Quelle: Blätter 1977 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       FRANZÖSISCH-SOWJETISCHE DEKLARATION VOM 22. JUNI 1977
       =====================================================
       
       (Wortlaut)
       
       Auf Einladung des Präsidenten der Französischen Republik, V. Gis-
       card d'Estaing,  weilte der  Generalsekretär des  Zentralkomitees
       der Kommunistischen  Partei der  Sowjetunion und  Vorsitzende des
       Präsidiums des  Obersten Sowjets  der UdSSR,  L.I. Breschnew, vom
       20. bis  zum  22.  Juni  1977  zu  einem  offiziellen  Besuch  in
       Frankreich.
       An den  Gesprächen in  Rambouillet nahmen  teil: Von sowjetischer
       Seite: A.A. Gromyko, Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU und
       Minister für  Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR, N.S. Patolit-
       schew, Minister für Außenhandel der UdSSR, B.P. Bugajew, Minister
       für zivile  Luftfahrt der  UdSSR, S.W. Tscherwonenko, Botschafter
       der UdSSR in Frankreich, A.M. Alexandrow und A.I. Blatow, Berater
       des Generalsekretärs  des ZK  der KPdSU, W.W. Sagladin, 1. Stell-
       vertreter des  Leiters der  Internationalen Abteilung  des ZK der
       KPdSU, L.M.  Samjatin, Generaldirektor  von TASS.  A.G. Kowaljow,
       Stellvertreter des  Ministers für  Auswärtige Angelegenheiten der
       UdSSR, und J.W. Dubinin, Mitglied des Kollegiums des Ministeriums
       für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR;
       Von französischer  Seite: R.  Barre, Premierminister und Minister
       für Wirtschaft  und Finanzen, L. de Guiringaud, Minister für Aus-
       wärtige Angelegenheiten,  R.  Boulin,  delegierter  Minister  für
       Wirtschaft und  Finanzen, A.  Rossi,  Minister  für  Außenhandel,
       J.-F. Poncet, Generalsekretär der Präsidialkanzlei, B. de Leusse,
       Botschafter Frankreichs  in der  UdSSR, J.P.  Lecat, Sprecher der
       Präsidialkanzlei, J.-P.  Dutet, Berater  der Präsidialkanzlei, G.
       Robin, Berater  der Präsidialkanzlei, B. Larrera de Morel, Direk-
       tor für Außenwirtschaftsbeziehungen im Ministerium für Wirtschaft
       und Finanzen,  H. Froment-Meurice,  Direktor für Wirtschafts- und
       Finanzfragen im Außenministerium, und J. Andreani, Leiter der Eu-
       ropaabteilung im Außenministerium.
       Die Gespräche  verliefen in einer Atmosphäre großer Herzlichkeit,
       die den  freundschaftlichen Beziehungen und den historischen Bin-
       dungen entspricht,  die zwischen  beiden Ländern bestehen und die
       sich aus  mehr als zehnjähriger Zusammenarbeit ergibt. Sie ermög-
       lichten einen  nützlichen und  tiefgehenden Meinungsaustausch  zu
       den wichtigsten internationalen Problemen sowie zu Fragen der so-
       wjetisch-französischen Beziehungen.
       L.I. Breschnew  und V. Giscard d'Estaing würdigten erneut die Be-
       deutung der  Dokumente, die  in letzter  Zeit wichtige Marksteine
       auf dem  Wege der  sowjetisch-französischen Zusammenarbeit waren,
       insbesondere der sowjetisch-französischen Erklärung von 1966, des
       Protokolls über  politische Konsultationen  von 1970, der Prinzi-
       pien der  Zusammenarbeit zwischen  der UdSSR  und Frankreich  von
       1971 und  der Erklärung  über die weitere Entwicklung der Freund-
       schaft und Zusammenarbeit von 1975. Sie betonten, daß die Freund-
       schaft und  Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und Frankreich nach
       wie vor  ein wichtiger und ständiger Bestandteil ihrer Außenpoli-
       tik sein wird.
       lm Geiste  dieser Dokumente bekräftigen die Seiten ferner ihr Be-
       streben, die  Zusammenarbeit auf  allen Gebieten fortzusetzen und
       einen gemeinsamen  Beitrag zur  Festigung und Vertiefung der Ent-
       spannung zu  leisten. Sie  bekunden ihre Absicht, auf diese Weise
       dazu beizutragen,  daß die Entspannung in den internationalen Be-
       ziehungen beschleunigt  und mit  konkretem materiellen Inhalt er-
       füllt wird.
