Quelle: Blätter 1977 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER GIPFELKONFERENZ VON LONDON (TREFFEN DER STAATS-
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       UND REGIERUNGSCHEFS) VOM 8. MAI 1977
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       (Wortlaut)
       
       Die Staats-  und Regierungschefs  der Bundesrepublik Deutschland,
       Frankreichs, Italiens,  Japans, Kanadas,  des Vereinigten  König-
       reichs Großbritannien  und Nordirland und der Vereinigten Staaten
       von Amerika verabschiedeten am 8. Mai 1977 in London folgende Er-
       klärung:
       
       In zwei  Tagen intensiver  Gespräche in  Downing Street haben wir
       Einvernehmen darüber erzielt, wie wir am besten zur Förderung des
       Wohles unserer  eigenen Länder  und anderer Länder beitragen kön-
       nen.
       Die Weltwirtschaft  muß als  Ganzes gesehen  werden.  Dies  setzt
       nicht nur Zusammenarbeit zwischen nationalen Regierungen, sondern
       auch eine Stärkung der zuständigen internationalen Organisationen
       voraus. Eindringlich stand uns die enge Verknüpfung aller uns be-
       schäftigenden Probleme  sowie unsere  wechselseitige Abhängigkeit
       vor Augen.  Wir sind entschlossen, gemeinsam den Aufgaben der Zu-
       kunft zu begegnen.
       - Unsere  vordringlichste   Aufgabe  besteht   darin,  mehr   Ar-
       beitsplätze zu  schaffen und  weiterhin die Inflation zu dämpfen.
       Inflation verringert  die Arbeitslosigkeit  nicht. Im  Gegenteil,
       sie ist  eine  ihrer  Hauptursachen.  Die  Jugendarbeitslosigkeit
       macht uns besondere Sorge.
       Wir kamen überein,
       - daß ein  Erfahrungs- und Gedankenaustausch über die Bereitstel-
       lung von Arbeitsplätzen für Jugendliche stattfinden soll.
       - Wir bekräftigen  für unsere  Regierungen  die  gesetzten  wirt-
       schaftlichen Wachstumsziele  bzw. die Stabilisierungspolitik, die
       insgesamt die  Grundlage für ein nachhaltiges nicht-inflationäres
       Wachstum in  unseren Ländern und weltweit sowie für den Abbau der
       Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte bilden sollen.
       - Verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten  sind vonnöten.  Hierbei
       muß der internationale Währungsfonds eine wichtige Rolle spielen.
       Wir haben uns verpflichtet, uns um zusätzliche Mittel für den IWF
       zu bemühen,  und unterstützen  die Bindung seiner Darlehensgewäh-
       rung an die Annahme einer entsprechenden Stabilisierungspolitik.
       - Wir werden  eine starke politische Führungsrolle übernehmen, um
       die Möglichkeiten für den Handelsaustausch zur Stärkung des offe-
       nen  Welthandelssystems   auszuweiten,  wodurch  zusätzliche  Ar-
       beitsplätze geschaffen werden. Wir lehnen den Protektionismus ab.
       Er würde die Arbeitslosigkeit verstärken, die Inflation vermehren
       und das  Wohl unserer  Völker mindern. Wir werden der Tokio-Runde
       der multilateralen Handelsverhandlungen einen neuen Impuls geben.
       Unser Ziel  ist es,  im Jahre 1977 in Schlüsselbereichen konkrete
       Fortschritte zu  erreichen. Auf diesem Gebiet müssen strukturelle
       Veränderungen in der Weltwirtschaft in Erwägung gezogen werden.
       - Wir werden weiterhin Energie einsparen und die Energieerzeugung
       steigern und  diversifizieren, um  damit unsere  Abhängigkeit vom
       Erdöl zu  vermindern. Wir  stimmen in  der Notwendigkeit überein,
       die Kernenergie  zu steigern,  um zur  Deckung des Weltenergiebe-
       darfs beizutragen.  Wir verpflichten uns, dies zu tun und gleich-
       zeitig die Risiken der nuklearen Proliferation zu verringern. Wir
       nehmen eine vordringliche Untersuchung in Angriff, um festzustel-
       len, wie sich dies am besten erreichen läßt.
       - Die Weltwirtschaft kann auf dauerhafter und gerechter Grundlage
       nur wachsen,  wenn die  Entwicklungsländer an diesem Wachstum be-
       teiligt sind. Wir stimmen darin überein, alles in unseren Kräften
       Stehende zu  tun, um einen erfolgreichen Abschluß der KIWZ zu er-
       reichen, und  wir verpflichten uns, einen fortlaufenden konstruk-
       tiven Dialog  mit Entwicklungsländern  zu führen.  Es  ist  unser
       Ziel, den  Zustrom von  Hilfe und  anderen realen  Ressourcen  in
       diese Länder  zu verstärken.  Wir fordern die Länder des RGW auf,
       das gleiche  zu tun. Wir unterstützen multilaterale Institutionen
       wie die Weltbank, deren Kapitalbasis hinreichend verbreitert wer-
       den sollte,  um ihr  einen Anstieg des realen Ausleihevolumens zu
       ermöglichen. Wir  unterstreichen die Bedeutung sicherer Privatin-
       vestitionen für  die  Forderung  des  weltwirtschaftlichen  Fort-
       schritts.
       Zur Erfüllung  dieser Aufgaben bedürfen wir der Unterstützung und
       Mitwirkung anderer. Wir werden uns um diese Zusammenarbeit in den
       zuständigen internationalen  Institutionen, wie den Vereinten Na-
       tionen, der Weltbank, IWF, GATT und OECD, bemühen. Diejenigen von
       uns, deren  Länder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ange-
       hören, beabsichtigen,  ihre Bemühungen in diesem Rahmen zu unter-
       nehmen.
       In unseren  Gesprächen haben  wir in der Substanz Übereinstimmung
       erzielt. Es  ist unsere feste Absicht, diese Übereinstimmung nun-
       mehr in  die Tat umzusetzen. Wir werden die Fortschritte überprü-
       fen, die  bei allen  hier in  Downing Street erörterten Maßnahmen
       erzielt werden,  um die Dynamik des konjunkturellen Erholungspro-
       zesses aufrechtzuerhalten.
       Die Botschaft  der Gipfelkonferenz  in Downing  Street ist  somit
       eine Botschaft des Vertrauens
       - in die  unverminderte Kraft  unserer Gesellschaften  und in die
       bewährten demokratischen Grundsätze, die sie mit Leben erfüllen,
       - daß wir  die Maßnahmen  ergreifen, die  zur Lösung der Probleme
       und zur Sicherung einer gedeihlicheren Zukunft erforderlich sind.
       

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