Quelle: Blätter 1977 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "BEENDET DAS WETTRÜSTEN" - AUFRUF DES KOMITEES
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       FÜR FRIEDEN, ABRÜSTUNG UND ZUSAMMENARBEIT
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       (Wortlaut)
       
       Die Einstellung  des Wettrüstens  ist dringlichstes Gebot unserer
       Zeit. Auf  allen Kontinenten  drängen Millionen  von Menschen mit
       unterschiedlichen Weltanschauungen  und politischen oder religiö-
       sen Überzeugungen,  Gewerkschafter,  Kirchenvertreter,  Politiker
       und Wissenschaftler  auf seine  Beendigung. Sie  fordern, mit der
       Abrüstung zu  beginnen, damit  die Menschheit ihre dringenden Ge-
       genwarts- und Zukunftsaufgaben bewältigen kann.
       Denn das Wettrüsten schafft keine Sicherheit, sondern bedroht den
       Weltfrieden und gefährdet Entspannung und Verständigung.
       Es verhindert  soziale Sicherheit,  Reformen und  einen wirksamen
       Kampf gegen Hunger, Elend, Krankheit und Armut.
       Niemand kann  sich auf Dauer die Fortsetzung des Wettrüstens lei-
       sten. Unsere  Welt braucht  ein Gleichgewicht  des Vertrauens und
       nicht des Schreckens, braucht Zusammenarbeit und nicht Konfronta-
       tion.
       Neue Möglichkeiten sind entstanden.
       - Die gesamteuropäische  Konferenz von  Helsinki und die Verträge
       zwischen Ost  und West  zeigen, daß man sich trotz unterschiedli-
       cher politischer Positionen über wichtige Fragen einigen kann. Ab
       15. Juni 1977 beraten in Belgrad Vertreter der 35 Signatarstaaten
       der KSZE  in Helsinki, wie der Entspannungsprozeß jetzt gefestigt
       und fortgesetzt werden kann.
       - Zwischen den  USA und  der UdSSR  wurden ein  Abkommen über die
       Verhütung eines  Atomkrieges und erste Vereinbarungen zur Begren-
       zung der strategischen Rüstung getroffen. Sie erklären, daß es im
       Atomzeitalter keine Alternative zur friedlichen Koexistenz in ih-
       ren Beziehungen zueinander geben kann.
       - Die überwältigende Mehrheit der Staaten in den Vereinten Natio-
       nen fordert,  eine Weltabrüstungskonferenz einzuberufen, den Waf-
       fenexport zu  stoppen und  die Herstellung  neuer  Massenvernich-
       tungswaffen, den  militärischen Mißbrauch  der Umwelt, alle Atom-
       waffentests und  die chemischen Waffen zu verbieten. Sie fordert,
       daß die  großen Militärmächte  ihren Rüstungsetat um zehn Prozent
       senken und  die freiwerdenden Gelder für soziale Reformen und den
       Kampf gegen Hunger und Elend in der Welt einsetzen.
       - In Wien verhandeln 19 Staaten aus Ost und West über die Verrin-
       gerung der  Truppen und  Rüstungen in Mitteleuropa. Es ist vorge-
       schlagen, daß alle Staaten zunächst für die Dauer der Verhandlun-
       gen ihre Rüstungshaushalte nicht erhöhen.
       Alle bisherigen  Erfahrungen machen  deutlich, daß  Übereinkommen
       möglich sind,  wenn keine  einseitigen Vorleistungen verlangt und
       die Fragen in den Vordergrund gestellt werden, die im allseitigen
       Interesse liegen und lösbar sind.
       Unser Land  kann durch Entspannung und Abrüstung nur gewinnen. Es
       steht vor der Entscheidung:
       - Entweder werden die Rüstungsausgaben eingefroren oder Inflation
       und Haushaltskrise verschärfen sich;
       - entweder  werden  mit  eingesparten  Rüstungsgeldern  neue  Ar-
       beitsplätze geschaffen,  demokratische Reformen  ermöglicht, mehr
       soziale Sicherheit  gewährleistet,  der  Umweltschutz,  das  Bil-
       dungs-, Gesundheits-  und Verkehrswesen verbessert oder die dafür
       benötigten Steuergelder  werden für  immer mehr  Rüstung und neue
       Waffensysteme vergeudet;
       - entweder wird  der Wildwuchs  der Rüstung  beseitigt oder wirt-
       schaftlicher und  politischer Machtzuwachs  der Rüstungsindustrie
       und reaktionärer Generäle gefährden zunehmend die Demokratie.
