Quelle: Blätter 1978 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER NORDAMERIKANISCHEN INDIANER VOM 19. JULI 1978
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       ÜBER DIE FORTGESETZTE VERLETZUNG IHRER MENSCHENRECHTE
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       (Wortlaut)
       
       Am 19.  Juli 1978  beendeten mehrere  tausend Angehörige von mehr
       als 80 Indianerstämmen ihren "längsten Marsch", der sie über eine
       Entfernung von  4800 km  von  Kalifornien  in  die  amerikanische
       Hauptstadt geführt  hatte. Mit  diesem Protestmarsch  wollten sie
       auf die  fortgesetzte Verletzung ihrer elementaren Menschenrechte
       aufmerksam machen.  Die Repräsentanten  von drei  großen indiani-
       schen Völkern, der Dine ("Navajos"), der Lakota ("Sioux") und der
       Haudenosaunee  ("Irokesen"),  einigten  sich  erstmals  auf  eine
       Grundsatzerklärung, die wir im folgenden abdrucken. D. Red.
       
       Großer Vater,  Großer Geist, du bist die Höchste Energie, die das
       Universum und  alles Leben  darin geschaffen  hat. Großer  Vater,
       vielen Geistern  hast du  das Leben  auf dieser Erde gegeben, und
       jeden von ihnen hast du unterwiesen, wie er deinen Wegen entspre-
       chend zu leben habe.
       Als ich  aus dem  Leib meiner  Mutter, der Erde kam, gabst du mir
       Leben. Du  hast mir die Wahl zwischen zwei Wegen des Lebens gege-
       ben, dem  guten und dem schlechten Weg, und du hast mir eine hei-
       lige Pfeife gegeben, um durch sie von meinen Verwandten - den Ge-
       flügelten, den  Zweibeinigen, den  Vierbeinigen und denen, die im
       Wasser leben  - zu lernen, wie man den guten Weg geht, und dieser
       Weg ist rot.
       Großer Vater,  da ich  heute vor  dir stehe, vergib mir, wenn ich
       schwach bin. Wir bitten heute um dein Erbarmen.
       Großer Vater,  du hast  den Roten  Mann,  den  Gelben  Mann,  den
       Schwarzen Mann  und den  Weißen Mann  geschaffen. Jedem von ihnen
       hast du  einen Bereich  und eine Aufgabe zugewiesen. Heute stehen
       die Roten  vor den  Gelben, den Schwarzen und den Weißen, und wir
       beten, du  mögest ihr  Herz anrühren, damit sie unsere Sache ver-
       stehen.
       Großer Vater, heute erinnern wir uns an die zahllosen Angehörigen
       unserer roten  Nation, die  ihr Leben  opferten, so  daß wir, die
       kommenden Generationen, leben und den heutigen Tag sehen können.
       Großer Vater,  heute erinnern  wir uns  an die  hingeschlachteten
       Millionen Büffel,  Elche, Hirsche, Adler und all das übrige Leben
       in der  Natur, das  du geschaffen  und dem  du einen Sinn gegeben
       hast.
       Großer Vater,  heute erinnern wir uns an unsere Große Mutter, die
       Erde, die  uns geboren  hat und  uns, ihre Kinder, noch immer er-
       nährt. Vergib  uns, wenn  wir schwach  werden und ihre Ausbeutung
       und fortgesetzte Zerstörung zulassen.
       Großer Vater, heute beten wir für die kommenden Generationen.
       Großer Vater, heute beten wir für alle Lebenden.
       Großer Vater,  als ein Geist, ein Körper und eine Stimme schicken
       wir dir dieses Gebet. Großer Vater, höre uns heute, denn für uns,
       den Roten Mann, gibt es vielleicht kein Morgen mehr.
