Quelle: Blätter 1975 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       BONNER AUFRUF ZUM INTERNATIONALEN JAHR DER FRAU
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       VOM 7. JANUAR 1975
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       (Wortlaut)
       
       Der nachstehende,  von hundert  Frauen aus der ganzen Bundesrepu-
       blik unterzeichnete  Aufruf wurde  am 7.  Januar 1975  auf  einer
       Pressekonferenz in Bonn der Öffentlichkeit vorgelegt. D. Red.
       
       Die Gleichberechtigung  der Frau  im gesellschaftlichen Leben, am
       Arbeitsplatz, bei  der Gestaltung  des Familienlebens und bei den
       großen Entscheidungen  über die  Zukunft der Welt ist in zahlrei-
       chen Dokumenten  verankert. Sie wurde in die Charta der Vereinten
       Nationen und  die Erklärung  der Menschenrechte  aufgenommen. Die
       Verfassungen vieler Staaten fordern sie ebenso, wie es eine Reihe
       von internationalen  Verträgen tut.  Dennoch ist die Benachteili-
       gung der  Frau in vielen Teilen der Welt bis heute nicht überwun-
       den.
       Die Vollversammlung  der Vereinten Nationen hat das Jahr 1975 zum
       Internationalen Jahr  der Frau erklärt und Aktionen gefordert mit
       dem Ziel,
       "die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fördern;
       die vollständige  Einbeziehung der Frauen in das allgemeine Bemü-
       hen um Entwicklung zu gewährleisten, insbesondere durch die Beto-
       nung der Verantwortung der Frauen und ihrer bedeutenden Rolle bei
       der wirtschaftlichen,  sozialen und  kulturellen Entwicklung  auf
       nationaler, regionaler und internationaler Ebene...,
       die Bedeutung des wachsenden Beitrages der Frauen zur Entwicklung
       freundschaftlicher Beziehungen und der Zusammenarbeit der Staaten
       und zur Festigung des Weltfriedens anzuerkennen" (aus UNO-Resolu-
       tion 3010).
       Auch für  die Bundesrepublik  Deutschland gelten als Verfassungs-
       prinzipien "Gleichberechtigung" und "freie Entfaltung der Persön-
       lichkeit":
       Frauen haben  das Recht  auf gleiche Entlohnung für gleichwertige
       berufliche Tätigkeit,  auf Sicherung  ihrer Arbeitsplätze und in-
       tensive Bildungsförderung bei gleichen Aufstiegschancen;
       Frauen haben  Anspruch auf  gesetzliche und eigenständige soziale
       Sicherung, auf  staatliche Leistungen,  die dem  doppelten Nutzen
       gerecht werden, den sie der Gesellschaft erbringen, indem sie be-
       ruflich tätig sind, die Familie versorgen und Kinder großziehen;
       Frauen haben  Anrecht auf  eine Darstellung  in Presse,  Funk und
       Fernsehen sowie  in den  Schulbüchern, die der Bedeutung der Frau
       in unserer  heutigen Gesellschaft  entspricht und  Vorurteile ab-
       baut.
       Diese Grundsätze  zu verwirklichen,  erfordert nicht nur Anstren-
       gungen von  Bundesregierung und Parteien, Gewerkschaften und Ver-
       bänden, Kirchen  und Massenmedien,  sondern Aktivitäten  der  ge-
       samten Öffentlichkeit.
       In vielen Ländern haben sich Vorbereitungskomitees zur Gestaltung
       des Internationalen Jahres der Frau gebildet;
       in allen  Erdteilen wurden Erhebungen durchgeführt und Vorschläge
       zur Verbesserung der Situation der Frau erarbeitet;
       Regierungen, nationale  und internationale  Organisationen veran-
       stalten Foren und Fachseminare.
       Im Geiste  der Zielsetzung der Vereinten Nationen und von der UNO
       begrüßt, bereiten internationale Organisationen einen
       
