Quelle: Blätter 1971 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       MANIFEST DES WELTFRIEDENSRATES
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       (Wortlaut)
       
       Vom 13.  bis 16.  Mai 1971  tagte in  Budapest die  Assemblée des
       Weltfriedensrates. Neben  einer Reihe  von Resolutionen zu Fragen
       der Europäischen  Sicherheit,  des  Nahost-  und  des  Indochina-
       Krieges, der  Entwicklungspolitik und der Abrüstung wurde ein Ma-
       nifest verabschiedet, das wir nachstehend im Wortlaut dokumentie-
       ren. D. Red.
       
       Wir, die  Verteidiger des  Friedens, kommen  aus 124  Ländern und
       vertreten mehr  als 30 internationale und 200 nationale Organisa-
       tionen hier  in Budapest  und richten  einen dringenden Appell an
       alle Nationen  und Menschen  guten Willens, ihre Anstrengungen im
       Kampf für  Frieden, nationale Unabhängigkeit, gegen Imperialismus
       und Krieg zu vereinen.
       Die Menschheit  leidet unter dem Wettrüsten, der verstärkten Auf-
       rüstung mit  nuklearen, chemischen und biologischen Waffen, unter
       Hunger und Unwissenheit. Sie ist immer noch schrecklichen Kriegen
       und Massakern  ausgesetzt; Menschen  werden aus  ihrem Heimatland
       vertrieben, andere sind Opfer des Kolonialismus und Rassismus.
       Das Handeln der Menschen wird die Zukunft bestimmen: Entweder Zu-
       spitzung oder  Beilegung von Konflikten; entweder Wettrüsten oder
       allgemeine und kontrollierte Abrüstung; entweder Armut oder sozi-
       aler Fortschritt,  Sicherung des  Rechts auf Selbstbestimmung und
       nationale Souveränität  für alle  Nationen in  allen  Teilen  der
       Welt.
       Seit dem  Welttreffen für  den Frieden  1969 in  Berlin haben die
       Friedenskräfte beachtliche  Erfolge erzielt.  Gleichzeitig  haben
       sich unsere Reihen gestärkt, und unser Ansehen ist gewachsen.
       Der heldenhafte  Widerstand der Völker von Vietnam, Laos und Kam-
       bodscha gegen  die USA-Aggression  in Indochina und besonders die
       Niederlage der  USA in Laos, die Intensivierung der Friedensbewe-
       gung gegen  die Nixon-Politik  in den  Vereinigten Staaten selbst
       und die wachsende Unterstützung für die gerechte Sache des Volkes
       von Indochina in der ganzen Welt sind ein bedeutender Beitrag zum
       Kampf der  Völker für  Frieden und  nationale Unabhängigkeit. Wir
       billigen den  kürzlichen Vorschlag  der Provisorischen Revolutio-
       nären Regierung  der Republik  Südvietnam sowie den Vorschlag der
       Patriotischen Front  von Laos  und der Nationalen Khmer Einheits-
       front, die eine vernünftige Basis für eine friedliche Regelung in
       Indochina vorsehen.  Die Bemühungen der arabischen Länder um eine
       politische Regelung der Nahost-Krise durch die Anwendung der UNO-
       Resolution vom  22. November 1967, die Beseitigung der Folgen der
       israelischen Aggression,  die Gewährleistung der nationalen legi-
       timen Rechte  der arabischen  Bevölkerung Palästinas  und  seines
       Rechts auf  Selbstbestimmung sind eine gute Grundlage für die Li-
       quidierung eines der gefährlichsten Brennpunkte der internationa-
       len Spannung.
       In Afrika  sind wir Zeuge einer Entwicklung der Massenkämpfe, ei-
       ner Stärkung  der nationalen Befreiungsbewegung, insbesondere des
       bewaffneten Kampfes in den portugiesischen Kolonien.
