Quelle: Blätter 1975 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE UNIDAD POPULAR UND DIE AUFGABEN DES CHILENISCHEN VOLKES -
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       VEREINBARUNG DER FÜHRER DER PARTEIEN DER UNIDAD POPULAR IM
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       AUSLAND, GETROFFEN IN BERLIN (DDR) AM 27. JULI 1975
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       (Wortlaut)
       
       Alle maßgeblichen, im Ausland lebenden Führer der in der chileni-
       schen Unidad  Popular  zusammengeschlossenen  Parteien,  darunter
       sämtliche Generalsekretäre  - außer Luis Corvalan, dem Generalse-
       kretär der  Kommunistischen Partei, der sich in Chile in Haft be-
       findet -,  verabschiedeten am  27. Juli 1975 in Berlin (DDR) eine
       grundsätzliche politische  Vereinbarung, die  wir nachstehend  im
       Wortlaut dokumentieren. D. Red.
       
       In Berlin,  Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, ha-
       ben wir,  die Führer  der Parteien der Unidad Popular im Ausland,
       in offizieller  Vertretung unserer  Parteien die Krisensituation,
       in der  sich Chile befindet, analysiert und uns auf die folgenden
       allgemeinen politischen und programmatischen Grundzüge geeinigt:
       1. Die faschistische  Militärdiktatur hat  auf blutige  Weise die
       demokratische, politische  und soziale  Entwicklung Chiles unter-
       brochen. Sie hat die gesamte demokratische Institutionalität zer-
       stört, hat  die repräsentativen  Organe sowie  die demokratischen
       und Volksparteien  abgeschafft und  gewaltsam alle Freiheiten und
       Rechte der Chilenen beseitigt.
       Das Land wurde in ein Konzentrationslager verwandelt, in dem Tau-
       sende und Abertausende von Chilenen ermordet, gefoltert und fest-
       gehalten werden,  um die politische Opposition physisch zu liqui-
       dieren; und  einem großen  Prozentsatz der  Bevölkerung wird  die
       Möglichkeit verweigert, im eigenen Vaterland zu leben.
       Geleitet von den reaktionärsten und überholten Modellen der nord-
       amerikanischen Ökonomie  haben die  Usurpatoren für  das Volk die
       größte Krise  entfesselt, derer  man sich erinnern kann. Eine ga-
       loppierende Inflation, ein ungeheures Anwachsen der Arbeitslosig-
       keit, der  steile Fall  der Produktionsziffern  und der  Bankrott
       Tausender von  mittleren und kleinen Betrieben und Geschäften wi-
       derspiegeln diesen wahren ökonomischen Zusammenbruch.
       Chile und sein Volk wurden den Imperialisten als Experimentierob-
       jekt einer  unmenschlichen Politik  zur Verfügung  gestellt,  die
       nach optimalen,  für die  Superausbeutung  günstigen  Bedingungen
       strebt. Die  sogenannte "Schock-Behandlung",  die sogar  von  der
       brasilianischen Diktatur  abgelehnt  wird,  ist  die  ökonomische
       "Zauberlösung", durch die das Volk zu Hunger und Elend verurteilt
       wird, um  die Profite  des Großkapitals  zu erhöhen. Gleichzeitig
       genießen die Monopolbourgeoisie und der Imperialismus all die Un-
       terstützung und alle Privilegien, die das Regime zu bieten hat.
       Die Betriebe des staatlichen Sektors der Wirtschaft werden in die
       Hände des  Monopolkapitals zurückgegeben, und die großen multina-
       tionalen Konzerne  erhalten umfangreiche Entschädigungen, während
       man ihnen  gleichzeitig die  Türen öffnet, damit sie ihre Ausbeu-
       tertätigkeit in Chile im Rahmen einer Politik der völligen Entna-
       tionalisierung der Ökonomie wieder aufnehmen können.
       In der  Landwirtschaft macht  man dem  Prozeß der Bodenreform ein
       Ende, und  die Herrschaft der Großgrundbesitzer wird wiederherge-
       stellt, indem  man ihnen  die Mehrzahl  der enteigneten Güter zu-
       rückgibt und die Neubauern und die kleinen Eigentümer abwürgt.
       Die Mitbestimmung  der Werktätigen,  die unter  der Regierung des
       Präsidenten  Allende  eine  bemerkenswerte  Entwicklung  erreicht
       hatte, ist völlig abgeschafft. Die Diktatur hat versucht, die Ge-
       werkschaftsorganisationen gewaltsam zu beseitigen und ihre Führer
       zu liquidieren; sie hat sich das Ziel gesetzt, alle Ausdrucksfor-
       men des  Lebens in  der Gesellschaft  zu beseitigen,  und fördert
       korporativistische Formeln  typisch faschistischer  Machart.  Die
       Streitkräfte gehen  dazu über, innerhalb des Systems eine hervor-
       ragende Rolle  als Werkzeuge der Großbourgeoisie und des Imperia-
       lismus zu  spielen. Ihre  reaktionären Offiziere  sind die  Voll-
       strecker der  Repression und  sind gleichzeitig  Instrumente  und
       Sprachrohr der herrschenden Klasse.
       Dieses ganze  Bild des  Elends, der Repression und des Scheiterns
       bewirkt zusammen mit der wachsenden Korruption des faschistischen
       Regimes dessen großangelegte nationale und internationale Isolie-
       rung.
