Quelle: Blätter 1977 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF ZUM KONGRESS DER DEMOKRATISCHEN FRAUENINITIATIVE
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       AM 16. APRIL 1977 IN OBERHAUSEN: "FÜR DIE GLEICHBERECHTIGUNG
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       DER FRAU IN EINER HUMANEN GESELLSCHAFT"
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       (Wortlaut)
       
       Gesicherte Arbeitsplätze,  eine gute Bildung und Berufsausbildung
       für alle  Mädchen und Jungen, familienfreundliche soziale Wohnun-
       gen, ausreichende  Gesundheitsfürsorge und Alterssicherung - dies
       sind Voraussetzungen für ein menschwürdiges Leben.
       Für diese  Ziele haben die Männer und Frauen unseres Landes jahr-
       zehntelang gekämpft  und  hart  gearbeitet.  In  der  industriell
       hochentwickelten reichen  Bundesrepublik müßten sie zu verwirkli-
       chen sein.
       Wie sieht es aber in der Wirklichkeit aus?
       Für die  Erfüllung unserer berechtigten Ansprüche und Forderungen
       ist nicht  genügend Geld  vorhanden. Wir  sollen uns abfinden mit
       Einschränkungen im  Sozial- und Bildungswesen. Wir sollen uns ins
       Unvermeidliche fügen,  Opfer bringen und verzichten. Dagegen wer-
       den ohne Debatte immer höhere Rüstungsausgaben bewilligt, anstatt
       die Möglichkeiten  der Entspannungspolitik zu nutzen und sich für
       eine weltweite  Abrüstung einzusetzen.  Von den  Auswirkungen der
       Krise werden die Frauen besonders in Mitleidenschaft gezogen. Vor
       allem die Arbeitslosigkeit trifft sie zuerst und am längsten. Ihr
       Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit begegnet noch
       größerem Widerstand.  Beim Wettbewerb  um Bildung  und Ausbildung
       sind sie noch mehr benachteiligt als gewöhnlich. Ihre ohnehin mi-
       serablen Aufstiegschancen  sind weiter  verschlechtert. Den Druck
       auf den  Lebensstandard der  Familien haben  besonders die Frauen
       auszuhalten. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens bekommen sie die
       geringsten Renten.  Entgegen den Hoffnungen der vergangenen Jahre
       sind sie  im Beruf  und im  privaten Leben abhängig wie zuvor, in
       den parlamentarischen Gremien sind Frauen kaum vertreten.
       Die Benachteiligung  der Frau steht im Gegensatz zum Verfassungs-
       gebot und  zu den  Erfordernissen unserer  Zeit. Sie widerspricht
       dem gewachsenen  Selbstbewußtsein der Frau, ihrem gesellschaftli-
       chen Engagement,  ihren Leistungen  in Beruf  und Familie,  ihren
       Vorstellungen von  Würde, Freiheit,  Sicherheit,  Mitsprache  und
       Mitverantwortung in  einer gerechten Gesellschaft, in der sie dem
       Mann gleichgestellt ist. Das fordert die Frauen heraus.
       Deshalb wird versucht, über Presse, Funk und Fernsehen, über Wer-
       bung, Massenliteratur,  Schulen und  Ämter  die  Erwartungen  der
       Frauen herunterzuschrauben.  Ein Frauenleitbild, das wir noch vor
       wenigen Jahren  für bereits  überwunden hielten,  wird erneut ge-
       priesen und  der enge  Wirkungskreis in  Haushalt und Familie als
       erstrebenswert dargestellt.
       Aber der  Anspruch der  Frauen auf  einen Arbeitsplatz,  auf gute
       Bildung und  Ausbildung, auf  wirtschaftliche Gleichstellung, ei-
       genständige  soziale  Sicherung,  Ausgleich  ihrer  Mehrbelastung
       durch verbesserten Mutterschutz, Entlastung bei der Erziehung der
       Kinder, ihr  Anspruch auf  gleichberechtigte Teilnahme an der Ge-
       staltung des  öffentlichen und  privaten Lebens  ist Ausdruck des
       Fortschritts, der nicht aufzuhalten ist.
