Quelle: Blätter 1978 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "NEIN ZUR NEUTRONENBOMBE - BEENDET DAS WETTRÜSTEN." AUFRUF
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       DES KOMITEES FÜR FRIEDEN, ABRÜSTUNG UND ZUSAMMENARBEIT ZU
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       DEMONSTRATIONEN IN MÜNCHEN, NÜRNBERG, WIESBADEN, BONN, ESSEN,
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       MÜNSTER UND IN DER GARLSTEDTER HEIDE AM 20. MAI 1978
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       (Wortlaut)
       
       Eine neue  Massenvernichtungswaffe bedroht  uns:  die  Neutronen-
       bombe. Sie soll in den USA gebaut und in unserem Land stationiert
       werden. Sie soll Material schonen, Leben aber durch Todesstrahlen
       vernichten. Ihr  Einsatz würde  unabsehbare Mißbildungen bei kom-
       menden Generationen bewirken.
       Millionen Menschen  protestieren, Politiker  und Generale warnen:
       Sie ist  eine Angriffswaffe für den atomaren Ersteinsatz. Mit ihr
       soll der Atomkrieg führbar gemacht werden.
       Mit der  Neutronenbombe wird  neues Mißtrauen  geschürt, der Ent-
       spannung zwischen  Ost und  West erheblicher Schaden zugefügt und
       die Bemühungen um Rüstungsbegrenzung und Abrüstung gefährdet.
       Ein neues Wettrüsten wird unausweichlich.
       Die Bundesregierung muß entschieden Nein sagen zur Neutronenbombe
       und ihrer  Stationierung in  unserem Land. An ihr liegt es, einem
       neuen gefährlichen  Wettrüsten Einhalt  zu gebieten.  Die Öffent-
       lichkeit aller Länder ist aufgerufen, einzutreten
       - für ein allseitiges Verbot der Neutronenbombe,
       - für das Verbot, neue atomare Waffen zu produzieren,
       - für den Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen.
       Denn:
       Die Einstellung  des Wettrüstens  ist dringlichstes Gebot unserer
       Zeit, Das  Wettrüsten schafft  keine Sicherheit,  sondern bedroht
       den Weltfrieden  und gefährdet  Entspannung und Verständigung, es
       verhindert soziale Sicherheit, Reformen und einen wirksamen Kampf
       gegen Hunger,  Elend, Krankheit  und Armut. Niemand kann sich auf
       Dauer die Fortsetzung des Wettrüstens leisten.
       Unsere Welt  braucht ein  Gleichgewicht des  Vertrauens und nicht
       des Schreckens,  braucht Zusammenarbeit  und nicht Konfrontation.
       Neue Möglichkeiten sind entstanden.
       - Die Gesamteuropäische  Konferenz von Helsinki, ihre Folgekonfe-
       renz in  Belgrad und  die Verträge  zwischen Ost und West zeigen,
       daß man  sich trotz unterschiedlicher politischer Positionen über
       wichtige Fragen einigen kann.
       - Zwischen USA  und der  UdSSR wurde ein Abkommen über die Verhü-
       tung eines  Atomkrieges und  erste Vereinbarungen  zur Begrenzung
       der strategischen  Rüstung getroffen.  Sie erklären,  daß  es  im
       Atomzeitalter keine Alternative zur friedlichen Koexistenz in ih-
       ren Beziehungen zueinander geben kann.
       - Die überwältigende Mehrheit der Staaten in den Vereinten Natio-
       nen fordert,  eine Weltabrüstungskonferenz einzuberufen, den Waf-
       fenexport zu  stoppen und  die Herstellung  neuer  Massenvernich-
       tungswaffen, den  militärischen Mißbrauch  der Umwelt, alle Atom-
       waffen-Tests und die chemischen Waffen zu verbieten.
       - In Wien verhandeln 19 Staaten aus Ost und West über die Verrin-
       gerung der  Truppen und  Rüstungen in Mitteleuropa. Es ist vorge-
       schlagen, daß alle Staaten zunächst für die Dauer der Verhandlun-
       gen ihre Rüstungshaushalte nicht erhöhen.
       Alle bisherigen  Erfahrungen machen  deutlich, daß  Übereinkommen
       möglich sind,  wenn keine  einseitigen Vorleistungen verlangt und
       die Fragen in den Vordergrund gestellt werden, die im allseitigen
       Interesse liegen und lösbar sind.
       Der Kurswechsel  zur politischen  Entspannung  wurde  erfolgreich
       eingeleitet, jetzt  muß ein Durchbruch zur militärischen Entspan-
       nung folgen.  Die ungezügelte  Fortsetzung des  Wettrüstens nutzt
       allein den  Gegnern der  Entspannung, sie nutzt allein denen, die
       am Wettrüsten verdienen, die deshalb Konfrontation nach innen und
       außen verschärfen,  die alte Vorurteile schüren, mit Feindbildern
       des Kalten  Krieges die  Aufrüstung rechtfertigen und damit Frie-
       den, Demokratie und Fortschritt aufhalten.
       Wir fordern den Stopp des Wettrüstens!
       - Nein zur Neutronenbombe.
       - Keine weitere  Erhöhung des Rüstungshaushaltes und Verzicht auf
       alle neuen Rüstungsprojekte.
       - Einen konstruktiven  Beitrag für  die Wiener Verhandlungen über
       die Verringerung von Truppen und Rüstungen in Mitteleuropa.
       - Die Rüstung  entsprechend den  UNO-Resolutionen zunächst um 10%
       zu senken,  um die  freiwerdenden Gelder  für wirtschaftliche und
       soziale Aufgaben  bei uns  und in den Entwicklungsländern zu ver-
       wenden.
       Wir appellieren  an alle  Bürger unseres  Landes, sich tatkräftig
       einzusetzen für  die Einstellung des Wettrüstens in Ost und West.
       Trotz der  positiven Möglichkeiten internationaler Abrüstungsver-
       handlungen wurde  der Rüstungshaushalt  der Bundesrepublik auf 54
       Mrd. erhöht.
       Wir rufen  auf, dafür  einzutreten, daß  der Rüstungshaushalt der
       Bundesrepublik nicht weiter erhöht wird.
       Wir rufen auf, mitzuarbeiten in Abrüstungsinitiativen und teilzu-
       nehmen an den Demonstrationen am 20. Mai 1978.
       
