Quelle: Blätter 1975 Heft 04 (April)


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       Wirtschaftsinformation
       
       AUS DEM ALLTAG DER MARKTWIRTSCHAFT *)
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       Die Eingliederung  von Jugendlichen  in das  Ausbildungs- und Be-
       schäftigungssystem wird  auch in  den nächsten  Jahren  schwierig
       sein. Zu  diesem Schluß  kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und
       Berufsforschung der  Bundesanstalt für Arbeit in einer jetzt her-
       ausgegebenen Untersuchung.  Wegen wirtschafts-  und sozialpoliti-
       scher Bevölkerungsbewegungen  sei in  den nächsten  sieben Jahren
       "keine Verringerung, sondern eher eine Verschärfung des Problems"
       zu erwarten. Das gelte an sich auch für 1975. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 5.3.1975
       
       Im öffentlichen  Dienst werden in diesem Jahr weniger Lehrstellen
       für Jugendliche  zur Verfügung  gestellt als  in den  vergangenen
       Jahren. Das  hat jetzt  die Bundesregierung  bestätigt. So werden
       zum Beispiel  im Bereich  der Oberpostdirektion  Hamburg 1975 nur
       noch 108  neue Lehrlinge  eingestellt, im  Vorjahr waren  es noch
       377.
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 21.3.1975
       
       Mit den physiologischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die
       Betroffenen beschäftigt sich gegenwärtig in einer wissenschaftli-
       chen Arbeit  der Direktor des Instituts für Arbeitsphysiologie an
       der Technischen  Universität München, Professor Wolf Müller-Limm-
       roth. Er  kam zu  dem Schluß, daß Arbeitslosigkeit nicht nur see-
       lisch, sondern auch körperlich krank macht. Nach seinen Ergebnis-
       sen kommen  auch in  vermehrtem Maße Magengeschwüre und Durchblu-
       tungsstörungen sowie  Alkoholismus und im psychischen Bereich De-
       pressionen auf das Konto der Arbeitslosigkeit. ...
       "Die Welt" v. 20.3.1975
       
       Die Zentralstelle  für die Vergabe von Studienplätzen in Dortmund
       hat an  6259 von 37 828 Bewerbern für Fächer mit bundesweitem Nu-
       merus clausus  Zulassungs- und  an 31 569 Ablehnungsbescheide ge-
       schickt. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 5.3.1975
       
       Eine Reihe von großen amerikanischen Gesellschaften und 50 bis 60
       der 14 000  Banken des  Landes werden zur Zeit von der amerikani-
       schen Notenbank  aufmerksam beobachtet: Sie gelten als finanziell
       anfällig. Die  Federal Reserve  Zentrale in Washington ist darauf
       vorbereitet, sofort  mit Krediten einzugreifen, wenn eines dieser
       Unternehmen zusammenzubrechen  droht. In  der derzeitigen labilen
       Wirtschaftslage könnte ein solcher Zusammenbruch, so fürchtet die
       Notenbank, eine  Lawine von  Insolvenzen auslösen und die Finanz-
       märkte in einen Zustand der Panik versetzen. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 8.3.1975
       
       Die westdeutsche Binnenschiffahrt wrackt seit gut fünf Jahren ab.
       Ein Ende  der vom  Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Leber-
       planes 1969 abgesegneten Aktion ist nicht abzusehen. Die wichtig-
       sten Ziele  sind bisher  nicht erreicht  worden: Das  Angebot  an
       Frachtraum sollte  vermindert werden. Der Schiffsbestand, vor al-
       lem der  der  Partikuliere  (Selbstfahrer)  und  kleinen  Reeder,
       sollte verjüngt  und  somit  eine  Strukturverbesserung  für  die
       schwächsten Wettbewerber der Branche erreicht werden. Seit Beginn
       der Abwrackaktion  sind zwar 3119 Schiffe - 1409 Schleppkähne mit
       637 000 t Laderaum und 1418 Motorschiffe mit 522 000 t Tragfähig-
       keit sowie  292 Schlepper  mit 101 000  PS -  von Schneidbrennern
       zerlegt in  die Hochöfen  zurückgekehrt, aber  die  Gesamttonnage
       hält sich fast konstant bei 4,5 Mill. t Frachtraum.
       Die Ursachen sind in der Neubautätigkeit größerer und großer Ree-
       dereien und im weiteren Vordringen der Schubschiffahrt zu suchen,
       durch die  fast jede abgewrackte Tonne Tragfähigkeit ersetzt wor-
       den ist. Hinzu kam das Berlinhilfe-Gesetz, dessen Steuer- und Ab-
       schreibungsvorteile Branchenfremde zum Engagement beim zweitgröß-
       ten Verkehrsträger  verlockten. So  gab es  in der  Vergangenheit
       keine verbesserte  Rentabilität durch  Ausdünnung der Flotte. Ab-
       wrackaktion und  Berlinhilfe-Gesetz trugen  nur dazu bei, daß die
       mittelständischen Betriebe weiter in Bedrängnis geraten sind. ...
       "Die Welt" v. 20.3.1975
       
