Quelle: Blätter 1971 Heft 08 (August)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE GEHEIMEN VIETNAM-DOKUMENTE DES PENTAGON (II) *)
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       XI
       
       Auszüge aus einem Bericht des Stellvertretenden
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       Unterstaatssekretärs im State Department, Marshall Green,
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       an den Unterstaatssekretär William P. Bundy über die nach
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       dem Zwischenfall im Golf von Tonkin durchgeführten Aktionen
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       Datiert 7. November 1964
       
       Die USA  sind, zusammen  mit RLG 20) und GVN, an einer Anzahl von
       Operationen beteiligt - 34-A, Yankee Team, Recce 21) sowie TL-28-
       Operationen der  Königlich-Laotischen Luftwaffe -, die darauf an-
       gelegt sind,  Nordvietnam zu  warnen und zu belästigen ("harass")
       und es  dem Feind  erschweren sollen, den laotischen Pfannenstiel
       zur Verstärkung  des Vietkong  in Südvietnam  zu benutzen. Ferner
       sollen sie  der Abwehr  des von  Pathet Lao/Vietminh in Laos aus-
       geübten Druckes dienen. De Soto-Patrouillenfahrten und grenzüber-
       schreitende Bodenoperationen  sind auch geplant. Der gegenwärtige
       Stand und die Aussichten für diese Operationen werden nachstehend
       beschrieben, zusammen mit einem Verzeichnis ("checklist") hervor-
       stechender Probleme  betreffend jedes  der einschlägigen Operati-
       onsgebiete.
       Im großen  und ganzen  herrscht in der Arbeitsgruppe Übereinstim-
       mung darüber,  daß es  unser Ziel  sein soll, die jetzige Signal-
       stärke ("signal  strength") und den jetzigen Grad der Belästigung
       aufrechtzuerhalten, keinerlei  Anzeichen verminderter  Entschlos-
       senheit zu  geben, aber auch Aktionen zu vermeiden, durch die die
       grundlegende Entscheidung präjudiziert werden könnte.
       
       A. Operationsplan 34-A
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       Obwohl nicht  alle Aktionen  im Rahmen  des Operationsplans  34-A
       nach dem  ersten Zwischenfall im Golf von Tonkin eingestellt wur-
       den, ist  doch tatsächlich  für den Rest des Monats August und im
       September wenig  erreicht worden.  Verschiedene erfolgreiche See-
       und Luftoperationen  sind nach dem für Oktober festgelegten Zeit-
       plan durchgeführt worden. Ein Zeitplan für November steht derzeit
       zur Debatte und wird wahrscheinlich am 7. November genehmigt wer-
       den.
       
       1) Seeoperationen
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       Seit der  Wiederaufnahme von Marops nach dem Zeitplan für Oktober
       sind die folgenden Operationen durchgeführt worden:
       Recon L-Tag (4. Oktober) Annäherung an Vinh Sor bis auf einen Ab-
       stand von 12 Meilen.
       Recon L + 2 (10.  Oktober) Annäherung  an Vinh  Sor bis auf einen
       Abstand von 12 Meilen.
       Loki IV L + 5 mißglückter Versuch, eine Dschunke zu fangen.
       32 & 45 E L 8 (28./29. Oktober) Bombardement der Radarstation von
       Vinh Son und des Beobachtungspostens von Mui Dai.
       Die folgende Operation ist nicht genehmigt worden:
       44 c L + 10 Sprengung  einer Brücke an der Nationalstraße 1 durch
       Froschmänner mit Unterstützung eines Schießkommandos.
       Soeben genehmigt wurde:
       34 B L + 12 (4.  November) Bombardement der Kasernen auf Hon Matt
       und Tigerinsel.
       Die folgenden  maritimen Operationen  verbleiben auf dem Zeitplan
       für Oktober  und werden  vermutlich in  denjenigen  von  November
       übernommen werden, zusammen mit einigen weiteren Operationen ähn-
       licher Art.
       L + 13 Festnahme eines Gefangenen durch ein Team von einem PTF
       L + 15 Fang einer Dschunke
       L + 19 Bombardement von Kap Mui Ron und Tigerinsel
       L + 25 Bombardement von Yen Phu und der Sam Son Radaranlage
       L + 28 Sprengung der Brücke an der Nationalstraße 1 und Bombarde-
       ment von Kap Mui Dao
       L + 30 Rückführung von Gefangenen aus L + 1 15
       L + 31 Bombardierung von Hon Ne und Hon Me
       L + 36 Sprengung  der Pier  in Phuc  Loi und Bombardement von Hon
       Ngu
       L + 38 Unterbrechung der Eisenbahnlinie von Hanoi nach Vinh
       L + 41 Bombardement von Dong Hoi und Tigerinsel
       L + 24 Bombardement der Nachtigallen-Insel.
       
       2) Luftoperationen
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       Fünf Teams  und ein  Einzelagent waren Anfang Oktober im Einsatz.
       Seitdem ist eines der Teams neuversorgt und verstärkt worden. Die
       anderen vier hätten auch neuversorgt und verstärkt werden sollen,
       doch wurden  die dafür  vorgesehenen Flüge  durch die  Wetterlage
       verhindert. Diese  Operationen sowie  der Einsatz  eines weiteren
       Fallschirmteams werden in den Zeitplan für November übernommen.
       Zwei der  Teams führten im Oktober erfolgreiche Aktionen aus. Ei-
       nes zerstörte eine Brücke, das andere überfiel eine nordvietname-
       sische Patrouille aus dem Hinterhalt. Beide Teams erlitten Verlu-
       ste, die  im letzteren  Falle erheblich  genug waren, um den Sinn
       der Aktion in Frage zu stellen.
       
       3) Psychologische Operationen
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       Sowohl das schwarze wie auch das weiße Radio waren täglich im Be-
       trieb. Schwarze  Rundfunksendungen beliefen  sich im Durchschnitt
       auf 8  bis 10 Stunden in der Woche, weiße auf 60 Stunden wöchent-
       lich.
       Es wurden  im Durchschnitt  50 bis  100 Briefe  in der Woche über
       Hong Kong aufgegeben. In den Monaten September und Oktober wurden
       nur einmal Flugblätter abgeworfen, und zwar in Verbindung mit ei-
       ner Versorgungsmission.
       Im Zeitplan  für November ist eine große Zahl von Operationen zum
       Abwurf von Flugblättern und zu Täuschungszwecken vorgesehen.
       
       4) Erkundungsflüge
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       Durch den  Einsatz von  durchschnittlich vier Flügen in der Woche
       wurden die meisten Ziele des Operationsplans 34-A erreicht.
       
       Probleme
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       1) Marops auftauchen lassen? - Die Frage, ob die maritimen Opera-
       tionen weiter  versteckt oder  offen durchgeführt  werden sollen,
       bleibt ungelöst. Während Washington sie an die Oberfläche bringen
       will, hat  sich Genral Khanh dieser Anregung gegenüber zurückhal-
       tend gezeigt.  Es wird  das Argument vorgebracht, daß die USA bei
       einem offenen  Vorgehen die Möglichkeit haben würden, diesen Ope-
       rationen einigen  Schutz angedeihen  zu lassen; das Gegenargument
       besteht in der Annahme, daß die USA sich damit in Nordvietnam en-
       gagieren würden und daß dies zu weiterer Eskalation führen würde.
       2) Sicherheit der  Operationen. -  Der Aufschub  einer Operation,
       gleichgültig ob  er wegen  schlechten Wetters  erfolgt, oder weil
       Washington nicht rechtzeitig das grüne Licht dazu gibt, gefährdet
       die Operation. Die Isolierung der Teams bringt Gefahren mit sich.
       3) Sicherheit der  Stützpunkte. -  Nach der  Beschießung von Bien
       Hoa ist  der Sicherheit  der Basis von Danang erhöhte Aufmerksam-
       keit geschenkt  worden. Die  Außenposten sind  verstärkt  worden,
       doch ist  bisher nichts  geschehen, um die Basis von der Seeseite
       aus abzusichern; die Frage wird zur Zeit geprüft.
       4) Wohlergehen der  Teams. -  Die im Feindland operierenden Teams
       Bell und  Easy benötigen seit mehreren Wochen dringend Nachschub,
       der bisher durch das Wetter verhindert worden ist. Ein neuer Ver-
       such soll im Laufe der Mondphase im November unternommen werden.
       5) Nordvietnamesische Gegenaktion. - Die Widerstandsfähigkeit der
       Nordvietnamesen gegen  Marops ist  etwas größer  geworden, jedoch
       noch nicht genug, um diese Operationen unwirksam zu machen.
       
       B. Yankee Team Operationen
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       (Die ersten  fünf Zeilen  dieses Absatzes  sind unübersetzbar, da
       mehrere Wörter  unlesbar sind  - von  der NYT so gekennzeichnet).
       Darüber hinaus  haben wir  seit einiger Zeit die Erlaubnis erhal-
       ten, täglich  maximal zweimal auf dem Luftwege eine kurze Strecke
       (in den  Pfannenstiel) einzudringen,  damit wir  uns ein  genaues
       Bild vom  Umfang der Grenzüberschreitungen machen können. Wir ha-
       ben auch  MACV  22)  dahingehend  informiert,  daß  wir  dringend
       Nachtaufnahmen der  Hauptstraßen für den motorisierten Verkehr in
       Laos benötigen.  Gegenwärtig werden zu diesem Zweck innerhalb ei-
       ner Periode  von zwei Wochen jede Nacht zwei Erkundungsflüge ent-
       lang der Nationalstraße 7 unternommen.
       Yankee Team  leistet Luftkampfhilfe ("combat air patrol") bei ge-
       wissen T-28-Angriffen  im Korridor. Die so eingesetzten Flugzeuge
       dürfen  sich  nicht  an  den  Angriffen  selbst  beteiligen  oder
       schweres Feuer ("suppressive fire") abgeben.
       Zu den  noch ungelösten  Fragen gehören diese: (a) ob Yankee Team
       zur Unterstützung  der von  den Flugzeugen  vom Typ T-28 der RLAF
       23) im Korridor vorgenommenen Operationen eingesetzt werden soll;
       (b) ob  YT in Gebieten nördlich der 20. Parallele Erkundungsflüge
       vornehmen soll; (c) schwere YT-Angriffe auf die Nationalstraße 7,
       insbesondere die  Ban Ken  Brücke; und  (d) was  Yankee Team  tun
       soll, wenn  der Pathet  Lao eine umfangreiche Bodenoffensive ent-
       fesseln sollte  (diese Frage  hat sich  noch nicht  gestellt, sie
       würde aber  sicher aktuell  werden, falls der Pathet Lao eine Of-
       fensive solchen Ausmaßes unternehmen sollte, daß sie von den lao-
       tischen Regierungstruppen und den getarnten Thais nicht bewältigt
       werden könnte).
       
       C. T-28-Operationen
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       Zur Zeit  befinden sich  27 Flugzeuge vom Typ T-28 (darunter drei
       RT-28) in Laos, von denen 22 in Betrieb sind. Auf Wunsch von Bot-
       schafter Unger  hat CINCPAC 24) dafür gesorgt, daß dieser Bestand
       wieder auf 40 Flugzeuge erhöht wird, eine Anzahl, für die hinrei-
       chend Piloten,  einschließlich von  Thais, in  Laos zur Verfügung
       stehen.
       Die T-28 führen folgende Operationen aus:
       1) Allgemeine Belästigung  von militärischen Anlagen und Bewegun-
       gen des  Pathet Lao,  besonders in den Provinzen Xien Khouang und
       Sam Neua.  Dazu gehören auch Bemühungen, die Benutzung der Natio-
       nalstraße 7 unmöglich zu machen.
       2) Taktische Unterstützung  für die Operation "Jahrestag Sieg Nr.
       2" (Saleumsay),  die von  FAR-Meo 25) im nördlichen Abschnitt der
       Nationalstraße 4  und nördlich  von Tha  Thom vorgenommene Säube-
       rungsaktion.
       3) Taktische Unterstützung  für die Operation "Siegreicher Pfeil"
       (Sone Sai), eine FAR-Säuberungsaktion im südlichen Laos.
       4) Angriffe auf Gelegenheitsziele, darunter solche zur Unterstüt-
       zung defensiver FAR-Aktionen, wie z.B. bei Ban Khen, nordwestlich
       von Thakhek.
       5) Das Programm  zur Sperrung des Korridors. Die nach diesem Pro-
       gramm ursprünglich  festgesetzten Ziele  wurden angegriffen,  und
       Pläne sind jetzt in Vorbereitung, vier weitere Ziele (darunter im
       Gebiet von Tschepone) anzugreifen, sowie weitere Angriffe auf ei-
       nige der  13 ursprünglich  ausgewählten Ziele durchzuführen. Bot-
       schafter Unger  hat im  Rahmen dieses Programms sechs weitere An-
       griffsziele zur Billigung vorgeschlagen.
       6) Der Botschafter  ist ermächtigt  worden, mit  der RLAF  Erkun-
       dungsflüge durch  Maschinen vom Typ RT-28 zu besprechen, und zwar
       für ein  Gebiet im  nordwestlichen Laos entlang einer Strecke un-
       mittelbar nördlich  und östlich sowie westlich der Linie von Veng
       Phou Kha-Muong Sai.
       In den vergangenen Wochen haben die T-28 bei vielen ihrer Missio-
       nen eine große Anzahl von Flugblättern mit der Aufforderung, sich
       zu ergeben,  abgeworfen. Dadurch sind schon in einigen Fällen Pa-
       thet Lao-Leute zum Überlaufen veranlaßt worden.
       Amerikanische Teilnahme an SAR- 26) Operationen für abgeschossene
       T-28 ist genehmigt worden.
       Wir stehen  vor folgenden  Problemen in  Verbindung mit  den T-28
       Flügen:
       1) Die Yankee  Team-Flugzeuge sind  bisher noch  nicht ermächtigt
       worden, im  Korridorgebiet zur  Unterstützung des  dort laufenden
       T-28-Programms schwere  Angriffe ("suppressive strikes") zu flie-
       gen.
       2) Auch die  Ermächtigung für  schwere YT-Feuerangriffe  auf  die
       Brücke von Ban Ken an der Nationalstraße 7 steht noch aus.
       3) Wir untersuchen  Berichte über  stark vermehrte Bewegungen von
       Lastkraftwagen entlang  der Straße 7 wie auch über eine Zusammen-
       ziehung von Panzern und anderem Material durch den Feind in Nord-
       vietnam, direkt hinter der Grenze. Eine Gegenaktion mag erforder-
       lich werden,  bei der  es zu  einem Angriff  auf Ban  Ken  kommen
       müßte.
       4) Thailändische Beteiligung.  Hanoi behauptet,  einen T-28  über
       dem Gebiet  der DRV  am 18.  August abgeschossen zu haben und daß
       dabei der  thailändische Pilot der Maschine gefangengenommen wor-
       den sei.  Wenn auch  die von  den Nordvietnamesen im Zusammenhang
       mit diesem  Fall mitgeteilten  Informationen zu stimmen scheinen,
       ist es doch nicht klar, ob der Pilot lebt und der I.C.C. 27) vor-
       geführt werden  kann. Die  Möglichkeit kann  jedoch nicht  ausge-
       schlossen werden,  ebensowenig wie es ausgeschlossen ist, daß an-
       dere thailändische  Piloten vom  Pathet Lao gefangengenommen wer-
       den.
       5) Die DRV  behauptet, T-28  Flugzeuge hätten den nordvietnamesi-
       schen Luftraum  am 1.  und 2.  August, am 16. und 17. Oktober und
       wieder am  28. Oktober verletzt und dabei nordvietnamesische Dör-
       fer bombardiert bzw. beschossen. Diese Anschuldigungen sind wahr-
       scheinlich zutreffend,  was die  beiden ersten Daten (entlang der
       Straße 7)  und das  letzte (Gebiet  des Mu Gia Passes) anbelangt.
       Die Angriffe  vom 16. und 17. Oktober fanden dagegen in Wirklich-
       keit in einem umstrittenen Gebiet statt, das nach den Genfer Ver-
       einbarungen vom Jahre 1954 als zu Laos gehörend anerkannt wurde.
       6) Der Pathet  Lao hat  die von den T-28 im Korridorgebiet vorge-
       nommenen Angriffe  zur Kenntnis  der I.C.C.  gebracht und hat die
       Kommission aufgefordert,  ihnen ein Ende zu bereiten und die bei-
       den Vorsitzenden zu informieren. Die I.C.C. hat sich schon bereit
       erklärt, eine  andere Beschuldigung  des PL betreffend angebliche
       Verletzungen der  Genfer Verträge  durch die  USA und SVN im Kor-
       ridorgebiet zu untersuchen.
       
       D. De Soto-Patrouillefahrten
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       Die De  Soto-Patrouillefahrten sind  bis auf weiteres eingestellt
       worden, bis  an höchster  Stelle über  sie entschieden  ist. Bot-
       schafter Taylor  (Saigons 1378)  meint, daß  es keinen Sinn habe,
       die De  Soto-Patrouillen wiederaufzunehmen, außer für wesentliche
       nachrichtendienstliche Zwecke. Er meint, wir sollten unsere Hand-
       lungen von  der Unterstützung  des Vietkong  durch Hanoi abhängig
       machen, nicht  von der  Verteidigung rein amerikanischer Interes-
       sen.
       
       E. Grenzüberschreitende Bodenoperationen
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       Früher im  laufenden Jahr  wurden mehrere  8-Mann-Erkundungsteams
       über Laos  als Teil  der Operation  "Leaping Lena" per Fallschirm
       abgesetzt. Alle  diese Teams wurden vom Feind aufgespürt, und nur
       vier Überlebende kehrten in die RVN zurück. Infolgedessen ist das
       Programm der  grenzüberschreitenden Bodenoperationen  einer sorg-
       fältigen Nachprüfung unterzogen worden und der Oberkommandierende
       (COMUSMACV) hat zum Ausdruck gebracht, er glaube nicht, daß wirk-
       same grenzüberschreitende  Bodenoperationen  vor  dem  1.  Januar
       1965, frühestens, durchgeführt werden könnten.
       
       F. Verdeckte Operationen in Laos
       --------------------------------
       
       Es wird  daran gedacht,  "Hardnose" zu verbessern (unter größerer
       thailändischer Beteiligung)  und "Hardnose" für wirksamere Opera-
       tionen im  Korridor-Infiltrationsgebiet einzusetzen. Keine Verän-
       derung im Status von Kha.
       
       G. Andere sensitive Geheimdienstoperationen
       -------------------------------------------
       
       Dazu gehören  "Queen Bee",  "Box Top",  "Lucky Dragon"  und "Blue
       Springs".
       
