Quelle: Blätter 1974 Heft 09 (September)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF VON PUBLIZISTEN UND SCHRIFTSTELLERN DER BRD
       ==================================================
       ZUR SOLIDARITÄT MIT VERFOLGTEN CHILENISCHEN KOLLEGEN
       ====================================================
       
       (Wortlaut)
       
       Mit wachsender Empörung und Sorge verfolgen Journalisten in aller
       Welt die  mörderische Hetzjagd  der chilenischen  Junta auf  ihre
       Kollegen von  Presse, Rundfunk und Fernsehen. In den neun Monaten
       seit ihrer  Machtergreifung hat die Militärjunta in Chile alle in
       der UNO-Charta proklamierten und auch von Chile als verpflichtend
       anerkannten Menschenrechte  zynisch und schamlos mit Füßen getre-
       ten. Meinungsfreiheit,  Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Ko-
       alitionsfreiheit sind  aufgehoben. Die nicht verbotenen Zeitungen
       sowie Rundfunk und Fernsehen sind "gleichgeschaltete" Propaganda-
       instrumente der  Junta. In  diesen Sprachrohren  der Junta werden
       Terror und  Unmenschlichkeit in  Widerspruch zu den elementarsten
       Grundsätzen journalistischer  Ethik entschuldigt, beschönigt, ge-
       rechtfertigt.
       Journalisten, die sich der frei und demokratisch gewählten Regie-
       rung Allende  gegenüber loyal verhielten, sehen sich allein schon
       aus diesem Grunde beispielloser Willkür ausgesetzt. Wer der Wahr-
       heit zu dienen suchte, wer im Geiste der Menschlichkeit und Demo-
       kratie von  seinem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch ge-
       macht hatte,  verlor seinen  Arbeitsplatz, seine  Freiheit, wurde
       gefoltert oder  ermordet. Redaktionsräume  demokratischer und so-
       zialistischer Zeitungen  wurden  besetzt  und  verwüstet,  ebenso
       Rundfunk- und Fernsehstationen.
       Diese Knebelung  des freien  Worts und  die physische Vernichtung
       seiner berufenen Vertreter können Journalisten und Publizisten in
       der Welt,  die sich  eine freie nennt, nicht stillschweigend hin-
       nehmen, ohne  selbst unglaubwürdig zu werden. Wenn in einem hoch-
       kultivierten christlichen Land wie Chile mit Konzentrationslagern
       und Folterkellern,  mit Zeitungsverboten  und  "Sprachregelungen"
       der verbrecherische  Ungeist der  Hitlerzeit regiert, so sind da-
       durch deutsche Journalisten in besonderer Weise und in besonderem
       Grade herausgefordert.  Sie vor  allem sind  - durch die deutsche
       Vergangenheit -  berufen und  verpflichtet, ihre  Stimme für ihre
       Kollegen in Chile und gegen deren Peiniger zu erheben!
       Wir unterzeichneten Journalisten, Publizisten, Redakteure fordern
       daher: Schluß mit den Folterungen in Chile! Freiheit für die ein-
       gekerkerten Journalisten,  Publizisten und  Redakteure!  Freiheit
       für alle  in Gefängnissen und Konzentrationslagern festgehaltenen
       politischen Gefangenen  der Junta! Die Menschenrechte müssen auch
       in Chile  respektiert, Presse- und Meinungsfreiheit wieder herge-
       stellt werden.
       Wir appellieren an unsere Kollegen in den Redaktionen, allen Ver-
       suchen einer  Rehabilitierung des Faschismus entgegenzutreten und
       nicht  zuzulassen,  daß  die  Öffentlichkeit  der  Bundesrepublik
       Deutschland über die Politik und Praxis der Militärjunta in Chile
       unzureichend, irreführend oder wahrheitswidrig informiert wird.
       Der konkrete  Beitrag, den wir zur Unterstützung unserer verfolg-
       ten chilenischen Kollegen leisten können, besteht in der Verbrei-
       tung der Wahrheit über die chilenische Wirklichkeit heute.
       Wir appellieren auch an die Regierung der Bundesrepublik Deutsch-
       land. Sie  soll im  Geiste der  UNO-Charta tätig  werden und  der
       Junta bis  zur Auflösung  der Konzentrationslager  in Chile sowie
       der Freilassung der gefangenen Demokraten weder politische, mora-
       lische noch finanzielle Hilfe leisten.
       Insofern wir  zur verstärkten  Solidarität für  unsere verfolgten
       Kollegen in  Chile auffordern, setzen wir uns zugleich dafür ein,
       daß dem  leidgeprüften, um seine Freiheit kämpfenden chilenischen
       Volk die Hilfe aller Menschen zuteil wird, die sich zu den Grund-
       und Freiheitsrechten bekennen.
       