       
       Erklärung an das Volk der Vereinigten Staaten und der Welt -
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       Juli 1978
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       Seit unzähligen Jahrtausenden hat unser Volk auf diesem Kontinent
       in Frieden  und Ruhe  gelebt, zusammen mit allem Leben in der Na-
       tur. Wir  lernten, daß am Anfang alle menschlichen Wesen, die die
       Erde bevölkern,  mit allen  lebensnotwendigen Dingen ausgestattet
       wurden. Wir  wurden unterwiesen,  Liebe füreinander  zu empfinden
       und allen  Wesen auf  dieser Erde mit großem Respekt zu begegnen.
       Uns wurde  gezeigt, daß es unser Leben zusammen mit dem Leben des
       Baums gibt,  daß unser  Wohlbefinden abhängt vom Wohlbefinden des
       pflanzlichen Lebens,  daß wir  nahe  Verwandte  der  vierbeinigen
       Tiere sind.  Nach unserer Auffassung ist geistiges Bewußtsein die
       höchste Form der Politik.
       Wir sind tief verwurzelt mit dem Land, in dem wir leben. Wir emp-
       finden große  Liebe für unser Land, denn hier ist der Ort unserer
       Geburt. Die  Knochen von Tausenden unserer Generationen haben den
       Boden fruchtbar  gemacht. Jeder  von uns wurde in diesem Land er-
       schaffen, und  es ist  unsere Pflicht,  es mit großer Sorgfalt zu
       pflegen, denn  aus diesem  Land werden die künftigen Generationen
       unserer Bevölkerung hervorgehen. Wir bewegen uns auf der Erde mit
       großem Respekt, denn sie ist ein sehr heiliger Ort.
       Unsere traditionellen  Regierungen sind wirklich Regierungen "vom
       Volk, durch  das Volk und für das Volk". Alle Autorität auf allen
       Ebenen kommt  vom Volk und kann jederzeit wieder entzogen werden,
       wenn diese Macht mißbraucht oder Verpflichtungen nicht nachgekom-
       men wird.
       Unsere traditionellen  Regierungen sind mit den verschiedenen Re-
       gierungsformen, wie  sie heute um uns herum existieren, nicht an-
       gemessen zu  vergleichen. Wie  alle Aspekte der einheimischen Be-
       völkerung wurzeln  unsere Regierungen in den religiösen Systemen.
       Führer werden  unter anderem  gewählt aufgrund der Art und Weise,
       in der  sie ihr  Leben in  Übereinstimmung mit  den vier Haupttu-
       genden Tapferkeit, Mut, Großzügigkeit und Weisheit leben. Es sind
       Männer, die  sich bewährt haben und sich dafür einsetzen, das Ge-
       setz des  Geistes und der Natur ebenso wie die Gesetze des Volkes
       zu bewahren und durchzusetzen.
       Unsere Völker  glauben fest  an die  Zyklen des Universums. Alles
       beruht auf Begriffen von Harmonie und Gleichgewicht. Seit der An-
       kunft der  Völker aus  dem Osten  hat diese  Hemisphäre einen 486
       Jahre andauernden  Konflikt zwischen  westlicher Zivilisation und
       den Völkern der Naturwelt erlebt.
       Die westliche  Kultur hat  sich für  die Natur  in erschreckender
       Weise als  ausbeuterisch und zerstörerisch erwiesen. Über 140 Vo-
       gel- und Tierarten wurden seit der Ankunft der Europäer in beiden
       Teilen Amerikas vollkommen ausgerottet, in erster Linie, weil sie
       in den  Augen der  Eindringlinge ungewöhnlich  waren. Die  Wälder
       wurden planiert,  die Gewässer  sind verschmutzt, an unserem Volk
       wurde Völkermord  verübt. Die  riesigen Herden pflanzenfressender
       Tiere wurden  auf einige  Handvoll reduziert, der Büffel ist fast
       ausgestorben. Die westliche Technologie und die Menschen, die sie
       anwenden, waren  und sind  immer noch  die auf unglaubliche Weise
       zerstörerischsten Kräfte  in der  gesamten Menschheitsgeschichte.
       Keine Naturkatastrophe  hat jemals so viel zerstört. Nicht einmal
       die Eiszeiten haben so viele Opfer gefordert.