       XII
       
       Kabel des Außenministers Dean Rusk an die amerikanische Botschaft
       -----------------------------------------------------------------
       in Vientiane, betreffend "Search and Rescue"-Flüge
       --------------------------------------------------
       
       Datiert 26. August 1964
       
       Wir stimmen mit Ihnen in Ihrer Beurteilung der Bedeutung von SAR-
       Operationen überein  und auch darin, daß die Piloten von Air Ame-
       rica 28)  dabei eine äußerst wichtige Rolle spielen können, sowie
       daß bei den SAR Bemühungen kein Unterschied gemacht werden sollte
       zwischen Aktionen  zur Rettung  von Amerikanern, Thailändern oder
       Laoten.  Sie   werden  hiermit   auch   wunschgemäß   ermächtigt,
       AA-Piloten in  T-28-Flugzeugen für  SAR-Operationen nach Belieben
       einzusetzen, insofern  Sie dies  für den Erfolg der Operation für
       unumgänglich -  wiederhole, unumgänglich  - halten,  und mit  der
       Maßgabe, daß Sie jedesmal wenn es die Lage erlaubt, in Washington
       um vorherige Erlaubnis nachsuchen.
       Gleichzeitig glauben  wir, daß  die Zeit  gekommen  ist,  um  die
       Reichweite und  die Kontrollmaßnahmen  für zukünftige T-28-Opera-
       tionen zu  überprüfen. Eine solche Überprüfung ist besonders des-
       wegen angezeigt, weil diese Operationen mehr oder weniger automa-
       tisch dazu  führen, daß amerikanisches Personal bei SAR-Operatio-
       nen eingesetzt werden muß. Außerdem, je mehr AA bei der Hilfelei-
       stung mitmacht, um so größer ist die Möglichkeit etwas vermehrter
       Verluste, und  jeder solche  Verlust, mit den weiteren SAR-Opera-
       tionen, die  er nach sich zieht, kann zu einer Eskalation von ei-
       ner Aktion  zur anderen  führen, und  zwar in einer Form, die vom
       höheren Standpunkt  aus als  nicht wünschenswert  erscheinen mag.
       Andererseits erkennen  wir natürlich an, daß die T-28-Operationen
       sowohl wegen ihrer militärischen als auch psychologischen Wirkung
       in Laos  sowie auch  als Verhandlungskarte  zur Unterstützung von
       Souvannas Position von wesentlicher Bedeutung sind. Erbitten Ihre
       Stellungnahme, ob  die Bilanz  der obengenannten Faktoren für ein
       vermindertes Ausmaß  der Operationen  und/oder eventuell die Aus-
       lassung einiger  der besser  verteidigten Angriffsziele  spricht.
       (Mögliche Ausdehnung der T-28-Operationen in den Pfannenstiel ist
       ein anderes Problem und wird in einem getrennten Telegramm behan-
       delt werden.)
       Was das  Hauptproblem angeht,  sind wir dahingehend unterrichtet,
       daß zwar  die Flüge  der thailändischen Piloten streng durch Ihre
       Luftkommando-Zentrale kontrolliert  werden und (ein Wort unleser-
       lich) das Heft fest in der Hand hat, daß jedoch das gleiche nicht
       für die  laotischen Piloten gilt. Wir haben den Eindruck, daß die
       Letzteren überhaupt keiner Art von fester Kontrolle unterstehen.
       Erbitten Ihre  Auffassung und  Empfehlungen hinsichtlich  der zu-
       künftigen Reichweite  der T-28-Operationen, sowie auch Ihren Kom-
       mentar zu  der Frage,  ob unsere  gegenwärtigen Eindrücke von der
       bestehenden Kontrollstruktur  richtig sind  und welche  Maßnahmen
       ergriffen werden könnten, um diese zu festigen.
       
       XIII
       
       Kabel des Außenministers Rusk vom 7. August 1964 an die
       -------------------------------------------------------
       amerikanische Botschaft in Laos, betreffend die Frage,
       ------------------------------------------------------
       ob eine Feuereinstellung in Laos wünschenswert sei
       --------------------------------------------------
       
       (Kopien wurden  an die  US-Botschaften in  London, Paris, Saigon,
       Bangkok, Ottawa,  Neu Delhi, Moskau, Pnompenh und Honkong, an das
       Pazifikkommando und die Mission bei den VN mit Bitte um Stellung-
       nahme geschickt.)
       
       1) Wie Sie in Ihrer Botschaft 219 dargelegt haben, streben wir in
       Laos danach,  die Lage  wieder zu  stabilisieren, wenn möglich im
       Rahmen des  Genfer Abkommens von 1962. Wesentlich für eine solche
       Stabilisierung wäre die Herstellung eines militärischen Gleichge-
       wichts im Lande. Überdies sind wir etwas über die Möglichkeit be-
       sorgt, daß  die jüngsten  Erfolge des  RLG und  der angeblich ge-
       schwächte Kampfgeist des Pathet Lao zu einer Eskalation durch die
       kommunistische Seite führen könnte, die uns im jetzigen Zeitpunkt
       nicht gelegen käme.
       2) Bis jetzt  ist es  Souvannas und  unsere Stellung gewesen, daß
       die Herstellung  militärischen Gleichgewichts  einen Rückzug  des
       Pathet Lao  aus Gebieten,  die dieser  seit dem  15. Mai  in  PDJ
       (Plaine des  Jarres - Ebene der Tonkrüge) besetzt hat, vorausset-
       zen würde  und daß ein solcher Rückzug auch die grundlegende Vor-
       aussetzung für  die Einberufung  einer  14-Mächte-Konferenz  sein
       würde. Jetzt  erhebt sich  jedoch die Frage, ob die territorialen
       Gewinne der  Operation Triangle,  falls sie  konsolidiert  werden
       können, praktisch  eine Lage des Gleichgewichts herbeigeführt ha-
       ben und ob es infolgedessen nicht länger notwendig ist, darauf zu
       bestehen, daß  sich der Pathet Lao als Voraussetzung für eine 14-
       Mächte-Konferenz aus  PDJ zurückzieht. Das ist in der Tat ein Ge-
       danke, der  Souvanna schon  vorher gekommen  ist  (Botschaft  aus
       Vientiane Nr.  191) und  der auch in dem Brief des Außenministers
       (Rusk - J.J.) an Butler (Telegramm Nr. 88 des State Department an
       Vientiane) berührt  wird. Wenn Souvanna und wir weiterhin auf ei-
       nem Rückzug aus PDJ bestehen, würde die andere Seite unweigerlich
       darauf bestehen,  daß wir unsere Triangle-Gewinne aufgeben. Unse-
       rer Meinung nach würde ein solches Arrangement erheblich schlech-
       ter ausfallen, als wenn die gegenwärtige, ziemlich kohärente geo-
       graphische Teilung  beibehalten würde. Wenn die Voraussetzung für
       einen Rückzug fallengelassen werden sollte, so könnte das wohl am
       besten im  Verlauf einer  dreiseitigen (tripartite) Begegnung ge-
       schehen, auf der Souvanna eine solche Konzession benutzen könnte,
       um die  andere Bedingung  durchzusetzen, daß  er an der Konferenz
       als laotischer  Regierungschef teilnehmen würde. Übrig bliebe die
       Bedingung einer Feuereinstellung.
       Wenn eine Feuereinstellung unter den gegebenen Umständen für Sou-
       vanna auch  nicht unbedingt  vorteilhaft wäre  - wir denken dabei
       hauptsächlich an die T-28-Operationen - würde doch der Pathet Lao
       zweifellos darauf  bestehen. In diesem Falle könnte Souvanna dar-
       auf drängen, daß die I.C.C. die Feuerpause wirksam überwacht. Das
       wieder könnte für eine spätere Periode von Wichtigkeit sein.
       3) Beim Schreiben des Obigen denken wir daran, daß die polnischen
       Vorschläge (ein  Wort  unleserlich)  praktisch  zusammengebrochen
       sind und  daß der Druck für eine Genfer (unleserliches Wort) Kon-
       ferenz anhält  und zweifellos  durch die  gegenwärtige, durch den
       Seeangriff der  DRV ausgelöste  Krise verstärkt werden wird. Eine
       Konferenz über Laos könnte für diesen allgemeinen Druck ein nütz-
       liches Sicherheitsventil  darstellen und  gleichzeitig von  einer
       Eskalation der Feindseligkeiten an diesem Teil der "Front" abhal-
       ten. Wir  würden darauf bestehen, daß sich die Konferenz auf Laos
       beschränkt  und   glauben  auch,  daß  eine  solche  Beschränkung
       tatsächlich durchgesetzt  werden könnte, gegebenenfalls indem wir
       uns aus  dem Koferenzsaal  zurückziehen, wenn  irgendein  anderes
       Thema zur  Sprache gebracht wird, so wie wir es 1961-1962 gemacht
       haben. Diskussionen  am Rande über andere Themen ließen sich wohl
       nicht vermeiden,  doch sehen wir darin keine großen Schwierigkei-
       ten; Gelegenheit zu informellen Korridorgesprächen mit dem Pathet
       Lao, der  DRV und den chinesischen Kommunisten könnte im jetzigen
       Zeitpunkt nützlich sein.
       4) Faßt man  einen solchen  Kurs ins  Auge, so  ist die erste und
       wichtigste Frage natürlich, ob Souvanna selbst bereit sein würde,
       seine Vorbedingung  eines Rückzugs  fallenzulassen und ob er sich
       in diesem  Falle in  Vientiane an  der Macht  halten könnte.  Wir
       glauben zu  wissen, daß  die Antwort  auf die  erste Frage  wahr-
       scheinlich "ja"  ist, sind  uns aber viel weniger sicher, was die
       zweite Frage  anbelangt. Wir  ersuchen Vientiane um Stellungnahme
       hierzu. Wir  ersuchen auch  um die  Ansichten anderer Adressaten,
       einschließlich der  vermutlichen Reaktionen  der Gastregierungen.
       Es ist  wichtig, daß  bei diesen Schätzungen der letzten Entwick-
       lung Rechnung  getragen wird,  nämlich den militärischen Erfolgen
       der nichtkommunistischen Streitkräfte in Laos und der letzten De-
       monstration amerikanischer  Entschlossenheit, der kommunistischen
       Aggression in Südostasien Widerstand zu leisten.
       
       XIV
       
       Kabel des Botschafters Maxwell D. Taylor in Saigon
       --------------------------------------------------
       vom 9. August 1964 an Außenminister Rusk
       ----------------------------------------
       
       (Kopien an  die Botschaften in Vientiane, Bangkok, sowie das ame-
       rikanische Oberkommando im Pazifik.)
       
       Aus unserer  Sicht würden  sich bei einer Verfolgung des im Ihrem
       Telegramm umrissenen Kurses eindeutige Nachteile ergeben.
       1) In erster  Linie würden  die chinesischen Kommunisten in einem
       solchen Drang  zum Konferenztisch  eine Bestätigung  dafür sehen,
       daß die  amerikanische Vergeltung  für die Zerstörer-Angriffe ein
       vorübergehendes Phänomen war und daß die feste Antwort der chine-
       sischen Kommunisten  in Form einer bindenden Zusage zur Verteidi-
       gung von  Nordvietnam den  USA "Papiertiger"-Bedenken aufgedrängt
       habe. Überdies  würde ein großer Teil der nützlichen Wirkung, die
       sich anderweitig  aus unserer kraftvollen Reaktion auf die Ereig-
       nisse im Golf von Tonkin ergeben hat, rasch wieder verpuffen.
       2) In Vietnam würde ein plötzlicher Rückzieher von der früher von
       den USA nachdrücklich vertretenen Auffassung, daß ein Rückzug aus
       PDJ einer  Laos-Konferenz vorausgehen  müsse, eine möglicherweise
       verheerende Wirkung haben. Kampfgeist und Moral, insbesondere der
       Wille, die  schwierige Befriedigungsarbeit  vorwärtszutreiben und
       strenge Maßnahmen  im Sinne  von Khanhs  neuem Notstandsgesetz zu
       ergreifen, würden  unterminiert werden, weil man in einem solchen
       Vorgehen den  Beweis dafür erblicken würde, daß die USA jede noch
       so geringfügige  Verbesserung der  nichtkommunistischen  Position
       zum Anlaß  nehmen würden,  um sich  aus Indochina  auf dem Konfe-
       renzwege herauszulösen.  Dadurch würde  die  wahrscheinlich  pro-
       gaullistische Auffassung  verstärkt werden, wonach GVN daran den-
       ken sollte,  dem laotischen  Beispiel zu folgen und eine Verhand-
       lungslösung zu suchen, bevor der Vorteil einer zeitweise gestärk-
       ten antikommunistischen Position wieder zerrinnt.
       3) Das allgemeine  Gefühl der  Enttäuschung, das  sich in Vietnam
       aus einer  Abschwächung unserer  bisherigen festen Haltung gegen-
       über Laos ergeben würde, und zwar gerade nachdem wir den Kommuni-
       sten gegenüber  so kraftvoll  aufgetreten waren, würde zweifellos
       Khanhs persönliche Stellung aushöhlen und damit zu größerer poli-
       tischer Instabilität und Putschplänen führen.
       4) Man muß im Auge behalten, daß unsere Vergeltungsaktion im Golf
       von Tonkin  praktisch einen  isolierten Zwischenfall USA-DRV dar-
       stellt. Wenn  auch, wie Botschafter Stevenson ausgeführt hat, ein
       Zusammenhang zwischen  diesem Zwischenfall  und dem größeren Pro-
       blem der nordvietnamesischen Aggression durch Wühlarbeit in Viet-
       nam und  Laos besteht, so haben wir uns doch noch nicht - wieder-
       hole, noch  nicht - mit DRV hinsichtlich dieses größeren und viel
       komplizierteren Problems in kraftvoller Weise auseinandergesetzt.
       Stattdessen sind wir, sowohl in Vietnam wie in Laos, in stellver-
       tretende Aktionen  gegen stellvertretende Agenten der DRV verwic-
       kelt. Wenn wir, wie sowohl Khanh wie auch Souvanna es hoffen, die
       Folgen unseres  jüngsten Zusammenstoßes  mit DRV zu Aktionen wei-
       terentwickeln, die sich spezifisch gegen die Verletzungen der Ab-
       kommen von  1954 und  1962 durch  die DRV  richten, müssen wir es
       vermeiden, politische  Verpflichtungen auf uns zu nehmen, die un-
       sere Hände binden und unsere Aktionsfreiheit einschränken würden.
       So würde  z.B. jede Bemühung, mit GVN zur gemeinsamen Planung von
       wirksamen Luftangriffen gegen das Infiltrationsnetz in der südli-
       chen DRV  und besonders  im Pfannenstiel  zu gelangen, vollkommen
       unterlaufen werden,  wenn wir in eine Konferenz betreffend das in
       Frage kommende laotische Territorium verwickelt würden.
       5) In  ähnlicher Weise  erscheint es uns, daß Souvannas Wille, an
       Vorbedingungen festzuhalten oder an substantiellen Verhandlungen,
       in direktem Verhältnis steht zu seiner Beurteilung der amerikani-
       schen Bereitschaft, das Problem dort anzugreifen, wo es herkommt,
       nämlich in  Nordvietnam selbst.  Diese Tatsache ergibt sich recht
       deutlich aus  seinem vor  kurzem an Präsident Johnson gerichteten
       kurzen Schreiben. Überdies wäre es töricht anzunehmen, daß Khanh,
       der sich jetzt infolge unserer Aktion im Golf von Tonkin in einem
       Zustand verhältnismäßiger Euphorie befindet, irgend etwas anderes
       tun würde,  als im  tiefsten Keller  zu  versacken  ("slump  into
       deepest funk"),  wollten wir ihn dazu veranlassen, eine GVN-Dele-
       gation zur  Konferenz zu entsenden. (Zwei Wörter unleserlich) daß
       er eher zurücktreten würde, als (zwei Wörter unleserlich) entsen-
       den.
       Der verstärkte Druck für die Einberufung einer Konferenz vom Gen-
       fer Typ,  von dem  in Ihrem  Telegramm die  Rede ist, scheint uns
       fast vollständig  aus Kreisen zu kommen, die sich im Gegensatz zu
       den amerikanischen Zielen in Südostasien befinden (vielleicht mit
       Ausnahme Englands,  das anscheinend  bereit ist,  dabei  mitzuma-
       chen). Unter  diesen Umständen  sehen wir  kaum Hoffnung, daß die
       Ergebnisse einer  solchen Konferenz  für die USA vorteilhaft sein
       könnten. Überdies  scheinen die Aussichten, eine solche Konferenz
       nur auf  das laotische  Problem begrenzen  zu können, im jetzigen
       Zeitpunkt geringer  denn je  zu sein. Selbst wenn im voraus abge-
       macht wäre, daß die Konferenz sich darauf beschränken sollte, se-
       hen wir  nicht ein, wie es in der Praxis möglich sein sollte, die
       Diskussion nur  auf Laos zu begrenzen, falls andere darauf beste-
       hen sollten, auch andere Dinge zur Sprache zu bringen. Soweit uns
       bekannt ist,  haben wir  uns auch  nicht  aus  dem  Konferenzsaal
       "zurückgezogen" als  die DRV  während der Konferenz von 1961-1962
       versuchte, sachfremde Probleme aufs Tapet zu bringen. Stattdessen
       haben wir  uns an  den Vorsitzenden  zur Geschäftsordnung gewandt
       und die  DRV wurde  dementsprechend abgewiesen.  GVN würde nichts
       mehr fürchten, als die Aussicht informeller Korridorgespräche mit
       dem Pathet Lao, der DRV und den chinesischen Kommunisten und dar-
       aus mag  sich wohl  ein verstärkter  Druck auf  GVN ergeben, sich
       nach einer Verhandlungslösung umzusehen, um nicht von den USA vor
       ein "fait accompli" gestellt zu werden.
       7) Anstatt nach  einem "Sicherheitsventil"  zu suchen,  durch das
       der gegenwärtige "allgemeine Druck" in Südostasien gemindert wer-
       den könnte,  scheint es  uns, daß  wir uns  nach Mitteln  umsehen
       sollten, um  diesen Druck  auf DRV  abzuleiten; uns dünkt, daß es
       ein solches  "Sicherheitsventil", soweit  es benötigt  wird (z.B.
       von den  Sowjets), bereits  in den  laufenden Diskussionen im Si-
       cherheitsrat der  UN gibt.  Wir sollten  auch weiterhin  in jeder
       Weise die  Aufmerksamkeit auf die aggressiven Aktionen der Kommu-
       nisten als  Wurzel aller Spannungen in Südostasien lenken und un-
       sere jetzige  Haltung versteifen.  Letzten Endes  wird sich diese
       Haltung als ein stärkeres Abschreckungsmittel erweisen, um PL/ VM
       von weiterer  Eskalation abzuhalten,  als der Versuch, allein mit
       Bezug auf das Laos-Problem zu einer Verständigung zu gelangen.
       Wenn dies auch nicht - wiederhole, nicht spezifisch - zum Bereich
       unserer Zuständigkeit  gehört, möchten wir doch darauf hinweisen,
       daß PL/VM  unserer Ansicht nach die Fähigkeit besitzt, jeder Zeit
       wenn sie wollen das von RLG infolge der Operation Triangle zurüc-
       keroberte Gebiet  wieder zu  besetzen, und daß daher der im Tele-
       gramm des  State Department  erwähnte "Gebietstausch" sich als in
       hohem Grade  illusorisch erweisen mag. Überdies wäre jeder terri-
       toriale Handel,  der eine  permanente Beherrschung  des Korridors
       durch PL/VM  als ein für die USA akzeptables Arrangement bestäti-
       gen würde,  für GVN  völlig unannehmbar  und würde als ein Beweis
       dafür angesehen  werden, daß wir bereit seien, das Infiltrations-
       netz an  den Grenzen  von GVN  zu dulden.  Eine solche Lage würde
       nach ihrer  und unserer Auffassung jede Hoffnung auf eine erfolg-
       reiche Befriedung des Territoriums der GVN zunichtemachen.
       
