach Köln 180 227. Bank für Gemeinwirtschaft Köln
       110 050.
       

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