       Im Inland kommt die Isolierung darin zum Ausdruck, daß sich nicht
       nur die  Arbeiterklasse und  die Volksmassen  in Stadt  und Land,
       welche die  am meisten  von der  Repression und  dem ökonomischen
       Desaster betroffenen  Bereiche sind,  in die Opposition gegen die
       Diktatur einreihen.  Auch die  Mittelschichten stellen anhand der
       Tatsachen fest,  daß die  Politik der Junta ihren Interessen kraß
       entgegengesetzt ist, da sie zugunsten der Großbourgeoisie und des
       ausländischen Kapitals hintangesetzt werden.
       Große Teile  der Bevölkerung,  die sich  in der Vergangenheit der
       Politik der  Regierung der  Unidad Popular widersetzten und sogar
       bewußt oder  unbewußt am Aufkommen der Diktatur mitgearbeitet ha-
       ben, lehnen heute deren Führungspolitik und die von ihr angewand-
       ten Verfahren ab.
       Vom innenpolitischen  Standpunkt her  betrachtet, hat  die  Junta
       letztlich nur  die Unterstützung  der nationalen Großbourgeoisie,
       die eng mit den Interessen des Imperialismus verbündet ist.
       2. Auf internationaler Ebene ist es zu einem fast einmütigen Phä-
       nomen des Abscheus gegen das Regime Pinochets und der Solidarität
       mit dem  Volk von Chile gekommen. Die meisten Regierungen und in-
       ternationalen Organisationen,  die ideologisch-politischen Haupt-
       strömungen unserer  Zeit und  selbst die Vollversammlung der Ver-
       einten Nationen haben dieses Regime entschieden verurteilt.
       Diese Isolierung  wird durch die rückschrittliche und unmenschli-
       che Innenpolitik der Diktatur bewirkt.
       Der Versuch,  eine solche  Politik international aufzuwerten, wi-
       derspricht der historischen Entwicklungsrichtung unserer heutigen
       Welt und  stellt die Militärdiktatur als eines der barbarischsten
       und rückschrittlichsten Regime hin.
       Die Militärjunta  übt ihre anti-chilenische Politik im Rahmen ei-
       ner internationalen  Gesamtlage aus,  die  von  einem  weltweiten
       Kräfteverhältnis gekennzeichnet  ist, das sich mit jedem Tag mehr
       zugunsten des  Friedens, der  Demokratie und des Sozialismus ent-
       wickelt.
       Der Vormarsch  der Kräfte des Fortschritts zeigt sich in der Ent-
       wicklung und  Ausdehnung des  sozialistischen Lagers, im Aufstieg
       der Bewegung der Werktätigen in den entwickelten kapitalistischen
       Ländern, im  Wachstum und  in der Stärkung der Nationalen Befrei-
       ungsbewegung und im Kampf der Völker der unterentwickelten Länder
       um demokratische  und sozialistische  Lösungen für ihre Probleme.
       All dies bietet dem kapitalistischen Weltsystem Schach.
       Deutliche Beweise für den Rückzug der Imperialisten sind ihre mi-
       litärischen Niederlagen in Südostasien, der Zusammenbruch der Re-
       ste des  Kolonialsystems, der  zum Entstehen  neuer  unabhängiger
       Staaten in  Afrika führt, und die Siege der demokratischen Kräfte
       Griechenlands und Portugals.
       Eine Politik, die den lächerlichen Chauvinismus mit der Ausliefe-
       rung des  Landes an  ausländische Interessen kombiniert, isoliert
       die Diktatur  in der  ganzen Welt  und besonders in Lateinamerika
       und bringt  eine potentiell  kriegerische und  aggressive Haltung
       gegenüber den Bruderländern hervor.
       Der Militärputsch in Chile ist ein wesentlicher Schritt im Rahmen
       der Gegenoffensive  des Imperialismus,  der auf  diese Weise ver-
       sucht, den  Aufschwung der  Massenbewegung auf  dem Kontinent  zu
       neutralisieren.
       Ungeachtet einiger  Rückschritte der Volkskräfte in Lateinamerika
       kann man einen politischen Reifeprozeß der Völker sowie ein stän-
       diges Vorwärtsdrängen  in der  Entwicklung der  antiimperialisti-
       schen und  demokratischen Bewegungen der nationalen Selbstbehaup-
       tung erkennen.  So im  Falle von Ländern wie Peru, Ecuador, Vene-
       zuela, Panama, Costa Rica, Mexiko und in den englisch und franzö-
       sisch sprechenden Ländern des Karibischen Raumes. Die Entwicklung
       des Prozesses  der nationalen  Selbstbehauptung in Lateinamerika,
       der sich ausdrückt in den Erfolgen der revolutionären Entwicklung
       Kubas und  in der Zerschlagung der imperialistischen Blockade ge-
       gen dieses  Land, in  der wachsenden  Koordinierung  der  fortge-
       schrittenen Teile  Lateinamerikas mit  den übrigen Völkern Asiens
       und Afrikas,  in der  Politik der Verstaatlichung in den Ländern,
       deren Bodenschätze  ihnen jahrhundertelang entfremdet wurden, so-
       wie im  unabhängigen Profil,  das die  Nationen des Kontinents in
       der internationalen Arena gewinnen, eröffnet der lateinamerikani-
       schen Volksbewegung  ermutigende Perspektiven  und definiert  die
       gemeinsamen Züge  ihres Befreiungskampfes,  der sich in den welt-
       weiten Rahmen des Kampfes um eine neue Weltordnung einreiht.