       Als Ergebnis der Verhandlungen bekundeten der Generalsekretär des
       ZK der  KPdSU und Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets
       der UdSSR  und der Präsident Frankreichs in einem gesonderten Do-
       kument -  der Gemeinsamen sowjetisch-französischen Erklärung über
       die Minderung  der internationalen Spannung - die tiefe Treue der
       Sowjetunion und Frankreichs zur Politik der Entspannung.
       
       Internationale Probleme
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       L.I. Breschnew  und V. Giscard d'Estaing widmeten der Lage in Eu-
       ropa und  den weiteren  Schritten nach der Konferenz über Sicher-
       heit und Zusammenarbeit in Europa, deren Schlußakte sie am 1. Au-
       gust 1975 in Helsinki unterzeichnet haben, große Aufmerksamkeit.
       Die Seiten  heben hervor, daß sich in dieser Zeit die Lage in Eu-
       ropa zum  Besseren gewandelt  hat; in  politischen, ökonomischen,
       kulturellen und  anderen Beziehungen  zwischen  den  europäischen
       Staaten wurde ein bestimmter Fortschritt erreicht.
       Der Sache  der vollen  und dynamischen Verwirklichung der Helsin-
       kier Schlußakte  tief verpflichtet, sind die UdSSR und Frankreich
       fest entschlossen,  für die  effektive Verwirklichung aller ihrer
       Grundsätze zu  wirken. Sie  sind der Meinung, daß der unablässige
       Fortschritt in  den bilateralen  zwischenstaatlichen  Beziehungen
       auf allen  Gebieten, die  in der  Schlußakte genannt werden, eine
       der grundlegenden Voraussetzungen zur Gewährleistung der Verwirk-
       lichung dieses langfristigen Aktionsprogramms darstellt.
       Die Seiten tauschten Meinungen über das Treffen der Vertreter der
       Außenminister in  Belgrad aus, dessen Durchführung in der Schluß-
       akte vorgesehen  ist. Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß dieses
       Treffen in  konstruktivem Geiste  verlaufen und  einen  konkreten
       Beitrag zum  Vorwärtsschreiten auf  dem Weg  der Realisierung der
       Grundsätze der Schlußakte und damit zur Festigung der Entspannung
       leisten wird.
       Die Seiten  tauschten ihre  Meinungen über  die Diskussion  eines
       Planes zur  Durchführung einer  Beratung auf hoher Ebene über den
       Umweltschutz in  der UNO-Wirtschaftskommission für Europa aus so-
       wie über  den Stand der Erörterung von Vorschlägen zur Organisie-
       rung gesamteuropäischer  Kongresse zu Fragen des Verkehrs und der
       Energie.
       Die UdSSR  und Frankreich  stellten fest,  daß die Entspannung in
       dem Falle  richtig zur Entfaltung kommen kann, wenn alle Staaten,
       die die Schlußakte von Helsinki unterzeichneten, sich an der Ver-
       wirklichung der  in ihr  vereinbarten Ziele  beteiligen und  ihre
       Handlungen in  allen Teilen  der Welt  mit den Erfordernissen der
       Entspannung in Übereinstimmung bringen.
       Die Seiten  unterstrichen die  große Bedeutung, die sie dem Vier-
       seitigen Abkommen vom 3. September 1971 beimessen, dessen strikte
       Einhaltung und  volle Anwendung  eine Garantie für die Stabilität
       in dem  entsprechenden Gebiet ist und dadurch eines der wichtigen
       Elemente der Förderung der Entspannung in Europa darstellt.
