Quelle: Blätter 1978 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE CIA UND IHRE BEEINFLUSSUNG DER WELTMEINUNG
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       (Wortlaut einer Artikelserie der "New York Times"
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       vom 25., 26. und 27. Dezember 1977)
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       Ende Dezember  1977 veröffentlichte  die "New  York Times"  einen
       großangelegten Bericht  über den  Einsatz bzw.  die Steuerung und
       Beeinflussung von Journalisten, Presseorganen und Verlagen in al-
       len Teilen  der Welt  durch den US-Geheimdienst. Die nicht abrei-
       ßende Serie  von Enthüllungen  über die  - wie  etwa das Beispiel
       Chile zeigt - vor keinen blutigen Konsequenzen zurückschreckenden
       Praktiken der  CIA wird dadurch um eine neue Dimension erweitert.
       Obwohl ein erkennbarer, und offensichtlich beabsichtigter, Neben-
       effekt der  von offiziellen US-Stellen geförderten CIA-Diskussion
       der letzten  Jahre auf  Abstumpfung und allmähliche Gewöhnung der
       Öffentlichkeit an  die kritisierten Geheimdienstpraktiken hinaus-
       läuft und  die partielle  Enttarnung nicht  mehr gebrauchter oder
       eingegangener Organe u.a. der besseren Tarnung der laufenden CIA-
       Arbeit dient, halten wir es für angebracht, daß auch die deutsche
       Öffentlichkeit das  Ausmaß der Enthüllungen, über die hierzulande
       nur sehr  sparsam berichtet  wurde, erfahren  kann. Die "Blätter"
       dokumentieren deshalb  nachstehend den  Wortlaut  der  NYT-Serie,
       übersetzt von Rudolf Schultz. D. Red.
       
       I. Dreißig Jahre Bemühungen der CIA, die Weltmeinung zu formen
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       Detaillierte Darstellung des CIA-Netzes zur Benutzung
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       von Nachrichtenorganen, Büchern und anderen Methoden
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       In den  drei Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Central Intelli-
       gence Agency während der meisten Zeit den unablässigen, wenn auch
       weitgehend unbemerkten  Versuch unternommen,  die auswärtige Mei-
       nung im  Sinne einer Unterstützung der amerikanischen Auslandspo-
       litik zu gestalten. Obwohl die CIA bis vor kurzem eine Reihe ame-
       rikanischer  Journalisten  zu  ihren  bezahlten  Agenten  zählte,
       scheinen sie  - von einigen bemerkenswerten Ausnahmen abgesehen -
       kein Teil  ihrer umfassenden  Propagandakampagne gewesen zu sein.
       Stattdessen hat  die Agentur  Information  und  Falschinformation
       über ein  einstmals bedeutendes Netz von meist im Ausland statio-
       nierten Zeitungen,  Nachrichtenagenturen und anderen Kommunikati-
       onseinrichtungen geleitet,  die ihr  gehörten, von ihr subventio-
       niert oder in anderer Weise Jahre hindurch beeinflußt wurden. Der
       Propagandabetrieb der CIA hat offenbar zu mindestens einiger Ver-
       zerrung der Nachrichten in den USA ebenso wie im Ausland geführt,
       auch wenn  Ausmaß und  Art der  von der  amerikanischen Presse im
       Ausland aufgegriffenen Falschinformation unmöglich genau bestimmt
       werden können.
       Das in  jüngster Zeit  erweckte Interesse  für das Engagement der
       CIA im  Pressewesen hat  sich auf  Berichte darüber konzentriert,
       daß die  Agentur amerikanische  Reporter als Agenten beschäftigte
       und andere  als Informationsquelle  oder als für ihre Operationen
       nützliche "Aktivposten"  benutzte. Die wiederholten Beschuldigun-
       gen haben  den mit  den Nachrichtendiensten befaßten Ausschuß des
       Repräsentantenhauses (House  Select  Committee  on  Intelligence)
       veranlaßt, in  dieser Angelegenheit  Hearings anzusetzen,  die am
       Dienstag beginnen;  die "New  York Times"  haben sie unverzüglich
       dazu geführt, die Beziehungen der CIA zu amerikanischen Nachrich-
       tenagenturen zu  untersuchen. Während  die dreimonatige  Untersu-
       chung durch  ein Team  von Times-Reportern und -Rechercheuren er-
       brachte, daß  die CIA  in den  vergangenen dreißig Jahren relativ
       wenige der vielen hundert aus dem Ausland berichtenden amerikani-
       schen Journalisten  beschäftigte, ergab sich ein breites Bild von
       den Bemühungen  der Agentur,  Nachrichten und Meinungen durch ein
       ausgedehntes Netz  von Nachrichtenorganisationen zu beeinflussen,
       die in größerem oder geringerem Umfange von ihr kontrolliert wur-
       den.
       Die CIA  hat jedes Ersuchen um Einzelheiten ihrer geheimen Bezie-
       hungen zu  amerikanischen und  ausländischen Journalisten  und zu
       den sie  beschäftigenden Organisationen  der Nachrichtenverarbei-
       tung abgelehnt,  obwohl diese Beziehungen inzwischen beendet wur-
       den. Ein  CIA-Beamter erklärte,  solche Beziehungen seien mit dem
       Versprechen "ewiger  Vertraulichkeit" begonnen  worden,  und  die
       Agentur werde sich auch weiterhin "bis in alle Ewigkeit" weigern,
       sie zu diskutieren.
       In Interviews  mit einer  großen  Anzahl  heutiger  und  früherer
       CIA-Beamter, Journalisten und anderen sind Umfang und Inhalt die-
       ser Beziehungen  jedoch klarer geworden. Die wichtigsten Sachver-
       halte, die sich allmählich abzeichneten, waren folgende:
       - Die CIA besaß oder subventionierte zu verschiedenen Zeiten mehr
       als 50 Zeitungen, Pressedienste, Rundfunkstationen, Zeitschriften
       und andere  Kommunikationseinrichtungen -  manchmal in  den  USA,
       meist jedoch  im Ausland,  die als Vehikel für ihre umfangreichen
       Propagandabemühungen, als  Tarnung für  ihre Agenten  im  Einsatz
       oder zu  beiden Zwecken  benutzt wurden.  Ein weiteres Dutzend im
       Ausland stationierter Nachrichtenorganisationen wurden zwar nicht
       von der  CIA finanziert,  jedoch von bezahlten CIA-Agenten infil-
       triert.
       - Fast ein  Dutzend amerikanische Verlage, unter ihnen einige der
       prominentesten Unternehmen  der Branche, hat zumindest sehr viele
       der über  250 Bücher  in englischer Sprache gedruckt, die von der
       CIA seit den frühen 50er Jahren finanziert oder produziert worden
       sind, wobei  den Verlagen  die Beteiligung  der Agentur in vielen
       Fällen nicht bekannt war.
       - Seit den  letzten Tagen  des Zweiten Weltkrieges haben mehr als
       30, vielleicht  sogar 100  amerikanische  Journalisten,  die  bei
       zahlreichen amerikanischen  Nachrichtenorganisationen beschäftigt
       waren, als  bezahlte Geheimagenten  gearbeitet, während sie ihren
       Pflichten als  Berichterstatter nachkamen.  Einige weitere  waren
       beim amerikanischen  Militär angestellt und, nach geheimdienstli-
       chen Quellen,  bei einigen  ausländischen Diensten,  darunter dem
       sowjetischen Geheimdienst KGB.
       - Im Laufe  der Jahre  haben mindestens 18 amerikanische Reporter
       CIA-Angebote abgelehnt,  geheime nachrichtendienstliche  Aufträge
       zu übernehmen,  obwohl diese  Angebote in einigen Fällen lukrativ
       waren. Ein  weiteres Dutzend  Angestellter amerikanischer Zeitun-
       gen, Presseagenturen  und Nachrichtenmagazine wurden zwar nie be-
       zahlt, wurden  jedoch  von  der  CIA  als  geschätzte  Informati-
       onsquelle oder Unterstützung betrachtet.
       - In den letzten 30 Jahren hat mindestens ein Dutzend hauptberuf-
       licher CIA-Beamter  im Ausland  als Reporter oder als Angestellte
       außerhalb der Berichterstattung bei amerikanischen Nachrichtenor-
       ganisationen gearbeitet, in einigen Fällen mit Billigung derjeni-
       gen Organisationen,  die ihnen  ihre  Presseausweise  ausgestellt
       hatten.
       Nach Aussage  früherer CIA-Beamter  wurde die  breite Propaganda-
       kampagne der  Agentur mit  Erwartung betrieben,  die von ihr lan-
       cierten Schwindelstories würden von den amerikanischen Medien als
       echte Berichte behandelt, was manchmal auch der Fall war. Die ge-
       setzliche Grundlage  der CIA-Tätigkeit  ist als  Verbot interpre-
       tiert worden,  Amerikaner mit Propaganda zu beliefern; sie besagt
       jedoch nichts  über die Zulässigkeit des unabsichtlichen oder be-
       absichtigten Inlandeffekts  der im  Ausland ausgestreuten  Propa-
       ganda. Lyman  B. Kirkpatrick, viele Jahre hindurch der Generalin-
       spekteur der  CIA, sagte, er könne sich nicht daran erinnern, daß
       irgendein Angestellter  der Agentur  jemals Fragen  zur Ethik der
       CIA oder zur Legalität ihrer Bemühungen im Bereich der Massenkom-
       munikation gestellt  habe. Lawrence  R. Houston,  der  inzwischen
       pensionierte oberste  Rechtsberater der  CIA,  erklärte,  er  sei
       stets der  Auffassung gewesen,  der CIA  sei es gesetzlich unter-
       sagt, amerikanische Journalisten zu beschäftigen; er sagte jedoch
       auch, niemand habe ihn in dieser Sache jemals konsultiert.
       Die Anstrengungen  der CIA  zur Beeinflussung der auswärtigen öf-
       fentlichen Meinung  reichten von der Fälschung historischer Doku-
       mente -  so bei  den 1956  von Nikita S. Chrustschow gegen Stalin
       erhobenen Anklagen  - über Beschönigung und verzerrte Darstellung
       ansonsten zutreffender  Angaben -  wie etwa bei der Zusammenstel-
       lung detaillierter  Zitate eines russischen Überläufers - bis hin
       zur freien  Erfindung wie  im Fall  eines Berichtes,  chinesische
       Truppen würden  zur Unterstützung der vietnamesischen Kommunisten
       entsandt.
       Nach Aussage früherer CIA-Beamter verfügt die Agentur seit langem
       über ein "Frühwarnsystem" innerhalb der US-Regierung, mit dem Di-
       plomaten und  anderen Schlüsselpersonen  geraten wird,  bestimmte
       Artikel, die  von der CIA im Ausland lanciert wurden, zu ignorie-
       ren. Sie sagten, dieses Netz habe gut funktioniert, mit nur gele-
       gentlichen Pannen.  Es gibt jedoch keinen derartigen Mechanismus,
       mit dem  Zeitungen, Zeitschriften  und Funkhäuser  dieses  Landes
       darüber informiert  werden könnten,  welche der  über ihre  Fern-
       schreiber tickernden  Auslandsberichte verzerrt  oder in  einigen
       Fällen auch  vollkommen falsch sind. Es besteht, wie die früheren
       Beamten sagen,  einfach keine praktikable Möglichkeit, Amerikaner
       wissen zu lassen, daß einige der Artikel, die sie beim Morgenkaf-
       fee lesen,  nicht von einem Auslandskorrespondenten stammen, son-
       dern von  einem CIA-Vertreter  in der Ecke irgendeiner amerikani-
       schen Botschaft geschrieben wurden.
       
       "Wiederholungseffekt" im Inland wurde
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       als unvermeidlich betrachtet
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       Als unvermeidlichen  Verlusteffekt ihrer Propagandaschlachten ak-
       zeptiert die  CIA die  Tatsache, daß  einige der Nachrichten, die
       amerikanische Leser  und Zuschauer erreichen, durch etwas entwer-
       tet werden, was die Russen "Desinformation" nennen. Zur Beschrei-
       bung des  Phänomens hat die Agentur sogar besondere Ausdrücke ge-
       prägt: Rückstoß,  Wiederholungseffekt oder  innenpolitischer Fal-
       lout.  "Das   besonders  Gefährliche"   bei  Falschinformationen,
       stellte kürzlich  ein ehemaliger  höherer CIA-Beamter  fest, "ist
       das Rückstoßpotential.  Es stellt  eine wirkliche Gefahr dar, und
       wir nehmen  das auch  zur Kenntnis."  Oder, wie ein früherer CIA-
       Mann es lakonisch ausdrückte: "Es trifft, wo es trifft."
       Das bevorzugte  Medium der  Agentur für das Lancieren der von ihr
       als "schwarz"  oder von unbestimmter Herkunft bezeichneten Propa-
       ganda waren  immer die  im Ausland stationierten Medien, an denen
       sie insgeheim finanziell beteiligt war, oder die Reporter und Re-
       dakteure im  Ausland, die zu den bezahlten Agenten der CIA gehör-
       ten. Zeitweise  gab es  nach CIA-Unterlagen nicht weniger als 800
       solcher "Propagandaposten",  hauptsächlich ausländische Journali-
       sten. Im  vergangenen Jahr wurde der frühere CIA-Direktor William
       E. Colby  in einem  Interview gefragt, ob die CIA solchen Agenten
       jemals gesagt  habe, was sie zu schreiben hätten, worauf er erwi-
       derte:
       Aber klar,  die ganze Zeit. Nach Aussage früherer CIA-Angehöriger
       bestand die  CIA-Propaganda am  häufigsten aus Zusammenstellungen
       von Fakten,  die nach Ansicht der Agentur nicht genügend Verbrei-
       tung erhalten  hatten, oder  aus im wesentlichen zutreffenden Be-
       richten mit  einigen Verzerrungen  und Schönheitskorrekturen. Ein
       maßgeblicher früherer  CIA-Beamter gab  jedoch zu,  es habe "auch
       völlig frei Erfundenes gegeben".
       Es scheint  wenig Zweifel daran gegeben zu haben, daß die CIA bei
       ihren Bemühungen um die Meinungsbeeinflussung in erster Linie die
       Bürger anderer Länder anzielte. Ein höherer CIA-Veteran sagte es,
       nachdem er  seinen Anteil  an den  Propagandaoperationen geleitet
       hatte, folgendermaßen:  "Ich wollte nicht Walter Lippmann *), ich
       wollte den philippinischen Walter Lippmann." Einige frühere Ange-
       stellte der  Agentur sagten  jedoch in Interviews aus, sie glaub-
       ten, unabhängig  von unbeabsichtigten  Rückwirkungen seien einige
       Propagandaanstrengungen der  CIA vor  allem während  des Vietnam-
       krieges im  Hinblick auf  ihre nachfolgende Auswirkung in den USA
       unternommen worden.  Und obwohl  nahezu alle  in den  vergangenen
       Jahren von  der CIA beschäftigten amerikanischen Journalisten an-
       scheinend nur  zur Sammlung  von Nachrichtenmaterial oder zur Un-
       terstützung laufender  Operationen zur Nachrichtensammlung einge-
       setzt wurden,  wurden doch einige Fälle deutlich, in denen solche
       Agenten bewußt  oder unbewußt  zu Kanälen  der Desinformation der
       amerikanischen Öffentlichkeit wurden.
       Ein CIA-Beamter  erklärte, die  Agentur habe in der Vergangenheit
       bezahlte Agenten  in den  Auslandsbüros von  Associated Press und
       United Press International dazu benutzt, von der CIA vorbereitete
       Depeschen in  die Telex-Übermittlung  von Nachrichten einzuschie-
       ben. In  einigen Fällen,  wie im  AP-Büro Singapur  in den frühen
       50er Jahren,  waren die  Agenten Einheimische,  die als "örtliche
       Hilfskräfte" bekannt  waren. In  anderen Fällen  waren es  jedoch
       Amerikaner.
       Obwohl AP und UPI zwei der bedeutendsten Organisationen zur Nach-
       richtenverbreitung in der Welt sind - AP schätzt, daß allein ihre
       Depeschen die  Hälfte der Weltbevölkerung in irgendeiner Form er-
       reichen -,  wurde ihnen  seitens der CIA keine besondere Aufmerk-
       samkeit zuteil.  "Wir haben  es den  Zentralen von UPI oder AP in
       den USA nie mitgeteilt, wenn im Ausland irgend etwas untergescho-
       ben wurde",  erklärte ein  CIA-Vertreter und  gab zu, daraus habe
       sich die  Wahrscheinlichkeit ergeben, daß solche Stories dann von
       den  Inlanddiensten  dieser  Presseagenturen  übernommen  wurden,
       "wenn sie  etwas taugten". UPI hat inzwischen mitgeteilt, man sei
       befriedigt darüber,  daß gegenwärtig  keiner der Beschäftigten in
       irgendeiner Weise  mit der  CIA zu  tun habe,  sei jedoch  außer-
       stande, etwas darüber auszusagen, was in der Vergangenheit mögli-
       cherweise der  Fall gewesen sei. Ein Vorstandsmitglied von AP er-
       klärte, seine  Organisation habe ähnliche Berichte in der Vergan-
       genheit untersucht  und sei  zu dem  Schluß gekommen, "daß keiner
       ihrer Angestellten in CIA-Aktivitäten verwickelt war".
       Eine Story,  die gut  genug zur  weltweiten Verbreitung  war, war
       nach Aussage  früherer CIA-Vertreter  ein Bericht  in den  frühen
       50er Jahren, der von der CIA fabriziert und von einem Agenten in-
       nerhalb einer  der großen  amerikanischen Telex-Agenturen  in die
       Berichterstattung gegeben  wurde. Er besagte, chinesische Truppen
       seien nach Vietnam eingeschifft worden, um den Kommunisten in ih-
       rem Kampf gegen die Franzosen zu helfen.
       Obwohl solche  Beispiele für Propaganda, die direkt in amerikani-
       sche Nachrichtenorganisationen  eingeschleust wurde, relativ sel-
       ten waren, versicherte ein weiterer früherer CIA-Beamter, während
       der gesamten  50er und 60er Jahre, als das Propagandanetz der CIA
       sich  auf  dem  Höhepunkt  seiner  Effektivität  befand,  sei  es
       "alltäglich gewesen,  daß Dinge  in der US-Presse erschienen, die
       ausländischen Publikationen entnommen wurden"; einige, aber nicht
       alle dieser  Publikationen "gehörten"  der CIA, die in ihnen ihre
       Propaganda plaziert hatte. Mitunter hatten die ausländischen Ver-
       leger und  Redakteure keine  Ahnung von der Herkunft solcher Sto-
       ries, häufiger  jedoch hatten  sie "geschaltet",  wie die CIA das
       nannte. Ein  CIA-Mann sagte, die Agentur habe es vorgezogen, ihre
       Propaganda "jemandem  zu geben,  der weiß,  was sie  ist". Wo das
       nicht möglich war, erklärte er, "da gab man sie irgend jemandem".
       
