Quelle: Blätter 1973 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE CHARTA DER VEREINTEN NATIONEN
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       (Wortlaut)
       
       Unterzeichnet in San Francisco am 26. Juni 1945
       
       Wir, die Völker der Vereinten Nationen - fest entschlossen,
       künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die
       zweimal zu  unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit
       gebracht hat,
       unseren Glauben  an die  Grundrechte des  Menschen, an  Würde und
       Wert der  menschlichen Persönlichkeit,  an die Gleichberechtigung
       von Mann  und Frau  sowie von allen Nationen, ob groß oder klein,
       erneut zu bekräftigen,
       Bedingungen zu  schaffen, unter  denen Gerechtigkeit und die Ach-
       tung vor  den Verpflichtungen  aus Verträgen  und anderen Quellen
       des Völkerrechts gewahrt werden können,
       den sozialen  Fortschritt und  einen besseren  Lebensstandard  in
       größerer Freiheit zu fördern,
       und für diese Zwecke
       Duldsamkeit zu  üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander
       zu leben,
       unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internatio-
       nale Sicherheit zu wahren,
       Grundsätze anzunehmen  und Verfahren  einzuführen, die gewährlei-
       sten, daß Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewen-
       det wird, und
       internationale Einrichtungen  in Anspruch zu nehmen, um den wirt-
       schaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern -
       haben beschlossen,  in unserem  Bemühen um  die Erreichung dieser
       Ziele zusammenzuwirken.
       Dementsprechend haben  unsere Regierungen durch ihre in der Stadt
       San Francisco versammelten Vertreter, deren Vollmachten vorgelegt
       und in guter und gehöriger Form befunden wurden, diese Charta der
       Vereinten Nationen angenommen und errichten hiermit eine interna-
       tionale Organisation,  die den  Namen "Vereinte  Nationen" führen
       soll.
       
       Kapitel I
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       Ziele und Grundsätze
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       ARTIKEL 1
       Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele:
       1) den Weltfrieden  und die  internationale Sicherheit  zu wahren
       und zu  diesem Zweck  wirksame Kollektivmaßnahmen  zu treffen, um
       Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffs-
       handlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und interna-
       tionale Streitigkeiten  oder Situationen,  die zu einem Friedens-
       bruch führen  könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsät-
       zen der  Gerechtigkeit und  des Völkerrechts  zu bereinigen  oder
       beizulegen;
       2) freundschaftliche, auf  der  Achtung  vor  dem  Grundsatz  der
       Gleichberechtigung und  Selbstbestimmung der Völker beruhende Be-
       ziehungen zwischen  den Nationen  zu entwickeln  und  andere  ge-
       eignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen;
       3) eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um interna-
       tionale Probleme  wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und hu-
       manitärer Art  zu lösen  und die  Achtung vor den Menschenrechten
       und Grundfreiheiten  für alle ohne Unterschied der Rasse, des Ge-
       schlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festi-
       gen;
       4) ein Mittelpunkt  zu sein,  in dem  die Bemühungen der Nationen
       zur Verwirklichung  dieser gemeinsamen  Ziele  aufeinander  abge-
       stimmt werden.
       
       ARTIKEL 2
       Die Organisation  und ihre  Mitglieder handeln  im Verfolg der in
       Artikel I dargelegten Ziele nach folgenden Grundsätzen:
       1) Die Organisation  beruht  auf  dem  Grundsatz  der  souveränen
       Gleichheit aller ihrer Mitglieder.
       2) Alle Mitglieder  erfüllen, um  ihnen allen  die aus  der  Mit-
       gliedschaft erwachsenden  Rechte und  Vorteile zu  sichern,  nach
       Treu und  Glauben die  Verpflichtungen, die sie mit dieser Charta
       übernehmen.
       3) Alle  Mitglieder  legen  ihre  internationalen  Streitigkeiten
       durch friedliche  Mittel so bei, daß der Weltfriede, die interna-
       tionale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden.
       4) Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehun-
       gen jede  gegen die  territoriale Unversehrtheit oder die politi-
       sche Unabhängigkeit  eines Staates  gerichtete oder sonst mit den
       Zielen der  Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwen-
       dung von Gewalt.
       5) Alle Mitglieder  leisten den Vereinten Nationen jeglichen Bei-
       stand bei jeder Maßnahme, welche die Organisation im Einklang mit
       dieser Charta  ergreift; sie  leisten einem  Staat, gegen den die
       Organisation Vorbeugungs-  oder Zwangsmaßnahmen  ergreift, keinen
       Beistand.
       6) Die Organisation  trägt dafür  Sorge, daß  Staaten, die  nicht
       Mitglieder der  Vereinten Nationen  sind,  insoweit  nach  diesen
       Grundsätzen handeln,  als dies  zur Wahrung  des Weltfriedens und
       der internationalen Sicherheit erforderlich ist.
       7) Aus dieser  Charta kann  eine Befugnis  der Vereinten Nationen
       zum Eingreifen in Angelegenheiten, die ihrem Wesen nach zur inne-
       ren Zuständigkeit  eines Staates gehören, oder eine Verpflichtung
       der Mitglieder,  solche Angelegenheiten  einer Regelung auf Grund
       dieser Charta zu unterwerfen, nicht abgeleitet werden; die Anwen-
       dung von  Zwangsmaßnahmen nach  Kapitel  VII  wird  durch  diesen
       Grundsatz nicht berührt.
       
       Kapitel II
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       Mitgliedschaft
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       ARTIKEL 3
       Ursprüngliche Mitglieder der Vereinten Nationen sind die Staaten,
       welche an der Konferenz der Vereinten Nationen über eine Interna-
       tionale Organisation  in San  Francisco teilgenommen oder bereits
       vorher die  Erklärung der  Vereinten Nationen  vom 1. Januar 1942
       unterzeichnet haben  und nunmehr  diese Charta  unterzeichnen und
       nach Artikel 110 ratifizieren.
       
       ARTIKEL 4
       1) Mitglied der  Vereinten Nationen  können alle sonstigen fried-
       liebenden Staaten  werden, welche  die Verpflichtungen aus dieser
       Charta übernehmen  und nach dem Urteil der Organisation fähig und
       willens sind, diese Verpflichtungen zu erfüllen.
       2) Die Aufnahme  eines solchen Staates als Mitglied der Vereinten
       Nationen erfolgt  auf Empfehlung  des Sicherheitsrats  durch  Be-
       schluß der Generalversammlung.
       
       ARTIKEL 5
       Einem Mitglied der Vereinten Nationen, gegen das der Sicherheits-
       rat Vorbeugungs- oder Zwangsmaßnahmen getroffen hat, kann die Ge-
       neralversammlung auf  Empfehlung des Sicherheitsrats die Ausübung
       der Rechte  und Vorrechte  aus seiner  Mitgliedschaft  zeitweilig
       entziehen. Der Sicherheitsrat kann die Ausübung dieser Rechte und
       Vorrechte wieder zulassen.
       
       ARTIKEL 6
       Ein Mitglied  der Vereinten  Nationen, das  die Grundsätze dieser
       Charta beharrlich  verletzt, kann auf Empfehlung des Sicherheits-
       rats durch  die Generalversammlung  aus der  Organisation  ausge-
       schlossen werden.
       
       Kapitel III
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       Organe
       ------
       
       ARTIKEL 7
       1) Als Hauptorgane der Vereinten Nationen werden eine Generalver-
       sammlung, ein Sicherheitsrat, ein Wirtschafts- und Sozialrat, ein
       Treuhandrat, ein  Internationaler Gerichtshof und ein Sekretariat
       eingesetzt.
       2) Je nach Bedarf können in Übereinstimmung mit dieser Charta Ne-
       benorgane eingesetzt werden.
       
       ARTIKEL 8
       Die Vereinten  Nationen schränken  hinsichtlich der  Anwartschaft
       auf alle  Stellen in  ihren Haupt- und Nebenorganen die Gleichbe-
       rechtigung von Männern und Frauen nicht ein.
       
       Kapitel IV
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       Die Generalversammlung
       ----------------------
       Zusammensetzung
       ---------------
       
       ARTIKEL 9
       1) Die Generalversammlung  besteht aus allen Mitgliedern der Ver-
       einten Nationen.
       2) Jedes Mitglied hat höchstens fünf Vertreter in der Generalver-
       sammlung.
       
       Aufgaben und Befugnisse
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       ARTIKEL 10
       Die Generalversammlung kann alle Fragen und Angelegenheiten erör-
       tern, die  in den Rahmen dieser Charta fallen oder Befugnisse und
       Aufgaben eines  in dieser  Charta vorgesehenen  Organs betreffen;
       vorbehaltlich des Artikels 12 kann sie zu diesen Fragen und Ange-
       legenheiten Empfehlungen an die Mitglieder der Vereinten Nationen
       oder den Sicherheitsrat oder an beide richten.
       