       Der Kurswechsel  zur politischen  Entspannung  wurde  erfolgreich
       eingeleitet. Jetzt  muß ein Durchbruch zur militärischen Entspan-
       nung folgen.  Die ungezügelte  Fortsetzung des  Wettrüstens nutzt
       allein den  Gegnern der  Entspannung. Sie nutzt allein denen, die
       am Wettrüsten verdienen, die deshalb Konfrontation nach innen und
       außen verschärfen,  die alte Vorurteile schüren, mit Feindbildern
       des Kalten  Krieges die  Aufrüstung rechtfertigen und damit Frie-
       den, Demokratie und Fortschritt aufhalten.
       Wir fordern den Stopp des Wettrüstens:
       - Keine weitere  Erhöhung des Rüstungshaushaltes und Verzicht auf
       alle neuen Rüstungsprojekte;
       - einen konstruktiven  Beitrag für  die Wiener Verhandlungen über
       die Verringerung von Truppen und Rüstungen in Mitteleuropa;
       - die Rüstung  entsprechend den UNO-Resolutionen zunächst um zehn
       Prozent zu  senken, um die freiwerdenden Gelder für wirtschaftli-
       che und  soziale Aufgaben  bei uns und in den Entwicklungsländern
       zu verwenden.
       Wir appellieren  an alle  Bürger unseres  Landes, sich tatkräftig
       einzusetzen für die Einstellung des Wettrüstens in Ost und West.
       Wir rufen  auf, dafür  einzutreten, daß  der Rüstungshaushalt der
       Bundesrepublik nicht weiter erhöht wird.
       Wir rufen auf, mitzuarbeiten in Abrüstungsinitiativen und teilzu-
       nehmen an den Demonstrationen in:
       Bremen, Essen,  Frankfurt, München  am  21.  und  22.  Mai  1977:
       "Bendet das Wettrüsten"
       
       Die Erstunterzeichner dieses Aufrufs sind:
       Horst Bingel,  Schriftsteller -  Prof. Dr.  Ernst Bloch - Herbert
       Borghoff, Gewerkschaftssekretär,  Neubeckum  -  Prof.  Dr.  Klaus
       Brake -  Klaus Bretthauer, Betriebsratsvorsitzender, Hanau - Mar-
       tha Burschmann,  Düsseldorf - Helmut Bublitz, Betriebsratsvorsit-
       zender, Gelsenkirchen  - Helmut  Buck, Gewerkschaftssekretär,  IG
       Metall, Reutlingen  - Dr. Ernst Busche, Sprecher der Bürgeraktion
       Garlstedter Heide - Franz Josef Degenhardt - Dr. Karlheinz Desch-
       ner, Schriftsteller  - Lottemi  Doormann, Sprecherin der Elterni-
       nitiativen Schulnotstand  in der BRD - Ingeborg Drewitz, Schrift-
       stellerin -  Dr. Heinz Düx, Vorsitzender Richter am Oberlandesge-
       richt Frankfurt  - Konrad Elsässer, 1. Vorsitzender des Christli-
       chen Friedensdienstes  - Thomas  Engel, Regisseur - Willi Engels,
       Betriebsratsvorsitzender,  Solingen   -  Thomas  Erdner,  Gewerk-
       schaftsfunktionär, GEW Hamburg - Ernst Faber, Betriebsratsvorsit-
       zender, Willich  - Anne-Marie  Fabian - Prof. Dr. Walter Fabian -
       Kurt Feldmann, Neumünster - Hansjörg Felmy, Schauspieler - Helmut
       Friedrich, Betriebsratsvorsitzender,  Fliesteden - Richard Fritz-
       sche, Vorsitzender  der Vertrauenskörperleitung, Velbert - Ernst-
       Fritz Fürbringer,  Schauspieler -  Wolfgang  Gehrke,  Dortmund  -
       Prof. Dr. H. Gollwitzer - Wolfgang Grunewald, Betriebsratsvorsit-
       zender Frankfurt/M.  - Helga  Hirsch, Stellv. Betriebsratsvorsit-
       zende, Hamburg  - Heinz Hofmann, Betriebsratsvorsitzender, Lüden-
       scheid -  Prof. Dr.  Horst Holzer  - Prof.  Dr. Jörg Huffschmid -
       Mechthild Jansen,  Bonn -  Prof. Dr.  Gerhard Kade - Alma Kettig,
       Witten -  Dietrich Kittner - Prof. Dr. Arno Klönne - Oberkirchen-
       rat i.R.  Dr. h.c.  Heinz Kloppenburg  - Helmuth  Knoch,  Gewerk-
       schaftssekretär, Witten - Gabriele Krajetzki, Jugendbildungsrefe-
       rentin, Bochum  Prof. Dr.  Walter Kreck - Hans Werner Krusenbaum,
       Gewerkschaftssekretär, Mülheim/Ruhr  - Prof.  H.J.  Krysmanski  -
       Prof. Dr.  Reinhard Kühnl - Albert Lehmann, Gewerkschaftsfunktio-
       när, DGB  Raunheim -  Steffen Lehndorff, Köln - Peter Löwen, Mar-
       burg -  Pastor Konrad Lübbert, Vorsitzender des Versöhnungsbundes
       - Heinz  Lukrawka, Betriebsratsvorsitzender,  Dinslaken - Wolf E.