       Propaganda wurde auf vielfältige Weise eingeschleust
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       Die Propaganda  nahm viele Formen an und tauchte auf vielen Foren
       wieder auf.  Sie reichte  nach Aussage  von Beamten von harmlosen
       Angelegenheiten wie Leserbriefen, die den Verfasser nicht als An-
       gehörigen der CIA auswiesen, bis hin zu Vorgängen von weit größe-
       rer Tragweite,  wie zum Beispiel Meldungen über sowjetische Atom-
       waffentests, die nie stattgefunden hatten.
       Solche Berichte wurden zusätzlich zum Einsatz der Medien-"Posten"
       auf die  verschiedenste Weise  eingeschleust. Ein  gebräuchlicher
       Brennpunkt der  Propagandatätigkeit waren  nach Aussagen früherer
       CIA-Vertreter die  in fast  jeder ausländischen Hauptstadt beste-
       henden Presseclubs, die als Poststelle, Zentren für Benachrichti-
       gungen, Hotels  und Restaurants für örtliche Korrespondenten oder
       gerade Durchreisende  fungieren. Bis  vor einigen Jahren war, wie
       ein früherer CIA-Vertreter mitteilte, der Manager des Presseclubs
       von Mexico  City ein  CIA-Agent, und  der Manager  des  örtlichen
       Presseclubs in  Manila war  es ebenfalls.  "Er arbeitete sehr er-
       folgreich", erinnerte  sich ein CIA-Mann, der viele Jahre auf den
       Philippinen verbrachte.  "Manche Leute  sind faul. Die saßen dann
       an der  Bar, er  schob ihnen die Sachen zu, und sie telefonierten
       sie durch."
       Im Falle  eifrigerer Korrespondenten,  fuhr  der  CIA-Mann  fort,
       "ging es  darum, ihnen Material zugänglich zu machen, wenn sie es
       verwenden wollten.  Meine Aufgabe  war  es,  örtliche  Leute  zum
       Schreiben von Leitartikeln zu veranlassen. Das war dann Material,
       das nicht aus der Botschaft stammte. Es war nicht vom US-Informa-
       tionsdienst herausgegeben.  Es kam  von einem nachdenklichen ein-
       heimischen Kommentator und ließ hoffen, daß ihm mehr Gewicht bei-
       gemessen würde."
       Der US-Informationsdienst  (USIA), ein Arm des State Departments,
       ist offiziell  verantwortlich für  die Verbreitung der amerikani-
       schen Botschaft im Ausland. Laut verschiedener früherer CIA-Beam-
       ter war man sich seitens der USIA der Propagandatätigkeit der CIA
       bewußt, wenn  auch manchmal  nur vage.  "Eine der  Probleme,  die
       journalistisch nie  richtig gelöst  wurden", erinnerte  sich  ein
       ehemaliger CIA-Mann",  war die  Beziehung zwischen  USIA und  der
       CIA-Aktivität in  den Medien.  Sie wußten  Bescheid, hatten  aber
       weder die  Kraft noch  die Geldmittel,  irgend etwas  dagegen  zu
       unternehmen.  Vom   Standpunkt  der   CIA  aus  war  ihre  eigene
       "schwarze" Propaganda  bei weitem wirksamer als die "weiße", d.h.
       mit Herkunftsangaben  versehene Version,  wie die USIA sie jedem,
       der zuhören  wollte, zukommen  ließ. In  Argentinien zum Beispiel
       machte  die  USIA  offen  allen  Gruppen,  die  an  verschiedenen
       Bereichen  des  Lebens  in  den  USA  interessiert  waren,  Filme
       zugänglich, während gleichzeitig die Geheimagenten der CIA die in
       örtlichen Kinos gezeigten Wochenschauberichte über Weltereignisse
       verfälschten.  Die  Stoßrichtung  dieser  spezifischen  Operation
       bestand darin wie sich ein CIA-Mann erinnerte, "die amerikanische
       Auffassung von Castros Rolle in der Hemisphäre durchzusetzen. Die
       Argentinier  glaubten  nicht,  daß  Castro  irgendeine  Bedrohung
       darstelle, da  sie so weit entfernt waren. Wir brachten daher die
       Ereignisse im Film und färbten den Kommentar entsprechend ein."
       Zu einem  der ehrgeizigsten  Propagandaunternehmen der CIA kam es
       im Juni  1956, einige Monate nachdem der damalige sowjetische Mi-
       nisterpräsident Chruschtschow  eine "geheime" Fünfstundenrede vor
       einer geschlossenen  Sitzung des  20. kommunistischen Parteitages
       in Moskau,  von der alle ausländischen Delegierten ausgeschlossen
       waren, gehalten  hatte. Als die Nachricht in den Westen durchsic-
       kerte, Chruschtschow  habe in aufsehenerregender Weise mit seinem
       Vorgänger Stalin  gebrochen, den  er als  wilden,  halbverrückten
       Despoten bezeichnete, wurde innerhalb der CIA die Parole ausgege-
       ben, eine  Abschrift des  Textes müsse  um jeden  Preis beschafft
       werden.
       
       Ein "verbesserter" Text wurde an CIA-Kanäle
       -------------------------------------------
       im Ausland weitergegeben
       ------------------------
       
       Gegen Ende  Mai war es der CIA-Abteilung für Gegenspionage gelun-
       gen, einen  Text in  Polen aufzutreiben. Einige Tage später wurde
       er über  das State Department den amerikanischen Nachrichtenorga-
       nisationen zugeleitet,  und seit  damals hat die CIA immer wieder
       die Beschaffung der "Geheimrede" als einen ihrer größten Triumphe
       in der Geheimdienstarbeit angeführt. Was sie jedoch in dieser An-
       gelegenheit nicht  mitteilte, war  die Tatsache,  daß es sich bei
       dem von ihr beschafften Text um eine gereinigte Version handelte,
       die zur  Verbreitung in  den osteuropäischen Nationen angefertigt
       worden war;  34 Absätze  mit Material  zur künftigen sowjetischen
       Außenpolitik waren herausgestrichen worden. Obwohl der den ameri-
       kanischen Zeitungen zugänglich gemachte Text die echte gereinigte
       Fassung war, wurde ein anderer Text, der genau 34 Absätze mit Ma-
       terial zur  künftigen Außenpolitik enthielt, von der CIA weltweit
       über verschiedene  andere Kanäle  veröffentlicht,  unter  anderem
       über die  italienische Nachrichtenagentur ANSA. Nach Aussage frü-
       herer CIA-Vertreter  wurden die  34 Absätze  der  Auslandsversion
       nicht von Chruschtschows Redenschreibern verfaßt, sondern von den
       Experten für  Gegenspionage im Hauptquartier der CIA in Virginia.
       Dem Bemühen, in Moskau Konsternation hervorzurufen, soll dem Ver-
       nehmen nach ein glänzender Erfolg beschieden gewesen sein.
       Ein Dilemma beim Einsatz der CIA-Medienposten im Ausland, vor al-
       lem der  Publikationen und  Sendungen in  englischer Sprache, be-
       stand darin,  daß sie  in der Regel von amerikanischen Korrespon-
       denten genau  verfolgt wurden,  die die  jeweilige  Landessprache
       nicht gut  genug beherrschten  und folglich  zur primären Ursache
       des "Wiederholungseffekts"  in den  Vereinigten  Staaten  wurden.
       Ehemalige CIA-Beamte  haben erklärt,  die englischsprachigen Ein-
       satzmittel seien trotz der CIA-Charta mit der Begründung ungeahn-
       det geblieben,  daß die  vorgesehene  Zielgruppe  der  Propaganda
       nicht die  amerikanischen Journalisten  oder ins Ausland reisende
       Touristen seien,  sondern  englischsprechende  Ausländer  -  eine
       Rechtfertigung, "die  mir immer  absurd vorgekommen ist", wie ein
       früherer CIA-Mann sagte.
       
       Die Agentur förderte die Verbreitung von Berichten
       --------------------------------------------------
       in anderen Ländern
       ------------------
       
       Im Ausland  tat die  Agentur alles,  was in ihrer Macht stand, um
       den "Wiederholungseffekt"  zu fördern.  Damit ihre  Bemühungen um
       Desinformation nicht  schon kurz nach ihrem Erscheinen in Verges-
       senheit gerieten,  startete die Agentur beispielsweise in Latein-
       amerika eine Operation, die unter dem Decknamen KM FORGET bekannt
       wurde. Sie  bestand darin,  daß die  in einem Lande in die Presse
       geschleusten Artikel ausgeschnitten und in ein anderes verschickt
       wurden, um dort wieder durch örtliche Medienstellen übernommen zu
       werden. Ein  solches Vorgehen  machte es  wahrscheinlich, daß ein
       amerikanischer Korrespondent  die Artikel sah und sie in die Hei-
       mat übermittelte.  Trotz  der  nachdrücklichen  Versicherung  der
       Agentur, innenpolitischer  Fallout sei nicht angestrebt, aber un-
       vermeidlich gewesen,  gibt es Beweise dafür, daß er in bestimmten
       Fällen willkommen sein konnte.
       Eine der umfangreichsten Propagandakampagnen der CIA in den letz-
       ten zehn Jahren wurde gegen den chilenischen Präsidenten Salvador
       Allende Gossens, einen Marxisten, geführt, und zwar in den Jahren
       vor seiner  Wahl 1970  und bis  zu seinem Sturz und seinem Tod im
       Jahre 1973.  Im Bericht,  den der Geheimdienstausschuß des Senats
       vorgelegt hat,  wird festgestellt,  daß Millionen  Dollar von der
       CIA ausgegeben  wurden, um  in ganz Lateinamerika einen ständigen
       Strom von  Anti-Allende-Berichten, Leitartikeln und Funksendungen
       zu produzieren.  In einer  vom Ausschuß  angeforderten CIA-Propa-
       ganda-Einschätzung, die  nach der Wahl Allendes im September 1970
       fertiggestellt wurde,  wurde von  einer "fortwährenden Wiederauf-
       nahme von  Materialien zur Chile-Thematik" in einer Reihe latein-
       amerikanischer Hauptstädte  und entsprechenden  Übernahmen  durch
       Zeitungen in  den USA  berichtet. "Die  Themen wurden auch in der
       'New York Times' und der 'Washington Post' behandelt", hieß es in
       dieser Zusammenfassung  weiter. "Die Propagandaaktivitäten bewir-
       ken auch  weiterhin eine gute Berücksichtigung der Entwicklung in
       Chile im Sinne unserer thematischen Orientierung."
       In Interviews  sprach eine  Anzahl früherer  höherer  CIA-Beamter
       über die  nach ihrer  Meinung unmißverständlichen  Versuche einer
       propagandistischen Beeinflussung  der amerikanischen  Öffentlich-
       keit auf  dem indirekten  Wege  des  "Wiederholungseffekts",  der
       Übernahme aus  der Auslandspresse. Ein CIA-Vertreter erinnerte an
       die während des Vietnamkrieges von der Agentur betriebene heftige
       Propagandakampagne, die  nach dem  Prinzip geführt wurde, daß "an
       allem Schlechten, das in Vietnam passierte, der Feind schuld sein
       mußte". Ein  früherer CIA-Beamter  erinnerte daran,  daß zur Zeit
       des "Streifzuges"  amerikanischer Streitkräfte nach Kambodscha im
       Frühjahr 1970 die Station in Hongkong "von der Zentrale ein Kabel
       erhielt, in dem wir angewiesen wurden, diese Aktion mit allen un-
       seren Mitteln  in einem so günstigen Licht wie nur irgend möglich
       darzustellen". Die  meisten Chinesen  in diesem Gebiet seien, wie
       der CIA-Mann  weiter ausführte, über die amerikanische Präsenz in
       Südostasien verärgert  gewesen und durch die positive Darstellung
       der Gründe  für die amerikanische Invasion und ihres Erfolges nur
       noch wütender geworden. Er bemerkte jedoch, daß die Zeitungen, in
       denen die  schiefen Artikel erschienen, von einer Anzahl einfluß-
       reicher amerikanischer Korrespondenten gelesen wurden.
       
       Einige amerikanische Reporter erhielten
       ---------------------------------------
       irreführende Informationen
       --------------------------
       
       Einer der  Gründe für  den weitgehenden  Gebrauch, den die CIA in
       ihren schwarzen  Propagandabemühungen von  ausländischen  "Aktiv-
       posten" machte,  lag nach  Aussage eines  anderen  früheren  CIA-
       Vertreters darin,  daß die  meisten amerikanischen  Journalisten,
       selbst diejenigen,  die auf der Gehaltsliste der Agentur standen,
       zu gewissenhaft  waren, als  daß sie "Material übernommen hätten,
       von dem  sie wußten,  daß es gefälscht war". Andere Quellen haben
       jedoch von  gelegentlichen  Fällen  berichtet,  in  denen  ameri-
       kanische Reporter  irreführende Informationen  von der CIA in dem
       Glauben akzeptierten, es handele sich um einwandfreies Material.
       In der  Regel, meinte  ein früherer CIA-Mann, seien derartige Be-
       richte in  der Hauptsache korrekt gewesen, jedoch mit "Verschöne-
       rungen" zu  operativen Zwecken versehen worden. Er erinnerte sich
       an einen  solchen Bericht, eine Depesche aus Rangun, die vor fast
       20 Jahren an den "Christian Science Monitor" geschickt worden und
       "wirklich frisiert"  gewesen sei.  Die  Depesche  des  "Monitor"-
       Sonderkorrespondenten Arnold  Beichman war der Bericht über einen
       jungen Russen  namens Aleksandr  Kaznacheyev, der  einige  Monate
       zuvor in  die amerikanische  Botschaft in Rangun gekommen war und
       um  Asyl   gebeten  hatte.   Auf  die  Frage  nach  der  Art  der
       Verschönerungen  antwortete  der  frühere  CIA-Mann:  "Überläufer
       sprechen gewöhnlich kein sehr gutes Englisch." Beichmans Schilde-
       rung enthielt umfangreiche Zitate Kaznacheyevs - einige von ihnen
       bemerkenswert gut  formuliert -  über seinen "Haß" auf das sowje-
       tische System,  das ihn  aus seiner  Heimat vertrieben habe. Nach
       Aussage des  Artikels wurden die Zitate einer mit Kaznacheyev ge-
       machten Tonbandaufnahme  entnommen. In einem vor kurzem geführten
       Telefoninterview erklärte  Beichman jedoch,  er könne jetzt nicht
       mehr sagen,  woher er  das zitierte  Material erhalten habe. "Ich
       kann nicht  sagen, ob  ich eine  Tonbandaufnahme gehört oder eine
       Abschrift gelesen  habe", meinte er. "Ich weiß nicht, wie ich das
       nachprüfen soll." Beichman berichtete weiter, er habe Kaznacheyev
       nie gesehen, sondern "die Story aufgrund von Gesprächen mit Beam-
       ten in  der amerikanischen Botschaft zusammengestückelt". "Soweit
       ich unterrichtet bin", gab er zu, "könnte er sogar niemals in der
       Botschaft gewesen sein. Es könnte sich um Schwindel gehandelt ha-
       ben."
       Es hat  im Laufe der Jahre andere Vorfälle gegeben, aus deren An-
       laß amerikanische Nachrichtenorganisationen von der CIA hereinge-
       legt wurden.  So erinnerte  sich ein  früherer CIA-Vertreter  zum
       Beispiel an  Ausschreitungen während  einer sowjetischen Handels-
       messe im  Fernen Osten,  die, wie  er sagte, von der CIA in Szene
       gesetzt worden  sei. Die Agentur, berichtete der CIA-Mann weiter,
       habe dann später einer führenden amerikanischen Zeitschrift einen
       Artikel untergeschoben,  in dem  die "Ausschreitungen" als Beweis
       für die Unzufriedenheit mit den Russen in jenem Teil der Welt an-
       geführt wurden.
       Einige Korrespondenten  waren ebenfalls schnell bereit zuzugeben,
       sie seien  von der  CIA bei  verschiedenen Anlässen übers Ohr ge-
       hauen worden.  Ein Reporter,  Spezialist für  Lateinamerika erin-
       nerte sich an ein Treffen, das er mit dem Chef der CIA-Station in
       einem Land  hatte, das  er nicht  näher bezeichnen wollte. Dieser
       lieferte ihm eine allem Anschein nach exklusive Story. Die Kommu-
       nistische Partei  des Landes, die bis dahin einen friedlichen Weg
       zur Machtübernahme  befürwortet hatte, sollte nach Mitteilung des
       Stationschefs über  ein Versteck  mit 400  Gewehren verfügen, die
       ihr Anhänger im Ausland zur Verfügung gestellt hätten.
       
       Ein Korrespondent erfuhr, daß seiner Story jede Grundlage fehlte
       ----------------------------------------------------------------
       
       Da der  Korrespondent nicht  imstande war,  die Information nach-
       zuprüfen, beschloß  er, sie  eher versuchsweise  in einem Artikel
       über die  allgemeine Situation  des Landes  zu verwenden.  Später
       stellte er fest, daß das CIA-Material jeder Grundlage entbehrte.
       Ein weiterer Fall, in dem die CIA Informationen an einen amerika-
       nischen Journalisten übermittelte, betraf nach Aussage eines CIA-
       Vertreters den außenpolitischen Kolumnisten der "New York Times",
       C.L. Sulzberger.  Der CIA-Beamte, der in der Vergangenheit Zugang
       zu maßgeblichen  Unterlagen der Agentur hatte, erklärte, eine Ko-
       lumne über  den sowjetischen KGB, die am 13. September 1967 unter
       Sulzbergers Namen in der "Times" **) erschien, sei "wortwörtlich"
       ein Informationspapier,  das die  CIA für  Sulzberger  zu  diesem
       Thema vorbereitet  habe. Sulzberger  hat bestritten,  jemals "ein
       Papier von  der CIA  entgegengenommen, meinen  Namen darunter ge-
       setzt und  es telefonisch an die 'New York Times' durchgegeben zu
       haben".
       Zusätzlich zu  ihren Bemühungen  um die Nachrichtenproduktion hat
       die CIA  bei verschiedenen  Gelegenheiten auch den Versuch unter-
       nommen, bei  amerikanischen Nachrichtenorganisationen  direkt  zu
       intervenieren und die Art und Weise ihrer Wiedergabe von Informa-
       tionen zu  bestimmen. In einigen Fällen wurden die Vorschläge der
       Agentur zurückgewiesen,  in anderen wurden sie akzeptiert. Einige
       Nachrichtenorganisationen haben,  wie den  Quellen  zu  entnehmen
       war, der  CIA sogar die Möglichkeit zu einer derartigen Interven-
       tion eröffnet, ohne vorher darum gebeten worden zu sein. Ein ehe-
       maliger CIA-Vertreter  erinnerte sich an einen Fall, der sich vor
       einigen   Jahren   ereignete.   Das   mittlerweile   eingestellte
       "Collier's Magazine"  erhielt damals  den Artikel  eines Fernost-
       Korrespondenten, in dem erwähnt wurde, zwei angeblich private Un-
       ternehmen des  betreffenden Gebietes  - Sea Supply in Bangkok und
       Western Enterprises  auf Taiwan  - seien die wichtigsten Operati-
       onsbasen der  CIA in  jenem Teil  der Welt.  Die  Redakteure  von
       "Collier's", berichtete der frühere CIA-Beamte weiter, legten den
       Artikel der  CIA zur Zensur vor. Der CIA-Beauftragte, der das Ma-
       nuskript las,  wies darauf  hin, daß  die Verbindungen der CIA zu
       beiden Unternehmen im gesamten Fernen Osten ein offenes Geheimnis
       seien: die Zeitschrift ließ den Artikel jedoch ohnehin ausfallen.
       Ein großer  Teil der  CIA-Bemühungen um  eine  inneramerikanische
       Zensur scheinen  sich auf  bevorstehende Veröffentlichungen nicht
       zu Fragen der Weltpolitik, sondern zu den eigenen Operationen der
       CIA erstreckt  zu haben. In den Monaten vor der im Jahre 1961 von
       CIA-ausgebildeten Exilstreitkräften  unternommenen  Kuba-Invasion
       in der  Schweinebucht gelang es der Agentur zum Beispiel, die Pu-
       blikation verschiedener  Berichte zu  stoppen, darunter eines um-
       fangreichen  Artikels   von  David  Kraslow  (damals  vom  "Miami
       Herald") über  die Ausbildung  der Exilstreitkräfte  in  Florida.
       Kraslow, heute  Verleger der  "Miami News", teilte mit, seine Re-
       dakteure hätten  ihn gebeten, die von ihm enthüllten Einzelheiten
       dem damaligen Leiter der CIA, Allen W. Dulles, vorzulegen; Dulles
       habe ihn  dann gewarnt, ihre Veröffentlichung liege "nicht im na-
       tionalen Interesse".  Kurz darauf verlegte die CIA die Ausbildung
       von Florida nach Guatemala.
       