       XV
       
       Kabel der United States Mission in Saigon an das State Department
       -----------------------------------------------------------------
       
       Datiert 18. August 1964
       
       Dies ist eine Botschaft der U.S. Mission.
       Bei der  Vorbereitung unserer  Antwort haben wir es einfacher ge-
       funden, ein neues Papier vorzulegen, in dem das südvietnamesische
       Problem, so  wie wir  es ansehen, in zwei möglichen Formen darge-
       legt wird und dann eine jeweils entsprechende Handlungsweise vor-
       zuschlagen.
       Zugrunde liegt  unserer Analyse  die anscheinend im State Depart-
       ment Telegramm 439 vorgebrachte Annahme (die wir für richtig hal-
       ten), daß  das gegenwärtige Befriedungsprogramm im Lande für sich
       nicht genug  ist, um die nationale Moral (Kampfgeist) aufrechtzu-
       erhalten, oder  eine vernünftige  Hoffnung auf einen Enderfolg zu
       bieten. Etwas anderes muß in den kommenden Monaten hinzukommen.
       F e s t s t e l l u n g  d e s  P r o b l e m s.  - A)  Der Kurs,
       den die  amerikanische Politik in Südvietnam in den kommenden Mo-
       naten einschlagen  sollte, kann  durch die Angabe von vier Zielen
       zum Ausdruck  gebracht werden.  Das erste und wichtigste Ziel be-
       steht darin, für die Regierung Khanh Zeit zu gewinnen, so daß sie
       eine gewisse  Stabilität entwickeln  und ihre Lebensfähigkeit ir-
       gendwie  unter  Beweis  stellen  kann.  Da  alle  Handlungsweisen
       ("courses of action"), die in dem vorliegenden Kabel ins Auge ge-
       faßt werden,  ein erhebliches  Maß an Risiko für die USA mit sich
       bringen, sollten  wir es uns gut überlegen, zu tief verwickelt zu
       werden, bevor wir uns der Qualität unseres Verbündeten besser be-
       wußt geworden  sind. Insbesondere sollten wir uns, soweit es sich
       vermeiden läßt,  nicht militärisch mit Nordvietnam und möglicher-
       weise mit Rotchina einlassen, wenn unsere Basis in Südvietnam un-
       sicher ist  und Khanhs Armee überall durch den Aufstand des Viet-
       kong gebunden  wird. Es  liegt daher  in unserem Interesse, genug
       Zeit zu  gewinnen, nicht  nur damit  Khanh zeigen kann, daß er zu
       regieren versteht,  sondern auch um Saigon von seiner derzeitigen
       Bedrohung durch den Vietkong zu befreien und dafür zu sorgen, daß
       genügend GVN  Bodentruppen zur  Verfügung stehen  werden, um eine
       hinreichende Abwehr jeder Bodenreaktion der DRV zu gewährleisten,
       die infolge  der Ausführung unseres Programms zustandekommen mag,
       und damit die eventuelle Notwendigkeit des Einsatzes einer größe-
       ren amerikanischen  Bodenstreitmacht zu  vermeiden.  Ein  zweites
       Ziel während  dieser Periode ist die Aufrechterhaltung der Kampf-
       moral in  Südvietnam, insbesondere innerhalb der Regierung Khanh.
       Das sollte  nicht schwierig  sein, soweit  es die  Regierung  be-
       trifft, wenn  wir Khanh  davon überzeugen  können, daß wir bereit
       sind, weiteren  Druck auf Hanoi auszuüben, sofern er seine Fähig-
       keit, seinen  Teil zu  tun, unter  Beweis stellen kann. Drittens:
       während wir  für Khanh  Zeit gewinnen,  müssen wir  dazu imstande
       sein, die  DRV in  Schach zu halten und einen weiteren Ausbau der
       Vietkongstreitkräfte durch Infiltration aus dem Norden zu verhin-
       dern. Schließlich  sollten wir  während dieser  ganzen Zeit  eine
       Haltung größter Bereitschaft für eine entschiedene Eskalation des
       Druckes gegen  Nordvietnam entwickeln,  wobei der  1. Januar 1965
       als geplanter  "D-Day" dienen sollte. Dabei müssen wir jedoch im-
       mer im  Auge behalten, daß die Entwicklung uns vielleicht zwingen
       könnte, "D-Day" auf ein erheblich früheres Datum vorzuverlegen.
       (Anfang des  Satzes unleserlich)  müssen wir dann ein Aktionspro-
       gramm entwickeln, durch das die obererwähnten vier Ziele verwirk-
       licht werden  können. Ein  solches Programm würde aus drei Teilen
       bestehen: erstens,  eine Reihe  von Aktionen,  die der  Regierung
       Khanh gelten;  zweitens, Aktionen, die gegen die Regierung in Ha-
       noi gerichtet sind; drittens, nach einer Pause von einiger Dauer,
       Einleitung eines orchestrierten ("orchestrated") Luftangriffs ge-
       gen Nordvietnam.
       Bei unseren Besprechungen mit der Regierung Khanh sollten wir ihr
       gegenüber unsere  Bereitschaft zum  Ausdruck  bringen,  gemeinsam
       starken Druck  auf Nordvietnam zu planen und schließlich zur Aus-
       führung zu  bringen, vorausgesetzt,  daß gewisse  Bedingungen  im
       voraus erfüllt  sind. Bevor  wir  uns  bereit  erklären,  radikal
       ("all-out") gegen  die DRV  vorzugehen, muß  Khanh  zu  allererst
       seine Regierung  stabilisieren und Fortschritte bei der Säuberung
       des Hinterlandes  aufweisen können.  Insbesondere muß  er die An-
       fangsstadien des  Hop Tac  Plans erfolgreich  durchführen, so daß
       der Vietkong  von den  Toren Saigons vertrieben wird. Das gesamte
       Befriedungsprogramm,  einschließlich  Hop  Tac,  sollte  genügend
       Fortschritte machen,  damit wenigstens der Gegenwert von drei Di-
       visionen zur  Verteidigung im I. Korps zur Verfügung steht, falls
       die DRV ihre militärischen Operationen in diesem Gebiet verschär-
       fen sollte.
       Schließlich sollten wir zu einem grundlegenden Einverständnis mit
       Khanh und  seiner Regierung  hinsichtlich der Kriegsziele kommen.
       Wir müssen  ihnen klarmachen,  daß wir Aktionen gegen Nordvietnam
       nur zu  dem Zweck unternehmen werden, die Sicherheit und Unabhän-
       gigkeit von  Südvietnam innerhalb  des ihm durch die Verträge von
       1954 zugewiesenen Gebietes zu gewährleisten; daß wir nicht - wie-
       derhole, nicht  - an  einem Kreuzzug  zur Vereinigung des Nordens
       und Südens  teilnehmen werden;  und daß  wir auch nicht - wieder-
       hole, nicht - den Umsturz des Regimes in Hanoi anstreben, voraus-
       gesetzt, daß es von seinen Bemühungen, den Süden durch subversive
       Kriegsführung zu erobern, abläßt.
       Wenn über  diese Punkte  Einvernehmen erreicht ist, wären wir be-
       reit, folgende Aktionen in Gang zu bringen:
       1) Sofort 34 A wiederaufzunehmen (dabei wäre das Hauptgewicht auf
       Seeoperationen zu  legen), ebenso  die De Soto-Patrouillen. Diese
       könnten begonnen  werden, ohne das Ergebnis der Besprechungen mit
       Khanh abzuwarten.
       2) Die U2-Flüge über ganz Nordvietnam wieder aufzunehmen.
       3) Luft- und  Bodenangriffe in  Laos gegen  Infiltrationsziele zu
       unternehmen, sobald  die gemeinsamen Pläne, die jetzt mit der Re-
       gierung Khanh ausgearbeitet werden, fertig sind. Diese Pläne müs-
       sen die  Lage in  Laos berücksichtigen.  Wir meinen, daß Souvanna
       Phouma zu  gegebener Zeit über die ganze Reichweite unserer Pläne
       unterrichtet werden  sollte, und  man darf wohl hoffen, daß er zu
       den Aktionen,  die gegen  die Infiltration  durch Laos  gerichtet
       sind, seine  Zustimmung geben  wird. Auf  jeden Fall  sollten wir
       stets danach  trachten, im  laotischen Korridor unsere Handlungs-
       freiheit zu bewahren.
       Durch diese Aktionen wird Hanoi klargemacht werden, daß jetzt an-
       dere Regeln  für unser  Verhalten gegenüber  der DRV  gelten. Wir
       sollten der  DRV vielleicht nachdrücklich zu verstehen geben, daß
       das Abschießen  einer U-2 zu Repressalien führen würde. Wir soll-
       ten jetzt dafür sorgen, daß diese Flüge in der Öffentlichkeit ge-
       rechtfertigt werden und Pläne zur sofortigen Durchführung für den
       Fall bereit  haben, daß ein Flugzeug abgeschossen wird. Man würde
       geneigt sein,  in diesem  Zeitpunkt  vergeltende  ("tit-for-tat")
       Bombenoperationen für  die vom Vietkong in Südvietnam angerichte-
       ten Verwüstungen in unsere Pläne aufzunehmen. Es muß jedoch damit
       gerechnet werden,  daß die  Einleitung von  Luftangriffen aus SVN
       gegen NVN  auf beiden Seiten zu neuen Arten von militärischen Ak-
       tionen führen  wird, deren  Ausgang sich  nicht voraussagen läßt.
       Wir halten es daher im Rahmen der gegenwärtigen Planung nicht für
       wünschenswert, zu  dieser Art von Repressalie zu greifen, sondern
       würden uns nur in Bereitschaft halten, das im Notfalle zu tun.
       Bevor wir über diesen Punkt hinausgehen, sollten wir unsere mili-
       tärischen Vorsichtsmaßnahmen erhöhen (soweit dies nicht schon ge-
       schehen ist)  und zwar  durch solche  sichtbare Schritte  wie die
       Verlegung (unleserliches Wort) von Hawk-Einheiten nach Danang und
       Saigon, Landung  einer Marinestreitkraft  in Danang zur Verteidi-
       gung des  dortigen Flugplatzes  und Verstärkung  des Stützpunktes
       für das Oberkommando (MACV). Bis das geschehen ist - voraussicht-
       lich im  Spätherbst - müßte man die Leistungen Khanhs schon eini-
       germaßen beurteilen können.
       Angenommen, daß  seine Leistungen  zufriedenstellend sind und daß
       Hanoi es  unterlassen hat,  günstig zu  reagieren, wird  dann die
       Zeit gekommen  sein, mit  der Endphase  des Aktionsprogramms A zu
       bringen, nämlich  mit einem  sorgfältig orchestrierten  Bombenan-
       griff auf  NVN, der sich in erster Linie gegen die Infiltrations-
       wege und andere militärische Ziele richtet. Irgendwann vorher mag
       es wünschenswert  sein, mit Hanoi direkt in Verbindung zu treten,
       wenn das  nicht schon  geschehen ist. Nachdem alle Vorbereitungen
       sowohl politischer  wie auch  militärischer Art  getroffen  sind,
       könnte dann  das Bombardierungsprogramm  beginnen, unter  Einsatz
       von amerikanischen  Erkundungsflugzeugen  und  südvietnamesischen
       bzw. Farmgate-Maschinen  gegen solche  Ziele, die trotz der Anwe-
       senheit von MIGs sicher angegriffen werden können, sowie weiterer
       amerikanischer Kampfflugzeuge,  soweit sie  für die wirksame Aus-
       führung des Bombardierungsprogramms notwendig sind.
       D a s   F ü r   u n d   W i d e r   b e i m  A k t i o n s p r o-
       g r a m m   A. -  Wenn es  Erfolg hat, wird Aktionsprogramm A die
       Ziele, die  eingangs als  wesentlich für  die  Unterstützung  der
       amerikanischen Politik  in  Südvietnam  bezeichnet  worden  sind,
       verwirklichen. Es  wird die  Regierung  Khanh  veranlassen,  ihre
       Hausarbeit  in  Sachen  Befriedung  zu  erledigen  und  wird  das
       Interesse an Abenteuern außerhalb des Landes beschränken. Es läßt
       hinreichend  Zeit  für  sorgfältige  Vorbereitungen,  die  schät-
       zungsweise mehrere  Monate in  Anspruch nehmen  werden,  und  tut
       gleichzeitig genug,  um die  Moral im Inneren aufrechtzuerhalten.
       Es enthält  auch eine nachdrückliche Warnung an Hanoi und Peking,
       sich ihr  weiteres Verhalten  gut zu überlegen, bevor sie merken,
       daß sie zu weit gegangen sind.
       Andererseits muß  bemerkt werden,  daß sich das Aktionsprogramm A
       weitgehend auf  die Dauerhaftigkeit  der Regierung Khanh verläßt.
       Es setzt  voraus, daß die Gefahr eines plötzlichen Zusammenbruchs
       dieser Regierung  oder ihrer  Ablösung durch  eine schwächere und
       unzuverlässigere Regierung  nicht groß  ist. Hinzukommt,  daß das
       Programm, da  es sich über längere Zeit erstreckt, der Gefahr in-
       ternationalen politischen  Druckes zur Aufnahme von Verhandlungen
       ausgesetzt ist,  bevor Nordvietnam  wirklich den ausgeübten Druck
       zu spüren bekommt.
       F e s t s t e l l u n g  d e s  P r o b l e m s  - B. Es mag wohl
       sein, daß  das Problem  der amerikanischen  Politik in  SVN  sich
       dringender darstellt,  als dem  Obengesagten zu entnehmen ist. Es
       ist im  gegenwärtigen Zeitpunkt noch keineswegs klar, ob sich die
       Regierung Khanh  bis zum  1. Januar 1965 wird halten können, auch
       wenn die  Anwendung des  Aktionsprogramms  A  die  Wirkung  haben
       sollte, die Regierung zu festigen (Ende des Satzes unleserlich).
       (Anfang des  Satzes unleserlich) müßten wir das Problem wie folgt
       neu umreißen.  Unser Ziel  ist es, die möglichen Folgen eines Zu-
       sammenbruchs des  nationalen Kampfgeistes zu vermeiden. Um dieses
       Ziel zu  erreichen, müßten  wir die Kampagne gegen die DRV unver-
       züglich eröffnen und Hanoi so schnell wie möglich zwingen, daß es
       weitere Hilfeleistung  für den Vietkong unterläßt und bei der Un-
       terdrückung des Aufstandes mitwirkt.
       A k t i o n s p r o g r a m m  - B. Um dem Problem in dieser Fas-
       sung begegnen zu können, brauchen wir ein beschleunigtes Aktions-
       programm, das darauf abzielt, schnellere Ergebnisse zu erreichen,
       als unter dem Aktionsprogramm A. Ein beschleunigtes Programm die-
       ser Art würde die folgenden Aktionen umfassen:
       Wir müssen wieder Khanh über unsere Absichten informieren und da-
       bei dieses  Mal unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, mit dem
       militärischen Druck  auf Hanoi sofort zu beginnen, vorausgesetzt,
       daß er seine Pflicht tut, wie im Aktionsprogramm A. Unsere Aktion
       würde in  diesem Falle  jedoch nicht  auf den Beweis solcher Lei-
       stung warten.
       Auch hier  mag es  uns angelegen sein, mit Hanoi in der Sache di-
       rekt in  Verbindung zu  treten oder die Wirkung unserer militäri-
       schen Aktionen abzuwarten. Das Szenarium der nachfolgenden Ereig-
       nisse würde  im Wesentlichen  dasselbe sein, wie beim Programm A,
       doch würde  bei der Ausführung nur auf die Fertigstellung der be-
       treffenden Pläne  gewartet werden, wobei fast ausschließlich ame-
       rikanische militärische Mittel zum Einsatz kommen.
       D a s   F ü r   u n d   W i d e r   d e s    A k t i o n s p r o-
       g r a m m s   B.   Bei diesem  Programm wird  die Regierung Khanh
       praktisch  um   nichts  gebeten,  in  erster  Linie,  weil  davon
       ausgegangen wird,  daß von  ihr nur  wenig zu  erwarten  ist.  Es
       vermeidet also  die Folgen  eines plötzlichen  Zusammenbruchs der
       Regierung Khanh  und  läßt  die  Strafmaßnahmen  gegen  Hanoi  in
       kürzest möglicher Frist anlaufen. Auf diese Weise wird die Chance
       einer  Unterbrechung   des  Programms  durch  eine  international
       erhobene Forderung  nach Verhandlungen  vermindert, indem die in-
       ternationalen Kritiker einem fait accompli gegenübergestellt wer-
       den.
       Es erhöht jedoch andererseits die Wahrscheinlichkeit, daß die USA
       Bodentruppen einsetzen  müssen, denn Khanh wird fast keine Boden-
       truppen zur  Verfügung haben, die von den Befriedungsaufgaben ab-
       gezogen und  zum beweglichen  Widerstand gegen  Angriffe der  DRV
       verwendet werden könnten.
       S c h l u ß f o l g e r u n g:   Man kommt zu dem Schluß, daß das
       Aktionsprogramm A besser verspricht, die Ziele der amerikanischen
       Politik in  SVN in den kommenden Monaten zu erreichen. Wir müssen
       jedoch immer die Zerbrechlichkeit der Regierung Khanh im Auge be-
       halten und  bereit sein,  schnell zum Aktionsprogramm B überzuge-
       hen, wenn es die Lage erfordern sollte. Auf jeden Fall müssen wir
       auf jede  Art von militärischer Reaktion gefaßt sein, die von NVN
       oder den chinesischen Kommunisten eingeleitet werden mag.
       V e r s c h i e d e n e s:   Wie oben angegeben, glauben wir, daß
       die 34-A-Operationen  sofort im  Maximaltempo wieder  aufgenommen
       werden sollten,  jedoch weiterhin in verdeckter Form; gleichfalls
       sollten die De Soto-Patrouillen wieder vorstoßen, sich jedoch au-
       ßerhalb der  12-Meilen-Grenze halten.  Wir stimmen damit überein,
       daß eine  Anzahl südvietnamesischer Piloten in der Zeit von jetzt
       an bis  zum Beginn des neuen Jahres mit B-57-Flugzeugen ausgebil-
       det werden sollten. Die Politik betreffend die Evakuierung ameri-
       kanischer Angehöriger sollte jetzt nicht abgeändert werden.
       E m p f e h l u n g:   Es wird  empfohlen, daß  die Regierung der
       USA das  Aktionsprogramm A  annimmt, dabei  aber jederzeit bereit
       sein sollte, zum Programm B überzugehen.
       