       Weltkongreß im Internationalen Jahr der Frau 1975
       
       vor, der  in der  Zeit vom  20.-24. Oktober  1975 in Berlin (DDR)
       stattfinden wird.  Dieses Weltforum  wird Frauen  aller  sozialen
       Schichten, unterschiedlicher Weltanschauungen, Religionen und po-
       litischer Richtungen die Möglichkeit bieten, die sie bedrängenden
       Fragen zu  beraten und  alle Meinungen und Standpunkte in offener
       Aussprache vorzutragen.
       Die Durchsetzung  der Rechte  der Frau,  ihre Einbeziehung in die
       Bemühungen um ein friedliches Miteinander der Völker und eine ge-
       rechtere Welt  ist eine  Aufgabe der  gesamten  Gesellschaft  und
       heute realisierbar.
       Wir, die Unterzeichnerinnen, wenden uns an Sie, Frauen und Männer
       der Bundesrepublik Deutschland:
       Helfen Sie mit, die Forderungen der UNO in die Tat umzusetzen!
       Unterstützen und verbreiten Sie diesen Aufruf!
       Bonn, Januar 1975
       
       Die Erstunterzeichner:
       Erdmute Beha, München, Schriftstellerin - Renate Berger, Hamburg,
       F.R.A.U. -Barbora  Bertram, Bochum  Schauspielerin -  Irmgard Be-
       thge, Hamburg, Elternratsvorsitzende - Ingrid Bock, Hamburg, Stu-
       dienrätin -  Annemarie Böll,  Köln -  Christine Brinck,  Hamburg,
       Journalistin -  Almut Broër,  Hamburg, Malerin  - Ute Bromberger,
       Hamburg, Redakteurin - Hanne Brugelmann, Köln, Pastorin - Annema-
       rie Colberg, Hamburg, Angestellte - Ela Crollius, Hamburg, Schau-
       spielerin -  Lil Dagover, München, Schauspieierin - Marliese Dob-
       berthien, Hamburg,  Journalistin- Renate Dörner, Hamburg, Studie-
       rende -  Lottemi  Doormann,  Hamburg,  Zentrale  Elterninitiative
       Schulnotstand -  Dr. phil. Ingeborg Drewitz, Berlin, Schriftstei-
       lerin, Vizepräsidentin  PEN-Club - Ilka Eglof, Hamburg, Wiss. As-
       sistentin - Elisabeth Ehmcke, Hamburg Sekretärin, Betriebsrätin -
       Marlies Engel,  Hamburg, Schauspielerin - Annemarie Fabian, Köln,
       Journalistin -  Ingrid Fischer,  Hamburg, Filmcutterin  -  Annemy
       Falkner, Hamburg,  Journalistin - Sigrid Falkner, Hamburg, Redak-
       teurin -  Dr. Jutta  v. Freyberg, Marburg, Lehrbeauftragte - Bar-
       bara Friedenberger,  Hamburg, Studierende  - Maja  Gellinek, Ham-
       burg, Lehrerin  - Sabine  Großkopf, Hamburg,  Wiss. Assistentin -
       Prof. Dr. Ilse Grumm, Hamburg - Birgit Guereke, Hamburg, Grafike-
       rin -  Ingrid Gundlach, Hamburg, Referendarin - Elisabeth Habeck,
       Bad Pyrmont, Lehrerin a.D. - Geno Hartlaub, Hamburg, Schriftstel-
       lerin -  Frigga Haug, Berlin, Wiss. Assistentin - Florence Hervé,
       Bonn, Publizistin  - Lottemarie  Heuer,  Hamburg,  Studierende  -
       Magda Hoffmann-Taroni,  Essen, Bildjournalistin  - Sandra Holler,
       Hamburg, Nachrichtensekretärin - Dr. Agnes Hüfner, Neuss, Journa-
       listin -  Ingke Huß,  Hamburg, Studierende  - Katrine  v. Hutten,
       Hamburg, Redakteurin,  Publizistin  -  Tatjana  Iwanow,  Hamburg,
       Schauspielerin -  Dr. Luc Jochimsen, Hamburg, Journalistin - Ulla
       Kappler, München, Lehrerin - Florentine Kerber, Hamburg, Angeste-
       lite -  Alma Kettig, Wuppertal - Edith Klein, Köln, Redakteurin -
