Quelle: Blätter 1972 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       RESOLUTION DER MITGLIEDERVERSAMMLUNG DES "BUNDES DEMOKRATISCHER
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       WISSENSCHAFTLER" AM 2. JULI 1972 IN MARBURG ZU VERSUCHEN DER
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       DISKRIMINIERUNG KRITISCHER INTELLEKTUELLER
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       (Wortlaut)
       
       Im Zusammenhang  mit den  Disziplinierungsversuchen der Minister-
       präsidenten, dem  ständigen Druck seitens rechtsgerichteter Grup-
       pen auf  demokratische Intellektuelle  und demokratische Institu-
       tionen, neuerdings  auch den Angriffen der Bundesanwaltschaft auf
       einzelne Rechtsanwälte,  wodurch das  Recht auf  Verteidigung von
       Angeklagten eingeschränkt wird, ist die aktive Abwehr aller Fälle
       von Diskriminierung  und Disziplinierung  eine  Hauptaufgabe  des
       "Bundes Demokratischer Wissenschaftler" in Zusammenarbeit mit an-
       deren demokratischen Kräften.
       Die Fahndung  nach der  "Baader-Meinhof-Gruppe" ist  willkommener
       Anlaß, in  der Öffentlichkeit eine Atmosphäre der Diskriminierung
       und Verunglimpfung  von kritischen  Intellektuellen insgesamt  zu
       erzeugen. Einzelne  Wissenschaftler werden exemplarisch herausge-
       griffen, um mit der beabsichtigten Zerstörung ihres wissenschaft-
       lichen Rufes, ihrer bürgerlichen Reputation und ihrer materiellen
       Existenz einschüchternd auf alle anderen zu wirken.
       In dieser  Kampagne haben  sich nicht nur die Springer-Presse und
       das ZDF  hervorgetan, sondern gerade auch Bundes- und Landesmini-
       ster, die  damit fundamentale  Garantien der  Verfassung in Frage
       stellen. Der "Bund Demokratischer Wissenschaftler" wird den Druck
       von rechts  auf einzelne Personen, Institutionen und die demokra-
       tischen Wissenschaftler insgesamt abzuwehren wissen.
       Er wird  zu diesem  Zweck in  der Öffentlichkeit Einfluß im Sinne
       demokratischer Veränderungen im Bereich der Wissenschaft ausüben.
       Darüber hinaus  wird es im Rahmen seiner Möglichkeiten eine wich-
       tige Aufgabe  sein, die  angegriffenen Personen konkret zu unter-
       stützen. Deshalb  drückt die  Mitgliederversammlung vom  2.7.1972
       ihre Solidarität  mit allen  diffamierten und unterdrückten demo-
       kratischen Wissenschaftlern im öffentlichen Dienst aus.
       

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