       XVI
       
       Auszüge aus dem Memorandum "Empfohlene Aktionsprogramme
       -------------------------------------------------------
       Südostasien", das von den Vereinigten Stabschefs am 26. August
       --------------------------------------------------------------
       1964 Verteidigungsminister Robert S. McNamara unterbreitet wurde
       ----------------------------------------------------------------
       
       3) Die Vereinigten  Stabschefs  haben  sich  Botschafter  Taylors
       Feststellungen betreffend Ziele und Aktionsprogramme überlegt. In
       Anbetracht der  jüngsten Ereignisse in SVN meinen sie jedoch, daß
       sein vorgeschlagenes  Aktionsprogramm B  der  gegenwärtigen  Lage
       besser entspricht  und daß ein so beschleunigtes Programm von Ak-
       tionen gegen  DRV unerläßlich  ist, um einem vollständigen Zusam-
       menbruch der  amerikanischen Position in Südostasien vorzubeugen.
       Darüberhinaus stimmen  sie nicht  der Ansicht  zu, daß wir es uns
       gut überlegen  sollten, zu tief verwickelt zu werden, bis wir uns
       der Qualität  unseres Verbündeten  besser bewußt  geworden seien.
       Die Vereinigten Staaten sind schon tief verwickelt. Die Vereinig-
       ten Stabschefs  sind der Ansicht, daß nur durch bedeutend stärke-
       ren militärischen Druck auf DRV die Erleichterung und der psycho-
       logische Auftrieb  geschaffen werden  können, die notwendig sind,
       um die  erstrebte Stabilität und Lebensfähigkeit der Regierung zu
       gewährleisten.
       4) Durch unsere  militärischen Aktionen  der letzten Zeit in Laos
       und gegen  DRV ist  unsere Entschlossenheit  besser  demonstriert
       worden als  seit langem  durch irgendeine  andere Handlung. Diese
       Aktionen zeigten  Stärke und  Selbstbeschränkung. Wenn  wir nicht
       ein Programm  des militärischen  Drucks wiederaufnehmen  und auf-
       rechterhalten, so  könnte das  falsch so  ausgelegt  werden,  als
       seien uns Bedenken wegen der Operation "Pierce Arrow" und der Er-
       eignisse, die  dazu geführt haben, gekommen und als seien wir un-
       schlüssig geworden. Die Vereinigten Stabschefs glauben daher, daß
       unser Programm  bei gleichzeitiger  Aufrechterhaltung unserer Be-
       reitschaft im Westlichen Pazifik diese nebeneinander herlaufenden
       Ziele haben  sollte: (1)  Verbesserungen in Südvietnam, wobei der
       Nachdruck auf  dem Befriedungsprogramm  und dem  Hop Tac Plan zur
       Säuberung von Saigon und Umgebung liegen sollte; (2) Sperrung der
       verhältnismäßig unbehelligten  Verbindungslinien des  Vietkong in
       Laos durch  Operationen im Pfannenstiel und der Verbindungslinien
       in Kambodscha  durch strikte  Kontrolle der  Wasserwege, die  von
       dort herführen;  (3)  Ausräumung  der  Vietkong-Schlupfwinkel  im
       Grenzgebiet von  Kambodscha und  Vietnam durch "heiße Verfolgung"
       auf kambodschanisches  Gebiet, wenn  nötig; (4) verstärkter Druck
       auf Nordvietnam durch militärische Aktionen. Als Teil dieses Pro-
       gramms für verstärkten Druck sollten die 34-A-Operationen und die
       De Soto-Patrouillen  im Golf von Tonkin wiederaufgenommen werden,
       die erstgenannten  in intensivierter,  aber immer noch verdeckter
       Form.
       5) Die Vereinigten  Staatschefs glauben  jedoch, daß  höchstwahr-
       scheinlich noch direktere und kraftvollere Aktionen als diese er-
       forderlich sein  werden. In  Erwartung weiterer erfolgreicher Ak-
       tionen des  Vietkong und  Pathet Lao  in RVN und Laos, und um den
       Druck auf  DRV zu  verstärken, sollte  das amerikanische Programm
       auch eine  rasche und  gezielte Erwiderung auf solche Aktionen in
       der Form  von Luftangriffen  und anderen  Operationen  gegen  ge-
       eignete militärische Ziele in der DRV umfassen.
       6) Die Vereinigten  Stabschefs sind  sich dessen  bewußt, daß  es
       eine sehr  schwierige Aufgabe  ist, im  voraus zu  bestimmen, was
       eine angemessene  Gegenoperation sein könnte. Wir sollten uns da-
       her in  Bereitschaft halten, eine ganze Reihe ausgewählter Gegen-
       schläge durchzuführen,  je nachdem, wie sich die Umstände entwic-
       keln, und  im Einklang mit den Prinzipien der Golf-von-Tonkin-Ak-
       tionen, wonach  solche Gegenaktionen der DRV einen klaren militä-
       rischen Nachteil  bringen sollen. Die Erwiderung muß also im Grad
       stärker sein  als die Provokation und sich nicht unbedingt darauf
       beschränken, einen  Gegenangriff gegen  ein  vergleichbares  Ziel
       darzustellen. Luftangriffe  zur Vergeltung  könnten entweder  von
       der VNAF allein 29) ausgeführt werden; oder von der VNAF mit ame-
       rikanischem Geleitschutz  gegen den  möglichen Einsatz  von MIGs;
       oder VNAF  mit Unterstützung  von amerikanischen Geleitflugzeugen
       in sowohl  offensiver wie  auch defensiver  Rolle; oder aber rein
       amerikanisch. Die genaue Kombination sollte sich jeweils nach der
       angestrebten Wirkung  und den  verfügbaren Mitteln richten. Ziele
       zum Angriff  aus der  Luft oder  durch andere Streitkräfte können
       den entsprechenden  Plänen entnommen  werden, darunter die aus 94
       ausgewählten Zielen  bestehende "Target Study for North Vietnam",
       die ihnen  vor kurzem  von den  Vereinigten Stabschefs überreicht
       worden ist...
       
       XVII
       
       Auszüge aus einem Memorandum "Aktionsplan für Südvietnam",
       ----------------------------------------------------------
       das am 3. September 1964 von dem Unterstaatssekretär im
       -------------------------------------------------------
       Verteidigungsministerium John T. McNaughton aufgesetzt wurde
       ------------------------------------------------------------
       
       1)  A n a l y s e   d e r   g e g e n w ä r t i g e n    L a g e.
       Die Lage in Südvietnam verschlechtert sich. Noch bevor die Regie-
       rung in  der vergangenen  Woche im  Durcheinander versank, war es
       mit dem  Krieg in  Südvietnam bergab  gegangen; die Vietkong-Zwi-
       schenfälle wuchsen  an Zahl  und Intensität und die militärischen
       Aktionen wurden  größer und erfolgreicher, so daß das Gebiet, das
       sich wirklich  unter der  Kontrolle der  Regierung befand,  immer
       mehr schrumpfte. Erfolgreiche Überfälle aus dem Hinterhalt hatten
       gezeigt, daß  die Bevölkerung auch in Gegenden, die als befriedet
       galten, nicht  gewillt ist,  das Risiko  einer  Denunziation  des
       Vietkong auf  sich zu nehmen. Kriegsmüdigkeit war deutlich sicht-
       bar. Die Krise von Ende August - besonders da die konkurrierenden
       Kräfte die  Regierung weitgehend "gesichtslos" gelassen und ihrer
       Fähigkeit, das  Befriedungsprogramm durchzuführen,  Abbruch getan
       haben -  verspricht zu  weiterer und schnellerer Verschlechterung
       zu führen...  Es ist das Ziel der Vereinigten Staaten, diesen Ab-
       wärtstrend umzukehren. Wenn das nicht geht, müssen wir versuchen,
       aus dieser Situtation mit einem so guten Image wie möglich in den
       Augen der Amerikaner, unserer Verbündeten und des Feindes heraus-
       zukommen.
       2)  I n n e r h a l b   v o n   S ü d v i e t n a m.   Wir müssen
       auf jeden  Fall innerhalb von Südvietnam hart weiterarbeiten. Das
       bedeutet u.a. sofortige Aktion um:
       (a) auf die  gegenwärtig sichtbaren Führer Druck auszuüben, damit
       sie eine wirkliche Regierung in Gang bringen;
       (b) zu verhindern, daß das Personal von oben bis unten ausgewech-
       selt wird;
       (c) dafür zu sorgen, daß die Zuständigkeiten für die Durchführung
       des Befriedungsprogramms klar sind;
       Neue Initiativen könnten ergriffen werden um:
       (d) einen  amerikanischen  Marinestützpunkt  einzurichten,  viel-
       leicht in Danang;
       (e) eine größere  Anstrengung zu  unternehmen, um eine Provinz in
       der Nähe von Saigon zu befrieden.
       Eine getrennte Analyse wird unternommen, um den Vorschlag zu prü-
       fen:
       (f) daß die militärische Rolle der USA in dem Befriedungsprogramm
       innerhalb von  Südvietnam erheblich  erweitert werden solle, d.h.
       daß die bewaffneten Streitkräfte Südvietnams mit einer großen An-
       zahl von  US-Spezialeinheiten ("Special Forces"), Abteilungen re-
       gelrechter Kampftruppen,  Luftwaffe usw. "gespickt" ("interlard")
       werden sollten oder daß die Letzteren selbst Funktionen in gewis-
       sen geographischen Gebieten übernehmen sollten...
       3)  A u ß e r h a l b   d e r    G r e n z e n    v o n    S ü d-
       v i e t n a m.  Es besteht eine Chance, daß der absteigende Trend
       umgekehrt werden kann - oder daß eine neue Lage geschaffen werden
       kann,  die   neue  Möglichkeiten  bietet,  oder  wenigstens  eine
       überzeugende Demonstration, daß ein Land, das eine Aggression ge-
       gen einen  unserer Verbündeten begeht, damit große Kosten und Ri-
       siken auf sich bürdet - wenn das folgende Aktionsprogramm befolgt
       wird: Das Programm besteht aus Aktionen außerhalb der Grenzen von
       Südvietnam, zu  dem Zweck,  immer stärkeren Druck auf Nordvietnam
       auszuüben. Diese  Aktionen müßten  andererseits das  Risiko  mög-
       lichst gering  halten, daß  es zu einer Art von militärischer Ak-
       tion kommt, die in den Augen des amerikanischen Publikums schwie-
       rig zu rechtfertigen wäre. Auch muß soweit wie möglich die Option
       erhalten bleiben,  daß es  zu gar keiner militärischen Aktion der
       USA kommt...
       A k t i o n e n.   Neben einer  Fortsetzung der  schon  laufenden
       "extra-territorialen" Aktionen (amerikanische Erkundungsflüge mit
       U-2-Maschinen über der DRV, amerikanische Erkundungsflüge mit Dü-
       senmaschinen über Laos, T-28-Operationen in Laos) handelt es sich
       dabei um  eine Orchestrierung  von drei  Arten von  Aktionen, die
       alle so  geplant sind,  daß sie  den folgenden fünf Anforderungen
       entsprechen: (1)  sie sollten vom Standpunkt der USA, der GVN und
       hoffentlich auch  unserer Verbündeten als unter den Umständen ge-
       rechtfertigt erscheinen, (2) sie sollten in der DRV Furcht erwec-
       ken oder  besser noch eine schon bestehende Furcht vertiefen, (3)
       sie sollten  mit Wahrscheinlichkeit dazu führen, daß an irgendei-
       nem Punkt  eine militärische  Reaktion von  Seiten der DRV provo-
       ziert wird,  (4) die  auf diese Weise provozierte Reaktion sollte
       uns mit Wahrscheinlichkeit eine gute Begründung liefern, um, wenn
       wir wollen, weiter zu eskalieren, und (5) die Wahl des Zeitpunkts
       und das  Crescendo sollten  unter unserer Kontrolle bleiben, samt
       der Möglichkeit, daß ganze Szenarium jederzeit abzudrehen...
       G e l e g e n h e i t s a k t i o n e n.   Bei  der  Durchführung
       des obigen  Aktionsprogramms sollten wir uns nach anderen DRV-Ak-
       tionen umsehen,  die dazu  angetan wären (unleserliche Wörter) zu
       rechtfertigen. Zu solchen DRV-Aktionen könnte die folgenden gehö-
       ren:
       (a) Abschießen von  amerikanischen Erkundungs- oder Rettungsflug-
       zeugen in Laos (wahrscheinlich durch Flak, unwahrscheinlich durch
       MIGs).
       (6) MIG-Operationen in Laos oder Südvietnam (unwahrscheinlich).
       (c) Verminung des Hafens von Saigon (unwahrscheinlich).
       (d) Angriffe des  Vietkong auf  ein  südvietnamesisches  Öldepot,
       eine Eisenbahnbrücke  u. dergl.  (ein  dramatischer  Zwischenfall
       wäre erforderlich).
       (e) Angriffe des  Vietkong (z.B. mit Mörsern) auf, oder Besetzung
       von, Flugplätzen  auf denen sich amerikanische Flugzeuge befinden
       (wahrscheinlich).
       (f) Irgendein barbarischer Akt des Terrorismus, durch den die öf-
       fentliche Meinung  Amerikas und  der Welt stark aufgebracht würde
       (unwahrscheinlich)...
       6)  C h a n c e n   e i n e r   L ö s u n g   d e r  L a g e.  Im
       Verlauf des  ganzen Szenariums  sollten wir auf jede Chance einer
       Lösung der Lage aufpassen:
       (a) Daß DRV  veranlaßt werden  kann, sich zurückzuziehen und Süd-
       vietnam befriedet werden kann.
       (b) Daß ein erträglicher Vergleich ausgearbeitet werden kann, und
       zwar:
       I. Ein ausdrücklicher  Vergleich (z.B. auf dem Weg über eine Kon-
       ferenz, bei der wir aus einer Position der Stärke verhandeln)
       II. Ein stillschweigender Vergleich (z.B. im Wege einer stückwei-
       sen "Übereinkunft" der Vietnamesen, zu leben und leben zu lassen,
       oder eine  de facto  "Abschreibung" von  Teilen Südvietnams,  die
       nicht zu verteidigen sind, usw.)
       (c) Wenn es zum Schlimmsten kommt und Südvietnam auseinanderfällt
       oder  sein   Benehmen  abscheulich   wird,  daß   wir   es   dann
       "desavouieren" können,  wobei hoffentlich  das Bild  entsteht von
       "einem Patienten,  der trotz  der außerordentlichen Anstrengungen
       eines guten Arztes gestorben ist".
       7)  B e s o n d e r e    Ü b e r l e g u n g e n    w ä h r e n d
       d e r   n ä c h s t e n   z w e i   M o n a t e.  Das bei unseren
       Aktionen angesprochene  Publikum ("audiences")  sind  einmal  die
       Kommunisten (die  starken Druck  zu spüren  bekommen müssen), zum
       anderen die  Südvietnamesen (deren  Moral  stark  gehoben  werden
       muß), aber auch unsere Verbündeten (die uns als "Schutzmacht" an-
       sehen müssen),  sowie das amerikanische Volk (das uns bei dem Ri-
       siko, das  wir mit  dem Leben und Prestige von Amerikanern einge-
       hen, seine  Unterstützung angedeihen  lassen  muß).  Während  der
       nächsten zwei  Monate müssen wir besonders vorsichtig handeln, da
       vor den  Wahlen nicht genügend "Widerlegungszeit" (rebuttal time)
       gegeben ist, um bestimmte Aktionen, die vielleicht für die ameri-
       kanische Öffentlichkeit  entstellt werden,  rechtfertigen zu kön-
       nen, -  wir müssen  der DRV klarmachen, daß Initiativen ergriffen
       werden, der  GVN, daß  wir trotz der Zurückhaltung, die uns durch
       die politische  Saison auferlegt  wird, energisch  auftreten, und
       dem amerikanischen  Publikum, daß wir einen guten Zweck verfolgen
       und Selbstbeherrschung üben.
       
       XVIII
       
       Memorandum des Unterstaatssekretärs für fernöstliche
       ----------------------------------------------------
       Angelegenheiten im State Department, William P. Bundy,
       ------------------------------------------------------
       für Präsident Johnson
       ---------------------
       
       Datiert 8. September 1964
       
       In dem  vorliegenden Memorandum wird die übereinstimmende Auffas-
       sung, die in Besprechungen zwischen Botschafter Taylor und Außen-
       minister Rusk, Verteidigungsminister McNamara und General Wheeler
       erreicht wurde, zur Überprüfung und Entscheidung durch den Präsi-
       denten niedergelegt.
       
       Die Lage
       --------
       
       1) Khanh wird  sich wahrscheinlich  an der Macht halten und viel-
       leicht in  den nächsten  zwei bis  drei Monaten  mit der Stärkung
       seiner Regierung (GVN) einigen Fortschritt machen. Das Beste, was
       wir erwarten  können, ist,  daß er  und GVN imstande sein werden,
       die Ordnung aufrechtzuerhalten, das Befriedungsprogramm sachte im
       Gang zu halten (ohne dabei große Fortschritte zu machen) und sich
       den Anschein einer gültigen Regierung zu geben.
       2) Khanh und  die Führer des GVN sind zur Zeit zu sehr erschöpft,
       um viel  an ein  Vorgehen gegen  den Norden denken zu können. Sie
       brauchen jedoch  weiterhin die Versicherung, daß die USA es ernst
       meinen. Und  wie Khanh weiterregiert, wird er wahrscheinlich mehr
       sichtbare amerikanische  Anstrengung verlangen  und auch eine ge-
       wisse Beteiligung des GVN an äußeren Aktionen.
       3) GVN wird  in den  nächsten zwei  bis drei  Monaten zu  schwach
       sein, als  daß wir mit Vorbedacht ein größeres Risiko einer Eska-
       lation auf  uns nehmen  könnten, bei  der Südvietnam eine größere
       Rolle spielen  müßte oder  einer  größeren  Bedrohung  ausgesetzt
       wäre. Jedoch  würde eine Eskalation, die aus einer amerikanischen
       Aktion entsteht  und gegen diese gerichtet ist, die GVN-Moral we-
       nigstens zeitweise heben.
       4) Die kommunistische  Seite wird  wahrscheinlich provokative Ak-
       tion gegen die USA vermeiden und es ist ungewiß, wie weit sie die
       Tätigkeit des  Vietkong erhöhen  wird. Es muß ihr gezeigt werden,
       daß wir  und GVN nach dem Golf von Tonkin nicht einfach die Hände
       in den Schoß legen.
       
