Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       ANSPRACHEN AUF DER ABSCHLUSSSITZUNG DER KSZE
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       VOM 30. JULI BIS 1. AUGUST 1975 IN HELSINKI
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       Urho Kekkonen, Staatspräsident der Republik Finnland
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       (Eröffnungsrede)
       
       Ich habe  die große  Ehre, im  Namen der Regierung und des Volkes
       von Finnland  die dritte  Phase der Konferenz über Sicherheit und
       Zusammenarbeit in  Europa für  eröffnet zu  erklären. Es ist eine
       Ehre für uns, zum zweiten Male Gastgeber dieser Konferenz sein zu
       können. Darf  ich Sie  alle sehr herzlich in unserem Lande und in
       unserer Hauptstadt  willkommen heißen. Ich hoffe, daß Ihr Aufent-
       halt in  Helsinki, obwohl nur kurz, genau so angenehm wie mit Ge-
       wißheit fruchtbar sein wird.
       Man hat gesagt, daß die Konferenz über Sicherheit und Zusammenar-
       beit in  Europa ohne Beispiel in der europäischen Geschichte sei.
       Ich teile  diese Meinung.  Ich möchte jedoch hinzufügen, daß sie,
       wenn sie  auch ein einmaliges, so doch kein von anderen gemeinsa-
       men Bemühungen in der internationalen Politik isoliertes Ereignis
       ist. Im Gegenteil, die Konferenz ist Teil, und zwar ein wichtiger
       Teil, der gegenwärtigen Entwicklung der Entspannung.
       Diese Konferenz  ist das  Ergebnis des  gemeinsamen Willens aller
       teilnehmenden Staaten,  ihre gegenseitigen  Beziehungen im Inter-
       esse ihrer Völker zu verbessern und zu intensivieren, und gleich-
       zeitig ist  sie Ausdruck  ihres Wunsches, zu Frieden, Sicherheit,
       Gerechtigkeit und Zusammenarbeit in Europa beizutragen.
       Diesen Zielen  entsprechend, legte  der Außenminister unserer Re-
       gierung während  der ersten  Phase der  Konferenz den politischen
       Rahmen dar,  in dem diese Fragen von höchster Bedeutung behandelt
       und weiterentwickelt werden sollten.
       Als ich  die Ehre hatte, die an der ersten Phase hier in Helsinki
       teilnehmenden Außenminister  willkommen zu  heißen,  brachte  ich
       meine tiefe  Überzeugung zum Ausdruck, daß die Konferenz ein wah-
       rer und  echter Erfolg  sein würde, wenn die die politische Land-
       schaft Europas charakterisierenden, grundlegenden Faktoren ernst-
       haft in Betracht gezogen werden. Ich sagte dann, der Reichtum un-
       seres Kontinents  sei in ebendieser Vielfalt des europäischen po-
       litischen Lebens  zu finden. Man muß es als eine Tatsache voraus-
       setzen, daß  alle unsere  Länder ihre eigenen lebenswichtigen In-
       teressen haben,  die man  berücksichtigen muß. Das ist nur natür-
       lich, denn die Konferenz ist schließlich weder eine Zusammenkunft
       von Siegern  eines Krieges  noch eine Zusammenkunft von Großmäch-
       ten. Sie  ist eine  Konferenz von  souveränen,  unabhängigen  und
       gleichberechtigten Staaten.
       Im Verlauf der kommenden Tage werden wir Erklärungen der höchsten
       politischen Führer der teilnehmenden Staaten hören. In diesen Er-
       klärungen werden  wir unsere  Einschätzungen der  Ergebnisse  der
       zweiten Phase  der Konferenz in Genf wie auch der Wege und Metho-
       den der  Förderung des  multilateralen Prozesses geben, der diese
       Konferenz in  Gang gesetzt hat. Zu diesem Zweck steht vor uns der
       Schlußakt der  Konferenz, zu  dem unsere  Regierungen bereits  am
       Ende der  zweiten Phase ihre kollektive Zustimmung gaben. Ich bin
       der Meinung, daß die Schlußakte ein außerordentlich wichtiges in-
       ternationales politisches  Dokument ist,  das aus der gründlichen
       Beratung aller  Fragen hervorging.  Die endgültige  Zustimmung zu
       ihrem Inhalt  wurde unter gebührender Berücksichtigung der Inter-
       essen aller  Staaten gegeben. Ich darf in diesem Zusammenhang un-
       seren aufrichtigen  Dank  gegenüber  dem  Gastgeber  der  zweiten
       Phase, der  Regierung der  Schweiz,  zum  Ausdruck  bringen.  Ich
       möchte auch all jenen danken, die für uns an den Verhandlungen in
       Genf teilgenommen haben.
       Dies ist  ein Tag der Freude und der Hoffnung für Europa. Wir ha-
       ben allen  Grund zu  glauben, daß eine neue Ära in unseren gegen-
       seitigen Beziehungen  anbricht und  daß wir  zu einer Reise durch
       Entspannung zu  Stabilität und  dauerhaftem Frieden  aufgebrochen
       sind. Dies  ist der Zeitpunkt, um zu sagen, daß die Vergangenheit
       begraben wurde und eine unglückliche Periode in unseren Beziehun-
       gen endgültig vorüber ist. Allein die Tatsache, daß die Konferenz
       einberufen wurde  und daß so gut wie alle Staaten sich entschlos-
       sen, daran  teilzunehmen, beweist, daß die Zeit gekommen war, von
       der Absicht zum Handeln zu schreiten.
       Diese Entwicklung widerspiegelte die grundlegende Überzeugung al-
       ler, daß  Entspannung nur durch Zusammenarbeit gesichert und ver-
       tieft werden  kann. Diese Auffassung, dessen bin ich sicher, wird
       von allen  von uns  geteilt, und so ist es nur natürlich, daß die
       Konferenz entscheidend  zur Entspannung beigetragen und die Rich-
       tung gewiesen  hat, in  der neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit
       liegen. Ich  meine, es  ist notwendig,  den gleichen  Wert beider
       Aspekte der  Konferenz zu  unterstreichen: Sicherheit  und Zusam-
       menarbeit, da beide zwei Seiten der gleichen Sache sind. Das soll
       uns jedoch  den Rest  der Welt  nicht vergessen lassen, wo ernste
       Konflikte und weitverbreitetes Elend noch existieren. Wir sollten
       die Gefühle  der Selbstzufriedenheit  überwinden. Wir  müssen uns
       unserer eigenen  Worte entsinnen, daß die Stärkung der Sicherheit
       in Europa sich nicht gegen irgendeinen Staat oder Kontinent rich-
       tet und  einen wichtigen Beitrag zu Sicherheit und Frieden in der
       Welt leistet.  Als Symbol  für diese  Verbindung  haben  wir  die
       Freude, den  Generalsekretär der Vereinten Nationen als Ehrengast
       auf dieser  Eröffnungszeremonie der  dritten Phase  willkommen zu
       heißen.
       

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