       ARTIKEL 11
       1) Die Generalversammlung kann sich mit den allgemeinen Grundsät-
       zen der  Zusammenarbeit zur  Wahrung des Weltfriedens und der in-
       ternationalen Sicherheit  einschließlich der  Grundsätze für  die
       Abrüstung und  Rüstungsregelung befassen  und in  bezug auf diese
       Grundsätze Empfehlungen an die Mitglieder oder den Sicherheitsrat
       oder an beide richten.
       2) Die Generalversammlung  kann alle die Wahrung des Weltfriedens
       und der  internationalen Sicherheit betreffenden Fragen erörtern,
       die ihr ein Mitglied der Vereinten Nationen oder der Sicherheits-
       rat oder nach Artikel 35 Absatz 2 ein Nichtmitgliedstaat der Ver-
       einten Nationen  vorlegt; vorbehaltlich  des Artikels 12 kann sie
       zu diesen  Fragen Empfehlungen an den oder die betreffenden Staa-
       ten oder  den Sicherheitsrat  oder an  beide richten.  Macht eine
       derartige Frage Maßnahmen erforderlich, so wird sie von der Gene-
       ralversammlung vor oder nach der Erörterung an den Sicherheitsrat
       überwiesen,
       3) Die Generalversammlung  kann die  Aufmerksamkeit  des  Sicher-
       heitsrats auf  Situationen lenken,  die geeignet  sind, den Welt-
       frieden und die internationale Sicherheit zu gefährden.
       4) Die in  diesem Artikel aufgeführten Befugnisse der Generalver-
       sammlung schränken die allgemeine Tragweite des Artikels 10 nicht
       ein.
       
       ARTIKEL 12
       1) Solange der  Sicherheitsrat in  einer Streitigkeit  oder einer
       Situation die  ihm in  dieser Charta  zugewiesenen Aufgaben wahr-
       nimmt, darf  die Generalversammlung  zu dieser  Streitigkeit oder
       Situation keine  Empfehlung abgeben, es sei denn auf Ersuchen des
       Sicherheitsrats.
       2) Der Generalsekretär  unterrichtet mit  Zustimmung des  Sicher-
       heitsrats die  Generalversammlung bei  jeder Tagung über alle die
       Wahrung des  Weltfriedens und  der internationalen Sicherheit be-
       treffenden Angelegenheiten,  die  der  Sicherheitsrat  behandelt;
       desgleichen unterrichtet  er unverzüglich  die Generalversammlung
       oder, wenn  diese nicht tagt, die Mitglieder der Vereinten Natio-
       nen, sobald der Sicherheitsrat die Behandlung einer solchen Ange-
       legenheit einstellt.
       
       ARTIKEL 13
       1) Die Generalversammlung  veranlaßt Untersuchungen und gibt Emp-
       fehlungen ab,
       a) um die internationale Zusammenarbeit auf politischem Gebiet zu
       fördern und  die fortschreitende Entwicklung des Völkerrechts so-
       wie seine Kodifizierung zu begünstigen;
       b) um die  internationale Zusammenarbeit  auf  den  Gebieten  der
       Wirtschaft, des  Sozialwesens, der  Kultur, der Erziehung und der
       Gesundheit zu  fördern und  zur Verwirklichung der Menschenrechte
       und Grundfreiheiten  für alle ohne Unterschied der Rasse, des Ge-
       schlechts, der Sprache oder der Religion beizutragen.
       2) Die weiteren Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Befugnisse der
       Generalversammlung in  bezug auf  die in Absatz 1 Buchstabe b ge-
       nannten Angelegenheiten sind in den Kapiteln IX und X dargelegt.
       
       ARTIKEL 14
       Vorbehaltlich des Artikels 12 kann die Generalversammlung Maßnah-
       men  zur   friedlichen  Bereinigung  jeder  Situation  empfehlen,
       gleichviel, wie sie entstanden ist, wenn diese Situation nach ih-
       rer Auffassung geeignet ist, das allgemeine Wohl oder die freund-
       schaftlichen Beziehungen  zwischen Nationen  zu  beeinträchtigen;
       dies gilt  auch für Situationen, die aus einer Verletzung der Be-
       stimmungen dieser  Charta über  die Ziele und Grundsätze der Ver-
       einten Nationen entstehen.
       
       ARTIKEL 15
       1) Die Generalversammlung  erhält und  prüft  Jahresberichte  und
       Sonderberichte des Sicherheitsrats; diese Berichte enthalten auch
       eine Darstellung  der Maßnahmen,  die der Sicherheitsrat zur Wah-
       rung des  Weltfriedens und  der  internationalen  Sicherheit  be-
       schlossen oder getroffen hat.
       2) Die Generalversammlung  erhält und  prüft Berichte der anderen
       Organe der Vereinten Nationen.
       
       ARTIKEL 16
       Die Generalversammlung  nimmt die ihr bezüglich des internationa-
       len Treuhandsystems  in den  Kapiteln XII  und XIII  zugewiesenen
       Aufgaben wahr; hierzu gehört die Genehmigung der Treuhandabkommen
       für Gebiete, die nicht als strategische Zonen bezeichnet sind.
       
       ARTIKEL 17
       1) Die Generalversammlung  prüft und  genehmigt den Haushaltsplan
       der Organisation.
       2) Die Ausgaben  der Organisation werden von den Mitgliedern nach
       einem von  der  Generalversammlung  festzusetzenden  Verteilungs-
       schlüssel getragen.
       3) Die Generalversammlung  prüft und  genehmigt alle  Finanz- und
       Haushaltsabmachungen mit den in Artikel 57 bezeichneten Sonderor-
       ganisationen; sie  prüft deren  Verwaltungshaushalt mit dem Ziel,
       Empfehlungen an sie zu richten.
       
       Abstimmung
       ----------
       
       ARTIKEL 18
       1) Jedes Mitglied der Generalversammlung hat eine Stimme.
       2) Beschlüsse der  Generalversammlung über wichtige Fragen bedür-
       fen einer  Zweidrittelmehrheit der  anwesenden  und  abstimmenden
       Mitglieder. Zu  diesen Fragen  gehören: Empfehlungen hinsichtlich
       der Wahrung  des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit,
       die Wahl  der nichtständigen  Mitglieder des Sicherheitsrats, die
       Wahl der Mitglieder des Wirtschafts- und Sozialrats, die Wahl von
       Mitgliedern des  Treuhandrats nach  Artikel 86 Absatz 1 Buchstabe
       c, die  Aufnahme neuer  Mitglieder in die Vereinten Nationen, der
       zeitweilige  Entzug   der  Rechte  und  Vorrechte  aus  der  Mit-
       gliedschaft, der Ausschluß von Mitgliedern, Fragen betreffend die
       Wirkungsweise des Treuhandsystems sowie Haushaltsfragen.
       3) Beschlüsse über  andere Fragen,  einschließlich der Bestimmung
       weiterer Gruppen  von Fragen, über die mit Zweidrittelmehrheit zu
       beschließen ist, bedürfen der Mehrheit der anwesenden und abstim-
       menden Mitglieder.
       
       ARTIKEL 19
       Ein Mitglied  der Vereinten  Nationen, das mit der Zahlung seiner
       finanziellen Beiträge  an die  Organisation im Rückstand ist, hat
       in der  Generalversammlung kein Stimmrecht, wenn der rückständige
       Betrag die Höhe der Beiträge erreicht oder übersteigt, die dieses
       Mitglied für die vorausgegangenen zwei vollen Jahre schuldet. Die
       Generalversammlung kann  ihm jedoch  die Ausübung des Stimmrechts
       gestatten, wenn nach ihrer Überzeugung der Zahlungsverzug auf Um-
       ständen beruht, die dieses Mitglied nicht zu vertreten hat.
       
       Verfahren
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       ARTIKEL 20
       Die Generalversammlung  tritt zu ordentlichen Jahrestagungen und,
       wenn die Umstände es erfordern, zu außerordentlichen Tagungen zu-
       sammen. Außerordentliche Tagungen hat der Generalsekretär auf An-
       trag des  Sicherheitsrats oder  der Mehrheit  der Mitglieder  der
       Vereinten Nationen einzuberufen.
       
       ARTIKEL 21
       Die Generalversammlung gibt sich eine Geschäftsordnung. Sie wählt
       für jede Tagung ihren Präsidenten.
       
       ARTIKEL 22
       Die Generalversammlung  kann Nebenorgane  einsetzen,  soweit  sie
       dies zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben für erforderlich hält.
       
       Kapitel V
       ---------
       
       Der Sicherheitsrat
       ------------------
       Zusammensetzung
       ---------------
       
       ARTIKEL 23
       1) Der Sicherheitsrat  besteht aus  fünfzehn Mitgliedern der Ver-
       einten Nationen.  Die Republik  China, Frankreich,  die Union der
       Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich Groß-
       britannien und  Nordirland sowie die Vereinigten Staaten von Ame-
       rika sind  ständige Mitglieder  des Sicherheitsrats. Die General-
       versammlung wählt  zehn weitere Mitglieder der Vereinten Nationen
       zu nichtständigen  Mitgliedern des  Sicherheitsrats; hierbei sind
       folgende Gesichtspunkte  besonders zu  berücksichtigen: in erster
       Linie der Beitrag von Mitgliedern der Vereinten Nationen zur Wah-
       rung des  Weltfriedens und der internationalen Sicherheit und zur
       Verwirklichung der  sonstigen Ziele der Organisation sowie ferner
       eine angemessene geographische Verteilung der Sitze.
       2) Die nichtständigen  Mitglieder des  Sicherheitsrats werden für
       zwei Jahre  gewählt. Bei  der ersten Wahl der nichtständigen Mit-
       glieder, die  nach Erhöhung  der Zahl  der Ratsmitglieder von elf
       auf fünfzehn  stattfindet, werden zwei der vier zusätzlichen Mit-
       glieder für  ein Jahr  gewählt. Ausscheidende  Mitglieder  können
       nicht unmittelbar wiedergewählt werden.
       3) Jedes Mitglied des Sicherheitsrats hat in diesem einen Vertre-
       ter.
       
