Quelle: Blätter 1979 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       STELLUNGNAHME DES VORSTANDS DES BUNDES DEMOKRATISCHER
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       WISSENSCHAFTLER (BDWI) VOM 5. MAI 1979 ZU EINEM ANGRIFF
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       AUF WOLFGANG ABENDROTH
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       (Wortlaut)
       
       Die nachfolgende  Erklärung des  BdWi-Bundesvorstands zum Angriff
       Peter v.  Oertzens auf Wolfgang Abendroth (vgl. den Kommentarteil
       dieses Heftes) haben auf dem 2. internationalen Kongreß Kritische
       Psychologie (4.-6.  Mai 1979  in Marburg)  1531 Teilnehmer unter-
       zeichnet. D. Red.
       
       In einem  Brief "An die Mitglieder des Bundesvorstandes des Deut-
       schen Gewerkschaftsbundes; Mitglieder der Hauptvorstände der Mit-
       gliedsgewerkschaften des  DGB, Mitglieder  der Vorstände der Lan-
       desbezirke des  DGB, Leitende  Redakteure der  gewerkschaftlichen
       Presse" vom 16. März 1979 nimmt Prof. Dr. Peter von Oertzen unter
       anderem Stellung  zu dem  Aufsatz "Dissidentenprozesse in den so-
       zialistischen Staaten, Protestpropaganda der 'westlichen' Staaten
       und westdeutsche  Linke", den  Wolfgang Abendroth  in  der  Zeit-
       schrift "Das Argument" 111/1978 veröffentlicht hat.
       Oertzen behauptet:  "Jedenfalls sind  die Auffassungen Abendroths
       unvereinbar mit  dem Programm  des DGB  und unvereinbar  mit  den
       Grundsätzen der  Demokratie, den  Zielen des  Sozialismus und den
       Traditionen der freiheitlichen Arbeiterbewegung".
       Der Vorstand  des Bundes  demokratischer  Wissenschaftler  stellt
       dazu fest:  Das Grundrecht  der freien  Meinungsäußerung und  der
       Wissenschaftsfreiheit gilt  auch für  Stellungnahmen, die von den
       herrschenden Ansichten  oder  Vorurteilen  differieren.  Wolfgang
       Abendroth hat  von diesem  Grundrecht Gebrauch gemacht. Dies darf
       keinen Anlaß  geben, ihm  einen Verstoß  gegen die Grundsätze der
       Demokratie, die  für die  Bundesrepublik  allein  verbindlich  im
       Grundgesetz  niedergelegt   sind,  vorzuwerfen.   Im   Gegenteil:
       Abendroth hat  mit seinem  Aufsatz zur  Meinungsvielfalt in einem
       Bereich beigetragen,  in dem  Abweichungen immer wieder mit Sank-
       tionen bedroht werden.
       Der Vorstand  des Bundes demokratischer Wissenschaftler weist die
       Vorwürfe Peter  von Oertzens  gegen Wolfgang Abendroth als in der
       Sache unhaltbar und in der Form gefährlich zurück.
       Hannover, den 28. April 1979
       

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