Quelle: Blätter 1977 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DES KONGRESSES DER DEMOKRATISCHEN FRAUENINITIATIVE
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       IN OBERHAUSEN AM 16. APRIL 1977
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       (Wortlaut)
       
       Unter dem Motto "Für die Gleichberechtigung der Frau in einer hu-
       manen Gesellschaft" fand am 16. April 1977 in Oberhausen der Kon-
       greß der  Demokratischen Fraueninitiative statt, an dem sich mehr
       als 1000  Frauen beteiligten. Neben Lotemi Doormann und Hildegard
       Proft, die die Hauptreferate hielten, sprachen über 100 Frauen in
       den  vier  Arbeitsgruppen  des  Kongresses.  Im  folgenden  doku-
       mentieren wir die Erklärung des Kongresses. D. Red.
       Wir,  die   Teilnehmerinnen  des  Kongresses  der  Demokratischen
       Fraueninitiative, Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung, aus
       Betrieben und Büros, aus Schulen und Universitäten, aus Redaktio-
       nen und  Ateliers; Frauen  und Mütter. Wir, die unterschiedlichen
       politischen Auffassungen  und weltanschaulichen Überzeugungen an-
       hängen, stimmen  darin überein,  daß die  soziale und  rechtliche
       Gleichstellung der  Frau in unserer Gesellschaft immer noch nicht
       verwirklicht ist.
       Wir stellen  fest: Frauen  erhalten nach wie vor weniger Lohn für
       die gleichwertige  Arbeit. Frauen werden von der Arbeitslosigkeit
       in erster  Linie zum  größten Teil  betroffen. In der Bildung und
       Ausbildung sowie  im Beruf  werden Frauen benachteiligt. Ihre Al-
       terssicherung ist  ebenso unzureichend,  wie es  gegenwärtig jene
       gesellschaftlichen Einrichtungen sind, die es den Frauen erlauben
       würden, eine gleichberechtigte Stellung in der Familie und in der
       Gesellschaft einzunehmen.  Frauen tragen nicht zuletzt die großen
       Lasten der wirtschaftlichen Krise, der ständigen Erhöhung der Le-
       benskosten. Ihre  Darstellung in der Werbung und in den Massenme-
       dien entspricht nicht ihrer Bedeutung, ihrem Engagement und ihrer
       Leistung in der Gesellschaft.
       Wir erklären:  Das alles verletzt die Würde der Frau und verstößt
       gegen Grundrechte  der Verfassung.  Diese Grundrechte gelten auch
       für uns Frauen, und dazu gehört vor allem das Recht auf Gleichbe-
       rechtigung in  der Wirtschaft  und in der Gesellschaft, das Recht
       auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, das Recht, wegen un-
       seres Geschlechtes  nicht benachteiligt  zu werden.  Diese Rechte
       sind noch  weitgehend formal.  Es kommt  darauf an, sie real, das
       heißt, sie  auch für  uns Frauen  zur unmittelbaren  und sozialen
       Wirklichkeit zu machen. Das aber setzt vielfältige soziale, wirt-
       schaftliche, politische,  rechtliche und andere Maßnahmen voraus.
       Neben Vorurteilen,  Unwissenheit und  Gleichgültigkeit stehen dem
       entgegen vor allem wirtschaftliche Macht und Gewinninteressen der
       Konzerne, Priorität  der Rüstung  und eine Tendenz zur Aushöhlung
       unserer Grundrechte.
       Wir müssen  erkennen, daß  der Kampf  für die Rechte der Frau un-
       trennbar verbunden ist mit dem allgemeinen Kampf
       - für den  Frieden, die  Entspannung und  die Abrüstung.  Dadurch
       würden große  finanzielle Mittel  für soziale Investitionen frei,
       humane Ideen würden gefördert;
       - für die  Demokratisierung der Wirtschaft, der Bildung und ande-
       rer Bereiche der Gesellschaft, weil nur so die Macht und der Ein-
       fluß der  Konzerne eingeschränkt und soziale Selbstbestimmung so-
       wie Reformen  auch im  Interesse der  Frauen durchgesetzt  werden
       können;
       - für die  Erhaltung und  die Realisierung unseres Grundgesetzes,
       weil jede Einschränkung von Grund- und anderen Verfassungsrechten
       die Durchsetzung  der Rechte  für die  Frauen  weiter  erschweren
       würde.
       Wir fordern  von der  Bundesregierung und den Bundestagsparteien,
       von den  Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden, sich dafür einzu-
       setzen und  alles zu tun, damit die Frauen unseres Landes endlich
       die volle  Gleichberechtigung in allen Bereichen der Gesellschaft
       erhalten.
       Wir appellieren an alle Frauen und Männer, an alle demokratischen
       Kräfte in  der Bundesrepublik, zu erkennen, daß der Kampf für die
       Gleichberechtigung und  die soziale  Befreiung der Frau im Inter-
       esse der  ganzen Gesellschaft  liegt. Lassen  wir uns darum nicht
       trennen, handeln  wir gemeinsam  für die  Gleichberechtigung  der
       Frau in einer humanen Gesellschaft.
       

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