       Juli 1974
       
       Bisherige Unterzeichner:
       Gösta Freiherr v Uexküll - Peter Blachstein - Fritz Sänger - Rolf
       Hochhut - Bernt Engelmann - Karl-Heinz Deschner - Martin Walser -
       Heinrich Jenicke  - Heiko Gebhard - Jürgen Holtkamp - Peter Rühm-
       korff -  Helmut W.M. Kahn - H.P. Meier - Hermann P. Piwitt - Rolf
       Schübel - Theo Gallehr - Peter Homann - Peggy Parnass - Claus Ni-
       lius -  Hark Bohm - Eckart Spoo - Wolfgang Beutin - Helmut Bausch
       - Susanne  v. Paczensky  - Bernd C. Hesslein - Günter Herburger -
       Günter Grass  - Udo  Hergenröder -  Manfred  Bissinger  -  Gertie
       Schönfeld -  E.A. Rauter - Heinrich Schirmbeck - Peter Chotiewitz
       - Luc  Jochimsen - Hans-Jörg Martin - Nicolas Born - Werner Georg
       Backert -  Monika Sperr  - Ursula Kappler - Joachim Besser - Golo
       Mann - Georg Polikeit - Uwe Herms - Jacob Moneta - Siegfried Lenz
       - Frank  Rühmann -  Wolf Schenke - Cornelius v.d. Horst - Adeline
       Vérino - Rosemarie Bollinger - Wolfgang Bartels - Kurt Erlebach -
       Ernst Bloch  - Werner  Alberts - Barbara Beuys - Michael Krüger -
       Thomas Ayck  - Cecilia v. Studnitz - Uwe Friesel - Alfred Horné -
       Erika Runge  - Hermann Schueler - Wolf Perdelwitz - Margret Mever
       - Elisabeth Wollf - Ulrich Rosenbaum - Marlen Woltersdorf - Claus
       Lutterbeck - Sigurd Baecker - Barbara Bußfeld - Thomas Schröder -
       Heiko Gebhardt  - Michael  Naumann -  Eckart Kleßmann  -  Barbara
       Horny - Thomas v. Randow - Ronald Granz - Manfred Sack - Rolf Mi-
       chaelis - Harald Steffahn - Rainer Frenkel - Gunhild Freese - Kai
       D. Eichstädt  - Benjamin  Heinrichs -  Dietrich Strohtmann - Hayo
       Matthiesen -  W. Wiese  - Frank Otte - Andreas Koktabuur - Dieter
       Kuhl -  Karl Heinz Janßen - Klaus Kullabig - Hugo Molter - Markus
       Osterwalde -  Peter Schulze-Rohr - Jürgen Manthey - Michael Dultz
       - Dieter  Stoll -  Leo Loy  - H.  Cramer - K.H. Frühhaber - Klaus
       Schamberger -  Norbert Neudecker - Klaus Zeilein - M. Nyary - Lis
       Frenzel -  Erdmute Beha  - Erika  Ruckdäschel - Nim Wenders - Ulf
       Miehe - Uwe Brandner - Jürgen-Peter Stössel - Christian Kneifel -
       Ursula Schmid  - Jörg Scherkamp - Friedrich Hitzer - Walter Frit-
       sche -  Markus Dosch - Gabriele Herrmann - Gabi Groeber - Max Go-
       brich Heinzel  - Gisel  Spöcker -  Arthur Troppmann  -  Siegfried
       Grundmann -  Siegfried Schwerdtfeger  - Erika  Däbritz  -  Kaspar
       Maase -  Rosemarie Labudda - Walter Kary - Christa Breuch - Hans-
       Peter Breuch  - Eberhard Weber - Emil Carlebach - Werner Sterzen-
       bach -  Max Schäfer  - Helmut  Rödl - Heinz Rogge - Ulrich Lang -
       Günther Hahn  - Hans-Peter Budde - Hans-Dieter Kleineberg - Wolf-
       gang Meister  - Franz  Ahrens - Jutta Emcke - Ursula Junk - Gode-
       hard Schramm  - Werner  Petschik - Hugo Braun - Roland Lang - Mi-
       chael Storcks - Gustl Schneider - Walli Schneider - Manfred Bosch
       - Edgar  Gärtner -  Harald Meinke  - Helmut  v. Lölhöffel - Fritz
       Hollstein -  Emmi Kuhlmey  - Walter  Bloch - Hans Brender - Peter