       Die Seiten  betonen die Übereinstimmung ihrer Ansichten hinsicht-
       lich der  Notwendigkeit, das  Zypernproblem auf der Grundlage der
       vollen Achtung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen
       Integrität der  Republik Zypern  zu regeln.  Eine solche gerechte
       und dauerhafte Regelung muß auf dem Verhandlungsweg gefunden wer-
       den. Sie  treten für  den schnellsten  Abzug aller  ausländischen
       Truppen aus der Republik Zypern ein.
       Sie haben  die Wiederaufnahme  der Verhandlungen zwischen den Be-
       völkerungsteilen unter  der Schirmherrschaft des Generalsekretärs
       der UNO  in Übereinstimmung  mit deren  Resolutionen zur Kenntnis
       genommen.
       Die Seiten stellten fest, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt gün-
       stigere Bedingungen  gibt, um  auf dem  Wege zu einer umfassenden
       Regelung im  Nahen Osten  voranzukommen. Die  Seiten bringen ihre
       Befriedigung darüber  zum Ausdruck,  daß ihre  Positionen zu  den
       Hauptaspekten einer  Regelung - an denen sie seit langem festhal-
       ten -  nunmehr allgemeine  Billigung finden.  Sie meinen, daß die
       Herstellung eines  gerechten und dauerhaften Friedens beruhen muß
       auf dem Abzug der israelischen Truppen aus allen 1967 okkupierten
       arabischen Territorien,  auf der  Sicherung der  legitimen Rechte
       des arabischen  Volkes  von  Palästina  -  einschließlich  seines
       Rechts, eine  nationale Heimatstatt  zu haben  -, auf der Wahrung
       des Rechts  auf unabhängige Existenz aller Staaten dieses Gebiets
       - einschließlich  Israels -  sowie auf  sicheren und  anerkannten
       Grenzen.
       Die UdSSR  und Frankreich bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, daß
       die Genfer  Friedenskonferenz bis Ende des laufenden Jahres unter
       gleichberechtigter Teilnahme aller interessierten Seiten - darun-
       ter auch von Vertretern des arabischen Volkes von Palästina - er-
       neut ihre Arbeit aufnehmen wird.
       Die Seiten widmeten der Lage in Afrika ihre Aufmerksamkeit.
       Die UdSSR  und Frankreich  bekräftigten im Geiste der Entspannung
       die Bedeutung,  die sie,  mit dem Ziel der Festigung des Friedens
       auf dem  afrikanischen Kontinent, der Achtung von Unabhängigkeit,
       Souveränität und territorialer Integrität der afrikanischen Staa-
       ten sowie  der Verwirklichung  des Rechts der Völker Afrikas bei-
       messen, selbst frei, ohne Einmischung von außen, über ihr Schick-
       sal zu entscheiden.
       Die Sowjetunion und Frankreich bringen Genugtuung über die bevor-
       stehende Unabhängigkeit  Djiboutis zum  Ausdruck und  hoffen, daß
       alle Staaten  die Souveränität  und territoriale  Integrität  des
       neuen Staates achten.
       Die Seiten  treten dafür  ein, daß die Völker Zimbabwes und Nami-
       bias so  schnell wie  möglich ihr  Recht auf Selbstbestimmung und
       Unabhängigkeit gemäß den Prinzipien und Resolutionen der UNO ver-
       wirklichen können. Sie äußern ihr Bedauern über die Apartheid-Po-
       litik in Südafrika und verurteilen diese Politik.
       Die UdSSR und Frankreich erklären, daß sie unter Berücksichtigung
       der bedeutenden  Rolle, die beide Länder in der Welt bei der Ent-
       spannung und  Sicherheit spielen,  gewillt sind, sich mit Initia-
       tive an den Abrüstungsbemühungen zu beteiligen.