       Die weltweite  gewaltige und  großzügige Bewegung der Solidarität
       mit dem  chilenischen Volk und der Abscheu gegen die Militärjunta
       ist ein  machtvoller Ansporn  im Kampf  um die  Befreiung unseres
       Landes. Völker  und Regierungen  der sozialistischen, sozialdemo-
       kratischen,  fortschrittlichen  und  nichtpaktgebundenen  Länder,
       ihre Gewerkschaftsorganisationen,  die Frauen,  die Jugendlichen,
       hervorragende Persönlichkeiten  aus Wissenschaft,  Kunst und Kul-
       tur, in einem Wort, die ganze zivilisierte Welt, bringen auf tau-
       sendfache Weise ihre Solidarität mit dem Kampf unseres Volkes und
       ihre Verurteilung  des barbarischen und rückschrittlichen Regimes
       der Militärdiktatur zum Ausdruck.
       3. Konfrontiert mit  der gewaltigen  Macht des Faschismus, dessen
       Ziel die organisatorische und politische Zerstörung der Arbeiter-
       klasse und  des Volkes  ist, haben  die chilenische Volksbewegung
       und ihre Anhänger in dieser kritischen Periode ihre enorme Kraft,
       Organisiertheit  und  revolutionäre  Überzeugung  bewiesen.  Eine
       Kraft, die  in mehr  als 100  Jahren des harten Kampfes gegen die
       Ausbeutung und  für die Rechte des Volkes gewannen wurde; genährt
       vom Blut  und vom  Beispiel ihrer Märtyrer von gestern und heute;
       bereichert durch die Erfahrung der revolutionären und Arbeiterbe-
       wegung der ganzen Welt; gestählt in der Disziplin ihrer Massenor-
       ganisationen und  ihrer politischen  Vorhut. Ihre  Kraft und Ent-
       schlossenheit, sich  der Politik  der Diktatur sowohl im ökonomi-
       schen Kampf  als auch  in der Verteidigung der Menschenrechte und
       der Kultur  auf allen  Gebieten zu  widersetzen,  macht  aus  der
       Volksbewegung den aktivsten und entscheidendsten Faktor des demo-
       kratischen und antifaschistischen Widerstandes.
       Die revolutionären,  demokratischen  und  Volkskräfte  bestätigen
       durch ihre  Existenz die  historische Richtigkeit ihrer Sache. Es
       wäre falsch,  zu leugnen, daß der faschistische Putsch eine tief-
       greifende, wenn auch zeitweilige Niederlage der Volksbewegung be-
       wirkt hat.  Andererseits stimmt es, daß Fehler in der Führung des
       Prozesses zu dieser vornbergehenden Niederlage beigetragen haben.
       Dennoch mindert  nichts von  alledem die  Richtigkeit und die so-
       ziale Notwendigkeit des von der Unidad Popular eingeleiteten Pro-
       zesses. Der Imperialismus und die reaktionären Kräfte, welche die
       gegenwärtige Ordnung  unterstützen, werden  die Macht  noch  eine
       Zeit behalten können, aber letztendlich werden sie nicht die Pro-
       bleme lösen  können, deren Ursprung in ihrer eigenen rückschritt-
       lichen und  antihistorischen Natur  liegt. Demgegenüber  kann die
       Volksbewegung, die  die Befreiung  von einer versklavenden, unge-
       rechten Klassengesellschaft  vertritt, Rückschläge erleiden, aber
       in der  großen historischen  Perspektive wird sie siegen und eine
       neue und  höhere Lebensform durchsetzen. Dies hat ein großer Teil
       der Menschheit erreicht. Dies in unserem Land durchzusetzen, müs-
       sen wir fähig sein.
       Das Werk, das von der Volksregierung verwirklicht worden ist, hat
       eine unauslöschliche Spur in unserem Land hinterlassen, trotz der
       Bemühungen der Junta, dieses Werk zu zerstören.
       Die Volksregierung  verwirklichte eine riesige Aufgabe der Umwäl-
       zungen, die  das chilenische  kapitalistische Regime und die Vor-
       herrschaft des Imperialismus in unserer Hemisphäre trafen.
       Die strategischen  Ziele der Volksbewegung haben ihre Gültigkeit:
       der Kampf  gegen den  Imperialismus, die  Monopole und  die Groß-
       grundbesitzer und  für den  Beginn des Aufbaus des Sozialismus im
       Lande. Die  endgültige Lösung  der vom  chilenischen kapitalisti-
       schen System hervorgebrachten und durch eine zurückgebliebene und
       oligarchische Politik  verschärften Probleme  wird nur  im Rahmen
       sozialistischer Produktions- und Tauschverhältnisse erreicht wer-
       den können.
       Das demokratische Bündnis des Volkes, das heute entwickelt werden
       muß, ist  politisch, sozial  und ideologisch viel breiter als die
       Unidad Popular. Dies bedeutet nicht, daß die Unidad Popular über-
       holt ist  und ihre Gültigkeit nicht fortdauert. Im Gegenteil, das
       breite Bündnis,  das wir  fordern, wird nur in dem Maße errichtet
       werden können,  in dem  wir ein  neues Niveau der Einheit unserer
       Parteien festigen  und entwickeln und politische und programmati-
       sche Übereinstimmungen  suchen, die sich gegen die Junta definie-
       ren.