       Aktionsprogramm
       ---------------
       
       Wir empfehlen auf jeden Fall:
       1) Die amerikanischen  Marinepatrouillen im Golf von Tonkin soll-
       ten sofort  (etwa am 12. September) wiederaufgenommen werden. Sie
       sollten sich  anfangs außerhalb  der 12-Meilen-Grenze  halten und
       von den  Marineoperationen 34-A klar getrennt sein. Die Patrouil-
       len würden  zwei bis  drei Zerstörer  umfassen und Luftschutz von
       Flugzeugträgern genießen;  die Zerstörer würden selbst zur Abwehr
       von U-Booten ausgerüstet sein.
       2) 34-A-Operationen durch GVN sollten danach sofort wieder aufge-
       nommen werden (nächste Woche). Die Seeoperationen sind bei weitem
       am wichtigsten.  Nordvietnam wird  wahrscheinlich die öffentliche
       Aufmerksamkeit auf sie lenken und wir sollten jetzt GVN veranlas-
       sen, sie  zuzugeben und  sie zu rechtfertigen als Gegenwehr gegen
       die Vietkong-Infiltration von See her. 34-A-Fallschirm- und Flug-
       blätter-Operationen sollten  auch wieder aufgenommen werden, sind
       aber weniger  wichtig. Wir  sollten  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt
       keine Luftangriffe nach 34-A ins Auge fassen.
       3) Begrenzte GVN Luft- und Bodenoperationen im Korridorgebiet von
       Laos sollten  in naher  Zukunft unternommen  werden, zusammen mit
       laotischen Luftangriffen,  sobald wir  von Souvanna die Erlaubnis
       erhalten. Diese Operationen werden jedoch nur eine begrenzte Wir-
       kung haben.
       4) Wir sollten  darauf vorbereitet  sein, gegen DRV "tit-for-tat"
       Vergeltungsschläge auszuführen, falls irgendwelche amerikanischen
       Einheiten angegriffen  werden oder irgendeine besondere DRV-Viet-
       kong-Aktion gegen SVN stattfindet. Die Reaktion auf einen Angriff
       gegen US-Einheiten  sollte dem  Golf-von-Tonkin-Muster folgen und
       gegen spezifische und verwandte Ziele gerichtet sein. Eine beson-
       dere Aktion  gegen SVN sollte gleichfalls durch Angriffe auf spe-
       zifische und vergleichbare Ziele beantwortet werden.
       Die wichtigste  weitere Frage ist, in welchem Ausmaß wir den obi-
       gen Aktionen  Elemente beifügen  sollten, durch  die  absichtlich
       eine DRV-Reaktion  provoziert werden  könnte, die  uns dann Anlaß
       zur Vergeltung  geben würde.  Ein Beispiel in Frage kommender Ak-
       tionen wäre  es, die amerikanischen Marinepatrouillen immer näher
       an die Küste von Nordvietnam heranzulassen und/oder sie mit 34-A-
       Operationen zu  verbinden. Wir  glauben, daß  solche  absichtlich
       provozierenden Elemente nicht in der nächsten Zukunft aufgenommen
       werden sollten, solange GVN noch versucht, wieder auf die Füße zu
       kommen. Es  mag jedoch sein, daß wir Anfang Oktober solche Aktio-
       nen empfehlen,  je nachdem  welche Fortschritte GVN macht und wie
       die Kommunisten  inzwischen reagieren, besonders auf die amerika-
       nischen Marinepatrouillen.
       Das Ziel  der obigen  Aktionen, außerhalb  von Südvietnam,  würde
       darin bestehen, der Moral in SVN zu helfen und den Kommunisten zu
       zeigen, daß  wir es  ernst meinen,  gleichzeitig aber  das Risiko
       möglichst gering  zu halten  und dafür zu sorgen, daß es in jedem
       Stadium unter unserer Kontrolle bleibt.
       Weitere Aktionen innerhalb von Südvietnam sind in diesem Memoran-
       dum nicht enthalten. Wir glauben, daß es eine Anzahl von Aktionen
       mit rascher  Wirkung gibt,  die unternommen  werden könnten,  wie
       z.B. Gehaltserhöhungen  für die  Polizei und  die zivilen Verwal-
       tungsstellen, und Verbesserungsprojekte in den Städten und ausge-
       wählten ländlichen  Gegenden. Diese Aktionen würden im Rahmen der
       jetzigen Politik bleiben und werden im Laufe von Botschafter Tay-
       lors Besuch  entscheidungsreif gemacht  werden. Wir  erwägen auch
       kleinere Änderungen  in der  amerikanischen Rolle  in der Luft in
       Südvietnam, doch  bräuchte darüber nicht vor November entschieden
       zu werden.
       
       XIX
       
       Memorandum, betreffend Johnsons Zustimmung zur Wiederaufnahme
       -------------------------------------------------------------
       von Marineoperationen, von McGeorge Bundy, Berater des
       ------------------------------------------------------
       Präsidenten für Sicherheitsfragen, an Verteidigungsminister
       -----------------------------------------------------------
       McNamara und Außenminister Rusk am 10. Sept. 1964
       -------------------------------------------------
       
       Der Präsident  hat jetzt  die Lage  in Südvietnam mit Botschafter
       Taylor und  anderen Beratern  überprüft und hat die folgenden Ak-
       tionen gebilligt:
       1) Die amerikanischen Marinepatrouillen im Golf von Tonkin werden
       unmittelbar nach  der Rückkehr  Botschafter Taylors wieder aufge-
       nommen. Sie  sollen sich anfangs ein gutes Stück jenseits der 12-
       Meilen-Grenze halten  und von den maritimen Operationen 34-A klar
       getrennt sein. Die Patrouillen sollen zwei bis drei Zerstörer um-
       fassen und  Luftschutz von  Flugzeugträgern beziehen;  sie werden
       selbst zur Abwehr von U-Booten ausgerüstet sein.
       2) 34-A-Operationen durch GVN sollen nach Beendigung einer ersten
       De Soto-Patrouille wiederaufgenommen werden. Die maritimen Opera-
       tionen sind  bei weitem am wichtigsten. Nordvietnam hat schon die
       öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt und wird es wahrschein-
       lich in  noch größerem Maße tun, so daß wir jetzt GVN veranlassen
       sollten, sie  zuzugeben und  als Gegenwehr gegen die Infiltration
       des Vietkong  von der  See her zu rechtfertigen. 34-A-Fallschirm-
       und Flugblätteroperationen  sollten auch  wieder aufgenommen wer-
       den, sie sind aber nicht so wichtig. Wir sollten im gegenwärtigen
       Zeitpunkt keine Luftangriffe nach 34-A ins Auge fassen.
       3) Wir sollten  sofort mit  der Regierung  von Laos Pläne für be-
       grenzte GVN Luft- und Bodenoperationen in die Korridorgebiete von
       Laos erörtern,  in Verbindung  mit laotischen  Luftangriffen  und
       möglicherweise unter  Einsatz von  bewaffneten amerikanischen Er-
       kundungsflugzeugen. Auf Grund dieser Besprechungen wird eine Ent-
       scheidung über  Aktionen getroffen werden, doch muß man sich dar-
       über klar sein, daß diese Operationen auf jeden Fall nur eine be-
       grenzte Wirkung haben werden.
       4) Wir müssen  darauf vorbereitet sein, in angemessener Weise ge-
       gen DRV  vorzugehen, falls diese amerikanische Einheiten angreift
       oder eine besondere DRV-Vietkong-Aktion gegen SVN stattfindet.
       5) Die Ergebnisse  dieser Entscheidungen werden laufend überprüft
       werden und  empfohlene Änderungen  oder Zusätze  werden sofort in
       Erwägung gezogen.
       6) Der Präsident  legt nochmals Nachdruck auf die Bedeutung wirt-
       schaftlicher oder politischer Aktionen die eine rasche Wirkung in
       Südvietnam haben  können, wie  z.B. Gehaltserhöhungen  für Beamte
       und Verbesserungsprojekte in den Städten und ausgewählten ländli-
       chen Gegenden. Der Präsident betont wiederum, daß keine Tätigkeit
       dieser Art irgendwie durch das Gefühl, daß unsere Mittel für sol-
       che Zwecke  beschränkt seien,  verzögert werden  darf. Wir können
       für alle wertvollen Projekte auf diesem Gebiet die nötigen Mittel
       flüssig machen.  Er erwartet,  daß  Botschafter  Taylor  und  das
       "Country Team"  auf diesem  Gebiet sehr rasch und energisch tätig
       werden.
       7) Diese Entscheidungen  gehen von  der  vorherrschenden  Meinung
       aus, daß es jetzt am wichtigsten ist, etwas zu tun, um das Gefüge
       der Regierung  von Südvietnam  zu festigen;  insoweit die Lage es
       erlaubt, sollte  eine solche  Aktion den  größeren Entscheidungen
       vorausgehen. Wenn  solche größere  Entscheidungen zu  irgendeiner
       Zeit durch eine Veränderung der Lage notwendig gemacht werden, so
       werden sie getroffen werden.
       
       XX
       
       Kabel des State Department und des Verteidigungsministeriums an
       ---------------------------------------------------------------
       die amerikanische Botschaft in Vientiane vom 6. Oktober 1964
       ------------------------------------------------------------
       
       Sie werden  hiermit ermächtigt, RLG (königl.-laotische Regierung)
       dringend zu  ersuchen, daß  sobald wie möglich von der laotischen
       Luftwaffe mit  Flugzeugen vom Typ T-28 Luftangriffe gegen die In-
       filtrationswege und Anlagen des Vietkong im Pfannenstiel von Laos
       unternommen werden.  Diese Angriffe sollten über eine Periode von
       mehreren Wochen  ausgedehnt werden und die Ziele sollten sich auf
       solche beschränken,  die als geeignet für T-28-Angriffe angesehen
       werden und in Absatz 8 der Botschaft Nr. 581 aus Vientiane aufge-
       führt sind,  mit Ausnahme  des Mu  Gia-Passes und  solcher Ziele,
       welche die Laoten nicht ohne amerikanische Luftdeckung und Feuer-
       unterstützung angreifen  wollen,  da  hierüber  noch  nicht  ent-
       schieden ist.
       Sie sind  weiterhin ermächtigt,  Laos dahingehend zu informieren,
       daß schwere  Luftangriffe durch YANKEE TEAM gegen gewisse schwie-
       rige Ziele  im Pfannenstiel,  in Verbindung mit weiteren T-28-An-
       griffen, zum  Gesamtkonzept gehören  und daß später mit ihnen ge-
       rechnet werden  kann, daß jedoch die Ermächtigung zu solchen ame-
       rikanischen Angriffen  im jetzigen  Zeitpunkt nicht - wiederhole,
       nicht - erteilt wird.
       Senden Sie  sobald wie  möglich den Zeitplan der Angriffe ein und
       melden Sie  nach der  Durchführung alle  von  den  T-28  der  RLG
       tatsächlich geflogenen  Einsätze, unter  Angabe der angegriffenen
       Ziele, der erzielten Ergebnisse und des vom Feind geleisteten Wi-
       derstands. Teilen Sie uns auch mit, welche Ziele, neben den schon
       in der  Botschaft Nr.  581 aufgeführten,  Ihrer Ansicht  nach  zu
       schwierig für  RLG-Luftangriffe sein  würden und schwere Angriffe
       durch amerikanische Flugzeuge erfordern würden.
       Zur gefl.  Kenntnisnahme: Die  Ermächtigung für  YANKEE  TEAM-An-
       griffe auf  Ziele an  der Nationalstraße  7 ist bisher noch nicht
       erteilt worden.  Da wir den Eindruck zu vermeiden suchen, daß wir
       den ersten  Schritt zur Eskalation tun, neigen wir dazu, die Ent-
       scheidung über  Angriffe auf die Straße 7 so lange aufzuschieben,
       bis wir  starke Beweise  dafür haben,  daß Hanoi neue Angriffe in
       der PDJ  vorbereitet, die  sich zum  Teil aus den Operationen der
       RLAF über dieser Straße ergeben könnten. Ende Z.g.K.
       Sie können  RLG jedoch  informieren, daß  amerikanische Flugzeuge
       weiterhin Erkundungsflüge  über die Straße 7 ausführen werden, um
       über das  Ausmaß des Gebrauchs dieser Straße durch den Pathet Lao
       auf dem  Laufenden zu  bleiben und  Angriffsziele und Luftabwehr-
       stellungen entlang dieser Straße zu identifizieren. Die Frage, ob
       eventuell Angriffe  auf die  Straße stattfinden  sollen, wird zur
       Zeit in Washington geprüft.
       Zur gefl.  Kenntnisnahme: Für grenzüberschreitende Bodenoperatio-
       nen liegt bisher keine - wiederhole, keine - Ermächtigung vor.
       
       XXI
       
       Teilentwurf einer Denkschrift von Unterstaatssekretär William
       -------------------------------------------------------------
       Bundy zu Fragen der öffentlichen Meinungsbildung
       ------------------------------------------------
       
       Datiert 5. November 1964
       
       1) Es kann  jederzeit zu  einem neuen  Bien Hoa 30) kommen. Durch
       diese Entwicklung  könnte unsere Hand forciert werden, gleichzei-
       tig aber  bietet sie uns ein gutes Sprungbrett für eine Entschei-
       dung zugunsten  stärkerer Aktion.  Der Präsident  denkt  offenbar
       daran, wie  man die  Begründung ("rationale") unseres Handelns im
       Golf von Tonkin möglichst weitgehend ausnützen kann, entweder für
       eine Aktion,  die große Festigkeit zeigt und uns Bedenkzeit gibt,
       bis die  große Frage  entschieden werden kann, oder als Grundlage
       für ein klares Aktionsprogramm mit weitgesteckten Optionen.
       2) Der Kongreß  muß vor  einer größeren Aktion eingeschaltet wer-
       den, vielleicht  nur im Wege einer einfachen Mitteilung, wenn wir
       einen Vergeltungsschlag  für ein zweites Bien Hoa ausführen, aber
       doch wohl  besser durch sorgfältige Rücksprache mit solchen wich-
       tigen Führern  wie  Mansfield,  Dirksen,  dem  Sprecher,  Albert,
       Halleck, Fulbright,  Hickenlooper, Morgan,  Mrs. Bolton, Russell,
       Saltonstall, Rivers, (Vinson?), Arends, Ford usw. Er sollte wahr-
       scheinlich mit  einer solchen  Konsultation warten,  bis er  sich
       klar für  einen bestimmten  Kurs entschlossen hat, womit wohl ir-
       gendwann nächste  Woche zu  rechnen ist.  Es fragt  sich, ob  man
       gleichzeitig andere  Themen (Budget?)  anschneiden sollte, um die
       Hitze zu mildern.
       3) Wir brauchen  wahrscheinlich keine  weitere Ermächtigung durch
       den Kongreß,  auch wenn  wir uns  für ein  sehr scharfes Vorgehen
       entscheiden. Eine Sitzung dieses Rumpfkongresses könnte die Repu-
       blikaner zu  einer widerwärtigen  ("messy") Vorstellung veranlas-
       sen.
       4) Wir stehen  vor der  Tatsache, daß  die Infiltration  nach den
       übereinstimmenden  Berichten  der  Nachrichtendienste  zugenommen
       hat, und  Saigon drängt  uns dazu, bis Ende dieser Woche oder An-
       fang nächster Woche damit herauszukommen. Es fragt sich, wie laut
       wir darüber  reden wollen.  Tatsächlich hat Grose die neue Schät-
       zung schon  Montag in  der Times  gebracht; allzu großes Aufsehen
       wird die Nachricht also wohl nicht mehr erregen. Diese Angelegen-
       heit sollte  womöglich heute noch entschieden werden... Ganz all-
       gemein gesprochen,  haben wir  alle das Gefühl, daß sich das Pro-
       blem, die  Beteiligung der  Nordvietnamesen nachzuweisen, weniger
       schwierig stellt  als in  der Vergangenheit; doch sollten wir den
       Jorden Report  auf den  neuesten Stand  bringen lassen, so daß er
       zur geeigneten Stunde verwendet werden kann.
       5) Eine Erklärung  des Präsidenten,  in der die Notwendigkeit des
       Handelns begründet wird, muß als vorrangig bezeichnet werden. In-
       zwischen wäre  es wohl gut, wenn der Präsent ein paar recht laute
       Töne von  sich geben  würde ("strong Presidential noise"), um das
       rechte Klima  für Aktionen  zu schaffen;  das wäre auch auf jeden
       Fall wichtig, um etwaigen Befürchtungen von SVN entgegenzutreten,
       daß unsere  Politik weicher geworden sei. Letzteres sollte womög-
       lich noch heute entschieden werden.
       6) Außenminister Rusk  spricht heute mit Dobrynin. Um eine direk-
       tere Verbindung  herzustellen, kann  Sesborn  angekurbelt  werden
       ("revved up"),  so daß  er am  15. hinauffährt,  wenn wir das für
       richtig halten.  Er geht  sowieso nicht und wir könnten ihn wahr-
       scheinlich zurückhalten,  so daß das Fehlen einer Botschaft nicht
       an und für sich als ein Signal ausgelegt werden könnte.
       7) Unsere internationalen  Sondierungen scheinen folgendes Ergeb-
       nis gezeitigt zu haben:
       a) Wir sollten wahrscheinlich England, Australien, Neuseeland und
       möglicherweise Thailand konsultieren, bevor wir eine Entscheidung
       treffen. Wir  glauben auf  feste moralische  Unterstützung  durch
       England rechnen zu können und auf eine wenigstens symbolische Be-
       teiligung der anderen Länder.
       b) SEATO sollte als Ganzes konsultiert werden, wenn es zu kräfti-
       ger Aktion  kommt. Wir sollten die Philippinen ein oder zwei Tage
       vor einer  solchen Aktion  konsultieren, doch  nicht notwendiger-
       weise bevor wir unseren Entschluß gefaßt haben.
       c) Der NATO-Rat  sollte nach  kubanischem Muster, d.h. gleichzei-
       tig, benachrichtigt werden, und zwar durch einen angesehenen Ver-
       treter.
       d) Aus negativen Gründen muß Frankreich wohl auch als "VIP" (sehr
       wichtige Persönlichkeit) behandelt werden.
       e) Bei den  Vereinten Nationen  müssen wir  mit einer sofortigen,
       nachdrücklichen Erklärung  unserer Beweggründe zur Hand sein, die
       gleichzeitig abgegeben  werden sollte,  sei es,  daß es  sich  um
       einen einzelnen  Vergeltungsschlag oder  den Beginn  eines größer
       angelegten Aktionsprogramms handelt.
       f) In der ganzen Welt sollten wir uns einigermaßen freundlich ge-
       sinnte Staatschefs für besondere Behandlung aussuchen und um ihre
       Sympathie und  Unterstützung werben; auch sollten wir alle unsere
       Vertretungen mit der Begründung und Verteidigung unseres Handelns
       ausrüsten, gleichgültig,  ob es  sich um  einen einzelnen Vergel-
       tungsschlag oder eine größere Aktion handelt.
       8) USIA 31)  muß spätestens  Anfang nächster Woche in die Planung
       eingeschaltet werden, so daß es die richtige Art von Material für
       alle unsere Informationsmedien zur Hand hat und für alle Eventua-
       litäten bereit  ist. Dasselbe gilt (ein Wort unleserlich) für die
       C.I.A.-Kanäle.
       
