Quelle: Blätter 1975 Heft 02 (Februar)


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       Wirtschaftsinformation
       
       AUS DEM ALLTAG DER MARKTWIRTSCHAFT *)
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       Die Lebenshaltungskosten  in den Vereinigten Staaten sind im ver-
       gangenen Jahr  gegenüber 1973 um 12,2 Prozent gestiegen. In einer
       Mitteilung des  Arbeitsministeriums in Washington wird dieser An-
       stieg als der größte seit 1946 bezeichnet. Damals ist eine Preis-
       steigerung von 18,2 Prozent errechnet worden. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 23.1.1975
       
       Das Bruttosozialprodukt in den Vereinigten Staaten ist im vergan-
       genen Jahr  nach Angaben des Handelsministeriums in Washington um
       2,2 Prozent gesunken. Das Ministerium erklärt dazu, zum erstenmal
       seit 1960, in dem das Bruttosozialprodukt um 0,5 Prozent gesunken
       sei, habe damit das Bruttosozialprodukt abgenommen. Für das erste
       Vierteljahr 1975  sei von neuem mit einer Abnahme des Bruttosozi-
       alprodukts zu rechnen.
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 18.1.1975
       
       Die Zahl  der Arbeitslosen  in den Vereinigten Staaten ist im De-
       zember 1974  auf mehr  als sechs  Millionen und damit rund sieben
       Prozent der  Erwerbstätigen gestiegen. Die Zahl hatte im November
       noch 5,975 Mill. oder 6,5 Prozent betragen. Die Zahl von mehr als
       sechs Millionen,  die auf Statistiken des Arbeitsministeriums be-
       ruht, war  seit 1940  nicht mehr  verzeichnet worden.  In  diesem
       Jahr, das  noch immer unter der Nachwirkung der Depression Anfang
       der dreißiger Jahre stand, hatte die Arbeitslosenzahl 8,1 Millio-
       nen betragen.  Wirtschaftsfachleute der  Regierung schätzen,  daß
       die Arbeitslosenzahl  weiter ansteigt  und Mitte  des Jahres  7,5
       Prozent erreicht.  Private Schätzungen  sprechen sogar  von  acht
       Prozent. ...
       "Die Welt" v. 4.1.1975
       
       Die Zahl  der Arbeitslosen  in Frankreich ist zum Jahresende 1974
       auf 723 000  angestiegen. Einer  in Paris veröffentlichten amtli-
       chen Statistik  zufolge waren Ende Dezember 34 000 Franzosen mehr
       ohne Beschäftigung  als Ende  November. Das  entspricht einer Ar-
       beitslosenquote von  knapp 3,3 Prozent. Gegenüber Jahresende 1973
       sei die  Arbeitslosenzahl um  263 000 gestiegen,  hieß es  in der
       Statistik.
       "Die Welt" v. 21.1.1975
       
       Die Arbeitslosigkeit  in Japan  hat jetzt  amtlich die Millionen-
       Marke überschritten.  Nach einer  Berechnung des  Regierungsamtes
       für Wirtschaftsplanung  sind damit  rund 1,9% der japanischen Ar-
       beitskräfte völlig ohne bezahlte Beschäftigung...
       "Handelsblatt" v. 21.1.1975
       
       Von der  Konjunkturflaute im  In- und Ausland wird jetzt auch die
       deutsche Stahlindustrie  voll getroffen.  Inlandsbestellungen und
       Exportorders sind  so stark  zurückgegangen, daß nun auch für die
       Stahlwerke das Thema Kurzarbeit aktuell geworden ist.
       Den Anfang  macht die  Stahlwerke Bochum  AG, wo  der verringerte
       Blechbedarf der  Automobilindustrie zur Einführung von Kurzarbeit
       für 827  der insgesamt  2790 Beschäftigten ab 3. Februar für vier
       Wochen zwingt. ...
       "Handelsblatt" v. 22.1.1975
       
       Die Kraftfahrzeugproduktion  in der  Bundesrepublik ist  nach den
       vorläufigen Berechnungen  des Verbandes der Automobilindustrie im
       vergangenen Jahr  um 22  Prozent auf rund 3,1 Millionen Einheiten
       zurückgegangen. 1,9  Millionen Personen- und Lastkraftwagen sowie
       Nutzfahrzeuge sind exportiert worden. Das sind 20 Prozent weniger
       als im Jahr zuvor.
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 16.1.1975
       
       Die neuen  Kurzarbeitsphasen, die  nicht nur bei VW, sondern auch
       bei Opel  und Ford  in dieser  Woche begonnen  haben, stellen den
       größten Teil  der Automobil-Zulieferindustrie vor eine ernste Be-
       währungsprobe. Insbesondere kommen die kleinen und mittleren Fir-
       men, die  ihre Produktion speziell auf nur wenige Abnehmer ausge-
       richtet haben, in große Bedrängnis. ...
       "Handelsblatt" v. 22.1.1975
       