       Die Stärkung der Unidad Popular wird es ermöglichen, das Kampfpo-
       tential unseres  Volkes zu mehren, mit größerer Kraft Initiativen
       zu entwickeln,  die allen Aufgaben Impulse verleihen, und die Be-
       dingungen zu schaffen, um den ökonomischen, ideologischen und of-
       fenen politischen Massenkampf zu verstärken.
       Dieser Kampf wird es möglich machen, den vielen gesonderten Kämp-
       fen der  verschiedenen Teile  des Volkes  gegen die  Diktatur Ge-
       schlossenheit und Kohärenz zu verleihen. Die Ausdehnung der ille-
       galen politischen  Arbeit und  ihre Verwandlung in eine Massenar-
       beit ist  eine unabdingbare Voraussetzung für den Übergang zu of-
       feneren Formen des ökonomischen und politischen Kampfes.
       4. In der  Perspektive der  Erfüllung ihrer  strategischen  Ziele
       steht die Volksbewegung heute vor einer Hauptaufgabe: die faschi-
       stische Junta  zu zerschlagen. Diese hat das Monopol an der Macht
       und den Waffen und die Unterstützung des Imperialismus. Aber ihre
       ungeschickte und  reaktionäre Politik und die blutige Natur ihres
       Regimes haben ihr die soziale Stütze entfremdet.
       Breitere Bevölkerungsteile als diejenigen, die die Basis der Uni-
       dad Popular bildeten, haben ebenfalls das Ziel, die Junta zu zer-
       schlagen, in  dem Maße, in dem die wahre Natur dieses Regimes für
       sie offensichtlich wird. Es gibt einen größeren Aktionsradins für
       das organisierte  Volk. Die Volkskräfte bieten all jenen ökonomi-
       schen und sozialen Schichten, denen durch die "soziale Marktwirt-
       schaft" und  die Junta,  die diese  Politik durchsetzt, alle Mög-
       lichkeiten versperrt werden, einen klaren und definierten Weg.
       Die Äußerungen  der antifaschistischen Gefühle unseres Volkes ha-
       ben sich  vermehrt. Der Kampf der Gewerkschaften um die Beibehal-
       tung der  Integrität ihrer Organisationen und um die Wiedergewin-
       nung ihrer  verlorenen Errungenschaften,  der illegale  Kampf der
       politischen Organisationen der Linken, die eng verbunden sind mit
       den Massenorganisationen,  die sich entwickeln und der unbarmher-
       zigen Repression trotzen; der Kampf der Studenten und Intellektu-
       ellen um  die Gedankenfreiheit  und um ein freies und pluralisti-
       sches Bildungswesen;  der Impuls,  den verschiedene  freiheitlich
       und humanistisch gesinnte Institutionen der Verteidigung der Men-
       schenrechte verliehen  haben; der  wachsende Protest  der kleinen
       und mittleren Unternehmer gegen eine Politik, die sie in den Ruin
       führt; die  verschiedenen Zeichen der Solidarität, die sich unter
       den Arbeitern und im Volk entwickeln, um die Auswirkungen der Ar-
       beitslosigkeit und  des Hungers zu mildern; all dies sind Zeichen
       des wachsenden  Widerstandes unseres  Volkes gegen  die Diktatur,
       und sie  mehren sich  mit jedem Tag. An ihnen zeigt sich die Ein-
       heit aller  Chilenen, ungeachtet  ihrer ideologischen Differenzen
       und der  Gründe, aus denen sie sich in der Vergangenheit auf ver-
       schiedenen Seiten gegenübergestanden haben mögen.
       Die Volkskräfte haben genügend moralische Autorität, um in diesem
       Moment des  nationalen Schmerzes und Elends ihr richtiges und be-
       stimmendes Wort sagen zu können: ihre historische Wahrheit.
       Für den  Sturz der  Diktatur betrachtet es die Unidad Popular als
       unabdingbar, daß  sich die  zum Kampf gegen das faschistische Re-
       gime entschlossenen  Kräfte auf neuen programmatischen Grundlagen
       sammeln, die eine Hoffnung und einen realen Weg für die Befreiung
       des ganzen  Volkes eröffnen.  Eine Organisation mit breiter sozi-
       aler Basis  und tiefgreifenden  Vorhaben; eine  Organisation, die
       die humanistischen  Werte der  Christen, Freidenker und Marxisten
       einschließt; eine  Organisation mit  einem höheren  ideologischen
       Pluralismus; eine  Organisation, in  der die Beziehungen zwischen
       den Mitgliedern wahrhaftig, ehrlich und gleichberechtigt sind und
       die gleichermaßen  die historischen  Ziele der Arbeiterklasse und
       der werktätigen  Massen in Betracht zieht und die Wahrung der In-
       teressen aller  in ihr  vertretenen Kräfte  berücksichtigt.  Eine
       Front, in  der keiner  den anderen  trügt und  niemand sich Trug-
       schlüssen hingibt.  Eine organisierte Kampfbarrikade, mit der man
       die Junta  stürzt, den  Fachismus endgültig ausrottet und den Weg
       des Aufbaus einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaft
       einleitet.
       In diesem  neuen patriotischen, revolutionären und freiheitlichen
       Unterfangen fällt  den christlichen  Massen eine  aktive Rolle an
       der Seite der übrigen Organisationen des Volkes zu. Sie haben für
       heute und  für die  Zukunft einen Platz im Kampf um den Sturz der
       Junta und um die Errichtung einer neuen Gesellschaft.