       Die CIA verunglimpfte ein Buch nach dem Versuch,
       ------------------------------------------------
       es zu unterdrücken
       ------------------
       
       Drei Jahre  später, als  David Wise  und Thomas  B. Ross ihr Buch
       "The Univisible  Government" veröffentlichten,  bestand die erste
       Reaktion der  CIA in dem Versuch, den Band zu unterdrücken. Unter
       anderem erwog  die CIA  ernstlich einen  Plan, die  gesamte erste
       Auflage des  Buches aufzukaufen,  um es  so dem Blick der Öffent-
       lichkeit zu  entziehen. Cord  Meyer Jr.,  der CIA-Beamte, der für
       viele der  von der  Agentur unternommenen  Propaganda-Aktivitäten
       verantwortlich war,  besuchte den Verlag Random House, in dem das
       Buch erschienen war. Dort erklärte man ihm, die CIA könne gern so
       viele Auflagen  erwerben wie  sie wolle, es würden jedoch weitere
       Exemplare für  den öffentlichen Verkauf hergestellt werden. Diese
       Idee wurde  fallengelassen. Ehemalige  CIA-Vertreter  berichteten
       jedoch, wie  daraufhin ein Propagandafeldzug mit dem Ziel gestar-
       tet wurde, Rezensenten dazu zu ermuntern, das Buch als falsch in-
       formiert und  gefährlich abzuqualifizieren. Meyer, noch immer ein
       höherer CIA-Beamter,  lehnte es  ab, über  diese Episode oder ir-
       gendeinen anderen Aspekt seiner Karriere innerhalb der Agentur zu
       sprechen.
       Was ein  ehemaliger höherer CIA-Beamter als eine weitere "Periode
       einer großen  Krise" für die Agentur beschrieb, begann zwei Jahre
       später, als die "New York Times" sich 1966 anschickte, eine Arti-
       kelserie der  Frage zu  widmen, ob  die  CIA  wirklich  zu  einer
       "unsichtbaren Regierung" geworden sei. Kabel wurden von Redakteu-
       ren an  die meisten Auslandsbüros der "Times" geschickt, in denen
       die Korrespondenten gebeten wurden, Memoranden über die verschie-
       denen Aspekte  von CIA-Operationen  in ihren Gebieten zusammenzu-
       stellen, und  der frühere  CIA-Vertreter erinnert sich daran, wie
       die Bestürzung  innerhalb der  Agentur  nahezu  schlagartig  ein-
       setzte. Die  Befürchtung der CIA, die "Times" könnte irgendwelche
       heiklen Geheimnisse enthüllen, legte sich jedoch, als die Zeitung
       die betreffenden  Artikel vor  ihrer Publikation  John A.  McCone
       vorlegte, der  damals bereits das Amt des CIA-Direktors abgegeben
       hatte. Nach  Aussage von  Tom Wicker,  der  seinerzeit  Chef  des
       Washingtoner "Times"-Büros war, strich McCone einige Passagen aus
       der Serie, bevor sie erschien.
       Die Untersuchung der "Times" förderte noch einen anderen Fall zu-
       tage, in  dem die  CIA in  die Berichterstattung der Zeitung ein-
       griff. 1954  teilte der  damalige CIA-Chef Allen Dulles einem Ge-
       schäftsführer der  "Times" mit,  er glaube nicht, daß Sydney Gru-
       son, der  Korrespondent der Zeitung in Mexiko zu einer objektiven
       Berichterstattung über  die bevorstehende Revolution in Guatemala
       fähig sei. Dulles erzählte der "Times", sein Bruder, der damalige
       Außenminister John  Foster Dulles,  teile seine Besorgnis, und er
       ersuchte die  Zeitung, Gruson,  von dem  die CIA  glaube, er habe
       "liberale" Neigungen,  von der  Story fernzuhalten.  Erst  einige
       Jahre nach  dem Sturz des linksgerichteten guatemaltekischen Füh-
       rers Oberst  Jacobo Arbenz Guzmán wurde bekannt, daß die CIA eine
       zentrale Rolle  bei der  Förderung der Revolution gespielt hatte,
       die dann zu seinem Sturz führte. In den Akten der Agentur gibt es
       einige Beweise dafür, daß die CIA befürchtete, Grusons Berichter-
       stattung werde  zu einer  vorzeitigen Entdeckung ihrer Rolle füh-
       ren. Gruson  ist inzwischen  Geschäftsführender Vizepräsident der
       "Times" und erklärte in einem Interview, er habe später erfahren,
       daß der  damalige Verleger  der Zeitung,  Arthur Hays Sulzberger,
       den Wünschen  der CIA entsprochen und es bewerkstelligt habe, ihn
       in Mexiko City zu lassen und während der Revolution von Guatemala
       fernzuhalten -  unter dem  Vorwand, er  habe einen  Tip erhalten,
       demzufolge sich die Kämpfe über die Grenze bis hinein nach Mexiko
       ausweiten könnten.
       Nicht alle  Propagandaunternehmen der  CIA liefen  über die Nach-
       richtenmedien. So enthalten zum Beispiel die etwa tausend von der
       CIA oder  in ihrem  Interesse publizierten Bücher Propaganda, die
       von geringfügigen  Erfindungen bis zu massiven Täuschungsmanövern
       reichen. Wie den Quellen entnommen werden konnte, waren "Die Pen-
       kowski-Papiere" ein  solches Buch. Es wurde, um eine Formulierung
       des  Geheimdienstausschusses   beim  Senat   zu  verwenden,   aus
       "operativen Gründen" von der CIA über den Verlag Doubleday & Com-
       pany im  Jahre 1965  veröffentlicht. Das Buch gibt vor, ein Tage-
       buch zu  sein, das  der sowjetische  Doppelagent Oberst Oleg Pen-
       kowski in  den Monaten führte, die der Entlarvung durch seine so-
       wjetischen Vorgesetzten, seiner Verurteilung und Hinrichtung vor-
       ausgingen. Im Buch wird der Name des Obersten in der CIA üblichen
       Weise transkribiert.  Obwohl die in dem Buch veröffentlichten In-
       formationen weitgehend  authentisch sind,  ist aus den Quellen zu
       ersehen, daß sie nicht aus dem Tagebuch Oberst Penkowskis stammen
       - ein  solches existierte  überhaupt nicht -, sondern aus CIA-Be-
       richten zusammengestellt  wurde, deren  Autoren Frank Gibney, da-
       mals ein  Angestellter der  "Chicago Daily News", und der von der
       CIA beschäftigte  KGB-Überläufer Peter  Deriabin waren.  "Es  war
       kein Tagebuch",  erklärte ein  CIA-Beamter, "und  insofern war es
       eine Fälschung."  Ein anderer  früherer Beamter  gab zu, das Buch
       sei "kosmetisch  behandelt" worden.  Ein  dritter  fügte  trocken
       hinzu: "Spione führen keine Tagebücher."
       
       Autoren erhielten Unterstützung zu operativen Zwecken
       -----------------------------------------------------
       
       Als wir  ihn telefonisch  in Japan  erreichten, gab  Frank Gibney
       auch zu,  es habe  "das Tagebuch als solches nicht existiert". Er
       fügte hinzu,  er habe  das meiste  Material direkt  den Berichten
       entnommen, die  über die  Interviews der CIA mit Oberst Penkowski
       während seiner kurzen Besuche im Westen angefertigt wurden.
       In mehreren  anderen Fällen  hat die  CIA, wie aus Unterlagen der
       Agentur hervorging,  Autoren beim Verfassen von Büchern geholfen,
       bei denen  sie der  Auffassung war,  sie könnten einen operativen
       Zweck erfüllen,  und dies  sogar auch  dann, wenn  die CIA an der
       Vorbereitung des  Manuskripts nicht  beteiligt war.  Ein  solcher
       Fall war,  wie aus  unseren Quellen  hervorging, die Entscheidung
       der Agentur,  mit John  Barron bei  den Recherchen  zu seinem vor
       kurzem erschienenen  Buch über den sowjetischen KGB zusammenzuar-
       beiten. Diese  Entscheidung war nach Angabe der Quellen eine Ant-
       wort auf  die einige  Jahre zuvor erfolgte Veröffentlichung eines
       kleinen, weitgehend fehlerfreien Bändchens durch den KGB, das den
       Titel trug  "Wer ist  wer in der CIA" (Who is who in the C.I.A.).
       Dieses Buch  führte Dutzende von CIA-Beamten auf -zusammen mitei-
       nigen amerikanischen  Diplomaten und  anderen Personen,  die noch
       nie irgendeine Verbindung zur CIA gehabt hatten. Die CIA ist noch
       immer aufgebracht  über  die  Täuschungskombination  und  das  in
       weitem Umfang erfolgte "Verbrennen", d.h. die Identifizierung ih-
       rer Mitarbeiter  durch einen  feindlichen  Geheimdienst.  Barrons
       Buch enthält ein 35seitiges Kompendium mit Namen von KGB-Offizie-
       ren, die  unter verschiedenen  Tarnungen in allen Teilen der Welt
       arbeiten. In  einem Interview  erklärte Baron,  obwohl  er  "eine
       ganze Menge Hilfe" von der CIA erhalten habe, sei die Namensliste
       aus den verschiedensten Quellen von weltweiter Verbreitung zusam-
       mengestellt worden.
       Eine der  an Machenschaften reicheren CIA-Kampagnen zur Desinfor-
       mation während  der letzten Jahre bestand in dem Versuch, die ku-
       banische revolutionäre Bewegung in den Augen anderer lateinameri-
       kanischer Nationen  dadurch zu  diskreditieren, daß  mit unterge-
       schobenem Material suggeriert werden sollte, sie sei in einem be-
       stimmten Ausmaß  von Moskau  gesteuert. Wie ein CIA-Vertreter er-
       klärte, bestand  die Strategie  der CIA  darin, eine  ostdeutsche
       Frau namens Tamara Bunke herauszugreifen, die sich der Guerrilla-
       gruppe von  Major Ernsto Ché Guevara angeschlossen hatte, sie als
       "die größte, gerissenste Kommunistin, die es je gab" hinzustellen
       und aus ihr gleichzeitig eine Agentin des ostdeutschen Ministeri-
       ums für  Staatssicherheit und des sowjetischen KGB zu machen. Auf
       die Frage, wie die CIA diese ihre Erfindung dann verbreitet habe,
       erinnerte sich  der CIA-Mann daran, daß die Agentur "Material und
       Hintergrundinformationen" an  Daniel James lieferte, einen in Me-
       xiko lebenden  amerikanischen Autor  und ehemaligen geschäftsfüh-
       renden Redakteur  des "New  Leader", der im Jahre 1968 eine Über-
       setzung der  Bolivianischen Tagebucher  Major Guevaras veröffent-
       lichte. In  seiner Einleitung  teilte James  mit, Fräulein Bunke,
       die den  nom de  guerre Tanja angenommen hatte und in den Tagebü-
       chern kaum erwähnt wird, sei nichtsdestoweniger einige Monate zu-
       vor von  einem ostdeutschen Überläufer der unteren Ebene als eine
       Agentin des  ostdeutschen Staatssicherheitsdienstes identifiziert
       worden.
       
       Die CIA-Schilderung einer Frau trug dazu bei,
       ---------------------------------------------
       aus ihr eine Heldin zu machen
       -----------------------------
       
       James legte  in seinem Buch keinerlei Beweismaterial zur Stützung
       seiner Behauptung  vor, Tamara  Bunke habe  während ihrer Zeit in
       Major Guevaras  Gruppe "dem  sowjetischen KGB angehört". In einem
       Interview sagte  er, dies  sei seine eigene Schlußfolgerung gewe-
       sen; er gab jedoch zu, in Zusammenhang mit dem Buch Gespräche mit
       der CIA  geführt zu haben. "Ich erhielt von ihnen Informationen",
       erklärte er,  "ich bekam  von vielen  Leuten  Informationen".  Er
       sagte, er  sei mit Winston Scott bekannt gewesen, der damals Lei-
       ter der  CIA-Station Mexico City war, und er habe Scott "um alles
       gebeten, womit sie mir helfen konnten". Er lehnte jedoch die Aus-
       kunft darüber  ab, ob  die Agentur ihn mit irgendwelchem Material
       über Tamara  Bunke beliefert habe. Vielleicht ist das von der CIA
       gezeichnete Porträt Tanjas zum Teil der Grund dafür, daß die tote
       Frau zu  einer Heldin  der revolutionären  Linken in allen Teilen
       der Welt  geworden ist.  Ihr Deckname  wurde von Patricia Hearst,
       der Erbin aus San Francisco übernommen, nachdem sie im Jahre 1974
       von der  Symbionese Liberation Army entführt worden war und ihren
       Entschluß bekanntgab,  sich der Gruppe anzuschließen. Daran erin-
       nert,  lachte   der  CIA-Vertreter   vor  sich  hin  und  meinte:
       "Innenpolitischer Fallout."
       
       II. Ein weltweites Propagandanetz, aufgebaut und
       ------------------------------------------------
       kontrolliert von der CIA
       ------------------------
       
       Nicht lange  nachdem John  Kenneth Galbraith, der Wirtschaftswis-
       senschaftler aus  Harvard, im  Jahre 1961  in Indien  eintraf, um
       sein neues  Amt als  amerikanischer Botschafter  anzutreten,  be-
       merkte er  eine seltsame  politische Zeitschrift  mit  dem  Namen
       "Quest", die auf dem asiatischen Subkontinent in Umlauf war. "Das
       Niveau ihrer  intellektuellen und politischen Kompetenz lag unter
       Null", erinnerte  sich Galbraith  in einem  Interview.  "Sie  be-
       wirkte, daß  man förmlich  nach der politischen Differenziertheit
       des 'National Enquirer' lechzte." Obwohl es sich um eine Publika-
       tion in englischer Sprache handelte, "näherte sie sich dem Engli-
       schen nur  mehr oder weniger an", bemerkte Galbraith weiter. "Der
       von ihr  angerichtete politische  Schaden war nichts im Vergleich
       zum literarischen  Schaden." Dann  stellte der  neue  Botschafter
       fest, daß "Quest" mit Geldmitteln der Central Intelligence Agency
       publiziert wurde.  Auf seine  Anweisung hin  stellte die  CIA die
       Zeitschrift ein. Obwohl vielleicht nicht so bemerkenswert wie die
       meisten anderen,  war "Quest"  dennoch eine  unter den  Dutzenden
       englisch- oder anderssprachigen Publikationen in allen Teilen der
       Welt, die während der letzten dreißig Jahre im Besitz der CIA wa-
       ren, von  ihr subventioniert  oder in sonst irgendeiner Weise be-
       einflußt wurden.
       Obwohl die CIA Dutzende von im Ausland arbeitenden amerikanischen
       Journalisten beschäftigte,  hat  eine  dreimonatige  Untersuchung
       durch Reporter  und Rechercheure im Auftrage der "New York Times"
       ergeben, daß  sie - von einigen bemerkenswerten Ausnahmen abgese-
       hen -  seitens der Agentur nicht zur Unterstützung ihrer weltwei-
       ten Propagandakampagne  eingesetzt wurden.  In ihren unablässigen
       Anstrengungen, die  Weltmeinung zu  beeinflussen, konnte  die CIA
       auf ein  separates und  weit umfangreicheres  Netz von Zeitungen,
       Pressediensten, Zeitschriften,  Verlagen, Funkhäusern und anderen
       Einrichtungen zurückgreifen,  auf die sie zu verschiedenen Zeiten
       ihren Einfluß  geltend machen  konnte. Vor  zehn Jahren,  als das
       CIA-Reich  der  Kommunikationsmittel  seinen  Höhepunkt  erreicht
       hatte, umfaßte es mehr als 800 Presse- und öffentliche Informati-
       onsunternehmen und Einzelpersonen. Nach Aussage eines CIA-Vertre-
       ters reichten  sie "vom  Sender Freies  Europa bis  hin zu  einem
       drittklassigen Typ  in Quito,  der irgend  etwas in  die örtliche
       Presse schleusen  konnte". Obwohl  das Netz  offiziell als "Liste
       der Propaganda-Aktivposten"  bekannt war, hieß es für CIA-Insider
       nur "Wisners  Wurlitzer". Frank G. Wisner, inzwischen verstorben,
       war der erste Leiter der Agentur für verdeckte Aktionen.
       
       Wie die große Wurlitzer-Orgel
       -----------------------------
       
       Fast auf  Knopfdruck, so  stellte Wisner sich das gern vor, wurde
       der "Wurlitzer"  zum Mittel  der Orchestrierung - in nahezu jeder
       Sprache, in  jedem beliebigen Teil der Welt und für jede Melodie,
       die zu hören der CIA gerade in den Sinn kam. Vieles vom Wurlitzer
       ist mittlerweile  demontiert. Die  Enthüllungen des  Jahres  1967
       über einige  der finanziellen  Verbindungen der  CIA zu  akademi-
       schen, kulturellen und Verlags- und Presse-Organisationen führten
       zu einigen  Beschneidungen, und  als  vor  einiger  Zeit  bekannt
       wurde, daß  die Agentur  amerikanische und ausländische Journali-
       sten beschäftigte,  bewirkte das ein Auslaufen der Beziehungen zu
       vielen der ausländischen Einzelpersonen und Presseorganisationen.
       Ein kleineres  Netz ausländischer  Journalisten bleibt  bestehen,
       und einige getarnte CIA-Agenten mögen noch immer in der Welt her-
       umziehen, verkleidet  als Korrespondenten für obskure Berufszeit-
       schriften oder Wirtschaftspressedienste. Die Propaganda-Operation
       der CIA  wurde zuerst  von Tom  Braden geleitet,  dessen Kolumnen
       heute gleichzeitig  in mehreren  Zeitungen erscheinen; dann wurde
       sie viele  Jahre hindurch  von Cord  Meyer Jr. betrieben, der vor
       seinem Eintritt  in die CIA ein populärer Studentenführer in Yale
       war. Braden  erklärte in einem Interview, er sei nie wirklich si-
       cher gewesen, daß "irgend jemand mit der Operation beauftragt ge-
       wesen" sei,  Frank Wisner  habe "das  sozusagen aus  dem Kopf ge-
       macht". Meyer  lehnte es ab, über die Operation zu reden. Mehrere
       frühere CIA-Beamte berichteten jedoch, die Agentur habe sich zwar
       gehütet, ihren  amerikanischen Journalisten  zu  sagen,  was  sie
       schreiben sollten,  sie habe  abüiben <?>  sollten, sie habe aber
       nie gezögert,  den Output ihrer "Aktivposten" im Ausland zu mani-
       pulieren. Unter diesen befand sich eine Anzahl englischsprachiger
       Publikationen, die von amerikanischen Auslandskorrespondenten so-
       wie von  Reportern und  Redakteuren in den USA regelmäßig gelesen
       wurden. Die  meisten der  früheren Beamten  erklärten, sie  seien
       über den  potentiellen "Rückstoß"  zwar in  Sorge gewesen, hätten
       ihn jedoch nicht vermeiden können. Gemeint ist damit die Möglich-
       keit, daß  die durch die CIA-"Aktivposten" gefilterte Propaganda,
       zum Teil  absichtlich irreführend oder einfach falsch, von ameri-
       kanischen Auslandskorrespondenten  aufgegriffen und  in  die  Be-
       richte an ihre Heimatredaktionen eingearbeitet wird.
       Das verbindende Element zwischen der CIA und ihren Propagandaein-
       heiten war  Geld, und das Geld brachte häufig ein gewisses Maß an
       redaktioneller Kontrolle,  oft sogar  die  totale  Kontrolle  mit
       sich. In  einigen Fällen machte die CIA einfach eine neue Zeitung
       oder einen  neuen Pressedienst  auf und  bezahlte die  Rechnungen
       über eine Tarnfirma. In anderen Fällen leitete die Agentur direkt
       oder indirekt Kapital an einen Unternehmer oder erschien im rich-
       tigen Moment,  um einer  in finanzielle Schwierigkeiten geratenen
       Organisation aus  der Klemme  zu helfen.  "Das gab ihnen etwas zu
       tun", sagte ein CIA-Mann. "Es ist die alte Geschichte mit Parkin-
       sons Gesetz,  eine Frage  von Leuten, die über zu viel ungenutzte
       Zeit und  über zu  viel ungenutztes  Geld verfügen.  Es gab  eine
       ganze Reihe von Leuten, die unterbeschäftigt waren."
       Nach Aussage eines Agenturvertreters zog es die CIA nach Möglich-
       keit vor, ihr Geld in eine bereits vorhandene Organisation einzu-
       bringen, anstatt  eine eigene zu gründen. "Wenn ein Konzern funk-
       tioniert", meinte  der Beamte,  "dann bietet er eine bessere Tar-
       nung. Das  Wichtigste ist, einen Redakteur oder sonst jemanden zu
       haben, der für Ihr Manuskript empfänglich ist."
       
