Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       GUSTAV HUSAK, ERSTER SEKRETÄR DES ZENTRALKOMITEES
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       DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN
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       SOZIALISTISCHEN REPUBLIK
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       (Zusammenfassung)
       
       In dem "wachsenden Bewußtsein der Möglichkeit, ohne ständige Dro-
       hung eines  Krieges nebeneinander  zu leben,  liegt nicht nur ein
       praktisches Bedürfnis  des gegenwärtigen  Europas,  sondern  auch
       eine große  Hoffnung für  seine Zukunft und auch ein Beispiel für
       andere," erklärte Gustav Husak einleitend.
       "Es ist  gut, daß  uns ein  solcher Standpunkt hierher, nach Hel-
       sinki, führt, um hier einen bisher einzigartigen Schritt in euro-
       päischer Geschichte  zu unternehmen. Um in dieser Verhandlung der
       europäischen Staaten  - sowie der Vereinigten Staaten von Amerika
       und Kanada  - die  friedlichen Prinzipien für die Entwicklung un-
       seres Kontinents  zu vereinbaren, um auf diese Weise die Grundla-
       gen der  neuen internationalen Beziehungen der friedlichen Koexi-
       stenz von Staaten mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Syste-
       men zu  festigen. Die  positiven Änderungen  in Europa wurden von
       der günstigen  Wendung gefördert,  zu der  es in  den Beziehungen
       zwischen der UdSSR und den USA kam. Wir sind davon überzeugt, daß
       die Ergebnisse  dieses europäischen  und Weltprozesses zum Nutzen
       aller europäischen  Staaten, großen  und kleinen, sozialistischen
       und nichtsozialistischen, sein werden."
       Die Geschichte  lehre uns,  betonte der Erste Sekretär des ZK der
       KPTsch, "daß  unzählige Aggressionen  in Europa mit dem Mißbrauch
       der Gewalt  und mit Unterdrückung verbunden waren. Dafür sind das
       Diktat von  München, die Okkupation der Tschechoslowakei, der An-
       griff auf Polen, Frankreich, Jugoslawien, die Sowjetunion und an-
       dere europäische  Länder, all  die Greuel  und Opfer  des Zweiten
       Weltkrieges ein Beweis. Der Frieden und die Sicherheit erfordern,
       solche Methoden  in den  Beziehungen unter  den Staaten in Europa
       abzulehnen und auszuschließen. Unter diesem Blickwinkel sehen wir
       die Bedeutung  der Konferenz  vor allem darin, daß sie die grund-
       sätzlichen Prinzipien  der  Beziehungen  unter  den  europäischen
       Staaten aufgrund  der Anerkennung der sich in Europa herausgebil-
       deten territorialen  und politischen  Realität formuliert und be-
       stätigt. Wir  halten ihre  einmütige Annahme auf dieser Konferenz
       für einen  Erfolg der  Menschen unseres Kontinents, die sich nach
       Frieden und wirklicher Sicherheit sehnen.
       Ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für die friedlichen Beziehun-
       gen unter  den Staaten,  dessen Bedeutung  stets wächst", sei die
       gegenseitig vorteilhafte  wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ihr Be-
       dürfnis werde vom stürmischen, auf wissenschaftlicher und techni-
       scher Entwicklung  gegründeten Aufschwung der Produktivkräfte so-
       wie vom  Umfang und  von der Kompliziertheit der Probleme und von
       den Aufgaben  des Umweltschutzes  bestimmt. Der  Fortschritt  auf
       diesem Gebiet erfordere die internationale Arbeitsteilung und die
       Verbindung von Kräften und Mitteln von mehreren Staaten.
       Als "einen  wichtigen Bestandteil der allseitigen Entwicklung des
       Menschen unter  den Bedingungen  des Friedens"  bezeichnete Husak
       die "breitestmögliche  Zugänglichkeit zu  den echten  kulturellen
       Werten der Menschheit. Darum sind wir für die breiteste gegensei-
       tige Inspiration  durch die  Kulturgüter. Für einen Austausch von
       Ideen und  Informationen, die  der friedlichen  Verständigung und
       allseitigen Entwicklung  des Menschen  dienen. Wir sind für einen
       breiteren Personenaustausch,  der zu  einer sachlichen, allseitig
       nützlichen und vorteilhaften Zusammenarbeit sowie zum gegenseiti-
       gen Kennenlernen  beitragen wird. Eine solche effektive, schöpfe-
       rische Zusammenarbeit  entwickeln wir schon jetzt in vielen Rich-
       tungen mit  einer Reihe von Ländern aller Kontinente. Immer brei-
       tere Kontakte  knüpfen wir mit gesellschaftlichen Organisationen,
       mit der  Jugend, mit  den Vertretern der Wissenschaft, der Kultur
       und des  Schulwesens sowie  auf dem  Gebiete des  Sports und  des
       Fremdenverkehrs an. Dabei sind wir fest überzeugt, daß, je zuver-
       lässiger die  Bedingungen des  Friedens und der Sicherheit garan-
       tiert werden,  desto günstiger die Möglichkeiten für eine weitere
       Ausdehnung dieser Beziehungen auch auf andere Gebiete werden".
       Entwicklung und  Schutz der höchsten menschlichen Werte der Prin-
       zipien des  Friedens  und  der  Freundschaft  unter  den  Völkern
       verpflichteten, so  Husak, "jedoch  alle gleichzeitig,  gegenüber
       der Propaganda  des Hasses, der Aggression, des Militarismus, der
       Gewalt, der  Verkündung der  Rassen- oder nationalen Überheblich-
       keit -  gegen alle  diese Tendenzen  unversöhnlich zu  sein,  die
       sowohl im  Widerspruch zu der Charta der Organisation der Verein-
       ten Nationen als auch zu den allgemein anerkannten Prinzipien des
       Humanismus und der Moral stehen."
       Gemeinsame Aufgabe  sei es jetzt, schloß Husak, "diese Prinzipien
       durch konkrete  Schritte und  Maßnahmen in  Gang zu setzen; durch
       die ständige  Vertiefung und  Erweiterung der  Entspannung; durch
       das Streben  nach Liquidierung  der existierenden  und  möglichen
       neuen Herde der Kriegsgefahr; durch die gerechte Regelung von in-
       ternationalen Konflikten  bei einer  eindeutigen Anerkennung  und
       Achtung des  Rechtes jedes  Volkes auf  Unabhängigkeit; durch die
       Bildung eines  Systems der kollektiven Sicherheit sowie durch die
       militärische Entspannung;  durch die  Begrenzung des fieberhaften
       Rüstens, die alle Arten und Typen der Waffen und Ausrüstung, ins-
       besondere Kernwaffen,  einschließen würde  und aus  der sich eine
       allgemeine und vollständige Abrüstung ergäbe."
       

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