Quelle: Blätter 1976 Heft 08 (August)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER "DEMOKRATISCHEN FRAUENINITIATIVE" VOM 12. JUNI 1976
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       AUS ANLASS DER BUNDESTAGSWAHLEN 1976
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       (Wortlaut)
       
       Die Demokratische  Fraueninitiative -  hervorgegangen aus der In-
       itiative Internationales  Jahr der Frau '75 - wendet sich aus An-
       laß der  bevorstehenden Bundestagswahlen  mit folgender Erklärung
       an die Öffentlichkeit:
       Frauen sind  in Wahljahren  immer besonders  gefragt, stellen sie
       doch mehr  als 54  Prozent aller  Wählerstimmen. Deshalb sind die
       Parteien auch  nicht sparsam  mit gutklingenden  Werbeslogans und
       schönen Versprechungen.
       Wären all die gegebenen Wahlversprechungen erfüllt worden, hätten
       wir in  unserem Land  längst gleichen  Lohn für gleichwertige Ar-
       beit, gleiche Bildungs- und Berufschancen, wären Frauen gleichbe-
       rechtigt im  gesellschaftlichen und  politischen Leben  tätig, so
       wie es das Grundgesetz seit 27 Jahren verlangt.
       Doch davon sind wir weit entfernt.
       Bereits durchgesetzte  Rechte in  sozialen, gesundheitlichen  und
       arbeitsrechtlichen Bereichen will man uns wieder streitig machen.
       So versuchen  beispielsweise Unternehmer, die bestehenden Mutter-
       schutzbestimmungen zu  umgehen. Die schon beschlossene Reform des
       § 218  wurde vom  Bundesverfassungsgericht zu Fall gebracht. Nach
       wie vor  wird uns  das Recht auf Selbstentscheidung verwehrt. Wir
       Frauen sind  von Arbeitslosigkeit,  Lehrstellenmangel,  ständigen
       Verteuerungen der Lebenshaltungskosten mit ihren Auswirkungen auf
       die Familien besonders betroffen. Von gleichen Bildungs- und Auf-
       stiegschancen kann  keine Rede sein. In verstärktem Maße wird ein
       längst überholtes  Frauenleitbild propagiert,  das  uns  auf  die
       Rolle der Hausfrau und Mutter beschränken und unser Recht auf Be-
       rufsausübung in Frage stellen soll.
       Dem steht  das wachsende Engagement der Frauen und Mädchen gegen-
       über, ihre  Beteiligung an Aktionen zur Durchsetzung ihrer Inter-
       essen, ihre  Aktivität in  Betriebsräten und  Gewerkschaften,  in
       Parteien, gesellschaftlichen Vereinigungen und Bürgerinitiativen.
       Die Frauen  sind zunehmend  bereit, für  ihre Rechte einzutreten;
       nicht gegen die Männer, sondern gemeinsam mit ihnen.
       Die Demokratische  Fraueninitiative nimmt  die bevorstehende Bun-
       destagswahl 1976 zum Anlaß, Forderungen zur grundlegenden Verbes-
       serung der Situation der Frauen zu erheben.
       Wir fordern:
       - Gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.
       - Verwirklichung des Rechts auf Arbeit, Maßnahmen gegen die Frau-
       enarbeitslosigkeit und  den Mißbrauch  von Subventionen zum Abbau
       von Arbeitsplätzen.
       - Bessere Bildungs-  und Ausbildungschancen,  weg von der Festle-
       gung auf die typischen Frauenberufe.
       - Ausreichende Lehrstellen, mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung.
       - Anerkennung der  gesellschaftlichen Leistung  der Frau für Kin-
       dererziehung und Familie, eigenständige soziale Sicherung.
       - Familien- und  kinderfreundliche Umwelt,  preiswerte Wohnungen,
       mehr und bessere Spielplätze und sozialpädagogische Einrichtungen
       für Kinder und Jugendliche.
       - Durchsetzung der Fristenregelung.
       - Schluß mit dem Abbau demokratischer Rechte, weg mit den Berufs-
       verboten, mehr Mitbestimmung in Staat und Gesellschaft.
       - Senkung der Rüstungsausgaben um zehn Prozent zugunsten der not-
       wendigen sozialen  Aufgaben - gemäß dem Beschluß der UNO-Vollver-
       sammlung.
       Wir rufen die Frauen auf, die Bundestagskandidaten aller Parteien
       mit unseren Forderungen zu konfrontieren.
       Laßt Euch kein X für ein U vormachen!
       Geht in  Wahlversammlungen, fragt,  was für die Rechte der Frauen
       g e t a n  werden soll! Nur Kandidaten - ob Frauen oder Männer -,
       die bereit  sind, den  Auftrag des  Grundgesetzes zu erfüllen und
       sich im Bundestag aktiv für unsere Forderungen einzusetzen, soll-
       ten auf die Stimmen der Frauen und Mädchen rechnen dürfen.
       Kontaktadresse: Demokratische Fraueninitiative, Postfach 300 665,
       5000 Köln 30 (Ingeborg Küster).
       

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