       Aufgaben und Befugnisse
       -----------------------
       
       ARTIKEL 24
       1) Um ein  schnelles und wirksames Handeln der Vereinten Nationen
       zu gewährleisten,  übertragen ihre  Mitglieder dem Sicherheitsrat
       die Hauptverantwortung  für die  Wahrung des Weltfriedens und der
       internationalen Sicherheit  und erkennen an, daß der Sicherheits-
       rat bei  der Wahrnehmung  der sich aus dieser Verantwortung erge-
       benden Pflichten in ihrem Namen handelt.
       2) Bei der  Erfüllung dieser Pflichten handelt der Sicherheitsrat
       im Einklang  mit den  Zielen und Grundsätzen der Vereinten Natio-
       nen. Die  ihm hierfür  eingeräumten besonderen Befugnisse sind in
       den Kapiteln VI, VII, VIII und XII aufgeführt.
       3) Der Sicherheitsrat  legt der Generalversammlung Jahresberichte
       und erforderlichenfalls Sonderberichte zur Prüfung vor.
       
       ARTIKEL 25
       Die Mitglieder  der Vereinten  Nationen kommen  überein, die  Be-
       schlüsse des  Sicherheitsrat im  Einklang mit dieser Charta anzu-
       nehmen und durchzuführen.
       
       ARTIKEL 26
       Um die  Herstellung und Wahrung des Weltfriedens und der interna-
       tionalen Sicherheit  so zu  fördern, daß von den menschlichen und
       wirtschaftlichen Hilfsquellen  der Welt  möglichst wenig  für Rü-
       stungszwecke abgezweigt  wird, ist der Sicherheitsrat beauftragt,
       mit Unterstützung des in Artikel 47 vorgesehenen Generalstabsaus-
       schusses Pläne  auszuarbeiten, die  den Mitgliedern der Vereinten
       Nationen zwecks  Errichtung eines  Systems  der  Rüstungsregelung
       vorzulegen sind.
       
       Abstimmung
       ----------
       
       ARTIKEL 27
       1) Jedes Mitglied des Sicherheitsrats hat eine Stimme.
       2) Beschlüsse des  Sicherheitsrats über Verfahrensfragen bedürfen
       der Zustimmung von neun Mitgliedern.
       3) Beschlüsse des  Sicherheitsrats über alle sonstigen Fragen be-
       dürfen der Zustimmung von neun Mitgliedern einschließlich sämtli-
       cher ständigen  Mitglieder, jedoch  mit der Maßgabe, daß sich bei
       Beschlüssen auf  Grund des Kapitels VI und des Artikels 52 Absatz
       3 die Streitparteien der Stimme enthalten.
       
       Verfahren
       ---------
       
       ARTIKEL 28
       1) Der Sicherheitsrat  wird so organisiert, daß er seine Aufgaben
       ständig wahrnehmen  kann. Jedes  seiner Mitglieder  muß zu diesem
       Zweck jederzeit am Sitz der Organisation vertreten sein.
       2) Der Sicherheitsrat tritt regelmäßig zu Sitzungen zusammen; bei
       diesen kann  jedes seiner Mitglieder nach Wunsch durch ein Regie-
       rungsmitglied oder  durch einen anderen eigens hierfür bestellten
       Delegierten vertreten sein.
       3) Der Sicherheitsrat kann außer am Sitz der Organisation auch an
       anderen Orten zusammentreten, wenn dies nach seinem Urteil seiner
       Arbeit am dienlichsten ist.
       
       ARTIKEL 29
       Der Sicherheitsrat kann Nebenorgane einsetzen, soweit er dies zur
       Wahrnehmung seiner Aufgaben für erforderlich hält.
       
       ARTIKEL 30
       Der Sicherheitsrat gibt sich eine Geschäftsordnung; in dieser re-
       gelt er auch das Verfahren für die Wahl seines Präsidenten.
       
       ARTIKEL 31
       Ein Mitglied  der Vereinten  Nationen, das nicht Mitglied des Si-
       cherheitsrats ist,  kann ohne  Stimmrecht an der Erörterung jeder
       vor den  Sicherheitsrat gebrachten  Frage teilnehmen, wenn dieser
       der Auffassung ist, daß die Interessen dieses Mitglieds besonders
       betroffen sind.
       
       ARTIKEL 32
       Mitglieder der Vereinten Nationen, die nicht Mitglied des Sicher-
       heitsrats sind, sowie Nichtmitgliedstaaten der Vereinten Nationen
       werden eingeladen,  an den  Erörterungen des Sicherheitsrats über
       eine Streitigkeit,  mit der  dieser befaßt  ist, ohne  Stimmrecht
       teilzunehmen, wenn sie Streitpartei sind. Für die Teilnahme eines
       Nichtmitgliedstaats der Vereinten Nationen setzt der Sicherheits-
       rat die Bedingungen fest, die er für gerecht hält.
       
       Kapitel VI
       ----------
       
       Die friedliche Beilegung von Streitigkeiten
       -------------------------------------------
       
       ARTIKEL 33
       1) Die Parteien einer Streitigkeit, deren Fortdauer geeignet ist,
       die Wahrung  des Weltfriedens  und der internationalen Sicherheit
       zu gefährden,  bemühen sich zunächst um eine Beilegung durch Ver-
       handlung, Untersuchung,  Vermittlung,  Vergleich,  Schiedsspruch,
       gerichtliche Entscheidung, Inanspruchnahme regionaler Einrichtun-
       gen oder  Abmachungen oder durch andere friedliche Mittel eigener
       Wahl.
       2) Der Sicherheitsrat  fordert die Parteien auf, wenn er dies für
       notwendig hält, ihre Streitigkeit durch solche Mittel beizulegen.
       
       ARTIKEL 34
       Der Sicherheitsrat  kann jede  Streitigkeit sowie jede Situation,
       die zu  internationalen Reibungen  führen oder  eine Streitigkeit
       hervorrufen könnte,  untersuchen, um  festzustellen, ob die Fort-
       dauer der  Streitigkeit oder  der Situation die Wahrung des Welt-
       friedens und der internationalen Sicherheit gefährden könnte.
       
       ARTIKEL 35
       1) Jedes Mitglied  der Vereinten Nationen kann die Aufmerksamkeit
       des Sicherheitsrats  oder der  Generalversammlung auf jede Strei-
       tigkeit sowie  auf jede  Situation der in Artikel 34 bezeichneten
       Art lenken.
       2) Ein Nichtmitgliedstaat  der Vereinten  Nationen kann  die Auf-
       merksamkeit des  Sicherheitsrats oder  der Generalversammlung auf
       jede Streitigkeit lenken, in der er Partei ist, wenn er im voraus
       hinsichtlich dieser  Streitigkeit die  in dieser  Charta für eine
       friedliche Beilegung festgelegten Verpflichtungen annimmt.
       3) Das Verfahren  der Generalversammlung  in Angelegenheiten, auf
       die ihre  Aufmerksamkeit gemäß  diesem Artikel  gelenkt wird, be-
       stimmt sich nach den Artikeln 11 und 12.
       
       ARTIKEL 36
       1) Der Sicherheitsrat kann in jedem Stadium einer Streitigkeit im
       Sinne des Artikels 33 oder einer Situation gleicher Art geeignete
       Verfahren oder Methoden für deren Bereinigung empfehlen.
       2) Der Sicherheitsrat  soll alle  Verfahren in  Betracht  ziehen,
       welche die  Parteien zur Beilegung der Streitigkeit bereits ange-
       nommen haben.
       3) Bei seinen Empfehlungen auf Grund dieses Artikels soll der Si-
       cherheitsrat ferner  berücksichtigen, daß Rechtsstreitigkeiten im
       allgemeinen von  den Parteien  dem Internationalen Gerichtshof im
       Einklang mit dessen Statut zu unterbreiten sind.
       
       ARTIKEL 37
       1) Gelingt es  den Parteien  einer Streitigkeit der in Artikel 33
       bezeichneten Art  nicht, diese  mit den  dort angegebenen Mitteln
       beizulegen, so legen sie die Streitigkeit dem Sicherheitsrat vor.
       2) Könnte nach  Auffassung des  Sicherheitsrats die Fortdauer der
       Streitigkeit tatsächlich die Wahrung des Weltfriedens und der in-
       ternationalen Sicherheit  gefährden, so beschließt er, ob er nach
       Artikel 36  tätig werden  oder die  ihm angemessen  erscheinenden
       Empfehlungen für eine Beilegung abgeben will.
       
       ARTIKEL 38
       Unbeschadet der  Artikel 33  bis 37 kann der Sicherheitsrat, wenn
       alle Parteien einer Streitigkeit dies beantragen, Empfehlungen zu
       deren friedlicher Beilegung an die Streitparteien richten.
       
       Kapitel VII
       -----------
       
       Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des Friedens
       -----------------------------------------------
       und bei Angriffshandlungen
       --------------------------
       
       ARTIKEL 39
       Der Sicherheitsrat  stellt fest, ob eine Bedrohung oder ein Bruch
       des Friedens oder eine Angriffshandlung vorliegt; er gibt Empfeh-
       lungen ab oder beschließt, welche Maßnahmen auf Grund der Artikel
       41 und 42 zu treffen sind, um den Weltfrieden und die internatio-
       nale Sicherheit zu wahren oder wiederherzustellen.
       
       ARTIKEL 40
       Um einer Verschärfung der Lage vorzubeugen, kann der Sicherheits-
       rat, bevor  er nach Artikel 39 Empfehlungen abgibt oder Maßnahmen
       beschließt, die  beteiligten Parteien auffordern, den von ihm für
       notwendig oder  erwünscht erachteten  vorläufigen Maßnahmen Folge
       zu leisten.  Diese vorläufigen  Maßnahmen lassen  die Rechte, die
       Ansprüche und  die Stellung  der beteiligten  Parteien unberührt.
       Wird den  vorläufigen Maßnahmen  nicht Folge  geleistet, so trägt
       der Sicherheitsrat diesem Versagen gebührend Rechnung.
       
