Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


       zurück

       
       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       MGR. AGOSTINO CASAROLI, SEKRETÄR DES RATES FÜR DIE ÖFFENTLICHEN
       ===============================================================
       ANGELEGENHEITEN DER KIRCHE (HEILIGER STUHL)
       ===========================================
       
       (Zusammenfassung)
       
       Zu Beginn  seiner Rede  verlas Mgr. Casaroli - "um den besonderen
       Sinn der  Teilnahme des Heiligen Stuhls" an der Konferenz zu ver-
       deutlichen -  eine an ihn gerichtete Botschaft von Papst Paul VI.
       "Im Juni  1973 wollten wir eine Initiative unterstützen, die dazu
       bestimmt war, das so erwünschte und unschätzbare Gut des Friedens
       zu fördern",  heißt es  darin. "Dies war nicht nur für die Völker
       Europas, sondern für die ganze Völkergemeinschaft von größter Be-
       deutung. In  diesem Sinne haben wir die Einladung an den Heiligen
       Stuhl entgegengenommen,  direkt teilzunehmen - in den Formen, die
       uns eigen  sind-an der vorgesehenen Konferenz über die Sicherheit
       und die Zusammenarbeit in Europa."
       Die Sicherheitskonferenz  habe an  einem Wendepunkt  der jahrtau-
       sendealten Geschichte  Europas getagt.  "Belehrt durch die tragi-
       sche Erfahrung von zwei fürchterlichen Kriegen, die innerhalb von
       30 Jahren  in Europa entfacht wurden und wie ein Riesenfeuer Mil-
       lionen und  aber Millionen Opfer verschlangen, weite und blühende
       Regionen zerstörten  und in den Bruderkrieg auch nichteuropäische
       Völker mit  hineinzogen, wollen  die Vertreter  eine Einigung zu-
       stande bringen auf der Grundlage von eindeutigen und klaren Prin-
       zipien des  Völkerrechts und  Europa und  die Welt vor der Gefahr
       neuer zerstörerischer  Erfahrungen, die  noch fürchterlicher sein
       könnten, schützen."
       Gleichzeitig würden  Grundzüge "für  einen Anfang der Zusammenar-
       beit in verschiedenen Bereichen der menschlichen Tätigkeit in be-
       schränkter, aber konkreter Form" gelegt. Es bestehe die Hoffnung,
       "daß eine  derartige Zusammenarbeit durch die Festigung des Frie-
       dens dazu  beiträgt, den  Austausch der Werte zu vervielfältigen,
       die die geistige Kraft Europas ausmachen".
       Im Zusammenhang  mit der  positiven  Bewertung  der  vereinbarten
       Prinzipien erklärte  Paul VI.,  daß sich der Heilige Stuhl beson-
       ders darüber  freue, daß auf der Sicherheitskonferenz die Religi-
       onsfreiheit bekräftigt wurde.
       Mgr. Casaroli  seinerseits betonte, daß es heute nicht ausreiche,
       nur Richtlinien  zu verkünden.  "Der Heilige Stuhl zögert deshalb
       nicht, direkt  teilzunehmen an den Bemühungen der Regierungen zu-
       gunsten des  Friedens, und  zwar im  Rahmen der Formen und in dem
       Maße, die  uns entsprechen. Der Heilige Stuhl zögert nicht, seine
       eigene konkrete  Verantwortung hierbei  zu tragen."  Die von  den
       Staatsmännern mit ihrer Unterschrift unter die Dokumente von Hel-
       sinki übernommene  Verpflichtung stelle  "das Unterpfand  dar für
       den Ernst  einer Schlußakte. die die Völker Europas - selbst wenn
       sie durch  die Missetaten  ihrer langen Geschichte vorsichtig und
       fast skeptisch  gestimmt wurden  - mit Recht als einen Wendepunkt
       in ihrer jahrtausendealten Geschichte ansehen".
       

       zurück