       In diesem  historischen Unternehmen ist auch Platz für das ratio-
       nalistische und  freidenkerische Gedankengut, das in unterschied-
       lichen  politischen  und  sozialen  Organisationen  zum  Ausdruck
       kommt. Die  Erfahrung des  sozialen Kampfes hat bewiesen, daß die
       rückschrittlichen Kräfte  diese Auffassungen nur zum Nutzen ihrer
       eigenen egoistischen und unmenschlichen Interessen benutzt haben.
       Es wird immer offensichtlicher, daß es keine Unvereinbarkeit zwi-
       schen diesen  Werten  und  der  fortgeschrittenen  Weltanschauung
       gibt, die eine gerechte Gesellschaft errichten will.
       Die Männer  in Waffen,  die, betrogen  durch eine antihistorische
       Ideologie und  Propaganda geglaubt haben, abseits der Befreiungs-
       bewegung des  Volkes zu  stehen, haben hier die Möglichkeit ihrer
       Revindikation. Die schuldigen Militärs werden für ihre Verbrechen
       bezahlen, aber  jene, die sich wirklich als Teil des chilenischen
       Volkes fühlen,  haben eine  Rolle zu  spielen an  der  Seite  der
       Kräfte, die für die Befreiung des Landes kämpfen.
       Die Organisation  dieser breiten und patriotischen Widerstandsbe-
       wegung des  Volkes wird die Beteiligung aller Kräfte auf der Ent-
       scheidungsebene beinhalten  müssen. Keiner ihrer Bestandteile ist
       zeitweiliger Mitkämpfer  in der Befreiung des Volkes, sondern je-
       der ist  ein Faktor  in der  historischen  Verwirklichung  seiner
       Ideale. Der  ideologische Pluralismus,  die  Respektierung  aller
       Glaubensrichtungen und die umfassende Mitbestimmung an allen Auf-
       gaben des Volkes müssen ein prinzipielles Engagement sein für die
       volle Konkretisierung der gemeinsamen Ideale und der Ideale eines
       jeden.
       Wir bekräftigen unseren Willen nach einer Politik der Einheit mit
       denjenigen Kräften  der Linken,  die nicht zur Unidad Popular ge-
       hörten und  von denen  uns Meinungsverschiedenheiten zu strategi-
       schen und taktischen Fragen trennten. Die bedeutendste unter die-
       sen Kräften  ist die MIR, die, wie die gesamte Volksbewegung, Ge-
       genstand einer  erbitterten Repression war. Die antifaschistische
       Einheit mit der MIR ist möglich auf der Grundlage einer gemeinsa-
       men Politik,  die jeglichen  spalterischen und  eine  Alternative
       verfolgenden Versuch  ausschließt und die sich auf eine gegensei-
       tige Achtung stützt.
       Die Tatsachen  haben bewiesen, daß jegliche konsequent demokrati-
       sche Haltung zu einer unvermeidlichen Konfrontation mit der Poli-
       tik der  Junta führt.  In der  letzten Zeit hat man diesen Prozeß
       besonders intensiv innerhalb der Massenorganisationen erlebt, und
       es haben  sich unter den Christdemokraten Positionen herausgebil-
       det, die  einer Aktionseinheit gegen die Diktatur günstig gesinnt
       sind.
       Verschiedene Persönlichkeiten  haben Initiativen  entwickelt, die
       auf den Kampf gegen die Junta hinauslaufen, wie z.B. das kürzlich
       durchgeführte Seminar  von Colonia Tovar in Caracas, auf dem Mit-
       glieder und  Persönlichkeiten der Christdemokraten und der Unidad
       Popular gemeinsam  zu der  Schlußfolgerung gelangten, daß es not-
       wendig ist,  Kräfte zu  sammeln, um die Diktatur zu schlagen, und
       dabei keine  Partei der  chilenischen Linken  auszuschließen. Wir
       verkünden einmal mehr, daß sich unsere Politik darauf orientiert,
       die Bedingungen  zu schaffen,  die die  gemeinsame Aktion möglich
       machen. Diese  wird sich  im gemeinsamen antifaschistischen Kampf
       und in der ideologischen und politischen Diskussion festigen, die
       es ermöglicht,  programmatische Übereinstimmungen  zu finden. Die
       antifaschistische Praxis  wird der  einzige Maßstab für die demo-
       kratische Konsequenz eines jeden sein.
       5. Der Sturz der Junta und die Wiederherstellung neuer demokrati-
       scher und  volksverbundener  Formen  werden  ohne  einschneidende
       Kämpfe nicht  erreicht werden.  Der faschistische  Putsch ist der
       äußerste Akt der chilenischen Großbourgeoisie und des Imperialis-
       mus, um  den Vormarsch  des Volkes zum Sozialismus zu verhindern.
       Der von  der Unidad  Popular begonnene revolutionäre Prozeß wurde
       blutig mit  Hilfe der Waffen unterbrochen. Daher werden die reak-
       tionären Kräfte,  die sich  in dieses Unternehmen gestürzt haben,
       ihre Machtpositionen nicht friedlich hergeben.
       Die Volksbewegung wird im Verlauf ihrer Aktion keinerlei Möglich-
       keit, den  Faschismus zu zerschlagen, verwerfen, sei sie nun eine
       ideologische, politische,  ökonomische oder  militärische. Jedoch
       ganz gleich, welche Kampfformen angewandt werden, sie alle setzen
       die Entwicklung einer breiten Massenbewegung voraus und erfordern
       sie.
