Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       JÁNOS KÁDÁR, ERSTER SEKRETÄR DES ZK DER UNGARISCHEN
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       SOZIALISTISCHEN ARBEITERPARTEI
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       (Zusammenfassung)
       
       Die Erfahrungen  der Vergangenheit,  erklärte János  Kádár,  ver-
       pflichteten alle  Verantwortung Tragenden, die Entspannung dauer-
       haft zu  machen, den Frieden zu sichern und zu festigen. "Die Un-
       garische Volksrepublik ist unerschütterlicher Anhänger der fried-
       lichen  Koexistenz  von  Staaten  mit  unterschiedlicher  Gesell-
       schaftsordnung. Mit  der Sowjetunion  und den anderen sozialisti-
       schen Ländern  war sie  einer der  Initiatoren und  Signatare des
       Budapester Appells vom Jahre 1969, in dem die Einberufung der eu-
       ropäischen Sicherheitskonferenz  vorgeschlagen  wurde.  Gemeinsam
       mit unseren Verbündeten haben wir auch seitdem alles getan, diese
       Konferenz zustandezubringen."
       Es gebe  im gegenwärtigen  Stadium der Entwicklung der Menschheit
       zur Vermeidung  eines Weltkrieges  keine andere reale und annehm-
       bare Alternative als die friedliche Koexistenz, die Beilegung der
       Streitfragen auf dem Verhandlungswege, die Beendigung des Wettrü-
       stens, die  Begrenzung der  Rüstungen, im weiteren die Abrüstung,
       geregelte Beziehungen  zwischen den  Staaten,  Zusammenarbeit  in
       Fragen von gemeinsamem Interesse. die Annäherung und Freundschaft
       unter den Völkern.
       Das Dokument  der Konferenz behandele viele und komplizierte Fra-
       gen der  europäischen Sicherheit. Die ungarische Delegation halte
       die Festlegung  der Grundsätze  für die  Regelung der Beziehungen
       und der  Zusammenarbeit der  Staaten für außerordentlich wichtig.
       "Die Respektierung  und praktische  Geltendmachung der Grundsätze
       für die  Regelung der Beziehungen der Staaten - wie die souveräne
       Gleichheit, die  Enthaltung von Gewalt, die Unverletzlichkeit der
       Grenzen und  die anderen Grundprinzipien - entsprechen den Inter-
       essen der  fünfunddreißig verschiedenen Teilnehmerstaaten und si-
       chern den Frieden. Durch ihre Einhaltung können wir den Krieg und
       die militärischen  Konflikte von unserem Kontinent verbannen. Die
       Ungarische Volksrepublik  ist bereit, diese Grundsätze konsequent
       einzuhalten."
       Ungarn begrüße  auch die  Empfehlungen zur Zusammenarbeit auf dem
       Gebiet der Wissenschaft, der Wirtschaft und des Handels. "Die Un-
       garische Volksrepublik ist aus prinzipiellen Gründen Anhänger und
       auch infolge ihrer Gegebenheiten daran interessiert, daß sich die
       internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Zukunft wei-
       ter ausbreitet."
       Die ungarische Regierung hege die Überzeugung, daß die friedliche
       Koexistenz die Annäherung und Freundschaft der Völker voraussetzt
       und zugleich  auch eine  fruchtbare Zusammenarbeit der Staaten im
       Bereich der Wissenschaften, des Unterrichtswesens, der Kultur und
       der Information  ermöglicht. Auf  diesem Gebiet  könne man jedoch
       nur dann  weitere Schritte voran machen, "wenn wir die souveränen
       Rechte und  Gesetze der  Partnerländer respektieren, was auch un-
       sere Beratung erwartet und was das vor uns liegende gemeinsam er-
       arbeitete Dokument von jedem Teilnehmerstaat verlangt".
       Bei der kulturellen Zusammenarbeit und dem Austausch von Informa-
       tionen träten  die ideologischen  Unterschiede besonders  in  Er-
       scheinung, betonte Janos Kadar. "Auch wir, die an dieser Beratung
       teilnehmen, vertreten  Parteien verschiedener  Ideologie,  Länder
       unterschiedlicher politischer  Systeme. Es  ist ja  klar, daß wir
       nicht deshalb  zusammengekommen  sind,  der  Ideologie  oder  dem
       staatlich-politischen System des anderen beizupflichten."
       Der Erste  Sekretär des  ZK der  USAP fuhr fort: "Wir haben einen
       schweren und  langen Weg zurückgelegt, bis wir zur jetzigen drit-
       ten Phase der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Eu-
       ropa gelangt  sind. Viele Beratungen und Diskussionen liegen hin-
       ter uns,  auch kämpfen  mußten wir.  Die Entspannung, der Frieden
       haben nicht  nur Anhänger,  sondern auch Gegner. Man hatte bisher
       solche Kräfte  zu bekämpfen, die Hemmnisse aufbauten, und auch in
       Zukunft wird es nicht anders sein.
       Diese Konferenz schließt eine Phase der Vergangenheit ab und kann
       als Vorbote  einer neuen, besseren, friedlicheren Welt in die Ge-
       schichte eingehen.  Wenn die hier vertretenen Regierungen verant-
       wortungsbewußt die begonnene Arbeit fortsetzen und die Völker un-
       erschütterlich auch  in Zukunft  für die gute Sache kämpfen, dann
       werden wir auch die Aufgaben der Zukunft lösen können."
       

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