       Nachkriegshilfe für Journalisten
       --------------------------------
       
       Die CIA, die aus dem Office of Strategic Services (OSS) des Zwei-
       ten Weltkrieges  hervorging, wurde in den frühen Nachkriegsjahren
       in den  Bereich der Massenkommunikationsmittel hineingezogen, als
       die Beamten  der Agentur  in Sorge darüber gerieten, daß einfluß-
       reiche Publikationen  im verwüsteten Europa der Versuchung kommu-
       nistischer Geldmittel  erliegen könnten. Unter den in diesen frü-
       hen Jahren  subventionierten Unternehmen befand sich auch die an-
       gesehene französische  Zeitschrift "Paris Match". Niemand, der in
       jener Periode bei "Paris Match" war, konnte erreicht und um einen
       Kommentar gebeten werden. In Erinnerung an die Sorgen dieser frü-
       hen Tage  sagte ein ehemaliger CIA-Mann, es habe "kaum eine linke
       Zeitung in Europa gegeben, die nicht direkt von Moskau finanziert
       wurde". Er  fuhr fort:  "Wir wußten,  wann der Kurier kam und wir
       wußten, wieviel Geld er mitbrachte."
       Eines der ersten großen Unternehmen der CIA war der Rundfunk. Ob-
       wohl seit  langem vermutet,  konnte es definitiv erst vor einigen
       Jahren berichtet werden: bis 1971 unterstützte die CIA sowohl den
       Sender Freies  Europa, der mit privater Finanzierung auch weiter-
       hin für die Länder Osteuropas ausstrahlt, als auch Radio Liberty,
       eine Station,  die direkt in die Sowjetunion sendet. Die Beteili-
       gung der  CIA an  diesen Operationen wurde vor der Öffentlichkeit
       durch zwei  Tarnorganisationen abgeschimnt,  das Free Europe Com-
       mittee und  das American Committee for Liberation, die beide auch
       mit einer  Reihe anderer, weniger bekannter Propagandaoperationen
       befaßt waren.
       Das American Committee for Liberation finanzierte eine in München
       stationierte Gruppe,  das Institut  zum Studium  der UdSSR - eine
       Publikations- und  Forschungseinrichtung, die  unter anderem  das
       weitverbreitete Nachschlagewerk  "Who is Who in the U.S.S.R." zu-
       sammenstellt. Das  Free Europe  Committee publizierte  die  Zeit-
       schrift "East  Europe", die sowohl in den USA als auch im Ausland
       verbreitet wurde,  und gab  den Pressedienst  "Free Europe  Press
       Service" heraus.
       Weit obskurer  waren zwei  weitere Funkunternehmen der CIA, Radio
       Freies Asien  und ein  ziemlich dürftiges Unternehmen mit der Be-
       zeichnung Radio Freies Kuba. Radio Freies Kuba, das in den frühen
       sechziger Jahren  eingerichtet wurde,  funkte nicht  über  eigene
       Sender, sondern  kaufte Sendezeit  von einer  Reihe kommerzieller
       Rundfunkstationen in Florida und Louisiana. Die Propagandasendun-
       gen von  Radio Freies Kuba gegen die Regierung von Ministerpräsi-
       dent Fidel  Castro wurden  ausgestrahlt durch  die Stationen WMIE
       und WGBS  in Miami,  WKWF in Key West und WWL in New Orleans. Sie
       ergänzten andere CIA-Sendungen einer Kurzwellenstation, WRUL, die
       Büros in  New York  City unterhielt, und eines Senders Radio Swan
       auf einer  kleinen Insel  in der  Karibischen See. Das Management
       dieser Funkhäuser hat sich weitgehend verändert, und es war nicht
       möglich, festzustellen, ob jemand von der Herkunft der Geldmittel
       wußte, aus  denen die  Programme finanziert wurden. Informationen
       aus der  kubanischen Bevölkerung in Miami besagten jedoch, es sei
       damals allgemein bekannt gewesen, daß Fonds irgendeiner Bundesbe-
       börde eine  Rolle gespielt hätten. Ein Motiv für die Gründung des
       Senders Radio  Freies Kuba sei gewesen, erinnerte sich ein frühe-
       rer CIA-Mitarbeiter,  daß man  im voraus  Sendezeit zur Verfügung
       haben wollte,  falls Radio  Swan, das  als Hauptverbindungsstelle
       der Kommunikation  während der  Schweinebucht-Invasion  fungieren
       sollte, von Saboteuren zerstört würde. Die Tarnung von Radio Swan
       war dünn  genug, um  solche  Besorgnisse  zu  rechtfertigen.  Die
       starke Radiostation,  deren Sendungen  in einem  großen Teil  der
       westlichen Hemisphäre  zu empfangen waren, wurde von einer Dampf-
       schiffgesellschaft in New York betrieben, die schon seit geraumer
       Zeit kein  Dampfschiff mehr  besessen hatte. Außerdem wurde Radio
       Swan von potentiellen Werbekunden bestürmt, die sich der Vorteile
       eines starken,  klaren Signals  bedienen wollten. Nachdem man Mo-
       nate hindurch  Kunden abgewiesen  hatte, war  die CIA schließlich
       gezwungen, mit  der Abwicklung von Geschäften zu beginnen, um die
       Radio Swan noch verbliebene Tarnung aufrechtzuerhalten.
       Radio Freies  Asien begann  seine Sendungen  für das  chinesische
       Festland im  Jahre 1951  mit aufwendigen  Sendeanlagen in Manila.
       Die Station war ein Organ des Committee for Free Asia, und in der
       CIA hielt  man die  Sendungen für  den Beginn  einer Operation im
       Fernen Osten,  die mit dem Sender Freies Europa und mit Radio Li-
       berty wetteifern  könnte. Das  Committee for Free Asia wurde nach
       Aussage früherer  CIA-Mitarbeiter gegründet als östliche Entspre-
       chung des  Free Europe  Committee. Es änderte später seinen Namen
       in Asia  Foundation. Es  existiert noch  immer, seine Beziehungen
       zur CIA  wurden jedoch  vor zehn  Jahren abgebrochen.  Leiter der
       Asia Foundation  war mehrere  Jahre lang  der verstorbene  Robert
       Blum, der  nach Angabe  verschiedener Quellen die CIA verließ, um
       die Stiftung  zu übernehmen.  Die Stiftung  fungierte als Tarnung
       für mindestens  einen CIA-Agenten und führte verschiedene medien-
       bezogene Unternehmen  durch einschließlich  eines 1955 begonnenen
       Programms, in dessen Verlauf asiatische Journalisten für ein Stu-
       dienjahr im  Rahmen des  angesehenen  Neiman-Fellowship-Programms
       der Universität  Harvard ausgewählt  und ihre Ausgaben übernommen
       wurden.
       
       Notstands-Luftbrücke war ein Fehlschlag
       ---------------------------------------
       
       Erst nachdem  Radio Freies Asien seine Sender in Betrieb genommen
       hatte, stellte  die CIA  nach Berichten  von Leuten,  die mit der
       Sachlage vertraut  waren, fest, daß es auf dem chinesischen Fest-
       land praktisch  keine Rundfunkempfänger in privater Hand gab. Ein
       Notstandsplan wurde  entworfen. Ballons  mit kleinen  Radios, die
       auf die Frequenz von Radio Freies Asien eingestellt waren, wurden
       in Richtung  auf das Festland von der Insel Taiwan aus gestartet,
       wohin die  chinesischen Nationalisten  nach  der  kommunistischen
       Machtübernahme auf  dem Festland  im Jahre 1949 geflüchtet waren.
       Der Plan  wurde fallengelassen,  als die  Ballons über die Straße
       von Formosa wieder nach Taiwan zurückgeweht wurden. Im Jahre 1955
       stellte Radio Freies Asien seine Sendungen ein.
       Das Engagement  der CIA  im Bereich  der Publikationen erstreckte
       sich rund  um die  Welt und umfaßte eine große Vielzahl von Zeit-
       schriften, von  denen einige  obskur waren  und viele  inzwischen
       eingestellt sind. Wie aus den Quellen hervorging, gab es in eini-
       gen Fallen keinerlei Versuch, die Redaktionspolitik zu bestimmen,
       obwohl beträchtliche Subventionen gezahlt wurden, in anderen Fäl-
       len jedoch wurde die Politik geradezu diktiert.
       Eins der CIA-Unternehmen in den USA beinhaltete die Subventionie-
       rung verschiedener  Publikationen, deren  Redakteure und Verleger
       von Havanna  nach Miami geflohen waren, nachdem die Regierung Ca-
       stro im  Jahre 1959  an die Macht gelangt war. Die Subventionen -
       in einigen  Fällen beliefen sie sich auf mehrere Millionen Dollar
       - wurden  den Publikationen über eine CIA-Tarnorganisation in New
       York ausgezahlt,  die Foreign  Publications Inc.  Zu dem  Dutzend
       Empfänger dieser  Subventionen gehörten nach vorliegenden Berich-
       ten "Avance",  "El Mundo,  "El Prensa  Libre", "Bohemia"  und "El
       Diario de  las Americas". Zusätzlich soll die CIA die Agentur für
       Rundfunknachrichten AIP  in Miami  finanziert haben,  deren  Pro-
       gramme kostenlos  an über 100 kleine Stationen in Mittel- und La-
       teinamerika geschickt wurden. Ursprünglich beabsichtigte die CIA,
       Exemplare der  subventionierten Publikationen  in Kuba  selbst zu
       verbreiten. Dieser Plan wurde jedoch fallengelassen, nachdem sich
       die Exilkubaner,  die sich  bereit erklärt hatten, sie mit Booten
       dorthin zu bringen, in letzter Minute weigerten, sich der kubani-
       schen Küste zu nähern. Diese Subventionen liefen jedoch auch ohne
       dies, und die betreffenden Publikationen wurden innerhalb der ku-
       banischen Bevölkerung  von  Miami  viel  gelesen,  im  Falle  von
       "Bohemia", einer  wöchentlich erscheinenden Zeitschrift, die ins-
       gesamt über 3 Mio. Dollar erhielt, auch in ganz Lateinamerika.
       Über  die   frühere  Unterstützung   der  britischen  Zeitschrift
       "Encounter" durch die CIA ist bereits berichtet worden, aus Quel-
       len der Agentur geht jedoch hervor, daß auch der Kongreß für Kul-
       turelle Freiheit  - eine  in Paris  stationierte Gruppe, über die
       die CIA  Geldmittel kanalisierte  - eine  Reihe von Zeitschriften
       umterstütze, von denen viele inzwischen eingestellt wurden.
       
       Die Verbindungen zur CIA wurden abgebrochen
       -------------------------------------------
       
       Dieser Kongreß, der 1950 als Antwort auf eine im gleichen Jahr in
       Berlin durchgeführte  Konferenz sowjetischer  Schriftsteller  ge-
       gründet wurde, hat inzwischen seine Verbindungen zur CIA abgebro-
       chen, sich neukonstituiert und seinen Namen geändert. Während der
       Jahre, in  denen er als Umschlagstelle der CIA fungierte, stellte
       er den folgenden Zeitschriften finanzielle Unterstützung zur Ver-
       fügung: "Preuves"  in Frankreich, "Forum" in Österreich, "Der Mo-
       nat" in Westdeutschland, "El Mundo Nuevo" in Lateinamerika, sowie
       den Veröffentlichungen "Thought" und "Quest" in Indien.
       In den  Vereinigten Staaten beschäftigte die Zeitschrift "Atlas",
       ein Digest  der Weltpresse,  gelegentlich Übersetzer, die bei der
       CIA angestellt waren. "Africa Forum" und "Africa Report" erschie-
       nen mit CIA-Geldern, die ihnen über die American Society of Afri-
       can Culture und das African-American Institute zugeleitet wurden.
       In Stockholm erhielt die Zeitschrift "Argumenten" CIA-Mittel nach
       einem so  komplizierten Verteilungsplan, daß selbst ihr Herausge-
       ber nicht  bemerkte, woher das Geld kam. Das gleiche war der Fall
       mit  der  alle  zwei  Monate  erscheinenden  lateinamerikanischen
       Schrift "Combate".  In Nairobi, Kenia, gründete die CIA den "East
       African Legal  Digest", weniger  ein Propagandaorgan als vielmehr
       zur Tarnung  eines ihrer Agenten. In den USA gab die Asia Founda-
       tion die Zeitung "The Asian Student" heraus, die an Studenten aus
       dem Femen  Osten verteilt  wurde, die amerikanische Universitäten
       besuchten. In  Saigon publizierte der Vietnamesische Rat für Aus-
       wärtige Beziehungen, der nach dem Vorbild der amerikanischen Ver-
       sion gebildet und ganz von der CIA finanziert wurde, eine gut ge-
       machte und in aufwendigem Verfahren hergestellte Zeitschrift, die
       an Senatoren  und Mitglieder des Repräsentantenhauses in Washing-
       ton verteilt wurde.
       Zu den  ungewöhnlicheren Beziehungen der CIA zählt diejenige, die
       sie zu  einem Unternehmen  in Princeton,  New Jersey, mit der Be-
       zeichnung Forschungsrat  (Research Council)  unterhielt. Der  Rat
       wurde von  Hadley Cantril,  dem verstorbenen Vorsitzenden der Ab-
       teilung Psychologie  an der  Universität Princeton gegründet, und
       dessen Kollege  Lloyd Free beschaffte nahezu die gesamten Einnah-
       men des  Rates in  den zehn  Jahren seiner Tätigkeit von der CIA.
       "Sie wurden  als Aktivposten  betrachtet, weil  wir ihnen so viel
       Geld zahlten",  sagte ein  früherer CIA-Mann. Free bestätigte, er
       und Dr.  Cantril, ein  anerkannter Pionier der Meinungsforschung,
       hätten den Rat für die CIA "einfach so in Gang gehalten". Die Tä-
       tigkeiten des Rates bestanden nach Aussage Frees in umfangreichen
       Untersuchungen zur  öffentlichen Meinung  in anderen Ländern über
       Fragen, die für die CIA von Interesse waren. Einige seien, teilte
       er mit, innerhalb Osteuropas, im Sowjetblock durchgeführt worden.
       Die Regierungen  der  betreffenden  Länder,  sagte  Free  weiter,
       "wußten nichts  von der CIA". Ebensowenig offensichtlich der Ver-
       lag Rutgers  University Press,  der 1967 einige der Ergebnisse in
       einem Band "Verhaltensmuster menschlicher Beziehungen" veröffent-
       lichte.
       
       Buchveröffentlichungen
       ----------------------
       
       Über die  Beziehungen, die  die CIA zu dem Buchverleger Frederick
       Praeger unterhielt,  ist in der Vergangenheit bereits geschrieben
       worden. Praeger  war jedoch  nur ein Beispiel aus einer Reihe von
       Verlagsfirmen, zu denen einige der prominentesten Namen der Bran-
       che gehörten,  und die  über 1000  in irgendeiner Weise innerhalb
       der letzten  drei Jahrzehnte von der CIA produzierte oder subven-
       tionierte Bände  druckten oder  verbreiteten. Einige  der Verlage
       waren nichts  anderes als  CIA-"Besitz". Zu ihnen gehörten Allied
       Pacific Printing in Bombay, Indien, und das Asia Research Centre,
       eins von  verschiedenen CIA-Verlagsunternehmen  in Hongkong,  die
       von einem  Gewährsmann aus  der Agentur  beschrieben  wurden  als
       "nichts als ein paar Übersetzer". Andere, einwandfreie Verlagsun-
       ternehmen, die  nach Aussage  früherer und heutiger CIA-Vertreter
       Subventionen der  Agentur erhielten, waren Franklin Books, ein in
       New York  ansässiges Verlagshaus,  das sich  auf die  Übersetzung
       akademischer Werke  spezialisiert hat,  sowie Walker  & Co.,  das
       sich im  gemeinsamen Besitz  von Samuel  Sloan Walker Jr. - einst
       Vizeprasident des  Free Europe  Committee -  und Samuel W. Meek -
       pensionierter Geschäftsführer der Werbeagentur J. Walter Thompson
       und ein Mann mit engen Verbindungen zur CIA - befindet. Ein Spre-
       cher der  Firma Franklin  bestätigte, daß  der Verleger Beihilfen
       seitens der  Asia Foundation "und von einer anderen kleinen Stif-
       tung für  ein afrikanisches  Projekt" erhalten  habe; "von beiden
       wurde im Jahre 1967 nachgewiesen, daß sie von der CIA unterstützt
       wurden". Der Sprecher fügte hinzu, Franklin habe "damals von die-
       ser Unterstützung  nichts gewußt". Durch einen Sekretär ließ Wal-
       ker mitteilen,  sein Konzern habe niemals "Bücher für die CIA ge-
       druckt oder  irgendein Buch  irgendeiner  Herkunft  verlegt,  das
       nicht von sich aus die Veröffentlichung verdient hätte".
       Zu weiteren Verlagen, die Bücher mit redaktionellen Beiträgen der
       CIA herausbrachten, gehörte Charles Scribner's Sons, wo 1951 "The
       Yenan Way"  von Eudocio  Ravines herauskam.  Der Veröffentlichung
       lag eine  Übersetzung von William F. Buckley Jr. zugrunde, der in
       den frühen  fünfziger Jahren  mehrere Jahre  lang CIA-Agent  war.
       Ebenfalls 1951  erschien bei G.P. Putnam's Sons "Leben und Tod in
       Sowjetrußland" von  Valentin Gonzalez,  dem berühmten  "El Campe-
       sino" des  Spanischen Bürgerkrieges.  Nach  Mitteilung  von  Vor-
       standsmitgliedern beider  Häuser waren  Putnam und Scribners über
       irgendeine CIA-Beteiligung an diesen Büchem in Unkenntnis, ebenso
       Doubleday &  Company, die 1965 unter dem Titel "Die Penkowski-Pa-
       piere" ein  Buch herausbrachten, das vorgab, ein vom sowjetischen
       Doppelagenten Oberst  Oleg Penkowski  geführtes Tagebuch zu sein.
       Das Buch  benutzte sogar  bei der  Transkription des  Namens Pen-
       kowski die CIA-Schreibweise.
       Gleichfalls über  die Verbindung zur CIA nicht informiert war der
       Verlag Ballantine  Books, der  einen bescheidenen Band über Finn-
       land, "Studies in Sisu", veröffentlichte, dessen Verfasser Austin
       Goodrich ein getarnter CIA-Mann war und jahrelang in Skandinavien
       als ein  mit Recherchen zu einem Finnlandbuch beschäfigter freier
       Autor posierte.
       