       Viele möchten  gern glauben,  all diese  Ungerechtigkeiten  seien
       vorbei. Nichts  könnte weiter entfernt von der Wahrheit sein. Un-
       sere einheimischen  Nationen haben Hunderte von Verträgen mit den
       europäischen Siedlern und mit den Vereinigten Staaten abgeschlos-
       sen. Diese Verträge anerkannten die Souveränität unserer Nationen
       und garantierten  das Land  und die Bodenschätze, die unseren Na-
       tionen gehören.
       Unser Volk ist das am meisten mißhandelte von allen Völkern Nord-
       amerikas. Das  extreme Unrecht,  das umserem Volk zugefügt wurde,
       wirkt sich  heute auf unser tägliches Leben aus. Unter den Geset-
       zen und  durch die  politische Praxis der Vereinigten Staaten er-
       kennt man uns nicht einmal die grundlegendsten Rechte zu, die für
       unser Überleben notwendig sind. Wir haben keine wirklichen Rechte
       in unserem  Land, keine  Rechte, unsere Lebensweise selbst zu be-
       stimmen, keine  Rechte zu  unserer wirtschaftlichen  Entwicklung.
       Man erlaubt  uns nicht  einmal den  Schutz unserer Gemeinschaften
       vor dem  ungerechten Vorgehen aller derjenigen, denen es beliebt,
       in unsere  Heimatgebiete einzudringen.  Unser Land wird "für uns"
       vom Amt für indianische Angelegenheiten verpachtet. Unsere Regie-
       rungen werden  vom Innenministerium  häufig kontrolliert oder be-
       hindert. Unsere  Rechte, als  Gemeinschaften und Nationen zu exi-
       stieren, erhalten keinen Schutz und werden häufig von den Gerich-
       ten nicht  anerkannt. In  unserem eigenen Land sind wir ein Volk,
       das auf furchtbare Weise unterdrückt wird. Die fundamentalste Ge-
       rechtigkeit wird unserem Volk verweigert, und nur unserem Volk!
       Wir sind  die Einzigen  in Nordamerika, die Land und Bodenschätze
       besitzen und befürchten müssen, daß man uns diese Dinge wegnimmt.
       Niemand sonst, der Bodenschätze besitzt, ist der ständigen Furcht
       davor ausgeliefert, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ihm
       diese Dinge  abnehmen wird.  Die Urbevölkerung jedoch muß das be-
       fürchten.
       Wir sind das einzige Volk, das formale rechtsgültige Vereinbarun-
       gen mit  der Regierung der Vereinigten Staaten getroffen hat, die
       von den  Vereinigten Staaten  nach Belieben verletzt werden, ohne
       daß sie  dafür rechtlich  belangt werden  können.  Mit  niemandem
       sonst geschieht  so etwas. Die Verfassung der Vereinigten Staaten
       läßt es  nicht zu,  daß dies  mit anderen Bevölkerungsgruppen ge-
       schieht. Trotzdem  beanspruchen die USA das legale Recht, mit un-
       seren Nationen abgeschlossene rechtsgültige Verträge zu verletzen
       oder zu ignorieren. Nur mit unserem Volk geschieht das.
       Unser Volk wird oft einer derart weitgehenden bürokratischen Kon-
       trolle und  Manipulation unterworfen, daß dies Verfahren auf eine
       Verweigerung selbst  des geringsten  Ausmaßes an Selbstverwaltung
       hinausläuft. Obwohl  es Gesetze und politische Bestimmungen gibt,
       die scheinbar  eine Beteiligung  an den unser Land und unsere Be-
       völkerung betreffenden  Entscheidungsprozessen ermöglichen, sieht
       die Wirklichkeit  so aus, daß wir keinerlei Gewalt über die Büro-
       kratien oder über die Gesetze und politischen Bestimmungen haben,
       die unser Leben betreffen. Tatsächlich bedeuten die Praktiken der
       Vereinigten Staaten ausländische Kontrolle über unsere Angelegen-
       heiten. Der  offizielle Standpunkt der USA besagt, es gebe in un-
       seren Gebieten  ein bedeutendes  Maß an Selbstbestimmung. Das ist
       eine Illusion,  die zur Verwirrung der Bevölkerung in den USA und
       der Welt  geschaffen wurde.  Unsere Bevölkerung besitzt von allen
       Gemeinschaften in Nordamerika die geringste Selbstbestimmung.