       Geleitet von  dem Bestreben,  jede Initiative zu fördern, die zur
       allgemeinen und  vollständigen Abrüstung,  einschließlich der nu-
       klearen Abrüstung,  unter strenger  und wirksamer internationaler
       Kontrolle beitragen  kann, haben die Seiten bereits einer Sonder-
       tagung der UN-Vollversammlung zu Abrüstungsfragen zugestimmt. Sie
       werden alle  Anstrengungen unternehmen, damit die Erörterung die-
       ser Fragen  zu positiven  und konkreten  Ergebnissen führt. Diese
       werden es ermöglichen, der Abrüstung einen neuen Anstoß zu geben,
       um die Welt von den Gefahren des Wettrüstens sowohl mit Kern- als
       auch mit konventionellen Waffen zu befreien.
       Gleichzeitig sind  die Seiten  der Ansicht,  daß die Sondertagung
       der UN-Vollversammlung  zu Abrüstungsfragen,  deren  Hauptaufgabe
       die Festlegung prinzipieller Positionen zum Abrüstungsproblem und
       der Hauptrichtungen  für vorrangige  Anstrengungen auf diesem Ge-
       biet sowie die Erhöhung der Effektivität des vorhandenen Verhand-
       lungsmechanismus sein  wird, ihr Interesse an der Einberufung ei-
       ner Weltabrüstungskonferenz  keineswegs schmälern wird. Sie brin-
       gen den  Wunsch zum Ausdruck, daß die notwendigen Voraussetzungen
       für eine  solche Konferenz,  insbesondere die  Einbeziehung aller
       kernwaffenbesitzenden Mächte,  in nächster  Zukunft gewährleistet
       werden.
       Die UdSSR und Frankreich geben erneut ihrer Entschlossenheit Aus-
       druck, die  Verbreitung von  Kernwaffen zu verhindern. Die Seiten
       äußern sich  befriedigt über  die Unterzeichnung  der sowjetisch-
       französischen Deklaration  über  die  Nichtweiterverbreitung  von
       Kernwaffen, in  der ihr gemeinsames Streben nach diesem Ziel her-
       vorgehoben wird.  Sie anerkennen dabei die Bedeutung der friedli-
       chen Nutzung der Kernenergie für die Länder, die ihrer bedürfen.
       Die französische  Seite setzt  mit Interesse die Prüfung des Vor-
       schlages der  sowjetischen Seite  über ein Verbot der Entwicklung
       und der  Herstellung neuer Arten von Massenvernichtungswaffen und
       neuer Systeme dieser Waffen fort.
       Die Sowjetunion  und Frankreich, die ihre Treue zu den Zielen und
       Grundsätzen der  Organisation der  Vereinten Nationen bestätigen,
       betonten ihre  Entschlossenheit, deren  Autorität und Wirksamkeit
       bei der  Vertiefung der  Entspannung, der Festigung des Friedens,
       der Sicherheit  und der internationalen Zusammenarbeit durch eine
       vollständigere Nutzung der Möglichkeiten zu erhöhen, die in deren
       Charta liegen.
       Die Seiten gelangten zu einer Übereinstimmung über die Notwendig-
       keit, die  internationalen Wirtschaftsbeziehungen  unter  Berück-
       sichtigung des  Rechtes der  Entwicklungsländer so umzugestalten,
       daß diese in den weltwirtschaftlichen Fortschritt einbezogen wer-
       den, dessen  Früchte auf einer gerechteren Grundlage genießen und
       außerdem auf  die Wahl  der Wege Einfluß nehmen können, von denen
       dieser Fortschritt abhängt.
       Sie erklärten  ihre Entschlossenheit, den konstruktiven Dialog in
       dieser Richtung fortzusetzen und im Interesse der Erweiterung der
       allseitigen Zusammenarbeit  mit den  Entwicklungsländern wie auch
       der Festigung  der  internationalen  ökonomischen  Zusammenarbeit
       zwischen allen  Staaten auf  gleichberechtigter Grundlage zu han-
       deln.