       ARTIKEL 41
       Der Sicherheitsrat  kann beschließen,  welche Maßnahmen  -  unter
       Ausschluß von  Waffengewalt -  zu ergreifen  sind, um  seinen Be-
       schlüssen Wirksamkeit  zu verleihen;  er kann  die Mitglieder der
       Vereinten Nationen auffordern, diese Maßnahmen durchzuführen. Sie
       können die  vollständige oder  teilweise Unterbrechung  der Wirt-
       schaftsbeziehungen, des  Eisenbahn-, See-  und Luftverkehrs,  der
       Post-, Telegraphen-  und Funkverbindungen  sowie  sonstiger  Ver-
       kehrsmöglichkeiten und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen
       einschließen.
       
       ARTIKEL 42
       Ist der Sicherheitsrat der Auffassung, daß die in Artikel 41 vor-
       gesehenen Maßnahmen  unzulänglich sein würden oder sich als unzu-
       länglich erwiesen  haben, so  kann er  mit Luft-, See- oder Land-
       streitkräften die  zur Wahrung  oder Wiederherstellung  des Welt-
       friedens und  der internationalen  Sicherheit erforderlichen Maß-
       nahmen durchführen.  Sie können  Demonstrationen,  Blockaden  und
       sonstige Einsätze  der Luft-, See- oder Landstreitkräfte von Mit-
       gliedern der Vereinten Nationen einschließen.
       
       ARTIKEL 43
       1) Alle Mitglieder  der Vereinten Nationen verpflichten sich, zur
       Wahrung des  Weltfriedens und  der internationalen Sicherheit da-
       durch beizutragen,  daß sie nach Maßgabe eines oder mehrerer Son-
       derabkommen dem Sicherheitsrat auf sein Ersuchen Streitkräfte zur
       Verfügung stellen,  Beistand  leisten  und  Erleichterungen  ein-
       schließlich des  Durchmarschrechts gewähren, soweit dies zur Wah-
       rung des  Weltfriedens und  der internationalen Sicherheit erfor-
       derlich ist.
       2) Diese Abkommen  haben die Zahl und Art der Streitkräfte, ihren
       Bereitschaftsgrad, ihren  allgemeinen Standort  sowie die Art der
       Erleichterungen und des Beistands vorzusehen.
       3) Die Abkommen  werden auf  Veranlassung des  Sicherheitsrats so
       bald wie  möglich im  Verhandlungswege ausgearbeitet.  Sie werden
       zwischen dem Sicherheitsrat einerseits und Einzelmitgliedern oder
       Mitgliedergruppen andererseits  geschlossen und  von  den  Unter-
       zeichnerstaaten nach Maßgabe ihres Verfassungsrechts ratifiziert.
       
       ARTIKEL 44
       Hat der  Sicherheitsrat die  Anwendung von Gewalt beschlossen, so
       lädt er  ein in  ihm nicht  vertretenes Mitglied, bevor er es zur
       Stellung von Streitkräften auf Grund der nach Artikel 43 übernom-
       menen Verpflichtungen  auffordert, auf dessen Wunsch ein, an sei-
       nen Beschlüssen  über den  Einsatz von  Kontingenten der  Streit-
       kräfte dieses Mitglieds teilzunehmen.
       
       ARTIKEL 45
       Um die  Vereinten Nationen  zur Durchführung dringender militäri-
       scher Maßnahmen  zu befähigen, halten Mitglieder der Organisation
       Kontingente ihrer Luftstreitkräfte zum sofortigen Einsatz bei ge-
       meinsamen internationalen  Zwangsmaßnahmen bereit. Stärke und Be-
       reitschaftsgrad dieser  Kontingente sowie  die Pläne für ihre ge-
       meinsamen Maßnahmen legt der Sicherheitsrat mit Unterstützung des
       Generalstabsausschusses im  Rahmen der  in Artikel  43  erwähnten
       Sonderabkommen fest.
       
       ARTIKEL 46
       Die Pläne  für die  Anwendung von Waffengewalt werden vom Sicher-
       heitsrat mit  Unterstützung  des  Generalstabsausschusses  aufge-
       stellt.
       
       ARTIKEL 47
       1) Es wird  ein Generalstabsausschuß  eingesetzt, um  den Sicher-
       heitsrat in allen Fragen zu beraten und zu unterstützen, die des-
       sen militärische Bedürfnisse zur Wahrung des Weltfriedens und der
       internationalen Sicherheit,  den Einsatz  und die Führung der dem
       Sicherheitsrat zur  Verfügung gestellten  Streitkräfte,  die  Rü-
       stungsregelung und eine etwaige Abrüstung betreffen.
       2) Der Generalstabsausschuß besteht aus den Generalstabschefs der
       ständigen Mitglieder  des Sicherheitsrats  oder ihren Vertretern.
       Ein nicht  ständig im Ausschuß vertretenes Mitglied der Vereinten
       Nationen wird  vom Ausschuß  eingeladen, sich ihm zu assoziieren,
       wenn die Mitarbeit dieses Mitglieds für die wirksame Durchführung
       der Aufgaben des Ausschusses erforderlich ist.
       3) Der Generalstabsausschuß  ist unter  der Autorität des Sicher-
       heitsrats für  die strategische  Leitung aller dem Sicherheitsrat
       zur Verfügung  gestellten Streitkräfte verantwortlich. Die Fragen
       bezüglich der Führung dieser Streitkräfte werden später geregelt.
       4) Der Generalstabsausschuß  kann mit  Ermächtigung  des  Sicher-
       heitsrats nach Konsultation mit geeigneten regionalen Einrichtun-
       gen regionale Unterausschüsse einsetzen.
       
       ARTIKEL 48
       1) Die Maßnahmen, die für die Durchführung der Beschlüsse des Si-
       cherheitsrats zur  Wahrung des Weltfriedens und der internationa-
       len Sicherheit erforderlich sind, werden je nach dem Ermessen des
       Sicherheitsrats von  allen oder  von einigen Mitgliedern der Ver-
       einten Nationen getroffen.
       2) Diese Beschlüsse  werden von den Mitgliedern der Vereinten Na-
       tionen unmittelbar sowie durch Maßnahmen in den geeigneten inter-
       nationalen Einrichtungen durchgeführt, deren Mitglieder sie sind.
       
       ARTIKEL 49
       Bei der Durchführung der vom Sicherheitsrat beschlossenen Maßnah-
       men leisten  die Mitglieder  der Vereinten  Nationen einander ge-
       meinsam handelnd Beistand.
       
       ARTIKEL 50
       Ergreift der  Sicherheitsrat gegen  einen Staat Vorbeugungs- oder
       Zwangsmaßnahmen, so kann jeder andere Staat, ob Mitglied der Ver-
       einten Nationen oder nicht, den die Durchführung dieser Maßnahmen
       vor besondere wirtschaftliche Probleme stellt, den Sicherheitsrat
       zwecks Lösung dieser Probleme konsultieren.
       
       ARTIKEL 51
       Diese Charta  beeinträchtigt im  Falle eines bewaffneten Angriffs
       gegen ein Mitglied der Vereinten Nationen keineswegs das naturge-
       gebene Recht  zur individuellen  oder kollektiven Selbstverteidi-
       gung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und
       der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen
       hat. Maßnahmen, die ein Mitglied in Ausübung dieses Selbstvertei-
       digungsrechts trifft,  sind dem Sicherheitsrat sofort anzuzeigen;
       sie berühren  in keiner  Weise dessen auf dieser Charta beruhende
       Befugnis und  Pflicht, jederzeit die Maßnahmen zu treffen, die er
       zur Wahrung  oder Wiederherstellung  des Weltfriedens und der in-
       ternationalen Sicherheit für erforderlich hält.
       
       Kapitel VIII
       ------------
       
       Regionale Abmachungen
       ---------------------
       
       ARTIKEL 52
       1) Diese Charta schließt das Bestehen regionaler Abmachungen oder
       Einrichtungen zur Behandlung derjenigen die Wahrung des Weltfrie-
       dens und  der internationalen  Sicherheit betreffenden Angelegen-
       heiten nicht  aus, bei  denen Maßnahmen regionaler Art angebracht
       sind; Voraussetzung  hierfür ist, daß diese Abmachungen oder Ein-
       richtungen und ihr Wirken mit den Zielen und Grundsätzen der Ver-
       einten Nationen vereinbar sind.
       2) Mitglieder der  Vereinten  Nationen,  die  solche  Abmachungen
       treffen oder  solche Einrichtungen schaffen, werden sich nach be-
       sten Kräften  bemühen, durch  Inanspruchnahme dieser  Abmachungen
       oder Einrichtungen  örtlich  begrenzte  Streitigkeiten  friedlich
       beizulegen, bevor sie den Sicherheitsrat damit befassen.
       3) Der Sicherheitsrat  wird die  Entwicklung des  Verfahrens för-
       dern, örtlich begrenzte Streitigkeiten durch Inanspruchnahme die-
       ser regionalen  Abmachungen oder Einrichtungen friedlich beizule-
       gen, sei  es auf  Veranlassung der  beteiligten Staaten  oder auf
       Grund von Überweisungen durch ihn selbst.
       4) Die Anwendung  der Artikel 34 und 35 wird durch diesen Artikel
       nicht beeinträchtigt.
       
