Quelle: Blätter 1977 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER TEILNEHMER AN DEN ABRÜSTUNGSDEMONSTRATIONEN IN
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       BREMEN, ESSEN, FRANKFURT/M. UND MÜNCHEN VOM 23. MAI 1977
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       (Wortlaut)
       
       Wir sind 68 000 Bürger, Mitglieder aus verschiedenen Parteien und
       Organisationen, Gewerkschafter,  Lehrer,  Studenten,  Hausfrauen,
       Arbeiter, Schüler,  Angestellte,  Journalisten,  Pfarrer,  Ärzte,
       Rentner, Künstler, Wissenschaftler, Akademiker, Konservative, Li-
       berale, Kommunisten, Sozialdemokraten und Parteilose.
       Wir demonstrieren  hier am  21. Mai 1977 in Bremen, Essen, Frank-
       furt und München für politische und militärische Entspannung, für
       Verständigung und  Zusammenarbeit zwischen  Ost und West. Wir de-
       monstrieren für die Beendigung des Wettrüstens.
       Wir fordern:
       - Keine weitere  Erhöhung des  Rüstungshaushalts; -  Verzicht auf
       alle neuen Rüstungsprojekte;
       - einen konstruktiven  Beitrag für  die Wiener Abrüstungsverhand-
       lungen  und   die  Rüstungen,  entsprechend  der  UNO-Resolution,
       zunächst um 10% zu senken.
       Hierfür setzen  wir uns gemeinsam ein. Meinungsverschiedenheiten,
       die wir in anderen Bereichen haben, stellen wir zurück hinter die
       vordringlichen Fragen des Friedens und der Abrüstung.
       Wir sind  uns einig: eine Alternative zur Friedenspolitik gibt es
       nicht.
       Kein Mensch,  keine  Organisation,  keine  Regierung  darf  heute
       ernsthaft Krieg wollen, kein Land sich auf Dauer die hemmungslose
       Fortsetzung des Wettrüstens erlauben.
       Deshalb: Schluß mit dem Wettrüsten - mit der Abrüstung beginnen!
       Denn: Wettrüsten  - das  bedeutet Gefahr für die Entspannung, das
       bedeutet Mißtrauen  und Konfrontation, das bedeutet: die sozialen
       Belastungen der Bevölkerung verschärfen sich.
       Betroffen sind  alle, aus  jeder Bevölkerungsschicht,  aus  jeder
       Partei, von  jedem Glauben.  Nur wenn  wir gemeinsam  aktiv sind,
       kann die Entspannungspolitik weiter Erfolg haben. Wir müssen noch
       mehr öffentliche  Meinung schaffen, diskutieren, die Bewegung für
       Frieden und  Abrüstung stärken.  Denn das Engagement der Bevölke-
       rung -  das ist die Grundlage, auf der die Politiker bauen können
       und müssen,  in Wien  bei den Abrüstungsverhandlungen und in Bel-
       grad auf der Nachfolgekonferenz in Helsinki.
       Die weltweite  Friedensbewegung war  es, die  die Voraussetzungen
       für die  Entspannungspolitik schuf,  und sie  wird es  sein,  die
       einen entscheidenden Anteil an der Beendigung des Wettrüstens und
       an der Abrüstung unausweichlich haben wird.
       Zehntausende von  Menschen aus  unserem Lande  haben  den  Aufruf
       "Beendet das Wettrüsten" unterschrieben. Trotz vielfältiger poli-
       tischer Ansichten  sind wir uns einig, daß wir gemeinsam für eine
       soziale, gerechte  und friedliche Zukunft durch Abrüstung handeln
       müssen. Wir  sind uns einig, daß unsere Bemühungen noch umfassen-
       der, noch  aktiver fortgesetzt werden, daß noch mehr Menschen den
       Aufruf unterstützen  müssen. Denn unsere Forderungen bleiben gül-
       tige Aufgaben.  Für sie müssen wir uns auch in Zukunft einsetzen,
       gemeinsam mit  allen, die zu Frieden und Abrüstung beitragen wol-
       len.
       Wir rufen die Bürger unseres Landes auf, ihre Unterschrift zu ge-
       ben und neue Unterschriften zu sammeln.
       Im Herbst  werden Bundesregierung  und Bundestag  erneut über die
       Erhöhung des  Rüstungshaushalts beraten.  Wir wollen  gegen jene,
       die auf  weitere Aufrüstung  und Rüstungsgewinne setzen, zur Gel-
       tung bringen,  was Hunderttausende  von Menschen  in unserem Land
       fordern:
       Beendet das  Wettrüsten in  0st und  West! Keine weitere Erhöhung
       des Rüstungshaushalts!
       

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