Quelle: Blätter 1975 Heft 08 (August)


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       Ansprachen zu den Ergebnissen der KSZE in Helsinki
       
       TODOR SHIWKOW, ERSTER SEKRETÄR DES ZK DER BULGARISCHEN
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       KOMMUNISTISCHEN PARTEI, VORSITZENDER DES STAATSRATES DER
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       VOLKSREPUBLIK BULGARIEN
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       (Zusammenfassung)
       
       "Der Weg,  den wir  bis zu unserer heutigen Zusammenkunft in Hel-
       sinki zurückgelegt haben, war lang und schwer", sagte Todor Shiw-
       kow. "Dieser  Weg führte durch die Brandstätten des Zweiten Welt-
       krieges, durch  die Sümpfe  des 'kalten  Krieges', über Berge von
       Mißtrauen und  Feindschaft. Es war kein ebener Weg auch in diesem
       seinem Abschnitt,  der mit der Vorbereitung der Konferenz begann.
       Aber nüchterner  Verstand und politischer Realismus haben uns ge-
       holfen, die  Hindernisse zu überwinden und dieses Treffen zu ver-
       wirklichen, das  von der  edlen Idee des Friedens, der Sicherheit
       und Zusammenarbeit zwischen den Völkern erhellt wird."
       Zum erstenmal  auf dem  europäischen Kontinent suchten und fänden
       so viele Staaten unterschiedlicher sozialer Systeme gemeinsam Lö-
       sungen für Probleme, für die sowohl die Theorie als auch die Pra-
       xis der  internationalen Beziehungen kein fertiges Modell zu bie-
       ten haben.  Es handelt  sich um  eine neue Erfahrung, die auch in
       Zukunft von  Nutzen sein werde. Die Konferenz sei "ein handfestes
       Zeugnis für  die im  internationalen Leben eingetretenen Verände-
       rungen, ein  Zeugnis für  die  Durchsetzung  der  Prinzipien  der
       friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesell-
       schaftsordnung."
       Das Kernstück  der Schlußakte, so betonte Todor Shiwkow, sei "die
       Deklaration über  die Prinzipien,  auf welchen wir übereinkommen,
       unsere gegenseitigen  Beziehungen zu entwickeln - Beziehungen des
       Friedens und der Stabilität, der Zusammenarbeit und Freundschaft,
       der Achtung und des Vertrauens. Diese Prinzipien sind die Verkör-
       perung des gemeinsamen Strebens unserer Völker, die gegenwärtigen
       und zukünftigen  Generationen vor  den Greueln des Krieges zu be-
       wahren, ihnen  ein friedliches  und glückliches Leben zu sichern.
       Darin besteht  ihre gewaltige  Einwirkungskraft, ihre  politische
       und moralisch-ethische Bedeutung.
       In unserer  Zeit, in der in Europa und in der Welt Staaten unter-
       schiedlicher gesellschaftlich-politischer  Systeme  koexistieren,
       gewinnen die  von uns akzeptierten Prinzipien über die Unverletz-
       barkeit der  Grenzen, die Unantastbarkeit der territorialen Ganz-
       heit, den Verzicht auf Gewaltanwendung oder auf Androhung von Ge-
       walt, das  Recht jedes Volkes, allein seine sozialökonomische Ge-
       sellschaftsordnung zu  wählen und  zu entwickeln, erstrangige Be-
       deutung."
       Die Volksrepublik Bulgarien messe auch jenem Teil des Abschlußdo-
       kuments große  Bedeutung bei, der den Problemen der internationa-
       len Zusammenarbeit  gewidmet ist.  "Die Entwicklung  der ökonomi-
       schen Zusammenarbeit  ist ein  objektiver Prozeß,  den man aller-
       dings beschleunigen  oder verlangsamen  kann. Die  Beschlüsse der
       Konferenz schaffen  Voraussetzungen zur Beseitigung der Schranken
       und Diskriminierungen  auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen, zur
       Stimulation der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit auf
       dem Gebiet  der Ökonomik,  Wissenschaft, Technik  und des Umwelt-
       schutzes, zur  rationelleren und  gerechteren internationalen Ar-
       beitsteilung."
       Eine der  entscheidenden Richtungen  der zukünftigen Arbeit werde
       in der  Ergänzung der politischen Entspannung durch die militäri-
       sche bestehen. Weitere Schritte könnten Maßnahmen zur Einstellung
       des Wettrüstens,  die Erarbeitung eines Abkommens zur Reduzierung
       der Streitkräfte  und Rüstungen in Zentraleuropa, die allmähliche
       Überwindung der  Spaltung Europas  in Militärblocks  sein.  Todor
       Shiwkow sprach  die Überzeugung  aus, daß "die Ergebnisse unserer
       Konferenz bedeutend  zur Lösung der großen Weltprobleme beitragen
       werden, von  welchen ich  nur die  Überwindung der Krise im Nahen
       Osten und  in Zypern,  die Schaffung eines Systems für kollektive
       Sicherheit in  Asien, die  allgemeine und  vollständige Abrüstung
       erwähnen möchte."
       

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