       Nur die  Urbevölkerung kann  das Opfer  von Diebstahl  und Betrug
       werden, ohne  die Möglichkeit zu haben, vor dem Gesetz Gerechtig-
       keit zu erlangen. Welcher anderen Bevölkerungsgruppe erklärt man,
       daß selbst dann, wenn eine betrügerische oder sonstwie gesetzwid-
       rige Handlung zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, die Gerichte
       keine Möglichkeit  haben, das  begangene Unrecht  wieder gutzuma-
       chen? Dies  ist jedoch  die gegenwärtige gerichtliche Praxis. Das
       von den  Gerichten angewandte  "Prinzip  der  politischen  Frage"
       (Political  Question   Doctrine)  hindert   die  Gerichte  daran,
       betrügerische Verträge  in Frage zu stellen, hindert die Gerichte
       daran,  zahlreiche   Vertragsverletzungen  wieder  rückgängig  zu
       machen, und  hindert die  Gerichte daran,  die unsere Bevölkerung
       betreffenden Übergriffe  der Regierung  in Frage  zu stellen oder
       wieder gutzumachen.
       Welche anderen  Gemeinschaften haben  vor dem  Gesetz  nicht  das
       Recht, Verordnungen zum Schutz ihrer Mitglieder vor den Übergrif-
       fen gewalttätiger und zerstörerischer Außenstehender zu erlassen?
       Welchen anderen  Völkergemeinschaften auf der ganzen Welt verwei-
       gert man das Recht, die Handlungen von Firmen oder Einzelpersonen
       zu kontrollieren,  die auf  ihrem Grund und Boden operieren? Aber
       genau das  ist die Situation unserer Bevölkerung in den Vereinin-
       ten Staaten heute, gerade in diesem Augenblick!
       Nur unsere  Bevölkerung kann von ihrem Grund und Boden vertrieben
       werden, ohne  daß sofort  rechtliche Maßnahmen  ergriffen werden.
       Nach der Entscheidung des Obersten Bundesgerichts der USA im Fall
       der Tee-Hit-Ton-Indianer  können die  Vereinigten Staaten Land in
       Besitz nehmen, das von jeher das Land unseres Volkes war, und sie
       tun es auch. Sie nehmen uns nicht nur das Land, sondern beanspru-
       chen außerdem,  dies ohne Entschädigung und ohne ein ordentliches
       Verfahren tun  zu können, und es gibt kein Gesetz, das unsere Be-
       völkerung vor diesem offensichtlichem Diebstahl schützt.
       Die Kampfe  unserer Bevölkerung haben unsere Führer immer und im-
       mer wieder  vor die  richterlichen, legislativen und ausführenden
       Organe des anrerikanischen Regierungssystems gebracht, wo sie den
       vergeblichen Versuch unternahmen, Gerechtigkeit zu finden.
       Die wirklichen  Probleme der  Souveränität und der Vertragsrechte
       sind ständig in einem Wust von Bürokratismus und Amtsschimmel un-
       tergegangen. Immer und immer wieder hat man uns an das Innenmini-
       sterium verwiesen, das weder über die Zuständigkeit noch über die
       Macht verfügt,  sich mit  diesen Fragen wirkungsvoll zu befassen.
       Wir können  nicht zulassen,  daß es  so weitergeht,  wenn wir als
       Volk überleben wollen.
       Es hat  den Anschein,  als sei die grundsätzliche Einstellung des
       amerikanischen Volkes  und der  Regierung unserer Bevölkerung ge-
       genüber noch immer eine Haltung äußerster Gleichgültigkeit.