       Dem Aufruf stimmten u.a. zu:
       Heinz Bennent,  Schauspieler -  Senta  Berger,  Schauspielerin  -
       Horst Bingel,  Schriftsteller - Willi Bleicher, Stuttgart - Prof.
       Dr. Ernst Bloch + - Herbert Borghoff, Gewerkschaftssekretär, Neu-
       beckum - Prof. Dr. Klaus Brake - Kl. Bretthauer, Betriebsratsvor-
       sitzender, Hanau - Helmut Bublitz, Betriebsratsvorsitzender, Gel-
       senkirchen -  H. Buck, Gewerkschaftssekretär, IG Metall, Reutlin-
       gen -  Dr. Ernst  Busche, Sprecher  der Bürgeraktion  Garlstedter
       Heide -  Martha Buschmann  Düsseldorf -  Franz Josef Degenhardt -
       Dr. Karlheinz  Deschner, Schriftsteller - Lottemi Doormann, Spre-
       cherin der  Elterninitiativen Schulnotstand in der BRD - Ingeborg
       Drewitz, Schriftstellerin - Dr Heinz Düx, Vorsitzender Richter am
       Oberlandesgericht Frankfurt  - Konrad  Elsässer, 1.  Vorsitzender
       des Christlichen  Friedensdienstes -  Thomas Engel,  Regisseur  -
       Bernt Engelmann,  Schriftsteller -  Thomas Erdner, Gewerkschafts-
       funktionär, GEW  Hamburg - Ernst Faber, Betriebsratsvorsitzender,
       Willich -  Anne-Marie Fabian  - Prof.  Dr. Walter  Fabian -  Kurt
       Feldmann, Neumünster  - Hansjörg  Felmy -  Pastor H. Frenz, ehem.
       chilenischer Bischof - Helmut Friedrich, Betriebsratsvorsitzender
       Fliesteden -  Richard Fritzsche,  Vorsitzender der Vertrauenskör-
       perleitung, Velbert  -  Ernst-Fritz  Fürbringer,  Schauspieler  -
       Wolfgang Gehrke, Dortmund - Prof. Dr. H. Gollwitzer - Martin Gre-
       gor-Dellin, Schriftsteller - Wolfgang Grunewald, Betriebsratsvor-
       sitzender, Frankfurt  - Dieter Hildebrandt - Helga Hirsch, Stell-
       vertretende Betriebsratsvorsitzende, Hamburg - Heinz Hofmann, Be-
       triebsratsvorsitzender, Lüdenscheid  - Prof.  Dr. Horst  Holzer -
       Prof. Dr.  Jörg Huffschmid - Mechtild Jansen, Bonn Prof. Dr. Ger-
       hard Kade - Alma Kettig, Witten Knut Kiesewetter - Dietrich Kitt-
       ner -  Prof. Dr. Arno Klönne - Oberkirchenrat i.R. Dr. h.c. Heinz
       Kloppenburg -  Helmuth Knoch, Gewerkschaftssekretär, Witten - Ga-
       briele Krajetzki,  Jugendbildungsreferentin, Bochum  -  Prof.  D.
       Walter Kreck - Prof. H.J. Krysmanski - Prof. Dr. Reinhard Kühnl -
       Gunter Lange,  DAG-Funktionär, Hamburg  - Albert Lehmann, Gewerk-
       schaftsfunktionär, DGB  Raunheim -  Steffen Lehndorff, Köln - Pa-
       stor Konrad  Lübbert, Vorsitzender  des Versöhnungsbundes - Heinz
       Lukrawka, Betriebsratsvorsitzender, Dinslaken - Wolf E. Mache Ge-
       werkschaftssekretär, Nürnberg  - Klaus  Mannhardt - Hansjörg Mar-
       tin, Schriftsteller  - Eva  Mattes Schauspielerin  - Gunnar Matt-
       hiessen, Köln  - Hartmut  Meinert, Betriebsratsvorsitzender, Vel-
       bert -  Harald Meinke,  Gewerkschaftsfunktionär im  DGB Hamburg -
       Pfarrer Wilhelm Meyer - Dr. h.c. Herbert Mochalski, Vizepräsident
       der Christlichen Friedenskonferenz - Heinz Mührmann, Stellvertre-
       tender Betriebsratsvorsitzender,  Altena -  D. Martin Niemöller -
       Willi Orzykowski,  Betriebsratsvorsitzender, Hannover  - Kathleen
       Pedersen, Gewerkschaftsfunktionärin GEW Schleswig-Holstein - Hans
       Quest, Schauspieler  und Regisseur  -  Prof.  Dr.  theol.  Ranke-
       Heinemann - Pastor Klaus Rauterberg - Josef Reding Schriftsteller
       - Heinz  Reichwald, Staatssekretär a.D. - Prof. Dr. Helmut Ridder
       - Werner  Rieß, Gewerkschaftssekretär,  Frankfurt - Luise Rinser,
       Schriftstellerin  -  Dr.  Joseph  Rossaint  -  Dr.  Erika  Runge,
       Regisseurin und  Autorin -  Artur Sahm,  Gewerkschaftsfunktionär,
       DGB Burgdorf  - Josef  Schavier, Betriebsratsvorsitzender  Köln -
       Karl H.  Schneider, Betriebsratsvorsitzender  Rodgau  -  Waldemar
       Schultze, Gewerkschaftssekretär, Koblenz - Eckart Spoo - Wolfgang
       Stephan, Betriebsratsvorsitzender Speyer - Prof. Dr. Fritz Straß-
       mann -  Maria Strauch,  Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende,
       Hannover -  Prof. Dr.  Gerhard Stuby  - Pfarrer  i.R. Horst Syma-
       nowski -  Rolf Thetard,  Betriebsratsvorsitzender,  Düsseldorf  -
       Horst Trapp  Frankfurt - Gösta v. Uexküll, Publizist - Ulrich We-
       gener, Braunschweig  - Dieter Wortmann, Betriebsratsvorsitzender,
       Velbert - Prof. Dr. Erich Wulff.
       
