Quelle: Blätter 1977 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF: VERTEIDIGT DAS BREMER MODELL
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       (Wortlaut)
       
       Als im  Herbst 1971  die Universität  Bremen eröffnet wurde, nahm
       eine Hochschule  ihren Betrieb  auf, an der zum ersten Mal in der
       BRD gewerkschaftliche  Grundforderungen  weitgehend  verwirklicht
       waren.
       Diese Reform  war im  wesentlichen Ausfluß  der Studentenbewegung
       der 60er Jahre und eines starken Engagements anderer fortschritt-
       licher Kräfte  vor allem in gewerkschaftlichen Bereich. Insbeson-
       dere
       - die drittelparitätische  Mitbestimmung in allen Fragen von For-
       schung und Lehre
       - die demokratische  Studienreform auf  der Grundlage von Praxis-
       bezug, Interdisziplinarität und gesellschaftlicher Relevanz (Pro-
       jektstudium)
       - die Integration von Forschung und Lehre
       - die Sicherstellung  der freien  wissenschaftlichen und  politi-
       schen Betätigung in allen Veranstaltungen
       - die enge Kooperation zwischen Universität und Gewerkschaften
       - das offene  Eintreten der Hochschule für eine Ausbildung im In-
       teresse der Unterprivtlegierten
       machte die  Universität Bremen  zum bundesweiten  Modell für eine
       demokratische Hochschulreform.
       Obwohl dieses Modell seit seinem Bestehen immer Angriffspunkt vor
       allem für  die Rechtskräfte  in diesem Lande gewesen ist, hat sie
       sich in den letzten fünf Jahren bewährt und zu einer leistungsfä-
       higen und anerkannten Hochschule entwickelt.
       Die Verabschiedung  des Hochschulrahmengesetzes  (HRG) Ende  1975
       bedeutet eine Wende der Hochschulpolitik der Bundesregierung. Der
       im September  1976 vom  Bremer Senat  vorgelegte Entwurf  für ein
       Bremer Hochschulgesetz  bedeutet als  Konsequenz aus dem HRG not-
       wendig die  Abschaffung wesentlicher  Reformpositionen des Bremer
       Modells.
       So wird  die Drittelparität in den Fragen von Forschung und Lehre
       ersetzt durch die absolute Mehrheit der Professoren.
       So werden über Studienreformkommissionen auf Bundes- und Ländere-
       bene bedeutende  Teile der Studienreform aus den Hochschulen her-
       ausverlagert.
       So werden  zahlreiche Kompetenzen der Universität durch senatori-
       sche Maßnahmen erheblich eingeschränkt oder abgelöst.
       So wird  der verfaßten Studentenschaft nicht das uneingeschränkte
       politische Mandat gewährt.
       Und so wird schließlich durch die Einführung eines Ordnungsrechts
       den Studenten  die Möglichkeit  zur politischen Betätigung erheb-
       lich eingeschränkt oder sogar kriminalisiert.
       Die Unterzeichner  protestieren gegen  die Auflösung wesentlicher
       Bestandteile des  Bremer Modells durch das HRG und eine extensive
       Umsetzung durch  ein Bremer  Hochschulgesetz. Sie  halten fest an
       den Grundforderungen des DGB, wie sie in den "23 Thesen zur Hoch-
       schulreform" formuliert  sind. Insbesondere  unterstützen sie die
       Forderung nach
       - drittelparitätischer Mitbestimmung
       - demokratischer Studienreform  ohne Regelstudienzeit  durch  die
       Hochschulen unter Mitwirkung der Gewerkschaften
       - gesetzliche Verankerung  des politischen  Mandats der verfaßten
       Studentenschaft
       und gegen  ein Sondergericht an den Hochschulen, gegen jedes Ord-
       nungsrecht,
       Die Unterzeichner fordern den Bremer Senat auf, die im Hochschul-
       rahmengesetz für  die Erstellung der Landeshochschulgesetze ange-
       gebene 3-Jahres-Frist  voll auszunutzen  und konsequent  für eine
       Novellierung des  HRG einzutreten  derart, daß die Verabschiedung
       eines Hochschulgesetzes  gemäß der gewerkschaftlichen Grundforde-
       rungen auch in Bremen möglich wird.
       Für eine demokratische Hochschulreform!
       Für die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes!
       V e r t e i d i g t  d a s  B r e m e r  M o d e l l!
       
       Bisher haben  unterzeichnet: Detlef  Griesche, Vertreter des DGB-
       Landesbezirks Niedersachsen-Bremen  und des  Bundesabteilungsvor-
       standes Wissenschaft  und Forschung der ÖTV, H J. Steinberg, Rek-
       tor der  Universität Bremen, Rolf Prigge, Personalrat der Univer-
       sität Bremen,  Bundesvorstand des  SHB, Bundesvorstand  des  MSB-
       Spartakus, Folker  Caroli, Hochschullehrer (HL), AStA der Univer-
       sität Bremen  Ludwig Kohlmüller, Konrektor der Universität Bremen
       (ÖTV), Peter  Wehmeyer, Heinz Aufderheide, Klaus Gajke (ÖTV-Frak-
       tion im  Akademischen Senat der Universität Bremen), Hermann Cor-
       des, HL,  Alfred Rinken, HL, Holger Böning, Student, Vorsitzender
       des Projektbereichs Soziales der Vereinigten Deutschen Studenten-
       schaften, Evelyn Patrzek, Verwaltungs-Angestellter, Thomas Piege-
       ler, Student,  Arnim Meier,  Student, Ulli Sittermann, Doktorand,
       Lothar Marg,  Student, Rainer  Zoll, HL Uni Bremen, Gerhard Leit-
       häuser, HL,  Stephan Quensel,  HL, Nils  Jaeger, HL,  Jörg  Huff-
       schmid, HL,  Gerhard Stuby, HL, Detlev Albers, HL, Harald Boehme,
       HL, Barbara  Rohr, HL,  Hans  Jörg  Sandkühler,  HL,  Hans-Jürgen
       Schulke, HL, Wolfgang Jantzen, HL, Hellmuth Lange, HL, Lothar Pe-
       ter, HL,  Gert Sautermeister, HL, Hans-Gerd Artus, HL, Peter Der-
       leder, HL,  Wolfgang Däubler,  HL, Manfred  Hahn, HL, Ian Watson,
       HL, Dieter  Herms, HL,  Prof. Dr.  jur. Wolfgang  Abendroth, Lisa
       Abendroth, Peter  Gingold, antifaschistischer Widerstandskämpfer,
       Hans Niedderer, HL, Wolfram Thiemann, HL, DKP-Betriebsgruppe Uni-
       versitat und Bremer Fachhochschulen, Juso-Hochschulgruppe Univer-
       sität, Juso-Landesvorstand Bremen.
       Zustimmungserklärungen  an   den  AStA  der  Universität  Bremen,
       Achterstraße, 2800 Bremen
       

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