Quelle: Blätter 1976 Heft 06 (Juni)


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       VIER BEITRÄGE ZUM ZWEIHUNDERTSTEN JAHRESTAG
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       DER AMERIKANISCHEN UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG
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       Im kommenden Monat feiern die USA den 200. Jahrestag der amerika-
       nischen Unabhängigkeitserklärung  vom 4. Juli 1776. Unter dem von
       Präsident Ford gemünzten Motto "Die amerikanische Revolution geht
       weiter!" hat  die Regierung  der USA eine auf internationale Wir-
       kung bedachte  ambitiöse Publicrelations-Aktion  ausgelöst, deren
       Wellen seit  Monaten auch  die  Bundesrepublik  überfluten.  Nach
       Vietnam, Watergate  und im  Zeichen anhaltender  wirtschaftlicher
       Krisenerscheinungen soll das historische Jubiläum augenscheinlich
       als Anlaß  für den Versuch dienen, eine Renaissance der insbeson-
       dere in  den Jahren  des Kalten Krieges aus naheliegenden Motiven
       geförderten Illusionen  über das  "Land der unbegrenzten Möglich-
       keiten" heraufzuführen.  Unter Berufung auf die Ziele der Revolu-
       tion von  1776 wird  der amerikanische  Weg und  folgerichtig das
       heutige System der USA als ein auch für die Gegenwart und Zukunft
       gültiges Modell empfohlen, ohne daß eine inhaltliche Auseinander-
       setzung mit  historischem Anspruch und gegenwärtiger sozialer und
       politischer Wirklichkeit  stattfände. Ausgeklammert  wird  sowohl
       der eklatante Widerspruch zwischen der inneren Krise des heutigen
       Systems der  USA und  den fortschrittlichen Zielen der amerikani-
       schen Revolution des 18. Jahrhunderts, wie auch die Tatsache, daß
       die Unabhängigkeitsbewegungen der Gegenwart in den USA des Jahres
       1976 ihren  Hauptwidersacher sehen  und daß - wie die Entwicklung
       in der  UNO besonders  deutlich zeigt - immer mehr Länder und ge-
       sellschaftliche Kräfte  vom "amerikanischen  Modell" abrücken und
       einen nichtkapitalistischen Weg suchen.
       Die folgenden  Beiträge von amerikanischen, sowjetischen und bun-
       desdeutschen Autoren - setzen sich aus verschiedenen Blickwinkeln
       mit der  Frage nach  Anspruch und Wirklichkeit des amerikanischen
       Weges auseinander,  einer Frage,  die im  bisherigen Jubiläumsbe-
       trieb eher  vernebelt als  geklärt wird,  die aber angesichts der
       weltpolitischen Rolle  der kapitalistischen Führungsmacht und der
       anhaltenden Ausrichtung  der Bundesrepublik  auf die USA auch die
       demokratische Bewegung unseres Landes elementar berührt.
       Im Juliheft  der "Blätter" wird eine Bestandsaufnahme der konkre-
       ten wirtschaftlichen  und sozialen  Situation der  Bevölkerung in
       den USA folgen. D. Red.
       

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