       Nadja Kleinholz,  Hamburg, Journalistin  - Joke  M. van der Klis,
       Hamburg, Übersetzerin  -  Marianne  Konze,  Gelsenkirchen,  Ange-
       stellte -Helga Koppel, Marburg, Publizistin - Emma Korthaus, Ham-
       burg, Schriftstellerin  - Dorle  Kranz, Hamburg, Dozentin - Doris
       Krohn, Hamburg, Lehrerin - Hannelore Kruse, Hamburg, Fotolaboran-
       tin, HBV-Funktion  - Ingeborg Küster, Lüdenscheid, Journalistin -
       Mira v.  Kühlmann, München  - Emmi Kuhlmey, Düsseldorf, Journali-
       stin -  Christine Kuhn,  Hamburg, Studierende  - Prof. Dr. Ingrid
       Langer-El-Sayed, Marburg  - Genoveva  Frelin v. Loë, Essen, Foto-
       grafin -  Margarete C. Lößer-Dähmlow, Neumünster, Unternehmerin -
       Irene Mahns, Hamburg, Kindergärtnerin, Malerin - Dr. Manon Maren-
       Grisebach, Hamburg,  Dozentin - Margund Marquard, Hamburg, Schau-
       spielerin - Eva Mattes, Hamburg, Schauspielerin - Jutta Menschik,
       Berlin, Wiss.  Assistentin -  Brigitte  Meyer-Bothling,  Hamburg,
       Studienrätin - Christine Mylius-Stumpf, Hamburg, Schauspielerin -
       Dinah Nelken, Berlin, Schriftstellerin - Dr. Charlotte Neuhöffer,
       Solingen, Ärztin  - Barbara  Nirumand-Herkommer, Berlin, Teamerin
       ÖTV -  Maria Obladen,  Hamburg, Lektorin - Peggy Parnaß, Hamburg,
       Schauspielerin, Reporterin  -  Christa-Barbara  Precht,  Solingen
       (Mutter von 5 Kindern) - Lieselotte Rauner, Wattenscheid, Autorin
       - Prof.  Dr. Renate Riemeck, Alsbach, Historikerin - Elenore Rom-
       berg, München, Dozentin - Jutta Rosemann, Hamburg, Schriftstelle-
       rin -  Helma Sanders,  Köln, Filmemacherin, Drehbuchautorin - Dr.
       Elisabeth Scharpff,  Hamburg, Internistin - Dr. Gerhild Schiwoch,
       Hamburg, Wiss.  Assistentin - Irmgard Schleier, Hamburg, Soziolo-
       gin - Christa Schönfeld, Pinneberg, Logopädin - Dr. theol. Hanne-
       lis Schulte,  Heidelberg, Religionslehrerin  - Inge  Siebke, Pin-
       neberg, Hausfrau  - Monika  Sperr,  München,  Schriftstellerin  -
       Hilde Spier,  Hamburg, Hausfrau  - Monika  Staufenbiel,  Hamburg,
       Ärztin -  Elly Steinmann, Wattenscheid, Journalistin - Alice Ste-
       phan, Hamburg,  Angestellte - Andrea Stephan, Hamburg, Studienrä-
       tin -  Ulrike Stock,  Hamburg, Referendarin  - Gerlinde Supplitt,
       Hamburg -  Annemarie Tausch,  Hamburg, Dozentin  - Frauke Teagen,
       Hamburg, Dipl.-Psych.,  Dozentin -  Dr. Petra Tiedemann, Hamburg,
       Ärztin -  Gesa Tontara,  Hamburg, Studierende  - Mary  Tucholsky,
       Rottach-Egern -  Elisabeth Uhden, Hamburg, Angestellte, Personal-
       rätin -  Karin Wandrey,  Hamburg, Studierende  - Hilde  Westphal,
       Remscheid, Angestellte - Gisela Wiese, Hamburg, Kindergärtnerin -
       Dorothee Wienand-Kranz, Hamburg, Dipl.-Psychol., Dozentin - Helga
       Wingert-Uhde, Hamburg,  Journalistin - Gertrud Wolferts, Velbert,
       Oberstudiendirektorin - Gerda Zorn, Hamburg, Publizistin.
       Zustimmungserklärungen sind  erbeten an  Ingeborg Küster,  5 Köln
       30, Postfach  300 665. Für Beiträge zur Unterstützung der Initia-
       tive ist  folgendes Sonderkonto  eingerichtet worden:  Anne-Marie
       Fabian, Postscheckamt Köln, Kontonummor 294499/506.
       

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