       Die Arbeitslosenentwicklung  im Ruhrgebiet  liegt weit  über  dem
       Bundesdurchschnitt und  weist inzwischen alarmierende Zahlen aus.
       In Gelsenkirchen und Herne wurden für Dezember letzten Jahres Ar-
       beitslosenquoten von 6,3 Prozent ermittelt. Auch in Wattenscheid,
       Wanne-Eickel und Recklinghausen liegen die Ziffern schon zwischen
       5,8 und  5,3 Prozent.  Bochum, Dortmund  und Essen sind ebenfalls
       hart betroffen.  Absoluter Spitzenreiter  in  Nordrhein-Westfalen
       ist inzwischen  die stark  von der  Textilbranche geprägte  Stadt
       Coesfeld im  Münsterland mit  einer Arbeitslosenzahl von 6,4 Pro-
       zent. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 11.1.1975
       
       Die Datel  GmbH in  Darmstadt hat  in weniger als fünf Jahren 100
       Millionen DM  verwirtschaftet. Mit großem publizistischem Aufwand
       hatten die  Partner dieser Gesellschaft, die Deutsche Bundespost,
       AEG-Telefunken, Siemens und Nixdorf, Anfang 1970 ihr Ziel verkün-
       det, in  der Datel  gemeinsam Erfahrungen  und Kenntnisse auf dem
       zukunftsträchtigen Gebiet  der Datenfernverarbeitung  zu sammeln.
       ... ...bei  der Datel ist die Post mit fast 60 Millionen DM enga-
       giert; dieses  Geld haben die Postbenutzer aufgebracht. Aber auch
       das Geld  der anderen  Partner stammt  teilweise, zumindest indi-
       rekt, aus  öffentlichen Kassen. Denn alle haben sie aus dem Zwei-
       ten Datenverarbeitungs-Förderungsprogramm  des Bundes  seit  1970
       erkleckliche Summen erhalten: Siemens 431,5 Millionen DM, AEG-Te-
       lefunken 266,9 Millionen DM und Nixdorf 18 Millionen DM; auch für
       die Datel selbst sind noch 4,4 Millionen DM abgefallen. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 8.1.1975
       
       Der britischen  Regierung liegen fast 1500 Anträge von Privatfir-
       men auf finanzielle Unterstützung vor. Nachdem der Burmah Oil un-
       ter die  Arme gegriffen  werden mußte, gab Industrieminister Benn
       eine Kreditbürgschaft in Höhe von 5 Mill. Pfund an die Fodens LTD
       in Sandbach  bekannt, einen  wichtigen Armeelieferanten und Nutz-
       fahrzeug-Hersteller. ...
       "Handelsblatt" v. 7.1.1975
       
       Genau 18 598  Mark und  sieben Pfennig mußte der deutsche Steuer-
       zahler in  jeder Minute des vergangenen Jahres aufbringen, um al-
       lein die  Zinsen für die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden
       zu bezahlen.  Dies geht aus einer Berechnung des Bundes der Steu-
       erzahler hervor,  die auf Basis der Haushaltsansätze für das Jahr
       1974 erstellt wurde.
       Für das  laufende Jahr und die kommenden Jahre befürchtet die Or-
       ganisation der  deutschen Steuerzahler einen gigantischen Anstieg
       dieser Zinslasten, da bei den Gebietskörperschaften in den Jahren
       1975 bis  1978 ein  Rekordkreditbedarf von  mindestens 35  bis 50
       Milliarden Mark netto pro Jahr zu erwarten ist.
       "Die Welt" v. 23.1.1975
       
       Die Verteuerung  der Rohstoffpreise in den letzten Jahren ist von
       Spekulanten mitverschuldet  worden, heißt es in einer Studie, die
       im Auftrag  der Konferenz  der Vereinten  Nationen für Handel und
       Entwicklung (UNCTAD)  angefertigt wurde und dem im Februar tagen-
       den Rohstoffausschuß  der Weltorganisation  als Diskussionspapier
       dienen soll.
       Der Warenterminhandel  habe seit  Jahren 1970 bis 1972 seinem Um-
       fang nach  bei weitem  Nachfrage und Angebot überflügelt, stellte
       der Verfasser  der Studie  fest. Nach seinen Schätzungen sind von
       1972 bis  1973 Spekulationsgelder  in Höhe von 9,5 Mrd. Dollar in
       den USA und 3,5 bis 7 Mrd. Dollar in Großbritannien in den Waren-
       terminhandel geflossen. ...
       "Die Welt" v. 22.1.1975
       