       Gegenwärtig werden  uns die Menschenrechte, die Rechte der natio-
       nalen Einheit,  das Recht  auf Selbstbestimmung  und das grundle-
       gende Recht  unserer Bevölkerung  auf ihre Existenz in den Verei-
       nigten Staaten aktiv verweigert.
       Wir fordern  den Präsidenten der Vereinigten Staaten auf, den er-
       sten Schritt  zur Beseitigung  dieses Unrechts zu tun und mit den
       traditionellen und  geistigen Führern  unserer Bevölkerung zusam-
       menzutreffen, um ernsthafte Verhandlungen zu beginnen.
       Daß der  Präsident der Vereinigten Staaten die grundlegende Frage
       der Menschenrechte  aufgeworfen hat, ist Heuchelei und eine grobe
       Beleidigung angesichts des historischen Zusammenhangs und der ge-
       genwärtigen Lebensbedingungen unserer Bevölkerung.
       Die Definition des Völkermordes, wie sie in Artikel II der Inter-
       nationalen Konvention  über den  Völkermord vorliegt,  bildet die
       Grundlage für  die von unserem Volk bei den Vereinten Nationen in
       Genf, Schweiz, im September 1977 angestrengte Klage wegen Völker-
       mordes.
       Artikel II  stellt fest: "In der vorliegenden Konvention bedeutet
       Völkermord jede  der folgenden Handlungen, die in der Absicht be-
       gangen werden,  eine nationale,  ethnische, rassische  oder reli-
       giöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten, und zwar:
       (a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe;
       
       (b) Verursachung schwerer  körperlicher oder  seelischer  Schäden
       bei Mitgliedern der Gruppe;
       (c) absichtliches Verhängen von Lebensbedingungen über die Gruppe
       mit dem Ziel, ihre physische Vernichtung ganz oder teilweise her-
       beizuführen;
       (d) Auferlegung von  Maßnahmen in der Absicht, Geburten innerhalb
       der Gruppe zu verhindern."
       Viele unserer  jungen Leute gingen nach Übersee und kamen nie zu-
       rück. Man sagte uns, sie zögen in den Krieg, um für unser Land zu
       kämpfen. Unsere  unter der  US-Flagge  erlittenen  Kriegsverluste
       sind höher  als auf  jedem anderen  Sektor der nordamerikanischen
       Bevölkerung. Und  doch ist unser Land heute durch die Vereinigten
       Staaten bedroht.
       Polizei und  Geheimdienste der Vereinigten Staaten haben illegale
       militärische Operationen  gegen unsere  Bevölkerung  unternommen,
       zum Beispiel das Unternehmen Cointelpro. Diese Aktionen haben den
       gewaltsamen Tod einer Reihe unserer Führer zur Folge gehabt. Die-
       ses Vorgehen  ist noch  nicht beendet,  und wir  haben  keinerlei
       Schutz vor diesen Aktionen. Sie haben unter anderem zu dem Ergeb-
       nis geführt,  daß sich  in vielen amerikanischen Gefängnissen pa-
       triotische Indianer  befinden, die sich lediglich für Frieden und
       Freiheit für ihre Nationen einsetzen.
       Wie aus  einem im  vergangenen Jahr  veröffentlichten Bericht der
       GAO hervorgeht, wurden im Zeitraum von 1971 bis 1975  24% unserer
       Frauen zwangsweise oder gesetzwidrig sterilisiert.
       Täglich wird  fast eins  von dreien  unserer Kinder von verschie-
       denen Vermittlungsstellen auf County-, Staats- und Bundesebene in
       nicht-indianische Pflegeheime gegeben.
       Das Gesetz über die Reorganisation der Indianer (Indian Reorgani-
       zation Act)  aus dem Jahre 1934 zerstört noch immer die traditio-
       nellen Regierungen  unseres Volkes,  verursacht ein  weitgehendes
       Auseinanderbrechen einer ruhigen Lebensweise und stellt buchstäb-
       lich Bruder gegen Bruder.
