Quelle: Blätter 1973 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       APPELL ZUR EINBERUFUNG EINES WELTKONGRESSES DER FRIEDENSKRÄFTE
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       (Wortlaut)
       
       Ein internationales  Konsultativtreffen  zur  Vorbereitung  eines
       Weltkongresses der  Friedenskräfte hat  vom 16. bis 18. März 1973
       in Moskau stattgefunden. Auf Einladung des Weltfriedensrates nah-
       men daran  Vertreter von 40 internationalen Organisationen und 81
       nationalen Organisationen aus 60 Ländern teil.
       Die Teilnehmer  am Treffen wenden sich mit dem eindringlichen Ap-
       pell an  alle diejenigen, die dazu bereit sind, ihren Beitrag zur
       Vorbereitung und  Durchführung des  Kongresses zu leisten, der im
       Oktober 1973 in Moskau stattfindet.
       Der Weltkongreß  der Friedenskräfte wird Ausdruck der machtvollen
       Bewegung sein,  die die  Völker heute mobilisiert und vereint, er
       wird zugleich den Ausgangspunkt eines neuen, noch entschiedeneren
       Aufschwungs dieser  Bewegung bilden,  angesichts der  ernsten Ge-
       fahr, die den Weltfrieden noch immer bedroht.
       Die Friedenskräfte  haben bereits reale Erfolge erzielt. Der Sieg
       des heldenhaften vietnamesischen Volkes über die imperialistische
       Aggression wurde  auch mit  Unterstützung aller  Völker herbeige-
       führt, die  im Kampf  für Gerechtigkeit  und Frieden unermüdliche
       Anstrengungen unternahmen.  In Europa  konnten in  bezug auf  die
       Minderung der  Spannung große  Erfolge erzielt werden. Es entwic-
       kelt sich  der Kampf  für nationale Befreiung und wirtschaftliche
       Unabhängigkeit. Einige  gefährliche Kriegsherde  wurden gelöscht.
       Eine Reihe  von Staaten  mit unterschiedlichen  sozialen Systemen
       ist zur friedlichen Koexistenz übergegangen. In bestimmten Teilen
       der Welt hat sich konkret die Frage der Organisierung von Sicher-
       heitssystemen ergeben, wurde mit der Ausarbeitung der Abrüstungs-
       probleme begonnen.
       Reichen alle diese positiven Erscheinungen jedoch aus, einen dau-
       erhaften Frieden zu sichern?
       Nein, es  besteht nach  wie vor  die Gefahr eines thermonuklearen
       Konfliktes, es  gibt noch  Kriegsherde, vor allem im Nahen Osten,
       wo die  israelische Okkupation  arabischer Territorien in Verlet-
       zung der UNO-Resolutionen fortdauert, die Friedensregelung in In-
       dochina auf  der Grundlage  der Pariser  Abkommen ist  noch nicht
       vollzogen; das  Wettrüsten dauert an; nach wie vor sind die Über-
       reste des Kolonialismus, der Rassendiskriminierung und des Neoko-
       lonialismus traurige Wirklichkeit.
       Wir sind überzeugt: Trotz aller Unterschiede in der ideologischen
       Einstellung und  in den Ansichten wird ein offener Dialog in die-
       sen Fragen  der Sache des Friedens und der Minderung der Spannung
       großen Nutzen  bringen, wird er das Vertrauen und die Zusammenar-
       beit zwischen den Völkern verstärken.
       Jeder wird  seine Probleme darlegen, wird, geleitet vom gemeinsa-
       men Ziel  des Friedens  und der  internationalen  Zusammenarbeit,
       seine Vorschläge unterbreiten können. In der Diskussion geäußerte
       konstruktive Gedanken  werden für  die Tätigkeit der Organisation
       der Vereinten  Nationen, der  Organisation der Afrikanischen Ein-
       heit, der  UNESCO und  der anderen Regierungsorganisationen welt-
       weiten und  regionalen Charakters,  deren Vertreter zur Teilnahme
       am Kongreß eingeladen werden, zweifellos nützlich sein. Diese Ge-
       danken können die Regierungskreise bei der Ausarbeitung annehmba-
       rer Lösungen  kompliziertester internationaler  Probleme  positiv
       beeinflussen.
       Der Weltkongreß  wird unter Wahrung der vollen Gleichberechtigung
       aller die  erstrangigen Ziele unseres gemeinsamen Kampfes festle-
       gen und  Wege zur  aktiveren Beteiligung  der Öffentlichkeit vor-
       zeichnen.
       Wir verleihen der Hoffnung Ausdruck, daß die anderen Organisatio-
       nen, Bewegungen, Parteien und Politiker unserem Appell Folge lei-
       sten werden.
       Der Friede ist ein Anliegen aller und eines jeden.
       

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