       ARTIKEL 53
       1) Der Sicherheitsrat nimmt gegebenenfalls diese regionalen Abma-
       chungen oder  Einrichtungen zur  Durchführung von Zwangsmaßnahmen
       unter seiner Autorität in Anspruch. Ohne Ermächtigung des Sicher-
       heitsrats dürfen Zwangsmaßnahmen auf Grund regionaler Abmachungen
       oder seitens  regionaler Einrichtungen  nicht  ergriffen  werden;
       ausgenommen sind  Maßnahmen gegen  einen Feindstaat  im Sinne des
       Absatzes 2,  soweit sie  in Artikel 107 oder in regionalen, gegen
       die Wiederaufnahme  der Angriffspolitik eines solchen Staates ge-
       richteten Abmachungen vorgesehen sind; die Ausnahme gilt, bis der
       Organisation auf Ersuchen der beteiligten Regierungen die Aufgabe
       zugewiesen wird, neue Angriffe eines solchen Staates zu verhüten.
       2) Der Ausdruck  "Feindstaat" in Absatz 1 bezeichnet jeden Staat,
       der während  des Zweiten  Weltkriegs Feind  eines  Unterzeichners
       dieser Charta war.
       
       ARTIKEL 54
       Der Sicherheitsrat  ist jederzeit  vollständig über die Maßnahmen
       auf dem laufenden zu halten, die zur Wahrung des Weltfriedens und
       der internationalen  Sicherheit auf  Grund regionaler Abmachungen
       oder seitens  regionaler Einrichtungen getroffen oder in Aussicht
       genommen werden.
       
       Kapitel IX
       ----------
       
       Internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem
       --------------------------------------------------
       und sozialem Gebiet
       -------------------
       
       ARTIKEL 55
       Um jenen Zustand der Stabilität und Wohlfahrt herbeizuführen, der
       erforderlich ist,  damit zwischen  den  Nationen  friedliche  und
       freundschaftliche, auf  der Achtung vor dem Grundsatz der Gleich-
       berechtigung und  Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehun-
       gen herrschen, fördern die Vereinten Nationen
       a) die Verbesserung  des Lebensstandards,  die  Vollbeschäftigung
       und die  Voraussetzungen für  wirtschaftlichen und sozialen Fort-
       schritt und Aufstieg;
       b) die Lösung  internationaler Probleme  wirtschaftlicher,  sozi-
       aler, gesundheitlicher  und verwandter  Art sowie die internatio-
       nale Zusammenarbeit  auf den  Gebieten der  Kultur und der Erzie-
       hung;
       c) die allgemeine  Achtung und  Verwirklichung der Menschenrechte
       und Grundfreiheiten  für alle ohne Unterschied der Rasse, des Ge-
       schlechts, der Sprache oder der Religion.
       
       ARTIKEL 56
       Alle Mitgliedstaaten  verpflichten sich,  gemeinsam und jeder für
       sich mit  der Organisation  zusammenzuarbeiten, um die in Artikel
       55 dargelegten Ziele zu erreichen.
       
       ARTIKEL 57
       1) Die verschiedenen  durch zwischenstaatliche  Übereinkünfte er-
       richteten Sonderorganisationen,  die auf  den Gebieten  der Wirt-
       schaft, des  Sozialwesens, der Kultur, der Erziehung, der Gesund-
       heit und  auf verwandten  Gebieten weitreichende, in ihren maßge-
       benden Urkunden  umschriebene internationale Aufgaben zu erfüllen
       haben, werden  gemäß Artikel 63 mit den Vereinten Nationen in Be-
       ziehung gebracht.
       2) Diese mit den Vereinten Nationen in Beziehung gebrachten Orga-
       nisationen sind  im folgenden als "Sonderorganisationen" bezeich-
       net.
       
       ARTIKEL 58
       Die Organisation  gibt Empfehlungen  ab, um  die Bestrebungen und
       Tätigkeiten dieser Sonderorganisationen zu koordinieren.
       
       ARTIKEL 59
       Die Organisation  veranlaßt gegebenenfalls  zwischen den  in  Be-
       tracht kommenden  Staaten Verhandlungen zur Errichtung neuer Son-
       derorganisationen, soweit  solche zur Verwirklichung der in Arti-
       kel 55 dargelegten Ziele erforderlich sind.
       
       ARTIKEL 60
       Für die  Wahrnehmung der in diesem Kapitel genannten Aufgaben der
       Organisation sind  die Generalversammlung und unter ihrer Autori-
       tät der Wirtschafts- und Sozialrat verantwortlich; dieser besitzt
       zu diesem Zweck die ihm in Kapitel X zugewiesenen Befugnisse.
       
       Kapitel X
       ---------
       
       Der Wirtschafts- und Sozialrat
       ------------------------------
       Zusammensetzung
       ---------------
       
       ARTIKEL 61
       1) Der  Wirtschafts- und  Sozialrat besteht  aus siebenundzwanzig
       von der  Generalversammlung gewählten  Mitgliedern der  Vereinten
       Nationen.
       2) Vorbehaltlich des  Absatzes 3 werden alljährlich neun Mitglie-
       der des  Wirtschafts- und  Sozialrats für drei Jahre gewählt. Ein
       ausscheidendes Mitglied kann unmittelbar wiedergewählt werden.
       3) Bei der  ersten Wahl,  die nach Erhöhung der Zahl der Ratsmit-
       glieder von achtzehn auf siebenundzwanzig stattfindet, werden zu-
       sätzlich zu  den Mitgliedern,  die an Stelle der sechs Mitglieder
       gewählt werden,  deren Amtszeit  mit dem betreffenden Jahr endet,
       neun weitere  Mitglieder des Wirtschafts- und Sozialrats gewählt.
       Die Amtszeit  von drei  dieser neun zusätzlichen Mitglieder endet
       nach einem  Jahr, diejenige  von drei  weiteren Mitgliedern  nach
       zwei Jahren; das Nähere regelt die Generalversammlung.
       4) Jedes Mitglied  des Wirtschafts-  und Sozialrats hat in diesem
       einen Vertreter.
       
       Aufgaben und Befugnisse
       -----------------------
       
       ARTIKEL 62
       1) Der Wirtschafts-  und Sozialrat kann über internationale Ange-
       legenheiten auf  den Gebieten  der Wirtschaft,  des Sozialwesens,
       der Kultur,  der Erziehung, der Gesundheit und auf verwandten Ge-
       bieten Untersuchungen  durchführen oder  bewirken sowie  Berichte
       abfassen oder veranlassen; er kann zu jeder derartigen Angelegen-
       heit an  die Generalversammlung, die Mitglieder der Vereinten Na-
       tionen und die in Betracht kommenden Sonderorganisationen Empfeh-
       lungen richten.
       2) Er kann  Empfehlungen abgeben,  um die  Achtung und Verwirkli-
       chung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle zu fordern.
       3) Er kann  über Angelegenheiten, für die er zuständig ist, Über-
       einkommen entwerfen und der Generalversammlung vorlegen.
       4) Er kann  nach den von den Vereinten Nationen festgesetzten Re-
       geln internationale  Konferenzen über Angelegenheiten einberufen,
       für die er zuständig ist.
       
       ARTIKEL 63
       1) Der Wirtschafts-  und Sozialrat  kann mit jeder der in Artikel
       57 bezeichneten  Organisationen Abkommen  schließen, in denen die
       Beziehungen der betreffenden Organisation zu den Vereinten Natio-
       nen geregelt  werden. Diese  Abkommen  bedürfen  der  Genehmigung
       durch die Generalversammlung.
       2) Er kann  die Tätigkeit  der Sonderorganisationen koordinieren,
       indem er  Konsultationen mit ihnen führt und an sie, an die Gene-
       ralversammlung und  die Mitglieder der Vereinten Nationen Empfeh-
       lungen richtet.
       
       ARTIKEL 64
       1) Der Wirtschafts-  und Sozialrat kann geeignete Schritte unter-
       nehmen, um  von den  Sonderorganisationen regelmäßig  Berichte zu
       erhalten. Er  kann mit den Mitgliedern der Vereinten Nationen und
       mit den  Sonderorganisationen Abmachungen  treffen,  um  Berichte
       über die  Maßnahmen zu erhalten, die zur Durchführung seiner Emp-
       fehlungen und  der Empfehlungen der Generalversammlung über Ange-
       legenheiten getroffen werden, für die er zuständig ist.
       2) Er kann der Generalversammlung seine Bemerkungen zu diesen Be-
       richten mitteilen.
       
       ARTIKEL 65
       Der Wirtschafts-  und Sozialrat kann dem Sicherheitsrat Auskünfte
       erteilen und ihn auf dessen Ersuchen unterstützen.
       
       ARTIKEL 66
       1) Der Wirtschafts-  und Sozialrat  nimmt alle Aufgaben wahr, für
       die er  im Zusammenhang mit der Durchführung von Empfehlungen der
       Generalversammlung zuständig ist.
       2) Er  kann mit  Genehmigung der  Generalversammlung alle Dienste
       leisten, um  die ihn  Mitglieder der Vereinten Nationen oder Son-
       derorganisationen ersuchen.
       3) Er nimmt  alle sonstigen  Aufgaben wahr,  die  ihm  in  dieser
       Charta oder durch die Generalversammlung zugewiesen werden.
       
       Abstimmung
       ----------
       
       ARTIKEL 67
       1) Jedes  Mitglied  des  Wirtschafts-  und  Sozialrats  hat  eine
       Stimme.
       2) Beschlüsse des  Wirtschafts- und Sozialrats bedürfen der Mehr-
       heit der anwesenden und abstimmenden Mitglieder.
       