       Mache, Gewerkschaftssekretär,  Nürnberg - Klaus Mannhardt - Hans-
       jörg Martin,  Schriftsteller - Gunnar Matthiessen, Köln - Hartmut
       Meinert, Betriebsratsvorsitzender,  Velbert -  Harald Meinke, Ge-
       werkschaftsfunktionär im  DGB Hamburg - Pfarrer Friedhelm Meyer -
       Willy Millowitsch,  Schauspieler und Regisseur - Dr. h.c. Herbert
       Mochalski, Vizepräsident  der  Christlichen  Friedenskonferenz  -
       Heinz Muhrmann,  Stellv. Betriebsratsvorsitzender,  Altena  -  D.
       Martin Niemöller  - Willi  Orzykowski,  Betriebsratsvorsitzender,
       Hannover  -   Kathleen  Pedersen,  Gewerkschaftsfunktionärin  GEW
       Schleswig-Holstein -  Hans Quest,  Schauspieler und  Regisseur  -
       Prof. Dr. theol. Ranke-Heinemann - Klaus Rauterberg, Sprecher der
       Bürgeraktion Nordhorn-Range  -  Josef  Reding,  Schriftsteller  -
       Heinz Reichwaldt, Staatssekretär a.D. - Prof. Dr. Helmut Ridder -
       Werner Rieß,  Gewerkschaftssekretär, Frankfurt  - Dr. Joseph Ros-
       saint -  Dr. Erika  Runge, Regisseurin  und Autorin - Artur Sahm,
       Gewerkschaftsfunktionär, DGB  Burgdorf -  Engelbert  Schallmoser,
       Vorstandsmitglied der vds - Josef Shavier, Betriebsratsvorsitzen-
       der, Köln - Karl H. Schneider, Betriebsratsvorsitzender, Rodgau -
       Waldemar Schultze Gewerkschaftssekretär, Koblenz - Hans Seichter,
       Betriebsratsvorsitzender, Delmenhorst  - Eckart  Spoo -  Wolfgang
       Stephan,  Betriebsratsvorsitzender,  Speyer  -  Prof.  Dr.  Fritz
       Straßmann -  Maria Strauch, Stellv. Betriebsratsvorsitzende, Han-
       nover - Prof. Dr. Gerhard Stuby - Pfarrer i.R. Horst Symanowski -
       Rolf Thetard, Betriebsratsvorsitzender, Düsseldorf - Horst Trapp,
       Frankfurt - Franz Treml, Bundesjugendsekretär der Deutschen Post-
       gewerkschaft -  Gösta von  Uexkull, Publizist  - Dieter Utzerath,
       Bundesjugendsekretär ÖTV  -  Willi  Vogt,  Gewerkschaftssekretär,
       Bielefeld -  Dieter Wortmann, Betriebsratsvorsitzender, Velbert -
       H.-Helmuth Wüstenhagen, Vorsitzender des Bundesverbandes Bürgeri-
       nitiativen Umweltschutz e.V.
       (Funktionsangaben dienen nur der Information)
       Zustimmungserklärungen bitte  senden an  die Adresse: Komitee für
       Frieden, Abrüstung  und Zusammenarbeit,  Vorgebirgstr. 115,  5000
       Köln 51  (Spendenkonto: Postscheckkonto des Komitees für Frieden,
       Abrüstung und Zusammenarbeit, Köln Nr. 613 12-508).
       

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