       Verfassertätigkeit als Deckmantel
       ---------------------------------
       
       Ein weiterer  CIA-Agent, der den Deckmantel eines mit Buchrecher-
       chen beschäftigten freien Schriftstellers benutzte, war Edward S.
       Hunter. Er  bereiste jahrelang Zentralasien und sammelte Material
       für ein  Werk über  Afghanistan, das  schließlich im  angesehenen
       Londoner Verlag  Hodder &  Stoghton herauskam.  Andere CIA-Männer
       arbeiteten im  Ausland, während sie Bücher schrieben, so zum Bei-
       spiel Lee  White, ein Angestellter der Abteilung Mittlerer Osten,
       der eine Biographie des ägyptischen Generals Mohammed Neguib ver-
       faßte, und  der Schriftsteller  und Naturforscher Peter Matthies-
       sen, der  den Roman "Partisanen" begann, als er von 1951 bis 1953
       bei der  CIA in  Paris tätig war, wo er auch noch George Plimpton
       half, die  "Paris Review"  zu gründen. Wie Hunter benutzten White
       und Matthiessen ihre Laufbahn als Schriftsteller nur als Deckman-
       tel für  ihre Geheimdiensttätigkeit. Es gibt keinen Beweis dafür,
       daß die  CIA den  Versuch unternahm,  ihre Texte zu kontrollieren
       oder daß  sie versuchte,  über Matthiessen  die "Paris Review" zu
       beeinflussen.
       Verschiedene Bemühungen der CIA auf dem Gebiet der Buchveröffent-
       lichung wurden von den Kritikern gut aufgenommen, und einige wur-
       den sogar  kommerzielle Erfolge. "Mindestens einmal", heißt es in
       einem Bericht des Geheimdienstausschusses beim amerikanischen Se-
       nat, "wurde  die Besprechung  eines CIA-Buches,  die in  der 'New
       York Times' erschien, von einem Schriftsteller verfaßt, der einen
       Vertrag mit  der CIA  hatte." Der  Bericht machte keine genaueren
       Angaben über  Buch und Kritiker, das Buch soll jedoch "Flucht aus
       Rotchina" gewesen  sein, die  Geschichte  eines  Überläufers  aus
       China, die  im Verlag Coward, McCann and Geoghegan erschien. Jack
       Geoghegan, der  Präsident des Verlages, erklärte, er habe zu kei-
       ner Zeit  gewußt, daß  das Buch  von der CIA zur Veröffentlichung
       vorbereitet worden sei. Das Buch wurde in der "Times" am Sonntag,
       dem 11. November 1962 von Richard L. Walker besprochen, der jetzt
       Direktor des  Instituts für Internationale Studien an der Univer-
       sität von  Süd-Carolina ist und für die Zeitung häufig Bücher re-
       zensiert. Professor  Walker sagte  in einem  Telefoninterview, er
       sei und nach dem Erscheinen der Besprechung bei der CIA als Bera-
       ter und  Dozent unter  Vertrag gewesen,  nicht jedoch, als er die
       Kritik geschrieben habe. Ebensowenig habe er auch gewußt, daß das
       Buch von der CIA produziert worden sei.
       Ein anderes erfolgreiches Buch, das nach Angaben aus der CIA 1962
       mit Unterstützung  der Agentur  erschien, ist "Auf dem Rücken des
       Tigers" von  Aderogba Ajao,  einem Nigerianer,  der an einer ost-
       deutschen Universität  studiert hatte und in seine Heimat zurück-
       gekehrt war, um über seine Desillusionierung zu schreiben.
       
       Eine jugoslawische Verbindung
       -----------------------------
       
       Die Praeger-Organisation,  die im Jahre 1966 vom Verlag der Ency-
       clopedia Brittanica  erworben wurde,  kam zum  ersten Mal mit der
       CIA 1957  in Berührung,  als sie "Die Neue Klasse" herausbrachte,
       ein Buch,  das einen  Wendepunkt darstellte und dessen Verfasser,
       der desillusionierte  Funktionär der jugoslawischen Regierung Mi-
       lovan Djilas  ausführlich seine  persönliche Ablehnung des Kommu-
       nismus beschreibt. Djilas, der schon vor der Veröffentlichung des
       Buches für  seine Regierung  zu einem Stein des Anstoßes geworden
       war, hatte  Schwierigkeiten, den letzten Teil des Manuskripts aus
       Jugoslawien herauszubekommen. Praeger berichtete, er habe sich an
       einen Freund in der amerikanischen Regierung (jedoch nicht in der
       CIA) gewandt und um Unterstützung bei der Beschaffung der letzten
       Seiten gebeten.  Das Manuskript  wurde  schließlich  durch  Edgar
       Clark, damals  Korrespondent des  Nachrichtenmagazins "Time", und
       seine Frau  Katherine von  Belgrad nach  Wien gebracht. Clark er-
       klärte, weder  er noch  seine Frau hätten jemals irgend etwas mit
       der CIA zu tun gehabt. Das Manuskript kam letztlich jedoch in die
       Hände eines  CIA-Funktionärs mit  Namen Arthur Macy Cox. Cox, der
       später unter  einem Praeger-Deckmantel  in Genf arbeitete, setzte
       die Bemühungen der Agentur in Gang, das Buch in eine Vielzahl von
       Sprachen übersetzen und es in allen Teilen der Welt verbreiten zu
       lassen.
       "Es war mein erster Kontakt zur CIA", sagte Praeger, fügte jedoch
       hinzu, er  habe zur  damaligen Zeit  "nicht einmal gewußt, daß es
       eine CIA  überhaupt gab." Praeger führte weiter aus, er habe spä-
       ter 20  bis 25  Bände veröffentlicht,  an denen die CIA beteiligt
       war, und  zwar entweder  am Entstehen des Manuskripts, an der Pu-
       blikation als  solcher oder  an der  Verbreitung des erschienenen
       Buches. Die Beteiligung der Agentur hätte sich nach seinen Worten
       auf die  verschiedenste Weise auswirken können: durch direkte Er-
       stattung der Publikationskosten oder durch die - vielleicht durch
       eine Art  Stiftung gegebene  - Garantie, genügend Exemplare anzu-
       kaufen, um die Veröffentlichung rentabel zu machen.
       Eins von den Büchern, bei denen die CIA ihre Hand im Spiel hatte,
       waren "Der  Ameisenhaufen", ein  Werk der  französischen Schrift-
       stellerin Suzanne  Labin über China, und zwei Bücher über die So-
       wjetunion von Günther Nollau, einem Angehörigen des westdeutschen
       Verfassungsschutzes und später dessen Chef. Nollau wurde in einer
       Besprechung in  der "New  York Times"  nur ausgewiesen  als  "ein
       westdeutscher Rechtsanwalt,  der  vor  einigen  Jahren  aus  Ost-
       deutschland geflohen ist".
       Dutzende fremdsprachiger  Zeitungen, Presseagenturen  und  andere
       Organisationen wurden von der CIA finanziert und betrieben - zwei
       der bedeutendsten sollen die westdeutsche Nachrichtenagentur DENA
       und der  lateinamerikanische Artikeldienst  "Agencia Orbe  Latino
       Americano gewesen sein.
       
       Die Zeitungen der CIA
       ---------------------
       
       Zusätzlich hatte  die CIA  viel Geld  in den verschiedensten eng-
       lischsprachigen Presseunternehmen  angelegt. Auf die Frage, warum
       die Agentur  dafür eine  Vorliebe habe, erläuterte ein ehemaliger
       höherer CIA-Beamter,  es sei  weniger schwierig  gewesen, die Be-
       sitzverhältnisse von  Publikationen zu verschleiern, bei denen es
       offenkundig Gründe  dafür gab, daß sie einem Amerikaner gehörten,
       wie es  andererseits auch  leichter  gewesen  sei,  amerikanische
       Agenten in  diesen Publikationen  als Reporter und Redakteure un-
       terzubringen.
       Der "Daily  American" in  Rom, an  dessen Besitz die CIA von 1956
       bis 1964  mitbeteiligt war,  war nur  eine der  agentur-"eigenen"
       englischsprachigen Zeitungen,  als sie  durch Samuel W. Meek, ein
       Vorstandsmitglied der  Werbeagentur J.  Walter Thompson, erworben
       wurde. Wie  es hieß,  gab es  solche der  CIA "gehörenden" Organe
       auch in  anderen Hauptstädten,  zum Beispiel in Athen und Rangun.
       Sie erfüllten gewöhnlich einen doppelten Zweck: sie lieferten die
       Tarnung für  Geheimagenten und veröffentlichten gleichzeitig Pro-
       paganda der Agentur. Der CIA-Besitz von Zeitungen wurde im allge-
       meinen als  kostspielig und  schwer zu  verheimlichen betrachtet,
       und alle  diese Beziehungen sollen jetzt beendet sein. Der "Daily
       American" in  Rom wurde von der CIA übernommen, damit er, wie man
       damals sagte,  nicht in  die Hände  der italienischen Kommunisten
       falle. Die  Agentur war jedoch schließlich die Versuche leid, den
       Eindruck aufrechtzuerhalten,  die Zeitung befinde sich in Privat-
       besitz, und  sobald die  angenommene Drohung seitens der Kommuni-
       sten nicht  mehr bestand,  verkaufte sie  sie an  Samuel W. Meek.
       Doch auch  nachdem die  CIA die Zeitung verkauft hatte, wurde sie
       mehrere Jahre  lang von Robert H. Cunningham geleitet, einem CIA-
       Beamten, der  von seinem Posten in der Agentur zurückgetreten war
       und von  ihr als  vertraglicher  Mitarbeiter  wieder  eingestellt
       wurde.
       Ein früherer CIA-Beamter sagte aus, die Agentur habe die Gelegen-
       heit, eine  weitere englischsprachige  Zeitung zu erwerben, unge-
       nutzt verstreichen lassen. Es ging dabei um die "Brüssels Times",
       die von  einem CIA-Mann  geleitet wurde, sonst aber keine weitere
       Verbindung zur  Agentur hatte.  Der Beamte erzählte, die CIA habe
       auf das  Angebot mit den Worten reagiert, es sei "leichter, einen
       Reporter zu kaufen, was wir getan haben, als eine Zeitung".
       Außer den  CIA-"eigenen" Zeitungen in Athen, Rangun und Rom hatte
       die CIA,  wie Gewährleute in der Agentur aussagten, Beteiligungen
       erworben am  "Okinawa Morning Star" - mehr zu Zwecken der Tarnung
       als für  Propagandazwecke  -,  an  der  "Manila  Times"  und  der
       "Bangkok World",  die beide inzwischen ihr Erscheinen eingestellt
       haben, sowie an den "Tokyo Evening News", bevor diese vom Presse-
       konzern Asahi  aufgekauft wurde. "Wir hatten zu jeder Zeit in je-
       der ausländischen  Hauptstadt mindestens eine Zeitung", sagte ein
       CIA-Mann, und diejenigen, die nicht ausschließliches Eigentum der
       CIA waren  oder von  ihr weitgehend subventioniert wurden, infil-
       trierte sie mit bezahlten Agenten oder leitenden Redakteuren, die
       über die  Möglichkeit verfügten,  Artikel drucken  zu lassen, die
       der Agentur  von Nutzen  waren, und andere, die sie für schädlich
       hielt, nicht zu drucken.
       
       Agenten in den Redaktionen
       --------------------------
       
       In Santiago, Chile, lieferte die "South Pacific Mail", die offen-
       bar nie  im Besitz der CIA war, die Tarnung für zwei Agenten: Da-
       vid A. Phillips, der schließlich zum Chef der CIA-Abteilung West-
       liche Hemisphäre  aufstieg, und David C. Hellyer, der seine Stel-
       lung als  Lateinamerika-Redakteur des Copley-Zeitungsunternehmens
       aufgab, um sich der CIA anzuschließen. Weitere Zeitungen in deren
       Redaktionen die  CIA viele  Jahre hindurch  Agenten eingeschleust
       haben soll,  waren unter  anderem  der  "Gupana  Chronicle",  die
       "Haiti Sun",  die "Japan  Times", "The  Nation" in  Rangoon,  das
       "Caracas Daily Journal" und die "Bangkok Post". Und vor der Revo-
       lution des Jahres 1959 trug die "Times of Havana", deren Eigentü-
       mer ein führerer CIA-Mann war, dadurch zur "Tarnung" von David A.
       Phillipps bei, daß sie ihn als Kolumnisten verpflichtete.
       Nach weiteren  Berichten hatte  die CIA  Agenten in  einer Anzahl
       ausländischer Presseagenturen darunter LATIN, eine von der briti-
       schen Presseagentur  Reuter betriebene  lateinamerikanische Agen-
       tur, sowie  die Ritzhaus-Organisation  in Skandinavien. Obwohl es
       CIA-Agenten in  den Auslandsbüros von Associated Press und United
       Press International  gab, soll  die CIA  keinen bei Reuter gehabt
       haben, da  diese Agentur britisch und damit ein potentielles Ziel
       des britischen Geheimdienstes ist.
       Mit der  Situation vertraute Gewährsleute berichteten jedoch, daß
       die CIA  gelegentlich britische  "Aktivposten" bei  Reuter zu dem
       Zweck ausgeliehen  habe, dort  Artikel  unterzubringen.  Auf  die
       Frage nach der oft zitierten Versicherung des früheren CIA-Direk-
       tors William E. Colby, die Agentur habe Reuter nie "manipuliert",
       erwiderte ein  CIA-Vertreter, es sei "keine Manipulation gewesen,
       weil Reuter Bescheid wußte", daß die betreffenden Artikel von der
       CIA untergeschoben  wurden und  daß einige von ihnen unzutreffend
       waren. Desmond  Manerly, Reuters leitender Redakteur für Nordame-
       rika, hat  erklärt, derartige  Beschuldigungen seien "für uns ein
       alter Hut".  Er wies  darauf hin,  daß Reuters Geschäftsführender
       Direktor Gerald Long Beweismaterial für solche Manipulationen an-
       gefordert habe,  daß jedoch  nichts dergleichen zum Vorschein ge-
       kommen sei.
       Eine Reihe  von Presseagenturen war direkt im Besitz der CIA oder
       wurde von ihr weitgehend finanziert. Eine davon, der Foreign News
       Service, lieferte  Artikel, die von einer Gruppe aus den osteuro-
       päischen Staaten  exilierter Journalisten  geschrieben wurden. In
       den frühen 60er Jahren wurden diese Artikel an bis zu 300 Zeitun-
       gen in  allen Teilen der Welt verkauft, darunter auch an die "New
       York Times",  den "Christian  Science Monitor"  und die "New York
       Herald Tribune".  Boleslaw Wierzbianski,  ein früherer polnischer
       Informationsminister und ehemaliger Leiter der Presseagentur, er-
       klärte, seines Wissens sei die Beteiligung der CIA nur finanziel-
       ler Natur  gewesen, und sie habe nie versucht, die veröffentlich-
       ten Dienste  zu kontrollieren  oder den  Foreign News  Service zu
       Tarnungszwecken zu benutzen.
       
       Ausgabe von Presseausweisen
       ---------------------------
       
       Im Gegensatz  dazu war der Continental Press Service, dessen Zen-
       trale in  Washington war  und von einem CIA-Mann namens Fred Zusy
       geleitet wurde,  direkt im Besitz der CIA. Eine seiner Hauptfunk-
       tionen bestand  darin, amtlich  aussehende laminierte  Presseaus-
       weise an CIA-Agenten auszugeben, die dringend Tarnung benötigten.
       "Editors Press  Service" war  ein etablierter  Feature-Dienst mit
       Abnehmern in  ganz Lateinamerika,  bis er  nach Aussage  von zwei
       früheren CIA-Beamten  und einer  dritten maßgeblichen  Quelle  in
       eine Verteilerstelle  für CIA-inspirierte  Propaganda umgewandelt
       wurde. Ein  früherer CIA-Mann erklärte, der Dienst, damals im Be-
       sitz von  Joshua B.  Powers Sr.,  sei eine  Ausgabestelle gewesen
       "für Klischse-Stories,  von Informationsartikel,  die von der CIA
       vorbereitet oder  für die  CIA vorbereitet waren". Powers gestand
       ein, daß  er ein  enger Freund des verstorbenen Oberst J.C. King,
       des langjährigen  Leiters der  CIA-Abteilung Westliche Hemisphäre
       gewesen sei, daß er als leitender Angestellter der CIA-finanzier-
       ten Henry-Clay-Stiftung  gearbeitet habe  und daß  er es  gewesen
       sei, der  die "South  Pacific Mail" von David A. Phillips gekauft
       habe und  auch während  der Periode Mitte der sechziger Jahre ihr
       Eigentümer gewesen  sei, als sie von David Hellyer als Deckmantel
       benutzt wurde. Powers konnte sich jedoch nur an eine einzige Ver-
       bindung zwischen "Editors Press" und der CIA erinnern. Er berich-
       tete, wie  er Mitte  der sechziger Jahre CIA-Gelder zur Finanzie-
       rung der Lateinamerikareisen eines seiner Autoren verwendet habe,
       und zwar für Guillermo Martinez Marquez, den exilierten Redakteur
       einer kubanischen  Zeitung. Marquez erklärte, er habe nie gewußt,
       daß das Geld, daß er von Powers erhalten habe, von der CIA gekom-
       men sei.
       Vielleicht der  am weitesten  verbreitete unter  den  CIA-eigenen
       Pressediensten war 'Forum World Features', gegründet 1958 als ein
       Untemehrnen in Delaware "Forum Information Service", mit Büros in
       London. "Forum"  war während eines langen Zeitraums seines Beste-
       hens offiziell  im Besitz  von John Hay Whitney, dem Verleger der
       "New York  Herald Tribune",  deren  Erscheinen  1966  eingestellt
       wurde. Nach  mehreren CIA-Quellen "wußte Whitney über die wirkli-
       che Rolle  der Agentur  Bescheid". Ein  Sekretär Whitneys  teilte
       mit, er  sei zu krank, um auf Fragen nach seiner Tätigkeit im Zu-
       sammenhang mit "Forum" zu antworten.
       Ebenfalls im  klaren über  die Rolle der CIA waren sich nach Mit-
       teilung ehemaliger  und heutiger  CIA-Vertreter der  konservative
       britische Journalist Brian Crozier, der laut Angabe der CIA-Leute
       ein vertraglich  verpflichteter Angestellter  der Agentur gewesen
       war, und Robert G. Gately. Gately, der Geschäftsführende Direktor
       von "Forum"  in den  frühen 60er Jahren, war ein Karrieremann der
       CIA, der auch später Tarnbeschäftigungen bei "Newsweek", als Fir-
       menmanager im Fernen Osten und beim "Asia Magazine" in Tokio aus-
       übte. Während  ihre Kollegen  in nahezu  allen großen Unternehmen
       der Nachrichtenbeschaffung berichteten, sie hätten mit der CIA zu
       tun gehabt,  haben leitende  Angestellte von  "Newsweek" erklärt,
       sei seien zwar sicher, daß keiner der gegenwärtig bei ihrer Zeit-
       schrift Beschäftigten  irgendwelche Beziehungen  zur  CIA  unter-
       halte, man  könne jedoch  ummöglich mit Sicherheit sagen, daß das
       auch in der Vergangenheit so gewesen sei.
       