       Verfahren
       ---------
       
       ARTIKEL 68
       Der Wirtschafts- und Sozialrat setzt Kommissionen für wirtschaft-
       liche und soziale Fragen und für die Förderung der Menschenrechte
       sowie alle  sonstigen zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderli-
       chen Kommissionen ein.
       
       ARTIKEL 69
       Behandelt der  Wirtschafts- und Sozialrat eine Angelegenheit, die
       für ein  Mitglied der  Vereinten Nationen  von besonderem  Belang
       ist, so  lädt er  es ein,  ohne Stimmrecht  an seinen  Beratungen
       teilzunehmen.
       
       ARTIKEL 70
       Der Wirtschafts- und Sozialrat kann Abmachungen dahingehend tref-
       fen, daß  Vertreter der  Sonderorganisationen ohne  Stimmrecht an
       seinen Beratungen  und an den Beratungen der von ihm eingesetzten
       Kommissionen teilnehmen  und daß  seine eigenen  Vertreter an den
       Beratungen der Sonderorganisationen teilnehmen.
       
       ARTIKEL 71
       Der Wirtschafts-  und Sozialrat kann geeignete Abmachungen zwecks
       Konsultation mit  nichtstaatlichen  Organisationen  treffen,  die
       sich mit  Angelegenheiten seiner  Zuständigkeit befassen.  Solche
       Abmachungen können mit internationalen Organisationen und, soweit
       angebracht, nach Konsultation des betreffenden Mitglieds der Ver-
       einten Nationen auch mit nationalen Organisationen getroffen wer-
       den.
       
       ARTIKEL 72
       1) Der Wirtschafts-  und Sozialrat  gibt sich  eine Geschäftsord-
       nung; in  dieser regelt er auch das Verfahren für die Wahl seines
       Präsidenten.
       2) Der Wirtschafts-  und Sozialrat tritt nach Bedarf gemäß seiner
       Geschäftsordnung zusammen; in dieser ist auch die Einberufung von
       Sitzungen auf Antrag der Mehrheit seiner Mitglieder vorzusehen.
       
       Kapitel XI
       ----------
       
       Erklärung über Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung
       --------------------------------------------------
       
       ARTIKEL 73
       Mitglieder der  Vereinten Nationen,  welche die Verantwortung für
       die Verwaltung  von Hoheitsgebieten  haben oder übernehmen, deren
       Völker noch  nicht die  volle Selbstregierung erreicht haben, be-
       kennen sich  zu dem  Grundsatz, daß  die Interessen der Einwohner
       dieser Hoheitsgebiete  Vorrang haben; sie übernehmen als heiligen
       Auftrag die  Verpflichtung, im  Rahmen des durch diese Charta er-
       richteten Systems  des Weltfriedens  und der  internationalen Si-
       cherheit das  Wohl dieser  Einwohner aufs äußerste zu fördern; zu
       diesem Zweck verpflichten sie sich,
       a) den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und erzieherischen
       Fortschritt, die gerechte Behandlung und den Schutz dieser Völker
       gegen Mißbräuche  unter gebührender  Achtung vor  ihrer Kultur zu
       gewährleisten;
       b) die Selbstregierung  zu entwickeln, die politischen Bestrebun-
       gen dieser  Völker gebührend  zu berücksichtigen  und sie bei der
       fortschreitenden Entwicklung ihrer freien politischen Einrichtun-
       gen zu  unterstützen, und zwar je nach den besonderen Verhältnis-
       sen jedes Hoheitsgebiets, seiner Bevölkerung und deren jeweiliger
       Entwicklungsstufe;
       c) den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu festigen;
       d) Aufbau-  und   Entwicklungsmaßnahmen  zu   fördern,  die  For-
       schungstätigkeit zu unterstützen sowie miteinander und gegebenen-
       falls mit  internationalen Fachorganisationen zusammenzuarbeiten,
       um die  in diesem  Artikel dargelegten sozialen, wirtschaftlichen
       und wissenschaftlichen Ziele zu verwirklichen;
       e) dem Generalsekretär  mit der  durch die Rücksichtnahme auf Si-
       cherheit und  Verfassung gebotenen Einschränkung zu seiner Unter-
       richtung regelmäßig statistische und sonstige Informationen tech-
       nischer Art über das Wirtschafts-, Sozial- und Erziehungswesen in
       den nicht  unter die Kapitel XII und XIII fallenden Hoheitsgebie-
       ten zu übermitteln, für die sie verantwortlich sind.
       
       ARTIKEL 74
       Die Mitglieder  der Vereinten Nationen sind sich ferner darin ei-
       nig, daß  die Politik,  die sie  für  die  unter  dieses  Kapitel
       fallenden Hoheitsgebiete  verfolgen, nicht  minder auf dem allge-
       meinen Grundsatz der guten Nachbarschaft in sozialen, wirtschaft-
       lichen und  Handelsangelegenheiten beruhen  muß als  die Politik,
       die sie für ihr Mutterland verfolgen; hierbei sind diese Interes-
       sen und das Wohl der übrigen Welt gebührend zu berücksichtigen.
       
       Kapitel XII
       -----------
       
       Das internationale Treuhandsystem
       ---------------------------------
       
       ARTIKEL 75
       Die Vereinten Nationen errichten unter ihrer Autorität ein inter-
       nationales Treuhandsystem  für die Verwaltung und Beaufsichtigung
       der Hoheitsgebiete, die auf Grund späterer Einzelabkommen in die-
       ses System einbezogen werden. Diese Hoheitsgebiete werden im fol-
       genden als Treuhandgebiete bezeichnet.
       
       ARTIKEL 76
       Im Einklang mit den in Artikel 1 dieser Charta dargelegten Zielen
       der Vereinten  Nationen dient  das  Treuhandsystem  hauptsächlich
       folgenden Zwecken:
       a) den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu festigen;
       b) den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und erzieherischen
       Fortschritt der  Einwohner der  Treuhandgebiete  und  ihre  fort-
       schreitende Entwicklung  zur Selbstregierung  oder Unabhängigkeit
       so zu  fördern, wie  es den  besonderen Verhältnissen eines jeden
       dieser Hoheitsgebiete und seiner Bevölkerung sowie deren frei ge-
       äußerten Wünschen entspricht und in dem diesbezüglichen Treuhand-
       abkommen vorgesehen ist;
       c) die Achtung  vor den  Menschenrechten und  Grundfreiheiten für
       alle ohne  Unterschied der  Rasse, des  Geschlechts, der  Sprache
       oder der Religion zu fördern und das Bewußtsein der gegenseitigen
       Abhängigkeit der Völker der Welt zu stärken;
       d) die Gleichbehandlung  aller Mitglieder  der Vereinten Nationen
       und ihrer  Staatsangehörigen in  sozialen,  wirtschaftlichen  und
       Handelsangelegenheiten sowie  die Gleichbehandlung dieser Staats-
       angehörigen in  der Rechtspflege sicherzustellen, ohne jedoch die
       Verwirklichung der  vorgenannten Zwecke zu beeinträchtigen; Arti-
       kel 80 bleibt unberührt.
       
       ARTIKEL 77
       1) Das Treuhandsystem findet auf die zu den folgenden Gruppen ge-
       hörenden Hoheitsgebiete Anwendung, soweit sie auf Grund von Treu-
       handabkommen in dieses System einbezogen werden:
       a) gegenwärtig bestehende Mandatsgebiete;
       b) Hoheitsgebiete, die  infolge des Zweiten Weltkriegs von Feind-
       staaten abgetrennt werden;
       c) Hoheitsgebiete, die  von den für ihre Verwaltung verantwortli-
       chen Staaten freiwillig in das System einbezogen werden.
       2) Die Feststellung,  welche  Hoheitsgebiete  aus  den  genannten
       Gruppen in  das Treuhandsystem  einbezogen werden  und welche Be-
       stimmungen hierfür  gelten, bleibt  einer  späteren  Übereinkunft
       vorbehalten.
       
       ARTIKEL 78
       Das Treuhandsystem findet keine Anwendung auf Hoheitsgebiete, die
       Mitglied der  Vereinten Nationen  geworden sind;  die Beziehungen
       zwischen Mitgliedern  beruhen auf der Achtung des Grundsatzes der
       souveränen Gleichheit.
       
       ARTIKEL 79
       Für jedes  in das  Treuhandsystem  einzubeziehende  Hoheitsgebiet
       werden die  Treuhandbestimmungen einschließlich aller ihrer Ände-
       rungen und  Ergänzungen von  den unmittelbar beteiligten Staaten,
       zu denen bei Mandatsgebieten eines Mitglieds der Vereinten Natio-
       nen auch  die Mandatsmacht zählt, in Form eines Abkommens verein-
       bart; sie bedürfen der Genehmigung nach den Artikeln 83 und 85.
       
       ARTIKEL 80
       1) Soweit in  einzelnen, auf  Grund der Artikel 77, 79 und 81 ge-
       schlossenen Treuhandabkommen  zur Einbeziehung  eines Treuhandge-
       biets in  das Treuhandsystem  nichts anderes  vereinbart wird und
       solange derartige  Abkommen noch nicht geschlossen sind, ist die-
       ses Kapitel  nicht so  auszulegen, als ändere es unmittelbar oder
       mittelbar die  Rechte von  Staaten oder Völkern oder in Kraft be-
       findliche  internationale  Übereinkünfte  deren  Vertragsparteien
       Mitglieder der Vereinten Nationen sind.
       2) Aus Absatz  1 kann  keine Rechtfertigung dafür abgeleitet wer-
       den, Verhandlungen  über Abkommen  zu der  in Artikel 77 vorgese-
       henen Einbeziehung  von Mandatsgebieten  und sonstigen Hoheitsge-
       bieten in  das Treuhandsystem  oder den Abschluß solcher Abkommen
       zu verzögern oder aufzuschieben.
       