       Die Mineralölgesellschaften Belgiens haben ihre auf See befindli-
       chen Tanker  angewiesen, ihre Fahrt zu drosseln. Die Lager in den
       belgischen und  holländischen Häfen  schwappen über.  Die meisten
       westeuropäischen Raffinerien  nutzen ihre  Kapazitäten nur  zu 55
       bis 60 Prozent aus.
       "Die Welt" v. 8.3.1975
       
       Nach Ansicht von Sachverständigen der Kommission der Europäischen
       Gemeinschaften (EG) werden noch mindestens zehn Jahre nötig sein,
       um die Behandlungs-, Transport- und Lagerungsprobleme des mittel-
       und hochaktiven  Atommülls lösen zu können. In einem Vorschlag an
       den EG-Ministerrat  zur Behandlung der atomaren Abfälle beziffert
       die Kommission die in der EG anfallenden Mengen an hochradioakti-
       vem Material  für 1980 auf jährlich etwa 350 Kubikmeter, 1990 auf
       jährlich 2500  und für  2000 auf  6000 Kubikmeter jährlich. Kumu-
       liert wären  in diesen  Jahren 1500, 17 000 und 70 000 Kubikmeter
       vorhanden. Die  kumulierten mittel-  und schwach radioaktiven Ab-
       fälle dürften 1980 über 100 000, 1990 über 1 Million und im Jahre
       2000 einige Millionen Kubikmeter erreichen.
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 12.3.1975
       
       Präsident Ford  und Verteidigungsminister Schlesinger haben einen
       Wehretat für  das Haushaltsjahr 1976 mit der Rekordsumme von 92,8
       Milliarden Dollar  zur Aufrechterhaltung eines weltweiten militä-
       rischen Gleichgewichts  gefordert. Selbst  dieser Rekord in Frie-
       denszeiten gilt  als Minimum,  um der Inflation entgegenzuwirken.
       Der amerikanische Wehrhaushalt ist damit im Vergleich zum Vorjahr
       um acht  Milliarden Dollar  angestiegen. Da  jedoch die künftigen
       Kosten vorauskalkuliert werden, fordert das Verteidigungsministe-
       rium bereits  jetzt im  Hinblick auf die kommenden Jahre eine Ge-
       samtsumme von  106 Milliarden  Dollar. Diese Summen soll der Kon-
       greß für die Kostendeckung langfristiger Projekte genehmigen, da-
       mit eine  Sicherung der  Gesamtplanung erzielt  wird. Sicher wird
       der von  der demokratischen Opposition beherrschte Kongreß erheb-
       liche Abstriche  an bestimmten Vorhaben - so den neuen "Trident"-
       Atomunterseebooten und  dem Überschall-Fernbomber "B 1" - vorneh-
       men. Die  größte Haushaltsforderung  ist allerdings  für die Ver-
       stärkung der  konventionellen Streitkräfte  vorgesehen. Das  Heer
       soll durch  Umgruppierung innerhalb  seiner heutigen  Stärke  von
       rund 785 000  Mann von  13 auf 16 Divisionen vergrößert, die Pan-
       zerproduktion von 40 auf 103 Stück monatlich vermehrt, Munitions-
       vorräte und  Lufttransporteinheiten aufgestockt  sowie  bisherige
       Versorgungseinheiten der  amerikanischen Truppen in der Bundesre-
       publik in Kampftruppen umgewandelt werden. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 5.2.1975
       
       Die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten hat im letzten Quar-
       tal 1974  mit 14,4  Prozent einen neuen Höchststand erreicht, wie
       das  Handelsministerium   in  Washington  berichtet.  Die  bisher
       höchste Jahresinflationsrate  hatten die  Vereinigten Staaten  im
       ersten Quartal 1951 mit 13 Prozent erreicht.
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v. 22.2.1975
       