       
       Die bilateralen Beziehungen
       ---------------------------
       
       Gegenstand einer  ausführlichen und  gründlichen Erörterung waren
       jene Fragen, die die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwi-
       schen der  UdSSR und  Frankreich betreffen. Die Seiten vermerkten
       mit Befriedigung, daß die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen
       der Sowjetunion  und Frankreich  beiden Ländern Nutzen bringt und
       ein Beitrag zur Verbesserung der Lage in Europa und in der ganzen
       Welt ist.
       Die Seiten  unterstrichen die besondere Bedeutung, die ihrer Mei-
       nung nach  die Begegnungen  auf höchster Ebene vom Standpunkt der
       Festlegung der  Hauptrichtungen und  des Rahmens  für ihre Zusam-
       menarbeit sowie der Auslösung neuer Impulse gewinnen.
       Sie konstatierten  mit Befriedigung  die Rolle,  die die Kontakte
       zwischen den  Ministern beider Regierungen bei der Verwirklichung
       des im  Ergebnis dieser  Begegnungen erarbeiteten Kurses spielen.
       Sie hoben  die große  Bedeutung hervor,  die die  Fortsetzung der
       Praxis vertiefter  politischer Konsultationen und der diesen Kon-
       sultationen zunehmend  verliehene systematische Charakter für das
       bessere gegenseitige  Kennenlernen und  nach Möglichkeit  für die
       Abstimmung der beiderseitigen Positionen haben.
       Die Seiten  brachten ihre  Befriedigung über den am 16. Juli 1976
       erfolgten Briefwechsel  zwischen den Ministern für Auswärtige An-
       gelegenheiten der  UdSSR und  Frankreichs bezüglich der Verhütung
       zufälliger oder  nichtsanktionierter Anwendung von Kernwaffen zum
       Ausdruck.
       Die Seiten  brachten den ökonomischen Beziehungen zwischen beiden
       Ländern große Aufmerksamkeit entgegen und bekräftigten erneut die
       Bedeutung ihrer Entwicklung und Ausweitung.
       Mit Befriedigung  konstatierten sie, daß der Umfang des Warenaus-
       tauschs unablässig  wächst und  daß dies  die Möglichkeit bietet,
       neue Perspektiven  abzustecken. Das Wachstumstempo im gegenseiti-
       gen Handel  betrug 1975  und 1976 rund 30% jährlich, und sein Um-
       fang erreichte  in den  genannten zwei Jahren etwa den des Waren-
       austausches vom  vorangegangenen Jahrfünft  1970 bis  1974. Unter
       Berücksichtigung, daß das im Dezember 1974 in Rambouillet festge-
       legte Ziel  der Verdoppelung des Warenaustausches im Zeitraum von
       1975 bis  1979 allem  Anschein nach  erreicht und sogar überboten
       wird, haben  die Seiten  beschlossen, alle  notwendigen Maßnahmen
       zur Gewährleistung einer Verdreifachung des Warenaustausches ein-
       zuleiten. Darüber hinaus kamen sie überein, die Anstrengungen zur
       Gewährleistung einer  harmonischeren Entwicklung des Handels zwi-
       schen ihnen fortzusetzen.
       Mit Aufmerksamkeit ist des weiteren die wirtschaftliche und indu-
       strielle Zusammenarbeit  erörtert worden, die - wie erneut unter-
       strichen wurde - eine der wesentlichen Grundlagen der Beziehungen
       zwischen beiden Ländern ist. Die Seiten konstatierten, daß das am
       10. Juli 1973 in Moskau unterzeichnete Zehnjahresprogramm und das
       Zusatzprotokoll vom 6. Dezember 1974 beiden Ländern ermöglichten,
       viele Industrieprojekte  zu verwirklichen  - insbesondere auf dem
       Gebiet der Errichtung großer Industrieobjekte. Sie unterstrichen,
       daß der erfolgreiche Abschluß der zwischen interessierten Betrie-
       ben und  Organisationen  beider  Länder  laufenden  Verhandlungen
       einen wesentlichen  Beitrag zur  Entwicklung ihrer Zusammenarbeit
       leisten wird.