       ARTIKEL 81
       Jedes Treuhandabkommen  enthält die  Bestimmungen, nach denen das
       Treuhandgebiet zu  verwalten ist,  und bezeichnet die verwaltende
       Obrigkeit. Diese, im folgenden als "Verwaltungsmacht" bezeichnet,
       kann ein  Staat oder  eine Staatengruppe  oder  die  Organisation
       selbst sein.
       
       ARTIKEL 82
       Jedes Treuhandabkommen  kann eine oder mehrere strategische Zonen
       bezeichnen, die  das ganze Treuhandgebiet, für welches das Abkom-
       men gilt, oder einen Teil davon umfassen; Sonderabkommen nach Ar-
       tikel 43 bleiben unberührt.
       
       ARTIKEL 83
       1) Alle Aufgaben der Vereinten Nationen in bezug auf strategische
       Zonen, einschließlich  der Genehmigung der Treuhandabkommen sowie
       ihrer Änderungen und Ergänzungen, nimmt der Sicherheitsrat wahr.
       2) Die in  Artikel 76 dargelegten Hauptzwecke gelten auch für die
       Bevölkerung jeder strategischen Zone.
       3) Unter Beachtung  der Treuhandabkommen nimmt der Sicherheitsrat
       vorbehaltlich der  Sicherheitserfordernisse die Unterstützung des
       Treuhandrats in Anspruch, um im Rahmen des Treuhandsystems dieje-
       nigen Aufgaben  der Vereinten  Nationen wahrzunehmen, die politi-
       sche, wirtschaftliche,  soziale und erzieherische Angelegenheiten
       in den strategischen Zonen betreffen.
       
       ARTIKEL 84
       Die Verwaltungsmacht  hat die  Pflicht, dafür  zu sorgen, daß das
       Trenhandgebiet seinen  Beitrag zur  Wahrung des  Weltfriedens und
       der internationalen  Sicherheit leistet. Zu diesem Zweck kann sie
       freiwillige Streitkräfte,  Erleichterungen und  Beistand von  dem
       Treuhandgebiet in  Anspruch nehmen, um die Verpflichtungen zu er-
       füllen, die  sie in  dieser Hinsicht gegenüber dem Sicherheitsrat
       übernommen hat,  und um  die örtliche  Verteidigung und  die Auf-
       rechterhaltung von  Recht und  Ordnung innerhalb  des Treuhandge-
       biets sicherzustellen.
       
       ARTIKEL 85
       1) Die Aufgaben  der Vereinten  Nationen in bezug auf Treuhandab-
       kommen für  alle nicht  als strategische  Zonen bezeichneten  Ge-
       biete, einschließlich  der Genehmigung der Treuhandabkommen sowie
       ihrer Änderungen  und Ergänzungen, werden von der Generalversamm-
       lung wahrgenommen.
       2) Bei der  Durchführung dieser Aufgaben wird die Generalversamm-
       lung von  dem unter ihrer Autorität handelnden Treuhandrat unter-
       stützt.
       
       Kapitel XIII
       ------------
       
       Der Treuhandrat
       ---------------
       Zusammensetzung
       ---------------
       
       ARTIKEL 86
       1) Der Treuhandrat  besteht aus folgenden Mitgliedern der Verein-
       ten Nationen:
       a) den Mitgliedern, die Treuhandgebiete verwalten;
       b) den in  Artikel 23 namentlich aufgeführten Mitgliedern, soweit
       sie keine Treuhandgebiete verwalten;
       c) so vielen  weiteren von  der Generalversammlung  für  je  drei
       Jahre gewählten  Mitgliedern, wie  erforderlich sind,  damit  der
       Treuhandrat insgesamt  zur Hälfte  aus Mitgliedern  der Vereinten
       Nationen besteht,  die Treuhandgebiete  verwalten, und zur Hälfte
       aus solchen, die keine verwalten.
       2) Jedes Mitglied  des Treuhandrats  bestellt eine  besonders ge-
       eignete Person zu seinem Vertreter im Treuhandrat.
       
       Aufgaben und Befugnisse
       -----------------------
       
       ARTIKEL 87
       Die Generalversammlung  und unter ihrer Autorität der Treuhandrat
       können bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben
       a) von der Verwaltungsmacht vorgelegte Berichte prüfen;
       b) Gesuche entgegennehmen und sie in Konsultation mit der Verwal-
       tungsmacht prüfen;
       c) regelmäßige Bereisungen  der einzelnen  Treuhandgebiete veran-
       lassen, deren Zeitpunkt mit der Verwaltungsmacht vereinbart wird;
       d) diese und  sonstige Maßnahmen in Übereinstimmung mit den Treu-
       handabkommen treffen.
       
       ARTIKEL 88
       Der Treuhandrat  arbeitet einen  Fragebogen über den politischen,
       wirtschaftlichen, sozialen  und  erzieherischen  Fortschritt  der
       Einwohner jedes  Treuhandgebiets aus;  die Verwaltungsmacht jedes
       Treuhandgebiets, für das die Generalversammlung zuständig ist,
       erstattet dieser auf Grund des Fragebogens alljährlich Bericht.
       
       Abstimmung
       ----------
       
       ARTIKEL 89
       1) Jedes Mitglied des Treuhandrats hat eine Stimme.
       2) Beschlüsse des Treuhandrats bedürfen der Mehrheit der anwesen-
       den und abstimmenden Mitglieder.
       
       Verfahren
       ---------
       
       ARTIKEL 90
       1) Der Treuhandrat  gibt sich eine Geschäftordnung; in dieser re-
       gelt er auch das Verfahren für die Wahl seines Präsidenten.
       2) Der Treuhandrat  tritt nach  Bedarf gemäß seiner Geschäftsord-
       nung zusammen;  in dieser  ist auch die Einberufung von Sitzungen
       auf Antrag der Mehrheit seiner Mitglieder vorzusehen.
       
       ARTIKEL 91
       Der Treuhandrat  nimmt gegebenenfalls die Unterstützung des Wirt-
       schafts- und  Sozialrats und  der Sonderorganisationen in Angele-
       genheiten in Anspruch, für die sie zuständig sind.
       
       Kapitel XIV
       -----------
       
       Der Internationale Gerichtshof
       ------------------------------
       
       ARTIKEL 92
       Der Internationale  Gerichtshof ist das Hauptrechtsprechungsorgan
       der Vereinten  Nationen. Er nimmt seine Aufgaben nach Maßgabe des
       beigefügten Statuts wahr, das auf dem Statut des Ständigen Inter-
       nationalen Gerichtshofs beruht und Bestandteil dieser Charta ist.
       
       ARTIKEL 93
       1) Alle Mitglieder der Vereinten Nationen sind ohne weiteres Ver-
       tragsparteien des Statuts des Internationalen Gerichtshofs.
       2) Ein Staat, der nicht Mitglied der Vereinten Nationen ist, kann
       zu Bedingungen, welche die Generalversammlung jeweils auf Empfeh-
       lung des  Sicherheitsrats festsetzt,  Vertragspartei des  Statuts
       des Internationalen Gerichtshofs werden.
       
       ARTIKEL 94
       1) Jedes Mitglied  der Vereinten  Nationen verpflichtet sich, bei
       jeder Streitigkeit,  in der  es Partei  ist, die Entscheidung des
       Internationalen Gerichtshofs zu befolgen.
       2) Kommt eine Streitpartei ihren Verpflichtungen aus einem Urteil
       des Gerichtshofs  nicht nach,  so kann  sich die andere Partei an
       den Sicherheitsrat  wenden; dieser kann, wenn er es für erforder-
       lich hält,  Empfehlungen abgeben  oder Maßnahmen  beschließen, um
       dem Urteil Wirksamkeit zu verschaffen.
       
       ARTIKEL 95
       Diese Charta schließt nicht aus, daß Mitglieder der Vereinten Na-
       tionen auf  Grund bestehender  oder künftiger Abkommen die Beile-
       gung ihrer Streitigkeiten anderen Gerichten zuweisen.
       
       ARTIKEL 96
       1) Die Generalversammlung  oder der Sicherheitsrat kann über jede
       Rechtsfrage ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs anfor-
       dern.
       2) Andere Organe  der Vereinten Nationen und Sonderorganisationen
       können mit  jeweiliger Ermächtigung  durch die Generalversammlung
       ebenfalls Gutachten des Gerichtshofs über Rechtsfragen anfordern,
       die sich in ihrem Tätigkeitsbereich stellen.
       
       Kapitel XV
       ----------
       
       Das Sekretariat
       ---------------
       
       ARTIKEL 97
       Das Sekretariat besteht aus einem Generalsekretär und den sonsti-
       gen von  der Organisation benötigten Bediensteten. Der Generalse-
       kretär wird  auf Empfehlung  des Sicherheitsrats von der General-
       versammlung ernannt. Er ist der höchste Verwaltungsbeamte der Or-
       ganisation.
       
       ARTIKEL 98
       Der Generalsekretär ist in dieser Eigenschaft bei allen Sitzungen
       der Generalversammlung, des Sicherheitsrats, des Wirtschafts- und
       Sozialrats und  des Treuhandrats  tätig und  nimmt alle sonstigen
       ihm von  diesen Organen  zugewiesenen Aufgaben wahr. Er erstattet
       der Generalversammlung alljährlich über die Tätigkeit der Organi-
       sation Bericht.
       
