Quelle: Blätter 1975 Heft 01 (Januar)


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       Wirtschaftsinformation
       
       AUS DEM ALLTAG DER MARKTWIRTSCHAFT *)
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       Die Zahl  der Arbeitslosen in den 24 Mitgliedsstaaten der Organi-
       sation für  wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
       wird im  nächsten Jahr  um 4  Millionen oder  40 Prozent steigen.
       Zwischen Mitte  April und Mitte Oktober dieses Jahres hat die Ar-
       beitslosenzahl in diesen Ländern um 1,7 auf 10 Millionen zugenom-
       men. ...
       "Die Welt" v. 19.12.1974.
       
       Die Zahl der Insolvenzen wird nach Ansicht des Verbandes der Ver-
       eine Creditreform  e.V. in  Neuss in  diesem Jahr  7500 und damit
       einen neuen  Rekord nach  dem Krieg erreichen. Sie wird 30,2 Pro-
       zent höher  als im  bisher ungünstigsten Jahr 1951 liegen. In den
       Rezessionsjahren 1966  und 1967  sei mit 3615 und 4337 Fällen das
       Ergebnis noch relativ günstig ausgefallen. ...
       Wie Creditreform  in einer Analyse von 373 repräsentativen Insol-
       venzen zwischen  Juli und November ermittelt hat, sind die Unter-
       nehmen mit ein- bis zweihundert Beschäftigten mit 91,9 Prozent an
       diesen Zusammenbrüchen beteiligt. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 13.12.1974.
       
       Die Krise am Baumarkt wird sich fortsetzen. Für das laufende Jahr
       rechnet das  Münchener Ifo-Institut  mit einem  Rückgang der  ge-
       samten Bauproduktion  um 5 bis 6%. Auch 1975 ist mit einer Norma-
       lisierung kaum  zu rechnen. Die Konjunkturforscher erwarten sogar
       eine nochmalige Reduzierung der Bauproduktion um 2 bis 3%. ...
       "Handelsblatt" v. 5.11.1974.
       
       Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat der Bundesre-
       gierung vorgeschlagen,  vom 1. Januar 1975 an neue Maßnahmen ein-
       zuführen, um  die indirekte  Förderung von Forschung und Entwick-
       lung im  notwendigen Umfang  zu sichern.  Nach dem  gegenwärtigen
       Stand droht 1975 ein Abbau der staatlichen Förderung auf ein auch
       im internationalen Vergleich unvertretbar niedriges Niveau". ...
       Eine bessere  steuerliche Forschungsförderung  bezeichnet der BDI
       als unerläßlich,  um die  zur Erhaltung der langfristigen Wettbe-
       werbsfähigkeit und  damit der  Arbeitsplätze notwendigen Investi-
       tionen in  Forschung und moderner Technologie rechtzeitig anzure-
       gen und finanziell abzusichern. ...
       "Die Welt" v. 31.10.1974.
       
       Bis 1978  sollen jährlich  öffentliche Mittel von 3 Milliarden DM
       in die  Luft- und  Raumfahrtindustrie der Bundesrepublik fließen.
       Das geht  aus den  Planungszahlen des  in  Bonn  veröffentlichten
       fortgeschriebenen Basisprogramms  für diesen  Industriezweig  für
       1974 bis 1978 hervor, das das Bundeskabinett bereits am 4. Dezem-
       ber verabschiedet hat. Wie es in dem Bericht heißt, weil die Bun-
       desregierung  "unter   Offenhaltung  künftiger  europäischer  und
       transatlantischer Optionen" ihre Anstrengungen verstärkt zunächst
       auf eine  Konsolidierung der  Luft- und Raumfahrtindustrie im na-
       tionalen Bereich konzentrieren. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 11.12.1974.
       
       Einen Tag  nach dem  Eingeständnis des Weißen Hauses über den Be-
       ginn einer  Rezession kündigte  der größte  Automobilkonzern  der
       Vereinigten Staaten  neue Entlassungen  an. General Motors in De-
       troit gab die zeitweilige Schließung von drei Werken bekannt, die
       zur Entlassung von 7200 Arbeitskräften führen wird. Insgesamt ha-
       ben die  vier größten US-Autohersteller über 76 000 Arbeiter vor-
       übergehend oder endgültig entlassen. Gleichzeitig gab die Autoin-
       dustrie bekannt,  daß in den ersten zehn Novembertagen 38 Prozent
       weniger Autos  verkauft wurden  als im gleichen Zeitraum des Vor-
       jahres.
       "Handelsblatt" v. 11.11.1974.
       
       Mehr als  150 000 Automobilarbeiter und Angestellte der führenden
       US-Automobilkonzerne werden  im kommenden Monat ohne Arbeit sein.
       Um Absatzrückgängen  von nahezu  40 Prozent  und gefährlich hohen
       Lägern zu  begegnen, haben  vor allem Chrysler und General Motors
       massive Produktionskürzungen  vorgenommen bzw. angekündigt. Werk-
       schließungen, Massenentlassungen und Kurzarbeit weiten sich aus -
       unter Protesten der Automobilarbeitergewerkschaft. ...
       "Handelsblatt" v. 23./24.11.1974.
       