       Die Seiten  beschlossen, die  Realisierung neuer Projekte zu för-
       dern, und unterzeichneten zu diesem Zweck ein neues Protokoll zum
       Programm der  Vertiefung der  Zusammenarbeit auf  dem Gebiet  der
       Wirtschaft und  Industrie für  einen Zeitraum  von  zehn  Jahren;
       darin ist  die vereinbarte  Zusatzliste der Projekte eingeschlos-
       sen.
       Die Seiten  kamen überein,  die Ausarbeitung eines neuen langfri-
       stigen Programms  zur Vertiefung der sowjetisch-französischen Zu-
       sammenarbeit auf  dem Gebiet der Wirtschaft und Industrie für den
       Zeitraum bis 1990 in Angriff zu nehmen.
       Die Seiten  brachten ihre  Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß
       im Ergebnis  des Besuchs ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf
       dem Gebiet der Chemie und ein Abkommen über die Zusammenarbeit im
       Verkehrswesen unterzeichnet wurden
       Die Seiten  unternehmen Anstrengungen  zur Vertiefung der wissen-
       schaftlich-technischen Zusammenarbeit, wobei sie sich auf die be-
       reits gewonnenen  Erfahrungen stützen und ihre konzentrierte Auf-
       merksamkeit auf  die perspektivreichsten Themen und Projekte len-
       ken, um  ihre Beziehungen  auf diesem  Gebiet noch effektiver und
       ausgewogener zu  gestalten. Sie  sind übereingekommen,  jene  Be-
       mühungen fortzusetzen,  die auf die immer umfassendere Koordinie-
       rung der  wissenschaftlich-technischen wie auch der industriellen
       und ökonomischen  Zusammenarbeit auf allen Gebieten, wo dies mög-
       lich ist,  gerichtet sind.  Besondere Beachtung  wird der  Zusam-
       menarbeit auf  dem Gebiet  der Kernenergie,  der Erforschung  des
       Kosmos, der  Rechentechnik,  des  Umweltschutzes,  der  Landwirt-
       schaft, der  Medizin, aber auch verschiedenen Aspekten der Grund-
       lagenforschung zu Problemen der Astronomie, der physikalisch-che-
       mischen Grundlagen  des Lebens,  der Erdbebenkunde, der Katalyse,
       der Festkörpermechanik,  der Quantenelektronik sowie der nichtli-
       nearen Optik geschenkt werden.
       Beiderseits wurde  hervorgehoben, daß  sich die wissenschaftlich-
       technische Zusammenarbeit  zwischen beiden Ländern auf dem Gebiet
       der friedlichen Nutzung der Kernenergie seit einer Reihe von Jah-
       ren erfolgreich  entwickelt, und  es wurde  die Meinung geäußert,
       daß die  Möglichkeit ihrer weiteren Ausdehnung besteht, insbeson-
       dere was Kernkraftwerke und Brutreaktoren anbelangt.
       Es wurde besonders betont, daß die sowjetisch-französische Zusam-
       menarbeit im  Bereich des  Kosmos, die  sich im Laufe der letzten
       zehn Jahre  mit ständigem  Erfolg entwickelt hat, durch den Start
       des französischen  Sputniks "Sneg 3" mit Hilfe eines sowjetischen
       Trägers gekennzeichnet  war und sich während der folgenden Monate
       in der  Mitwirkung französischer  Wissenschaftler an  dem von der
       Sowjetunion durchgeführten  Programm zur  Erforschung  der  Venus
       ausdrücken wird.
       Die Seiten werden auch künftig den Austausch zwischen beiden Län-
       dern qualitativ  verbessern und dafür sorgen, daß die sowjetisch-
       französische Zusammenarbeit  auf dem  Gebiet der Bildung, Kultur,
       Kunst und Wissenschaft effektiver gestaltet wird.