       XXII
       
       Zweitentwurf einer Denkschrift "Aktion für Südvietnam",
       -------------------------------------------------------
       verfaßt am 6. November 1964
       ---------------------------
       von Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium McNaughton
       --------------------------------------------------------------
       
       1)  Z i e l e  d e r  U S A:
       (a) Den Ruf der USA als Garant gegen Subversion zu schützen.
       (b) Der Domino-Wirkung vorzubeugen, besonders in Südostasien.
       (c) Das Gebiet von Südvietnam aus den Händen der Roten zu halten.
       (d) Die Krise ohne untragbare Belastung durch die angewandten Me-
       thoden zu überwinden.
       2)  G e g e n w ä r t i g e  L a g e:
       Die Lage  in Südvietnam verschlechtert sich. Wenn nicht neue Maß-
       nahmen ergriffen  werden, wird  die neue Regierung wahrscheinlich
       unstabil und untüchtig sein und der VC wird wahrscheinlich seinen
       Einfluß auf die Bevölkerung und das Staatsgebiet weiter ausdehnen
       können. Es  muß damit gerechnet werden, daß schon bald (sechs Mo-
       nate? Zwei Jahre?) (a) Regierungsbeamte auf allen Ebenen ihr Ver-
       halten dem Gedanken an eine schließliche Machtübernahme durch den
       VC anpassen  werden; (b) erhebliche militärische Streitkräfte zum
       Gegner überlaufen  werden; (c)  ganze zusammenhängende  Teile des
       Landes der GVN entzogen werden; (d) neutrale oder linksgerichtete
       Elemente Aufnahme in die Regierung finden werden; (e) es zu einem
       Volksfrontregime kommen wird, das die USA ausladen wird; (f) Süd-
       vietnam durch fundamentale Konzessionen an den VC und Abmachungen
       mit DRV hinter den Eisernen Vorhang gebracht wird.
       3)  D r i n g l i c h k e i t:
       Da "Bien  Hoa" vorüber  ist, braucht keine dringende Entscheidung
       betreffend militärische  Aktion gegen  DRV getroffen  zu  werden,
       doch sollte (a) eine solche Entscheidung wegen der allgemein ver-
       schlechterten Lage  in Südvietnam  bald gefällt  werden, und  (b)
       würde im Falle einer weiteren "spektakulären" Tat des VC oder der
       DRV eine Entscheidung (wenigstens hinsichtlich einer Repressalie)
       dringend geboten sein.
       4)  I n n e r h a l b  v o n  S ü d v i e t n a m:
       Fortschritt innerhalb  von SVN  ist wichtig,  aber  auch  unwahr-
       scheinlich, trotz  unserer besten  Gedanken und  Bemühungen  (und
       Fortschritt, wenn  überhaupt erzielt, wird mindestens mehrere Mo-
       nate in  Anspruch nehmen), Nichtsdestoweniger, und ohne Rücksicht
       auf andere  mögliche Aktionen,  sollten in  Südvietnam große  An-
       strengungen unternommen werden um (a) die Regierung, ihr Beamten-
       tum und  die zivil-militärische Koordination und Planung zu stär-
       ken; (b)  die Auseinandersetzungen zwischen den ethnischen, reli-
       giösen, städtischen  Gruppen und  zwischen Zivilisten und Militär
       durch die  Annahme eines umfassenden und positiven Regierungspro-
       gramms, das  (mit amerikanischer Hilfe) die Unterstützung wichti-
       ger Gruppen  anstreben soll,  zu dämpfen;  und (c)  das Befriedi-
       gungsprogramm auf dem Lande voranzutreiben.
       5)  A k t i o n  g e g e n  D R V:
       Aktion gegen  Nordvietnam stellt  gewissermaßen einen  Ersatz für
       die Stärkung  der Regierung  von Südvietnam dar. Das heißt, einem
       (auf Befehl  der DRV)  weniger aktiven VC kann eine weniger tüch-
       tige GVN  gegenübergestellt werden.  Darum  sollten  wir  starken
       Druck auf Nordvietnam erwägen.
       6)  O p t i o n e n,   d i e   u n s   z u r    V e r f ü g u n g
       s t e h e n:
       Wir haben  drei Optionen, die für uns offenstehen (alle sehen Re-
       pressalien in der DRV vor als Vergeltung für "spektakuläre" Taten
       des VC  bzw. DRV gegen GVN oder amerikanische Anlagen in Südviet-
       nam).
       O p t i o n  A.  Fortsetzung der gegenwärtigen Politik. Größtmög-
       liche Hilfe  in SVN  sowie begrenzte äußere Aktionen in Laos und,
       in versteckter Form, GVN-Aktionen gegen Nordvietnam. Das Ziel je-
       der Vergeltungsaktion  würde sein, große VC-Aktionen im Süden ab-
       zuschrecken und  zu bestrafen,  jedoch nicht in dem Maße, daß da-
       durch ein starker internationaler Druck für Verhandlungen hervor-
       gerufen würde.  Grundlegend bei dieser Option ist die weitere Ab-
       lehnung von Verhandlungen in der Hoffnung, daß die Lage sich bes-
       sern wird.
       O p t i o n  B.  Schneller und voller Druck. Die gegenwärtige Po-
       litik, verstärkt  durch ein systematisches Programm militärischen
       Drucks gegen den Norden, unter Einschluß der Möglichkeit von Ver-
       handlungen zu irgendeinem Zeitpunkt, dabei Fortsetzung der Druck-
       Aktionen in  ziemlich schnellem Tempo und ohne Unterbrechung, bis
       wir unsere gegenwärtigen Hauptziele erreicht haben.
       O p t i o n  C.   Fortschreitende Abwechslung  von Druck und Ver-
       handlungen. Neben  der gegenwärtigen  Politik eine Orchestrierung
       der Verbindungen mit Hanoi und ein Crescendo von weiteren militä-
       rischen Angriffen  auf Infiltrationsziele,  erst in Laos, dann in
       der DRV,  und schließlich  auch auf  andere Ziele in Nordvietnam.
       Das Szenarium soll so ausgebaut werden, daß wir jederzeit die Op-
       tion haben,  weiter vorzugehen  oder nicht,  zu  eskalieren  oder
       nicht, das  Tempo zu  beschleunigen oder  nicht. Die betreffenden
       Entscheidungen müßten von Zeit zu Zeit unter Berücksichtigung al-
       ler einschlägigen Faktoren getroffen werden.
       7)  A n a l y s e  d e r  O p t i o n  A.
       (Wird noch geliefert)
       8)  A n a l y s e  d e r  O p t i o n  B.
       (Wird noch geliefert)
       9)  A n a l y s e  d e r  O p t i o n  C.
       (a) Militärische Aktionen.  Die gegenwärtige  Politik sieht  vor,
       neben Vergeltungsschlägen  in DRV  wegen DRV-Aktionen  gegen  die
       USA, (1)  34-A-Luft- und  maritime Operationen,  (2) De  Soto-Pa-
       trouillen zu  nachrichtendienstlichen Zwecken,  (3) leichte  süd-
       vietnamesische Bodenoperationen  in Laos,  falls möglich, und (4)
       T-28-Luftangriffe auf  Ziele in Laos, die mit der Infiltration in
       Verbindung stehen. Zusätzliche Aktionen sollten sein:
       E r s t e   P h a s e   (neben Repressalien in DRV wegen "spekta-
       kulärer" VC-Taten  in Südvietnam): (5) amerikanische Luftangriffe
       auf Ziele in Laos, die mit der Infiltration in Verbindung stehen.
       Z w e i t e   P h a s e   (neben Repressalien in DRV wegen umfas-
       sender VC-Aktionen): (6) Niedrige Erkundungsflüge über dem südli-
       chen Teil  der DRV,  (7)  amerikanisch-südvietnamesische  Luftan-
       griffe auf  Ziele in  der südlichen DRV, die mit der Infiltration
       in Verbindung stehen.
       D r i t t e   P h a s e:   Entweder nur  mit den  obigen Aktionen
       fortfahren, oder  eine oder mehrere von den folgenden hinzufügen,
       bei rechtzeitigem Einsatz von US-Streitkräften: (8) Verminung von
       DRV-Häfen aus  der Luft, (9) Seeblockade ("Naval quarantine") der
       DRV, und  (10)  amerikanisch-südvietnamesische  Luftangriffe,  im
       "Crescendo", auf  weitere Ziele,  die auf  der "Liste  der 94 An-
       griffsziele" stehen.
       Südvietnamesische Kräfte  sollten bei jeder gegen DRV unternomme-
       nen Aktion eine Rolle spielen.
       (b) Politische Aktionen.  Es sollte sofort ein Kanal für zweisei-
       tige Mitteilungen  zwischen USA  und DRV  hergestellt werden. Das
       könnte entweder  in Warschau  geschehen oder durch Seaborn in Ha-
       noi. Man  sollte Hanoi  klarmachen, daß  wir weder Nordvietnam zu
       zerstören suchen, noch auch eine Kolonie oder eine Basis erwerben
       wollen, daß aber Nordvietnam folgende Bedingungen erfüllen muß:
       (1) Damit aufhören, Mannschaften für die Kriegsführung in SVN und
       Laos auszubilden und dorthin zu entsenden.
       (2) Damit aufhören,  Waffen und  Nachschub nach  SVN und  Laos zu
       schicken.
       (3) Damit aufhören, militärische Aktionen in SVN und Laos zu lei-
       ten und zu kontrollieren.
       (4) Dem VC und PL befehlen, daß sie ihren Aufstand und ihre mili-
       tärischen Aktionen einstellen sollen.
       (5) Die Vietminh-Streitkräfte  und Kader aus SVN und Laos entfer-
       nen.
       (6) Die propagandistischen Rundfunksendungen nach Südvietnam ein-
       stellen.
       (7) Dafür sorgen, daß VC und PL Angriffe und Zwischenfälle in SVN
       und Laos einstellen.
       (8) Dafür sorgen,  daß VC  und  PL  ihren  Widerstand  gegen  die
       Streitkräfte der Regierung aufgeben.
       (9) Dafür sorgen,  daß VC und PL ihre Waffen und ihre Stützpunkte
       aufgeben.
       (10) Dafür sorgen, daß VC und PL sich für eine Amnestie oder Aus-
       wanderung ergeben.
       Hand in Hand mit diesen amerikanischen Forderungen sollte das An-
       gebot gemacht werden, (1) daß ein Reis-Austauschgeschäft zwischen
       den beiden Hälften von Vietnam arrangiert werden soll und (2) daß
       die amerikanischen  Streitkräfte aus Südvietnam abgezogen werden,
       so lange die Bedingungen erfüllt werden.
       (c) Informations-Aktionen. Der  Beginn militärischer Aktionen ge-
       gen DRV muß von einem überzeugenden öffentlichen Informationspro-
       gramm in der ganzen Welt begleitet sein. (Das Informationsproblem
       wird leichter sein, wenn die erste amerikanische Aktion gegen DRV
       sich zeitlich und in ihrer Art auf eine vom VC oder DRV begangene
       "spektakuläre" Schandtat  beziehen kann, am besten eine, die sich
       sowohl gegen SVN wie auch gegen amerikanische Anlagen richtet).
       (d) Reaktionen des  VC, der DRV, der chinesischen Kommunisten und
       der UdSSR. (Wird später ausführlich behandelt.) Die DRV und China
       werden wahrscheinlich  nicht in  Südvietnam, Laos oder Birma ein-
       fallen und es ist auch nicht wahrscheinlich, daß sie Luftangriffe
       auf diese  Länder ausführen  werden. Die UdSSR wird sich fast si-
       cher auf  politische Aktionen  beschränken. Wenn  DRV oder  China
       losschlagen oder  in Südvietnam  einfallen, werden die amerikani-
       schen Streikräfte  stark genug sein, um mit dem Problem fertig zu
       werden.
       (e) GVN-Reaktionen. Militärische  Aktion gegen DRV könnte in Süd-
       vietnam eine  ungünstige Wirkung haben weil (1) der VC vielleicht
       seine Tätigkeit  verstärken würde,  (2) die Südvietnamesen womög-
       lich von  Panik erfaßt werden, (3) Verbitterung darüber entstehen
       könnte, daß  wir ihre  "Brüder" angegriffen  haben, und  (4)  die
       Leute vielleicht  des Wartens  auf Ergebnisse müde werden. Sollte
       Südvietnam vollkommen  unter unseren  Füßen auseinanderfallen, so
       sollten wir versuchen, es so lange zusammenzuhalten, bis wir ver-
       suchen können,  unsere Streitkräfte abzuziehen und die Welt davon
       zu überzeugen, daß der Fall Südvietnam einmalig und von Natur aus
       unmöglich ist.
       (f) Reaktionen unserer Verbündeten und der Neutralen (wird später
       ausführlich behandelt).  (1) Auch wenn Option C mißlingen sollte,
       würde doch  durch die Demonstration unserer Bereitschaft zu kämp-
       fen das  Vertrauen unserer Alliierten in die USA als Bündnispart-
       ner gestärkt  werden. (2)  Militärische Aktion  der USA gegen DRV
       wird wahrscheinlich anderenorts in der Welt militärische Aktionen
       auslösen, wie z.B. Indonesien gegen Malaysia oder Timor, oder die
       Türkei gegen Zypern.
       
       XXIII
       
       Auszüge aus einem Vortrag von Botschafter Taylor über
       -----------------------------------------------------
       "Die gegenwärtige Lage in Südvietnam-November 1964", gehalten
       -------------------------------------------------------------
       am 27. November 1964 in Washington vor den Leitern der
       ------------------------------------------------------
       "Arbeitsgruppe Südostasien"
       ---------------------------
       
