Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       GEIR HALLGRIMSSON, MINISTERPRÄSIDENT DER REPUBLIK ISLAND
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       (Zusammenfassung)
       
       "Obwohl die gegenwärtige Zusammenkunft die Schlußphase der Konfe-
       renz über  Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa darstellt, ist
       sie in  Wahrheit mehr  ein Anfang  als ein  Ende", erklärte  Geir
       Hallgrimsson zu Beginn seiner Ausführungen. Die Konferenz sei ein
       Beginn neuer  Anstrengungen, um  die Zusammenarbeit  zwischen den
       europäischen Staaten,  den USA  und Kanada  zu festigen. Sie habe
       bewiesen, daß  es möglich sei, sich über komplizierte Probleme zu
       einigen. Jedoch  sei nach Meinung der isländischen Delegation der
       Wortlaut der  Dokumente in  manchen Teilen so, daß der Kompromiß-
       charakter mehr als wünschenswert zum Ausdruck komme.
       Der isländische Premierminister erinnerte an die Ausführungen des
       Vertreters seines  Landes während  der ersten  Konferenzphase, in
       denen dieser  hervorgehoben hatte, "daß es zweifellos die gemein-
       same Sicherheit  stärken würde,  wenn wir uns im Laufe der Konfe-
       renz über  gewisse Grundprinzipien  einigen könnten,  die von uns
       allen in unseren künftigen Beziehungen zu achten sind". Man solle
       sich, so  sei damals  festgestellt worden, auf die Prinzipien der
       UNO stützen. "Ich hoffe", sagte Geir Hallgrimsson, "es kann jetzt
       bestätigt werden,  daß die  vor uns  liegenden  Schlußfolgerungen
       voll mit  diesen Auffassungen  in Einklang  stehen. Wir haben uns
       darüber geeinigt,  wie unsere  Beziehungen unabhängig vom politi-
       schen System  in jedem  einzelnen Lande gestaltet werden sollen."
       Obwohl seiner  Meinung nach rechtlich nicht bindend, stellten die
       zu unterzeichnenden  Texte doch unleugbar einen wichtigen Schritt
       dar. "Hoffen  wir daher,  daß unsere Dokumente mit geringstmögli-
       cher Verzögerung in die Praxis umgesetzt werden."
       Auf die  vertrauensfördernden Maßnahmen  eingehend,  brachte  der
       Redner die  Hoffnung zum Ausdruck, daß es bei den Gesprächen über
       Truppen- und  Rüstungsverminderungen in Mitteleuropa zu realisti-
       schen Maßnahmen  kommen werde,  die allen Staaten mehr Sicherheit
       geben würden.  Im weiteren  Verlauf seiner Ausführungen sagte der
       Redner: "Es  sollte unser  gemeinsames Ziel sein, die Unabhängig-
       keit aller  Staaten zu  schützen, ganz gleich, wie klein sie auch
       sein mögen."
       Die speziellen  Probleme Islands behandelnd, das stark vom Außen-
       handel und  Fischfang abhängig  ist,  meinte  Hallgrimsson:  "Der
       Wohlstand unserer  Völker ist  voneinander  abhängig.  Der  Fort-
       schritt des  einen Volkes  hängt vom Wohlergehen des anderen ab."
       Daher begrüße Island die Beschlüsse der Konferenz über verstärkte
       wirtschaftliche   Zusammenarbeit   zum   gegenseitigen   Vorteil.
       "Methoden des  wirtschaftlichen Drucks können in keiner Weise ge-
       rechtfertigt werden,  genausowenig wie die Ausübung von Druck und
       Gewalt auf  anderen Gebieten."  In diesem Zusammenhang erläuterte
       der Premier  die isländischen Beweggründe für die Erweiterung der
       Fischereihoheitszone des Landes auf 200 Seemeilen.
       Zum Abschluß  seiner Rede  sagte Ministerpräsident  Hallgrimsson:
       "Die Isländer wollen mit allen Völkern in Frieden leben. Sie wol-
       len, daß  freundschaftliche Zusammenarbeit  herrscht und Interes-
       senkonflikte mit  Vernunft und  gutem Willen  gelöst werden.  Die
       Völker unserer  Länder erwarten  mit Recht, daß gute Absichten in
       Taten umgesetzt werden."
       

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