Quelle: Blätter 1978 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       APPELL DES KONGRESSES "CHRISTEN FÜR DIE ABRÜSTUNG"
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       IM DOMINIKANERKLOSTER FRANKFURT/M. AM 18. März 1978
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       (Wortlaut)
       
       Am 18.  März 1978 fand im Frankfurter Dominikanerkloster ein Kon-
       greß "Christen für die Abrüstung" statt, an dem über 400 Teilneh-
       mer aus  dem In-  und Ausland sich beteiligten. In einem ökumeni-
       schen Gottesdienst  predigten Pastor  Martin Niemöller  und Pater
       Dr. Paulus  Engelhardt, Vorsitzender  von Pax Christi in der BRD.
       Als Referenten  oder Leiter der vier Arbeitsgemeinschaften nahmen
       u.a. teil:  Prof. Dr.  Walter Kreck,  Pater Anatol Feid, Leopoldo
       Niclus (Ökumensischer  Rat der Kirchen, Genf), Pastor Konrad Lüb-
       bert, Ben  Terveer (Vorsitzender  des Interkirchlichen  Friedens-
       rates der  Niederlande), Pfarrer  Michael  Höhn,  Prof.  Dr.  Uta
       Ranke-Heinemann, Oberkirchenrat  Heinz Kloppenburg, Pfarrer Horst
       Symanowski. Nachstehend  der Wortlaut des vom Frankfurter Kongreß
       verabschiedeten Appells. D. Red.
       
       Wir Christen  sind durch unseren Glauben zur Erhaltung der Schöp-
       fung Gottes  zum Wohl aller Menschen aufgefordert; Jesus Christus
       verpflichtet uns  durch Wort  und Beispiel,  sein Evangelium  des
       Friedens zu  leben. Deshalb gehört es zu unserer Sendung, vor der
       drohenden Vernichtung  der Erde zu warnen und aktiv an der Siche-
       rung des  Friedens zu arbeiten. Aus dieser allen Christen gemein-
       samen Überzeugung heraus wenden wir uns an unsere Kirchen.
       Der Rüstungswettlauf ist zum Wahnsinn geworden. Eine reiche Erde,
       Wissenschaft und  Technik geben  uns allen  die Möglichkeit eines
       menschenwürdigen Lebens.  Wir aber  sind im  Begriff, den  Tod zu
       wählen. Wir könnten alle notwendigen Güter des Lebens herstellen,
       stattdessen produzieren wir Vernichtungswaffen. Besonders die de-
       monstrativ  zur  Menschenvernichtung  entwickelte  Neutronenbombe
       macht  die  Menschenfeindlichkeit  aller  Rüstung  deutlich.  Das
       Gleichgewicht der  Kräfte gerät  täglich neu  in Gefahr; die Ver-
       nichtung der gesamten Erde wird immer wahrscheinlicher.
       Deshalb erklären wir:
       - Unsere Verpflichtung  zum Frieden hat Konsequenzen, nämlich die
       Bereitschaft, für eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit zu
       kämpfen. Für  den Frieden arbeiten heißt heute: für die Abrüstung
       eintreten.
       - Abrüstung ist  noch kein  Frieden, aber sie ist dafür unabding-
       bare Voraussetzung.
       - Abrüstung ist  Sache aller  Menschen, deshalb  müssen alle Men-
       schen gemeinsam dafür eintreten.
       Wir fordern unsere Kirchen und Gemeinden auf,
       - angesichts der Bedrohung des Weltfriedens durch das Wettrüsten,
       das durch  den Bau  der Neutronenbombe in eine noch gefährlichere
       Phase eskalieren würde, sich nicht auf allgemein gehaltene Erklä-
       rungen zurückziehen,  sondern klar  und für  jedermann  unmißver-
       ständlich ihre Stimme zu erheben;
       - gemeinsam mit  allen Menschen nach Wegen zu suchen, um die Welt
       von der Geißel des Rüstungswettlaufs zu befreien;
       - alle ihre  Möglichkeiten, besonders  in der  Verkündung, auszu-
       schöpfen und  sich in  Gottesdiensten, Seminaren,  Friedenswochen
       usw. dieser Aufgabe zu stellen.
       Wir erklären, daß wir unsere Kirchen und Gemeinden bei dieser si-
       cher schwierigen  und langwierigen Friedensarbeit mit allen unse-
       ren Kräften  unterstützen werden.  Unsere jetzt  aktuelle Aufgabe
       ist es, Bundesregierung und Bundestag aufzufordern, sich der Pro-
       duktion der  Neutronenbombe und  ihrer Stationierung  in  unserem
       Lande zu  widersetzen. Darüber  hinaus fordern wir unsere Kirchen
       und die  Bundesregierung auf,  entsprechend der  Aufforderung des
       Ökumenischen Rates  der Kirchen,  konstruktive Vorschläge für die
       diesjährige UN-Sondersitzung zur Abrüstung zu erarbeiten.
       Die Kirche  hat eine  Mitverantwortung für  die  Zukunft  unserer
       Welt. Eine  Kirche des  Friedens kann  durch ihr mutiges Beispiel
       dazu beitragen, daß die alte Verheißung des Propheten Jesaja end-
       lich Wirklichkeit  wird: "Da  werden sie ihre Schwerter zu Pflug-
       scharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk
       wider das  andere das  Schwert erheben,  und sie  werden  hinfort
       nicht mehr lernen, Krieg zu führen."
       

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