       Nach einem  Jahr wechselhafter  und untüchtiger Regierung ist das
       Programm zur Bekämpfung des Aufstandes im ganzen Lande festgefah-
       ren und  es wird  heroischer Anstrengungen bedürfen, um es wieder
       zum Leben  zu erwecken. Sogar in der Gegend von Saigon, und trotz
       der Planung  und besonderen Behandlung des Hop Tac-Plans, ist das
       Programm im  Rückstand. Die  nördlichen Provinzen von Südvietnam,
       die vor  einem Jahr  als fast frei vom Vietkong angesehen wurden,
       befinden sich jetzt in einer sehr schwierigen Lage. In der Gegend
       von Quang  Ngai-Binh Dinh  sind die Gewinne des Vietkong so ernst
       gewesen, daß  wir wieder  vor der  Drohung stehen,  daß das  Land
       durch einen  Vorstoß des Vietkong zur See in zwei Teile gespalten
       wird. Der  Druck auf dieses Gebiet wurde begleitet durch fortlau-
       fende Sabotage  der Eisenbahn  und der  Landstraße Nr. 1, wodurch
       die nördlichen  Provinzen mit  wirtschaftlicher Erdrosselung  be-
       droht werden.
       Diese Verschlechterung des Befriedungsprogramms ist erfolgt trotz
       der sehr  schweren Verluste,  die dem Vietkong fast täglich zuge-
       fügt wurden,  und des Zuwachses an Kraft und beruflicher Tüchtig-
       keit bei  den bewaffneten Streitkräften von Südvietnam. Nicht nur
       ist es  den Vietkong gelungen, ihre Verluste wieder wettzumachen,
       sondern sie haben in der letzten Zeit auch drei neue oder neu er-
       weiterte Taktiken  demonstriert: die  Beschießung wichtiger Ziele
       durch Mörser  aus einem gewissen Abstand, wie bei dem Angriff auf
       den Flupplatz  von Bien  Hoa; die wirtschaftliche Abschnürung be-
       stimmter Gebiete; und schließlich die verstärkte Infiltration von
       Militärpersonal der  DRV aus  dem Norden. Vor dem Hintergrund der
       allgemeinen Verschlechterung  stellt die  Anwendung dieser  neuen
       bzw. verbesserten Taktiken eine ernste Bedrohung des Befriedungs-
       programms im allgemeinen und der Sicherheit wichtiger Anlagen und
       Einrichtungen im besonderen dar.
       Vielleicht noch  ernster als  dieser Abwärtstrend  in der Befrie-
       dungslage -  nämlich seine  Hauptursache  -  ist  die  anhaltende
       Schwäche der  Zentralregierung. Obwohl die Regierung Huong einge-
       setzt wurde,  nachdem sie  getreulich und erfolgreich das von der
       Regierung Khanh zu ihrer eigenen Ablösung vorgezeichnete Programm
       durchgeführt hatte,  erscheinen die Aussichten für ein langes Le-
       ben und  eine tatkräftige  Leistung des neuen Regimes nur gering.
       In der  Tat, es  ist in  Anbetracht des in Saigon und anderswo im
       ganzen Lande  herrschenden Cliquenwesens  unmöglich, eine stabile
       und tüchtige  Regierung unter irgendeinem Namen in absehbarer Zu-
       kunft vorauszusehen.  Nichtsdestoweniger finden wir einigen Grund
       zu Ermutigung in dem Charakter und dem ernsten Bestreben von Pre-
       mierminister Huong  und seinem  Kabinett und in der anscheinenden
       Absicht General Khanhs, die Armee wenigstens bis auf weiteres aus
       der Politik  herauszuhalten. Während unsere Programme mühsam wei-
       terhumpeln oder  festgefahren sind,  verspüren wir  das steigende
       Gefühl von  Kriegsmüdigkeit und  Hoffnungslosigkeit, das  sich in
       ganz Südvietnam  breitmacht, vor  allem in den städtischen Gebie-
       ten. Obwohl  die Provinzen  zumeist standhaft  zu sein  scheinen,
       herrscht dort  zweifellos ebenso  wie in  den Städten  chronische
       Entmutigung. Wenn  die militärische  Führung auch  in der letzten
       Zeit nicht  mehr mit viel Überzeugung von einem "Marsch nach Nor-
       den" geredet  hat, sind doch sicher viele unter ihnen davon über-
       zeugt, daß  etwas Neues und Drastisches geschehen muß, um die ge-
       genwärtige Entwicklung  umzukehren und  Anlaß zu  der Hoffnung zu
       geben, daß der Aufstand in absehbarer Zeit beendet werden kann.
       Die Ursachen  der gegenwärtigen  unbefriedigenden Lage zu finden,
       ist nicht  schwierig. Sie  rührt aus  zwei Hauptursachen her, die
       beide schon  oben erwähnt  wurden, nämlich die anhaltende Untüch-
       tigkeit der  Zentralregierung und,  auf der  anderen  Seite,  die
       wachsende Stärke  und Schlagkraft  der Vietkong sowie ihre Fähig-
       keit, Verluste  wieder zu  ersetzen. Wenn es auch, angesichts der
       geschichtlichen Erfahrung von Südvietnam, nicht überraschend ist,
       daß diese Schwierigkeiten mit der Regierung bestehen, stellt doch
       diese chronische  Schwäche eine  kritische Belastung  zukünftiger
       Pläne dar. Solange es keine wirksame Zentralregierung gibt, stel-
       len die  Anstrengungen der  USA ein Rad dar, das sich im Leerlauf
       dreht, ohne  der GVN-Maschinerie  einen Anstoß übertragen zu kön-
       nen. Zwar  macht sich  die Schwäche  der Regierung  am meisten in
       Saigon bemerkbar,  doch ist  ist es  zu einem gewissen Grad nicht
       anders in  den Provinzen.  Es ist  außerordentlich schwierig, ge-
       eignete Provinzchefs  und untergeordnetes  Verwaltungspersonal zu
       finden, die  imstande wären, die komplizierten Programme, die für
       eine erfolgreiche  Befriedung erforderlich  sind,  durchzuführen.
       Wenn man  sich allerdings die ungenügende Ausbildung der Provinz-
       chefs und  ihrer Beamten  ansieht, muß man sich eher über die Er-
       gebnisse, die  sie erzielt haben, wundern, doch reichen diese Er-
       gebnisse leider  im allgemeinen  nicht aus  für die komplizierten
       Aufgaben, die zu lösen sind, oder für den Zeitplan, den wir fest-
       legen möchten.
       Wie die  vergangene Geschichte dieses Landes zeigt, scheint etwas
       im Volkscharakter  zu liegen,  was die  Cliquenbildung begünstigt
       und die Entwicklung eines echt nationalen Geistes hemmt. Ob diese
       Tendenz angeboren  ist oder  die Folge  des Zustandes politischer
       Unterdrückung, in dem die verschiedenen Generationen nacheinander
       gelebt haben,  läßt sich schwer feststellen. Es ist aber eine un-
       ausweichliche Tatsache,  daß es  in diesem Volk keine Tendenz zur
       Zusammenarbeit ("team  play") gibt und auch, daß unter vielen der
       Führer und  politischen Gruppen  in Südvietnam keine gegenseitige
       Loyalität zu  finden ist. Mit der Zeit werden sicher viele dieser
       (unleserliches Wort)  eine Wendung  zum Besseren nehmen, aber wir
       stehen leider unter Zeitdruck und können unglücklicherweise keine
       kurzfristige Lösung für die Schaffung einer stabilen und gesunden
       Regierung sehen. Die Fähigkeit der Vietkong, ihre Einheiten immer
       wieder neu  aufzubauen und  ihre Verluste wettzumachen, ist eines
       der Rätsel dieses Guerillakrieges. Wir kennen gewiß die Rekrutie-
       rungsmethoden, durch die junge Leute in den Ortschaften veranlaßt
       oder gezwungen  werden, sich  dem Vietkong  anzuschließen und wir
       haben im  allgemeinen einen  Überblick über  die Anzahl  an Mann-
       schaften, die  von außen eingeschleust werden. Doch auch wenn wir
       beide diese  Quellen berücksichtigen, finden wir noch immer keine
       plausible Erklärung  für die anhaltende Stärke der Vietkong, wenn
       unsere Angaben  über deren  Verluste auch  nur annähernd  korrekt
       sind. Nicht  nur besitzen die Vietkong die Selbsterneuerungskraft
       eines Phönix, sondern sie haben auch eine erstaunliche Fähigkeit,
       die Kampfmoral  aufrechtzuerhalten. Nur  in seltenen Fällen haben
       wir Anzeichen  schlechter Moral bei gefangenen Vietkong feststel-
       len können  oder solche  aus beschlagnahmten  Vietkong-Dokumenten
       ersehen können.
       Zweifellos ein  Grund für  die wachsende  Stärke des Vietkong ist
       das wachsende  Maß an  Leitung und  Unterstützung ihrer  Kampagne
       durch die Regierung von Nordvietnam. Diese Leitung und Unterstüt-
       zung manifestieren  sich in einem endlosen Strom von Rundfunk-Be-
       fehlen und  Instruktionen sowie  in der  ständigen Entsendung von
       ausgebildeten Kadern  und militärischer  Ausrüstung nach Südviet-
       nam, wobei  Infiltrationsrouten zu  Lande und  zu Wasser  benutzt
       werden. Wenn  auch insgesamt dieser Beitrag zu der Guerillakampa-
       gne im  Laufe der  Jahre eine ernste Belastung für die Mittel der
       DRV darstellen muß, gibt es doch keine Anzeichen dafür, daß diese
       Regierung  ihre  Unterstützung  der  Vietkong  verringern  würde.
       Tatsächlich deutet alles darauf hin, daß der Beitrag im vergange-
       nen Jahr noch größer war, was an sich eine verständliche Entwick-
       lung ist,  denn es  war zu erwarten, daß DRV sich sehr anstrengen
       würde, um  die offensichtliche innere Schwäche im Süden auszunut-
       zen.
       Wenn wir  in Südvietnam  ein Spiel spielen, das verloren zu gehen
       droht -  und die  Anzeichen deuten  darauf hin  -, ist es höchste
       Zeit, daß wir uns ändern und uns etwas Besseres einfallen lassen.
       Um eine  Veränderung der  Lage herbeizuführen, das ist ganz klar,
       müssen wir  drei Dinge  tun: erstens, eine geeignete Regierung in
       SVN schaffen; zweitens die Kampagne zur Bekämpfung des Aufstandes
       verbessern; und  schließlich, DRV überreden oder zwingen, daß sie
       ihre Hilfeleistung  an die  Vietkong einstellt  und ihren Einfluß
       dazu benutzt,  die Vietkong  von ihren Bemühungen zum Umsturz der
       Regierung von Südvietnam abzuhalten...
       Es gibt verschiedene Möglichkeiten, militärischen Druck auf Nord-
       vietnam auszuüben.  Am Fuße  der Eskalationsleiter  haben wir die
       Einleitung intensivierter versteckter Operationen, Anti-Infiltra-
       tionsangriffe in Laos und Vergeltungsangriffe mit Bomben, wie sie
       oben als  Mittel zur  Hebung der Moral der Südvietnamesen erwähnt
       wurden. Von  diesem Stand der Operationen könnten wir fortschrei-
       tend eskalieren, indem wir geeignete Ziele in Nordvietnam angrei-
       fen. Wenn  wir unsere  Aktion hauptsächlich mit der Notwendigkeit
       begründen, die  Infiltration zu  reduzieren, wäre  es  natürlich,
       solche Angriffe auf Ziele zu richten, die mit dieser Infiltration
       in Verbindung  stehen, wie  z.B. Aufmarschgebiete,  Übungsplätze,
       Meldezentralen usw.  Tempo und Gewicht dieser Angriffe könnten je
       nach der  gewünschten Wirkung  verschieden  sein.  Letzten  Endes
       könnte diese  Art von  Angriff bis  zur Zerstörung  aller  festen
       Ziele in  Nordvietnam und zur Unterbrechung aller Kommunikations-
       mittel gehen.
       ...Wir erreichen  den Punkt, an dem eine Entscheidung darüber ge-
       troffen werden muß, welches Aktionsprogramm wir unternehmen soll-
       ten, um den Wind, der uns jetzt ins Gesicht bläst, umzudrehen. Es
       erscheint vollkommen  klar, daß wir äußerste Anstrengungen unter-
       nehmen müssen,  um etwas  aus der  gegenwärtigen Regierung  Huong
       oder einer  Nachfolgerin zu  machen. Während  wir das tun, müssen
       wir auch  ständig daran  denken, was  wir tun würden, wenn unsere
       Anstrengungen erfolglos bleiben und die Regierung zusammenbrechen
       sollte. Gleichzeitig  sollten wir  bei dem gegenwärtig verfolgten
       Programm auf  dem Lande bleiben und es je nach den jeweiligen Fä-
       higkeiten der  Regierung zu intensivieren suchen. Um die Moral im
       Lande zu  heben und die Vietkong während dieser Periode zurückzu-
       halten, sollten  wir die  34-A-Operationen verstärken,  im laoti-
       schen Korridor Bombenangriffe und bewaffnete Erkundungsflüge aus-
       führen und je nach Bedarf Vergeltungsschläge mit Bomben unterneh-
       men. Es  wird wichtig sein, daß amerikanische Streitkräfte an den
       Operationen in  Laos teilnehmen, um den Südvietnamesen unsere Be-
       reitschaft zu zeigen, das Risiko von Angriffen auf den Norden mit
       ihnen zu teilen.
       Wenn dieses  Aktionsprogramm unzureichend  ist und  die Regierung
       fällt, dann  müssen wir eben wieder von vorne anfangen oder etwas
       Neues versuchen.  Im gegenwärtigen  Zeitpunkt wäre es verfrüht zu
       sagen, was  das genau  für Maßnahmen sein sollten. Auf jeden Fall
       sollten wir  darauf vorbereitet sein, im Notfalle militärisch ge-
       gen den  Norden vorzugehen,  sei es  auch nur, um einen drohenden
       Zusammenbruch der Lage zu verhindern.
       Wenn die  Regierung sich  jedoch andererseits, wie wir es hoffen,
       halten und  durchsetzen kann, dann sollten wir darauf vorbereitet
       sein, ein  methodisches Programm gesteigerter Luftangriffe in die
       Wege zu  leiten, um unsere Ziele ständigen Druckes auf DRV zu er-
       reichen und  gleichzeitig alles in unserer Macht Stehende zu tun,
       damit das  Befriedungsprogramm im Lande besser vorwärtskommt. Wir
       werden die Initiativen zu Verhandlungen Hanoi überlassen. Während
       dieser ganzen  Zeit müssen  wir im Westlichen Pazifik auf der Hut
       sein, bereit,  jeder Reaktion  von Seiten  der DRV oder Rotchinas
       entgegenzutreten. Im Anhang I sind Vorschläge für die Entwicklung
       enthalten, die wir in Gang bringen könnten...
       
       XXIV
       
       Memorandum von Vizeadmiral Lloyd M. Mustin vom Stabe
       ----------------------------------------------------
       der Vereinigten Stabschefs an Unterstaatssekretär Bundy
       -------------------------------------------------------
       als Vorsitzenden der "Arbeitsgruppe Südostasien"
       ------------------------------------------------
       
       Datiert 14. November 1964
       
       Bezugnahmen: a)  Ihr Memorandum  vom 13. November 1964 an die Ar-
       beitsgruppe des NSC 32).
       b) JCSM 33) 902-64 vom 27. Oktober 1964
       c) JCSM 933-64 vom 4. November 1964
       d) JCSM 955-64 vom 14. November 1964
       1) Bezugnahme a)  ersucht um  die Stellungnahme  der  Vereinigten
       Stabschefs, wobei Option "B" als die vorgezogene Alternative hin-
       gestellt wird,  während gegebenenfalls  auf Option  "C" zurückge-
       griffen werden  könnte. Wegen der Art und Weise, wie die formelle
       Stellungnahme der Stabschefs hierzu zustandegekommen und zum Aus-
       druck gebracht  worden ist, erfordert die Frage eine gewisses Maß
       an Interpretation.
       2) Bezugnahme b)  stellt die  jüngste Empfehlung  der Vereinigten
       Stabschefs für ein Aktionsprogramm betreffend Südvietnam dar, wo-
       bei von  einem "kaltblütigen"  Vorgehen ausgegangen wird. In ver-
       schiedenen JCS-Papieren,  von denen  das jüngste  vom 22. Oktober
       1964 datiert  ist, sind die entsprechenden Empfehlungen bezüglich
       Laos niedergelegt  worden. In  Bezugnahme b) heißt es spezifisch,
       daß gewisse  darin aufgeführte Aktionen jetzt beginnen sollen und
       der Rest  durchgeführt werden  soll "wie  es jeweils erforderlich
       ist, um die amerikanischen Ziele in Südostasien zu erreichen".
       3) In  Bezugnahme  d)  sind  die  jüngsten  JCS-Empfehlungen  für
       "heißblütige" Vergeltungsschläge  niedergelegt und  Bezugnahme d)
       enthält eine  Analyse der  voraussichtlichen Reaktion  auf  diese
       Schläge durch DRV und Rotchina, sowie der wahrscheinlichen Ergeb-
       nisse. Die  vorgeschlagenen Aktionen  sind  im  wesentlichen  die
       gleichen wie  in Bezugnahme  c), mit  dem  Unterschied,  daß  die
       "heißblütigen" Aktionen  bei einem erheblich höheren Grad militä-
       rischer Aktivität eingeleitet werden sollen.
       4) Nur in dem Sinne, daß die jeweils in diesen Dokumenten enthal-
       tenen Aktionsprogramme in der kürzest möglichen Zeit, die mit der
       richtigen Durchführung  militärischer  Operation  vereinbar  ist,
       vollendet werden  können, entsprechen  sie der Option "B", so wie
       sie für  die Zwecke  der NSC  Arbeitsgruppe definiert worden ist.
       Der Unterschied  liegt darin, daß die Vereinigten Stabschefs zwar
       die Mittel  zur Durchsetzung  von Option  "B", wie definiert, be-
       reitstellen können,  daß sie  jedoch nicht ausdrücklich empfohlen
       haben,  daß  die  Operationen  auf  einer  unbedingt  so  starren
       (inflexible) Grundlage  durchgeführt werden  sollten. Tatsächlich
       wird bei allen Plänen zur Durchführung ausdrücklich eine kontrol-
       lierte Phase  eingeschaltet, die eine Einstellung der Operationen
       erlauben würde,  wann immer  das von  der Staatsführung gewünscht
       werden sollte.
       5) Ich glaube,  daß mein  Entwurf zu Teil IV eine vernünftige An-
       wendung der  JSC-Empfehlungen auf  die Option "B", so wie sie für
       die Studie definiert ist, darstellt, doch bedeutet das nicht, daß
       die Vereinigten  Staatschefs Option "B", so wie sie in der Studie
       definiert ist, empfohlen haben.
       6) Es gibt  in einem  schon fortgeschrittenen Zustand der Fertig-
       stellung eine  JCS-Empfehlung für  den eventuellen  Rückgriff auf
       ein Aktionsprogramm,  das, bei möglicherweise weiteren Abänderun-
       gen durch  die Vereinigten  Stabschefs, im wesentlichen die glei-
       chen militärischen  Aktionen vorsieht,  wie  sie  in  meinem  Zu-
       satzentwurf zum Teil VII enthalten sind. Es handelt sich dabei um
       die gleichen militärischen Aktionen wie oben, jedoch mit der Maß-
       gabe, daß  damit nicht sofort begonnen zu werden braucht, und mit
       größerem Nachdruck  auf einer  Ausdehnung der  Gesamtzeit für die
       Durchführung der ganzen Liste. Daraus ergeben sich eine Reihe von
       willkürlichen Aufschüben,  die zusätzlichen Zeit. gewinn für mög-
       liche diplomatische Kontakte bieten würden.
       7) Wegen der  damit verbundenen Verzögerungen handelt es sich da-
       bei spezifisch um die Rückgriffsposition der JSC.
       8) Zur gefl.  Kenntnisnahme, die  Analyse von Bezugnahme d) kommt
       zu dem  bestimmten Schluß,  daß die  USA und ihre Verbündeten mit
       jedem Aktionsprogramm  fertigwerden können,  zu dem  sich DRV und
       Rotchina unter  Umständen entschließen könnten. Bemerken Sie, daß
       diese Schlußfolgerung  im Zusammenhang mit dem intensivsten aller
       von den  JCS entwickelten  Aktionsprogramme erreicht  worden ist.
       Darin drückt  sich eine  weniger pessimistische Position aus, als
       früher in einigen Projektentwürfen zum Ausdruck kam.
       9) Schließlich sei  hier ein  allgemeiner Kommentar  des JSC-Mit-
       glieds in der Arbeitsgruppe wiedergegeben: Wir sind uns sehr wohl
       dessen bewußt,  daß jede  durchgreifende militärische Aktion, die
       von den  Vereinigten Staaten  angewendet werden  könnte, in  ver-
       schiedenen Kreisen  ein Riesengeschrei  (Hue  and  cry)  auslösen
       wird. Der  Einfluß, den diese Art von "Druck" auf die USA bei der
       Verteidigung ihrer  nationalen Interessen ausübt, wird nicht grö-
       ßer sein,  als wir  es zulassen.  In verschiedenen  Entwürfen von
       Projekten kommt immer wieder die Ansicht zum Ausdruck, daß dieser
       Einfluß unbedingt  groß sein  müßte. Damit sind wir nicht einver-
       standen. Es  gibt in unserer Zeit zu viele Beispiele von Ländern,
       deren Handlungen  durch das  bestimmt werden,  was sie vermutlich
       als ihr  (ein Wort unleserlich) ureigenes Interesse ansehen, ohne
       Rücksicht auf  die "Weltmeinung", als daß wir uns der Ansicht an-
       schließen könnten, daß die USA ihre Angelegenheiten jedes Mal auf
       der Grundlage  eines Weltwettbewerbs  der Popularität  wahrnehmen
       sollten. Kurz gesagt, wir glauben daß gewisse starke Aktionen un-
       sererseits in  Südostasien erforderlich  sind, daß  wir sie  ohne
       Rücksicht auf  das, was  man in  gewissen anderen Kreisen darüber
       denkt, unternehmen müssen und daß, wenn wir sie nicht unternehmen
       würden, das  Resultat für  die USA  erheblich ernster sein würde,
       als irgendeine Auswirkung der Weltmeinung, wenn wir sie unterneh-
       men. Im  übrigen glauben wir nicht, daß, wenn wir die notwendigen
       Maßnahmen ergreifen,  der entgegengesetzte Druck aus anderen Län-
       dern wirklich  sehr ernst  sein würde - jedenfalls nicht von Län-
       dern, die für uns etwas bedeuten.
       
       XXV
       
       Endgültiger Entwurf einer formellen Stellungnahme der
       -----------------------------------------------------
       "Arbeitsgruppe Südostasien", wie er am 29. November 1964
       --------------------------------------------------------
       den leitenden Beamten überreicht wurde
       --------------------------------------
       
       I.  K o n z e p t
       A. Die amerikanischen  Ziele in Südvietnam (SVN) bleiben unverän-
       dert. Sie gehen darauf hinaus:
       1) Hanoi und Nordvietnam (DRV) dazu zu bringen, daß sie ihre Lei-
       tung und  Unterstützung in  Südvietnam aufgeben  und, soweit  wie
       möglich, die  Mitarbeit der  DRV bei  der Beendigung der Vietkong
       (VC) Operationen in SVN zu erreichen.
       2) Ein unabhängiges  und sicheres  Südvietnam wiederherzustellen,
       mit angemessenen  internationalen Garantien,  darunter die  Frei-
       heit, amerikanische und andere äußere Hilfe nach Bedarf entgegen-
       zunehmen.
       3) Die Sicherheit  anderer nicht-kommunistischer  Länder in  Süd-
       ostasien aufrechtzuerhalten,  insbesondere durch  die  Einhaltung
       der Genfer Abkommen über Laos aus dem Jahre 1962.
       B. wir werden  weiterhin in  jeder möglichen Weise auf die Regie-
       rung von  Südvietnam (GVN) Druck ausüben, damit sie wirksamer re-
       giert und das Befriedungsprogramm vorantreibt.
       C. Wir werden  sofort mit den Regierungen von Südvietnam und Laos
       ein entschlossenes  Aktionsprogramm einleiten,  das gegen DRV-Tä-
       tigkeit in beiden Ländern gerichtet ist, darauf abzielt GVN-Moral
       zu heben und für Hanoi Kosten und Anstrengungen zu erhöhen, dabei
       gleichzeitig aber  zu erkennen  gibt, daß  noch größerer Druck in
       Zukunft bevorsteht.  Die erste Aktionsphase im Rahmen dieses Pro-
       gramms (vgl.  Anlage D), innerhalb der nächsten 30 Tage, wird aus
       intensivierten Aktionen von der Art, wie sie schon im Gange sind,
       bestehen, dazu  (1) bewaffnete  amerikanische Erkundungsflüge  in
       Laos und  (2) GVN  und vielleicht auch amerikanische Luftangriffe
       auf DRV  als Vergeltung  für jede größere oder spektakuläre Viet-
       kong-Aktion im Süden, ob sie gegen amerikanische Anlagen und Per-
       sonal gerichtet sei oder nicht.
       D. Nach Ablauf  der Periode  von 30 Tagen können die Aktionen der
       ersten Phase  entweder unverändert  weitergehen oder  zusätzliche
       militärische Maßnahmen können ergriffen werden, darunter die Eva-
       kuierung von  Angehörigen und die mögliche Einleitung von Angrif-
       fen ein kurzes Stück über die Grenze hinweg gegen die Infiltrati-
       onswege aus der DRV. Im letzteren Falle würde das eine Übergangs-
       phase werden.  (Man muß  darauf vorbereitet sein, den Zustrom von
       Angehörigen nach  SVN in  dem Zeitpunkt  (unleserliches Wort)  zu
       stoppen, in dem wir Luftangriffe von größerem Ausmaß unternehmen.
       E. Danach, wenn GVN seine Wirksamkeit in annehmbarem Grad verbes-
       sert und Hanoi nicht unter annehmbaren Bedingungen nachgibt, oder
       wenn GVN  nur durch  stärkere Aktionen  am Leben  erhalten werden
       kann, sind  die USA  bereit, zu einem Zeitpunkt, der noch festge-
       legt werden  muß, mit  einer zweiten Programmphase zur Unterstüt-
       zung von GVN und RLG zu beginnen, in der steigender militärischer
       Druck sich  systematisch gegen  DRV richtet. Ein solches Programm
       würde hauptsächlich  aus immer  heftiger werdenden  Luftangriffen
       bestehen, deren  Tempo und  Gewicht der Situation angepaßt werden
       müßte, wie  sie sich entwickelt (möglicherweise über eine Periode
       von 2 bis 6 Monaten). Die Angriffsziele in der DRV würden mit den
       Infiltrationszielen südlich  der 19.  Parallele beginnen und dann
       allmählich  auf   Ziele  nördlich  davon  übergehen.  Das  könnte
       schließlich zu Maßnahmen führen wie Luftangriffen auf alle Ziele,
       die von militärischer Bedeutung sind, Verminung der DRV-Häfen aus
       der Luft  und eine  amerikanische Seeblockade  der DRV. Die ganze
       Reihenfolge der  militärischen Aktionen  soll so angelegt werden,
       daß sie den Eindruck eines beständigen, vorbedachten Unterfangens
       vermittelt, gleichzeitig  aber den  USA zu  jeder Zeit die Option
       beläßt (soweit  es die Reaktion des Feindes erlaubt), weiterzuma-
       chen oder nicht, zu eskalieren oder nicht, das Tempo zu beschleu-
       nigen oder  nicht. Dabei würden die USA laufend auf jedes Zeichen
       des Einlenkens  durch Hanoi achten und bereit sein, Verhandlungs-
       lösungen zu  prüfen, durch  die unsere Ziele in annehmbarer Weise
       verwirklicht werden  können. Die  USA würden  danach streben, die
       Verhandlungen unter  ihre Kontrolle  zu bekommen  und würden sich
       allen Versuchen der Südvietnamesen, unabhängig zu verhandeln, wi-
       dersetzen.
       