       Der Kampf  der Frauen  ist heute ein wichtiger Faktor zur Herbei-
       führung einer  humanen Gesellschaft.  Nicht zuletzt die Vereinten
       Nationen haben  das in  Entschließungen und in ihrem Weltaktions-
       plan für  die Gleichberechtigung  der Frau zum Ausdruck gebracht.
       Immer mehr  Frauen schließen  sich zusammen. Nicht gegen die Män-
       ner, sondern gemeinsam mit ihnen, mit der gesamten demokratischen
       Bewegung wollen sie die Gleichberechtigung verwirklichen. Sie ar-
       beiten in Gewerkschaften, Verbänden und Elterninitiativen, setzen
       sich ein  für wohnliche  Städte und Gemeinden, engagieren sich in
       Bürgerinitiativen gegen Berufsverbote, für Umweltschutz, für Ent-
       spannung und allgemeine Abrüstung.
       So versteht  die demokratische  Fraueninitiative ihre Arbeit. Wir
       wissen, daß wir eine starke Frauenbewegung brauchen, wenn wir un-
       sere Rechte durchsetzen wollen.
       Wir fordern, daß der Auftrag aus Grundgesetz und Länderverfassun-
       gen, die  Verpflichtung aus dem Weltaktionsplan der Vereinten Na-
       tionen erfüllt werden.
       Um unserem  Ziel ein  Stück näher zu kommen und unser Anliegen in
       die Öffentlichkeit  zu tragen,  rufen wir auf zu einem Kongreß am
       16. April 1977 in Oberhausen.
       Wir wenden  uns an  alle Frauen:  Berufstätige, Hausfrauen, Lehr-
       linge und Studentinnen:
       - Setzt euch für eure Rechte ein
       - Arbeitet mit uns, beteiligt euch an unseren Aktionen
       - Tragt zum Gelingen unseres Kongresses bei
       
       UnterzeichnerInnen (Funktionsangabe dient nur zur Information):
       Mathilde Adler,  Nürnberg, Referat  für Gleichberechtigung in der
       Freigeistigen Landesgemeinschaft  Bayern; Hilde  Auer,  Duisburg,
       Rentnerin; Marie  Louise Berg, Solingen; Friederike Bertram, Gie-
       ßen, Pfarrvikarin;  Fanny Büttner, Würzburg, Vors. des Frauenbun-
       des Würzburg  e.V.; Elke  Mascha Blankenburg,  Köln,  Dirigentin,
       Kirchenmusikerin; Carin  Braun,  München,  Schauspielerin;  Hanne
       Brügelmann, Köln,  Pastorin; Ulrike Bude, München, Studentin; Dr.