       Die bedeutenden  Errungenschaften der nationalen und fortschritt-
       lichen Kräfte  in Lateinamerika  und besonders  in Chile sind An-
       sporn für alle Völker in diesem Teil der Welt.
       Einige Länder haben sich aus dem Würgegriff der imperialistischen
       Wirtschaft befreit durch die Wiedergewinnung ihrer Bodenschätze.
       Neue Schritte  in Richtung  Frieden und Sicherheit für die Völker
       sind unternommen  worden. Die  Verträge zwischen  der Sowjetunion
       und der  Bundesrepublik Deutschland sowie zwischen der Volksrepu-
       blik Polen und der BRD stellen eine Grundlage für die Normalisie-
       rung der Lage in Europa dar. Sie sind ein Beweis der konsequenten
       Bemühungen der sozialistischen Länder um den Frieden und die Hin-
       wendung einiger  westeuropäischer Kreise  zu einer  realistischen
       Politik.
       Der Vertrag  über die  Nichtweiterverbreitung von  Kernwaffen ist
       durchgesetzt worden. Die meisten Länder der Welt haben das inter-
       nationale Abkommen über das Verbot der Stationierung von Atomwaf-
       fen auf  dem Meeresgrund  unterschrieben. Zwischen  der UdSSR und
       den USA sind Verhandlungen über eine strategische Rüstungsbegren-
       zung im Gange. Der Gedanke einer europäischen Konferenz über Pro-
       bleme der  Sicherheit und  Zusammenarbeit ist auf Verständnis und
       Unterstützung gestoßen.  Trotzdem werden  Frieden und  Sicherheit
       der Völker weiterhin bedroht.
       Die Ausweitung  des Krieges  in Indochina  und  die  fortdauernde
       Spannung im Nahen Osten sind Beispiele für die verstärkte Aggres-
       sivität der  imperialistischen Politik. Überall versucht der USA-
       Imperialismus, seine Herrschaft geltend zu machen. Er mischt sich
       in die  Angelegenheiten anderer Nationen ein, verletzt ihre legi-
       timen Rechte  und ihre Souveränität und versucht, ganzen Gebieten
       in der  Welt seinen  Willen aufzudrängen. Einerseits unterstützen
       die USA die Annexionspolitik der israelischen Regierung, anderer-
       seits bedienen  sie sich aller direkten und indirekten Mittel bei
       dem Versuch,  Druck auf die arabischen Länder auszuüben, ihre le-
       gitimen Rechte zu beschränken und so eine Beendigung der Krise im
       Nahen Osten  zu verhindern.  Die USA unterstützen die portugiesi-
       schen Kolonialherren,  die einen Vernichtungskrieg gegen die Völ-
       ker von Mozambique, Angola und Guinea-Bissau führen. Die Imperia-
       listen unterstützen  die Interventionsversuche der Kolonialherren
       im unabhängigen Guinea.
       Gestützt auf  die rassistischen Regime in Südafrika und mit Hilfe
       ihrer auf  den Inseln  des Indischen  Ozeans errichteten Militär-
       stützpunkte bedrohen sie die Länder dieses Gebietes. Die Provoka-
       tion des US-Imperialismus gegen Kuba und die Koreanische Volksde-
       mokratische Republik  werden immer  schärfer. Sie  versuchen, die
       fortschrittlichen Staaten  zu unterwandern und den Gang der Eman-
       zipationsbewegung in Lateinamerika aufzuhalten. Sie ermutigen die
       gefährliche Tätigkeit der revanchistischen Kräfte in Westdeutsch-
       land und die Wiedergeburt und Stärkung des Militarismus in Japan.
       Die ernsten, blutigen Ereignisse in Ostpakistan fordern Solidari-
       tätsaktionen seitens  der Friedenskämpfer,  um  die  Massaker  zu
       beenden und den Flüchtlingen zu helfen.