       Baumöller -  Mathias Jung  - Nadja  Kleinholz -  Alexander Goeb -
       Arno Behrisch  - Uwe  Wandrey -  Stefan Siegert - Walter Fabian -
       Peter Stüber  - Dieter Stäcker - Thomas Walde - Uwe Timm - Dagmar
       Ploetz -  Franz Josef  Degenhardt -  Jürgen Schmidt  - Hans-Peter
       Reichelt -  Ingrid Schuster  - Peter  Schütt -  Stefan Zotschew -
       Horst Bethge - Hans Rondi - Jochen Bölsche - Klaus Franke - Rein-
       hard Janz  - Hans  Büttner - Inge Stolten - Axel Eggebrecht - Mi-
       chael Wolf  Thomas - Fee Zschocke - Inga Thomsen - Siegfried Sän-
       ger -  Jens Eggers - Rolf Kasiske - Josef Reding - Christoph Der-
       schau - Hannelore Meltzer - Manfred Bonson - Ingrid Meyer-Sievers
       - Wolfgang Haaker - Gerhard Wöbbeking - Barbara Tonkowski - Peter
       Fischbach -  Egon Heuse - Gerd Kröncke - Willi Carl - Peter Legar
       - Horst  Lachmann - Erhard Evers - Dieter Brumm - Richard Limpert
       - Helga  Wingert-Uhde -  Ulrich Wickert  - Claus  Richter -  Rolf
       Bringmann -  E. Potthast  - Manfred  Vosz - Almut Hielscher - Nur
       Eder -  Christian J. Weisenborn - Wolfried Wagner - Franz Weich -
       Dieter Koffmane  - Ute  Wagner-Oswald - Ingeborg Weber - Wolfgang
       Bauernfeind -  Klaus Eder  - Johannes Gulde - Erwin Jedamus - Ju-
       liane Schuhler  - Hans Jürgen Weber - Günter Mletzko - Hans Peter
       Herbst -  Christa Auch-Schwelk - Lutian Neitzel - Klaus Reuysch -
       Joachim Wolf  - Uwe  Zimmermann - Hellmuth v. Ulmann - Klaus Gol-
       dinger -  Frank v.  Auer - Werner Borsbach - Ben Witter - Uwe Ro-
       senbaum -  Hartmut Ludwig  - Max Geissler - Hartmut Lück - Günter
       R. Brohl  - Heinrich Böll - Gerhard Quack - Alexander v. Hoffmann
       - Norbert  Neumann -  Dieter Schickling  - Gerd  Mingram-Germin -
       Joke M. Koch - Franz Kraft - Heinz Pohlmann - Siegfried Mehnert -
       Carl Heinz  Trinckler - Gerd Siebert - Willy Steding - Björn Eng-
       holm -  Peter W.  Tügel -  Hans-Jörg Hennecke  - Wolfgang  Sieg -
       Wolfgang Fischer - Wolfgang Schmitz - Annemarie Norden - Fritz v.
       Globig -  Walter Helfer  - Wiebke Becker - Charlotte Rothweiler -
       Klaus Kuhnke  - Renate  Riemeck - Kerstin V. Freytag-Löringhoff -
       Harald Raschke  - Peter  Rosinski -  Joachim Braun  - Hanns-Erich
       Sprittulla -  Andrea Kumsemüller - Günter Haaf - Peter C. Walther
       - Hubert Wiedfeld - Agnes Hüfner - Erwin Neuner - Klaus Budzinski
       - Gerd  Fuchs - Peter Maiwald - Karl D. Bredthauer - Paul B. Neu-
       höffer - Johannes Weidenheim - Uwe Reher - Rainer Hirsch - Ansgar
       Skriver -  Hubert Johr  - Eberhard Hollweg - Karl-Heinz Walloch -
       Paul Pfeiffer - Fritz Böhmel - Hans Henning Holm - Werner Heine -
       Günter Quast  - Heinz  Hostnig - Otto Peter Paeffgen - Hartwig v.
       Manillard -  Reinhard Albrecht  - Alfred  Kantorowicz -  Ingeborg
       Münzing-Ruef - Jost Nolte - Lore Walb - Detlef Marwig.
       
       Stand: 2. September 1974
       Unterschriften sind  zu richten  an: Gösta  v. Uexküll,  p.Adr. 2
       Hamburg 13, Innocentiastraße 21/I
       

       zurück