Quelle: Blätter 1978 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER TEILNEHMERVERBÄNDE DER INTERNATIONALEN
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       MANIFESTATION FÜR DIE AUFLÖSUNG DER SS-VERBÄNDE UND GEGEN DIE
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       REHABILITIERUNG DES NAZISMUS AM 22. APRIL 1978 IN KÖLN
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       (Wortlaut)
       
       Am 22.  April 1978  demonstrierten in  Köln 30 000 Antifaschisten
       aus 17  Ländern für  die Auflösung der SS-Verbände und die Unter-
       bindung jeglicher  Nazi-Propaganda.  Auf  der  Abschlußkundgebung
       dieser  größten  Demonstration  der  Kölner  Nachkriegsgeschichte
       wurde eine gemeinsame Erklärung der 87 nationalen und internatio-
       nalen Verbände der Widerstandskämpfer, Verfolgten und Kriegsopfer
       verlesen, die wir im folgenden dokumentieren. D. Red.
       
       Wir hier  in Köln am 22. April 1978 versammelten Widerstandskämp-
       fer und Opfer des Naziregimes aus ganz Europa, einig in der Treue
       zu den  Idealen, die uns im Kampf um die Befreiung der Völker Eu-
       ropas sowie  des deutschen  Volkes von der Nazibarbarei bewegten,
       und im  Gedenken an die Millionen vom Nazi-Regime ermordeten Män-
       ner, Frauen  und Kinder,  wenden uns  mit aller Schärfe gegen die
       immer häufigeren  Veranstaltungen der  ehemaligen SS-ler  in  der
       Bundesrepublik Deutschland und den anderen Ländern; Veranstaltun-
       gen, die  eine Verunglimpfung  des Andenkens ihrer Opfer darstel-
       len.
       Die SS-Verbände  sind wegen  Verbrechen gegen  die Menschlichkeit
       vom Internationalen  Militärgerichtshof von  Nürnberg  verurteilt
       worden -  ihr Wiederaufleben  ist durch die interalliierten Über-
       einkommen von  1945 verboten worden - ihre Tätigkeit steht im Ge-
       gensatz zur  Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und zu den
       Gesetzen vieler Länder.
       In Verletzung  dieser Abkommen  haben sich die SS-Formationen er-
       neut in  Verbänden konstituiert,  tragen sie Kriegs- und Feldzei-
       chen ihrer alten Einheiten. Ihr Ziel ist die Pflege der militari-
       stischen Tradition  des Hitlerregimes,  die Verherrlichung seiner
       Führer und die Rehabilitierung nazistischer Kriegsverbrecher.
       Sie sind  so unverschämt, die von den Nazis in Deutschland und im
       besetzten Europa  verübten Verbrechen  zu leugnen. Sie versuchen,
       das Ausmaß des nazistischen Völkermordes, das Massaker an Millio-
       nen Häftlingen  der Konzentrationslager in den Gaskammern zu ver-
       harmlosen. Sie  verfälschen die Geschichte, verleumden die Wider-
       standsbewegung und  die Kräfte  der Anti-Hitler-Koalition,  deren
       Ziel die Befreiung der Völker einschließlich des deutschen Volkes
       vom Joch  der nazistischen  Barbarei war. Sie wollen den Nazismus
       rehabilitieren, was  eine Bedrohung  unserer Freiheiten  und  der
       friedlichen Zukunft unseres Kontinents bedeuten würde.
       Die Umtriebe  der ehemaligen SS-ler, ihre provokatorischen Veran-
       staltungen und  ihre internationalen  Verbindungen ermutigen  die
       neonazistischen und  rassistischen Gruppierungen, die in der Bun-
       desrepublik Deutschland  und in  zahlreichen anderen  Lindern fa-
       schistische Terroranschläge auf Lokale von demokratischen und an-
       tifaschistischen  Organisationen,   auf  jüdische  Denkmäler  und
       Friedhöfe, Gedenkstätten der Widerstandsbewegung und der Deporta-
       tion sowie  auf ehemalige  Widerstandskämpfer und Überlebende der
       Nazi-Höllen verüben.  Sie tragen  damit zu einem Klima der Gewalt
       und der Unsicherheit bei.
       Die Verbände  der ehemaligen  SS-ler schaden  in erster Linie der
       Bundesrepublik Deutschland,  ihrer Bevölkerung  und ihrer Jugend,
       die die  nazistische Vergangenheit ablehnen. Sie sind ein Hinder-
       nis für  eine echte Aussöhnung mit den Völkern, die Opfer des Na-
       zismus waren,  und behindern  die friedliche  Zusammenarbeit zwi-
       schen allen europäischen Staaten.
       Wir sind heute hier in Köln versammelt, um in Übereinstimmung mit
       den gültigen Gesetzen und Verträgen sowie den Beschlüssen der UNO
       über die Bestrafung der Kriegsverbrecher und die Verurteilung der
       nazistischen und  rassistischen Ideologien die Forderung zu erhe-
       ben:
       - Auflösung der Verbände der ehemaligen SS;
       - Unterbindung jeglicher nazistischen Umtriebe und Propaganda.
       Wir bekräftigen  dem deutschen  Volk,  das  ebenfalls  unter  dem
       Nazi-Regime schwer  gelitten hat, erneut unseren Willen, uns ohne
       Haß und  Rachegedanken für  die Annäherung zwischen allen Völkern
       und für  eine friedliche  Zusammenarbeit, die  die Sicherheit und
       die Unabhängigkeit  jedes einzelnen Volkes respektiert, einzuset-
       zen.
       Tragen wir gemeinsam dazu bei, eine fluchwürdige Vergangenheit zu
       bannen und  eine glückliche  Zukunft in  Frieden und Freundschaft
       zwischen allen Menschen zu errichten.
       

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