       Bis zum 4.12.1977 lagen beim Büro des Komitees 50 298 - notariell
       bestätigte -  Unterschriften vor. Viele dieser Einzelunterschrif-
       ten stellen Willensbekundungen von Organisationen und Organisati-
       onsgliederungen dar.
       68 000 Bürger  nahmen an  den großen Abrüstungsdemonstrationen am
       21. Mai 1977 in Bremen, Essen, Frankfurt und München teil.
       Eine ganze Reihe von Organisationen hat durch Beschlüsse der Vor-
       stände oder  sonstiger zu  Beschlüssen berechtigter  Gremien  die
       Forderung des Komitees unterstützt.
       Dazu gehören:
       IG Metall  Jugend - DGB Jugend NRW - DGB Jugend Hessen - Deutsche
       Postgewerkschaft Jugend  - Div.  DGB Kreisjugendausschüsse  - DGB
       Bundesjugendkonferenz - IG Druck und Papier Hessen - IG Druck und
       Papier München  -IG Druck  und Papier  Stuttgart  -  Verband  der
       Schriftsteller in  der IG Druck und Papier - Landesschülervertre-
       tung Hessen  u.a. -  Bundesringtagung der Kollegs und Abendgymna-
       sien -  Jungdemokraten - Jungsozialisten - SJD - Die Falken - So-
       zialistische Deutsche Arbeiterjugend - Naturfreundejugend - Deut-
       sche Friedensgesellschaft/Vereinigte  Kriegsdienstgegmer -  Deut-
       sche Friedens-Union  - Deutsche Kommunistische Partei - Marxisti-
       scher Studentenbund  Spartakus -  Sozialistischer Hochschulbund -
       Vereinigte Deutsche Studentenschaften.
       
       Zustimmungserklärung bitte  senden an: Komitee für Frieden, Abrü-
       stung und Zusammenarbeit, Gottesweg 52, 5000 Köln 51.
       

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