       Rüstungsausgaben -  Quelle der Inflation und Armut - werden immer
       unannehmbarer für  die Weltwirtschaft. In den letzten fünf Jahren
       sind etwa  400 Mrd.  US-Dollar in den USA für militärische Zwecke
       ausgegeben worden.  Das Atomwaffenpotential in der Welt - ganz zu
       schweigen von  den anderen Massenvernichtungswaffen - hat sich in
       den letzten  zwanzig Jahren  millionenfach vervielfacht. Trotzdem
       läuft die Forschung an anderen Waffenarten weiter. Eine echte Ge-
       fahr für einen Weltbrand besteht weiterhin.
       Es ist die lebenswichtige Aufgabe aller Friedenskräfte, eine sol-
       che Katastrophe  zu verhindern.  Wir begegnen  dieser aggressiven
       imperialistischen Politik  mit der aktiven Verteidigung des Frie-
       dens und  dem Kampf  für die Stärkung der internationalen Sicher-
       heit. Unser  Hauptziel  bleibt  weiterhin  die  Liquidierung  des
       Kriegsherdes in Indochina. Es gilt den sofortigen und vollständi-
       gen Rückzug  der Truppen  der USA und ihrer Satelliten aus diesem
       Teil der  Welt zu  bewirken und die aggressive Politik der Verei-
       nigten Staaten  und der  israelischen Regierung im Nahen Osten zu
       vereiteln.
       Wir fordern  die Einberufung einer Weltkonferenz über Abrüstungs-
       probleme. Wir unterstützen den Vorschlag einer Konferenz der fünf
       Atommächte, die  umfassende Maßnahmen  zur atomaren Abrüstung er-
       greifen sollen. Wir fordern das Verbot chemischer und bakteriolo-
       gischer Waffen und die Vernichtung der vorhandenen Arsenale.
       Wir kämpfen für die Abschaffung von Militärstützpunkten auf frem-
       dem Boden und die Auflösung von Militärbündnissen. Durch die Kür-
       zung des Militärbudgets sollten bedeutende Mittel für Fortschritt
       und Entwicklung  frei werden.  Wir fordern die Anwendung der UNO-
       Resolution über  die Abschaffung der noch vorhandenen Kolonialre-
       gime und die Beendigung jeglicher Rassendiskriminierung.
       Wir treten  ein für Sicherheit und europäische Zusammenarbeit auf
       der Grundlage  der Anerkennung  des als  Folge des  Ausganges des
       Zweiten Weltkrieges entstandenen territorialen Status quo und der
       Herstellung von  völkerrechtlichen Beziehungen zwischen allen eu-
       ropäischen Ländern.
       Die Universalität  der UNO muß garantiert werden durch die Zulas-
       sung der  Länder zu diesem Gremium, die dort noch nicht vertreten
       sind.
       Diese Forderungen  werden von allen Friedenskräften gestellt. Die
       Erfahrung hat  gezeigt, daß  die Einheit dieser Kräfte den Erfolg
       garantiert. Das  betrifft den  Kampf gegen die US-Aggressionen in
       Indochina, es  betrifft  unsere  fortwährende  Unterstützung  des
       Kampfes der Völker für Unabhängigkeit. Darin werden wir durch die
       Politik der  sozialistischen Staaten  und der nichtpaktgebundenen
       Länder, die  für Frieden  und  Zusammenarbeit  eintreten,  unter-
       stützt. Die  Stärke unserer  Bewegung liegt  in ihrer Vielseitig-
       keit.
       Die Menschheit  hat neue  Energiequellen erschlossen.  Sie kämpft
       gegen Naturkatastrophen,  erobert den Weltraum, überwindet Hunger
       und Krankheit.  Diese Taten werden bewirken, daß die Rüstungslast
       und die Geißel des Krieges abgeschüttelt werden.
       Wir reichen  all denen die Hand, die ehrlich um das Schicksal der
       Menschen besorgt  sind. Unsere  Losung heute soll sein: Zusammen-
       halt, Einheit und Tatkraft.
       Der Krieg versklavt die Menschheit, Frieden macht sie frei!
       

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