       Die Seiten bekunden ihre Entschlossenheit, neue Bemühungen um die
       Entwicklung des Russischunterrichts in Frankreich und des Franzö-
       sischunterrichts in der Sowjetunion sowohl an den Ober- und Hoch-
       schulen als auch im Rahmen der Erwachsenenbildung zu unternehmen.
       Ihrer Ansicht  nach wäre es zum Beispiel wünschenswert, zu diesem
       Zweck die Möglichkeit für eine Vergrößerung der Zahl der Dozenten
       und Assistenten im jeweiligen Land zu prüfen.
       Die Seiten  beschlossen, regelmäßige Jugendtreffen beider Länder,
       einschließlich Treffen der lernenden Jugend, zu fördern.
       Die Seiten  äußerten ihre  Genugtuung über  den am 7. Juni dieses
       Jahres erfolgten  Austausch von Schreiben zwischen den Außenmini-
       stern der  UdSSR und  Frankreichs über  die Aufenthalts-  und Ar-
       beitsbedingungen  sowjetischer  Spezialisten  in  Frankreich  und
       französischer Spezialisten  in der  UdSSR im Zusammenhang mit der
       Erfüllung der  Aufgaben der  wirtschaftlichen,  wissenschaftlich-
       technischen und kulturellen Zusammenarbeit.
       Hervorgehoben wurde  die Nützlichkeit  der Kontakte auf militäri-
       schem Gebiet.  Die Seiten  äußerten die Bereitschaft zur Fortset-
       zung und nach Möglichkeit zum Ausbau solcher Kontakte und Austau-
       sche, da  sie der  Meinung sind,  diese sollten  die Stärkung der
       traditionellen Gefühle  der Achtung fördern, die die Streitkräfte
       der Sowjetunion und Frankreichs füreinander hegen.
       Die Seiten  erachten es nach wie vor als wichtig, die Gefühle der
       Achtung, gegenseitigen  Sympathie und  Freundschaft zwischen  den
       Völkern der  Sowjetunion und  Frankreichs zu entwickeln. Sie sind
       der Ansicht,  daß die Entwicklung des gegenseitigen Kennenlernens
       der Kultur  und Errungenschaften  des sowjetischen  und französi-
       schen Volkes  und der  Kontakte zwischen  den Sowjetmenschen  und
       Franzosen zur  Festigung dieser  Gefühle beitragen wird. Sie sind
       der Meinung,  daß auf  diese Weise  die Schaffung einer günstigen
       Atmosphäre fortgesetzt  werden wird, um wichtige Fragen zu lösen,
       die sich die Sowjetunion und Frankreich sowohl auf dem Gebiet der
       bilateralen Beziehungen  als auch  bei der Festigung des Friedens
       in der Welt gemeinsam gestellt haben. Die Seiten sind der Auffas-
       sung, daß  der Besuch  L.I. Breschnews  in Frankreich  und die in
       diesem Zusammenhang geführten Gespräche fruchtbringend waren. Sie
       sind davon  überzeugt, daß die Ergebnisse dieses Besuchs die Ent-
       wicklung der  Freundschaft und  Zusammenarbeit zwischen der UdSSR
       und Frankreich  fördern und ein Beitrag zur Verbesserung der Lage
       in Europa  und auf  dem Schauplatz des internationalen Geschehens
       insgesamt sein werden.
       L.I. Breschnew  hat im  Namen des  Präsidiums des Obersten Sowjet
       der  UdSSR   und  der   sowjetischen  Regierung  den  Präsidenten
       Frankreichs, V.  Giscard d'Estaing,  eingeladen, der  Sowjetunion
       einen offiziellen  Besuch abzustatten.  Der Präsident Frankreichs
       hat diese Einladung mit Befriedigung angenommen.
       
       Rambouillet, den 22. Juni 1977
       Präsident der Französischen Republik: V. Giscard d'Estaing
       Generalsekretär des ZK der KPdSU, Vorsitzender des Präsidiums des
       Obersten Sowjets der UdSSR: L. Breschnew
       

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