       Die Restrukturierung  und die  Stärkung der in Jahren des Kampfes
       des chilenischen Volkes geschaffenen Organisationen ist eine vor-
       rangige Aufgabe.  Daher schätzen  wir das, was in der Aktivierung
       der Gewerkschaftsbewegung,  der CUT und ihrer Föderationen, sowie
       der Bauernorganisationen  erreicht worden ist. Diejenigen Organi-
       sationen, die  im Laufe  des Widerstandes gegen die Diktatur ent-
       standen sind, müssen ebenfalls Impulse erhalten. Außerdem muß man
       jeglicher Tätigkeit, die die Macht der Junta auf den verschieden-
       sten Gebieten  verringert und  zerrüttet,  eine  organisatorische
       Kraft verleihen. So wird das breiteste Netz des organisch mit den
       Massen verschmolzenen Kampfes, der die Bewegung auf die allgemei-
       nen politischen Ziele orientiert, Leben gewinnen. Die fortschrei-
       tende Schwächung  des faschistischen  Regimes und die Entwicklung
       des Kampfpotentials des Volkes auf allen Ebenen werden die Bedin-
       gungen schaffen,  um eine nationale Politik des Widerstandes vor-
       anzutreiben und ihrem Höhepunkt zuzuführen, die endgültig und un-
       widerruflich die  obskurantistischen Kräfte vernichtet, die Chile
       beherrschen.
       6. Die Schaffung  einer realen  Machtalternative zur Diktatur er-
       fordert es,  ein demokratisches,  revolutionäres und volksverbun-
       denes Programm aufzustellen, das die Interessen des ganzen Volkes
       vertritt.
       Wir schlagen  dem chilenischen  Volk vor, daß dieses Programm auf
       der Grundlage folgender Hauptschwerpunkte strukturiert wird:
       A. Sturz der  Militärjunta. Die Kräfte, die sich verpflichtet ha-
       ben, die Tyrannei zu stürzen, werden organisiert alle Initiativen
       entfalten, um  den Kampf an allen Fronten und auf allen Ebenen zu
       verstärken, so daß sich eine unaufhaltsame Massenbewegung entwic-
       kelt, die im Sturz der Junta gipfeln muß.
       B. Errichtung einer  revolutionären, pluralistischen und demokra-
       tischen Volksregierung,  die die  endgültige Beseitigung  des Fa-
       schismus aus  dem gesamten Gesellschaftsgefüge zu ihrer Hauptauf-
       gabe macht  und die  sich die  Zerstörung des ganzen Repressions-
       und Polizeistaates und aller faschistischen und in die Verbrechen
       am Volke  verwickelten Organisationen  vornimmt; eine  Regierung,
       die dem  Land die Stabilität und die revolutionären Veränderungen
       im Hinblick auf den Aufbau des Sozialismus garantiert.
       C. Anwendung einer Reihe von ökonomischen Maßnahmen, die das Land
       aus dem  Bankrott und dem Chaos, in das der Faschismus es geführt
       hat, herausführen  und die  planmäßig seine  Entwicklung sichern,
       und zwar  auf der  Grundlage des nationalen Eigentums und der na-
       tionalen Kontrolle  über die Rohstoffe, der Unabhängigkeit im Um-
       gang mit  dem ausländischen Kapital und der ausländischen Techno-
       logie sowie  der Entwicklung  und dem Schutz der nationalen Indu-
       strie, auf  der Basis  der Wiederherstellung der ökonomischen und
       sozialen Errungenschaften,  die das Volk in langen Kämpfen gewon-
       nen hat,  auf der Grundlage des Impulses und der Rationalisierung
       der Bodenreform,  der Verstaatlichung der Monopole und der großen
       strategischen Unternehmen  und der Rekonstruktion des staatlichen
       Sektors der  Wirtschaft sowie  der Verteidigung der Kaufkraft der
       Massen auf dieser Grundlage.
       D. Eine unabhängige  Außenpolitik, die  Chile den Platz der Würde
       und der Ausübung seiner Souveränität verschafft, der dem Lande im
       Kreise der Nationen zukommt, und die das Land mit der machtvollen
       Strömung der Völker vereint, die für ihre ökonomische und soziale
       Befreiung kämpfen, ganz besonders mit den Völkern Lateinamerikas,
       dem wichtigsten Schauplatz unseres historischen Tuns.
       E. Errichtung einer  neuen Institutionalität,  die  die  sozialen
       Veränderungen, die demokratische Erneuerung und die wirksame Kon-
       trolle der  Staatsführung durch  die Mehrheit  des Volkes mittels
       der demokratischen Machtorgane, die Mitbestimmung der Werktätigen
       und die Rechte des Volkes und gleichzeitig die Rechte und Pflich-
       ten der  kleinen und  mittleren Eigentümer  und Unternehmer durch
       die gesetzliche  Regelung ihres  Schutzes und  der Hilfe für ihre
       Entwicklung bekräftigen soll.
