Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       ALDO MORO, MINISTERPRÄSIDENT DER REPUBLIK ITALIEN
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       (Zusammenfassung)
       
       "Die italienische  Regierung begrüßt  mit Genugtuung  die  letzte
       Phase dieser Konferenz, die fast zwei Jahre lang die Vertretungen
       der  verschiedenen   Länder  in  einer  ständigen  angestrengten,
       manchmal schwierigen Arbeit zusammengeführt hat, die jedoch immer
       von der  gemeinsamen Suche  nach Lösungen und dem gemeinsamen Be-
       wußtsein der  Verantwortung getragen  war", sagte  der Redner. Es
       sei das  erste Mal, daß 33 europäische und zwei nordamerikanische
       Staaten zusammengetroffen sind mit dem Ziel, die Grundlagen ihrer
       gemeinsamen Beziehungen  zu formulieren  und ihre  Zusammenarbeit
       nach Maßgabe  des Möglichen  auf allen Gebieten zu erweitern. Der
       Wunsch nach  Frieden, das  Eintreten gegen jede Bedrohung der Si-
       cherheit und der Wille zur Zusammenarbeit seien allen Teilnehmer-
       staaten gemeinsam.
       Italien habe  immer die  Auffassung vertreten,  daß es  notwendig
       ist, der  schrittweisen und  nicht immer leichten Entwicklung der
       internationalen Beziehungen  einen neuen Inhalt und mehr Substanz
       zu geben.  Die Konferenz sei ein Fortschritt auf dem Weg der Ent-
       spannung, der schon durch verschiedene bilaterale Initiativen be-
       schritten worden  sei. "Die  Schlußakte, die  wir  unterschreiben
       werden, ist nicht nur ein juristisches Dokument. Es bestätigt die
       territoriale Lage  in Europa und zeigt die Perspektive der Zusam-
       menarbeit, und  es wird auch unserer Meinung nach ein Schritt auf
       dem Weg in die Zukunft sein."
       Es sei  gelungen, eine gewisse Zahl für alle gültiger fundamenta-
       ler Prinzipien  des internationalen Lebens festzulegen, ihre Ach-
       tung und  strikte Anwendung sei die Voraussetzung dafür, daß sich
       die Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten harmonisch auf ei-
       ner rechtlichen  und dauerhaften  Grundlage entwickeln können. In
       zwei Jahren  werde man in Belgrad feststellen, wie jede Regierung
       ihre Verpflichtung  erfüllt hat, zu einer echten Verbesserung der
       internationalen Beziehungen beizutragen.
       Die Dokumente  haben eine enge Verbindung zwischen Sicherheit und
       Zusammenarbeit in  Europa und  auch im Mittelmeerraum geschaffen,
       betonte der  italienische Ministerpräsident.  Ausführlich  erläu-
       terte er  dann, daß  er die Schlußakte nicht nur als Repräsentant
       seines Landes,  sondern zugleich auch als gegenwärtiger Präsident
       des Rates  der EWG  unterzeichnen werde. Er betonte, daß auch die
       EWG die Ziele der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
       Europa unterstützt.
       Es solle  das gemeinsame  Ziel aller Beteiligten sein, die Erwar-
       tungen nicht  zu enttäuschen,  auf die  Herausforderungen unseres
       Zeitalters zu  antworten -  im Geist der Realität, der Gerechtig-
       keit, des  Friedens, der Verständigung, der Loyalität. Die Konfe-
       renz müsse  ihre guten  Einflüsse ausüben, ungeachtet der politi-
       schen und  sozialen Unterschiede  zwischen den  Staaten. Die Ver-
       schiedenheit der  Meinungen und  der Erfahrungen, die während der
       Arbeit der  Konferenz zum Ausdruck gekommen sei, dürfe kein Grund
       zur Trennung  sein, sondern  vielmehr ein Beitrag der beteiligten
       Staaten zum Fortschritt der Menschheit.
       

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