       Amerikanische Zeitungen als Abnehmer
       ------------------------------------
       
       Obwohl die CIA nachdrücklich versichert hat, sie habe niemals di-
       rekt versucht,  ihre Propaganda  in die  amerikanische Presse  zu
       bringen, hatte die Presseagentur 'Forum World Features' zeitweise
       30 in  den USA erscheinende Zeitungen unter ihren Abnehmem, unter
       ihnen die "Washington Post", und versuchte auch, ohne Erfolg, ihr
       Material der  "New York  Times" zu  verkaufen.  Der  Verkauf  von
       Forum-Material an  die "Washington Post" und an andere amerikani-
       sche Zeitungen  brachte die  CIA, wie einer ihrer Beamten es aus-
       drückte, "in ein höllisches Dilemma". Das Verkaufen von Nachrich-
       tenmaterial, erklärte er weiter, wurde für notwendig befunden, um
       die Tarnung  der Organisation  aufrecht zu  erhalten und zeitigte
       fortgesetzte und  ziemlich hektische Bemühungen, um zu gewährlei-
       sten, daß  die Abnehmer  im eigenen  Lande nur korrekte Meldungen
       erhielten.
       Eine weitere  große ausländische Nachrichtenorganisation, von der
       CIA-Beamte  sagen,  sie  hätten  sie  einst  subventioniert,  war
       "Vision", das überall in Europa und Lateinamerika verbreitete wö-
       chentlich erscheinende  Nachrichtenmagazin. Niemand  der  an  der
       Gründung von  "Vision" Beteiligten oder im Laufe der Jahre im Ma-
       negement Beschäftigten hat jedoch von irgendwelchen Anzeichen da-
       für berichtet, daß die CIA Gelder in das Magazin gesteckt hat.
       Zu den  nachrichtenbezogenen Organisationen,  in deren  Tätigkeit
       die  CIA   im  Laufe   der  Jahre  verwickelt  war,  gehören  der
       Internationale Journalistenverband  in  Brüssel,  der  CIA-Gelder
       über die  American Newspaper  Guild -  heutige  Bezeichnung:  The
       Newspaper Guild  - für einen organisatorischen Zusammenschluß von
       Journalisten in Asien, Afrika und Europa erhielt. Ebenso über die
       Gilde mit  Geldmitteln ausgestattet wurde das lateinamerikanische
       Gegenstück  des   Verbandes,  die  Inter-American  Federation  of
       Working Newspapermen's  Organizations, die  für die Dauer einiger
       Jahre gewerkschaftliche  Organisation und Journalistenseminare in
       Südamerika durchführte.
       Wiederum  eine   andere  Organisation,   die  die  CIA  zu  ihren
       "verdeckten Aktionsreserven" zählte, war die Inter-American Press
       Association, eine Gruppe angesehener Verlagshäuser in den USA und
       in Lateinamerika, zu deren Mitgliedern auch die "New York Times",
       die "Washington  Post" sowie  die Magazine  "Time" und "Newsweek"
       gehörten. Diese Vereinigung wurde mindestens einmal im Rahmen der
       ausgedehnten Propagandakampagne eingesetzt, die die CIA gegen den
       chilenischen Präsidenten  Salvadore Allende Gossens in den Jahren
       vor September  1973 führte,  vor dem  Zeitpunkt also  an dem  Dr.
       Allendes marxistische  Regierung gestürzt  und er selbst ermordet
       wurde. Innerhalb  einer Woche nach der Entscheidung der Regierung
       Nixon vom  14. September 1970 noch einmal einen äußersten Versuch
       zu unternehmen,  um die Wahl Dr. Allendes zum Präsidenten zu ver-
       hindern, "instrumentierte die CIA", wie es im Bericht des Geheim-
       dienstausschusses beim  amerikanischen Senat  heißt,  "über  ihre
       verdeckten Aktionsreserven  einen Protest  seitens einer interna-
       tionalen Presse-Assoziation  und organisierte  die weltweite Ver-
       breitung dieses Protestes". Der Bericht nannte die Pressevereini-
       gung nicht  beim Namen, am 19. September 1970 veröffentlichte je-
       doch die  Inter-American Press Association eine Erklärung, die am
       darauffolgenden Tag weite Unterstützung fand. Darin wurde die An-
       klage erhoben,  die Freiheit der Presse werde in Chile aufs Spiel
       gesetzt, und  dies sei  das Ergebnis seiner gemeinsamen Störungs-
       und Einschüchterungskampagne  von der Seite Dr. Allendes und sei-
       ner marxistischen Verbündeten.
       
       III. Die CIA stellte viele Verbindungen zu Journalisten
       -------------------------------------------------------
       in den USA und im Ausland her
       -----------------------------
       
       Vor einigen  Jahren wurde  eines Tages  der  Korrespondent  einer
       großen Zeitung  des Mittleren  Westens bei seiner Ankunft in Bel-
       grad von Kollegen gefragt, ob er Lust habe, den örtlichen Vertre-
       ter seiner  Zeitung zu treffen. Da er wußte, daß seine Zeitung in
       Belgrad niemanden beschäftigte, oder das jedenfalls annahm, stieg
       der Korrespondent  die Treppe  im Hotel  des Mitarbeiters hinauf,
       konnte jedoch  nur noch  einen flüchtigen Blick auf den Mann wer-
       fen, der  eine andere  Treppe hinunterrannte  und ihm  zurief, er
       müsse noch  ein Flugzeug  nach Prag  erreichen. Der Korrespondent
       war konsterniert,  sagte jedoch, er habe später erfahren, daß der
       Mann ein  Agent der  Central Intelligence  Agency  war,  der  die
       Flucht ergriffen  hatte, um seine Tarnung aufrechtzuerhalten, und
       daß er  seinen Presseausweis  direkt vom Verleger der Zeitung er-
       halten hatte.  Er hatte  mit dem Verleger vereinbart, die Angele-
       genheit geheimzuhalten,  und hatte sich offenbar nicht vorstellen
       können, daß einer der rechtmäßigen Korrespondenten dieser Zeitung
       unerwartet auftauchen könnte.
       Dieser Fall war nur einer unter Dutzenden anderen, die im Verlauf
       einer dreimonatigen  Untersuchung der "New York Times" ans Tages-
       licht kamen.  Gegenstand der Untersuchung waren die dreißig Jahre
       währenden Verbindungen  der CIA  zur Nachrichtenindustrie  in den
       USA und im Ausland sowie vor allem ihre Beziehungen zu amerikani-
       schen Journalisten in Übersee. In Interviews mit zahlreichen frü-
       heren und  heutigen Geheimdienstbeamten, Journalisten und anderen
       mit der  Situation vertrauten  Personen überprüfe die "Times" die
       Namen von  200 Einzelpersonen  und Organisationen, denen von ver-
       schiedener Seite mögliche Geheimdienstkontakte nachgesagt wurden.
       Fast 20  Korrespondenten wurden  ausfindig gemacht, die berichte-
       ten, sie  hätten Beschäftigungsangebote  der CIA  abgelehnt.  Die
       "Times" erhielt  jedoch auch die Namen von über 30 amerikanischen
       Journalisten, die  seit dem  Zweiten Weltkrieg  als Geheimdienst-
       agenten tätig waren, in den meisten Fällen für die CIA, sowie von
       mindestens einem  Dutzend weiterer  amerikanischer Reporter, die,
       obwohl unbezahlt,  von der CIA zu ihren operativen "Aktivposten''
       gerechnet wurden.  Außerdem haben  während der  letzten 30  Jahre
       mindestens 12  hauptberufliche CIA-Beamte  im Ausland  gearbeitet
       und sich  dabei als  Angestellte amerikanischer Presse- und Nach-
       richtenorganisationen ausgegeben. Von den über 70 Einzelpersonen,
       die von  der "Times" als Angehörige einer dieser Kategorien iden-
       tifiziert wurden,  sind einige verstorben und konnten viele nicht
       mehr ausfindig gemacht werden. Von den übrigen bekräftigte jedoch
       eine ganze  Reihe ihre früheren Beziehungen, und einige berichte-
       ten in  aller Offenheit über ihre Erfahrungen, obwohl nahezu alle
       darum baten,  nicht namentlich  genannt zu  werden.  "Ich  möchte
       jetzt hier  zuhause in  einem Lande  leben, das mir gefällt, ohne
       befürchten zu müssen, daß mir eine Bombe ins Fenster fliegt", er-
       klärte ein  früherer Korrespondent von ABC-News, der in den fünf-
       ziger Jahren  für die  CIA gearbeitet  hatte. Bei  ABC sagte  der
       langjährige Vizepräsident  William Sheehan,  in der Presseagentur
       sei man  "befriedigt darüber,  daß es unter unserem Personal nie-
       manden in einer derartigen Doppelrolle gegeben hat".
       Von den Interviewten bestanden alle darauf, so beispielsweise ein
       früherer Vertreter  von "Time" in Rom, daß es ihnen möglich gewe-
       sen sei, zwischen ihrer Geheimdienstarbeit und ihrer journalisti-
       schen Laufbahn  einen Trennungsstrich zu ziehen, wenn auch in ei-
       nigen Fällen  unter psychologischen  Opfern.  Niemand  von  ihnen
       sagte, daß die CIA sie jemals dazu ermuntert habe, ihre Depeschen
       den Absichten  der CIA anzupassen oder sich journalistisch in ir-
       gend einer  anderen Weise zu kompromittieren. Einige äußerten die
       Befürchtung, Publizität  würde sie  um ihre Arbeitsplätze bringen
       oder eine  künftige Anstellung erschweren. Die CIA traf keine fi-
       nanzielle Vorsorge,  um den  Schock der  Trennung erträglicher zu
       machen, als  sie im vergangenen Jahr die Beziehungen zu den letz-
       ten ihrer  Reporter-Agenten beendete;  einer von  ihnen, bis  vor
       kurzem ein CBS-Reporter in Europa, verpackt heute Pakete in einem
       Warenhaus in Florida.
       
       Das Klima des Kalten Krieges
       ----------------------------
       
       Einige der  interviewten Journalisten und CIA-Beamten wiesen dar-
       auf hin,  es sei auf der Höhe des Kalten Krieges akzeptabel gewe-
       sen, mit  der CIA  in einer  Weise zusammenzuarbeiten,  die heute
       sowohl von  der Agentur als auch von der Rerufsgruppe der Journa-
       listen für  unangebracht gehalten wird. Ein höherer CIA-Vertreter
       im Ruhestand  erklärte: "Zusammenarbeit  war angebracht. Ich ver-
       mute, daß  sich das im Jahre 1977 seltsam ausnimmt. Damals jedoch
       war die Zusammenarbeit nichts Seltsames." In diesem Monat hat die
       CIA eine neue Geschäftsordnung veröffentlicht, in der all bezahl-
       ten oder  unbezahlten  Beziehungen  zu  Reportern  amerikanischer
       Nachrichtenorganisationen mit  allgemeiner Verbreitung  untersagt
       sind - außer mit ausdrücklicher Genehmigung des CIA-Direktors.
       Auf die seit langem praktizierten Beziehungen der Agentur zu ame-
       rikanischen Journalisten  wurde die  Öffentlichkeit zum erstenmal
       im Jahre 1973 aufmerksam, als William E. Colby als damaliger CIA-
       Direktor Reporter  in Washington  mit einigen Hintergrundinforma-
       tionen bekannt  machte. Der  "Washington  Star"  berichtete  über
       diese Praxis,  was zu Untersuchungen durch zwei Kongreßausschüsse
       führte. Eins  der Gremien, der Geheimdienstausschuß des Repräsen-
       tantenhauses, wird  in dieser  Sache Hearings abhalten, die heute
       beginnen, und das entsprechende Organ des Senats erwägt ebenfalls
       eine öffentliche  Untersuchung. Das  Thema wurde vor drei Monaten
       erneut aufgegriffen, als der freiberuflich recherchierende Repor-
       ter Carl  Bernstein in  der Zeitschrift  "Rolling Stone" schrieb,
       rund 400  amerikanische Journalisten hätten seit der Gründung der
       Agentur im  Jahre 1947  "insgeheim Aufträge  für die  CIA  ausge-
       führt", in vielen Fällen mit Wissen und Billigung leitender Ange-
       stellter des Nachrichtenwesens. Andererseits versicherten alle im
       Rahmen der  "Times"-Untersuchung interviewten früheren und heuti-
       gen CIA-Vertreter einhellig, die Anzahl der von der CIA bezahlten
       Journalisten  sei,   wie  ein   früherer  Mitarbeiter   erklärte,
       "ziemlich bescheiden"  gewesen. "Wenn  Sie eine Geschichte von 25
       Jahren genau  überprüfen", meinte  der  frühere  CIA-Mitarbeiter,
       "dann werden Sie auf Gesamtzahlen von etwa 40 oder 50 Leuten kom-
       men." Andere setzten die Gesamtzahl auf 100 an. In jener Zeit gab
       es tatsächlich  Tausende von Korrespondenten amerikanischer Nach-
       richtenorganisationen, die im Ausland tätig waren.
       Verschiedene CIA-Beamte  wiesen darauf  hin, daß  die CIA  selbst
       nicht genau  wisse und  wahrscheinlich auch nie wissen könne, wie
       viele amerikanische Journalisten im Laufe der Jahre auf ihrer Ge-
       haltsliste gestanden  haben. Die Akten der Agentur sind weit ver-
       streut und unvollständig, wie sie sagen, und viele der im Ausland
       getroffenen Abmachungen  sind unter Umständen niemals in der CIA-
       Zentrale festgehalten worden.
       Seit sich  in den  vergangenen Monaten  die Aufmerksamkeit erneut
       auf die früheren Versuche der CIA konzentriert hat, die Presse in
       ihre Propagandabemühungen einzubeziehen, haben Auslandskorrespon-
       denten berichtet,  verstärkter Argwohn seitens der Bürger anderer
       Länder habe  das Sammeln  von Nachrichten schwieriger werden las-
       sen. Eine  Meinungsumfrage der  "Times" unter  ihren eigenen Aus-
       landskorrespondenten erbrachte  verschiedene Äußerungen, in denen
       daran erinnert  wurde, daß  in einigen Teilen der Welt amerikani-
       sche Journalisten  wie auch diejenigen der meisten übrigen Länder
       immer verdächtigt  worden sind,  nebenher als Geheimdienstagenten
       tätig zu  sein. Ein  Korrespondent kabelte  jedoch aus Indien, es
       gebe "bei  einigen von uns die ziemlich neue Praxis, öffentlichen
       Kontakten mit  bekannten CIA-Leuten  aus dem  Wege zu  gehen". Er
       schrieb, solche  Kontakte "könnten nur einen bestehenden Verdacht
       bestätigen".
       Alles in  allem ergab  die dreimonatige "Times"-Untersuchung, daß
       mindestens 22  amerikanische Nachrichtenorganisationen, wenn auch
       manchmal nur gelegentlich, amerikanische Journalisten beschäftigt
       haben, die  auch für  die CIA arbeiteten. In einigen Fällen waren
       sich die Organisationen über die CIA-Verbindung im klaren, in den
       meisten scheinen  sie es jedoch nicht gewesen zu sein. Zu den Or-
       ganisationen, die von einigen der einflußreichsten der USA bis zu
       einigen der  obskursten reichen,  gehören ABC-  und CBS-News, die
       Zeitschriften "Time",  "Life" und  "Newsweek", die  "New York Ti-
       mes", die  "New York Herald Tribune", Associated Press und United
       Press International.  Ebenfalls dazu gehörten die Scripps-Howard-
       Zeitungskette, der  "Christian Science Monitor", das "Wall Street
       Journal", das  "Louisville Courier-Journal" und Fodor's, ein Ver-
       lag für  Reiseführer. Unter  den weniger bekannten Organisationen
       befanden sich  der College  Press Service,  "Business Internatio-
       nal", die  McLendon Broadcasting  Organization, "Film  Daily" und
       eine in  Washington erschienene,  inzwischen eingestellte  Under-
       ground-Zeitung, "The Quicksilver Times".
       Edward W.  Estlow, Präsident der Scripps-Howard-Gruppe, erklärte,
       es sei  zwar möglich, daß einige der Korrespondenten seiner Orga-
       nisation "damals in den alten Tagen" solche Kontakte gehabt haben
       könnten, "wir  haben jedoch vor ungefähr fünf Jahren unsere Orga-
       nisation gründlich  durchgekämmt" und damals keine mehr ausfindig
       gemacht. Meist  waren nach Aussage früherer und heutiger CIA-Ver-
       treter die für die Agentur arbeitenden Journalisten eine Mischung
       aus örtlichen  Vertretern und  freien Mitarbeitern, sowie zusätz-
       lich einigen  Korrespondenten,  die  den  Redaktionsstäben  ange-
       hörten.
       Örtliche und freie Mitarbeiter waren nach Aussage der CIA-Vertre-
       ter frei  von den  anstrengenden Terminplanen  der für die großen
       Nachrichtenagenturen im  Ausland tätigen  Spitzenkorrespondenten,
       und sie  brauchten meist  auch das zusätzliche Geld, das eine Tä-
       tigkeit für  die CIA  abwarf. Ein  früherer höherer CIA-Vertreter
       sagte, er habe stets die "schwer ackernden" Reporter mit antiame-
       rikanischem Ruf,  Leute, "die  nicht genug  Befriedigung in ihrem
       Beruf fanden",  gegenüber denen, die nur auf finanzielle Vorteile
       bedacht waren,  bevorzugt. "Ich war nicht auf Söldner aus", sagte
       er.
       Im allgemeinen  war die Bezahlung nicht gut. Mehrere frühere Sta-
       tionsleiter berichteten,  ein örtlicher  Zeitungsmann, der  gele-
       gentlich kleinere Aufträge ausführte, habe lediglich etwa 50 Dol-
       lar im  Monat erhalten.  Für andere,  die sich  stärker engagiert
       hätten, habe sich die Summe bis auf einige hundert Dollar erhöhen
       können. Waren  Tarnaufträge auszuführen, dann wurde das Geld über
       die Gehaltsbüros  der Nachrichtenorganisationen  geleitet, in den
       meisten Fällen  zog es die CIA jedoch vor, ihre Agenten über Kon-
       ten bei  großen New  Yorker Banken auszuzahlen. Reporter größerer
       Publikationen, von  denen man  besseren Zugang  zu  ausländischen
       Stellen und breitere örtliche Kontakte erwarten konnte, erhielten
       andererseits finanzielle  Angebote, die  der Höhe ihrer regulären
       Einkommen gleichkamen. Wayne Phillips berichtete, er habe, als er
       in den  frühen 50er  Jahren in  New York  als  Reporter  für  die
       "Times" arbeitete, von der CIA 5000 Dollar jährlich angeboten er-
       halten, falls  er sich  bereit erklären würde, für sie im Ausland
       tätig zu  sein. Ein  weiterer Journalist,  Korrespondent für  das
       Nachrichtenmagazin "Time"  in Brasilien,  sagte, er habe etwa zur
       gleichen Zeit  eine  ähnliche  Summe  angeboten  erhalten.  Keyes
       Beech, der  langjährige Fernostkorrespondent  der "Chicago  Daily
       News", berichtete,  ihm seien  von der CIA 12 000 Dollar jährlich
       angeboten worden,  wenn er  während seiner  Rundreisen  in  Asien
       "Nachforschungen anstellen  und Berichte  abliefern" würde. Keyes
       Beech und der Korrespondent von "Time" sagten aus, sie hätten die
       Angebote der  CIA abgelehnt,  und auch die Vereinbarung mit Wayne
       Phillips kam infolge von Komplikationen nicht zustande.
       
       Wenige waren informiert
       -----------------------
       
       In nahezu allen Organisationen, in denen Arbeitgeber festgestellt
       wurden, die  der CIA behilflich waren, gaben leitende Angestellte
       - zum  Teil nach  internen Ermittlungen  - an,  sie hätten  keine
       Kenntnis von  früheren Beziehungen  ihrer Korrespondenten zur CIA
       gehabt.  Eugene   Fodor  gab  in  einem  Interview  zu,  er  habe
       CIA-Agenten gestattet, sich im Ausland dadurch zu tarnen, daß sie
       als Reporter für seine Serie von Reiseführem arbeiteten. "Sie wa-
       ren alle  äußerst professionell  hochqualifiziert", sagte  er von
       den Agenten, "und wir haben es nie zugelassen, daß Politik in die
       Bücher geschmuggelt  wurde." Eine  Verbindung wurde  auch von El-
       liott Haynes  zugegeben, der  ebenso wie sein Vater zu den Mitbe-
       gründern von Business International gehört, einem in weiten Krei-
       sen angesehenen  Wirtschaftsinformationsdienst. Er erklärte, sein
       Vater habe  zwischen 1955  und 1960 vier CIA-Angestellten in ver-
       schiedenen Ländern zur Tarnung verholfen.
       In vielen  Fällen waren  sich nach  Aussage der  Gewährsleute die
       Vertreter des Managements nicht im klaren darüber, daß sie in den
       Reihen ihres  Personals Agenten  oder höhere  Mitarbeiter der CIA
       beherbergten, und  verschiedene ehemalige  Vertreter der  Agentur
       berichteten, daß in Fällen, in denen ein Reporter als Agent ange-
       worben wurde, eine Benachrichtigung seiner Vorgesetzten nicht er-
       forderlich war.  Wenn er  die Gelegenheit hatte, einen amerikani-
       schen Journalisten  seiner Kette  von Agenten hinzuzufügen, erin-
       nerte sich ein früherer CIA-Beamter, "fragte ich nicht danach, in
       welchem Ausmaß  sein Arbeitgeber  über diese  Tätigkeit  Bescheid
       wußte". Ein  anderer CIA-Mann stimmte dem zu und meinte: "Die An-
       gelegenheit wurde  nur dann  weitergetragen, wenn der Mitarbeiter
       selbst in dieser Weise abgesichert werden wollte. Sagte er jedoch
       'Ich will,  daß niemand etwas davon erfährt', dann ging die Sache
       nicht weiter."
       Die meisten der Reporter-Agenten wurden nach Aussage der Berichte
       gebeten, Vereinbarungen zu unterschreiben, in denen sie sich ver-
       pflichteten, über  jede ihnen zukommende vertrauliche Information
       Stillschweigen zu  bewahren. Diese  Vereinbarungen legten  jedoch
       auch die  CIA auf  die von ihr zugesicherte Vertraulichkeit fest,
       und der  frühere CIA-Vertreter sagte, die meisten Reporter hätten
       sie zu  ihrem eigenen  Schutz gewünscht.  Nur in Fällen, in denen
       von einer Nachrichtenorganisation die Tarnung für einen regulären
       führenden CIA-Beamten zur Verfügung gestellt wurde, hatte das Ma-
       nagement der  Organisation nach  Mitteilung der  Gewährsleute mit
       Sicherheit Kenntnis von der Vereinbarung.
       