       (Unleserliche Überschrift)
       --------------------------
       
       A. Eine Erklärung  des Weißen  Hauses wird nach der Begegnung mit
       Botschafter Taylor herausgegeben werden; Text in Anlage B, beige-
       fügt.
       B. Botschafter Taylor  wird sich  sofort nach seiner Rückkehr mit
       GVN beraten  und dabei  die Lage im allgemeinen darlegen (im Ein-
       klang mit  dem Entwurf seiner Instruktionen) gemäß Anlage B, bei-
       gefügt. Er soll dabei weiter auf die Annahme spezifischer Maßnah-
       men gemäß Zusatz zum Anhang B drängen.
       C. Zum frühestmöglichen  Zeitpunkt werden  wir die  Beweise  ver-
       stärkter DRV-Infiltration  öffentlich bekanntgeben.  Diese Aktion
       wird von Mr. Chester Cooper koordiniert werden, damit eine Garan-
       tie dafür  gegeben ist,  daß die Beweise stichhaltig sind und daß
       die höheren  Regierungsbeamten, die zu dem Thema früher ausgesagt
       haben, imstande  sind, die  Unterschiede  zwischen  den  jetzigen
       Schätzungen und den früher gemachten zu erklären und zu verteidi-
       gen. Diese Bekanntgabe wird in vierfacher Form erfolgen:
       1) eine "on-the-record"  34)-Darlegung vor der Presse in Washing-
       ton, gleichzeitig  mit einer "on-the-record"-Darlegung, oder Aus-
       einandersetzung der Hintergründe, vor der Presse in Saigon.
       2) Verfügbare Mitglieder  des Kongresses  sollen besonders unter-
       richtet werden  (es soll  kein besonderes  Treffen der Führung zu
       diesem Zweck einberufen werden).
       3) Die Botschafter  der wichtigsten  verbündeten Nationen  sollen
       besonders unterrichtet werden.
       4) Ein schriftlicher  Bericht, in  dem die Beweisführung vertieft
       und ihre Hintergründe erläutert werden, wird vorbereitet und soll
       in den nächsten zehn Tagen veröffentlicht werden.
       
       D. Laos und Thailand
       --------------------
       
       Die amerikanischen  Botschafter in diesen Ländern sollen die füh-
       renden Stellen  der Regierung (in allgemeinen Wendungen) über das
       Konzept informieren,  das wir zu verfolgen gedenken wie auch über
       die spezifischen  Aktionen, die  ihrer Teilnahme  oder Zustimmung
       bedürfen. Im  Fall Laos werden wir die Genehmigung eines intensi-
       vierten Programms  von (bewaffneten amerikanischen) Erkundungsan-
       griffen sowohl  im Pfannenstiel-Gebiet  von Laos wie auch entlang
       der wichtigsten  Infiltrationswege in  Zentrallaos von RLG einho-
       len. Diese  Aktionen sollen  nicht öffentlich bekanntgegeben wer-
       den, außer  insoweit RLG  damit einverstanden  ist. Es ist jedoch
       aus Gründen  der Moral in SV wichtig, daß ihre Existenz allgemein
       bekannt ist.
       Thailand soll  gebeten werden,  unser Programm  vollauf zu unter-
       stützen, seine  eigenen Anstrengungen  im Norden und Nordosten zu
       intensivieren und  die Operationen  in Laos weiter durch den Ein-
       satz zusätzlicher  Piloten und  womöglich Artillerie-Teams zu un-
       terstützen.
       
       E. Die wichtigsten Verbündeten
       ------------------------------
       
       Wir werden  sofort Großbritannien  (DC),  Australien,  Neuseeland
       (Bundy) und die Philippinen (Humphrey?) konsultieren.
       1) Großbritannien. Der  Präsident wird das Konzept und die vorge-
       schlagenen Aktionen  sofort Premierminister  Wilson voll erklären
       und um  volle britische Unterstützung nachsuchen, ohne jedoch we-
       gen der  britischen Rolle  in Malaysia  einen weiteren britischen
       Beitrag zu verlangen.
       2) Australien und  Neuseeland sollen durch ihre Botschafter nicht
       nur um  weitere Unterstützung,  sondern auch  um zusätzliche Bei-
       träge angehalten werden.
       3) Besonders sollen  die Philippinen gedrängt werden, Beiträge im
       Sinne des Präsident Macapagal schon vorgelegten Programms von un-
       gefähr 1800 Mann zu leisten.
       F. Allgemein werden  wir auf  mehr Hilfe von Drittländern drängen
       und dabei den Ernst der Lage und unsere wachsende Besorgnis beto-
       nen. Ein  Resümee der  bestehenden Hilfe von Drittländern und der
       Art von  Hilfe, die  jetzt zu bekommen ist, findet sich in Anhang
       C, beigefügt.
       
       G. Kommunistische Länder
       ------------------------
       
       1) Wir werden  Hanoi unsere  unveränderte Entschlossenheit  (und)
       unsere Ziele  zu erkennen  geben, auch  daß unsere Besorgnis über
       die Rolle  der DRV wächst, um zu sehen, ob es irgendein Anzeichen
       des Wandels in der Position Hanois gibt.
       2) Wir werden  in dieser  Periode keine  besondere Verbindung zum
       kommunistischen China suchen.
       3) Wir werden  den Sowjets unsere Entschlossenheit und ernste Be-
       sorgnis zu  erkennen geben,  nicht in der Erwartung, daß sie ihre
       Haltung irgendwie  ändern werden,  sondern in Wirklichkeit um sie
       zu warnen,  damit sie sich heraushalten und mit einiger Hoffnung,
       daß sie die Botschaft nach Hanoi und Peking weiterleiten werden.
       
       H. Andere Länder
       ----------------
       
       1) Wir werden  unsere ernste  Besorgnis wichtigen  interessierten
       Regierungen wie  Kanada, Indien und Frankreich zu erkennen geben,
       dabei aber vermeiden, das Konzept voll auseinanderzusetzen.
       2) Im Falle einer Vergeltungsaktion werden wir diese bei den Ver-
       einten Nationen  erklären und verteidigen wie damals zur Zeit des
       Golf-von-Tonkin-Zwischenfalls. Wir  haben nicht  vor,  die  Frage
       sonst in den UN anzuschneiden. (Vielleicht wird die laotische Re-
       gierung die  DRV-Infiltration in Laos in ihrer Rede betonen, dann
       sollten wir sie unterstützen und der Information weitere Verbrei-
       tung verschaffen.)
       
       I. Intensivierte militärische Aktionen
       --------------------------------------
       
       1) Die GVN  Seeoperationen (MAROPS)  sollen  intensiviert  werden
       (dazu gehört  amerikanischer Luftschutz für GVN-Schiffe gegen An-
       griffe von  MIGs oder  DRV-Schiffen), und wir werden in GVN drin-
       gen, daß  sie diese  als eine  vollkommen gerechtfertigte Antwort
       auf die  völlig illegalen  Aktionen der  DRV öffentlich vertreten
       und verteidigen soll.
       2) Die laotischen Luftoperationen werden intensiviert werden, be-
       sonders in  den Korridorgebieten  und nahe  den Grenzen  zur DRV.
       Amerikanischer Luftschutz  und Flak-Abwehr werden (eventuell) ge-
       boten werden, insoweit benötigt.
       3) Amerikanische Höhenflüge  über DRV zu Erkundungszwecken werden
       häufiger stattfinden.
       4) Amerikanische bewaffnete Erkundungsflüge und Luftangriffe sol-
       len in  Laos ausgeführt  werden, zuerst  gegen das Korridorgebiet
       und danach  in kurzer  Zeit gegen die Nationalstraße 7 und andere
       Infiltrationswege, und  zwar in  einer größeren  Operation, durch
       die wichtige Brücken zerstört werden sollen. (Diese Aktionen sol-
       len nur  insoweit öffentlich  bekanntgemacht werden, als dies mit
       Souvanna abgesprochen worden ist). (Zu diesem Zeitpunkt haben wir
       vor, den Zustrom von Angehörigen nach VN zu stoppen.)
       
       J. Vergeltungsaktionen
       ----------------------
       
       Für jede  Provokation des  VC, ähnlich den nachstehend aufgeführ-
       ten, wird ein Vergeltungsschlag durchgeführt werden am besten in-
       nerhalb von 24 Stunden, gegen eins oder mehrere ausgewählte Ziele
       in DRV.  Dabei sollen in größtmöglichem Maße Streitkräfte der GVN
       eingesetzt werden,  ergänzt durch  amerikanische Streitkräfte so-
       weit erforderlich.  Welche Vergeltung im einzelnen erfolgen soll,
       wird zu  gegebener Zeit  bestimmt werden,  im Einklang  mit einem
       Verfahren schneller  Reaktion, das  noch auszuarbeiten  ist.  Die
       folgenden sind  wohl geeignete  Gelegenheiten  für  Repressalien,
       doch sollten  wir auch auf andere geeignete Gelegenheiten aufpas-
       sen:
       1) Angriffe auf Flugplätze
       2) Angriffe auf Saigon
       3) Angriffe auf Provinz- oder Bezirkshauptstädte
       4) Größere Angriffe auf amerikanische Bürger
       5) Angriffe auf größere Öldepots (auszuarbeiten)
       6) Angriffe auf  Brücken und  Eisenbahnlinien, nachdem  die jetzt
       beschädigten Anlagen wiederhergestellt sind und eine Warnung aus-
       gesprochen worden ist.
       7) Andere "spektakuläre" Handlungen wie z.B. ein früherer Angriff
       auf ein an einer Pier in Saigon liegendes Transportschiff.
       In diesen  wie in  ähnlichen Fällen soll die Vergeltungsaktion so
       direkt wie möglich mit der Infiltration aus DRV in Verbindung ge-
       bracht werden, so daß wir eine doppelte Begründung haben.
       Eine dehnbare Liste von Vergeltungszielen ist aufgestellt worden,
       die von  Infiltrationszielen im  südlichen Teil  der DRV  bis  zu
       Flugplätzen, Häfen  und Marinestützpunkten  reicht, die sich auch
       südlich des 19. Breitengrades befinden.
       K. Gemeinsame amerikanisch-südvietnamesische  Planung wird in die
       Wege geleitet werden, sowohl für Vergeltungsaktionen wie auch für
       mögliche spätere Luftangriffe jenseits der Grenze zur DRV.
       L. Bedeutsame Erklärung  oder Rede.  Je nach der Reaktion der öf-
       fentlichen Meinung  in USA wird es vielleicht während dieser Zeit
       eine bedeutsame  Erklärung oder  Rede des  Präsidenten geben. Das
       wird notwendigerweise  der Fall sein, wenn eine Vergeltungsaktion
       unternommen wird,  doch könnte  auch eine andere wichtige Aktion,
       wie zum  Beispiel das  Abstoppen des weiteren Zustroms amerikani-
       scher Angehöriger,  als Gelegenheit  dienen. In einer solchen Er-
       klärung oder  Rede würden unsere Ziele und unser Entschluß wieder
       zum Ausdruck  gebracht werden,  warum wir  in Südvietnam sind und
       für wie  ernst wir  die Lage  halten. Sie  sollte auf  jeden Fall
       bald, nachdem  die Beweise  für die Infiltration vorgelegt worden
       sind, stattfinden.
       M.  A n g e h ö r i g e.   Der Zustrom  von Angehörigen nach Süd-
       vietnam wird  gestoppt werden  (zu einem  frühen Zeitpunkt, wahr-
       scheinlich gleich nachdem sich Botschafter Taylor mit GVN beraten
       hat) (zu  Beginn der  zweiten Phase) und es wird darüber eine öf-
       fentliche Ankündigung erfolgen.
       
       N. Aufgeschobene Aktionen (s. Anhang D)
       ---------------------------------------
       
       Die folgenden Aktionen sollen nicht in der 30-Tage-Periode unter-
       nommen werden,  sondern werden zur Annahme in der Übergangs- oder
       zweiten Phase des Programms in Erwägung gezogen:
       1) Einsatz größerer Luftstreitkräfte in diesem Gebiet
       2) Amerikanischer Luftschutz für GVN-MAROPS
       (2) 3) (Soll wiederaufgenommen werden) Wiederaufnahme der Zerstö-
       rer-Patrouillen im  Golf von Tonkin. Im Falle eines Angriffs wür-
       den diese  eine alternative Grundlage für Repressalien darstellen
       und sie sollten in erster Linie in diesem Licht gesehen werden.
       (5) 4) (Zur Evakuierung  bereit sein). Evakuierung der amerikani-
       schen Angehörigen.
       (3) 5) Amerikanische Erkundungsflüge aus niedriger Höhe über DRV.
       (4) 6) GVN-(Lao)-US-Luftangriffe jenseits der Grenze (s), anfäng-
       lich gegen  Infiltrationswege und  Anlagen und  dann gegen andere
       Ziele südlich des 19. Breitengrads.
       
       Anmerkung
       ---------
       
       Die Vereinigten  Stabschefs empfehlen den sofortigen Beginn stark
       erhöhten militärischen Drucks auf DRV, beginnend mit einem hefti-
       gen und frühen Angriff großer Streitkräfte auf DRV; dieser sollte
       auf kurze  Operationen in  Laos und amerikanische Erkundungsflüge
       aus geringer  Höhe nördlich der Grenze folgen, um auf diese Weise
       die Aufmerksamkeit  der DRV  vor dem schweren Angriff abzulenken.
       Dieses Programm  zielt darauf  ab, in  den ersten  drei Tagen den
       Flugplatz von  Phuc Yen bei Hanoi zu zerstören, dazu andere Flug-
       plätze und  wichtige Öldepots,  und klar  darauf hinzuweisen, daß
       die USA  militärische Gewalt bis zur äußersten Grenze dessen, was
       durch solche  Gewalt erreicht  werden kann, einzusetzen gedenken,
       um ihre  Ziele in  Südostasien zu erreichen und GVN durch vermin-
       derte Hilfeleistung  und Leitung  für den Vietkong von Seiten der
       DRV eine Erleichterung zu verschaffen.
       Das nachfolgende  militärische Programm - darunter bewaffnete Er-
       kundungsflüge der Infiltrationswege in Laos, Luftangriffe auf In-
       filtrationsziele in  der DRV  und schließlich  immer weiter  rei-
       chende Angriffe in ganz Nordvietnam - könnte vor der vollkommenen
       Zerstörung der  DRV eingestellt  werden, wenn unsere Ziele vorher
       erreicht werden.  Das militärische Programm sollte ziemlich rasch
       durchgeführt werden,  doch könnte  das Tempo jeweils den Gegeben-
       heiten, die zur Erreichung unserer Ziele notwendig sind, angepaßt
       werden.
       
       _____
       *) Vgl. "Blätter" 7/71, S. 745-768.
       20) RLG =  Royal Laotian  Government = Königlich-Laotische Regie-
       rung.
       21) Recce (auch  "Recon" anderweitig  im Text) = Reconnaissance =
       Erkundung.
       22) MACV =  Military Assistance  Command, Vietnam (amerikanisches
       Oberkommando in Saigon).
       23) RLAP =  Royal Laotion  Air Force  (Königlich-Laotische  Luft-
       waffe).
       24) CINCPAC =  Commander in  Chief, Pacific (amerikanischer Ober-
       kommandierender im Pazifik).
       25) FAR dürfte eine Abkürzung von FARMGATE (vgl. Fußnote 9) sein;
       die Meos  sind ein  Bergstamm im laotisch-thailändischen Grenzge-
       biet, aus dem der CIA häufig Söldner rekrutiert.
       26) SAR = Search and Rescue (Such- und Rettungsaktion).
       27) Internationale Kontrollkommission für Laos.
       28) Air America  = als  zivil getarnte amerikanische Luftfahrtge-
       sellschaft, die  jedoch in  Wirklichkeit den  Zwecken des Geheim-
       dienstes CIA dient.
       29) VNAF = Vietnamese Air Force = südvietnamesische Luftwaffe.
       30) Flugplatz bei Saigon, am 31.10.1964 von der FLN angegriffen.
       31) Abkürzung von "United States Information Agency".
       32) NSC = National Security Council = Nationaler Sicherheitsrat.
       33) JCSM = Joint Chiefs of Staff memorandum = Memorandum der Ver-
       einigten Stabschefs.
       34) Bei einer  "on-the-record"-Pressekonferenz darf  das  Gesagte
       wörtlich zitiert und der Sprecher mit Namen und Rang genannt wer-
       den, bei einer "off-the-record"-Pressekonferenz dagegen nicht.
       

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