Quelle: Blätter 1977 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DES BUNDES DEMOKRATISCHER WISSENSCHAFTLER (BDWI)
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       ZUR FACHTAGUNG "PROBLEME DER ABRÜSTUNG UND DIE AUFGABE
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       DER WISSENSCHAFTLER" AM 6. UND 7. MAI 1977 IN DARMSTADT
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       (Wortlaut)
       
       Krieg und  Rüstung stützen sich seit undenklichen Zeiten auf Wis-
       senschaft und  Technik. Einige der wichtigsten wissenschaftlichen
       und technischen  Fortschritte sind auf militärische Erfordernisse
       zurückzuführen. Heute hat die Entwicklung nuklearer, biologischer
       und chemischer  Waffensysteme den Satz vom Krieg als der Fortset-
       zung der  Politik mit  anderen Mitteln  unwahr werden lassen. Der
       Einsatz dieser  Kriegsmittel würde nicht nur jede sinnvolle Poli-
       tik, sondern das Leben auf der Erde schlechthin zerstören.
       Dennoch wird  ein zunehmender  Teil der Weltproduktion für solche
       Zwecke in  Anspruch genommen. Erst nach vielen Jahren politischer
       Auseinandersetzung ist  die Einsicht in die politischen, ökonomi-
       schen und  ökologischen Folgen dieser Entwicklung zu einer Grund-
       lage der  internationalen Verständigung, insbesondere in den Ost-
       West-Beziehungen geworden. Mit der Unterzeichnung der Schluß-Akte
       auf der  Konferenz über  Sicherheit und  Zusammenarbeit (KSZE) in
       Helsinki sind die Ost-West-Beziehungen deutlich aus der Phase des
       Kalten Krieges in eine Phase der Entspannung übergegangen.
       Die Ost-West-Entspannung  bildet ein  hinreichend sicheres Funda-
       ment für  konkrete Bemühungen  um Rüstungsverminderung  und Abrü-
       stung. Sie wird ihrerseits nur unumkehrbar werden, wenn die zahl-
       reichen Ansätze für Abrüstungsbemühungen nicht erfolglos bleiben.
       Der politischen  Entspannung sind  bisher, trotz  aller Rüstungs-
       Kontrollabkommen, nur  ungenügende  Maßnahmen  der  militärischen
       Entspannung gefolgt.  Die Menschen in allen Ländern erwarten aber
       solche Maßnahmen,  denn sie wissen, daß auf die Dauer nur Frieden
       und Abrüstung  günstige Rahmenbedingungen für die Bewältigung der
       enormen Probleme sind, vor denen die Menschheit steht.
       Zur Lösung  dieser Probleme sind verstärkte wissenschaftliche und
       technische Anstrengungen  notwendig. Fragen der Überführung mili-
       tärischer in zivile Produktion, die Auflösung des militärisch-in-
       dustriellen Komplexes, Probleme der Arbeitsplatzsicherung im Pro-
       zeß der  Abrüstung und  ähnliche Fragen stellen eine Herausforde-
       rung für  die Wissenschaftler  dar: Sie  müssen nicht nur vor den
       Folgen des  verlängerten Rüstungswettlaufs  warnen,  sondern  die
       Perspektiven und  einzelnen Etappen  der Abrüstung  gegenüber den
       Politikern und  der Öffentlichkeit  aufzeigen. Ihnen  obliegt die
       Aufklärung über  die Schäden  des Wettrüstens  und die Konzeption
       abrüstungsbezogener Strategien.  Von ihnen  werden  Konzepte  für
       eine Friedenserziehung  erwartet, die  ohne die überkommenen Kli-
       schees und Feindbilder auskommt.
       Der Bund  demokratischer Wissenschaftler  möchte mit seiner näch-
       sten Fachtagung  an die Ergebnisse vieler internationaler Fachta-
       gungen und  Symposien anknüpfen  und seine Mitglieder und die Öf-
       fentlichkeit über  die verschiedenen Aspekte des Problems von Rü-
       stungsverminderung und  Abrüstung informieren.  Er verfolgt damit
       die Absicht, die wissenschaftliche und politische Kraft der Argu-
       mente für die Einstellung des Rüstungswettlaufs und für eine all-
       gemeine und vollständige Abrüstung in der Bundesrepublik Deutsch-
       land zu stärken.
       Dabei befinden wir uns in Übereinstimmung mit den Bemühungen auch
       zahlreicher ausländischer und internationaler Wissenschaftler-Or-
       ganisationen und mit dem Kampf der demokratischen Bewegung in der
       Bundesrepublik um  Abrüstung. Die  Tagung soll  auch ein  Beitrag
       dazu sein,  die UNESCO-"Empfehlung über die Erziehung zu interna-
       tionaler Verständigung und Zusammenarbeit und zum Weltfrieden so-
       wie die  Erziehung im  Hinblick auf die Menschenrechte und Grund-
       freiheiten" in  der Bundesrepublik  bekanntzumachen und Wirklich-
       keit werden zu lassen.
       Wir laden  alle interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Teil-
       nahme an unserem Kongreß ein, für den wir folgendes Programm vor-
       gesehen haben:
       Am Abend  des 6.  Mai 1977 sollen im Plenum drei Einführungsrefe-
       rate über  die nationalen und internationalen Bedingungen der Ab-
       rüstung sowie  über die  Möglichkeiten und  Aufgaben der  Wissen-
       schaftler gehalten werden.
       Am 7.  Mai 1977  sollen vier Arbeitsgruppen mit folgenden Themen-
       stellungen tagen:
       I. Politische Voraussetzungen  und Möglichkeiten der Abrüstung in
       der BRD
       II. Sozio-ökonomische Folgen der Abrüstung in der BRD
       III. Lehrend-vermittelnde Tätigkeit von Wissenschaftlern und Leh-
       rern; Erfolge der Friedenspolitik
       IV. Naturwissenschaften und Abrüstung
       Anmeldungen erbeten  an die Geschäftsstelle des Bundes demokrati-
       scher Wissenschaftler e.V., Postfach 1162, 3550 Marburg/L. 1
       

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