       Nebentätigkeiten
       ----------------
       
       In einer  Reihe solcher  Fälle beinhalteten die zur Verfügung ge-
       stellten Arbeitsbereiche  nicht die  Beschallung  von  Meldungen,
       sondern umfaßten  Nebentätigkeiten wie  Werbung, Herstellung  und
       Vertrieb. So versorgten zum Beispiel drei Geschäftsführer des Bü-
       ros von  "Newsweek" in Tokio die CIA über einen Zeitraum von acht
       Jahren mit  Berichten. Edward  Kosner, der Geschäftsführende Her-
       ausgeber von "Newsweek", erklärte, die Politik des Nachrichtenma-
       gazins habe,  "so lange ich dabei bin, immer darin bestanden, daß
       Angestellte von  'Newsweek' für 'Newsweek' und nur für 'Newsweek'
       arbeiten." Er  fügte jedoch  hinzu: "Auf Alte Geschichte kann ich
       hier nun wirklich nicht eingehen."
       Aber auch  Korrespondentenjobs wurden zur Verfügung gestellt, und
       in einigen  Fällen ging  die CIA  sogar so weit, der betreffenden
       Nachrichtenorganisation die  entstandenen Unkosten  zu erstatten.
       "Es kam  schon vor,  daß wir Gelder für ein Büro oder für die Er-
       weiterung eines Büros zur Verfügung stellten", sagte ein früherer
       CIA-Mann. Selbst  dann war  es nach  Angabe verschiedener Quellen
       nicht üblich, daß man mit leitenden Vertretern der Nachrichtenor-
       ganisation Kontakt  aufnahm, um  die Einzelheiten zu arrangieren,
       wenn auch die meisten CIA-Direktoren, vor allem Richard Helms und
       der verstorbene  Allen Dulles,  eng mit  den Vorstandsmitgliedern
       einiger der einflußreichsten Nachrichtenorganisationen der Nation
       befreundet waren.
       Wenn sich  solche Männer  trafen, was sie häufig taten, dann ging
       die Tendenz  dahin, wie  ein CIA-Beamter  meinte, daß  auf "hoher
       Ebene" konferiert  wurde. "Sie  ließen die Welt Revue passieren",
       sagte er  und fügte  hinzu, er  habe nie eine Diskussion über die
       Anwerbung von  Reportern oder  das Gewähren  von Tarnung  gehört,
       "und ich  war dort  bei Brandy und Zigarren verschiedene Male da-
       bei." Allen  Dulles ist  tot, und  Mr. Helms,  den wir  in seiner
       Wohnung in  Washington erreichten,  sagte: "Ich habe beschlossen,
       über das  alles nicht  zu reden, niemals." Mr. Colby hat es immer
       wieder abgelehnt,  sich zu  irgendeinem Detail zu äußern. John A.
       McCone jedoch, der von 1961 bis 1965 CIA-Direktor war, bestätigte
       den Eindruck  anderer CIA-Beamter,  auf höchster  Ebene  sei  man
       nicht beteiligt  gewesen. In  einem Interview, das in seiner Woh-
       nung in Seattle geführt wurde, erklärte McCone: "Was irgendwelche
       Spitzengespräche mit  'Time' oder 'Newsweck' oder der 'Washington
       Post' oder  der 'New York Times' anbetrifft, die etwa besagt hät-
       ten, 'Sehen  Sie, wir brauchen einen Mitarbeiter drüben in Brasi-
       lien, und wir hätten ihn gern als 'Newsweek'-Vertreter getarnt' -
       so etwas gab es meines Wissens nicht."
       McCone sagte,  es habe  auch keine  Spitzengespräche gegeben, von
       denen er wisse, die sich auf die zeitweilige Beschäftigung von im
       Ausland tätigen  amerikanischen Journalisten bezogen hätten. "Ich
       würde meinen,  wenn es irgendwelche offiziellen Beziehungen gege-
       ben hat",  erklärte McCone", dann hätten sie erneuert werden müs-
       sen. Meiner  Ansicht nach würde kein verantwortlicher Herausgeber
       sagen 'Ich  habe eine  Vereinbarung mit Allen Dulles, und es ver-
       steht sich  von selbst,  daß ich  sie dann  auch mit  John McCone
       habe'." Auf  die Frage,  ob irgend  jemand zu  ihm gekommen  sei,
       nachdem er  das Amt  von Allen  Dulles übernommen  hatte, um eine
       derartige Vereinbarung zu erneuern, antwortete McCone: "Niemand."
       
       Institutionen mit der weitesten Verbreitung
       -------------------------------------------
       wurden am häufigsten benutzt
       ----------------------------
       
       Im Verlauf  der "Times"-Studie  ergab sich, daß die CIA von ihren
       Verbindungen zu  "Time", "Newsweek",  CBS News  und  zur  "Times"
       selbst häufigeren  Gebrauch machte als von ihren Kontakten zu den
       übrigen Nachrichtenorganisationen. Aus verschiedenen Quellen ging
       hervor, daß  sich in den von der CIA dem Geheimdienstausschuß des
       Senats vorgelegten  Akten nichts befand woraus zu entnehmen gewe-
       sen wäre,  daß Männer  wie Henry Luce, der Gründer von Time Inc.,
       oder Arthur  Hays Sulzberger,  der langjährige  Verleger der "New
       York Times",  jemals um  solche Abmachungen  ersucht worden wären
       oder dazu ihre persönliche Zustimmung gegeben hätten. Die "Times"
       hat wiederholt  erklärt, sie  habe weder  Unterlagen über  solche
       Übereinkünfte noch  Angehörige ihres Personals finden können, die
       von ihnen Kenntnis hatten.
       Edward S.  Hunter, ein  CIA-Mann im  Ruhestand, der Ende der 40er
       Jahre in  Hongkong als  Korrespondent für  "Newsweek" tätig  war,
       sagte, er  glaube, nur  Harry Kern,  der damalige außenpolitische
       Redakteur des  Nachrichtenmagazins, nicht  jedoch dessen  Gründer
       Malcolm Muir,  sei sich  über seine  Geheimdienstverbindungen  im
       klaren gewesen. Kern erklärte dazu, wenn er sich je einer solchen
       Beziehung bewußt  gewesen sei,  dann könne  er sich  nicht  daran
       erinnern, und  Muir teilte mit, er habe nie gewußt, daß "die Jun-
       gens von Newsweek" Geld von der CIA genommen hätten.
       Die Situation  im Hinblick auf William S. Paley, den Vorsitzenden
       von CBS  Inc., ist weniger klar. Sig Mickelson, ein früherer Prä-
       sident der  CBS News,  hat erklärt,  er sei vor einigen Jahren in
       Paleys Büro  dabei gewesen, als zwei CIA-Vertreter zugegeben hät-
       ten, Austin  Goodrich, der  Stockholmer Mitarbeiter  der Sendean-
       stalt, arbeite  für die  CIA. CBS  teilte in  einer Verlautbarung
       mit, Paley  erinnere sich nicht an dieses Treffen, obwohl er sich
       durchaus an  ein Treffen  mit Mickelson  und jemandem von der CIA
       erinnern könne,  auf  dem  man  "die  Ausstellung  eines  Presse-
       ausweises für  einen CIA-Agenten  diskutiert habe; der Agent habe
       ein Gebiet  übernehmen sollen, das für die CIA von entscheidender
       Wichtigkeit, für  CBS News  jedoch  nur  von  geringem  Interesse
       gewesen sei".  "Niemand der zur Zeit bei CBS Beschäftigten weiß",
       hieß es  in der  Verlautbarung weiter,  "ob dieser  Presseausweis
       tatsächlich ausgestellt wurde."
       Wenn solche Vereinbarungen ausgehandelt wurden, sagte ein Vertre-
       ter der  CIA, dann  wurden sie  in der  Regel "auf  der Ebene des
       mittleren Managements"  sowohl der  CIA als  auch der betroffenen
       Nachrichtenorganisation ausgearbeitet,  und auch  dann  auf  fast
       beiläufige Art und Weise.
       
       Keine bindenden Verträge
       ------------------------
       
       "Es war  nicht formell,  es gab  keine Verträge, nichts, das sich
       hätte belegen lassen", sagte der CIA-Beamte. "Es war einfach eine
       Übereinkunft. Manchmal  gab es  Besprechungen. Aber  es fand nie,
       nie einen  Niederschlag in  irgendeiner Art  formeller Abmachumg.
       "Der Beamte  wollte die Repräsentanten der mittleren Ebene im Me-
       dienmanagement, die am Aushandeln solcher Übereinkünfte beteiligt
       waren, nicht  beim Namen nennen; einige von ihnen sollen dem Ver-
       nehmen nach noch im Bereich der Nachrichtenmedien aktiv sein.
       Robert Campbell, ein CIA-Agent, der bei einer amerikanischen Zei-
       tung arbeitete,  übernahm vor  einigen Jahren eine Reportertätig-
       keit beim  "Courier-Journal" in  Louisville,  Kentucky.  Die  CIA
       hatte beabsichtigt,  wie einer ihrer Vertreter erklärte, Campbell
       etwas Zeitungserfahrung  sammeln zu  lassen, bevor  man ihn unter
       journalistischer Tarnung  ins Ausland schickte; aufgrund von Kom-
       plikationen ging er jedoch nie nach Übersee. Leitende Angestellte
       des "Courier-Journal"  teilten mit, sie hätten erst nach dem Aus-
       scheiden Campbells erfahren, daß er bei der CIA gewesen sei.
       Ein CIA-Vertreter berichtete, die Ridder-Zeitungskette, die jetzt
       einen Teil  der  Knight-Ridder-Organisation  bildet,  habe  zuge-
       stimmt, sich an einem ähnlichen Arrangement zu beteiligen, ebenso
       der in  San Diego  stationierte Copley  News Service. B.H. Ridder
       Jr., Stellvertretender  Vorsitzender von Knight-Ridder und Präsi-
       dent der  Ridder Publications,  sagte dazu:  "Wenn solche Dienste
       erwiesen wurden,  dann wären  sie nur  auf Ersuchen der Regierung
       hin erwiesen  worden. Ich habe wirklich nicht die Erlaubnis, über
       diese Dinge  zu reden."  Bei Copley erklärte man, niemand von den
       Führungskräften wisse  irgend etwas  von solchen  Abmachungen mit
       der CIA,  und von den interviewten Gewährsleuten konnte auch nie-
       mand Namen von Copley-Korrespondenten angeben, die jemals auf der
       Gehaltsliste der  CIA gestanden  hätten.  Andererseits  erinnerte
       sich eine  frühere Copley-Korrespondentin daran, daß sie im Laufe
       der Jahre  bei wichtigen  aktuellen Ereignissen  in Lateinamerika
       manchmal von  bis zu  sechs Unbekannten  umringt gewesen sei, die
       alle Copley-Presseausweise  hatten. Forschte sie dann bei den Re-
       dakteuren in  San Diego nach, so sei ihr immer wieder gesagt wor-
       den, sie  sei der einzige Korrespondent für Copley am Ort des Ge-
       schehens.
       CIA-Beamte, die unter journalistischem Deckmantel arbeiteten, wa-
       ren nicht immun gegen den oft beträchtlichen Druck, dem ihre Kol-
       legen ausgesetzt  waren, die  als amerikanische Geschäftsleute im
       Ausland oder  unter anderer,  "nicht offizieller" Tarnumg auftra-
       ten. Man  mußte beiden Laufbahnen die gleiche Aufmerksamkeit wid-
       men. "Journalistische  Tarnung kann man nicht beliebig lange auf-
       rechterhalten", sagte  ein früherer CIA-Mann. "Den örtlichen Zei-
       tungsleuten wird  ein unechter Kollege auffallen, es sei denn, er
       wolle 99,9 Prozent seiner Zeit mit Bona-fide-Aktionen verbringen,
       und in diesem Fall ist er für uns praktisch nutzlos."
       
       Von "Newsweek" entlassen
       ------------------------
       
       Ein Beispiel  dafür ist  Robert G.  Gately, ein  CIA-Beamter, der
       Ende der  50er Jahre seine Arbeit in Tokio als Fernost-Geschäfts-
       führer für  "Newsweek" aufnahm. Als seine Tätigkeit für das Nach-
       richtenmagazin nachzulassen  begann, konnte er seinen unmittelba-
       ren Vorgesetzten  nichts von  den anderen  Dingen  erzählen,  die
       seine Aufmerksamkeit  in Anspruch nahmen, und verlor dabei seinen
       Job. Er  landete schließlich  im Tokio-Büro  des "Asia Magazine",
       einer in  Hongkong erscheinenden  Zeitungsbeilage, nur  um diesen
       Job ebenfalls wieder wegen schwacher Leistungen zu verlieren. Als
       wir ihn  in seinem  Haus in  einem Vorort Washingtons erreichten,
       weigerte sich  Gately, irgendwelche  Fragen über  seine Arbeit in
       der Vergangenheit zu beantworten.
       Ein Indiz für die allgemeine Uninformiertheit der leitenden Ange-
       stellten in  den Nachrichtenmedien,  soweit es  die  Verbindungen
       dieses Wirtschaftszweiges  zur CIA anbetrifft, war das Erstaunen,
       das in  den New  Yorker Büroräumen  der Times  vor einigen Jahren
       festzustellen war,  als der  Deutschlandkorrespondent der Zeitung
       in einem Brief erwähnte, Henry Pleasant, ein Mitarbeiter, der für
       die "Times"  Musikbesprechungen schrieb,  sei auch  der Chef  der
       Bonner CIA-Station.  Nach dieser  Enthüllung entließ  die "Times"
       ihn aus der Zeitungsarbeit.
       Die gleiche  Uninformiertheit auf höchster Ebene scheint auch bei
       anderen Nachrichtenorganisationen  der Fall gewesen zu sein. Meh-
       rere der dem verstorbenen Henry Luce am nächsten stehenden Redak-
       teure zum  Beispiel sagten,  er habe  es sich  ihnen gegenüber  -
       falls er es wußte - nie an merken lassen, daß irgendwelche Repor-
       ter des  Nachrichtenmagazins "Time"  auf der Gehaltsliste der CIA
       standen. James  Linen, 11 Jahre hindurch "Time"-Verleger, meinte,
       er habe  zwar nie mit Sicherheit gewußt, daß einige seiner Korre-
       spondenten für  die CIA arbeiteten, jedoch "immer angenommen, daß
       es einige  getan haben  müssen "  Aber er sagte auch, er habe nie
       Schritte unternommen, um es herauszufinden.
       Eine Anzahl  größerer Nachrichtenorganisationen  hat die  CIA  um
       Auskunft über  alle Verbindungen  gebeten, die  ihre Angestellten
       unter Umständen zur Agentur hätten unterhalten können, und in ei-
       nigen Fällen  wurden ihnen  Teilinformationen zur  Verfügung  ge-
       stellt. So  sagte beispielsweise  Benjamin Bradlee, Geschäftsfüh-
       render Redakteur  der "Washington Post", die CIA habe seiner Zei-
       tung mitgeteilt, den bis in das Jahr 1965 zurückgehenden Unterla-
       gen seien keinerlei Verbindungen mit Korrespondenten, die dem Re-
       daktionsstab angehörten,  zu entnehmen gewesen, es sei jedoch ein
       Grundsatz der  CIA, "keine  Kommentare zu  örtlichen Mitarbeitern
       abzugeben".
       Selbst denjenigen  leitenden Mitarbeitern  in den  Nachrichtenme-
       dien, die  in den  USA in  engem Arbeitskontakt  zur CIA standen,
       wurde unter Umständen nicht mitgeteilt, welche ihrer Auslandskor-
       respondenten für die Agentur tätig waren. Joseph G. Harrison, der
       lange Zeit  außenpolitischer Redakteur des "Christian Science Mo-
       nitor" war,  sagte, er habe sich in den 50er Jahren "gefreut, mit
       der CIA zusammenzuarheiten", und die Agentur mit Briefen und Auf-
       zeichnungen von Korrespondenten versorgt, in denen Hintergrundin-
       formationen enthalten waren, die sie in ihre Deposchen nicht auf-
       genommen hatten;  gelegentlich habe er auch einen Bericht weiter-
       geleitet, an  dem die  CIA ihr Interesse geäußert hatte. Harrison
       erklärte jedoch, er habe nie gewußt, daß einer seiner Reporter im
       Fernen Osten auch für die CIA als politischer Berater des asiati-
       schen Staatsoberhauptes fungierte, über das er berichtete.
       Nicht alle  der amerikanischen  Journalisten mit Geheimdienstver-
       bindungen wurden  von der  CIA bezahlt.  So  war  Panos  Morphos,
       Kriegsberichterstatter für "Newsweek" in Mitteleuropa, seinerzeit
       ein Agent  des Office  of Strategic Studies (OSS), des Vorläufers
       der CIA  im Zweiten  Weltkrieg. Einige andere hielt man, wie CIA-
       Vertreter berichteten, für bezahlte Agenten ausländischer Geheim-
       dienste, von  denen  einige  befreundete  Dienste  waren,  andere
       nicht. Ein solcher Journalist, ein Korrespondent des Nachrichten-
       magazins "Time"  in Osteuropa,  arbeitete für  einen Geheimdienst
       des Sowjetblocks.  Ein früherer  "Time"-Redakteur berichtete  je-
       doch, seitens  der Zeitschrift habe man von der Verbindung gewußt
       und "sie  als eine Art doppelten Bonus angesehen". Mindestens ein
       weiterer Journalist  war vielleicht  ein Doppelagent.  Edward  K.
       Thompson, der frühere Geschäftsführende Redakteur der Illustrier-
       ten "Life",  berichtete, ein amerikanischer Geheimdienstvertreter
       habe ihm  im Jahre 1960 gesagt, daß einer der Mitarbeiter der Il-
       lustrierten gleichzeitig  für die  CIA und  für einen feindlichen
       ausländischen Geheimdienst  arbeite. Thompson fügte hinzu, "Life"
       habe den Mann nie wieder beschäftigt. Mehrere frühere CIA-Vertre-
       ter erwähnten  einen kleineren  "flap" - ein Ausdruck der Agentur
       für "eine  kompromittierende Situation"  - ,  der sich nach ihren
       Aussagen Mitte  der 50er  Jahre im Mittleren Osten ereignete, als
       das Management einer größeren amerikanischen Nachrichtenorganisa-
       tion entdeckte, daß einer ihrer Korrespondenten insgeheim für die
       CIA gearbeitet hatte.
       
