Quelle: Blätter 1971 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ABKOMMEN ZWISCHEN UDSSR UND USA ZUR VERRINGERUNG
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       DER GEFAHR EINES ATOMKRIEGES VOM 30. SEPTEMBER 1971
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       (Wortlaut)
       
       Am 30. September 1971 unterzeichneten die Außenminister der UdSSR
       und der USA, Andrej A. Gromyko und William P. Rogers, in Washing-
       ton ein  Abkommen, durch das die Gefahr eines Atomkrieges verrin-
       gert werden  soll. Wir  veröffentlichen nachstehend  den Wortlaut
       des Abkommens. D. Red.
       
       Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialisti-
       schen Sowjetrepubliken,  im nachfolgenden Text als Vertragschlie-
       ßende bezeichnet, sind
       - unter Berücksichtigung  der verheerenden  Konsequenzen, die ein
       Nuklearkrieg für die gesamte Menschheit haben würde, und in Aner-
       kennung der  Notwendigkeit, daß jede Anstrengung unternommen wer-
       den muß,  um das  Risiko des  Ausbruchs eines  solchen Krieges zu
       vermeiden, wozu auch Maßnahmen zum Schutz gegen einen ungewollten
       oder unautorisierten Einsatz von Nuklearwaffen gehören,
       - und in  der Überzeugung,  daß ein  Abkommen über  Maßnahmen zur
       Verminderung des  Risikos des  Ausbruchs eines  Nuklearkrieges im
       Interesse der  Stärkung des  Weltfriedens und der internationalen
       Sicherheit liegt und in keiner Weise den Interessen eines anderen
       Landes entgegensteht,
       - sowie eingedenk  der Tatsache, daß auch in Zukunft fortgesetzte
       Anstrengungen notwendig  sind, um nach Mitteln und Wegen zur Ver-
       ringerung des  Risikos des  Ausbruchs eines Nuklearkrieges zu su-
       chen, wie folgt übereingekommen:
       ARTIKEL I: Jeder der Vertragschließenden verpflichtet sich, seine
       vorhandenen technischen  und organisatorischen  Vorkehrungen  zum
       Schutze gegen  einen ungewollten oder unautorisierten Einsatz von
       Nuklearwaffen unter  seiner Kontrolle  in notwendigem  Maße  auf-
       rechtzuerhalten und zu verbessern.
       ARTIKEL II: Die Vertragschließenden  verpflichten sich,  im Falle
       eines ungewollten,  unautorisierten oder  in einer  anderen Weise
       unerklärlichen Vorfalls,  bei dem  es sich  möglicherweise um die
       Explosion einer  Nuklearwaffe handelt,  durch die  das Risiko des
       Ausbruchs eines  Nuklearkrieges entstehen  könnte, sich unverzüg-
       lich gegenseitig davon in Kenntnis zu setzen. Im Falle eines sol-
       chen Vorfalles  wird der  Vertragschließende, um  dessen Nuklear-
       waffe es  sich handelt, unverzüglich alle Anstrengungen unterneh-
       men, um  die notwendigen  Maßnahmen zu  ergreifen, um eine solche
       Waffe unschädlich  zu machen oder sie zu zerstören, ehe sie Scha-
       den anrichtet.
       ARTIKEL III: Die Vertragschließenden  verpflichten sich, im Falle
       der Entdeckung  unbekannter Objekte durch Raketenwarnsysteme oder
       im Falle von Anzeichen einer äußeren Beeinflussung dieser Systeme
       oder der  mit ihnen zusammenhängenden Fernmeldeeinrichtungen ein-
       ander unverzüglich  in Kenntnis zu setzen, wenn durch solche Vor-
       kommnisse das  Risiko des Ausbruchs eines Nuklearkrieges zwischen
       den beiden Ländern entstehen könnte.
       ARTIKEL IV: Jeder der  Vertragschließenden verpflichtet sich, den
       anderen im  voraus über  alle geplanten Raketenstarts in Kenntnis
       zu setzen, wenn solche Starts sich über das nationale Territorium
       in Richtung auf den anderen Vertragschließenden erstrecken.
       ARTIKEL V: Jeder  der   beiden  Vertragschließenden  verpflichtet
       sich, in  anderen Situationen,  die ungeklärte  nukleare Vorfälle
       betreffen, so zu handeln, daß die Möglichkeit einer Fehlinterpre-
       tation seiner  Handlungen durch  den anderen  Vertragschließenden
       verringert wird.  In einer jeden solchen Situation kann jeder der
       Vertragschließenden den  anderen informieren  oder um Information
       ersuchen, wenn  dies nach seiner Ansicht durch die Interessen der
       Abwendung des Risikos des Ausbruchs eines Nuklearkrieges gerecht-
       fertigt ist.
       ARTIKEL VI: Für die  Übermittlung dringlicher  Informationen, Be-
       nachrichtigungen und Informationsgesuche in Situationen, die eine
       sofortige Klärung  erfordern, werden  die Vertragschließenden  in
       erster Linie  die direkte Fernmeldeverbindung zwischen den Regie-
       rungen der  Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der So-
       zialistischen Sowjetrepubliken benutzen. Für die Übermittlung an-
       derer Informationen,  Benachrichtigungen und  Informationsgesuche
       können die  Vertragschließenden nach  eigenem Ermessen  gemäß dem
       Grad der  Dringlichkeit jeden  Kommunikationsweg, auch diplomati-
       sche Kanäle. benutzen.
       ARTIKEL VII: Die Vertragschließenden  verpflichten sich, wie bei-
       derseits vereinbart,  Konsultationen zu  pflegen, um  die Fragen,
       die mit  der Durchführung  der Bestimmungen  dieses Abkommens  in
       Verbindung stehen,  zu erörtern und auch über mögliche Zusätze zu
       diesem Abkommen  zu sprechen, die auf eine weitergehende Verwirk-
       lichung der Zielsetzungen dieses Abkommens gerichtet sind.
       ARTIKEL VIII: Dieses Abkommen ist von unbegrenzter Geltungsdauer.
       ARTIKEL IX: Dieses Abkommen  tritt  nach  der  Unterzeichnung  in
       Kraft.
       Unterzeichnet in  Washington am  30. September 1971 in zweifacher
       Ausfertigung jeweils  in englischer und russischer Sprache, wobei
       beide Texte gleichermaßen authentisch sind.
       

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