       Die klar  ersichtliche Politik  des Völkermordes  im  vergangenen
       Jahrhundert nimmt ihren Fortgang in den weiterentwickelten Formen
       dieses Jahrhunderts.
       Unsere Religionen hat man angegriffen und entwürdigt. Unsere Kin-
       der werden  auch weiterhin  mit verschiedenen  Formen  westlicher
       Bildungsprogramme bearbeitet. Die geistigen Führer unserer Natio-
       nen sind  jetzt der  destruktiven Wirkung  von Geldern aus Regie-
       rungsprogrammen ausgesetzt.  Geldmittel des  Steuerzahlers werden
       dazu benutzt,  die Ausübung unserer natürlichen Religionen zu be-
       vormunden. Es  gibt sogar  Bemühungen, Bescheinigungen für unsere
       Medizinmänner einzuführen  und den spirituellen Charakter unserer
       Heilkultur zu  zerstören. Dieses  Vorgehen ist  eine Politik, die
       unsere natürlichen  Heilpraktiken zerstört. Eine Politik, die den
       unerhörten Versuch  darstellt, unsere  natürliche Religion zu be-
       einflussen und schließlich zu zerstören.
       Schließlich stellen  die gegenwärtig dem Kongreß vorliegenden Ge-
       setzentwürfe, in  denen die Annullierung der Indianerverträge und
       die Aufhebung  unseres Besitzes an Land, Bodenschätzen und Wasser
       vorgesehen ist, ein deutliches Signal dafür dar, daß für die Exi-
       stenz unseres  Volkes die Drohung des Völkermordes immer noch be-
       steht. Die Tatsache, daß der gegenwärtige Kongreß der Vereinigten
       Staaten im  Jahre 1978  eine derartige  Gesetzgebung in  Betracht
       zieht, sollte  das Volk  der Vereinigten Staaten alarmieren. Wenn
       eine Regierung einem Volk die Menschenrechte verweigert, dann ist
       es nur eine Frage der Zeit, bevor diese Rechte auch allen übrigen
       Bevölkerungsgruppen verweigert werden.
       Wir rufen  die Wähler  in den  Vereinigten Staaten auf, die Ethik
       und Moral ihrer führenden Vertreter im Kongreß zu überprüfen, die
       verantwortlich sind für die Einführung gefährlicher und rassisti-
       scher Gesetze gegen unsere Bevölkerung.
       Wir rufen  die Vereinigten  Staaten auf,  ihrer Verantwortung vor
       dem Völkerrecht  nachzukommen und die Indianerverträge zu respek-
       tieren, wirkliche Selbstbestimmung für unsere Nationen zu gewähr-
       leisten und  das Unrecht der Vergangenheit auf ehrenvolle und ge-
       rechte Weise wieder gut zu machen.
       Menschen, die  der Tradition verpflichtet sind, erkennen, daß die
       an unserem  Volk und  darüber hinaus  an vielen  Völkern der Welt
       verübten Ungerechtigkeiten die Hauptfaktoren sind, die die Spiri-
       tualität der  Menschheit zerstören.  Frieden und Einheit sind die
       Grundlage für  die spirituelle  Lebensweise unseres  Volkes. Aber
       Frieden und Einheit sind keine Gefährten des Unrechts.
       Wir rufen  alle Völker  der Welt  auf, sich uns anzuschließen auf
       der Suche  nach Frieden  und in  dem Bestreben, Überleben und Ge-
       rechtigkeit für alle Ureinwohner, für alle Geschöpfe der Erde und
       für alle Nationen der Erde zu gewährleisten.
       Wir werden  alle Schritte unternehmen, die notwendig sind für den
       Schutz unserer  heiligen Mutter  Erde, für  die  Rechte  und  das
       Wohlergehen unseres Volkes.
       Wir werden unsere Bemühungen bei der Weltorganisation fortsetzen,
       unsere angeborenen  Menschen- und Souveränitätsrechte wiederzuer-
       langen.
       

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