       F. Verpflichtung zu  einer tiefgreifenden Veränderung der Streit-
       kräfte und  der Karabineros,  um die  Möglichkeit ihres Einsatzes
       gegen den  neuen Staat  mit der Wurzel beseitigt zu haben und sie
       in eine Organisation im Dienste des Volkes zu verwandeln. Die Lo-
       sung des  Präsidenten Allende,  derzufolge die  Streitkräfte "das
       Volk in  Uniform" sein sollen, muß Wirklichkeit werden. Eine der-
       artige Veränderung  der Streitkräfte muß sich entwickeln über die
       sofortige Entlassung  der Urheber  und Anstifter des Putsches und
       der Verantwortlichen  für Verbrechen  und Folter aus ihren Reihen
       und ihre Bestrafung. Gleichzeitig müssen die demokratischen, ver-
       fassungstreuen oder einfach berufsmäßigen Militärs, die sich wei-
       gerten, Henker  des Volkes zu sein, wieder ihre Posten bekleiden.
       Es wird auch eine besondere Sorge für die Angehörigen der loyalen
       Militärs geben,  die in Verteidigung der Volksregierung ihr Leben
       gegeben haben.  Mehr noch, die Streitkräfte neuen Typs werden di-
       rekt an  der Führung  und am  Aufbau des  neuen Staates beteiligt
       sein. Volk  und Soldaten  werden im  Frieden einen einzigen Block
       bilden, werden  gemeinsam ihr  Schicksal bestimmen und tätig sein
       in der  Verteidigung der  nationalen Souveränität und Unabhängig-
       keit.
       7. Die  Verstärkung des  Massenkampfes ist heute der Hauptfaktor,
       der die  gegenwärtige Situation verändern kann. Sie ist das wich-
       tigste Element,  das es ermöglicht, in der Praxis die von uns an-
       gestrebte antifaschistische  Einheit hervorzubringen. Die antina-
       tionale und  volksfeindliche Politik  der Diktatur,  ihr tyranni-
       scher und  repressiver Charakter, haben die überwiegende Mehrheit
       des Volkes objektiv in eine Lage versetzt, in der sie die Politik
       der Diktatur  ablehnen. Die  Aufgabe des Augenblicks besteht also
       darin, dieses  enorme Kampfpotential in Gang zu setzen. Wir rufen
       das chilenische  Volk und seine repräsentativen Organisation auf,
       dem Kampf  gegen die  Diktatur und  deren Politik  mit erneuerter
       Kraft einen  Impuls zu  verleihen und  an jeder Front spezifische
       Plattformen auf der Grundlage der folgenden Fragen zu entwickeln:
       
       I. Wiederherstellung der Menschenrechte
       ---------------------------------------
       und der demokratischen Freiheiten
       ---------------------------------
       
       - Beendigung des inneren Ausnahmezustandes und des Belagerungszu-
       standes.
       - Gültigkeit der  individuellen und  sozialen  Garantien.  Volles
       Recht der demokratischen und Volksparteien auf die Ausübung ihrer
       Tätigkeit.
       - Sofortige Freilassung  aller politischen Gefangenen und der von
       der Diktatur inhaftierten Angehörigen der Streitkräfte.
       - Rückkehr aller Emigranten.
       - Beendigung der Verfolgung, der Haft, der Foltern, der Morde und
       der polizeilichen  Übergriffe. Sofortige  Gerichtsverfahren gegen
       ihre Urheber.
       - Auflösung der  DINA und  der übrigen  Repressionsorgane und Ab-
       schaffung der internen Denunziantensysteme in den Streitkräften.
       - Sorge des  Staates für  alle Angehörigen  der Opfer der Repres-
       sion.
       - Wiedererlangung des Rechts auf Versammlungen, Meinungsäußerung,
       Information, Presse, Vereinsbildung und Streik.
       - Volles Recht  der Gewerkschaftsorganisation  auf ihre  Existenz
       und die  Ausübung ihrer  Tätigkeit. Wiederherstellung aller ihrer
       Rechte und Ablehnung des Projekts des Arbeitsgesetzes.
       - Rückgabe des  von der Diktatur enteigneten Besitzes der Massen-
       organisationen und der politischen Parteien.
       - Wiederherstellung der Autonomie der Universitäten, Freiheit der
       Bildung, sofortiger  Ausschluß aller Agenten der Diktatur aus den
       Bildungszentren, Garantien des freien Zugangs der Jugend zur Bil-
       dung, ohne politische und ökonomische Diskriminierung, breite und
       kostenlose Immatrikulation und Wiedereingliederung der vertriebe-
       nen Dozenten und Schüler.
       
       II. Verteidigung des Lebensstandards des Volkes
       -----------------------------------------------
       
       - Kompensierung des Verlustes der Kaufkraft der Gehälter seit dem
       11. September 1973.
       - Erhöhung der  Löhne und Gehälter im Verhältnis zur realen Stei-
       gerung der Lebenshaltungskosten.
       - Beseitigung der  Arbeitslosigkeit. Wiedereinstellung  der unter
       der Diktatur  Entlassenen und Respektierung ihres Rechtes auf Le-
       ben und Arbeit in Würde.
       - Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze.
       - Ausreichende und  geeignete Ernährung  für alle Chilenen. Früh-
       stück und Mittagessen für alle Schulpflichtigen.
       - Eingliederung der  ganzen Gesellschaft in die Systeme der Sozi-
       alversicherung und  des Gesundheitswesens.  Wiederherstellung des
       Rechts auf  Renten- und  Versicherungsschutz. Beendigung  des Ge-
       schäftemachens mit der Gesundheit des Volkes.
       - Anpassung der regelmäßigen Beiträge an CORVI und der Dividenden
       der Spar- und Kreditinstitutionen an das Einkommen jeder Familie.
       - Recht auf Wohnung und Schluß mit der Willkür der Mieten.