       Auf 25  Milliarden Mark  wird der  Schaden geschätzt,  den  Wirt-
       schaftskriminelle jährlich  anrichten.  Sie  frisieren  Bilanzen,
       transportieren ganze  Lastzüge mit  Lebensmitteln durch sämtliche
       Staaten der Europäischen Gemeinschaft, um in den Genuß bestimmter
       Subventionen zu  gelangen, prellen ihre Gläubiger mit "gekonnten"
       Konkursen und vergeben in großem Maßstab Kredite und Wohnungen zu
       Irrsinnspreisen an Gastarbeiter. Dem Dickicht der Geldüberweisun-
       gen von Unternehmen zu Unternehmen, von Strohmännern über Schein-
       firmen zu  Schachtelbeteiligungen und  dann über die Grenzen sind
       bislang weder  das geltende  Strafrecht noch  die Strafjustiz ge-
       wachsen. Insbesondere  der Subventionsschwindel  ist mit  dem Be-
       trugstatbestand des geltenden Rechts kaum zu erfassen. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 9.1.1975
       
       Die Raubüberfälle  in Rom beispielsweise sind im vergangenen Jahr
       gegenüber 1973  um 55  Prozent angestiegen. Erpressungen und Ent-
       führungen verzeichnen  sogar eine  Zunahme von  123 Prozent. Zwei
       Parlamentsabgeordnete haben  kürzlich ausgerechnet, daß gegenwär-
       tig in  Italien alle 71 Sekunden ein Diebstahl durchgeführt, alle
       57 Minuten ein Überfall und ein Betrug, alle 160 Minuten ein Raub
       und alle neun Stunden ein Mord begangen wird. ...
       "Handelsblatt" v. 13.1.1975
       
       Warner Brothers  Records, Los Angeles, will demnächst Schallplat-
       ten von  jenen Nixon-Tonbändern auf dem Markt bringen, welche an-
       läßlich des Watergate-Verschwörungs-Prozesses im Gerichtssaal ab-
       gespielt worden sind. ...
       Pikanterweise ist diese rührige Schallplattenfirma eine Schwester
       jener Warner  Paperback Library,  New York,  welche Verlagsrechte
       für Nixons Memoiren erworben hat. Gerüchte behaupten, daß dem Ex-
       Präsidenten ein  Honorar von 2 Mill. Dollar für seine Autobiogra-
       phie garantiert wurde. ...
       Die geheimen Gespräche Richard Nixons mit nahen Vertrauten sollen
       in zwei  Auflagen erscheinen: Ungekürzt; 22 Stunden Spielzeit, 11
       Langspielplatten. Ausgewählte, besonders saftige Dialoge; 4 Stun-
       den Spielzeit, 2 Langspielplatten. Detailpreise wurden noch nicht
       bekanntgegeben, doch Warner sich "without profit", also mit einem
       kostendeckendem Preis begnügen. ...
       "Handelsblatt" v. 8.1.1970
       
       Das bayerische  Oberste Landesgericht  hat als letzte Instanz ein
       Amtsgerichtsurteil bestätigt,  mit dem  ein Münchner Hausbesitzer
       von einer Geldbuße in Höhe von 140 000 Mark freigesprochen worden
       war. Dem Hauseigentümer war die Buße von der Stadt auferlegt wor-
       den, weil  er seit 1972 sieben Wohnungen hatte leerstehen lassen,
       um sie  abzureißen und  auf dem Platz eine neue Wohnanlage zu er-
       richten. ...
       Das Oberste Gericht stellte in der Begründung seiner Entscheidung
       den Leitsatz  auf: Wer Wohnraum nicht vermietet oder ihn leerste-
       hen läßt,  verstößt nicht  gegen das Verbot der Zweckentfremdung.
       ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 16.1.1975
       
       In einem  weit beachteten  Musterprozeß versucht ein Angestellter
       aus Osaka,  eine Baufirma für den Tod seines Sohnes regreßpflich-
       tig zu  machen, der im Zuge der spartanischen Ausbildungsmethoden
       dieser Firma  ums Leben  gekommen war.  Yoshio Kinugasa  starb im
       April 1973  an einer  Lungenentzündung, die er sich während einer
       "körperlichen Ertüchtigungsexkursion"  in einem Luftwaffenausbil-
       dungslager zugezogen  hatte, zu deren Beteiligung ihn seine Firma
       gegen seinen Willen gezwungen haben soll.
       Der Fall  ist exemplarisch,  weil er  auf die Mißstände der Ange-
       stellten- und  Lehrlingsausbildung vieler japanischer Firmen hin-
       weist, die durch militärisches Training und besondere psychologi-
       sche Ertüchtigungsprogramme  versuchen, ihr Personal systematisch
       zu "Verkaufsbomben" oder "Produktionskanonen" zu dressieren. ...
       "Handelsblatt" v. 22.1.1975
       
       In der  Bundesrepublik fehlen nach Angaben des Hauptverbandes der
       gewerblichen Berufsgenossenschaften 9000 Betriebsärzte und 80 000
       Sicherheitsfachkräfte. ...
       "Die Welt" v. 11.1.1975
       
       _____
       *) Ausgewählte Nachrichten aus der Wirtschaftspresse, zusammenge-
       stellt von Gerhard Kade.
       

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