       Die Altersheime und Pflegeanstalten Amerikas befinden sich in ei-
       nem skandalösen  Zustand; sie sind zumeist in privaten Händen und
       werden um des Profits willen betrieben.
       Die Patienten  erhalten nicht die angemessene Pflege, da Personal
       und die ärztliche Betreuung unzureichend sind, oft nicht die not-
       wendige Diät  und wenig  Unterhaltung; die  Gebäude  genügen  oft
       nicht den  Sicherheits- und  Gesundheitsvorschriften des Staates.
       Aber Dienste, die nicht geleistet wurden, werden der Alters-Kran-
       kenversicherung in Rechnung gestellt. Milliarden werden angeblich
       an hilflosen  Krüppeln verdient.  Die 23 000  Anstalten nahmen im
       vorigen Jahre  7,5 Milliarden  Dollar ein,  und offenbar  ist der
       Profit so  hoch, daß sich Mafia-Figuren in das Geschäft einzukau-
       fen versuchten oder bereits eingedrungen sind. ...
       "Handelsblatt" v. 10.2.1975
       
       Erhöhte Absetzungen  für Wirtschaftsgüter,  die dem  Umweltschutz
       dienen, hat  der Finanzausschuß  des Bundestages beschlossen. Dem
       Umweltschutz dienende  Wirtschaftsgüter des  Anlagevermögens, die
       nach dem 31. Dezember 1974 und vor dem 1. Januar 1981 angeschafft
       oder hergestellt worden sind, können jetzt im Wirtschaftsjahr der
       Anschaffung oder  Herstellung bis  zu 60%  und in  den  folgenden
       Wirtschaftsjahren bis zur vollen Absetzung jeweils bis zu 10% der
       Anschaffungs- oder  Herstellungskosten abgeschrieben  werden. Die
       Pressestelle des  Bundestages teilt  ferner mit, die erhöhten Ab-
       setzungen könnten nur in Anspruch genommen werden, wenn die Wirt-
       schaftsgüter in einem im Inland gelegenen Betrieb unmittelbar und
       fast ausschließlich dem Umweltschutz dienten. Das im Jahresdurch-
       schnitt begünstigte  Investitionsvolumen für  den Umweltschutz in
       bereits bestehenden  Betrieben schätzt  das Finanzministerium auf
       rd. 2,1  Mrd. DM.  Den Fiskus kostet das an Steuermindereinnahmen
       1975  440 Mill. DM.
       "Handelsblatt" v. 3.2.1975
       
       ... "In den Vorstandsetagen der Großbanken ballt sich die eigent-
       liche Macht  zusammen", meinte  Vetter in Siegen vor der DGB-Lan-
       desbezirkskonferenz  Nordrhein-Westfalen.   Hier   würden   Kapi-
       talströme und  Investitionen oft  unkontrolliert  beeinflußt.  50
       Prozent der Depotstimmrechte und 60 Prozent des Vermögens der In-
       vestmentfonds würden  von den  Großbanken verwaltet  und kontrol-
       liert. Die  38 Vorstandsmitglieder der drei Großbanken hätten 340
       Aufsichtsratssitze. Damit beherrschten die Großbanken Wirtschaft-
       simperien, die  ihresgleichen suchen.  ... Nirgendwo auf der Welt
       gibt es eine derartige Machtkonzentration bei den Banken." ...
       "Süddeutsche Zeitung" v. 28.1.1975
       
       Die Insolvenzwelle,  die zur  Zeit die  Bundesrepublik überrollt,
       hat in  mehr als  7000 Vergleichs-  und Konkursverfahren  6 bis 7
       Mrd. DM  Forderungen notleidend werden lassen. Dies hat der deut-
       schen Volkswirtschaft 1974 einen Verlust zugefügt, der dreimal so
       hoch wie sämtliche industriellen und privaten Feuerschäden zusam-
       men sein wird. ...
       "Handelsblatt" v. 20.2.1975
       
       Der Konzentrationsprozeß in der Wirtschaft der Bundesrepublik hat
       sich 1974 deutlich beschleunigt. Wie das Bundeskartellamt in Ber-
       lin am  Donnerstag mitgeteilt  hat, sei mit 318 nach Paragraph 23
       des Gesetzes  gegen Wettbewerbsbeschränkungen  angezeigten Zusam-
       menschlüssen seit  1966 die höchste Zahl an Konzentrationsvorgän-
       gen erfaßt.  Gegenüber 1973 mit 242 Anzeigen ergebe sich eine Zu-
       nahme von  31 Prozent. Lediglich 1970 sei mit 305 Zusammenschlus-
       sen eine  ähnlich hohe  Zahl  von  Konzentrationsvorgängen  regi-
       striert worden. ...
       "Frankfurter Allgemeine Zeitung" v.7.2.1975
       
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       *) Ausgewählte Nachrichten aus der Wirtschaftspresse, zusammenge-
       stellt von Gerhard Kade.
       

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