       Die französische  Regierung hat  - wie erwartet - Kreditmittel in
       Milliardenhöhe für die Umstrukturierung der französischen Automo-
       bilindustrie bereitgestellt.  Das Wirtschafts- und Finanzministe-
       rium teilte mit, daß der Staat dem stark defizitären privaten Au-
       tounternehmen Citroën  einen Kredit  von I  Mrd. F (540 Mill. DM)
       zur Verfügung  stellt. Citroën  beabsichtigt einen Zusammenschluß
       in Etappen  mit dem  ebenfalls privaten Autokonstrukteur Peugeot.
       Für das  Zusammengehen  der  beiden  Lkw-Hersteller  Berliet  und
       Saviem hat  der französische Staat darüber hinaus dem staatlichen
       Autokonzern Renault  einen Kredit  von 450 Mill. F (240 Mill. DM)
       gegeben.
       "Handelsblatt" v. 4.12.1974.
       
       Wie jüngst  schon Ferranti  und Alfred Herbert, Englands Elektro-
       nikkonzern und  Europas größter  Werkzeugmaschinen-Spezialist, so
       ist jetzt auch British Leyland bei der Regierung mit dem Ersuchen
       um Liquiditätshilfe  vorstellig geworden.  Zur  Absicherung  wird
       nach Ausschöpfung  aller Finanzierungsmöglichkeiten  durch Banken
       angeblich ein Einschuß von 50 bis 70. Mill. Pfund benötigt. ...
       Es wird  wahrscheinlich dazu  führen, daß  der Staat  sich massiv
       (wahrscheinlich sogar  mit 51%)  am Kapital des von der Börse mit
       nur mehr  40 Mill.  Pfund bewerteten  Unternehmens beteiligt. Die
       erste Hälfte  ihres Geschäftsjahrs  1974/75 (30.9.) hatte British
       Leyland -  Englands größter  Auto-Exporteur mit  gut 160 000  Be-
       schäftigten - mit einem Verlust von 16 Mill. Pfund abgeschlossen.
       ...
       "Handelsblatt" v. 7./8.12.1974.
       
       Das Bundeskartellamt  hat nach  mehr als  zweieinhalb Jahren  ein
       spektakuläres Verfahren eingestellt. Es ging um Geldbußen in Höhe
       von 48,44 Mill. DM, die die Behörde gegen neun deutsche Chemiefa-
       ser-Hersteller verhängt  hatte. Gleichzeitig  mit der Einstellung
       des Verfahrens  haben sich  allerdings die  neun Unternehmen ver-
       pflichtet, "Unter  Aufrechterhaltung der  streitigen Rechtsstand-
       punkte" zwölf  Mill. DM  an die Bundeskasse zu zahlen und die Be-
       schwerde beim  Berliner Kammergericht  gegen die Entscheidung der
       dritten Beschlußabteilung des Amtes zurückzunehmen. ...
       "Die Welt" v. 16.11.1974.
       
       Eine verstärkte  Kontrolle der  multinationalen Unternehmen  for-
       derte der  Präsident des  Bundeskartellamtes, Eberhardt  Günther.
       Allein die  wirtschaftliche Macht  und die  Gefahr des Mißbrauchs
       rechtfertige derartige  Kontrollen. Die  gegenwärtigen Schwierig-
       keiten, Multinationale zu überprüfen, liegen nach Günther weniger
       in den  nationalen Gesetzen  gegen Wettbewerbsbeschränkungen  als
       vielmehr in  der Durchführbarkeit dieser Gesetze bei Untersuchun-
       gen gegen die Unternehmen.
       Dies habe  sich in  der Bundesrepublik besonders in den Verfahren
       gegen die Mineralölgesellschaften gezeigt, wo - so Günther - ver-
       schiedene Tatbestände  auf eine  Verletzung der Deutschen Gesetze
       hätten schließen  lassen, da sich die Geschäftsunterlagen im Aus-
       land befanden. ...
       "Handelsblatt" v. 7.11.1974.
       
       Die US-Mineralölunternehmen  müssen ihren  Kunden 40 Mill. Dollar
       in Form von Preissenkungen zurückerstatten. Dies verfügte die US-
       Bundesenergiebehörde in  Washington. Der  Behörde zufolge  hatten
       die Unternehmen  von Januar bis April auf Grund mißverständlicher
       Bestimmungen Kosten zweimal verbucht und zum Teil abgewälzt.
       "Die Welt" v. 5.11.1974.
       
       Subventionen  der   Privatwirtschaft  kosten  den  amerikanischen
       Staatshaushalt im  nächsten Jahr fast 100 Mrd. Dollar. Einer Kon-
       greß-Studie zufolge ist der größte Teil dieser Summe hinausgewor-
       fenes Geld. Hinter vielen dieser Hilfsprogramme stehen aber Macht
       und Einfluß der "Special interest"-Gruppen.
       Die unsichtbaren  Subsidien, schreibt  Senator William  Proxmire,
       steigern das Defizit und tragen damit zur Inflation bei. Proxmire
       ist Vorsitzender eines Kongreß-Komitees, von dem Experten mit der
       Untersuchung des  gesamten Subventionsprogramms beauftragt worden
       waren. In  der Zusammenfassung  heißt es:  "Im großen  und ganzen
       zeigen diese  Studien, daß  viele Subsidien wirtschaftlich nichts
       taugen, ihr  Nutzen begünstigt  die Reichen  und in vielen Fällen
       stehen die  Kosten des Programms in krassem Mißverhältnis zum ei-
       gentlichen Nutzen." ...
       "Süddeutsche Zeitung" v. 30.10.1974.
       
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       *) Ausgewählte Nachrichten aus der Wirtschaftspresse, zusammenge-
       stellt von Gerhard Kade.
       

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