Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       URHO KEKKONEN, STAATSPRÄSIDENT DER REPUBLIK FINNLAND
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       (Zusammenfassung)
       
       "Es gibt kaum ein anderes politisches Ereignis in den vergangenen
       Jahren, das  in ähnlichem Ausmaße das Interesse der Finnen erregt
       und sie  mit begründeten  Erwartungen in solcher Weise inspiriert
       hätte wie  die Verwirklichung  der Konferenz  über Sicherheit und
       Zusammenarbeit in  Europa." Mit  diesen Worten  unterstrich Finn-
       lands Staatspräsident  Urho Kekkonen  den Wunsch  des  finnischen
       Volkes nach  einem sicheren  Europa des  Friedens und  der Zusam-
       menarbeit. "Die  Schritte, die  Finnland zur weiteren Entwicklung
       der Idee  unternommen hat,  waren zuerst  bilaterale mit den ver-
       schiedenen Ländern. Später wurde die Arbeit durch die Einberufung
       der multilateralen  Konsultationen in  Helsinki fortgeführt.  Als
       die Ergebnisse  dieser  Vorbereitungsarbeit  in  dieser  gleichen
       Halle vor  zwei Jahren  angenommen wurden, verabschiedete man die
       Verhandlungspartner mit  Dokumenten und  guten Wünschen.  Die um-
       fangreiche und unterschiedliche Tagesordnung war in einer solchen
       Weise verfaßt  worden, daß  die lebhaften  Interessen eines jeden
       Teilnehmers berücksichtigt wurden", sagte Kekkonen.
       "Der Umstand, daß die politischen Führer von 35 Staaten nach Hel-
       sinki gekommen sind, um die Schlußakte der Konferenz über Sicher-
       heit und  Zusammenarbeit in Europa zu unterzeichnen, dokumentiert
       den gemeinsamen  Willen, diese  Probleme entsprechend den Prinzi-
       pien der  Konferenz zu  lösen", erklärte  der finnische Präsident
       unter Hinweis  auf noch  ungelöste Fragen. Als Finnland vor sechs
       Jahren eine  aktive Haltung zum Gedanken der Sicherheitskonferenz
       eingenommen habe,  ließ es  sich von dem Wunsch leiten, neue Wege
       bei der  Stärkung der  Sicherheit und  Zusammenarbeit zu  suchen.
       "Die Sicherheit  Finnlands -  wie jedes  kleinen  und  wohl  auch
       großen Landes  - hat  nur dann eine sichere Basis, wenn die Frie-
       denssituation ungestört  andauert und die stufenweise Entspannung
       ernsthafte Fortschritte macht."
       Die Prinzipien  für die  zwischenstaatlichen Beziehungen, die die
       Teilnehmer beschließen,  wertete Urho  Kekkonen als  Prämisse der
       Sicherheitskonferenz. Die  Konferenz habe  versucht, neue Wege zu
       beschreiten, für die noch keine Erfahrungen vorliegen.
       Hinsichtlich der  praktischen Zusammenarbeit unterstrich der Red-
       ner, daß  Finnland die Förderung der allseitigen wirtschaftlichen
       Zusammenarbeit bereits seit langem als ein Hauptziel betrachtet.
       "Auch in  der Zukunft ist es unabdingbar, daß die gemeinsamen An-
       strengungen auf  den gleichen  Prinzipien basieren wie jetzt. Die
       Arbeit muß unter Berücksichtigung der souveränen Gleichheit aller
       Teilnehmer erfolgen,  deren Ziel  jedoch die  Zusammenarbeit ist.
       Dann -  wie auch  jetzt -  hängen die  Ergebnisse von der Bereit-
       schaft ab,  unsere Bestrebungen  mit anderen in Einklang zu brin-
       gen, wobei jeder eigene Verantwortung fühlt."
       Das finnische Staatsoberhaupt unterstrich, daß der von der Konfe-
       renz initiierte Prozeß nicht allein durch Beratungen Fortschritte
       macht, sondern  unablässige Bemühungen erfordere. Die politischen
       Spannungen haben sich vermindert oder sind nahezu ausgemerzt wor-
       den, während  sich jedoch  gleichzeitig gewaltige Kriegsmaschine-
       rien gegenüberstehen.  Präsident Kekkonen vertrat die Auffassung,
       daß auch diese Konferenz "uns jenem Tag nähergebracht hat, an dem
       der Gedanke von einer umfassenden internationalen Abrüstung nicht
       mehr nur  ein ferner Wunsch, sondern ein fester Bestandteil unse-
       rer Zusammenarbeit ist".
       Sicherheit ist unteilbar, führte der Redner anschließend aus. Wir
       Finnen sind  bereit, unseren  Teil zu übernehmen, und werden auch
       in Zukunft  alles tun,  damit das gemeinsam aufgestellte Ziel er-
       reicht wird.
       

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