       ARTIKEL 99
       Der Generalsekretär  kann die  Aufmerksamkeit des Sicherheitsrats
       auf jede  Angelegenheit lenken,  die nach  seinem Dafürhalten ge-
       eignet ist,  die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen
       Sicherheit zu gefährden.
       
       ARTIKEL 100
       1) Der Generalsekretär  und die sonstigen Bediensteten dürfen bei
       der Wahrnehmung  ihrer Pflichten von einer Regierung oder von ei-
       ner Autorität außerhalb der Organisation Weisungen weder erbitten
       noch entgegennehmen.  Sie haben jede Handlung zu unterlassen, die
       ihrer Stellung  als internationale,  nur der Organisation verant-
       wortliche Bedienstete abträglich sein könnte.
       2) Jedes Mitglied  der Vereinten  Nationen verpflichtet sich, den
       ausschließlich internationalen  Charakter der  Verantwortung  des
       Generalsekretärs und  der sonstigen  Bediensteten zu  achten  und
       nicht zu versuchen, sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu be-
       einflussen.
       
       ARTIKEL 101
       1) Die Bediensteten  werden vom  Generalsekretär im  Einklang mit
       Regelungen ernannt, welche die Generalversammlung erläßt.
       2) Dem Wirtschafts-  und Sozialrat, dem Treuhandrat und erforder-
       licherfalls anderen  Organen der  Vereinten Nationen  werden  ge-
       eignete ständige  Bedienstete zugeteilt. Sie gehören dem Sekreta-
       riat an.
       3) Bei der  Einstellung der  Bediensteten und  der Regelung ihres
       Dienstverhältnisses gilt  als ausschlaggebend  der Gesichtspunkt,
       daß es  notwendig ist, ein Höchstmaß an Leistungsfähigkeit, fach-
       licher Eignung und Ehrenhaftigkeit zu gewährleisten. Der Umstand,
       daß es  wichtig ist,  die Auswahl  der Bediensteten auf möglichst
       breiter geographischer  Grundlage vorzunehmen,  ist gebührend  zu
       berücksichtigen.
       
       Kapitel XVI
       -----------
       
       Verschiedenes
       -------------
       
       ARTIKEL 102
       1) Alle Verträge und sonstigen internationalen Übereinkünfte, die
       ein Mitglied der Vereinten Nationen nach dem Inkrafttreten dieser
       Charta schließt,  werden so bald wie möglich beim Sekretariat re-
       gistriert und von ihm veröffentlicht.
       2) Werden  solche  Verträge  oder  internationalen  Übereinkünfte
       nicht nach Absatz 1 registriert, so können sich ihre Vertragspar-
       teien bei  einem Organ der Vereinten Nationen nicht auf sie beru-
       fen.
       
       ARTIKEL 103
       Widersprechen sich  die Verpflichtungen  von Mitgliedern der Ver-
       einten Nationen  aus dieser  Charta und  ihre Verpflichtungen aus
       anderen internationalen  Übereinkünften, so  haben die Verpflich-
       tungen aus dieser Charta Vorrang.
       
       ARTIKEL 104
       Die Organisation  genießt im  Hoheitsgebiet jedes  Mitglieds  die
       Rechts- und  Geschäftsfähigkeit, die zur Wahrnehmung ihrer Aufga-
       ben und zur Verwirklichung ihrer Ziele erforderlich ist.
       
       ARTIKEL 105
       1) Die Organisation  genießt im Hoheitsgebiet jedes Mitglieds die
       Vorrechte und Immunitäten, die zur Verwirklichung ihrer Ziele er-
       forderlich sind.
       2) Vertreter der  Mitglieder der  Vereinten Nationen  und Bedien-
       stete der Organisation genießen ebenfalls die Vorrechte und Immu-
       nitäten, deren  sie bedürfen, um ihre mit der Organisation zusam-
       menhängenden Aufgaben in voller Unabhängigkeit wahrnehmen zu kön-
       nen.
       3) Die Generalversammlung  kann Empfehlungen  abgeben, um die An-
       wendung der Absätze 1 und 2 im einzelnen zu regeln, oder sie kann
       den Mitgliedern  der Vereinten  Nationen zu diesem Zweck Überein-
       kommen vorschlagen.
       
       Kapitel XVII
       ------------
       
       Übergangsbestimmungen betreffend die Sicherheit
       -----------------------------------------------
       
       ARTIKEL 106
       Bis das  Inkrafttreten von  Sonderabkommen der  in Artikel 43 be-
       zeichneten Art  den Sicherheitsrat  nach seiner  Auffassung befä-
       higt, mit der Ausübung der ihm in Artikel 42 zugewiesenen Verant-
       wortlichkeiten zu  beginnen, konsultieren die Parteien der am 30.
       Oktober 1943  in Moskau  unterzeichneten Viermächte-Erklärung und
       Frankreich nach Absatz 5 dieser Erklärung einander und gegebenen-
       falls andere Mitglieder der Vereinten Nationen, um gemeinsam alle
       etwa erforderlichen  Maßnahmen zur  Wahrung des  Weltfriedens und
       der internationalen Sicherheit im Namen der Organisation zu tref-
       fen.
       
       ARTIKEL 107
       Maßnahmen, welche  die hierfür  verantwortlichen Regierungen  als
       Folge des  Zweiten Weltkriegs  in bezug auf einen Staat ergreifen
       oder genehmigen,  der während  dieses Krieges  Feind eines Unter-
       zeichnerstaats dieser Charta war, werden durch diese Charta weder
       außer Kraft gesetzt noch untersagt.
       
       Kapitel XVIII
       -------------
       
       Änderungen
       ----------
       
       ARTIKEL 108
       Änderungen dieser Charta treten für alle Mitglieder der Vereinten
       Nationen in  Kraft, wenn sie mit Zweidrittelmehrheit der Mitglie-
       der der  Generalversammlung angenommen  und von zwei Dritteln der
       Mitglieder der  Vereinten Nationen einschließlich aller ständigen
       Mitglieder des  Sicherheitsrats nach  Maßgabe ihres  Verfassungs-
       rechts ratifiziert worden sind.
       
       ARTIKEL 109
       1) Zur Revision  dieser Charta kann eine Allgemeine Konferenz der
       Mitglieder der  Vereinten Nationen  zusammentreten; Zeitpunkt und
       Ort werden  durch Beschluß einer Zweidrittelmehrheit der Mitglie-
       der der Generalversammlung und durch Beschluß von neun beliebigen
       Mitgliedern des Sicherheitsrats bestimmt. Jedes Mitglied der Ver-
       einten Nationen hat auf der Konferenz eine Stimme.
       2) Jede  Änderung  dieser  Charta,  die  von  der  Konferenz  mit
       Zweidrittelmehrheit empfohlen  wird, tritt  in Kraft,  sobald sie
       von zwei  Dritteln der  Mitglieder der  Vereinten  Nationen  ein-
       schließlich aller  ständigen Mitglieder  des Sicherheitsrats nach
       Maßgabe ihres Verfassungsrechts ratifiziert worden ist.
       3) Ist eine  solche Konferenz  nicht vor der zehnten Jahrestagung
       der Generalversammlung nach Inkrafttreten dieser Charta zusammen-
       getreten, so wird der Vorschlag, eine solche Konferenz einzuberu-
       fen, auf  die Tagesordnung  jener Tagung  gesetzt; die  Konferenz
       findet statt,  wenn dies durch Beschluß der Mehrheit der Mitglie-
       der der Generalversammlung und durch Beschluß von sieben beliebi-
       gen Mitgliedern des Sicherheitsrats bestimmt wird.
       
       Kapitel XIX
       -----------
       
       Ratifizierung und Unterzeichnung
       --------------------------------
       
       ARTIKEL 110
       1) Diese Charta bedarf der Ratifizierung durch die Unterzeichner-
       staaten nach Maßgabe ihres Verfassungsrechts.
       2) Die Ratifikationsurkunden  werden bei der Regierung der Verei-
       nigten Staaten  von Amerika  hinterlegt; diese  notifiziert  jede
       Hinterlegung allen Unterzeichnerstaaten sowie dem Generalsekretär
       der Organisation, sobald er ernannt ist.
       3) Diese Charta tritt in Kraft, sobald die Republik China, Frank-
       reich,  die   Union  der  Sozialistischen  Sowjetrepubliken,  das
       Vereinigte Königreich  Großbritannien und Nordirland und die Ver-
       einigten Staaten  von Amerika  sowie die Mehrheit der anderen Un-
       terzeichnerstaaten ihre  Ratifikationsurkunden hinterlegt  haben.
       Die Regierung  der Vereinigten  Staaten von Amerika errichtet so-
       dann über  die Hinterlegung  der Ratifikationsurkunden ein Proto-
       koll, von dem sie allen Unterzeichnerstaaten Abschriften übermit-
       telt.
       4) Die Unterzeichnerstaaten dieser Charta, die sie nach ihrem In-
       krafttreten ratifizieren, werden mit dem Tag der Hinterlegung ih-
       rer Ratifikationsurkunde  ursprüngliche Mitglieder  der Vereinten
       Nationen.
       
       ARTIKEL 111
       Diese Charta, deren chinesischer, französischer, russischer, eng-
       lischer und  spanischer Wortlaut  gleichermaßen verbindlich  ist,
       wird im  Archiv der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
       hinterlegt. Diese  übermittelt den Regierungen der anderen Unter-
       zeichnerstaaten gehörig beglaubigte Abschriften.
       Zu Urkund  dessen haben die Vertreter der Regierungen der Verein-
       ten Nationen diese Charta unterzeichnet.
       
       Geschehen in der Stadt San Francisco am 26. Juni 1945.
       

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