       Eine Verfahrensweise verschwindet allmählich
       --------------------------------------------
       
       Innerhalb der  Agentur wurde weder damals noch später eine Richt-
       linie herausgegeben,  die für  künftige Fälle  die Zustimmung des
       Managements erforderlich  gemacht hätte. Aber der Einsatz von Re-
       portern größerer  amerikanischer Nachrichtenorganisationen  durch
       die CIA  begann allmählich  aufzuhören, teils weil es schwieriger
       wurde, dazu  die Zustimmung  der CIA-Zentrale  zu erhalten, teils
       auch, weil,  wie es  ein ehemaliger  CIA-Beamter ausdrückte, "man
       das Gefühl  hatte, sie  würden ablehnen  und ihre Bosse würden es
       einem nicht  erlauben". Außerdem,  erklärte der  frühere CIA-Mann
       weiter, bestand  alles, was man zu tun hatte, um in einer auslän-
       dischen Hauptstadt  Nutzen aus  den örtlichen Kontakten der wich-
       tigsten Korrespondenten  zu ziehen,  darin, "zu den Cocktail-Par-
       ties zu gehen, zu denen man von ihnen eingeladen wurde".
       Dementsprechend begann  sich der  Schwerpunkt bei den Anwerbungen
       der CIA von den größten Nachrichtenorganisationen in Richtung auf
       die weniger  prominenten zu  verlagern. In  Tokio, wo während der
       50er Jahre  allein im Büro von "Newsweek" mindestens vier CIA-An-
       gestellte beschäftigt  waren, wurde Mitte der 60er Jahre ein CIA-
       Mann namens  Glenn Ireton als Korrespondent von "Film Daily" ein-
       gesetzt. Mr.  Ireton ist  inzwischen verstorben, und "Film Daily"
       hat sein Erscheinen eingestellt.
       Bevor einem amerikanischen Journalisten ein Beschäftigungsangebot
       unterbreitet wurde,  mußten  CIA-Rechercheure  nach  Aussage  von
       Agenturquellen in  den USA unauffällig den Hintergrund des Repor-
       ters bzw.  der Reporterin nach Anzeichen überprüfen, die ihn oder
       sie unter  Umständen zu  einem Sicherheitsrisiko  gemacht hätten.
       Ein CIA-Vertreter  gab zu,  daß die Überprüfungen ohne Wissen des
       Betroffenen vorgenommen  wurden; er  erklärte jedoch,  man  müsse
       nach den CIA-Vorschriften "immer, wenn man irgend etwas mit einem
       Kerl zu tun hat, ihn einer Überprüfung unterziehen".
       In den  meisten Fällen  liefen die  Überprüfungen auf  eine bloße
       Formalität hinaus; ein früherer Stationsleiter erinnerte sich je-
       doch an  den Fall eines in Mexiko lebenden Ehepaares: beide waren
       ausgezeichnete Korrespondenten,  die er  als Hauptkandidaten  für
       eine Anwerbung eingestuft hatte. Sie hatten dann jedoch die Über-
       prüfung ihres  Hintergrunds nicht  bestanden, weil sie Verbindung
       zu Linksextremen  hatten. Der  ehemalige Leiter  der  CIA-Station
       sprach über  die Gründe  für die Anwerbung eines örtlichen Korre-
       spondenten, den er beschrieb als "den Typ, der weiß, wo alle Ske-
       lette vergraben  sind, was  die wirkliche  Geschichte von dem und
       dem ist.  Der Stationschef,  neu im Amt, vereinbart mit ihm einen
       Termin. Sie  reden. Der  CIA-Mann hat  Informationen, die  ihn in
       gutem Licht  erscheinen lassen.  Wenn diese  Treffen sich für den
       Mann der  Agentur nicht  als fruchtbar  erweisen, dann werden sie
       aufhören. Auf  diese Weise ist es Sache des Journalisten, nützli-
       che Treffen daraus zu machen."
       Auch wenn  sich solche Korrespondenten nicht als CIA-Agenten qua-
       lifizieren konnten,  wurden sie  von der  CIA-Station am Ort doch
       als "Aktivposten" betrachtet und in den Akten der Agentur in die-
       ser Weise  katalogisiert. Nicht  alle  der  Beziehungen  zwischen
       Journalisten und der CIA schlossen Geld ein, und ebensowenig wur-
       den sie  alle im  Ausland aufgenommen. Viele Korrespondenten, die
       ihre Laufbahn  in Washington  durchlaufen haben,  wurden zu engen
       Freunden höherer  CIA-Beamter. Charles  J. V. Murphy schrieb noch
       für den  "Reader's Digest",  als er  von Allen Dulles nach dessen
       Abschied von der CIA im Jahre 1961 gebeten wurde, ihm beim Abfas-
       sen seiner  Memoiren zu helfen, und bekam tatsächlich ein Büro in
       der CIA-Zentrale.  Die Memoiren  sind nie  erschienen, und Murphy
       verlor sein  Büro, kurz  nachdem John McCone, Dulles' Nachfolger,
       es entdeckt hatte.
       
       Der New Yorker Verbindungsmann
       ------------------------------
       
       Mehrere große  amerikanische Nachrichtenorganisationen wurden als
       solche als  "Aktivposten" betrachtet,  wenn auch in einem anderen
       Sinne, und  in New York, wo die meisten Presse- und Rundfunkorga-
       nisationen ihre Zentralen besitzen, wurde ein Beamter des CIA-Bü-
       ros von  Manhattan als  Verbindungsmann zu verschiedenen Publika-
       tionen eingesetzt.  Dieser Mann,  der noch  immer aktiven  Dienst
       versieht und  darum bat,  seinen Namen  nicht zu  nennen, war ein
       häufiger Besucher  der Illustrierten  "Life", wo er sich unveröf-
       fentlichte Fotos  ansah, die  von dem  weltweiten  Bataillon  der
       "Life"-Fotografen stammten.  Er war außerdem bekannt als häufiger
       Besucher am  Mittagstisch der Redakteure der "New York Times", wo
       sein Hauptinteresse der Frage zu gelten schien, welche Korrespon-
       denten in Kürze auf Urlaub in die USA zurückkommen und vielleicht
       für eine Berichterstattung zur Verfügung stehen würden.
       Bis vor  einigen Jahren war es für amerikanische Korrespondenten,
       die in  die Heimat zurückkehrten oder sich auf einen Auslandsauf-
       enthalt vorbereiteten,  praktisch allgemein  üblich, einige  Zeit
       mit den  CIA-Experten über  "ihren" Teil der Welt zu konferieren;
       die Praxis  besteht auch  immer noch, obwohl nicht mehr so ausge-
       dehnt wie in der Vergangenheit. Häufig wurden nach Aussage frühe-
       rer CIA-Beamter  solche Reporter  darum gebeten,  beim Eintreffen
       auf ihren Auslandsposten aufmerksam auf bestimmte Nachrichtenthe-
       men zu achten, die für die CIA von Interesse waren, und viele ar-
       beiteten auf diese Weise mit der Agentur zusammen.
       Auf wiederum einer anderen Ebene der Beziehungen übernahm die CIA
       manchmal die  Ausgaben eines  Korrespondenten, der sich zur Über-
       nahme solcher Aufträge bereiterklärt hatte, vor allem, wenn er in
       ein Gebiet  reiste, in  dem die  Agentur nicht gut vertreten war.
       "Wenn jemand  in den  Irak ging", berichtete ein früherer höherer
       CIA-Vertreter, "dann  fragte die  CIA: 'Würden Sie für einige zu-
       sätzliche Tage dort bleiben, wenn wir Ihre Ausgaben übernehmen?'"
       Er meinte,  viele hätten das dann getan. Ein Journalist, der nach
       Aussage eines  höheren CIA-Beamten Reisegeld akzeptierte, war Hal
       Hendrix, der als Reporter für die "Miami News" den Pulitzer-Preis
       für seine Berichte zur Kubakrise des Jahres 1962 erhielt. Hendrix
       teilte in  einem Interview  mit, er habe nie irgend etwas mit der
       CIA zu  tun gehabt, das über "eine normale journalistische Bezie-
       hung" hinausgegangen  wäre, und auch niemals Geld von der Agentur
       für irgendeinen  Zweck angenommen.  Mr. Henrix, sagte der Beamte,
       wurde von  der CIA als "Aktivposten" betrachtet, und ein Teil der
       Verwirrung über  die Anzahl  der Journalisten mit früheren Bezie-
       hungen zur  CIA kann auf diese Unterscheidung zurückführbar sein,
       die wohl  für einen  CIA-Insider, jedoch nur für wenige Außenste-
       hende klar sein mag.
       "Das Wesentliche  an einem  Agenten", meinte  ein  CIA-Vertreter,
       "besteht darin,  daß er  unter einem  gewissen Grad von Kontrolle
       steht und  Aufträge ausführt,  weil man ihn dafür bezahlt, daß er
       es tut."  Ein "Aktivposten" andererseits kann jeder sein, den die
       CIA als  Informationsquelle oder  in anderer  Weise für  nützlich
       hält. Ein  solcher Einzelner  war, wie  ein CIA-Beamter erklärte,
       Kennett Love,  ein früherer Korrespondent der "New York Times" im
       Mittleren Osten. Obwohl er nie dafür bezahlt wurde, stand er nach
       der Beschreibung  des Beamten  in einer  "kooperativen Beziehung"
       zur CIA,  in deren  Rahmen er "Botengänge ausführte". Als wir ihn
       in seinem  Haus in  Kalifornien erreichten,  sagte Love,  er habe
       kurz nach dem Sturz des iranischen Premiers Mohammed Mossadegh im
       Jahre 1953  der CIA geholfen, den Text einer Erklärung zu vertei-
       len, in  der Ardeshir Zahedi als Nachfolger Mossadeghs bezeichnet
       wurde. Love  fügte jedoch hinzu, er habe damals nicht gewußt, daß
       Joseph C. Goodwin, der amerikanische Beamte, der ihn um Hilfe ge-
       beten hatte,  ein CIA-Mann  war, und er habe im übrigen nie etwas
       bewußt  für   die  CIA   getan.  Ein   anderer  Journalist,   der
       "Aktivposten" gewesen sein sollte, war Jules DuBois, der verstor-
       bene Lateinamerika-Korrespondent  der "Chicago  Tribune", der von
       einem früheren  CIA-Vertreter als der Agentur "gut und in günsti-
       gem Sinne  bekannt" beschrieben  wurde, obwohl er nie auf der Ge-
       haltsliste der CIA stand.
       Als der  britische Doppelagent Harold G. Philby in den Jahren vor
       seinem Absprung  in die  Sowjetunion noch  in Beirut lebte, hielt
       die CIA,  deren Verdacht erweckt, aber noch nicht erhärtet worden
       war, seine  Bewegung sorgfältig unter Beobachtung. Mehrere Ameri-
       kaner in  Beirut wurden  nach dem Bericht von CIA-Leuten zur Hil-
       feleistung herangezogen. Unter ihnen befand sich Sam Pope Brewer,
       damals Korrespondent  der "New York Times", der nach maßgeblicher
       Quelle ein  Agent des OSS gewesen war, als er während des Zweiten
       Weltkriegs noch als Reporter für die "Chicago Tribune" arbeitete.
       "Uns allen  sagte man,  wir sollten  Philby im Auge behalten, und
       Sam war  einer von  uns", berichtete  ein früherer CIA-Vertreter.
       Brewer starb im vergangenen Jahr.
       Nach den  Aussagen früherer CIA-Beamter legte die Agentur während
       der 50er  und 60er Jahre großen Wert auf die Anzahl der von jedem
       leitenden CIA-Vertreter "angeworbenen" Aktivposten. Das Ergebnis,
       erklärte einer  der CIA-Leute,  sei gewesen,  daß eine  Reihe von
       Leuten als  Aktivposten geführt  wurden "die nicht einmal wußten,
       daß man  sie angeworben  hatte". Der CIA-Vertreter meinte weiter,
       in solchen  Fällen sei  sich mancher einzelne der Tatsache völlig
       unbewußt gewesen,  daß eine, wie er meinte, gesellschaftliche Be-
       ziehung zu  einem CIA-Beamten von der Agentur weit ernster genom-
       men wurde.
       Mehrere langjährige  CIA-Praktiker brachten beträchtliche Skepsis
       über den Wert eines amerikanischen Journalisten als Geheimdienst-
       agent zum  Ausdruck, besonders in Afrika, Asien oder im Mittleren
       Osten, wo er mit Wahrscheinlichkeit auffalle. "Wenn man ernsthaft
       an Spionage interessiert ist", sagte ein früherer Stationsleiter,
       "dann läuft  man nicht  mit Leuten herum, die für ein paar Wochen
       durch Djakarta segeln. Sie wollen nur eins von Ihnen: Ihre Kennt-
       nisse ausbeuten.  Ich würde  sie behandeln wie die Pest. Was kann
       ein weißgesichtiger  amerikanischer Journalist  ohnehin schon für
       Sie tun?"  Andere widersprachen  jedoch. In  einem Fall erinnerte
       sich ein  CIA-Mann im  Ruhestand  daran,  daß  ein  Korrespondent
       "Dinge für  mich erledigen  konnte. Es waren Sachen am Rande, und
       sie waren  nicht geheim. Er stellte Fragen, schnüffelte herum. Es
       gab kein Geld, keine Subversion. Aber er konnte diese Dinge tun."
       Hatte sich ein Reporter erst einmal anwerben lassen, dann bildete
       ihn die  CIA im  "Handwerk" der Spionage aus, im Gebrauch von Ge-
       heimtinte, in der Technik der Überwachung, dem Arrangieren gehei-
       mer Treffs  und dergleichen.  Die Ausbildung  war nach den Worten
       eines früheren  Stationsleiters "für  jeden Fall maßgeschneidert"
       und konnte "einen Tag, manchmal eine Woche, manchmal auch länger"
       dauern. "In  keinem Fall",  fügte er  hinzu, "versuchten wir, aus
       den Medienleuten  wirkliche Spione zu machen. Es zahlt sich nicht
       aus, sie den gesamten Lehrgang absolvieren zu lassen."
       Weit entfernt davon, den Abenteuern James Bonds zu ähneln, liefen
       die den  Journalisten erteilten Aufträge in der Regel darauf hin-
       aus, längere  und detailliertere Versionen der Depeschen anzufer-
       tigen, die sie ihren Nachrichtenorganisationen bereits durchgege-
       ben hatten.
       
       Der Handel mit Klatsch
       ----------------------
       
       Nicht selten  waren die  Berichte an  die CIA  gespickt mit nicht
       druckfähigem Klatsch  und Anzüglichkeiten,  die der Agentur dabei
       helfen konnten,  bei einer  ausländischen politischen Persönlich-
       keit einen  Vorteil zu erringen. "Wessen Frau war auf welchen Mi-
       nister eifersüchtig?"  - so formulierte es ein früherer CIA-Mann.
       Ein anderer ehemaliger CIA-Vertreter wies darauf hin, daß ein Re-
       porter oftmals  "von immensem Wert für jede Art von Operation zur
       Nachrichtenbeschaffung war.  Er kann sich in der Stadt frei bewe-
       gen, er  kann ein  Postfach einrichten, er kann ein sicheres Haus
       beziehen, er  weiß, wie  man auch dort zu einem Telefon kommt, wo
       man manchmal drei Jahre lang darauf warten muß." Der Wert solcher
       einzelner, erklärte  der CIA-Mann,  bestand mehr  darin, "daß sie
       Unterstützung geben konnten; er machte sie jedoch nicht notwendig
       zu Leuten, die man als Spione hätte einsetzen wollen."
       Dennoch gab  es einige Fälle, in denen amerikanische Journalisten
       beträchtlichen Wert als operative Geheimdienstler hatten, vor al-
       lem in  Europa. "Er  konnte mit  Leuten reden, mit denen zu reden
       für die Station und die Botschaft unmöglich war", führte ein CIA-
       Mann aus.  "Er konnte  Sowjets identifizieren und mit ihnen spre-
       chen, er  konnte Reisen nach Orten unternehmen, die wir nicht er-
       reichen konnten."  Ein Beispiel, das der CIA-Vertreter hierzu an-
       führte, war  die Sowjetunion.  "Es galt als viel zu riskant, dort
       einen Tiefenagenten  zu unterhalten",  erklärte er.  "Die einzige
       Person, die wir dort jahrelang hatten, war ein Wirtschaftswissen-
       schaftler."
       In selteneren  Fällen -  es gab mindestens zwei davon in Hongkong
       und Beirut,  die zeitlich durch einige Jahre getrennt waren - un-
       ternahm die  CIA den  in einem  Fall auch  erfolgreichen Versuch,
       amerikanische Reporter  für die  heikle Aufgabe  einzusetzen, als
       Vermittler zu  agieren, wenn  ein Angehöriger eines ausländischen
       Geheimdienstes sich  als Überläufer  in die USA absetzen wollte -
       ein überaus  kitzliger Auftrag,  der normalerweise  für  qualifi-
       zierte Profis reserviert bleibt. Mindestens einmal setzte die CIA
       einen amerikanischen  Reporter sogar  in dem  erfolglosen Versuch
       ein, einen  anderen Reporter  zum "Absprung"  zu bewegen. Während
       der Waffenstillstandsgespräche  in Korea  überredete die CIA nach
       Aussagen von  Gewährsleuten Edward  Hymoff, der damals als Korre-
       spondent für  den "International News Service" tätig war, dem au-
       stralischen Journalisten  Wilfred Burchett,  der enge Beziehungen
       zu den  nordkoreanischen Kommunisten  unterhielt, 100 000  Dollar
       anzubieten.
       
       Schmeichelei seitens der CIA
       ----------------------------
       
       Noel Busch, ein Reporter des Nachrichtenmagazins "Time" im Fernen
       Osten, teilte mit, er sei Mitte der 50erJahre von der CIA gebeten
       worden, einen  asiatischen Politiker für eine tiefgehende Profil-
       studie zu interviewen. Busch berichtete, er habe der Agentur mit-
       geteilt, der  Mann sei nicht so wichtig, daß "Time" oder eine an-
       dere Zeitschrift an einem solchen Bericht interessiert sein könn-
       ten. Wie  er weiter  mitteilte, erklärte sich die CIA jedoch ein-
       verstanden, ihm 2000 Dollar für den Artikel zu zahlen, falls nie-
       mand sonst  ihn annehmen  wollte. Niemand sonst wollte, und Busch
       erzählte, er  habe später erfahren, daß die CIA "dem Kerl nur mit
       einem  Annäherungsversuch  eines  amerikanischen  Korrespondenten
       schmeicheln wollte". Er sagte, er habe "Time" kurz danach verlas-
       sen und sei zur Asia Foundation gegangen.
       Typischer war  vielleicht die  CIA-Agentin und  Mitarbeiterin von
       "Time" in  einer entlegenen  asiatischen Hauptstadt, die den Auf-
       trag erhielt, "sich in der Gesellschaft am Ort zu bewegen und das
       Gehörte zu  berichten". Man  ließ die Agentin schließlich ziehen,
       nachdem sie mehrere Jahre hindurch berichtet hatte, daß es nichts
       zu berichten gab. Führungskräfte verschiedener Nachrichtenorgani-
       sationen wiesen darauf hin, es sei für sie weit schwieriger gewe-
       sen, die Aktivitäten ihrer Teilzeitreporter oder örtlichen Mitar-
       beiter unter Kontrolle zu halten als die derjenigen Korresponden-
       ten, die zur Redaktion gehörten.
       Fred Taylor, Geschäftsführender Redakteur beim "Wall Street Jour-
       nal", erwähnte, einer seiner europäischen fest stationierten Mit-
       arbeiter sei  vor zehn Jahren bei der CIA beschäftigt gewesen. Er
       habe das nie gewußt und könne es auch heute weder bestätigen noch
       dementieren, aber  "Wer zum  Teufel weiß  überhaupt  darüber  Be-
       scheid, was  die örtlichen Mitarbeiter im Sinn haben?" Die Arbeit
       war jedoch  nicht ohne  ernste und sogar gefährliche Aspekte. Da-
       niel Berrigan,  ein Mitarbeiter  der "New  York Times" in Bangkok
       und seit vielen Jahren CIA-Agent, wurde unter mysteriösen Umstän-
       den im Jahre 1966 ermordet.
       Einige Geheimdienstvertreter  sind der Meinung, daß die neuen und
       strengeren Bestimmungen  der CIA über die Beziehungen zu amerika-
       nischen Journalisten  sich als  eine  Übergangsregelung  erweisen
       werden, als  eine pragmatische  Antwort auf  die laufende Kontro-
       verse über die in der Vergangenheit praktizierten Beziehungen der
       Agentur zur Presse. "Das Pendel wird weiter schwingen", sagte ein
       langjähriger führender  CIA-Beamter, "und  eines Tages werden wir
       auch wieder  Journalisten anwerben."  Und wenn  dieser Tag kommt,
       fügte er vertraulich hinzu, "dann werde ich auch kein Problem ha-
       ben, sie  anzuwerben. Ich  sehe viele von ihnen und ich sehe, sie
       sind reif für die Ernte."
       
       _____
       *) Bekannter amerikanischer Publizist, D. Red.
       **) "Times" steht  hier, wie  im weiteren Text, für "New York Ti-
       mes". D. Red.
       

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