       - Rückgabe der  den Bauern durch die Bodenreform übergebenen Län-
       dereien, die  die Diktatur an die Großgrundbesitzer zurückgegeben
       hat; finanzielle  und technische  Unterstützung für Neubauern und
       kleine Landbesitzer,  vorzugsweise Sorge  für die Forderungen und
       Kämpfe der indianischen Bevölkerung und der Tagelöhner, der Päch-
       ter, der  Saisonarbeiter, der  Mieter, der Siedler und der Klein-
       bauern.
       
       III. Verteidigung der nationalen Souveränität und Wirtschaft
       ------------------------------------------------------------
       
       - Beendigung der  Auslieferung unserer Bodenschätze an die Gefrä-
       ßigkeit der  imperialistischen Monopole  und der  multinationalen
       Gesellschaften.
       - Anprangerung der  von der Militärjunta unterzeichneten Verträge
       und Verpflichtungen, die die nationale Würde beeinträchtigen, be-
       sonders der Entschädigungen für die Kupferunternehmen und die ITT
       und Kampf um die Annullierung dieser Verträge.
       - Rückgewinnung des  staatlichen Eigentums,  das  nationalen  und
       ausländischen  Gruppen   in  schändlichen  Geschäften  abgetreten
       wurde.
       - Mitbestimmung der Arbeiter an der Leitung und Kontrolle der öf-
       fentlichen Betriebe und Dienstleistungen.
       - Breite Kredithilfe  für die  kleine und  mittlere Industrie und
       den Einzelhandel, Schutzmaßnahmen für diejenigen Industriezweige,
       die dem direkten Verbrauch durch das Volk dienen.
       - Verteilung und  Kommerzialisierung der  Produkte mit  Fixierung
       der Preise und Zugang aller Bewohner zu den Produkten.
       - Wiederherstellung der Steuerermäßigungen, die die Freischaffen-
       den und  die kleinen  Unternehmer begünstigen und Abschaffung der
       regressiven Steuerreformen.
       Dies sind die hauptsächlichen Punkte, für die das Volk sofort or-
       ganisiert kämpfen  muß, wobei  es sich  dennoch darüber klar sein
       muß, daß  nur der  Sturz der Diktatur es erlauben wird, auf reale
       Weise die Lösung für die Wünsche und Ideale unseres Volkes in An-
       griff zu nehmen und den Weg für breitere historische Ziele zu eb-
       nen.
       8. Unsere Parteien haben die von der Diktatur angestrebten Versu-
       che der  Ausrottung zunichte gemacht, und sie handeln und entwic-
       keln sich  in Chile  mit jedem  Tag weiter.  Dennoch muß sich die
       Volksbewegung organisatorisch  stärken, um  ihrer großen  Aufgabe
       sowohl im Inland als auch im Ausland gerecht zu werden.
       Diese Organisiertheit  erfordert die  enge Koordinierung  unserer
       Parteien, von  der Basis bis zu den obersten Leitungen, wobei sie
       an jedem  Ort und  an jeder  Kampffront nach  einer einheitlichen
       Führung in enger Verbindung mit den Massenorganisationen, die das
       Volk sich  schafft, suchen müssen, sowie nach der allgemeinen po-
       litischen Führung.  Diese Führung  muß in  der Lage sein, maximal
       die verfügbaren  Kräfte auszunutzen  und die  eventuellen politi-
       schen Vereinbarungen  mit anderen,  zum Kampf  gegen die Diktatur
       bereiten Schichten und Organisationen zu treffen.
       Die Merkmale des Kampfes machen eine aktive Beziehung und Koordi-
       nierung zwischen  der Aktion im Inland und den im Ausland organi-
       siert auftretenden  Kräften notwendig.  Für den  Kampf  außerhalb
       Chiles, für die Solidarität und die Unterstützung für die Befrei-
       ung unseres  Landes haben  wir beschlossen,  ein Politisches Kom-
       mando und  eine Organisationsstruktur zu bilden, die mit der Füh-
       rung im Inland verbunden sind.
       Dieses Dokument  bringt die  Übereinstimmenden  Gedanken  unserer
       Parteien zum Ausdruck. Wir sind bereit, kollektiv und einheitlich
       mit Festigkeit ihre Anwendung voranzutreiben, und an den jeweili-
       gen Führungen  im Innern  des Landes  - deren  Mandat wir haben -
       wird es sein, sie zu verwirklichen und durchzuführen.
       Die Unidad Popular erneuert ihre absolute Gewißheit über den Sieg
       und verpflichtet  sich einmal  mehr, alle ihre Energien einzuset-
       zen, um ihn zu erringen.
       Diese politische  Vereinbarung unterschrieben  für ihre Organisa-
       tionen in Berlin, Hauptstadt der DDR, am 27. Juli 1975:
       
       Kommunistische Partei Chiles
       Orlando Millas, Manuel Cantero, Julieta Campusano
       Organisation der christlichen Linken
       Bosco Parra, Juan E. Miquel, Rafael A. Gumucio
       Partei MAPU
       Oscar G. Garreton, Lautaro Rojas, José López
       Partei MAPU / Arbeiter und Bauern
       Jaime Gazmuri, José M. Insulza, Juan C. Concha
       Radikale Partei Chiles
       Anselmo Sule, Benjamin Teplisky, Carlos Parra
       Sozialistische Partei Chiles
       Carlos Altamirano, Adonis Sepulveda, Clodomiro Almeyda
       

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