       med. Gabriele  Claas, Marburg;  Gertrude Degenhardt, Mainz, Male-
       rin; Lottemi  Doormann, Hamburg,  Journalistin, Elternratsvorsit-
       zende; Edelgard  Greune-Weinreich, Niederkassel Studienrätin; Do-
       ris Gollwitzer,  Ismaning, Bildmischerin,  Betriebsrätin; Margret
       Gottlieb, Essen,  Hausfrau; Klara Gröne, Paderborn, selbst. Buch-
       druckerin, Ulla Hahn, Hamburg, Dozentin; Gertrud Hartung, Gelsen-
       kirchen, Metallarbeiterin,  Betriebsrat; Dr. Florence Hervé, Düs-
       seldorf, Publizistin;  Anita v.  Holt, Eschweiler,  Betriebsrats-
       vors. einer  Bekleidungsfabrik, Gewerkschaftsfunktionärin; Dagmar
       Holzer, München, Journalistin; Helga Höntgesberg, Köln, Architek-
       tin; Tatjana  Iwanow, Hamburg,  Schauspielerin; Mechthild Jansen,
       Bonn, Bundesvors,  d. Sozialist. Hochschulbundes; Dr. Luc Jochim-
       sen, Hamburg,  Fernsehjournalistin; Ulrike Kaiser, Münster, med.-
       techn. Assistentin,  Personalrat, Gewerkschaftsfunktionärin; Alma
       Kettig, Wuppertal;  Erika Kip, Köln, freiber. Journalistin; Lotti
       Klingler,  Dortmund,  kaufm.  Angestellte,  Gewerkschaftsfunktio-
       närin; Marianne  Konze, Gelsenkirchen; Dr. Helga Koppel, Marburg,
       Publizistin;  Hannelore  Knapp,  Duisburg,  Hausfrau;  Christiane
       Knauf, Salzböden, Liedermacherin (Kinderlieder); Prof. Dr. Renate
       Krysmanski, Münster; Mira v. Kühlmann, München, Publizistin; Emmi
       Kuhlmey, Düsseldorf, Redakteurin; Ingrid Kurz, Hamburg, Dozentin;
       Ingeborg Küster,  Lüdenscheid; Beate Landefeld, Bonn, stellvertr.
       Bundesvors. des MSB Spartakus; Christa Leonhard, Nürnberg, Lehre-
       rin; Brigitte  Leyendecker, Lüdenscheid,  kaufm. Angestellte; Dr.
       med. Dorothee Lübber, Marburg; Bina Lössl, München, Studienrätin;
       Gudrun Lukasz-Aden,  München, kaufm.  Angestellte; Dr. med. Doris
       Masse, Dorfen,  Sprecherin der Lagergemeinschaft Ravensbrück; Dr.
       Manon  Maren-Griesebach,  Dibbersen,  Dozentin;  Margret  Martin,
       Frankfurt, Sekretärin,  Betriebsobmann;  Barbara  Maubach,  Köln,
       Studiendirektorin; Hanni  Nagel, Gelsenkirchen, Metallarbeiterin,
       Vertrauensfrau; Peggy  Parnaß,  Hamburg,  Kolumnistin;  Eva-Maria
       Peine, Gelsenkirchen, Jugendvertreterin, Fotogroßlabor; Hildegard
       Proft, Bonn,  Lehrerin; Lilo  Rauner, Wattenscheid, Autorin; Gaby
       Rehnelt, Gießen,  Bibliothekarin; Prof.  Dr. Renate Riemeck, Als-
       bach; Erika  Ruckdäschel, München, Journalistin; Dr. Erika Runge,
       München, Autorin,  Regisseurin; Hanna  Schönig, Duisburg, Studen-
       tin; Ursula  Schneider, Gelsenkirchen,  kaufm.  Angestellte,  Be-
       triebsrätin; Dr.  theol.  Hannelis  Schulte,  Heidelberg;  Monika
       Sperr, München,  Autorin, Journalistin;  Elly Steinmann,  Watten-
       scheid, Journalistin; Christa Strobel, München, Sachbearbeiterin;
       Anna Maria Stuby, Bremen, Akad. Rätin; Elfi Thurow; Köln, Sozial-
       arbeiterin, grad.;  Astrid Westhoff,  Wuppertal,  Oberprimanerin;
       Rosi Wolf-Almanasreh,  Frankfurt, Bundesvors.  der  Interessenge-
       meinschaft der  mit  Ausländern  verheirateten  deutschen  Frauen
       (IAF), Betriebsrätin;  Dr. med.  Inge Zeller,  Dortmund; Gabriele
       Zipfel, AStA-Frauenreferentin, Univ. Hamburg.
       Zustimmungserklärungen   an:   Ingeborg   Küster,   Demokratische
       Fraueninitiative, Postfach 300 665, 5000 Köln 30.
       

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